„Spurensuche in Bockenheim“: Auf literarischen Pfaden durch die Stadtgeschichte

Woran denkt ihr zuerst, wenn euch der Frankfurter Stadtteil Bockenheim in den Sinn kommt? Klar, wahrscheinlich an die Bockenheimer Warte (die eigentlich im Westend steht), das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Senckenberg-Museum, den zunehmend brachliegenden Uni-Campus oder urige Kneipen wie „Doktor Flotte“ – und, natürlich, den Messeturm gibt’s auch noch. Aber kann es das gewesen sein?

Natürlich nicht! Dass der im Jahr 1895 eingemeindete Stadtteil weit vielschichtiger ist und eine durchweg spannende Geschichte vorweisen kann, möchte „Spurensuche aus Bockenheim“ unter Beweis stellen. Das Buch ist im Oktober 2019 im von mir sehr geschätzten mainbook-Verlag erschienen – und landete dankenswerterweise kurz vor seiner Veröffentlichung in meinem Briefkasten.

Dreißigen Autoren, eine Hommage

Ich selbst lebe zwar im Nordend, bin aber häufig im 40.000 Einwohner starken Stadtteil unterwegs. Häufig genug, um mich zurechtzufinden und mit Freunden eine gute Zeit zu haben – jedoch nicht häufig genug, um wirklich in den Stadtteil, seine Vergangenheit und seine prägenden Persönlichkeiten einzutauchen.

Warte, U-Bahn-Eingang, Messeturm:
Bockenheim ist so viel mehr als das!

Meine Neugierde war also geweckt – konnte das Buch meine Wissenslücken stopfen? Stolze dreißig Autoren bereichern das Buch laut Vorwort um ihre „informativen, originellen und historischen Texte“. Dass ich keinen einzigen von ihnen namentlich kenne und mir auch die Herausgeber Richard Grübling, Norbert Saßmannshausen und Otto Ziegelmeier nicht bekannt bin, muss nichts heißen – also los!

Den Auftakt des Buches bildet eine Anekdote aus dem Jahr 2015, als auch Frankfurt-Bockenheim zur neuen Heimat für zahlreiche Flüchtlinge aus Staaten wie Syrien und Afghanistan wurde. Eine Helferin erzählt von den Widrigkeiten der ersten Deutschunterricht-Stunden genauso wie vom Wert des Gefühls, für Menschen in Not da zu sein. Diese Geschichte liegt gleichzeitig am nächsten an der Gegenwart – zunehmend wird das Buch fortan zur Zeitreise und lässt Straßenzüge, Gebäude und Menschen kurzzeitig lebendig werden.

Anekdoten und Überraschungen

Und auch Pflanzen – wusstet ihr etwa, dass im Jahr 1907 eine ausgewachsene Eibe öffentlichkeitswirksam an ihren neuen Stammplatz im Palmengarten transportiert wurde, an dem sie heute noch bewundert werden kann? Wahrscheinlich genauso wenig, wie ihr von all den griechischen Familien wusstet, die seit den Siebzigerjahren Teil des Stadtteils wurden, gut vernetzt sind und Bockenheim bis heute um ihre Kultur bereichert haben. Ich war überrascht über das politische Ringen um das alte Bockenheimer Depot – wer hätte gedacht, welche Kämpfe vonnöten waren, bis ich selbst dort ganz selbstverständlich Theatervorführungen besuchen konnte?

Die Autoren, das wird schnell klar, brennen für Bockenheim und lassen einiges an Herzblut in ihre Texte fließen. So wird der Kneipe „Volkswirtschaft“, die ich selbst schon einige Male ganz unbedacht besucht habe, eine ganze Liebeserklärung zuteil – und die Verzweiflung eines alten Kartographen über die fortwährende Veränderung Bockenheims lässt echtes Mitgefühl in mir aufflammen.

An dieser Stelle soll freilich nicht gespoilert werden – aber immer wieder hat mir das Buch echte „Aha!-Effekte“ beschert. Oder habt ihr etwa gewusst, dass die Schrift „Futura“ – heute im Standardpaket eines jeden Computers – ihre Wurzeln im Frankfurter Stadtteil hat?

Welch Größen einst in Bockenheimer Buchhandlungen gelesen haben, welch Herausforderungen es für die seit jeher hier ansässige „TITANIC“-Redaktion zu meistern galt? Wusstet ihr, dass nicht nur Satire, sondern auch die Nullnummer der bis heute großen „taz“ in Frankfurt-Bockenheim entstanden ist? Nein? Dann habt ihr schon jetzt einen guten Grund, euch selbst auf Spurensuche zu begeben!

Besonders gut gefällt mir, dass zwischen den Texten immer wieder eingestreute „Fun facts“ auf unterhaltsame Weise für echtes Kennerwissen sorgen.

Bock auf Bockenheim?

Wenn ihr nun neugierig geworden seid – oder einfach nur wissen wollt, weshalb das Werk euch einen Grundlagenkurs im Buchdruck liefert, dann zögert nicht lange und macht euch auf zur nächsten Buchhandlung!
Nach zwei verregneten Nachmittagen, während derer ich mich auf „Spurensuche“ begab, bin ich nun nicht nur erheblich schlauer – sondern werde fortan auch mit nochmals offeneren Augen durch Frankfurt-Bockenheim wandeln….

Spurensuche in Bockenheim
erschienen im
mainbook-Verlag
im lokalen Buchhandel
oder
notfalls auch auf Amazon

Einladung zum Zweiten: Ein Literatur-Tipp für den Herbst

Drei Jahre sind vergangen, seit der Größenwahn-Verlag mit der „Frankfurter Einladung“ eine Anthologie von Kurzgeschichten und Gedichten auf den Büchermarkt geworfen hat. Ein heterogenes Autoren-Kollektiv setzte damals einzelne Stadtteile als Handlungsort in Szene – einheimische Rezepte machten die literarische Ode an die Stadt perfekt.

2019 legt der Verlag nach: Mit der zweiten Ausgabe der „Frankfurter Einladung“ rücken nicht allein Stadtteile, vielmehr ganz konkrete Orte in den Fokus der Handlungen und Gedanken. Pünktlich zum Beginn der verregneten Tage könnt ihr als Leser wieder tief in die Seele unserer Stadt eintauchen, ganz ohne euer Bett oder eure Coach zu verlassen. Auch ich selbst – und darüber freue ich mich besonders! – durfte zwei Geschichten zum Gesamtwerk beitragen….

44 Orte. 44 Geschichten.

Niemand wählt einen Schauplatz, der ihm völlig gleichgültig ist, als Ausgangspunkt für eine Erzählung oder ein Gedicht. Die Beziehung zum Ort ist zum Schreibimpuls geworden“



Herausgeberin Susanne Konrad beschreibt in ihrem Vorwort sehr treffend ihr Anliegen, in der zweiten Ausgabe ihrer „Einladung“ statt einzelner Stadtteile die echten Herzensorte ihrer Autoren in den Vordergrund zu rücken. Vom Hauptfriedhof zu den alten Cassella-Werken, von einem Bücherschrank in Bornheim bis zur Wörthspitze in Frankfurt-Höchst: Vierzig ortsansässige Autoren erwecken in der Angang Oktober erschienen Anthologie ganz unterschiedliche Flecken der Stadt zu literarischem Leben. Dabei, so finde ich, ist für jeden Leser etwas dabei. Der gemeine Neu-Frankfurter kann seine Wahlheimat auf besondere Art und Weise kennen lernen, der Alteingesessene dagegen wird erkennen, dass jedem so oft passierten und doch kaum beachteten Ort ein Zauber innewohnen kann.

Geschichten auch aus meiner Feder…

Tja, ich mag es nicht verheimlichen:
Auch ich bekam die Chance dazu (an dieser Stelle ein riesengroßer Dank an dich, Anette!), als einer der 44 Autoren auch zwei meiner Geschichten zum Gesamtwerk beizusteuern.

Für mich fühlt es sich sehr gut an, zwischen all den spannenden Geschichten und Gedichten auch zwei meiner eigenen Werke zwischen dem Buchdeckeln zu finden. Ein junger Mann steckt den Koreanischen Pavillon in Brand und ein altgedienter Lokomotivführer ist seiner Ehe müde und findet an einer Trinkhalle neben Erfüllung noch ganz anderes…

Vielleicht findet ja auch ihr Gefallen an meinen beiden Beiträgen? Findet es heraus und gönnt euch das just erschienene Buch. Was gibt es in dieser Jahreszeit schon schöneres, als es sich am ganz persönlichen Lieblingsort (womit eine Brücke geschlagen wäre) bequem zu machen und in ein tolles Buch zu versinken?

Die „Frankfurter Einladung 2“ gibt es ab sofort beim Buchhändler in eurer Nachbarschaft, direkt beim Verlag oder notfalls auch bei Amazon.

Aufhängen, freirubbeln & erleben: Frankfurt entdecken mit „I LOVE TO DO“

Wer mich kennt, der weiß:

Ich bin ein unternehmungsfreudiger Kerl mit einer ausgeprägten Leidenschaft für meine Heimatstadt und To-do-Listen. „Alright“, werdet ihr euch nun vermutlich denken. „das freut uns ja sehr für dich. Aber weshalb gleich einen Artikel darüber schreiben?“

Hier kommt eine alte Bekannte aus meiner Schulzeit ins Spiel. Diese ist zwischenzeitlich nicht nur groß geworden, sondern auch auf die pfiffige Idee für einen ganz besonderes Poster gekommen. Ihr wisst schon, diese Dinger, die ihr früher aus der BRAVO gerissen und über euer Bett gehangen habt! Dieses hier kombiniert jedoch praktischer Weise meine beiden Leidenschaften mit meiner Unternehmungslust und ist obendrein ein echter Hingucker.

Könnt auch ihr über euch selbst sagen: „I love to do!“?
Na denn Obacht!

Ein Poster, zehn Mal Lebensfreude: Ein Muss für Urgesteine und Eingeplackte

Ihr kennt das: Da ist man neu in einer Stadt, findet mit Ach und Krach den Weg zur Arbeit – und bestenfalls auch wieder zurück. Ansonsten aber gleicht die neue Heimat einem Labyrinth aus U-Bahnhöfen, Häuserzeilen und Einkaufspassagen.

Auch für längst „eingeplackte“ Frankfurter gleicht die eigene Stadt oft einem Flickenteppich – bestehend aus Wohnung, Arbeitsplatz, Zeil und der Lieblings-Kneipe mit dem günstigen Export. Und ansonsten gibt’s die Couch. Das ist zwar sehr bequem, aber in etwa so spannend wie die Wiederholung einer Folge der „Schwarzwaldklinik“.

Wie also aus diesem Trott ausbrechen und die schönsten Flecken der Stadt abseits der Alltags-Stationen entdecken?

Ein Poster schafft Abhilfe!

