Neue Ausstellung: Ein wohltuend nüchterner Blick auf das Auf und Ab des Bahnhofsviertels

Eigentlich, da bin ich ja „durch“ mit dem Bahnhofsviertel.

Ja, ja: Ein Sündenpfuhl und hartes Pflaster, ein halber Quadratkilometer voller Leid, Schmutz und Elend. Dubiose Geschäfte und käufliche Liebe hinter schmucken Altbaufassaden. No-go-Area und von der New York Times „als Place to be gepriesen„, Hipster hängen in coolen Bars mit bunten Stühlen herum, während nebenan Junkies im Dreck und Dealer auf der Lauer liegen. Der Frankfurter Weg, eine überforderte Polizei im Schatten der Wolkenkratzer. Tabak-, Schuh- und Musikgeschäfte als die Letzten ihrer Art, der Einzelhandel stirbt auch hier. Gentrifizierung, BAO, die offene Drogenszene. Crack ist das neue Heroin und das Viertel der heiße Scheiß, dann und wann sorgt ein Künstlerkollektiv für Furore.

Frischer Fisch bei „Alim“, kaltes Bier bei „Yok-Yok“, ein Kiosk wird zum Kult. Ulrich Mattner mittendrin, Glücksspiel und benutzte Spritzen in den Straßen mit den Flussnamen. Einmal im Jahr die Bahnhofsviertelnacht, man schlemmt sich um die Welt, ja, das Viertel ist nicht nur multikrimi-, sondern seit jeher auch multikulturell. Bänker machen Mittagspause auf dem Kaisermarkt und Männer mit Kehrmaschinen und Hochdruckreinigern dem Dreck der letzten Nacht den Garaus.
Popup-Stores ploppen auf und lautlos wieder zu, die Dachterrasse eines „24 hours“-Hotels lädt zum Tanz, laute Musik übertönt das Blaulicht in der Straßenschlucht. Absteigen mutieren zu Kult-Kneipen oder müssen schließen, Bars von Weltniveau kredenzen Moscow Mule.

 


Erkennen Sie`s? Kaum wieder zu erkennen ist der Bahnhofsvorplatz auf einer der ausgestellten Bilder des Instituts für Stadtgeschichte. 

Ausgepresst und Ausgequetscht

Das Bahnhofsviertel, es ist berüchtigt und hipp, ist verschrien und geliebt, ist arm und reich, ein makabres Schauspiel und marodes Tor zur Stadt. Ist grausam, ehrlich, liebenswürdig, ist spannend, unstetig, gefährlich. In graue Tristesse gehüllt und trotzdem bunt. Das Bahnhofsviertel, es ist Alles und Nichts, vor allem aber ist es: Totgeschrieben, ausgequetscht, immer für einen reißerischen Aufmacher gut gewesen. Bis zum Erbrechen diskutiert, als Politikum missbraucht in Wahlkampfzeiten, hat es polarisiert und mich irgendwann gelangweilt, hat gelegentlich sogar vergessen lassen, dass Frankfurt noch so viel mehr ist.

Nein, ich konnte und wollte irgendwann nichts mehr lesen über den zwischenzeitlich zum „BHFSVRTL“ hochstilisierten Stadtteil, nicht auf Blogs, nicht in der Zeitung, nicht sonstwo. Wollte nicht meine heile Welt, doch zumindest bitte meine Ruhe.

Dass ich nun dennoch noch ein (allerletztes, versprochen!) Mal einreihe in all die Berichterstattung über das Viertel, hat einen ganz bestimmten Grund:

 

24 Rückblick – nüchtern, sachlich, überfällig

Die Ausstellung „Banker, Bordelle und Boheme“ des Instituts für Stadtgeschichte. Diese ist noch noch bis zum 7. April 2019 im Ausstellungssaal des Karmeliterklosters zu bewundern, welches ohnehin jederzeit einen Besuch wert ist. An einem grauen Sonntagnachmittag hatte ich mich jüngst dazu hinreißen lassen, der Ausstellung einen Besuch abzustatten. Bereut habe ich es nicht – was nicht allein an meiner nette Begleitung lag! Vielmehr vor allem daran, dass die Ausstellung einen längst überfälligen, wohltuend nüchternen Blick auf die wechselhafte Geschichte des verruchten Viertels wirft. Gänzlich frei von wildgewordenen Emotionen, von Verteufelungen und den ewigen Hype wird Aufstieg und Fall des einstigen Nobelviertels beleuchtet.

Dabei wird der Wandel des Viertels auf 24 Stationen nachgezeichnet. Historische Fotografien des Instituts für Stadtgeschichte und Leihgaben anderer Fotografen machen Menschen wie mich glücklich, welche „Früher und Jetzt“-Vergleiche lieben.
Exponate in Schaukästen runden die Ausstellung ab – vom Fuchspelz als Zeugnis des einst florierenden Pelzhandels bis hin zur „Stadtkarte für Freier“ samt „Leichte Mädchen-Testberichte“ in Buchform. Letztere Gegenstände wirken aus heutiger Zeit betrachtet schlicht widerlich und machen die Errungenschaften von Aufklärung und Emanzipation deutlich – während sie gleichzeitig mahnen, diese zu schützen und bewahren.


Makaber: „Stadtkarte für Freier“
(Foto: Institut für Stadtgeschichte) 

Für mich besonders aufregend war es, die prächtigen Bauten zu betrachten, welche im Krieg zu schaden kamen und nie wieder aufgebaut wurden. Wie prunkvoll das Viertel doch einmal anzuschauen war!

 

Tröstliche Erkenntnisse: Weil früher auch nicht alles besser war

Erfreulich auch, dass die politischen Ansätze im Umgang mit der das Viertel seit Jahrzehnten begleitenden Drogenproblematik aufgearbeitet wird. Nach einer Stunde atme ich frische Luft im Kreuzgang des Klosters. In mir macht sich die Erkenntnis breit, dass früher nicht immer alles besser war. Dass aber auch nichts beständiger ist als der Wandel, der auch vor dem Bahnhofsviertel keinen Halt macht – und neben Problemen jedoch auch Hoffnung schafft.


Prunkvolle Zeiten: Ob sie je zurückkehren? (Foto: Institut für Stadtgeschichte) 

 

Was übrig bleibt, ist eine Frage: Quo Vadis, Bahnhofsviertel?

Banker, Bordelle und Boheme 
zu sehen im Karmeliterkloster 
noch bis zum 7. April 2019

„Frankfurt, Schwarz & Weiß“ – Die Geschichte hinter der Ausstellung

Welche waren eigentlich eure Vorsätze fürs neue Jahr?
Ich persönlich mag ja Zigaretten und Apfelwein viel zu gerne, sodass für mich letztendlich Jahr für Jahr nur einer davon bleibt: Möglichst viele Dinge zum ersten Mal zu tun.

Nun scheint es, als hätte ich meiner alljährlichen Absichtserklärung tatsächlich Taten folgen lassen: Zwischen dem 1. Juni und dem 15.Juli verwandelt sich das großartige Café Sugar Mama nämlich zur Galerie meiner ersten eigenen Foto-Ausstellung „Frankfurt Schwarz & Weiß“. Sechs Wochen lang darf ich hier meine Werke auf Leinwand ausstellen, welche im Laufe der letzten Jahre bei meinen Streifzügen durch meine Heimatstadt entstanden sind. Festgehalten auf Negativstreifen und bislang nur in meinen Alben zu bewundern, werden sich die Motive nun dem kritischen Blick der breiten Öffentlichkeit stellen.

 

Doch wie kam es eigentlich dazu? Dies ist die Geschichte hinter  „Frankfurt Schwarz & Weiß“

Die kleine Macke als großer Antrieb

Wer mich kennt, der weiß: Es fuchst mich, wenn Andere irgendetwas können und erreichen, .das ich mir bislang noch nicht auf die Fahnen schreiben konnte.
Ja, oft bewundere ich andere Menschen für ihr Schaffen und bin zuweilen sogar neidisch. „Was die können, will ich auch können!“ ist ein von mir oft gedachter Gedanke – und ist letztendlich Quell meines Treibens. Dieser Charakterzug ist es, der mich bisweilen sogar gelegentlich zu Gitarre und Mikrofon greifen lässt- obwohl ich nun wahrlich nicht sonderlich musikalisch bin. Nein, eine Krähe ist kein Singvogel! 

Nun saß ich vor einiger Zeit in meinem Lieblings- und Stammcafé, in dem mehrmals im Jahr Ausstellungen stattfinden. Ich weiß nicht mehr, ob ich Zeitung gelesen habe oder geschrieben habe, als mein Blick auf eines der ausgestellten Bilder fiel. Gut aber erinnere ich mich daran, wie sich ein mir wohlbekanntes Gefühl in mir breit machte. Gefühlt, gedacht, gemacht: Ich verfasste eine Bewerbung um eine eigene Ausstellung und fügte ein paar meiner analogen Schwarzweißbilder bei. Die waren ja schon damals mein Steckenpferd – seit meinem Projekt „36 Lieblingsorte“ war eine analoge Kleinbildkamera steter Begleiter auf all meinen Streifzügen durch meine Heimatstadt.

