„FEE vs. Cönig“: Chronologie einer Premiere

Freunde der Dichtkunst und Liebhaber der Musik haben in Frankfurt selten Grund, auf dem Sofa zu versauern.Längst haben sich zahlreiche Poetry Slams und Konzertveranstaltungen etabliert. In großen und in kleinen Rahmen gibt’s immer was zu gucken und erleben, insbesondere an Wochenenden.

Nun haben die wunderbare Frankfurter Liedermacherin Fee und der längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Jan Cönig gemeinsame Sache gemacht und mit „Fee vs Cönig“ in vorläufig vier Ausgaben ein weiteres Format im Veranstaltungskalender verankert. Schon in den Monaten zuvor hatten beide (zum Glück!) keine Bühne ausgelassen und versprechen eine „Show voller Musik, Spoken Word und Action“. Nach einer mustergültigen Kampagne in den einschlägigen sozialen Medien, in der wirklich alle Waffen des Marketing gezückt wurden, wurde schlussendlich auch mein Interesse geweckt. Doch zunächst stellte sich für mich die Frage: Brauchte die Kulturwelt meiner Stadt tatsächlich noch eine weitere Veranstaltungsreihe? Noch dazu eine, deren Name ein gewisser Privatfernseh-Touch anheftete?

 

Brotfabrik und Spiele: Zwei Frankfurter Künstler im Duell



Das, da war ich ich mir schnell sicher, galt es für mich herauszufinden – auch, wenn ich mittlerweile fürchtete, mich angesichts des großen Angebots an Veranstaltungen irgendwann tatsächlich zwei-, wenn nicht gar dreiteilen zu müssen. Was soll’s, beide Gastgeber schätzte ich schließlich schon lange als Bereicherung der Frankfurter Unterhaltungslandschaft. Auch auf die mir bislang unbekannten Gäste in Gestalt des Musikers Tilmann Claas sowie der Marburger Poetin Leticia Wahl hatte ich eine gewisse Neugierde entwickelt. Am Abend des 15. Septembers 2018 machte ich mich somit auf den Weg zur von mir sehr geschätzten Brotfabrik im Stadtteil Hausen, auserkoren zum Schauplatz des Spektakels.

 

Falls ihr, liebe Leser, an jenem Abend ein Tinder-Date hattet oder anderweitig verhindert wart und euch nun fragt: „Was hab‘ ich verpasst?“:
Hier die Ereignisse der Show im Schnelldurchlauf! 

18:42 Uhr
„Hoffentlich wird das kein Reinfall!“, denk ich mir. Eigentlich hatte ich den heutigen Abend im Publikum der „Die drei Fragezeichen“-Tour in Offenbach verbringen wollen. Wer mich kennt, der weiß: Es fällt mir schwer, den drei Detektiven eine Abfuhr zu erteilen. Nun ja, immerhin sitze ich nun in der U-Bahn in Richtung Hausen statt auf dem Weg nach Offenbach zu sein. Ist ja auch was.

19:05 Uhr
„Ach, da isse ja!“ – Zusammenkunft mit meiner lieben Begleitung geglückt. Noch nix los in der Brotfabrik. Nicht schlimm, zu erzählen haben wir uns genug.

19.42 Uhr
Nach einer Cola zum Wach- schwenke ich nahtlos zum Apfelwein zum Betrunkenwerden über. Das, weiß ich als alter Hase, macht auch schlechte Shows erträglicher. Cheers!

19.58 Uhr
„Sind wir hier am Pool eines Pauschalurlaub-Hotels?“ Menschen reservieren Stühle zwar nicht mit Handtüchern, dafür aber mit Schals, Handtaschen, Jacken, und was sie sonst noch finden. Doch wir haben Glück: In der ersten Reihe ist noch was frei. Läuft bei uns.

20.05 Uhr
Applaus, Applaus. Fee und Cönig entern die Bühne, begleitet vom eigens komponierten Oeuvre. Nett.

20.09 Uhr
Auch Tillmann Claas und Leticia Wahl sind nun on stage und lümmeln sich ins Sofa. Auf dem Tisch vor ihnen winkt: Eine Winkekatze. Ich winke mal zurück.


20.10 Uhr

Fee greift zur Gitarre. Hach, ihre Musik muss man einfach mögen. Zumindest heimlich!

20.18 Uhr
Fee schleudert einen Schaumstoffwürfel ins Backstage. War nicht so geplant, denn eigentlich wird gerade etwas anderes gespielt: Hausnummernwürfeln. Die Sängerin bildet gemeinsam mit Tillmann Claas ein Team. Das Pendant, gebildet aus Jan Cönig und Leticia Wahl, würfelt dagegen unfallfrei. Nützt aber nix.