Mit einem Poster von I LOVE TO DO ist genau das endlich kein Problem mehr. Denn nicht nur, dass das klassisch-zeitlose Motiv unserer Skyline echter Eye-Catcher für eure übertrieben teure Bude ist, auch liefert es euch gleich zehn Ideen für neue Entdeckungen in allen Lebenslagen. Ob Hunger, Durst oder die Lust auf Grün: Die Macher haben für euch zehn „Must-do’s“ auf das Poster gepackt, welche auch eingefleischte Frankfurt-Fans wie ich bedingungslos unterschreiben. Ich will ja nicht spoilern, aber: Oh ja, das Poster weiß ganz genau, wo ihr Frankfurt erst so richtig lieben lernen könnt!

Bevor es rausgeht, noch mal schnell checken: Wo soll es heute hingehen?

Der Clou an der Sache:

Abhak-Junkies wie ich können nach jedem Erlebnis ein zugehöriges Herz freirubbeln. So habt ihr perfekt im Überblick, was ihr schon unternommen habt – und welche Überraschungen eure Lieblingsstadt noch für euch bereithält.

Außerdem sorgt das A2-Poster für neidische Blicke bei euren Besuchern und für viele Möglichkeiten, diese zu bespaßen.

Mainrausch-Fans sparen Geld

Worauf also noch warten? Sicherlich habt ihr noch eine weiße Wand, einen Kleiderschrank oder eine Küchentür, die so sehr nach neuer Deko lechzt wie ihr nach frischen Ideen für Unternehmungen.

Freitagsmarkt auf dem Friedberger Markt? Check!

Das Beste zum Schluss:

Wenn ihr euch jetzt dazu entschieden habt, eure neue Heimat kennen zu lernen oder eure längst in euer Herz geschlossene Lieblingsstadt neu zu entdecken, dann könnt ihr bares Geld sparen! Oder aber ihr seid auf der Suche nach einem tollen Geschenk? Et voila, hier habt ihr eines!

Ein Klick auf diesen Link, und das Poster macht sich für einen um zehn Prozent reduzierten Preis auf seinen Weg zu euch.

Ich wünsche euch schon jetzt ganz viel Freude beim Staunen, Entdecken, Bewundern und Genießen!














Neues bei MainBook: Meine Lesetipps für den März

Im März 2019 hat sich die Sonne zwar vereinzelt aus dem Winterschlaf zurückgemeldet, doch können Wind und Regen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Frühling noch ein wenig auf sich warten lässt. Ideale Bedingungen also, um es sich auf dem Sofa oder im Lieblingscafé bequem zu machen und sich in Geschichten zu verlieren!

Echte Lokalpatrioten greifen hierbei freilich zu Frankfurter Lektüre – so wie diesen beiden druckfrischen Büchern aus dem Hause Mainbook, die ich euch nun vorstelle.

Robert Maier: „Virus Cop – Der Tote an der Nidda“

Mit „Pankfurt“ veröffentlichte Robert Maier im Jahr 2016 seinen ersten Roman. Damals konnte ich nicht anders, als das Debut an dieser Stelle in den höchsten Tönen zu preisen und euch wärmstens ans Herz zu legen. Auf das zweite Werk aus Maiers Feder war ich also ganz besonders gespannt.

Dieses ist im Februar 2019 erschienen, trägt den TItel „Virus Cop – Der Tote an der Nidda“ und ist laut Verlag der Auftakt zu einer Serie von Geschichten um den Ruheständler Olaf, dessen Sohn Tobias Kommissar bei der Kripo ist.

Worum geht’s?

Tobias hat’s nicht immer einfach: Seine Kollegen nehmen ihn nicht so recht für voll. In den Augen seines Vaters hat er sich ohnehin für den falschen Beruf entschieden – doch jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, möchte Olaf ihm ein wenig unter die Arme greifen.Als der namensgebende Tote an der Nidda gefunden wird, wittert er seine Chance: Als IT-Experte installiert er einen Virus auf Tobias‘ Diensthandy, der ihm Informationen zuspielt und den Zugriff auf polizei-interne Dokumente gestattet.

Gemeinsam mit seinem alten Freund Gottfried, Frankfurter Urgestein und trotz seiner Krebserkrankung geschäftlich in aller Welt unterwegs, beginnt Olaf auf eigene Faust zu ermitteln. Der Plan ist, Tobias mit den Ergebnissen des Alleingangs zu versorgen und ihn am Ende als den Helden darstellen zu lassen, der den Mörder oder die Mörderin schnappt und in Polizeikreisen endlich Anerkennung findet.

Dazu begibt sich Olaf nicht nur auffällig oft in Apfelweinwirtschaften, sondern auch ins studentische Milieu: Der Tote, stellt sich heraus, war nämlich ein begabter Physikstudent. Als es Olaf gelingt, den Laptop des Opfers zu hacken, nehmen die Dinge ihren Lauf – und gemeinsam mit Gottfried wühlt er sich nicht nur durch die familiäre Vergangenheit des Toten, sondern erlebt auch manch erotisches Abenteuer…

Mein Fazit

Ein Vater installiert einen Trojaner auf dem Diensthandy seines Sohnes, welcher bei der Polizei arbeitet – und greift auf interne Informationen zurück, um auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen. Puh – es hat ein wenig gedauert, bis ich mich auf dieses Setting einlassen konnte.

Sowohl Vater Olaf als auch Sohnemann Tobias scheinen mir recht dünn gezeichnet. Abgesehen davon, dass die beiden eine gemeinsame Junggesellenbude bewohnen – Tobias‘ Mutter kam bei einem tragischen Autounfall ums Leben – bleiben weite Teile der Charaktere über das Buch hinweg verborgen. Großartig willensstark und kämpferisch zeigt sich dagegen Olafs alter Freund Gottfried, dessen Unterhaltungswert mich beim Lesen ausnahmslos zum Schmunzeln brachte.

Die Nebenfiguren erscheinen mir ein wenig arg klischeebehaftet. Ob alkoholkranker Onkel, arroganter Professor oder die Professor-Gattin, die ihre Sinnlichkeit für ihre ganz eigenen Ziele benutzt: Hach, das ist dann doch ein wenig ausgeleiert.

Ein fremdgesteuerter Polizist: Ja, diese frische Grundidee hat Potential und verspricht noch weitere Abenteuer von dem altgedienten IT-Experten Olaf, dessen krebskranken Freund und natürlich Tobias, der sich mühsam seinen Stand in der Kriminalpolizei erarbeitet. Schade aber, dass in diesem ersten Teil der Reihe die Idee des „Virus Cops“ nur selten zum Treiber der Geschichte wird. Für die Fortsetzung wünsche ich mir, dass der „Virus“ noch viel mehr zum Aufriss der Erzählung wird. Dennoch bin ich gespannt darauf, ob Gottfried genesen und zum Bestandteil neuer Abenteuer werden wird.

Die liebevoll eingestreuten Episoden in mir allzu gut vertrauten Frankfurter Räumlichkeiten und Ortschaften können allerdings jede Durststrecke und Klischee-Kauerei entschädigen. Ja, auch das Buchcover, welches Erinnerungen an schlecht gestaltete Hüllen von Computerspielen aus den frühen Neunzigern erinnert. Wenn die Romanhelden in Sachsenhäuser Wirtshäusern versacken, in Bockenheimer Studenten-WG’s einfallen und sich mit Alkoholikern in – na klar! – Griesheim herumärgern, dann lacht das Frankfurter Herz.

Versierte Krimi-Fans können sicherlich zu ausgeklügelterer Lektüre greifen – eingefleischte Frankfurter kommen an diesem Buch jedoch nicht vorbei. Alle anderen indes dürfen sich auf das zweite Abenteuer des „Virus Cop“ freuen, in dem kleine Schwächen hoffentlich ausgebügelt sind und die Idee des „Virus-Cop“ ein wenig mehr in den Vordergrund rückt. Dass Maier schreiben kann, hat er mit „Pankfurt“ schließlich eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Da geht noch was!

Robert Maier: „Virus-Cop: Der Tote an der Nidda“
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Andreas Heinzel: „Herr Neumann will auf den Olymp“

Auch das zweite Buch, das ich euch heute vorstellen mag, ist das zweite „Kind“ seines Autors. Das Debut von Andreas Heinzel, „Die Monarchos“, wurde im Jahr 2016 bei mainbook publiziert. Mit „Herr Neumann will auf den Olymp“ legt der gebürtige Frankfurter nun eine Geschichte nach, auf die man erst einmal kommen muss.

Worum geht’s?

Die Handlung entführt uns in eine Post-Feldmann-Ära, genauer: In eine Zeit, in der Frankfurt von einem hippen Oberbürgermeister regiert wird. Balthasar Neumann ist ein smarter Typ, bekennend schwul und wird von den Frankfurtern nicht nur für sein Lächeln geliebt. Analogien zu Klaus Wowereit sind natürlich bloßer Zufall!

Allerdings hat „Balla“, wie die Frankfurter ihr Stadtoberhaupt aufgrund seiner Extrovertiertheit liebevoll nennen, auch eine andere Seite: Durchaus narzisstisch veranlagt, träumt er im Stillen von einem „Groß-Frankfurt“, in dem der Hochtaunuskreis, Darmstadt und Hanau nur noch Stadtteile der Mainmetropole sind.

Der Protagonist denkt eben gerne groß. So groß, dass er auch vor einer Bewerbung für die olympischen Sommerspiele nicht zurückschreckt. Gemeinsam mit seiner rechten Hand, dem gewieften Lebemann Stefan Drosdorf, klügelt er mit „Five for Frankfurt!“ nicht nur einen taffen Slogan aus, sondern kann das Olympische Komitee mit einem aufwendig gedrehten Image-Film von Frankfurt als Austragungsort überzeugen. Dass beim Film mitunter mit recht fragwürdigen Mitteln gearbeitet wurde, muss ja niemand wissen

Nachdem die Stadt den Zuschlag bekommen hat, fangen die Probleme an: Der ganze Einfallsreichtum des „Frankfurter Olympischen Komitees (FOK)“ ist gefragt, wenn es beispielsweise darum geht, einen geeigneten Platz für das Olympiastadion zu finden. Auch für das olympische Dorf will ein adäquater Platz gefunden werden – was sich schwierig gestaltet. Dass die Nachbargemeinde Maintal wenig begeistert von Neumanns Idee ist, das Stadion kurzerhand auf dortiger Fläche zu errichten, ist nur der Anfang einer Welle der Widrigkeiten.

Da ist zum Beispiel der Stadtkämmerer Beierle, der vor explodierenden Kosten warnt und Neumann dazu zwingt, sämtliche Gelder für Reparationen von Straßen und Spielplätzen auf Eis zu legen. So wird auch Kindergärtnerin Britta zu Neumanns Widersacher, weil dieser die Rutsche ihres Kindergartens nicht in Schuss bringen lässt. Kurzerhand bildet sie eine Protestbewegung gegen die olympischen Spiele. Ob Stefan Drosdorf sie mit einer Charme-Offensive für das Projekt einnehmen kann?