Niemals hatte ich mir die Chance für eine Zusage ausgemalt. Doch diese erreichte mich nur wenig später – für den Herbst 2019. Bis dahin (wir schrieben November 2017) sollten noch zwei Jahre vergehen und noch eine Menge Wasser den Main hinunterfließen. Mir kam es gelegen, konnte ich mich doch über die Zusage freuen, mich geehrt fühlen – und das „Projekt Ausstellung“ guten Gewissens in die Schublade „Brauche-ich-mir-noch-lange-keine-Gedanken-darüber-zu-machen“ verfrachten. Das Leben zog weiter, es wurde Weihnachten, heißer Apfelwein versüßte die Feiertage, auf einer Straßenkreuzung im Stadtteil Bockenheim begrüßte ich das neue Jahr.

Listen, Listen, Listen: Von der Organisation einer Ausstellung

Es war im Januar, ich verfluchte die Stadt für die Kälte und den Schneematsch unter meinen Schuhen, der sich hässliche Pfützen im Flur meiner Wohnung ausbleiben ließ. Immerhin, die grauen Tage vertrieb ich mir neuerdings mit dem Schreiben von Texten für ein Nachrichtenmagazin, für das ich seit dem Jahreswechsel arbeitete. Dennoch verfluchte ich auch den Umstand, dass auch im neuen Jahr alles so vor sich hinplätscherte, wie es auch im Dezember noch geplätschert war. Nun, zumindest bis ich auf die E-Mail klickte, die mich von der Besitzerin meines Lieblings-Cafés erreicht hatte. Eine Künstlerin sei abgesprungen, las ich da, nun sei ab ersten Juni eine sechswöchige Lücke im Ausstellungs-Kalender entstanden. Ob ich nicht einspringen wolle?

Klar wollte ich. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, auf welch Mammut-Aufgabe ich mich damit einlassen würde.Schnell stand ich also vor der Frage, wie man doch gleich eine Foto-Ausstellung organisierte. Und wie immer, wenn es um das „irgendwie Organisieren“ geht, hab‘ ich erstmal eine To-Do-Liste angefertigt. Ohne Listen, da ging im Leben sowieso nichts, und Listen, die mache ich mir bekanntlich selbst für Listen.

Von der Auswahl der Bilder über die Produktion der Leinwände und die Gestaltung der Hängung, vom Exposé bis hin zum Bekanntmachen der Ausstellung und der Konzeption der Vernissage – es gab, soviel war klar, viel zu tun. Womit also anfangen? Ein schmucker Titel jedenfalls war schnell gefunden – „Frankfurt Schwarz & Weiß“ hatte mir als schlagkräftige Bezeichnung quasi aufgedrängt. Nun erschien es mir sinnvoll, eine Auswahl derjenigen Bilder zu treffen, die ich als ausreichend gelungen empfand, um sie einem geneigten Publikum zu präsentieren.

„Scheiße, sind das viele!“ : Von der Qual der (Aus-)Wahl

Es ist mal wieder schon spätabends, als ich im Frankfurter Nordend eine Flasche Wein aufmache und stapelweise Fotoalben auf meinen Schreibtisch wuchte. Ich blättere mich durch jedes einzelne der Alben, entdecke immer wieder Bilder, an die ich mich schon längst nicht mehr erinnert hatte. Soviel stand fest: Es waren VIELE Bilder, stolze 700, um genau zu sein. Wie viele würde ich wohl benötigen? Sollte ich die Ausstellungsfläche mit vier gigantischen Großdrucken füllen, oder die Wände mit 300 kleinen Leinwänden tapezieren? Ich hatte keine Ahnung. Szenerie am Mainufer, Portrait des Opernbrunnens oder der Schnappschuss vom Wochenmarkt? Musste der Goetheturm nicht elementarer Bestandteil der Ausstellung sein? Wie viel Skyline vertrug meine Ausstellung? Durfte der Dom gleich zwei Mal vertreten sein? Sollte ich die Bilder, die in jeder anderen Stadt entstanden sein könnten, gleich aussortieren? Mag außer mir eigentlich sonst noch jemand U-Bahn-Bilder? Und sollten meine eigenen Favoriten auch die der Betrachter sein?

Ich hatte keine Ahnung. Ich trank viel Wein in dieser ersten Phase der Organisation, doch kam nicht weiter. Rettung nahte erst in Form einer bezaubernden Frankfurter Künstlerin: Isabel Lips. Wer mich kennt, weiß, wie ungern ich andere Menschen um Hilfe bitte – in meiner Verzweiflung aber sah ich keine andere Möglichkeit. Zwischenzeitlich war es mir zwar unter Tränen (ja, ich hänge sehr an einigen meiner Aufnahmen!) und unter Zuhilfenahme von einigem grünen Veltiner gelungen, aus den 700 Fotografien 180 Exemplare auszuwählen. Kein einziges davon aber, das war klar, würde ich noch aus eigener Kraft streichen können. Isabel Lips aber tröstete und traf mich, traf auch etwas für mich – eine Auswahl nämlich, eine von immer noch gut 70 Bildern. Diese empfand sie als amtliche Expertin am gelungensten und, wie sie mir versicherte, einer Ausstellung würdig. Beim Apfelwein in der Bockenheimer Wirtschaft „Zum Tannenbaum“ erklärte sie mir den goldenen Schnitt ebenso wie den Ablauf einer Vernissage. Mit Engelsgeduld lehrte sie mich, dass Architektur Raum brauche, brachte mir die „Petersburger Hängung“ näher. Neuland für mich, sicheres Terrain für Isa Lips – ich bin ihr auch heute noch unendlich dankbar für ihren Rat. Beim nachmittäglichen Kaffee im Café Sugar Mama bewahrte sie mich tapfer auch vor dem zwölften Nervenzusammenbruch, wenn die Wände immer größer und meine Zuversicht immer kleiner wurden. Irgendwann dann war es soweit: Die Auswahl der Bilder war getroffen, auf Zeichnungen war festgehalten, wie die einzelnen Wände in Szene gesetzt werden sollten. Dank Isa fühlte sich das Projekt „Ausstellung“ zum ersten Mal machbar an. Zumindest vorübergehend.

Warum ich Puzzeln schon immer gehasst habe, oder: Von der Planung einer Hängung

Von diesem guten Gefühl war nichts mehr übrig, als ich mit einem Zollstock bewaffnet Gäste des Cafés aufscheuchte, weil ich „eben mal kurz die Wand vermessen müsse“. Ich hasste das Geodreieck, das noch aus meinen Schulzeiten stammte und das ich aus den Untiefen meiner Schreibtischschublade gezaubert hatte. Ich hasste das Karopapier, auf dem ich Rechtecke und Maßstäbe eintrug. Ich stellte mir die Frage nach dem Sinn des Ganzen fragte mich, warum ich im Staub herumkrabbelte, um die Mitte der großen Wand des Cafés zu bestimmen  – statt einfach irgendwo herumzusitzen und den Tag ’nen schönen Tag sein zu lassen.

Doch will eine Hängung eben sorgfältig geplant sein. Erst, wenn sämtliche Formate bestimmt und angeordnet sind, konnte eine Bestellung der Leinwände erfolgen. Doch daran war noch längst nicht zu denken, an diesen Abenden, an denen ich vor maßstabsgetreuen Miniatur-Ausdrucken meiner Bilder sitze und diese immer wieder neu anordnete. Ja, ich wusste wieder, warum ich  das Puzzeln schon als Kind gehasst habe. Ja, ich trank eine Menge Wein in dieser Zeit.

Es dauerte Wochen, bis ich mich entschieden hatte, welches Bild welche Leinwandgröße verdient hatte. Dauerte nochmals Wochen, bis ich das Puzzle auf die für mich bestmöglichste Weise löste und auf die Skizze für die Hängung übertrug. Immerhin, nun waren Fakten geschaffen, eine weitere Hürde war genommen. Doch die nächste war mitnichten angenehmer.

 

Wie man richtig viel Geld ausgibt und es sich mit dem Paketboten verscherzt: Vom Bestellen von 58 Leinwanddrucken

Die nächste Sinnkrise erreichte mich, als ich mich durch die Kalkulationen von verschiedenen Druckunternehmen klicke. Ich hatte um Angebote für die Produktion von stolzen 58 Leinwanddrucken in unterschiedlichen Größen gebeten. Klar, das war ’ne Menge Holz (bespannt mit Leinwand, haha!), dass ich aber eine SOLCHE SUMME würde bezahlen müssen, war mir in meiner Naivität gar nicht bewusst gewesen. Wieder einmal frage ich mich, warum ich mir das antue. Warum ich offensichtlich auf bestem Wege war, mich finanziell zu ruinieren – nur, weil ich diesen albernen Traum von einer eigenen Ausstellung träumte.

Doch einen Rückzieher konnte ich nun nicht mehr machen, einen solchen hätte ich mir nicht verziehen. Also: Augen zu und zahlen, notfalls würde ich eben meine Lebensversicherung kündigen und ins Gallus ziehen müssen. Dort waren die Mieten gerüchteweise noch vergleichsweise günstig.

Was ich leider nicht bedacht hatte: Fast jede der Leinwände sollte als separates Paket versendet werden. Fortan klingelte fast täglich der Paketbote. „Ich hab‘ da mal wieder ein Paket für Sie!“, brüllte es zunehmend aggressiver durch die Gegensprechanlage. „Vierter Stock“ – „ICH WEISS, HERR GRÜN!!“, ja, so treibt man unschuldige DHL-Angestellte in blinden Hass. Der Umstand, dass die Pakete teils sehr groß waren, trug in keinster Weise zur Entspannung unseres Verhältnisses bei – und führte zum nächsten Problem: Wohin mit all den Leinwänden? Zur Problemlösung sei nur soviel gesagt: Es ging beengt zu in meinem Wohnzimmer, in dem ich nach wie vor viel Wein trank. Die Beruhigung meiner Nerven tat schließlich Not, denn – wie konnte es auch anders sein – tauchten aus dem Nichts gerne mal einige weitere Probleme auf.