20.22 Uhr
Spielstand 1:0! Team Fee geht in Führung.

20.24 Uhr
Wahl kann auch Klavier. Dazu ein Text über einen Elefanten aus Porzellan. Frage mich, warum ich damals doch gleich den Klavierunterricht vorzeitig abgebrochen hatte.

20.34 Uhr
Wahl kann auch ohne Klavier. Und wie! Ein Text über einen Elefanten aus Porzellan. Ich beschließe, sie zu mögen.

20.36 Uhr
„Was hat acht Arme und kann gut addieren? – Ein Oktoplus!“
König reißt schlechte Witze, ich muss trotzdem lachen. Bin ich tatsächlich derart primitiv?

20.38 Uhr
Noch ein Text von Wahl. Schritte zurück und Schritte vor. Täusche ich mich, oder ahmt sie sie tatsächlich mit Schlägen auf unterschiedliche Partien ihres Körpers einen perfekten Herzschlag nach? Ich bin schwer beeindruckt! Vom Text selbst dagegen sehr berührt, kann ich nicht anders sagen. Sie hat mich endgültig gepackt. Hach ja.

20.44 Uhr
Ich realisiere, dass Tillmann Claas mit Nachnamen so heißt wie Claas Heuer-Umlauf mit Vornamen. Unbeeindruckt von dieser Tatsache wirft dieser Holzkugeln auf eine Leiter. Dabei stellt er sich weit besser an als Jan Cöni – der hat nämlich kein einziges Mal getroffen. Willkommen im nächsten Spiel: „Leitergolf“!

20.45 Uhr
Spielstand 2:0. Team Fee baut die Führung aus. Hierfür allein verantwortlich: Gamemaker Tillmann Claas.

20.50 Uhr
„Du stellst wirklich gute Fragen!“, bescheinigt Claas der Gastgeberin ein Moderationstalent. Diese hatte ihn  zuvor danach gefragt, wo ihn seine Inspiration ereile.Er halte es da wie Picasso: „Inspiration gets you at work!“  Man hat sich wieder niedergelassen, bisschen Gequatsche auf dem Sofa. Claas erzählt  auch von seinem  „Bürotag“, den er wöchentlich bestreite. Dass er dabei einen Anzug trage, mag ihm niemand abkaufen. Herrlich komisch!  Cönig macht Witze über die Moderationskarten seiner Konkurrentin, Claas zitiert Picasso. Leticia Wahl spielt im Schneidersitz mit dem Schaumstoffwürfel. Ich fühle mich bestens unterhalten. Auch, wenn offen bleibt, ob Picasso wirklich des Englisch mächtig war.

21.01 Uhr
Claas steht schnipst in ein Mikrofon und schnipst. Das Publikum schnipst vereinzelt mit. Fee und Cönig kabbeln sich mal wieder wegen ihrer Moderationskarten. Nun aber: Pause!

21.12 Uhr
Frische Luft, Rauchen im Innenhof. „Das ist mal eine ganz andere Unterhaltung, noch dazu von so jungen Leuten!“, nebenan unterhalten sich zwei Damen mittleren Alters. Doch auch andere Stimmen sind zu vernehmen: „Damit kann ich gar nichts anfangen!“. Ein wenig mehr „Knackigkeit“ wäre schön gewesen, egal, man gehe jetzt nach Hause. Ich zünde noch eine Zigarette an.

21.25 Uhr
Die Kamera macht mich nervös. Ständig turnt jemand herum und filmt. Aktuell steht Jan Cönig im Fokus der Aufnahmen, ein Text über seinen Opa und die Zeitnot unserer Generation. Kenn‘ ich zwar schon, find‘ ich aber trotzdem gut. Unterschreibe alles. Auch Pumuckl hätte gerade seine helle Freude: Fee trinkt erstmal ’nen Tee.

21.31 Uhr
„Die schönen Momente“, sagt Cönig, „sind doch diejenigen, während derer man die Zeit vergisst“. Ich unterschreibe abermals, während Claas sich von der Ottomane erhebt.


21.32 Uhr
Tillmann Claas erleidet einen epileptischen Anfall, während er eine elektrische Gitarre malträtiert. Er windet sich und zuckt. „Der Krach drückt die Welt in meinem Kopf aus“, betont er. Gelächter im Saal, ich stimme ein.

21.44 Uhr
Claas‘ Anfall ist vorüber. Eines seiner Lieder lässt mich alles über seinen Freund Thorsten wissen. Ein Anderes zeigt: Claasen und mich, uns eint der Erfolg: Wir beide stehen äußerst erfolgreich auf und schlafen ebenso erfolgreich irgendwann ein. Auch lerne ich, dass Rauchen kein Sport ist. Verdammt, hätt‘ ich das mal früher gewusst.