Neumann verliert indes zusehends die Nerven. Als endlich ein Platz für das olympische Dorf gefunden ist, will ausgerechnet ein altes Ehepaar sein Haus nicht räumen, um Platz für die Baustelle zu machen. Die Kosten gleiten langsam aus dem Ruder, und auch Drosdorf stößt an seine Grenzen. Als dann noch ein findiger Manager einer US-amerikanischen Burger-Kette den olympischen Rummel in Frankfurt für eine an Absurdität kaum zu überbietende Marketing-Kampagne nutzt, drohen dem Oberbürgermeister die Dinge endgültig aus der Hand zu gleiten…

Mein Fazit

Kinder, was habe ich gelacht! „Die folgende Geschichte ist von vorne bis hinten an den Haaren herbeigezogen“, schreibt der Autor im Epilog. Eine maßlose Untertreibung! Okay, ich gebe zu, dass ich einige Seiten gebraucht habe, um mich auf das hanebüchene Setting einzulassen.

Der Romanheld ist mir dann aber mitsamt seiner Gefolgschaft direkt ans Herz gewachsen. Vom selbstverliebten Oberbürgermeister bis hin zur jungen Architektin des Stadions sind sämtliche Figuren in ihren Macken und Eigenarten derart liebenswürdig gezeichnet, ihre vielen Konflikte sind selten hervorsehbar, doch immer glaubwürdig. Das Erzähltempo ist flott, schnell wechseln sich Handlungsstränge ab und immer wieder werden neue Nebenschauplätze eröffnet.

Die Handlung wirkt auf eine positive Art und Weise konstruiert – was sich vor allem zum Ende der Lektüre hin bemerkbar macht, wenn auch Schicksal und Beweggründe einer jeden noch so kleinen Nebenfigur restlos aufgeklärt werden. Kaum, dass ich das Buch aus der Hand gelegt hatte, war ich fast ein wenig traurig darüber, dass das Geschehen nur Fiktion ist und Frankfurt wohl vorerst keinen ausgeflippten „Balla“ als Stadtoberhaupt bekommt. Auch von den olympischen Sommerspielen in meiner Stadt werde ich wohl nur träumen dürfen.

„Die tolldreiste Geschichte, wie Frankfurt die Sommerspiele bekam“: Selten hat mich Satire so gut unterhalten, ohne dass sie auf Kosten der Spannung agiert. Selbst Nicht-Frankfurtern sollte Heinzels Zweitveröffentlichung den einen oder anderen lauten Lacher entlocken.

All das macht „Herr Neumann will auf den Olymp“ zu meiner größten Empfehlung für den März 2019. Chapeau für diese Romanidee – da muss‘ man erst mal drauf kommen!

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Drinkin‘ like a Local: Durch den Tag mit Getränken aus der Region

Bye, bye, Getränke-Einerlei:
Zunehmend werden die Platzhirsche von Großkonzernen wie Tchibo, Pepsi, Warsteiner, Absolut & Co von jungen Unternehmern herausgefordert, die mit frischen Ideen und lokalem Einschlag um eine urbane Käuferschicht werben.

Auch ich konnte mich selten meiner Neugierde verwehren, wenn ich im Einzelhandel oder auf Veranstaltungen auf mir bislang unbekannte Etiketten stieß. Die Frankfurter „Getränke-Szene“, das muss man sagen, hat längst ein beachtliches Ausmaß erreicht. Vom Kaffee über Limonaden bis hin zum „harten Zeug“ – längst kann der gemeine Konsument auf Erzeugnisse lokaler Produzenten zurückgreifen.

Grund genug für mich, den Selbstversuch zu wagen: Ich möchte einen ganzen Tag lang ausschließlich Getränke von kleineren Herstellern aus meiner Stadt süffeln. Noch weiß ich nicht, ob das eine gute Idee von mir ist – findet ihr es mit mir heraus?

 

Hoppenworth & Ploch: Kaffee vom Deutschen Röstmeister

Wer könnte jemals der Behauptung widersprechen, dass der erste Schluck Kaffee am Morgen der schönste Genuss-Moment des ganzen Tages sei?

Auch in der Stadt des Apfelweins wird seit langer Zeit Kaffee geröstet. Während die Traditionshäuser „Wacker“ und „Wissmüller“ schon seit über 100 Jahren den wunderbaren Duft des schwarzen Goldes verströmen lassen, ist „Hoppenworth & Ploch“ noch recht neu im Geschäft. Davon zeugt auch, dass die Rösterei ihre Produkte im Hipster-Sprech als „Craft Coffee“ vermarktet. Neben einer Filiale am Uni-Campus Westend betreiben die jungen Geschäftsführer auch ein Café in der Friedberger Landstraße, in dem Dienstag für Dienstag die aus aller Welt importierten Bohnen geröstet werden. Bei deren sorgfältiger Auswahl achtet die Rösterei insbesondere auf faire Arbeitsbedingungen auf den Plantagen, exzellente Qualität und nachhaltigen Anbau.

Freilich spiegelt sich dies auch in den Preisen wieder. 8,90 Euro blättere ich für 250 Gramm von Filterkaffeebohnen der Sorte „Hunapu“ aus Guatemala hin. Das auf die Verpackung gedruckte Versprechen von Aromen von Orange, Himbeere und Bourbon weckte meine Neugierde.

Wie gut, dass ich als Kaffee-Fetischist auch eine entsprechende Mühle mein Eigen nennen darf!

Schon nach dem Öffnen des weißen Beutels strömt mir der Duft entgegen, für den ich im Zweifel töten könnte. Mag sein, dass ich die goldene Plakette auf der Packung meine Wahrnehmung trübt, aber: Mein feines Näschen kann gar nicht anders, als das zu erschnüffelnde Aroma als ganz und gar meisterlich zu empfinden!

Niemand geringeres – davon zeugt das goldene Siegel – als der Deutsche Kaffee-Röstmeister (was es nicht alles gibt!) Kilian Seger zeichnet sich für das schwarzbraune Gold verantwortlich, welches morgens um 11 bei mir zu Hause durch den Filter fließt. Vielleicht ist es wie beim Wein, vielleicht schmeckt man nur das, was man zu schmecken glaubt, aber: Als ich die Tasse zum Mund führe, schmecke ich schon Orange, Himbeere und Bourbon, bevor ich überhaupt genippt habe. Kaffeetrinken kann eben so viel mehr sein, als sich hastig am Bahnhof am Vollautomaten ein Heißgetränk zu ziehen oder heißes Wasser durch eine Kapsel „Jacobs Krönung“ laufen zu lassen.

Ja, Genuss hat seinen Preis – im Falle von „Hoppenworth & Ploch“ bin ich aber gern bereit, für den Genussmoment ein wenig tiefer in die Taschen zu greifen. „‚Made in Frankfurt‘ kann so köstlich sein!“, denke ich mir, während ich noch einen Schluck nehme und mir anschließend die erste Zigarette des Tages anzünde. Heute wird ein guter Tag.

 

Hipster-Brause ohne Zusätze: „Yari Mate“

Auch der beste (All)tag zehrt gelegentlich an den Kräften. Mitunter sehnt sich der junge Großstädter also nach aufputschenden Hilfsmittel. Obendrein ist – vor allem, wenn’s draußen warm ist – eine kalte Erfrischung immer gern gesehen und ganz allgemein ’ne feine Sache.

Nun sind Mate-Getränke schon längst kein alleiniges Stilmittel von Teilnehmern von Hacker-Kongressen und der Jutebeutel-Avantgarde der Hipster in Berlin-Mitte mehr. Längst ist die Flasche „Club Mate“ vom Statement zu dem verkommen, was es ist: Ein Erfrischungsgetränk. Auch ich halte mich zuweilen lieber ganz klassisch an einer Coke Light fest, da mir nach einem Blick auf die Nährwerttabelle der Mate-Brausen meist der hohe Zuckerzusatz sauer (oder besser:süß) aufstößt.

Ein junger Spross auf dem weiten Feld der Mate-Getränke hat in mir somit einen dankbaren Abnehmer gefunden, denn:

Dass die großen Hersteller nicht bei der Verwendung von Extrakten, künstlichen Aromen, Farbstoffen und eben Zucker geizen, war Richard Theilen und seinem späteren Geschäftspartner Florian ein Dorn im Auge.

„Wir waren vom gesundheitlichen Benefit und der aufputschenden Benefit von Mate trotzdem immer überzeugt“, erzählt er mir im Gespräch. Er hat sich gefragt, weshalb niemand einfach natürliche Zutaten in heißem Wasser aufkochen und abschließend abfüllen wollte. „Also haben wir das einfach selbst gemacht“, lacht er und betont die gemahlene Ingwer-Wurzel und den Saft frisch gepresster Zitronen als besonderes Geschmacks-Gimmick. „Yari Mate“ war geboren!

Die Natürlichkeit, die schmecke man, versichert mir Richard. Außerdem – und nun werde ich hellhörig – sei „Yari Mate“ ein kalorienarmes Getränk, obwohl keine synthetischen Süßungsmittel zugesetzt seien. „Das Zusammenspiel von gerösteten Mate-Teeblättern, der Ingwer-Wurzel und dem frischen Hauch der Zitrone ist ein wahres Geschmackserlebnis“, versichert mir Richard Theilen. „‚Yari Mate‘ ist ein ehrliches Getränk und schmeckt am besten nach dem Training – eiskalt, versteht sich!“

Okay, überzeugt, ich wage den Geschmackstest. Auch meine Flasche ist eiskalt angehaucht, als ich sie aus dem Kühlschrank nehme. Am späten Nachmittag hänge ich in kleinem Formtief fest; für ein anstehendes Interview wäre ein kleiner energetischer Push nicht schlecht. Ein kurzer Blick aufs Etikett: Mit 19 kcal und 4,3 Gramm Zucker je 100 Milliliter verfügt auch „Yari Mate“ noch über deutlich mehr Brennstoff als meine Coke Light, zeigt sich aber gegenüber vergleichbaren Produkten deutlich schlanker.

Bereits beim ersten Schluck hebt sich „Yari Mate“ deutlich vom gewohnten Geschmack ab. Im Direktvergleich mit „Club Mate“ fällt vor allem auf, dass hier deutlich weniger Zucker drinsteckt. Da keine Farbstoffe zugesetzt werden, erstrahlt das hessische Gebräu aber statt in goldgelb in bräunlich-trüb. Hier geht’s allerdings um den Geschmack, und der ist tatsächlich voll und ganz von Ingwer und Zitrone geprägt. Zusammen mit dem altbekannten Touch von Mate-Tee ergibt das ein tatsächlich erstaunlich natürlich schmeckendes Getränk, das ganz ohne extreme Nuancen auskommt und genau deswegen einen runden Eindruck macht.

Ob ich nach dem Genuss der handlichen 330ml-Flasche tatsächlich den ersehnten Power-Boost erlangt habe, kann ich eine halbe Stunde später noch nicht genau sagen. ‚Ne leckere Erfrischung war die „Yari Mate“ aber auf jeden Fall. Und dass sich die Brause mit mir gemeinsam eine Heimat teilt, macht sie für mich umso sympathischer. Cheers!