Die Gestaltung der Mappe für das Exposé sowie das Verfassen der Texte für die Aushänge ging mir noch recht einfach von der Hand, nachdem ich mich für ein passendes Papier entschieden und einige Stunden im Copyshop verbracht hatte. Quasi ganz nebenbei wurde ich zum Experten für die unterschiedlichsten Variationen der Spiralbindung. Schreib‘ ich mir ganz sicher in den Lebenslauf!  Auch für die Kalkulation der Verkaufspreise machten sich die beiden Semester meines vorzeitig beendeten BWL-Studiums bezahlt. Neues Ungemacht drohte aber in Form von Post von der Druckerei: Für einige der Großdrucke, so las ich voll Entsetzen, sei die Auflösung der Negativ-Scans schlichtweg zu gering, ich möge doch bitte hochauflösendes Rohmaterial einsenden. An dieses gelangte ich nach einiger Recherche in einem Frankfurter Fotolabor. Dort erlangte ich außerdem die Erkenntnis, wie teuer so ein Hochleistungs-Scan sein kann. Aber Geld war mir zu diesem Zeitpunkt eh schon scheißegal.

Die beste Mama der Welt schwingt den Pinsel

Wenn schon ihrem Sohnemann eine Bühne für sein Schaffen zur Ehre geworden war, dann sollte auch die beste Mama der Welt ein wenig davon profitieren. Während der Sprössling lieber Auslöser betätigt, malt die Mama nämlich unglaublich gerne. Und ausgesprochen gut, wie ich finde!

Ein lieber Telefonanruf später: Mama sagt zu und ist fortan für Wochen damit beschäftigt, den Pinsel zu schwingen und ihren Beitrag für die Ausstellung zum Leben zu erwecken. Klar, schwarzweiß und Frankfurt, das war Vorgabe. Ansonsten aber galt: Alles war möglich! Bis zuletzt wusste ich selbst nicht, welches Motiv meine Mutter wohl auf Leinwand zaubern würde. Dass es am Ende eines wurde, zu dem ich eine ganz besonders persönliche Beziehung habe, freute mich nur umso mehr. Neugierig geworden? Ein Besuch der Ausstellung schafft Aufklärung!

Nägel zum Kilopreis & Social Media: Was sonst noch so geschah

Es reichte mir endgültig. Für Baumärkte hatte ich schon immer nichts als Verachtung übrig, und genau diese empfand ich, als ich verzweifelt versuchte, in Erfahrung zu bringen, wie viele Nägel wohl in einer Vierhundertgrammschachtel sind. Niemand vermochte mir diese Frage zu beantworten. Bis dato war ich der Meinung, allein in den Straßen des Bahnhofsviertels würde Ware in Gramm ausgepriesen, doch wunderte mich schon längst nichts mehr. Nahm ich halt gleich 800 Gramm, was sollte der Geiz, das sollte reichen. Doch brauchten die Nägel nun eine Nickel-Legierung oder nicht? Auch diese Frage blieb ungeklärt. Unklar auch, warum ein einziger Umzugskarton 3,90 Euro kosten musste. EIN STÜCK PAPPE!!!!

Doch irgendwie musste ich die Leinwände wohl irgendwie lagern und transportieren. Ich ließ noch ein halbes Vermögen für einen Hammer, der selbst im Sonderangebot noch zehn Euro kostete. Ein STÜCK HOLZ MIT METALL DRAN! Wo eh schon alles egal war, warf ich auch noch eine zweite Wasserwaage in den Einkaufswagen. Ich schwor mir hoch und heilig, nie wieder einen Beitrag zu betreten, bevor ich in die nächste Sinnkrise fiel.

Erst, als es galt, die liebe Welt da draußen über Vernissage und Ausstellung in Kenntnis zu setzen, fühlte ich mich wieder als Herr meines Handelns. Ich setzte auf Social Media, darin war ich ja geübt, erstellte Veranstaltungen auf Facebook, streute in Gruppen und auf Kanälen. Viralität war schließlich alles!

Zu meiner großen Freude konnte ich meinen lieben Freund und großartigen Musiker Michael Nickel dafür gewinnen, die für den ersten Juni geplante Vernissage um seine Piano-Musik zu bereichern. Michael, da war ich mir sicher, würde noch jeden Abend retten. Nur für mich versprach er, sich in den ICE zu setzen und mitsamt Klavier nach Frankfurt zu reisen. Schlecht für mein Gewissen, gut für meine Zuversicht. Seine Lieder würden jeden erbosten Bildbetrachter milde stimmen, da war ich mir sicher. Und außerdem, da freute ich mich saumäßig drüber, einen verdammt guten Freund mal wieder in die Arme schließen zu können. Aber bis es soweit war, galt es noch so einiges zu meistern.

Vom Hämmern und vom Nageln: Die tollsten Freunde der Welt werden aktiv

Noch hing nämlich kein einziges Bild an der Wand. Stattdessen war ich kurz davor, MICH aufzuhängen – an einem Strick nämlich, denn ich hatte ein gewaltiges Problem. Der erste Juni stand kurz bevor, quasi ganz nebenbei musste ich noch meinem Beruf nachgehen – und in meinem Wohnzimmer stapelten sich noch immer die Leinwände. Mein Zeitplan war auf Kante genäht, drei Tage vor der Vernissage mussten unbedingt die Kartons samt Werkzeug ins Café gelangen.

Ziemlich blöde nur, dass ich statt Kisten zu schleppen nun in sintflutartigem Regen versuchte, einem schweren Unwetter in Niedersachsen zu trotzen. Der Zugverkehr in Richtung Süden war über Stunden hinweg eingestellt – ich sollte Frankfurt an diesem Abend nicht mehr sehen. „GAME OVER“, dachte ich mir, „das war’s dann wohl“. Aus der Traum von der eigenen Ausstellung, ich würde mir die Blöße geben müssen, sie samt Vernissage abzusagen. Warum nur musste ich mich immer auf solche Spinnereien einlassen, warum nur mir ständig Stress bereiten? Warum konnte ich nicht einfach mal „mein Leben chillen“, mal kein „Projekt haben“, mal nicht irgendwelche dummen Träume haben? Im nächsten Leben, das schwor ich mir, würde ich von 9 bis 17 Uhr im Büro sitzen und abends Netflix schauen. Am Wochenende würde ich bei meiner Tante Kuchen essen, nur sonntags nach 22 Uhr zu Bett gehen. Denn dann liefe ja der Tatort.

Zurück in dieses Leben, ich hatte eine schlaflose Nacht gehabt, hatte geheult vor Überforderung – und versuchte in meiner Verzweiflung, mir Hilfe zu holen. Dies widerstrebte mir zwar noch immer, doch sah ich keine andere Möglichkeit, die Ausstellung doch noch irgendwie zu retten. Und siehe da: Am zweitletzten Abend vor der Vernissage standen die tollsten Freunde der Welt vor meiner Haustür und wuchteten kistenweise Bilder in den Bus der Linie 30.

Kaum im Café angekommen, erlitt ich den nächsten Beinahe-Zusammenbruch. Zwar hatte ich Hämmer, Wasserwaage, eine Menge Skizzen und achthundert Gramm Nägel (ohne Legierung!), doch war ich seit jeher unfähig, auch nur ein Bild unfallfrei an eine Wand zu hängen. Das Bewusstsein um über 400 „Interessiert“-Klicks auf Facebook und die Tatsache, dass der Termin noch in der morgigen Tageszeitung erscheinen würde, ließen mich einen gewissen Erwartungsdruck verspüren, dem ich nicht mehr gerecht werden zu können glaubte.

Nachdem ich den tollsten Freunden der Welt mit Hilfe meiner geodreiecksgefertigten Skizzen die gewünschte Hängung der Bilder veranschaulicht hatte, war ich mir sicher, dass ich mir alle Mühen hätte sparen können. Die Wände des Cafés erschienen größer denn je, die Stapel der Leinwanddrucke drohte die Decke zu durchbrechen, uns blieben nur vier Stunden, um die Ausstellung entstehen zu lassen. Immerhin wurden wir von der bezaubernden Roberta mit Kuchen versorgt. Ich sehnte mich nach Wein, beschloss aber einen klaren Kopf zu bewahren und rauchte nervös Zigaretten, während ich Anweisungen erteilte und die tollsten Freunde der Welt sich im Umgang mit den Hämmern als erstaunlich treffsicher erwiesen.

Die bereits erwähnte zauberhafte Isabel Lips hatte „mal auf die schnelle“ ein paar Skizzen für ein Wandgemälde gefertigt, von denen ich mir eine aussuchen durfte (auch hier fiel die Wahl schwer!), die sie anschließend in einer mir unbegreiflichen Geschwindigkeit auf eine nackte Wand pinselte. Hey Isa, ich bewundere dich für dein Talent!

Kurz nach Mitternacht geschah dann das Unmögliche: „Das war’s!“, rief jemand, das letzte Bild hing an der Wand. Noch immer habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, wie die tollsten Freunde der Welt innerhalb von vier Stunden „meine“ Ausstellung erschaffen haben und 58 Bilder fein säuberlich angeordnet und meinen Vorgaben entsprechend an die Wand genagelt haben. Als „Chef“ des Projekts führte ich noch einige Kontroll-Messungen mithilfe der Wasserwaage durch, ließ hier und dort ein „den rechten Nagel einen halben Zentimeter weiter hoch!“ vernehmen.