21.50 Uhr
Ich bekomme keine Luft mehr. Mit „Wat is mit dir“ liefert Claas eine herrlich absurde Punk-Nummer ab, ich erleide einen Lachanfall. Der Autor sollte auch am nächsten Tag noch einen Ohrwurm haben. Beifall, als der Künstler abtritt, ergo: Sich wieder aufs Sofa setzt. „Der Saal tobt“ zu schreiben, träfe zu, erscheint mir aber als längst zu platt. Entscheide, sein Fan zu werden.

21.51 Uhr
Stelle fest, dass meine Finger schmerzen. Der „Triple-Schnips“ ist schuld.

21.56 Uhr
„Wie soll ich bitteschön eine Druckerpatrone darstellen?!“
Wir befinden uns im dritten Spiel: Pantomime. Besser klappt’s dagegen mit der Visualisierung eines Bademeisters, welcher im Bruchteil einer Sekunde vom Publikum als solcher erkannt wird.Chapeaux!

21.58 Uhr
Obwohl Fee mustergültig einen fiktiven Pfandflaschenautomaten bedient, geht die Runde an Team Cönig-Claas. Zwischenstand: 2:1 !

22.05 Uhr
„Soll noch mal jemand sagen, das Rauchen wäre schädlich!“
Cönig hat in Erfahrung gebracht, wie Leticia Wahl zum Poetry Slam gekommen ist. Diese erzählt noch ’nen kleinen Schweif, ich höre gern zu. Als nächstes Spiel soll folgen: Der Buchstabierwettbewerb

22.15 Uhr
Fee und Tillmann verhaspeln sich beim Versuch, die Wörter „Hieroglyphe“ und „Stracciatella“ zu buchstabieren. Glück für die Gegner: Obwohl Jan Cönig beim folgenden Lieder-Raten die Red hot chili peppers mit Robbie Williams verwechselt (kann ja mal passieren!), gelingt der Ausgleich. Spielstand: 2:2

22.20 Uhr
Jetzt wird’s gemein, und zwar für mich: Die Zuschauer sind aufgerufen, mittels Hochhalten einer Karte ihren Favoriten zu bestimmen. Wie soll ich mich da bitte entscheiden? Die Künstler verfügen schließlich ganz unterschiedliche Talente und entstammen verschiedenen Zünften. Davon einmal abgesehen, haben sie allesamt großartige Auftritte hingelegt! Ich ringe und kämpfe und rangle mit mir, entscheide mich dann aber einzig aus Gründen der Solidarität für das Team von Fee. Ein flaues Gefühl bleibt.

22.23 Uhr
Die Frankfurter Musikerin grinst, während sie das Fallblatt umdreht und den Entstand verkündet. 3:2 für sie und Tillmann Claas. Der geschlagene Cönig bekommt ’ne fiese Aufgabe gestellt und wird bei der nächsten Show über seine Erfahrungen im Waxing-Studio berichten. Höhö.

22.29 Uhr
Fee greift nochmals zu Gitarre. Ich hätte fast schwören können, dass ich am heutigen Tage noch einmal ihr Vorzeigestück „Einzimmerwohnung“ hören werde. Und, tatsächlich: So sei es. Feinfein!

 

Wenn Künstler ein Konzept in den Schatten stellen: Mein Fazit

„Nächster Halt: Hauptwache“, 23:02 Uhr.
Ich sitze in der U-Bahn und überlege. Hat es sich gelohnt? Ja, ja und nochmals ja. Zu bemängeln wäre da allenfalls, dass die eigentliche Konzeption der Show als Wettkampf ein wenig im Schatten der fantastischen Darbietungen der Künstler stand. Die Spiele hätten ein wenig gewitzter sein können, doch haben Fee & Cönig ja noch genügend Zeit, um sich die Disziplinen ihres nächsten Duells zu überlegen. Wirklich mies war, die so unterschiedlichen Charaktere während der Abstimmung mit „besser“ und „schlechter“ bewerten zu müssen.

Ich jedenfalls ziehe meinen Hut vor der Organisation eines solchen Events. Herzlichen Glückwunsch für das glückliche Händchen bei der Auswahl der beiden Gäste! Frankfurt, resümiere ich, braucht diese Show. Der bunte Mix aus Poesie und Musik, gepaart mit spannenden Gästen und dem (wenn auch etwas in den Hintergrund geratenen Spielkonzept) macht Sinn und Spaß. Danke dafür, ihr Beiden!

Wenn auch ihr nun so richtig Bock auf Fee & Cönig bekommen habt, checkt doch mal deren Facebook-Seite. Vielleicht seid auch ihr am 18. Januar bei der „Wintersause“ mit von der Partie? Ich jedenfalls bin schon jetzt gespannt darauf. 

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