 

Feierabend: Darauf ein „Frankfurter Helles“ !

Zum Feierabend gönnt sich Otto-Normaltrinker ja gerne mal ein Bierchen. Ich als Vollblut-Frankfurter dagegen läute den Abend dagegen lieber mit ’nem Schoppen ein. Nur, wenn ich mich hin und wieder jenseits des Apfelwein-Äquators befinde, greife ich notgedrungen auf ein Hopfengetränk zurück. Am liebsten trinke ich dann ein „Helles“, besonders gern eines der süffigen aus Bayern.

Neben den Binding-Klassikern in Form von Pils ist mit dem „FXXXXFXXXXR Helles“ – was sich wohl hipper lesen soll als „Frankfurter Helles“ – nun auch ein helles Bier aus meiner Heimatstadt erhältlich. Nun ja, zumindest ein als Frankfurter gebrandetes: Das Etikett der Flasche im Wurfgranaten-Format verrät, dass das Bier in Hallerndorf gebraut und abgefüllt wird. Da die Macher des „Margarete“ aber in aller Regel über ein gutes Händchen in Sachen Genuss verfügen, bin ich bereit, aus meiner Routine auszubrechen und mir statt ’nem Sauergespritzten ein abendliches Bier einzugießen.

Das gelingt mir erstaunlich gut, die Schaumkrone sitzt, ein Bier wie aus der Fernsehwerbung. „Wir haben ein Helles gebraut, das man jeden Tag und überall trinken kann“, preisen die Macher auf ihrer Homepage an.

Nach einem ersten Schluck befinde ich: Dieses Helle schmeckt nicht halb so süffig wie seine bayrischen Verwandte von Augustiner, Tegernseer & Co. Allerdings auch nicht so herb wie das von mir verhasste Pils.

Am Ende der Flasche fälle ich folgendes Urteil:
Das Etikett gefällt mir super, der stilisierte Adler passt zu einem modernen Bier aus meiner Heimatstadt. Auch schön, bei all dem ganzen Craftbeer-Hype ein einfach gemachtes, grundsolides Getränk in den Händen zu halten. Das Bier selbst schmeckt mir nicht schlecht, aber auch nicht so gut, dass ich deswegen nicht mehr auf die bewährten Bayern zurückgreifen würde. Bei aller Sympathie für das Produkt: Morgen gibt’s für mich zum Feierabend wieder Ebbelwoi. Gut möglich aber, dass passionierte Biertrinker ihre dauerhafte Freude am neuen „Hellen“ aus Frankfurt haben.

 

Nach mir die Gin-Flut: „Bembel Gin“ versüßt den Abend

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs ist es nicht entgangen: Ich bin großer Verfechter des Apfelweins. Meine Vorliebe für Gin dagegen ist eine privatere. So begieße ich besonders schöne Tage am liebsten mit einem Gin Tonic. Nicht, dass das ein Alleinstellungsmerkmal wäre: Der Hype um die Spirituose ist noch immer ungebrochen, immer neue Marken springen auf die Gin-Welle auf. Schwierig, da den Überblick zu behalten.

Den brauche ich zum Glück aber gar nicht. Mein absoluter Liebling nämlich ist der Bembel Gin, dessen Macher sich selbst als Apfelwein- und Gin-Liebhaber bezeichnen. Nichts lag ihnen näher, als ihre beiden Leidenschaften zu vereinen. Mit dem „Bembel Gin“ haben sie daraufhin ein Produkt erschaffen, das nicht nur einzigartig schmeckt – sondern auch einzigartig verpackt ist.

Die Flasche, die ich öffne, ist mehr Tonkrug denn Flasche und mit ihren Ornamenten auf grauer Keramik eine Hommage an die hessische Trinkkultur. Ein echter Augenschmaus, der zum Wegwerfen viel zu schade ist!

Doch zurück zum Inhalt: Pur und eisgekühlt lässt sich die ausgeprägte Apfel-Note schon beim Schnuppern nicht verleugnen, ein erster Schluck bestätigt: Donnerwetter, hier ist ’ne Menge Apfel drin! <br><br>Am liebsten genieße ich den „Bembel Gin“ aber im Gin Tonic, wozu ich ihn meist mit dem „Elderflower Tonic Water“ von Fever-Tree auffülle und den ganzen Spaß stilecht mit Gurkenstücke garniere. Kalt auf Eis genossen, ist der „Bembel Gin“-Tonic das Getränk meiner Wahl und lässt den Lokalpatrioten in mir glückselig lächeln. Erstaunlich, wie gut harmonisch die Symbiose zwischen Apfel und Wacholder gestaltet, erstaunlich, wie wohlklingend auch dessen gemeinsame Symphonie mit Tonic Water ist. Hesse zu sein, ist eben manchmal richtig lecker!

 

Ein Absacker mit den Liebsten: Ein Mispelchen auf die gute Zeit!

Guten Freunden schenkt man gern ein Küsschen, besseren ein Mispelchen: Zu fortgerückter Stunde kann, darf und soll sowohl Freundschaft als auch Liebe natürlich auch gern mit Hochprozentigem besiegelt werden.

Der eingefleischte Frankfurter muss sich hierbei gar nicht erst die Frage stellen – für einen Absacker ist freilich ein Mispelchen die erste Wahl!

Wie gut, dass der „Bembel Gin“ auch eine kleine Schwester hat: Das „goldene Mispelchen“ vereint nicht nur geschmacklich alle Vorzüge von Mispelfrucht und Calvados im kleinen Einmachglas, sondern eignet sich auch ganz hervorragend als Mitbringsel, Geschenk oder zuckersüßer Liebesbekundung!

Mit einem Schluck „auf Ex“ und einem Biss in die süße Mispelfrucht ist der perfekte Absacker gefunden.

 

Ein letztes „Auf das Leben!“, dann geht auch dieser Tag zu Ende. Ein Tag, während dem ich entdecken durfte, wie lecker doch Heimat sein kann. Und, ganz klar: Dass es sich lohnt, auch im Supermarkt einmal neue Wege zu beschreiten.

Auf euer Wohl, Freunde!

Ausprobiert: Frankfurt fürs Smartphone

Wir alle haben es in Hosen- oder Jackentasche stecken, und wenn wir es einmal zu Hause vergessen haben, dann kehren wir noch einmal um: Keine Frage, ein Alltag ohne Smartphone ist für die meisten von uns längst undenkbar.

Verständlich, dass es uns ein Anliegen ist, unseren treuen Begleiter vor den Begleiterscheinungen häufiger Benutzung wie Schmutz und kleinen Stürzen schützen wollen. Und wo das eigene Modell auch von vielen Anderen aus der Tasche gezückt wird, möchten wir unser Smartphone zumindest ein klein wenig individuell gestalten.

Nun bekommt man als Blogger fast täglich irgendwelche hanebüchene Kooperationsanfragen. Bislang habe ich diese geflissentlich ignoriert: MAINRAUSCH ist mein Herzensprojekt und nicht käuflich. Geld mit Texten verdiene ich an anderer Stelle.

Erstmals in Versuchung gelang ich nun, als mir eine E-Mail von huellegestalten.de ins Postfach flatterte. Schon länger hatte ich überlegt, wie ich mein iPhone etwas aufpeppen könnte. Das Dunkelblau seiner Schutzhülle war zwar recht schön anzuschauen – mehr aber auch nicht. Wie toll, dachte ich mir, wäre es, wenn ich mein Mobiltelefon mit einem meiner liebsten Bilder aus meiner schönen Heimatstadt Frankfurt schmücken könnte?

Neugierig geworden, schaute ich mich auf dem Portal von huellegestalten.de um. Erste Erkenntnis: Der Firmenname ist eine Untertreibung. Neben verschiedenen Varianten von Huellen für wirklich jedes erdenkliche Smartphone-Modell der gängigen Hersteller können beispielsweise auch Laptop-Taschen, Powerbanks und Bluetooth-Lautsprecher nach Belieben gestaltet und gestellt werden. Für mich war klar: Ich würde die Gelegenheit nutzen, und mir eine fesche Hülle schenken lassen. Die Rückseite meines Telefons sollte künftig von meinem heißgeliebten und schmerzlich vermissten Goetheturm geziert werden. Auch eine Powerbank durfte ich mir gestalten – und welches Motiv könnte sich auf einem tragbaren Energie-Lieferanten schon besser machen als das der Alten Oper?

Ganz einfach und intuitiv: Mit ein paar Klicks zum Traum-Motiv

Ich machte mich ans Werk. Der Editor von huellegestalten lässt keine Gestaltungswünsche offen. Einsteiger greifen auf eine der Vorlagen zurück, Kreative laden ihre eigenen Lieblingsbilder hoch, passen sie an das Format des zu gestaltenden Objekts an und vollenden ihr Werk mit einem Schriftzug in einer Schriftart ihrer Wahl. Besonders schön: Die Bedienung des Editors erfolgt intuitiv und weitgehend selbsterklärend, sodass auch Photoshop-Dummies wie ich schnell ein zufriedenes Lächeln im Gesicht sitzen haben.

Easy going: Der Editor glänzt trotz vielfältiger Funktionen durch Schlichtheit

Auch ich war happy, nachdem ich mein Wunschmotiv bearbeitet und angepasst hatte. Es zeigt meine Freundin Sina, wie sie bei einem kleinen Zwischenstopp am Goetheturm den Blick gen Himmel richtet und den ehemals größten Holzturm der Republik bewunderte.

Wer die Wahl hat…

Zum Abschluss droht dann doch kurz die Überforderung:
Welche Art der Hülle darf’s denn sein? Neben einem klassischen Hardcase aus Kunststoff können auch welche aus Holz (!) gefertigt werden, auch rundum bedruckte „Flip Cases“ oder weltmännische Wallet-Case-Hüllen sind lieferbar. Ich dagegen entscheide mich für eine schlanke Silikon-Hülle. Diese kostet mit 12,95 Euro weniger, als es meine schlichte dunkelblaue Massenwaren-Hülle aus dem Elektrofachmarkt tat. Welche Abstriche ich wohl machen müsste?

Bevor ich auf „Bestellen“ klicke, lade ich mir aber noch eine Powerbank in den Warenkorb. Auch diese gestalte ich mit dem praktischen Editor, indem ich ein Motiv der alten Oper darauf packe – in himmelblau. Der Schriftzug eures Lieblingsblog sollte auch die Powerbank perfekt machen.

Nun war ich soweit: Adresse angeben, Zahlungsweise wählen, noch schnell die AGB bestätigt – fertig! Online-Shopping kann so einfach sein…

Endlich: Die Post ist da!

Kaum zwei Tage später erhalte ich die Nachricht, dass meine Bestellung gefertigt ist und sich auf dem Weg zu mir befindet. Wie schnell waren die denn bitte?! Dass das Paket dann doch ein wenig auf sich warten ließ, ist allein der GLS als Transportunternehmen anzukreiden.