Danach stand endgültig fest, dass meine Kinder zu Ehren der tollsten Freunde der Welt auf die Namen Sabrina, Nadine, Boris, Antonius und Jennifer getauft werden. Ja, notfalls würden auch Töchter Boris heißen müssen. Fix und alle fiel ich in tiefen Schlaf. Der Tag der Vernissage konnte kommen.

 

 

Wunderbare Gäste: Wie die Sinnfrage geklärt wurde

Es war soweit: Wir schrieben den 1. Juni, heute war der große Tag, war die Vernissage meiner ersten eigenen Ausstellung. Es war kurz nach sechs am Abend, schnell noch mal ins Bad, noch schnell ein paar warme Worte aufs Papier gebracht. Irgendetwas sagen, das musste und wollte ich schließlich, auch wenn das Publikum allein aus meinem Freund Michael bestehen sollte.

Dieser war es auch, der bestimmt hatte, dass die Vernissage um exakt 19.19 beginnen sollte, damals in Berlin, als wir uns über seinen Auftritt unterhielten, welcher nun kurz bevorstand.

Wie es sich an Freitagabenden eben für gewöhnlich so verhält, waren jedoch außer den besten Theken-Mädels der Welt und meinem lieben Freund Michael noch kaum andere Menschen anwesend. Doch nachdem sich bislang alles irgendwie zum Guten gewendet hatte, war ich mir sicher, dass sich dies in der kommenden Stunde ändern würde.Und so war es. Nicht nur, dass ich endlich einmal wieder mein Schwesterherz in die Arme schließen konnte – immer wieder durfte ich Menschen begrüßen, mit deren Erscheinen ich doch eigentlich niemals gerechnet hätte.

Am Ende stand ich neben Michael, der sich bereits am Piano in Position gebracht hatte. Blickte in unzählige Gesichter ganz wunderbarer Menschen. Wunderbarer Menschen, die alle ihre Rolle in meinem Leben gespielt hatten oder spielten, vom ersten Mitbewohner bis hin zur Kneipenbekanntschaft, die ich zuvor noch nie im Hellen gesehen hatte – saßen wir uns doch bislang stets schweigend mit einem Buch vor der Nase nebeneinander am Tresen. Und war das dort hinten nicht der Organisator einer Filmreihe, über die ich einmal berichtet hatte? Und nahezu sämtliche Kollegen meiner hochgeschätzten Agentur sagten auch „Hallo“! Doch auch und insbesondere die Gesichter derjenigen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, erfüllten mich mit Freude. Sie wussten nicht, was sie erwartete – und dennoch hatten sie sich die Zeit genommen, meine Ausstellung anzuschauen. An einem Freitagabend! Einen schöneren Ausdruck der Wertschätzung hätte ich mir kaum erträumen können.

Das Exposé drehte bereits seine Runden, Kugelschreiber schrieben erste Käufernamen auf Karton. Ich bin gerührt, fange an zu sprechen, stelle fest, dass ich mir meine Notizen hätte sparen können. Alles fühlte sich gut und richtig an. Ja, es war okay für mich, dass ich ausnahmsweise mal ein Projekt nicht ganz alleine gestemmt hatte – sondern auf die Hilfe der tollsten Freunde der Welt angewiesen war.

Als Michael in die Tasten greift und mit seinem Stück „Schneeflockentanz“ den Abend einleitetet, ich in die Gesichter all der Menschen der Menschen blicke, die mir so viel bedeuten – als ich mich auf dem Boden niederlasse und Michaels Piano versehentlich den Stecker ziehe und für Erheiterung sorge – da wusste ich wieder, warum ich mir allen Stress und Zweifel der letzten Monate angetan hatte.

Warum ich dies hier tat, warum ich mich im Zweifel sogar zielsicher in den Bankrott stürzen würde, weil ich nicht anders konnte:

Weil mein Herz es so wollte – und einmal mehr über meinen Verstand gesiegt hatte.

Neugierig geworden? „Frankfurt, Schwarz & Weiß“ ist noch bis zum 15. Juli 2018 im Café Sugar Mama, Kurt-Schumacher-Straße 2, zu bewundern. 

Schlendern auf dem Krönungsweg: Eindrücke aus der neuen Altstadt

Frankfurt am Main, Christi Himmelfahrt 2018. Am gestrigen 9. Mai hatte ich sogar in den Tagesthemen mit anschauen können, wie unser lieber Oberbürgermeister Feldmann im Beisein von Petra Roth mit einer Menge Tamtam die neue Altstadt eröffnete und für das gemeine Volk freigab. Die Bauzäune, die mir längst zum vertrauten Anblick geworden waren, waren endgültig gefallen.

 

Gedanken an die Urururururenkel

Die Tragweite dieses Moments ist mir auch heute noch nicht ganz bewusst. Ist es nicht eine absurde Vorstellung, dass – hoffentlich! – irgendwann auch meine Urururururenkel zwischen den für 200 Millionen Euro neu errichteten oder zumindest grundsanierten Häusern spazieren werden?

Da ich am Feiertag (der für mich ein rundum merkwürdiger werden sollte) ohnehin mit meiner lieben Freundin Dagi verabredet war, gelang es mir mit Ach und Krach, meine Neugierde zu zügeln und meine Begutachtung des neuen, alten Viertels um einen Tag zu verschieben. Zumindest, was die zu erwartenden Menschenmassen betrifft, vermutlich keine schlechte Idee…

Der erwartete Regen bleibt aus, als wir uns am frühen Abend am Justitia-Brunnen treffen, der momentan an Gerechtigkeit missen lässt: Justitia befindet sich nämlich momentan im Schönheitsurlaub im thüringischen Knau.

Doch auch ohne wachsames Auge der Justiz gelingt es, uns zu finden – und anschließend den historischen Krönungsweg zwischen Römerberg und Dom zu beschreiten. Töricht, anzunehmen, wir wären die einzigen mit dieser großartigen Idee gewesen – doch immerhin haben sich die Massen an neugierigen Frankfurtern gegenüber dem gestrigen Tag schon merklich gelichtet.

 

Leckerbissen, wohin man sieht

Der Weg ist keine vierhundert Meter lang, ihn zu bestreiten, kostet uns aber eine gute Stunde: Immer MÜSSEN wir einfach irgendetwas fotografieren, seien es die Ornamente an den bunten Fassaden der „neuen Altbauten“, sei es die namensgebende goldene Waage am wohl bezauberndsten der Häuser. Ja, selbst die immer noch in Generalüberholung befindliche U-Bahn-Station „Dom/Römer“ hat man bereits um ein ein antik anmutendes U-Bahn-Schuld bereichert. Reime an Fachwerkbalken bringen uns zum Nachdenken und Schmunzeln. Hach, ja.

Ganz und gar einig sind wir uns darüber, dass der Stoltze-Brunnen an seinem neuen Standplatz eine überaus gute Figur macht und uns gefehlt hat. So oder so: Die neue Altstadt, sie ist eine architektonische Augenweide. Das Pflaster erstrahlt noch derart jungfräulich, als ob noch keine Schuhsole es je berührt habe. Als wir den altehrwürdigen Dom erreichen, ereilt mich wieder einmal die eigenartige Vorstellung, dass auch meine späten Nachfahren vielleicht irgendwann wie selbstverständlich über diese Steine wandeln werden.

Hoffentlich kein „Disneyland“

Einzig das Leben, es fehlt. Noch zumindest, denn erst zur offiziellen Eröffnungsfeier im Herbst sollen vermögende Bürger wie auch Gastronomie Einzug gehalten haben. Bleibt zu hoffen, dass Frankfurts neuester wie ältester Stadtteil nicht zum „Disneyland für Touristen“ verkommt, wie so oft befürchtet. Dass der Augenschmaus auch von Frankfurtern mit Leben gefüllt werden kann, dass er sich nahtlos einfügt ins Konstrukt unserer Stadt und irgendwann wie selbstverständlich der Geist der Stadt durch ihn wehen wird.

Solltet ihr, liebe Leser, aus unerfindlichen Gründen noch keinen Abstecher in die neue Altstadt machen haben können, könnt ihr euch nun an einigen meiner ersten Eindrücke erfreuen:

 

Ein Besuch des lustigen Elches vor dem Caricatura-Museum sowie ein Konzert der großartigen Frankfurter Musikerin Fee runden unseren Feiertags-Spaziergang ab. Morgen ist Freitag.

Die Stadt, so wie sie wirklich ist: Vernissage der Ausstellung „Frankfurt 43“

Den Einen oder Anderen von euch ist es vielleicht schon aufgefallen: 

Auf eurem Lieblings-Blog ist es in den vergangenen drei Wochen etwas ruhig geworden. Doch nicht, dass ich untätig gewesen wäre! Im Gegenteil, vielmehr war ich nämlich ziemlich eingespannt in Organisation und Ausarbeitung meiner ersten eigenen Foto-Ausstellung „Frankfurt, Schwarz & Weiß“ – zu deren Vernissage ihr selbstverständlich ganz herzlich eingeladen seid!

Das Open Urban Institute, genauer die beiden Stadtforscher Christoph Siegl und Dennis Hummel, ist mir da schon einen Schritt voraus: Am 9. Mai konnten die beiden zur großen Vernissage ihrer Ausstellung „Frankfurt 43“ laden.