Irgendwann habe ich es dann doch dem Paketboten aus der Hand reißen können und gespannt aufgerissen. „In echt“ machten sich meine Motive sogar nochmals besser als virtuell auf dem Bildschirm meines Laptops!

Alte Oper auf der Powerbank, der Goethe-Turm auf dem iPhone: Schaut man gerne an!

Sowohl Handyhülle als auch Powerbank machten einen soliden und wertigen Eindruck. Die Hülle schmiegte sich passgenau an mein Smartphone, das seitdem ein echter Blickfang ist. Die Aussparungen für Tasten und den Lightning-Stecker sind milimetergenau gefertigt. Auch nach einer Woche lassen sich noch keinerlei Abnutzungserscheinungen feststellen, der Goetheturm macht noch immer einen fantastischen Eindruck. Das gilt auch für die Powerbank, auf die ich bereits angesprochen wurde und mein Handy nun auch unterwegs mit Saft versorgt.

Frankfurt für’s Smartphone: Mein Fazit

Noch immer kann ich kaum glauben, dass meine Goetheturm-Handyhülle günstiger ist als eine der langweiligen, unifarbenen aus dem Fachhandel. Insbesondere, weil ich hinsichtlich der Fertigungsqualität keinerlei Unterschiede ausmachen konnte. Auch die Powerbank arbeitet zuverlässig; über meine Motivauswahl bin ich besonders glücklich. Selbst auf der Metalloberfläche macht der Druck einen hochwertigen Eindruck!

Außerdem macht es natürlich Spaß, sich selbst ein wenig kreativ auszutoben und eine Handyhülle zu kreieren, die ein echtes Unikat ist. Vor allem die fairen Artikelpreise lassen eigentlich keinen Grund mehr übrig, um den mobilen Freund noch im Smartphoneanblickseinheitsbrei schwimmen zu lassen.

Einziger Nachteil: Seitdem mein Smartphone zum lokalpatriotischen Blickfang geworden ist, hole ich es nochmals öfter aus der Tasche. Das war’s dann wohl mit den guten Vorsätzen zum neuen Jahr…

 

Überzeugt?

Habt auch ihr Lust darauf bekommen, die Handyhülle eurer Träume selbst zu gestalten? Ein Bild eures Lieblingsortes immer mit euch zu führen, euch als Lokalpatrioten ausweisen? Oder einfach euren Freunden ein fancy Geburtstagsgeschenk machen?

Dann tut es mir gleich und schaut mal rein bei www.huellegestalten.de – ich jedenfalls habe es ganz sicher nicht bereut!

Handyhüllen selbst gestalten
iPhone Hülle selbst gestalten

 

Frankfurter Eisenbahn-Geschichte: Bye, bye, Bügelfalte!

Um drei Uhr morgens wirkt der Frankfurter Hauptbahnhof in der Regel wie ausgestorben. Nur wenige Nachtzugreisende bevölkern dann die Sitzbänke, selbst für die Bediensteten am Auskunftsschalter gibt es nur wenig zu tun. Bundespolizisten drehen zu Fuß ihre Runden, die Reiniger der Bahn dagegen mit Wischfahrzeugen. Wenn in wenigen Stunden wieder Fahrgäste in die Bahnhofshallen strömen, soll alles blitzblank sein.

In der Nacht auf den 5. Januar 2019 allerdings hat sich eine etwa zwanzigköpfige Schar von Männern in die Szenerie gemischt. Aneinander gedrängt stehen sie am Bahnsteig von Gleis 1a, haben ihre Stative aufgebaut und suchen die beste Belichtungseinstellung für ihre Kameras. Selbst die eisigen Temperaturen haben sie nicht davon abgehalten, einen Abschied festzuhalten, der von den meisten Frankfurtern unbemerkt bleiben dürfte: Mit Abfahrt des FbZ 2475 nach München wird der letzte von einer Lokomotive der Serie „E10“ bespannte Zug der Deutschen Bahn Frankfurt verlassen haben. Damit geht ein über sechs Jahrzehnte andauerndes Kapitel Eisenbahngeschichte zu Ende.

Eine Lok fährt in den Ruhestand

Der Lokomotive, auf die die Eisenbahn-Fans ihre Objektive gerichtet haben, sieht man ihr stolzes Alter an: Im Vergleich zu den windschnittigen Frontpartien der Lokomotiven der Neuzeit wirkt ihr Lokkasten klobig, an einzelnen Stellen blättert der rote Lack ab. Die Pfeife auf dem Dach des Zugpferdes stammt noch aus Dampflokzeiten, statt LED-Scheinwerfern formen drei Glühlampen in der Dunkelheit ein „A“. Längst haben moderne Drehstromlokomotiven ihr den Rang abgelaufen, welche wartungsärmer, wirtschaftlicher und schneller unterwegs sind. In den ersten Tagen des Jahres 2019 ist sie neben einer ihrer Schwestern die letzte sich bei der Deutschen Bahn im Einsatz befindlichen E10.

„Die Lokomotiven der E10-Familie haben meine Leidenschaft für die Eisenbahn entfacht“ – Harald Niggemann, Eisenbahnfreund

Als die Lokomotiven dieser Serie konstruiert wurden, hatte Harald Niggemann das Licht der Welt noch nicht erblickt. Für ihn ist es selbstverständlich ist, freitagnachts am Hauptbahnhof zu stehen, um der altgedienten Zugmaschine „Lebewohl“ zu sagen. Die Lokomotiven der „E10“-Familie, so erzählt er, haben schon zu Kindertagen seine Leidenschaft für die Eisenbahn entfacht. „Meine erste Begegnung mit der ‚Zehner‘ hatte ich im Jahr 1979“, erinnert sich der Frankfurter.

Ein Foto zeigt ihn, wie er im Jahr 1982 aus dem Fenster seiner Lieblingslok blicken und selbst einmal Lokführer spielen durfte. Fast wäre er selbst einer geworden – allein seine Sehkraft hinderte ihn daran, seinen Traumberuf zu ergreifen. „Mit Brille hatte ich seinerzeit keine Chance auf die Lokführerlaufbahn, obwohl ich sämtliche Einstellungstests bestanden hatte“, erzählt der 52-Jährige. Geworden ist er schließlich Kfz-Mechatroniker. Vom Eisenbahn-Fieber ist er aber auch heute noch infiziert. Dass er den Abschied der „E10“ irgendwann erleben würde, sei ihm immer klar gewesen – „jetzt, wo es soweit ist, fühlt es sich aber komisch an“, gesteht der Frankfurter und ist ein wenig traurig.

Was ist das für eine Maschine, die über Jahrzehnte hinweg die Herzen von Eisenbahnfreunden höher schlagen lässt? Merkurist wirft einen Blick zurück.

Das neue Gesicht der Bundesbahn

Im Jahr 1950 beschloss die damalige Deutsche Bundesbahn, im Zuge der fortschreitenden Elektrifizierung ihres Streckennetzes eine Familie neuer Elektrolokomotiven zu entwickeln. Diese sollten nicht nur die bis dato verwendeten Vorkriegs-Maschinen ersetzen, sondern auch neue Maßstäbe hinsichtlich Reisegeschwindigkeit und Ergonomie setzen. So sollte etwa der Lokführer seine Tätigkeit erstmals sitzend verrichten können. Ein Konsortium namhafter deutscher Schienenfahrzeughersteller lieferte schließlich ab dem Jahr 1952 fünf Vorserien-Lokomotiven, aus denen schließlich die Lokomotiv-Baureihe „E40“ für den Güterzugdienst und die der 5030 PS starken „E10“ für den schnellen Personenzugverkehr abgeleitet wurden.

Anfang 1957 war es dann soweit: Die erste E10 wurde von der Industrie an die Deutsche Bundesbahn ausgeliefert. Noch bis zum Jahr 1969 wurden insgesamt 410 Lokomotiven abgenommen, welche schnell das Bild des hochwertigen Reisezugverkehrs bestimmten. Während die Amerikaner auf dem Mond landeten, hatte sich die deutsche Eisenbahn mittels einer großen Anzahl von Neubaulokomotiven völlig neu aufgestellt. Nicht wenige davon wurden im Bahnbetriebswerk Frankfurt am Main 1 beheimatet, das mit ihrer Wartung und Pflege betraut war.

Die zunächst königsblau lackierten Maschinen verbanden die Stadt am Main mit Zielen im gesamten Westdeutschland. Auch die in anderen Bahnbetriebswerken stationierten E10 erreichten während ihrer Reisen regelmäßig das zentral gelegene Frankfurt, sodass der Alltag in dessen Hauptbahnhof recht bald von F- und D-Zügen bestimmt wurde, denen das neue Paradepferd vorgespannt war. Generationen von Lokführern sollten auf der E10 „groß werden“. Und auch, wenn manch Eisenbahnfreund den Dampfloks hinterher trauerte, schlossen Bahnfans die stolzen Maschinen schnell ins Herz.

Mit Tempo 200 in eine neue Zeit

Zunächst für eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern zugelassen, erkannte die Deutsche Bundesbahn recht bald das Potenzial der „E10“. So wurde eine von ihnen mit Schnellfahr-Drehgestellen und einer geänderten Getriebeübersetzung versehen und erreichte im November 1968 erstmals die Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern – damals ein Rekord im Deutschen Streckennetz! Begeistert vom Gedanken, Züge mit schnellen Geschwindigkeiten verkehren zu lassen, orderte die Bundesbahn gleich 31 Lokomotiven, welche den legendären „Rheingold“-Zügen vorgespannt sein sollten. Zu diesem Anlass erhielten sämtliche noch auszuliefernden Lokomotiven ihre charakteristisch geknickte Front, welche ihnen den bis zum heutigen Tag geläufigen Spitznamen „Bügelfalte“ verlieh. Die „Rheingold“-Maschinen erhielten zusätzlich eine Lackierung in Beige mit roter Bauchbinde, passend zu den international verkehrenden Wagen.

Bild: Horst Schuhmacher

Im Jahr 1968 wurde seitens der Bundesbahn ein neues Nummerierung-Schema verfügt. Die 5030 PS starken Serien-Maschinen der Baureihe „E10“ wurden nunmehr als „Baureihe 110“ bezeichnet, die 31 Rheingold-Maschinen als Baureihe 112. Als im Jahr 1971 der neu eingeführte „InterCity“ neue Maßstäbe im Eisenbahnverkehr setzte, oblag den Lokomotiven der „E10“-Familie auch die Bespannung der neuen Paradezüge der Bundesbahn. Hierfür sollte eine neue Farbgebung in blau-beige den Maschinen ein eleganteres Aussehen verleihen. Zwischen Kiel und Basel prägten die „E10“ über Jahrzehnte hinweg das Gesicht der „neuen“ Bundesbahn.