Über die Aktivitäten des „OUI“ hatte ich ja bereits mehrfach berichtet, insbesondere über deren großartige Stadtspaziergänge. Zwar zeigte sich das Institut nicht immer uneingeschränkt begeistert über mein Schaffen (nein, meine Texte werden auch in Zukunft niemandem zwecks Absegnung vorgelegt), dennoch bin ich nach wie vor ein großer Fan des Kollektivs von Frankfurter Soziologen, Geographen und Stadtentdeckern.

 

Eine Jugendstilvilla als perfekter Ort

Insofern keine Frage also, dass ich der Vernissage der Ausstellung beiwohnen wollte, musste, sollte. Am Abend vor Christi Himmelfahrt war folglich die Villa Vie mein Ziel, in deren Räumlichkeiten die Frankfurter Kreative Vivien van Deventer die Ausstellung beherbergen und betreuen sollte. Schon als ich mein Leihfahrrad vor dem Anwesen parkte, war klar: Die Jugendstil-Villa sollte sich als perfekter Rahmen für die Ausstellung erweisen!

 

 

„Frankfurt 43“ ist dabei nicht in etwa eine Hommage an spanische Liköre, vielmehr steht der Titel des Projekts des Duos Siegl/Hummel stellvertretend für die 43 Stadtteile unserer Heimatstadt am Main. Vielmehr möchte die Ausstellung einen jeden der Stadtteile auf eine gern auch unspektakuläre Art und Weise porträtieren – eben so, wie Frankfurt wirklich ist, fernab von – Zitat – „Bembel, Adler, Galluswarte“.

Ein Ansinnen, welches in gewisser Art und Weise auch dieser Blog verfolgen soll. Frankfurt, das bedeutet schließlich tatsächlich weit mehr als Skyline, Börse, Zeil und Mainufer – wenn auch allzu oft erst auf den zweiten Blick!

 

Der Zufall beschert die Motive

Einen ganzen Sommer lang haben sich die beiden Künstler Zeit genommen, um einen jeden der 43 (!) Stadtteile zu besuchen – und dessen jeweiligen Charakter in einem einzigen Motiv festzuhalten. Dabei bedienten sich die Beiden an einem Gitter an Quadraten, welches sie über den Stadtplan legten. Ein Algorithmus bestimmte anschließend zufällig, wo die einzelnen Fotografien entstehen sollten. „Mal sind wir direkt stehengeblieben und konnten etwas fotografieren“, erzählt Hummel vom ungewöhnlichen Vorgehen. „Manchmal mussten wir aber auch erstmal ein Stückchen laufen, um etwas zu finden“.

So oder so: Eine jeder der entstanden Aufnahmen erweist sich als sehenswert. Noch während ich durch das Erdgeschoss der „Villa Vie“ als ersten Ausstellungsraum schlendere, bleibe ich unweigerlich an jedem Bild und dem dazugehörigen Text kleben. Christoph Siegl hat es sich nicht nehmen lassen, jedem einzelnen der Stadtteile einige Worte zu widmen. Dass er dabei auch mit Kritik nicht spart, freute mich sehr – denn auch Frankfurt ist eben nicht alles Gold, was glänzt.

Ich selbst hatte derweil vor meinem Besuch der Vernissage versucht, aus dem Stand heraus sämtliche 43 Frankfurter Stadtteile zu notieren. Doch so sehr ich meinen Geist auch bemühte – mehr als 41 wollten mir nicht in den Sinn kommen. Hatte ich als ignoranter Nordendler tatsächlich zwei schöne Fleckchen Frankfurts gar nicht auf dem Schirm? Meine Mission war jedenfalls, diesen auf die Schliche zu kommen.

Zurück zur Ausstellung:

Diesen und Jenen getroffen, vergeblich versucht, eine Cola Light zu bestellen. In Siegls Texten versunken, von den Fotografien begeistert. Auch, wenn deren Gestaltung recht schlicht erschien (HP Deskjet 590C?!), ließen sie neugierig und erstaunt aus völlig neuen Perspektiven auf unsere Stadt schauen.

 

Von geistiger Gesundheit und Ikonen

Interessante Fakten ergänzten die begleitenden Texte zu den einzelnen Bildern:Wer hätte beispielsweise geahnt, dass in Frankfurt-Griesheim kein einziger Psychotherapeut unter 10.000 Einwohnern sein heilendes Werk verrichtet – während im Westend einer gleich großen Menschenmasse gleich 46 Psychotherapeuten zu Diensten stehen? Was mochte all dies über die geistige Gesundheit – oder auch das Wohlbefinden in Proportion mit dem persönlichen Jahreseinkommen – über die Frankfurter verraten? Auch die Frage, warum „Endstationen“ im deutschen Sprachgebrauch gemeinhin eben als „Endstationen“ bezeichnet werden, obwohl sie doch gleichermaßen auch Beginn einer jeden Reise sind, brachten mich zum nachdenken.

Ein jeder Stadtteil wird mit einer „Ikone“ gekrönt, einem Ort oder Gebäude, für welches er eben gemeinhin bekannt ist. Eine stilistische Zeichnung aus der Feder Siegls ergänzt das jeweilige Expose um einen netten Hingucker.

Nachdem ich mich durch das rein architektonisch noch weitaus sehenswertere zweite Stockwerk – nunmehr in Begleitung der wunderbaren „Stadtstreberin“ Amanda Urban – gekämpft hatte (ich liebe ja Stuckdecken!), kam ich auch den beiden Stadtteilen auf die Schliche, welche mir einfach nicht in den Sinn kommen wollten Den Frankfurter Berg und Harheim. Wie töricht von mir!

Unaufgeregt & sehenswert

Als ich der „Villa Vie“ den Rücken kehre, Christoph Siegl zur Ausstellung gratuliert und mich von den üblichen Verdächtigen der „Linie 11“ verabschiedet hatte, schwor ich mir, auch Freunden noch diese wunderbare Ausstellung zu zeigen. Dazu besteht noch ganze neun Wochen lang die Gelegenheit: Erst im Juli wird „Frankfurt 43“ laut Siegl stilecht mit einer Finissage beendet.

Bis dahin solltet auch ihr unbedingt einmal einen Blick auf das Frankfurt werfen, wie es wirklich ist: Eine Summe von 43 Stadtteilen, welche unterschiedlicher kaum sein könnten. Fernab von „Skyline & Bembel“ mitunter auch ziemlich unaufgeregt. In jedem Falle aber sehenswert.

 

Es schöner Tag im März: Bunte Vielfalt in Schwarzweiß

Bis heute vermag ich nicht zu sagen, weshalb genau – aber an freien Tagen zieht es mich in schöner Regelmäßigkeit hinaus in den Frankfurter Westen.

So auch vor drei Wochen einmal wieder, als ich neben zwei Äpfeln und der Tageszeitung auch meine Kleinbildkamera samt frischem Film in meinen Rucksack warf und mich auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle machte. Zu ihr ist es nur ein Katzensprung, und wie immer wieder war ich erstaunt darüber, in welch andere Welt mich die Tram der Linie 12 katapultiert, wenn ich nur lange genug in ihr sitzen bleibe.

Wobei „lange“ fast noch übertrieben ist:
Nur etwa eine halbe Stunde lang dauert die Fahrt vom Nordend hinaus nach Schwanheim, ganz unbemerkt und zwischendurch wird aus der Straßen- eine Waldbahn. Aus dem Stau auf der Friedberger Landstraße und dem Anblick endloser Altbau-Fassaden werden Natur und Wald. Die frische Luft tat ihr Übriges: Jawoll, zwar befand ich mich noch im Stadtgebiet – gefühlt aber im Urlaub!

Erst am Abend hatte ich einen Termin in Bockenheim, sodass ich mich in aller Ruhe treiben lassen konnte. Dass ich bis dahin gleich einen ganzen Schwarzweißfilm opfern würde, konnte ich zu Beginn meiner kleinen Reise freilich noch nicht ahnen! Doch hatten sich mir die Motive förmlich aufgedrängt, sodass ich zwei Wochen später einmal wieder um einige Mark erleichtert war und sechsunddreißig Abzüge in meinen Händen hielt.

Sechsunddreißig Aufnahmen, welche einmal wieder einen anschaulichen Beweis dafür erbracht hatten, dass Frankfurt eine Stadt geballter Kontraste ist.

 

Lasst ihr mit mir diesen Tag noch einmal eine schwarzweiße Revue passieren?

 

„Nächster Halt: Waldfriedhof Goldstein“: In diese Straßenbahn bin ich vor meiner Haustür im Nordend eingestiegen. Nach exakt 36 Fahrtminuten spuckt sie mich in einer gänzlich anderen Szenerie aus. Ich atme tief ein und schließe meine Jacke: Jawoll, so fühlt sich Urlaub an!

 

Nur wenige Schritte, und ich tauche ein in den Schwanheimer Wald. Der Schotter knirscht unter meinen Stiefeln, es ist ungewohnt still. Links wie rechts nur Bäume, der Jahreszeit angemessen kahl. Es dauert eine kurze Zeit, bis ich mich daran gewöhne, allein auf weiter Flur zu sein.Nur meine Kamera leistet mir Gesellschaft. Ich lasse auch sie einen Moment lang den Waldweg spüren.

 

Nachdem ich eine Weile durch den Wald marschiert bin, erreiche ich die Schwanheimer Wiesen. Und die sind wirklich groß! Ein laues Lüftchen bringt Farne zum tanzen. Ich treffe auf ein älteres Paar, „Ei Gude!“, – und auf ein bemerkenswertes Gewächs: Der „Struwwelpeter-Baum“ ist nämlich nicht nur schon 68 Jahre alt (da sind Andere schon in Rente!), sondern mit seinen zwei Augen nämlich auch ein Werk des Künstlers F.K. Waechters. Klar, dass ich auch ihm lieb hallo sage!

 

 

Das unbestrittene Highlight des Stadtteil Schwanheims sind natürlich die Schwanheimer Dünen. Auf einem Holzbohlenweg lässt sich hier die Binnendüne überqueren, während man seltenes Gewächs entdecken und verträumt in einen der Seen schauen kann.

 

Kein Wunder, dass diese Idylle schon im Jahr 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde!

 

 

Nachdem ich das Ende des Steges erreicht habe, verabschiede ich mich von der Dünenlandschaft mit einem Knipser in die Mittagssonne. Bis bald mal wieder!

 

 

Noch ein ganzes Stückchen hin ist es bis zum Anleger der Mainfähre „Walter Kolb“. Immer wieder freu‘ ich mich wie ein kleiner Junge, wenn ich mittels der letzten Fährverbindung im Frankfurter Stadtgebiet nach Höchst übersetzen darf. Klar, dass ich auch dem Fährmann einen guten Tag wünsche – schließlich hatte er mir einmal einen tollen Einblick in seinen Arbeitsalltag ermöglicht!

 

 

Während der Überfahrt lasse ich mir einen Blick auf das Panorama der Altstadt natürlich nicht entgehen!

 

 

Der Fluss ist überquert, ich betrete den Stadtteil Höchs und somit Festlandt. Eine Dame füttert Möwen, ein Schwan guckt skeptischi zu. Im Hintergrund zuckelt ein Frachtschiff und bringt irgendetwas irgendwohin. Fernweh.

 

Erste Anlaufstelle im 1928 eingemeindeten Stadtteil ist – natürlich! – das Höchster Schloss. Auch von nahem macht es eine rundum gute Figur! Der Schlossturm überragt die Altstadt und kann sogar bestiegen werden – nur stets ausgerechnet dann nicht, wenn ich zu Besuch bin. Ich gelobe Hartnäckigkeit und bekomme Kaffeedurst.

 

 

Nach meiner Kaffeepause am Schlossplatz schlendere ich durch die engen Gassen der Altstadt Höchst. Wie jedesmal kann ich auch heute kaum glauben, dass ich mich noch in Frankfurt befinde. Inmitten der schnuckeligen Fachwerkhäuser befindet sich auch die Straße mit dem kürzesten Namen der Stadt: Sie heißt ganz einfach „Wed“. Auch ziemlich schnuggelisch. 

 

Recht beschaulich geht es auch in den Höchster Hinterhöfen zu. Ich überlege kurz, nir einen Schluck aus der alten Wasserpumpe zu genehmigen – greife dann aber doch zu meiner mitgebrachten Flasche. Und zur Kamera, versteht sich.

 

Irgendwann dann aber zieht es mich doch zurück gen Innenstadt. Im Bahnhof erwartet mich vor der S-Bahn zunächst einmal das schmucke Empfangsgebäude, in dem ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Auch, wenn es schon bessere Zeiten gesehen hat, kommt es zeitlos schmuck daher!

 

Vom Bahnsteig aus lässt sich der außergewöhnliche Kuppelbau des Empfangsgebäudes noch einmal genauer inspizieren. Nun aber husch-husch zurück gen Innenstadt. „Bitte zurückbleiben!“

 

An der Konstablerwache steige ich aus, denn ich habe Hunger. Weder als schnuckelig noch als schmuck empfinde ich das Bienenkorbhaus. Aufgrund seiner exorbitanten Hässlichkeit muss ich es dennoch fotografieren – irgendwann will ich es schließlich meinen Enkeln zeigen. Bis die geboren sind, wird es nämlich abgerissen sein. Hoffentlich.

 

Ich bin frisch gestärkt, das Curry war lecker. Ich hab‘ noch ein wenig Zeit bis zu meinem Termin – also statte ich dem „Briggegiggel“ noch einen kleinen Besuch ab. Schließlich ist er nach einer längeren Zeit der Abwesenheit auf die Alte Brücke (oder auch „aahl Brigg“?) zurückgekehrt, und macht neben dem Neubau des Henninger-Turms eine recht gute Figur…

 

Nur um wenige Grad brauche ich mich zu drehen, um auch Karl den Großen abzulichten. Gut, dass er nicht in Richtung des Main Plaza in seinem Rücken blickt – der Umstand, dass dieser NOCH größer ist, als er selbst, brächte ihn vermutlich um den Verstand. So aber: Friede, Freude, Eierkuchen auf meiner Lieblingsbrücke.

 

 

 

 

 

… und nochmals einige Grad nach links gedreht: Schwesternwohnheim meets EZB-Zentrale. Am Besten gefallen mir aber nach wie vor die Mainwiesen. Hach, wenn’s doch endlich wärmer wäre…

 

Nun ist’s aber allerhöchste Eisenbahn für mich, oder besser: Allerhöchste U-Bahn, ich muss nach Bockenheim. Bevor ich dalli-dalli hinunter in die „Konsti“ hechte, fange ich noch einen kleinen Leihfahrrad-Haufen ein. Klar, ich könnte auch mit dem Fahrrad fahren – mach‘ ich aber nicht, da zu faul.Bewegung, die hatte ich heute schon genug!

 

Kaum bin ich auf der Leipziger Straße ans Tageslicht gestolpert, begrüßt mich die wohl schönste und altehrwürdigste Fassade aller Apotheken. Fast verspüre ich eine subtile Lust darauf, krank zu werden. „Gibt’s hier auch was von Ratiopharm?“

 

 

Ich hab’s ja nicht so mit Gotteshäusern, aber dieser Bockenheimer Anblick lässt auch diesmal mein Herz regelmäßig höher schlagen…

 

 

Sind diese Rundungen nicht sexy? Das Wohnhaus im tiefsten Bockenheim lässt mich abermals die Kamera zücken.

 

A propos Rundungen….

 

Ebenfalls in recht runder Form thront der Europaturm über den Stadtteil. Mittlerweile annähernd funktionslos geworden, ist er dennoch ein echter Hingucker geblieben – findet ihr nicht auch?


Nachdem ich meinen Termin absolviert habe, kehre ich nach einem langen – aber schönen! – Tag zurück ins Nordend. Dort empfängt mich, na klar: Der „City Ghost“. Gute Nacht.


 

Skyline, zack, aus – fertig?

Alt und neu, Naturschutzgebiet und Beton: Fast unglaublich, welch An- und Ausblicke man an einem einzigen Tag in Frankfurt erleben kann, gelle? Als ich die Bilder jenen Tages in mein Album klebe, bin ich einmal wieder sehr glücklich darüber, hier leben zu dürfen.

Und einmal wieder bleibt mir nur ein leidliches Schmunzeln für diejenigen übrig, die Frankfurt am Main auf die Skyline reduzieren.

Doch nun verratet mir: Wie sieht euer perfekter Tag in Frankfurt aus?

 

[Talentfrei musizieren]: Letzte Zuflucht Moseleck

Na, war eure letzte Woche wieder mal so richtig beschissen?
Egal, in welch desaströser Lebenslage ihr auch immer stecken mögt:

Es besteht Hoffnung!

Und zwar in Form eines ganz besonderen Orts im Bahnhofsviertel. Damit ihr dies auch in akuten Krisen nie vergesst, habe ich einmal wieder vollkommen talentfrei zur Gitarre gegriffen und euch ein kleines Lied geschrieben.Vorhang auf und Bühne frei für meinen neuen neuesten Anschlag auf eure Gehörgänge:

Letzte Zuflucht Moseleck!

 

 

„Local Heroes 2018“: Neue Filmreihe für Frankfurt-Freunde

Ein Filmvergnügen abseits des Mainstreams samt anschließender Diskussion verspricht die Filmreihe „Local Heroes 2018“. Gleich zehn vielversprechende Werke kleinerer Filmemacher sollen in monatlichem Wechsel gezeigt werden – mit einem kleinsten gemeinsamen Nenner: Frankfurt am Main.

Ins Kino zu gehen, das ist gewissermaßen der Klassiker unter den Freizeitbeschäftigungen. Doch muss nicht immer ein Blockbuster über die Leinwand flimmern, um für gute gute Abendunterhaltung samt anschließendem Gesprächsstoff zu sorgen.

Oft sind es nämlich insbesondere die Werke kleinerer Filmemacher, die sich durch eine gewisse Experimentierfreudigkeit auszeichnen oder kritische Fragen zum Zeitgeschehen aufwerfen. Nicht zuletzt können Dokumentarfilme auch den eigenen städtischen Lebensraum der Zuschauer ausleuchten sowie dessen Entwicklung begleiteten.

Ein ganz persönliches „Best of“

Genau dies versprechen auch sämtliche der insgesamt zehn Filme zu tun, welche im Rahmen von „Local Heroes 2018“ ab dem 7. März am ersten Mittwoch eines jeden Monats ein interessiertes Publikum vor die Leinwand der „Denkbar“ im Frankfurter Nordend locken sollen.

Wolfgang Voss ist Schöpfer der Filmreihe sammelt bereits seit dem Jahr 2006 Erfahrungen in der Organisation von Filmreihen. So zum Beispiel ist er Mitwirkender der Filmreihe „Frankfurt im Dokumentarfilm, welche im naxos.KINO residert.

Die bei „Local Heroes 2018“ gezeigten Werke seien sein ganz persönliches „Best of“ der bislang im naxos.KINO präsentierten Dokumentarfilme, sagt Voss. „Es wäre doch schade, würden solche Sahnestückchen nur ein einziges Mal gezeigt werden!“.