Wechsel zum Nahverkehr

Erst im Jahr 1994 wurden die Lokomotiven der „E10“-Familie im Zuge der Bahnreform aus dem Fernverkehr verbannt und der DB Regio zugeteilt. Dort bildeten sie das Rückgrat des öffentlichen Schienenpersonennahverkehrs – ab 1997 auch im heute bekannten, roten Erscheinungsbild. Wer auch immer von Frankfurt aus in Richtung Saarbrücken, Koblenz, Heidelberg, Kassel oder Fulda reiste, war meist mit einer „Bügelfalte“ unterwegs.

Bild: Harald Niggemann

Nachdem aber nach der Wiedervereinigung zahlreiche Eisenbahnstrecken in den neuen deutschen Bundesländern stillgelegt wurden, standen der Deutschen Bahn mehr und mehr Lokomotiven jüngerer Bauart zu Verfügung. Triebfahrzeuge der ostdeutschen Baureihe 143 verdrängten die „110er“ nach und nach von ihrem angestammten Streckennetz, sodass im letztmalig im Jahr 2013 ein planmäßiger Einsatz einer Lokomotive der Baureihe 110 vor einem Nahverkehrszug erfolgte. Auch die Verbindungen rund um Frankfurt wurden auf andere Fahrzeuge umgestellt. Zahlreiche der nun „arbeitslos“ gewordenen E10 wurden im Anschluss einem Wertstoffhändler in Opladen (Nordrhein-Westfalen) zugeführt und gingen den Weg des alten Eisens.

Zweites Leben vor dem Autoreisezug

Anfang des neuen Jahrtausends verloren nochmals zahlreiche Maschinen ihre Einsatzgebiete an die modernen Triebzüge privater Betreiber. Als abzusehen war, dass ein Großteil der „110er“ im Nahverkehr nicht mehr benötigt wurde, nutzte die Autozug-Sparte der DB Fernverkehr die Gunst der Stunde und erwarb einige der nunmehr fast 50 Jahre alten Maschinen. Da die Lokomotiven nach wie vor als zuverlässig galten und die Autoreisezüge ohnehin mit lediglich 140 Stundenkilometern unterwegs waren, galten sie als optimale Zugmaschinen für die Langläufer. Zur Unterscheidung zur Baureihe 110 des Nahverkehrs wurden sie zur Baureihe 115 umgenummert. Auch auf der „Gäubahn“ zwischen Stuttgart und Singen halfen sie häufig für die dort ohnehin recht langsam verkehrenden „InterCity“-Züge aus.

Dass der Autoreisezugverkehr der Deutschen Bahn AG zum Fahrplanwechsel 2017 schlussendlich eingestellt wurde, ist nicht den Lokomotiven anzulasten. Der Höhenflug der Billigfluglinien sowie die fallenden Preise im Mietwagenmarkt sorgten dafür, dass nur noch wenige mit dem eigenen Auto „huckepack“ auf einem Zug in den Urlaub fahren wollten. So wenige, dass sich das Geschäft für die Deutsche Bahn nicht mehr lohnte und kurzerhand eingestellt wurde. Abermals hatten die E10 ein angestammtes Einsatzgebiet verloren. Bis zuletzt übrig blieben für die einstigen Paradepferde allein die Überführungsfahrten, welche während der Nachtstunden Schadwagen den im Bundesgebiet angesiedelten Werkstätten zuführen.

Ein recht beschaulicher Arbeitsaufwand: Im Jahr 2018 war die Menge von einst 430 Maschinen bereits auf eine an zwei Händen zählbare geschrumpft. Als zum Fahrplanwechsel am Ende des Jahres dann zahlreiche IC-Zugpaare mit neuausgelieferten „IC2“-Garnituren statt mit dem Ende der Achtzigerjahre gelieferten Lokomotiven der Baureihe 120 gefahren wurden, beschloss die Deutsche Bahn, die Bespannung der Überführungsfahrten der 120 zu übertragen. Somit war das Ende der „E10“ im Einsatz bei der DB besiegelt.

Langsamer Tod: Eine Ära geht zu Ende

Zurück zum Gleis 1a des Frankfurter Hauptbahnhofs. Die Eisenbahnfreunde fachsimpeln und tauschen Erinnerungen aus. Eine dunkle Silhouette im Führerstand trifft letzte Vorbereitungen, schließlich wird das Ausfahrsignal frei. Auslöser klicken, als die Fahrmotorlüfter der alten Maschine anlaufen und sich ihre 86 Tonnen in Bewegung setzen. Am Zughaken hat die 115 198 – so ihre genaue Bezeichnung – Schadwagen, die sie heute zum letzten Mal ins Werk nach München bringen wird. Es wird ihre letzte Reise sein. Am Ziel angekommen, führt für sie die Fahrt aufs Abstellgleis.

In der folgenden Nacht wird dann nach über 61 Jahren der planmäßige Einsatz von E10 bei der Deutschen Bahn dann nicht nur in Frankfurt, sondern endgültig Geschichte sein. Fast mutet es ironisch an, dass die letzt verbliebene Vertreterin der Lok-Legende auf ihrer Abschiedsfahrt einen defekten – wenn auch hochmodernen – ICE ins Krefelder Ausbesserungswerk schleppen soll, wo dieser repariert wird. Ihre eigenen Stromabnehmer werden sich danach allerdings für immer senken.

115 198 nimmt nun an Fahrt auf, bald ist der FbZ 2475 nach München im Gleisgewirr des Vorfelds verschwunden. Die Stimmung unter den Fotografen ist bedrückt. Eine E10 können sie in Zukunft nur noch im Museum bewundern. Auch Harald Niggemann packt seine Kamera ein. „Das war’s dann wohl“, sagt er. In Zukunft will er so oft es geht Lokomotiven die Drehstromlokomotiven der Baureihe 120 fotografieren. „Wer weiß, wie lange die noch fahren werden.“

Lese-Tipp: Des Rauschers neue Abenteuer

Wann kommt man zum Lesen, wenn nicht im Winter? Auch ich ziehe mich an den kalten, grauen Tagen mit Vorliebe zurück, um mich der Abarbeitung meines Lese-Stapels zu widmen. Dessen letzten Zuwachs hat mich nicht nur bestens unterhalten, sondern mir obendrein auch immer wieder ein lokalpatriotisches Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Grund genug, um euch eines meiner Lieblingsbücher des Winters 2018 vorzustellen! 

Über Autor Gerd Fischer habe ich auf diesem Blog schon mehrfach berichtet: Mit seiner Krimi-Reihe um den hitzköpfigen Kommissar Andreas Rauscher hat mir der gebürtige Altenstädter schon viele Stunden der Lesefreude beschert. Nachdem sein dem Apfelwein nicht abgeneigter Protagonist in seinem letzten Fall noch einen Anschlag auf sein – und natürlich auch mein! –  geliebtes „Stöffche“ abwehren musste, taucht er während der Ermittlungen seines jüngsten Falles in die Geheimnisse seiner Ahnen ein. 

Worum geht’s? 

„Frau Rauschers Erbe“, veröffentlicht in den ersten Dezembertagen 2018, beginnt mit einer Rückblende. Frankfurt, im Jahr 1985: Ein Herr bekommt seine Henkersmahlzeit in Form zünftiger Küche vorgesetzt. Rippchen mit Kraut, dazu ein Bembel Ebbelwoi – wenig später dann der letzte Atemzug des nichtsahnenden Namenlosen. 

Einmal umblättern, und der Leser befindet sich inmitten der Gegenwart: Der aufgrund einiger Verstöße gegen die Dienstordnung suspendierte Kommissar Rauscher findet in seinem Briefkasten ein Schreiben von einem Notar vor. Zu seiner Überraschung wird er zum Alleinerben seiner just verstorbenen Tante Adelheid erklärt. Der Bockenheimer kann sich darauf zunächst keinen Reim machen, denn schon seit seiner Kindheit ist der Kontakt zu seiner Tante abgebrochen. 

Dass etwas mit dem Erbe „faul“ ist, wird dem Kommissar schnell bewusst. Spätestens, als dieser von seinem Cousin Thomas angegangen wird, welcher das Erbe für sich beansprucht und auch vor Gewalttaten nicht zurückschreckt, schwant ihm, dass hier Etwas im Argen liegt. Seine Eltern erweisen sich während seiner Ermittlungen nicht als sonderlich auskunftsfreudig, sodass er sich zunächst allein der Hilfe seiner Freundin Jana an seiner Seite sicher sein kann. Die Polizei-Kollegin ist ebenfalls vom Dienst suspendiert, nachdem sie sich an Rauschers Alleingängen in dessen letzten Fall beteiligt hatte. 

Nicht nur, dass die Kommissarin dem Romanhelden mittels heißem Apfelwein am Leben hält – auch steht sie ihm bei der Aufklärung des rätselhaften Todes seines Onkels beiseite. Dass Rauscher seinen Sohn Max noch mehr vermisst als einen Bembel Süßgespritzten, sieht sie ihm mehr als nach: Sogar mit Rauschers Ex-Freundin Elke ist sie befreundet. Diese ist mit dem gemeinsamen Sohn nach Hamburg verzogen, nachdem Rauscher sie in einer Hals-über-Kopf-Aktion vor dem Traualtar hat stehen lassen, um eine Selbstmörderin zu retten. 

Während das Paar bei Rauschers Eltern noch auf Granit beißt, zeigen sich Andere jedoch ausgesprochen auskunftsfreudiger: Sowohl ein Ahnenforscher als auch der Hausarzt von Rauschers verstorbenen Tante wissen Fakten zu verlauten, die Kommissar Rauscher und seine Freundin Jana in einen Strudel familiärer Zerwürfnisse, rätselhafter Nachrichten und ungeklärten Fragen ziehen. Antworten auf diese erfährt allein der Leser des Romans, der im Taschenbuch-Format vom mainbook-Verlag publiziert wurde. 

Lesen & Verschenken: Eine gute Idee!

Ich habe gelesen, dass 26 Prozent aller Deutschen glücklicherweise noch immer Bücher zum Weihnachtsfest verschenken. Falls ihr also noch immer nach der Suche nach einem passenden Geschenk für einen eurer Lieblingsmenschen seid, da wisst ihr Bescheid, gelle? 

Klar, Lokalkrimis sind nicht immer literarische Meilensteine und sind auch eher selten für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Doch das müssen sie auch gar nicht: Ein Protagonist, mit dem sich zumindest alle Eigensinnigen und Apfelwein-liebhabenden Frankfurter (wie ich es einer bin!), macht gelegentlich holprige Dialoge allemal wieder wett. Und wenn sich der Romanheld im „Gemalten Haus“ mit einem wertvollen Zeugen trifft oder seine Freundin im Niddapark joggen geht, dann ist man als einheimischer Frankfurter dazu geneigt, sich zu neigen – hinein in die Kissen von Sessel oder Sofa, um der kalten Welt da draußen zu entfliehen. Hinein in die des Kommissars Rauscher. Der in seinem jüngsten Fall nicht nur in die Abgründe seiner Familie eintaucht, sondern sich gleichfalls auf die Suche nach der Herkunft seines Familiennamens macht. Ob er wohl verwandt mit der berühmten Dame aus der Klappergass‘ ist? Na, lest doch einfach selbst! 