 

Vom Alltag an Frankfurter Kreuzungen, vergessenen Arbeiterinnen und grotesken Selbstversuchen

Und tatsächlich scheint es Wolfgang Voss gelungen, ein buntes Potpourri an Frankfurter Dokumentarfilmen aus der Schatzkiste geholt zu haben. Vom Alltag an einer der größten Straßenkreuzungen Frankfurts bis hin zum revolutionären städtebaulichen Konzept des Ernst May reicht die Bandbreite der ausgewählten Filme.Es sei ihm auch sehr wichtig, einen Beitrag gegen die Frankfurter Geschichtsvergessenheit zu leisten, bekräftigt Voss. So ist auch eine Dokumentation über die vergessenen jüdischen Zwangsarbeiterinnen zu sehen, die einst unter schwierigsten Bedingenungen die erste Rollbahn am Frankfurter Flughafen errichten mussten. Geradezu nach seichter Abendunterhaltung mutet dagegen der filmische Selbstversuch „Nichts ist besser als gar nichts an“, in dem sich der Filmemacher an einem Leben in Frankfurt ganz ohne EC- und Kreditkarte versucht. Beim Überfliegen des Programms jedenfalls fällt schnell auf: Es ist die thematische Vielfalt der Filme, die „Local Heroes 2018“ auszeichnet.

A propos „Local Heroes“:

Fragt man Voss nach der Namenswahl für die Filmreihe, so wirft er einen Blick zurück auf seine wilden Tage im Hannover der 1990er. Als aus einem besetzten Fabrikgelände nach langem Kampf endlich ein anerkanntes Kulturzentrum wurde, seien nach all der Mühe dort schlussendlich doch bloß internationale Werke ausgestellt und vorgeführt worden. „Und unsere Forderung und Frage war“, erinnert sich Voss, „wo bleiben unsere local heroes“?

In Frankfurt sei man auch heute noch viel zu fokussiert auf das internationale Filmgeschehen und lasse heimische Talente sträflichst außer acht. „Dabei sind diese Leute mitsamt ihren Themen erstklassig!“

 

„Film ab!“ in strategisch günstiger Lage

Immerhin waren für den Organisator in Frankfurt keine illegalen Besetzungen vonnöten, um eine geeinigte Location für sein Projekt zu finden. Um die etablierte kulturelle Begegnungsstätte sei es zwischenzeitlich ziemlich ruhig geworden, erinnert sich Voss. Dann aber sei im Januar 2017 während einer Vernissage gemeinsam mit Filmemacher Aquiles Vilagrasa-Roth die Idee eines Filmprogramms in der „Denkbar“ entstanden, die von Vilagrasa-Roth auch gastronomisch betreut wird. „Außerdem liegt die Denkbar strategisch günstig“, schmunzelt Voss. „Nämlich genau auf dem Weg von meinem Arbeitsort im Frankfurter Westend über meine liebste „Kulturtankstelle“, dem „MAMPF“ – und meinem Wohnort Offenbach“.

Auch die Produzenten der gezeigten Filme scheinen mit Voss‘ Location-Wahl zufrieden, haben sie doch allesamt ihr Kommen angekündigt.
Ja, sogar diejenigen aus Berlin!

Nach dem Abspann: Im Dialog mit Filmemachern

Statt sich unmittelbar nach dem Abspann Popcornkrümel vom Hintern zu wischen, um sich anschließend selbst zu verkrümeln, wird das Publikum ganz explizit zum Bleiben eingeladen sein. Im Anschluss an die Dokumentationen werden die Gäste nämlich die Möglichkeit haben, sich mit dem Produzenten des eben gesehen Filmes auszutauschen. „Hierbei soll es aber kein enges Korsett geben“, versichert Voss. „Natürlich wäre es schön, würden übliche Benimmregeln eingehalten – ansonsten aber soll sich die Diskussion gänzlich frei entwickeln können!“

Ganz besonders würde sich Voss darüber freuen, würden in den Filmen Beispiele für Maximen einer bewussten Lebensführung erkannt. „Solche sind nämlich nicht allein philosophischen Proseminaren vorbehalten! Ich hoffe, dass einige Erkenntnisse das Publikum förmlich anspringen werden.“

Ferner haben junge Filmemacher noch bis April die Möglichkeit, ihre Werke einzureichen. Zum Ende der Veranstaltungsreihe bliebe nämlich noch ein wenig Platz für junge Talente, ermutigt der Organisator Frankfurter Kreative für eine Bewerbung.

Neugierig geworden?

Den filmischen Auftakt der Reihe bildet am 7. März die Vorführung des Filmes „Stadt statt Auto“ von Samuel Schirmbeck. Obwohl bereits im Jahre 1989 gedreht, dürfte seine Thematik – den Umgang mit dem stetig steigenden innerstädtischen Verkehr – wohl aktueller sein denn je.

Eine Übersicht aller weiteren Termine und gezeigten Filme ist unter http://www.ifpp.info/denkbarfrankfurt/?p=6957 zu finden.
Der Eintritt ist frei, der Zutritt barrierefrei.

 

 

 

 


Logo zur Veranstaltung. Quelle: http://www.ifpp.info

 

Film ab und viel Vergnügen!

Verzückt von einer DVD: Ich hab‘ Frankfurt wiederentdeckt! Schwarzweiß und ohne Skyline.

Wenn es etwas gibt, das ich wirklich NIE mache, dann ist das einen Film zu schauen. Eine Tatsache, die insbesondere dem Umstand geschuldet sein mag, dass sich meine Aufmerksamkeitsspanne in etwa auf dem Niveau eines 2-Jährigen beliegen mag…

Nun allerdings begab es sich, dass ich in den unendlichen Weiten dieses Internet auf eine DVD der Reihe „Edition wiederentdeckt“ gestoßen bin, welche in einer ihrer Ausgaben gleich 9 Kurzfilme aus aus der Frankfurter Vergangenheit zwischen 1909 (konnte man da schon filmen?) und 1959 zu zeigen versprach. Manche davon bislang sogar unveröffentlicht.

Die mir entstehenden Kosten von 20 Euro habe ich mit einem Schlucken und anschließendem Sauergespritzten quittiert, und bereits am nächsten Tage hielt ich besagte Silberscheibe in den Hände.

Entgegen jeglicher meiner üblichen Gewohnheiten habe ich mir es also auf dem Sofa bequem gemacht und mich auf eine Zeitreise durch meine Stadt begeben – zurück in jene Tage, in denen es sich der gemeine Frankfurter niemals hätte erträumen lassen, dass einmal eine Ansammlung von Wolkenkratzern zum weithin sichtbaren Symbol seiner Stadt werden würden….

 

Die „guten, alten Zeiten“

Und, was soll ich sagen? Auf die angepriesene „einzigartige Zeitreise“, auf die konnte ich mich vom Sofa aus tatsächlich begeben.

Ein jeder der Kurzfilme entlockte meinem Gesicht ein entzückendes Staunen darüber, wie die Straßen, durch die ich mich tagtäglich begebe und deren Anblick mir so vertraut ist, früher ausgesehen haben. Eine neue Altstadt, die wird uns Frankfurtern demnächst geschenkt – doch wird sich auch in dieser nicht das Leben vergangener Jahrzehnte abspielen.

Dabei habe ich mich besonders über die Vielfalt der Kurzfilme gefreut. Ein Ausblick vom Dom, die Stadt zu Füßen – gänzlich ohne Skyline. Alltag im Volksbildungsheim, das heute das Kino „Metropolis“ beherbergt.

Ein Mädchen fährt im Werbefilm „Unser Frankfurt heute“ von 1954 Dreirad vor Wohnhochhäusern, die später einmal Sinnbild für die „Ghettoisierung“ der Trabanten-Siedlungen werden sollten. Davon lässt die Idylle auf den Super 8-Aufnahmen jedoch noch längst nicht ahnen.

Menschen in grausamen Bademoden stürzen sich ins von Beton umringte Wasser, „man erfreut sich hier vor allem ganz bestimmten Anblicken“, kommentiert der Sprecher eine Szene planschender, junger Frankfurterinnen in den 1960er Jahren. Dürfte man heute wohl nicht mehr so sagen, und a propos heute:

Hättet ihr’s erkannt? Das im Film gezeigte kühle Nass befindet sich im Brentanobad, in dem Frankfurter im Sommer auch heute noch die nötige Abkühlung genießen.

Dass Frankfurter im Sommer auch schon immer gern am Main fläzten, beweisen die schwarzweißen Aufnahmen eines Anderen der Filme. Schwarzweiß auch die Aufnahmen der Frankfurter Messe, die damals noch eher wie eine Ansammlung von Gartenhütten anmutete. „Ein herrlicher Fruchtsaft!“, schmachtet ein Gast die Messe-Hostess an. Unglaublich!

 

Le jardin du palmes

Bremsen kreischen, als eine junge Frau im Frankfurt von vor 60 Jahren ankommt, Dampfloks hüllen den Hauptbahnhof in Rauchschwaden. Die junge Frau ist „Ursula“ und adrett mit kurzem Rock gekleidet an den Main gekommen, um Kunst zu studieren.

Die Protagonistin des Werbefilms (heutzutage wäre es wohl ein „Imagefilm“) von 1959 steht auch damals schon vor denselben Problemen wie junge Studentin es auch heute tun:

Ein günstiges Zimmer gilt es da zu organisieren, sich in der Uni einzufinden, mit adrett mit Hut gekleideten jungen Männern anzubandeln, und natürlich: Geld zu verdienen, damals noch in Form von Deutscher Mark.