In diesem Sinne: Auf ein frohes, neues Lesejahr! 

„Frau Rauschers Erbe“ 
erschienen im „Mainbook“-Verlag 
bestellbar hier – oder noch besser: 
beim Buchhändler in eurer Nachbarschaft. 

Mutig im Rahmen seiner Möglichkeiten: Jakob Schwerdtfeger liest (s)ein Buch

Gewinner mehrerer Poetry-Slam-Wettbewerbe, ein Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie, sogar im Genre des Battle-Rap erfolgreich: Jakob Schwerdtfeger ist der ungekrönte König Frankfurter Wortkunst in der heutigen Zeit. 

Seine Erfolge allerdings hat der 30-Jährige als „Jey Jey Glünderling“ eingeheimst. Erst in diesem Jahr hat er sich von seinem bewusst sperrig gewählten Künstlernamen getrennt, unter dem zwölf Jahre lang auf den Bühnen stand. Über Gründe für die Abkehr von seinem Alter Ego mag man nur spekulieren können; dass der Wortakrobat mit dem brachialen Stimmorgan sich nun aber zunehmend im literarischen Bereich versucht, mag gewiss einer der Gründe für die Besinnung auf seinen (gut)bürgerlichen Namen sein.

Schwarmintelligenz als Lektorat? 

Nach einer ersten Veröffentlichung eines eigenen Buches – der Textsammlung „Traumberuf Marktschreier“ – versucht sich der Frankfurter nun an der hohen Kunst des Romanschreibens. Gänzlich Rampensau, schließt sich Schwerdtfeger allerdings nicht in seiner Schreibstube ein und entwickelt seine Geschichte allein in vertraulicher Zusammenarbeit mit einem Lektor: In einer mit „Mutig im Rahmen meiner Möglichkeiten“ betitelten Veranstaltungsreihe lädt der Autor monatlich eine interessierte Zuhörerschaft dazu ein, sich die jüngst entstandenen Kapitel seines Werkes anzuhören und die Entstehung des Romans kritisch zu begleiten. 

Die Schwarmintelligenz als der bessere Lektor? Eine öffentliche Lesung einer unvollendeten Geschichte? Einen Konsens schaffen, wo es keinen Konsens gibt – weil auch die Kunstform der Literatur so unendlich subjektiv ist? Kann das gut gehen? Macht das Spaß?  

Das möchte ich gerne herausfinden. Nicht nur, weil ich – und daraus mache ich keinen Hehl! – ein großer Fan von Schwerdtfeger bin. Am 19. November mache ich mich auf den Weg zum wohl merkwürdigsten Ort, an dem ich jemals eine Lesung besucht habe: Die Trucker-Kneipe „Zur Insel“ im Frankfurter Osthafen, welche vom Gastgeber als Location auserkoren wurde. 

Literatur in der Trucker-Klitsche

Wo sich sonst Fernfahrer Schnitzel und Pommes Frittes in die übernächtigten Gesichter schaufeln, sitzt an diesem Abend ein junges, urbanes Publikum den Tischen mit karierten Kunststoffdecken. Kaum ein Platz in der kleinen „Insel“ ist mehr frei, der Gastgeber indes hat Stellung auf einem Barhocker bezogen. Neben ihm: Anya Schutzbach, Chefin des Verlages „Weissbooks“, welcher bereits sein Erstlingswerk verlegt hat und nun auch seine Romandebut veröffentlichen möchte. 

„Begleitet Jakob während seiner Transformation vom Poetry-Slammer zum Romanautor“ – neben der Mittvierzigerin wirkt Schwerdtfeger für mich wie ein kleiner Schuljunge. „Er sollte, er muss seine Romanfigur noch weiter entwickeln, ihn niemals langweilen lassen!“

Die Romanfigur, das ist ein Museumswächter, wohnhaft im Gallus, vom Beruf gelangweilt, vom Privatleben überfordert. Ein fruchtbarer, wenn auch nicht gänzlich jungfräulicher Boden also für einen lustigen, bestenfalls auch spannenden Roman. Schwerdtfeger fackelt nicht lange und liest das erste von den drei am heutigen Abend erwarteten Kapiteln.

 

In gewohnt schneller, überdrehter Manier flitzt er über Zeilen und Absätze, was den einen (mir!) sehr gefällt, anderen derweil nicht so. Das Feedback bleibt durchmischt. Der Protagonist der Vorlesung durchlebt eine drogengeschwängerte Nacht, wacht am nächsten morgen im Bett einer Künstlerin auf, deren Videokunstwerk er Nacht für Nacht bewacht. Nette Idee, wie ich finde! 

Am Ende des Kapitels bittet Schwerdtfeger um Feedback, was ein wenig eigenartig ist – entspricht er doch sonst einer recht unnahbaren Kunstfigur, die schon weit größere Bühnen bespielt hat. Ich selbst kann es nicht lassen und weise den Autor darauf hin, dass die Türen von U-Bahn-Zügen mitnichten „immer piepen“ und stelle klar, dass allein die S-Bahnen der Baureihe 430 immer „piepen“; auch dann, wenn sich gerade einmal kein Aussteigender im Türenbereich befindet. Der Autor lacht und verspricht, diese Tatsache bei der Korrektur seines Buches zu berücksichtigen. 

Zehn Zuhörer, elf Meinungen 

So geht es munter weiter; dem nächsten Kapitel folgen Fragen und Anmerkungen der Zuhörer. Doch auch Schwerdtfeger hat Fragen mitgebracht: Wie soll er eigentlich wohnen, der Protagonist? Wie nachvollziehbar hat er die Kunstwerke geschildert, von denen der Museumswärter Nacht für Nacht umgeben ist? Wie glaubhaft erscheint die Liebelei zwischen Jasper und der Künstlerin?

Das Feedback der Zuhörer ist erwartungsgemäß divers: 
Wie das eben mit Büchern so ist, haben zehn Leser elf Meinungen. Während die einen von Schwerdtfegers Satzstakkato ein wenig angestrengt sind, freuen sich andere darüber, dass der Autor seinem vom Poetry Slam angehauchten Duktus treu geblieben ist. So auch ich!

Der wohl älterer Zuhörer im Raum meldet sich zu Wort. Schwerdtfeger, moniert er, könne mit seinem flotten Erzählstil wohl kaum eine Leserschaft jenseits der 60 erreichen. Aus einem Impuls heraus schüttele ich den Kopf,an dieser Stelle bin ich nicht d’accord.

Die Gretchenfrage ist wohl: Bleibt Schwerdtfeger sich und seinem Duktus treu und erreicht damit alleine „seine“ Zielgruppe der jungen Erwachsenen so-zwischen-zwanzig-und-Mitte-dreißig, oder schreibt er massenkompatibel, um auch noch die hinterletzte Leser-Splittergruppe zu erreichen?

Nee nee, denke ich mir, der Junge soll sich mal schön treu bleiben. Wer sich für seine Texte zu alt fühlt, kann ja auch gerne Rosamunde Pilcher lesen.

Hellhörig werde ich, als der Gastgeber Einblicke in die Konzeption seines Romans gibt. An dieser Aufgabe bin ich selbst schon mehrfach gescheitert, ich denke an die unvollendeten Manuskripte in meiner Schublade. Schwerdtfeger hält jedenfalls nichts vom aufwendigen Plotten: „Ich schreibe drauflos“, sagt er.

 

„Wo die Geschichte hinführen wird, ist noch nicht ganz klar. Ich habe mehrere Ideen, erst langsam wird mir klar, welche Wege Jasper gehen wird. Bis dahin fülle ich nach und nach Jaspers Wochentage, lasse ihn sich schon mal für einige Kapitel später verabreden“. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Gelassenheit, welche der Autor bei seiner Mammutaufgabe an den Tag legt! 

Übrig bleibt die Frage: „Warum macht der das?“

So oder so: Langeweile kommt keine auf, etwas abrupt beendet Schwerdtfeger seine Lesestunde und verweist auf die nächste Ausgabe von „Mutig im Rahmen meiner Möglichkeiten“ am 17. Dezember. Auch die Vertreterin seines Verlages rührt noch einmal in der Werbetrommel, dann lichten sich die Stühle in der Truckerkneipe. 

Übrig bleibt die Frage: Warum macht der das der, Glünderling – pardon, der Schwerdtfeger? Ist es allein der Mut, der ihn nicht mit dem Vorlesen nicht warten lässt, bis sein Werk vollendet ist?

Ich als Laie denke jedenfalls, dass ein Lektorat nicht einem beliebigen Kollektiv anvertraut werden sollte – vielmehr jemandem, der ein wenig Ahnung vom „Geschäft“ hat. Was allerdings bedeuten würde, dass das Romandebut im stillen Kämmerlein entstehen würde – und der Wortakrobat auf manch Bühnenpräsenz verzichten müsste. 

Vielleicht liegt genau hier der Hase im Pfeffer – Schwerdtfeger ist ein Bühnenmensch und Entertainer, vermutlich kann er einfach nicht anders. Es ist wohl weniger der Mut im Rahmen seiner Möglichkeit, sondern seine Lust auf Interaktion und Scheinwerferlicht, der ihn diesen ungewöhnlichen Weg gehen lässt. 

Dass das Scheinwerferlicht in diesem Fall lediglich aus der schummrigen Beleuchtung einer Truckerkneipe besteht, scheint ihn nicht zu stören – so wenig wie mich, denn ich komme gerne wieder. Ich bin gespannt, wie sich Museumswächter Jasper bis zur nächsten Lesung entwickeln wird – und kaufe das Buch gerne selbst dann, wenn ich den Inhalt schon vorab kenne. Fan ist eben Fan. 

„Ich hab‘ das Gefühl, ich hätte den Roman selbst mitgeschrieben“, sagt mein Tischnachbar zum Abschied. Dann stehe ich in der kalten Luft vor der „Insel“, umgeben von Zugmaschinen. Die Fernfahrer haben längst Feierabend und sich in ihre Kojen verkrochen. Und auch ich freue mich auf mein Bett. Vielleicht blättere ich vor dem Schlafen noch ein wenig in einem Buch.




Von Frankfurt aus in alle Welt: Wie ich dem „Postcrossing“ verfiel

Noch bis vor Kurzem dachte ich ja, ich sei der letzte Mensch dieses Planeten, der Freunde und Familie gerne mittels Postkarten beglückte. Während im Urlaub meine Freunde üblicherweise Instagram-Stories und Videos auf WhatsApp als Gruß an die Daheimgebliebenen fabrizierten, erkundigte ich mich in allerfeinstem Schulenglisch nach „postcards“ und „stamps“, bevor ich anschließend Kugelschreiber griff. 

Die Rechtecke aus Karton machen mir einfach Spaß; sie sind zwar ein wenig aufwendiger zu erstellen, fassen recht wenig Inhalt und sind gerne wochenlang unterwegs – doch zeugen Stempel und Marken von ihrer langen Reise, beweist meine Handschrift mich als ihren Urheber, formen geschwungene Buchstaben meine Gedanken.

Das einzige Manko meiner Leidenschaft: Ich schrieb zwar häufig Postkarten, doch empfing ich äußerst selten welche. Meinen Briefkasten erreichten lediglich regelmäßig meine Tageszeitung sowie unregelmäßig Rechnungen, die ich zu recht dekorativen Stapeln türmte.

Dann aber, an einem Sommertag vor acht Wochen, las ich in der Frankfurter Rundschau einen Artikel über das Postcrossing. Seitdem schreibe ich nicht nur täglich Postkarten, sondern kann auch fast jeden Tag Kärtchen aus aller Welt aus meiner Postbox fischen.

Hier möchte ich euch von meinen Erfahrungen nach acht Wochen des „Postcrossens“ berichten.

Tokio, Queensland, Chemnitz: Einfaches Prinzip, maximale Freude

Gebe es das „Postcrossing“ nicht, man müsste es erfinden. Das Prinzip meines neuen Hobbies ist ebenso simpel wie genial: 
Zunächst gilt es sich, auf der Plattform www.postcrossing.com zu registrieren. Namen aussuchen, bisschen was ins Profil schreiben, Adresse hinterlegen – zack, aus, feddisch! 

Besonders schön zu wissen, dass man mit dem neuen Hobby nicht alleine ist: Fast 750.000 Postkarten-Fans aus 217 Ländern dieser Welt haben sich über die Plattform bis heute bereits über 49 Millionen (!!) der bunten Kärtchen geschickt. 

 

Bevor nun aber der eigene Briefträger mächtig Arbeit bekommt, gilt es zunächst, andere Postcrosser aus allen Herren Ländern mit eigenen Karten zu beglücken. Maximal fünf Karten können anfangs auf den Postweg geschickt werden. Per Klick auf „Karte senden“ wird per Zufallsgenerator eine Adresse von einem anderen Postkartenfreund angezeigt und eine ID generiert, die auf der Karte vermerkt wird und deren zweifelsfreier Zuordnung dient. 

Ich hatte mich also eingedeckt mit einem Stapel Grußkarten, geziert von den schönsten Motiven meiner Heimatstadt Frankfurt. Peter Feldmann wäre stolz auf meine Öffentlicharbeit! Briefmarken gibt’s im Zehnerpack, wobei mich sehr erstaunt hat, dass die Post die Karten für pauschal 90 Cent pro Stück auch in den letzten Zipfel der Erde transportiert! Wie verdienen die da eigentlich noch Geld? 

Einem jeden „Postcrosser“ ist es selbst überlassen, was auch immer er auf die Karte schreiben mag. Ich habe meistens ein paar hard facts über Frankfurt verlauten lassen und beschrieben, weshalb ich „my lovely hometown“ so verfallen bin. Dass die Sprache der „Postcrosser“ Englisch ist, verwundert kaum – bei 248 vertretenen Nationen dürfte die Verständigung ansonsten ein wenig schwierig werden.

Sobald die ersten fünf eigenen Karten auf die große Reise geschickt sind, heißt es erstmal: Abwarten. Bis die eigenen Grüßen ihr Ziel in der Volksrepublik China, dem australischen Busch oder ein kleines Dorf am Baikalsee erreicht haben, fließt schließlich eine Menge Wasser den Main hinunter. 

Sobald die Post aber ihren Dienst getan und eure Karte dem jeweiligen Empfänger überreicht hat, registriert dieser sie anhand ihrer ID auf der Plattform. Dies ist der Moment, in dem eure Stunde geschlagen hat!

 

Nicht nur, dass ihr anhand einer Weltkarte visualisiert bekommt, welchen Weg eure Karte innerhalb welcher Zeit genommen hat – denn nun ploppt endlich auch eure Adresse irgendwo auf dieser Welt auf und wird einen unbekannten Menschen dazu veranlassen, auch euch eine Karte zu senden. Parallel dazu könnt ihr nun eine weitere Karte auf die Reise schicken. 

Erneut gilt es nun, sich in Geduld zu üben. Gut und gerne brauchen die Karten nämlich auch mal 2-3 Wochen, ehe sie ihr Ziel – euren Briefkasten! – erreichen. Wenn die „Maschinerie“ aber erst einmal angelaufen ist, könnt ihr schon nach wenigen Wochen nicht nur täglich neue Karten versenden, sondern natürlich auch empfangen. Nach acht Wochen „Postcrossing“ habe ich nicht nur der Deutschen Post ein immenses Umsatzplus beschert, auch hat sich eine beachtliche Menge bunter Kärtchen auf meinem Schreibtisch angesammelt. Vielleicht bastel‘ ich sogar mal eine Collage draus?

Von pinken Flamingos, Kriegsschiffen und kryptischen Adressen: Herausforderungen und Erkenntnisse

Als „Postcrosser“ habe ich nicht nur spannende Feststellungen treffen dürfen, sondern auch immer wieder Herausforderungen meistern müssen. 

Nie hätte ich beispielsweise gedacht, wie herrlich unkompliziert doch deutsche Adressen sind. Name, Straße, Postleitzahl, Stadt – fertig. In China aber beispielsweise folgen unaussprechlichen Straßennamen wie „JinJianJiaYuan“ noch fünf weitere Zeilen mit Angaben von Provinz, Distrikt und Wohnblock, bevor irgendwelche Zahlenreihen wohl etwas ähnliches wie eine Postleitzahl darstellen und die Adresse schlussendlich nur mit Ach und Krach auf die Karte passt. 

Noch abenteuerlicher wird es, wenn Adressen aus kyrillischen Buchstaben bestehen und nicht abgeschrieben, sondern vielmehr -gemalt werden müssen. Ein Wunder, dass auch diese meiner Karten irgendwie ihr Ziel erreichten!

Amüsante Randnotiz: Die einzige meiner Postkarten, die ihr Ziel niemals erreichen sollte, ging nach: Chemnitz. No joke!

Immer wieder amüsiert bin ich indes über die Nachrichten, die mich mal leserlichen, mal recht krakeligen Buchstaben erreichen:

Peter aus Boston erläutert mir die Geschichte seiner Heimatstadt bis ins kleinste Detail, während Petr aus Tschechien das dortige Bier in höchsten Tönen lobt.

 

Auch einen Marienkäfer hat er auf seine Karte geklebt, möge er mir Glück bringen. Thankyousomuch. Melissa aus Queensland erzählt von ihrer Liebe zu Deutschland, wo es allerdings – im Gegensatz zu ihrer Heimat Australien – wo es ihres Wissens jedoch leider keine Wale gebe. Ihre Karte verziert sie sicherheitshalber mit einem Kätzchen-Aufkleber.

Lyo aus Tokyo lässt mich wissen, dass die Straßen der Megacity wirklich verstopft seien,  Lee aus Neuseeland beschwert sich über die anhaltende Hitze down under. „So, so hot!“.  Tylor ist nicht nur aus Texas, sondern auch „a psychedelic rock musician“, während Uta aus Finland pensionierte Lehrerin ist und Schäferhunde liebt. Ob es denn in Deutschland wirklich so lange hell sei? Anastasia aus Weißrussland wünscht mir „Peace, Love & Happiness“, Hans-Günter aus Gelsenkirchen ein stilechtes „Glückauf!“

Aber auch jede Menge nützliches Wissen wurde mir mittels Postkarte zugespielt. Matthias aus Thüringen beispielsweise schickte eine Postkarte aus dem Lichtetal und ließ mich wissen, dass dort der Kümmerling erfunden worden sei. Auch Giancarlo aus Italien wollte mich nicht dumm sterben lassen und verriet mir, welchen „Vino“ ich trinken sollte – und welchen nicht. 

Klischees und Briefmarken 

Nicht minder spannend sind natürlich auch die Briefmarken, die in den unterschiedlichsten Ausführungen mit den unterschiedlichsten Werten verschiedenster Währungen bedruckt sind. Stempel bezeugen das entrichtete Beförderungsentgelt und lassen nicht nur das Herz von eingefleischten Philatelisten höher schlagen. 

Während die Briefmarken der Deutschen Post, welche ich erwarb, zumeist von Blümchen und Blüten geschmückt waren, erreichte mich aus den einzelnen Nationen ein buntes Potpourri verschiedenster Marken.

Immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat mich dabei der Umstand, dass die Marken oft tatsächlich gewisse Klischees bedienen:

 

So kommen „stamps“ aus den USA beispielsweise selten ohne den obligatorischen Schriftzug „America first!“ aus. Ebenfalls aus den Staaten stammt eine Marke, welche von einem Soldaten geschmückt wird: „In memory to our fallen soldiers!“ Soll aber bloß niemand die USA auf Soldaten, Krieg und Patriotismus reduzieren: Eine Karte aus Kalifornien ist gleich dreifach mit Marken bepflastert, die Muscheln und anderes Meeresgetier zeigen.

Auch Russland verleiht offensichtlich gern dem militärischen Stolz auf Briefmarken Ausdruck: Kriegsschiffe schmücken die Briefmarken, die gut ein Drittel der Karte von Vladimir bedecken.

„Par Avion“ – einige der Stempel darauf verstehe ich noch, die meisten aber bleiben aufgrund ihrer kyrillischen Botschaften ein Mysterium für mich.

 

Auch die Briefmarke von Anastasia aus Moskau bedeckt ein gutes Drittel der Karte, welche sie noch mit funkelnden Sternen beklebt hat. Dass drei meiner vier bisherigen Korrespondenten aus Russland den Namen „Anastasia“ tragen, ist eine weitere Tatsache, die mich aus Gründen der Klischee-Erfüllung zum Schmunzeln bringt. 



Das perfekte Hobby für die grauen Tage

Habt ihr nicht auch schon aus den Fenstern eurer teuren Wohnungen geschaut und euch angesichts des grauen Himmels gefragt, was ihr mit eurer Zeit anstellen sollt? „Postcrossing“ könnte auch für euch eine Antwort auf diese Frage sein, lassen sich (ich weiß, wovon ich rede!) Postkarten doch auch ganz vorzüglich im Bett schreiben. Ja, es dauert ein wenig, bis die ersten eigenen Karten erst einmal angekommen sind und Früchte in Form von bunten Überraschungen in eurem Briefkasten tragen. 

Ist das System aber erst einmal „warmgelaufen“, so dürft ihr euch aber recht bald über fast tägliche Post freuen.

Ist nicht jede Rechnung gleich viel erträglicher, wenn sie von drei bunten Kärtchen mit Motiven und handschriftlichen Grüßen aus aller Welt flankiert werden?

Ich jedenfalls bin froh, dieses Hobby für mich entdeckt zu haben. Und wenn auch ihr jetzt so richtig Bock bekommen und den Füller schon gezückt habt, dann scheut nicht, euch anzumelden und dem Kreis der Postcrosser beizutreten! Bis dahin verbleibe ich mit dem internationalen Gruß aller Gleichgesinnten: 

„Happy Postcrossing!“