Dies gedenkt sie dann, als Stadtführerin zu tun. Und mein allerliebster Moment der DVD ist der, als Kunststudentin und Stadtführerin Ursula mit zwei Damen aus Frankreich vor dem Eschenheimer Tor steht (damals noch ohne Brunnen) und von diesen nach dem „Jardin du palmes“ gefragt wird.

Ursula versteht nicht so recht, ein vorübergehender Passant allerdings schon:
„Ai, die meine de Palmegadde!“, sorgt der Frankfurter für Aufklärung. „Ach, der!“, meint Ursula bedröppelt – und ich muss prusten. Herrlich! 

Ein echtes Muss für Frankfurt-Liebhaber

Herrlich auch all die anderen vielen Einblicke in vergangene Zeiten.
Ungläubig sehe ich überflutete Straßen, wo heute Häuserschluchten von Tüten-schleppenden Menschen durchrannt werden. Man scheint heutzutage tatsächlich weniger Zeit zu haben als früher. Sehe historische Straßenbahnen über die Zeil rollen, sehe Autos auf dem Römerberg.

Irgendwie verspüre ich eine Sehnsucht nach dieser „guten, alten Zeit“ – doch bin ich mir darüber bewusst, dass diese Bilder einer friedfertigen, ruhigen Stadt nicht darüber hinweg täuschen können, dass zeitgleich ihrer Aufnahme wahlweise Welt- oder kalter Krieg herrschte. Nein, früher war vielleicht mitnichten alles besser.

Und dennoch: Ich habe mich gerne entführen lassen in meine frühere Stadt, die zwischenzeitlich ihr Gesicht geändert hat wie kaum eine zweite.

Doch eine Kameraeinstellung, die das frühere Fernmeldehochhaus vor dem Thurn-und-Taxis-Palais zeigt, verrät dann doch: Das Nebeneinander von Alt und Neu, ein stetiger Kontrast: Dies hat Frankfurt wohl schon immer ausgezeichnet. Eine ganz wunderbare Stadt – damals wie heute…. 

 

Wollt auch ihr euch auf eine Zeitreise zurück in alte Frankfurter Tage begeben? Einen Blick vom Dom hinab auf ein Frankfurt noch ganz ohne Skyline werfen?
Die DVD „Frankfurt wiederentdeckt“ könnt ihr online hier bestellen

Viel Freude euch beim Anschauen!

Vielfalt in der Glauburgstraße: Ein Streifzug durch den Schilderwald

„Geh‘ da bloß nicht raus!“, mahnte mich eindringlich mein Blick aus dem Fenster. es goss aus Eimern an diesem Samstag im Januar. „Na und?“, entgegnete entschieden meine Seele, „zieh‘ dir eine dicke Jacke an und mach‘ das Beste draus!“.

Und genau das hab‘ ich dann getan. Fast täglich führt mich mein Weg durch die Glauburgstraße im Frankfurter Nordend, und immer wieder bin ich angetan von der Vielfalt all der alten und neuen Schilder, die man aufmerksamen Auges in ihr finden kann.

Zigaretten, Kopfhörer, Mobiltelefon – und natürlich eine dicke Jacke. Mehr brauchte es dann auch gar nicht, um einen kleinen Bilderbogen anzufertigen. Das anschließende heiße Bad, das hatte ich mir danach jedenfalls redlich verdient…

Folgt ihr mir auf meinem kleinen Streifzug durch den Schilderwald?

 

Die Klebebuchstaben mögen zwar schon etwas blättern – der Qualität der hier ausgeführten Schusterarbeiten dürfte dieser Umstand aber hoffentlich keinen Abbruch tun!

 

Ein echter Hotspot der Glauburgstraße ist das gleichnamige Café. Und ein erstklassiges Café, na klar, hat auch ein erstklassiges Eingangsschild!

 

…. schräg gegenüber die Glauburgschule, die natürlich auch entsprechende Beschilderung vorweisen möchte.

 

Wie lange hier wohl schon große und kleine Kinderträume erfüllt werden? Dem Schild nach schon eine ganze Weile. Ich werfe einen Blick ins Schaufenster und seufze – noch einmal Kind sein!

 

„La Vie en Fleur“ – einen Hauch französischer Lebensart versprüht das Blumen- und Dekorationsgeschäft, welches vermutlich schon manch Haussegen gerettet hat.

 

Aus einer Zeit, in der Kleidung noch nicht als Wegwerf-Artikel betrachtet wurde, stammt offensichtlich das Schild dieser Schneiderei.

 

Friseur, Antiquitätenhandel oder gleich beides? Man weiß es nicht…

 


Wenn’s nicht nur sauber, sondern auch hübsch wird – dann war’s wahrscheinlich dieser Laden. Und die Uhrzeit gibt’s gleich gratis dazu.

 

Kleines Gimmick im Schlafzimmer: Ein betagtes „Afri-Cola“-Blechschild. Und untendrunter wirkt der Meister.

 

Mindestens genauso sehr wie den Apfelwein liebe ich die Mosaikfassade der „Apfelweinwirtschaft Frank“. Eine kleine Zeitreise in frühere Tage (oder besser: Abende) Frankfurter Kultur…

 

Dagegen recht kühl und nüchtern präsentiert sich ALDI. Neuerdings werktags geöffnet bis 22 Uhr.

 

Hinter diesen Kacheln verbarg sich lange Zeit lang ein Kiosk – heute aber kann man dahinter statt Binding Export ganz vorzüglich Kaffee schlürfen und frühstücken…

 

Ein Schild, das nie erlischt: Gefühlt immer geöffnet hat diese Spielhalle…

 

In Waschsalons soll sich ja bereits die gesamte Bandbreite menschlicher Schicksale zugetragen haben. Hier allerdings herrscht an diesem Samstag eher Katerstimmung.

 

Nun, eine besonders teure Agentur scheint dieses türkische Lebensmittelgeschäft nicht für das Design seines Schildes engagiert zu haben. Einkaufen gehe ich hier trotzdem gern!

 

Die Leuchtbuchstaben von „Optik Schreyer“ stammen ohne Zweifel aus den 1950er/1960er Jahren – und beglücken mich hoffentlich noch lange mit ihrem Anblick!

 

… selbiges gilt für den Friseursalon nebenan. Ein Traum, oder?

 

„Brush Script MT“? Oder wie hieß diese Schriftart doch gleich?

 

Apfelwein, Binding-Bier und Unterhaltung verspricht das Stalburg-Theater samt angeschlossener Wirtschaft.

 

Der Fotograf spiegelt sich in der Scheibe, hinter der ein recht antik wirkendes Schild für Dienstleistungen am Textil wirbt…

 

„Blubb Blubb, ich bin ein Fisch!“ – und genau den kann man hier kaufen…

 

Nicht mehr ganz konform mit der geltenden Rechtschreibung sind diese Schilder eines irre sympathischen Fotogeschäfts…

 

Wie auch das beworbene Unternehmen scheint auch das rechte Schild schon bessere Tage gesehen zu haben…Nebenan verspricht ein Laden wahre Wunder…

 

Ich ganz persönlich mag ja Leuchtkästen. Ihr auch?

 

 

 

Die Glauburgstraße: Eine Meile voller Schilder-Vielfalt. Habt ihr auch so große Freude an ihr wie ich?

Den Dingen ihren Lauf gelassen: Ein ganz persönlicher Jahresrückblick

Na, habt ihr schon entnervt die Augen verdreht, als ihr den Titel dieses Beitrags gelesen habt? Es ist Dezember, Vorweihnachtszeit – und neben „Last Christmas“ im Radio wird von jedem drittklassigen Fernsehsender ein Rückblick auf das bald vergangene Jahr präsentiert.

Und nun kaut also auch der Matze noch lang und breit sein Jahr 2017 durch? Na, aber sicher doch! Weil’s ihm persönlich einfach wichtig ist, weil kurzes Innehalten und Resümieren einfach wichtig ist. Und solltet ihr, liebe Leser, bis hierhin mitgelesen haben – dann könnt ihr meinem Blick zurück glatt folgen, oder?

365 Tage. Mancher nur Alltag, mancher Abenteuer. 365 mal Aufwachen, manchmal aufgekratzt vor Freude, manchmal auch gelähmt vor Sorge. Wo fängt ein Rückblick an, wo hört er auf? Vielleicht beginne ich bei den Vorsätzen, die ich vor ziemlich genau einem Jahr für 2017 gefasst und festgehalten hatte. Was wohl aus ihnen geworden ist?

Von Ängsten und vom Reisen

Wenn ich heute lese, welch Entschlüsse ich vor ziemlich genau 12 Monaten getroffen hatte, muss ich schmunzeln. Ich wollte mich meinen Ängsten stellen, endlich einmal alleine ins Ausland verreisen. Gesagt, getan – das neue Urlaubsjahr läutete ich mit einem kleinen Städtetrip nach Budapest ein. Alleine, versteht sich! Ich war, das muss ich gestehen, ziemlich aufgeregt – aber verdammt froh und ein wenig stolz auf mich, als ich drei Nächte später wieder nach Hause kam.

Ja, ich hatte Blut geleckt:

Wollte ich mich mit drei Nächten beim ersten Mal nicht gleich überfordern, wurde ich wagemutig und plante, kaum zurückgekommen, eine Mietwagen-Rundfahrt an der Algarve. Abermals allein, eine knappe Woche lang. Flüge, Mietwagen, und Unterkunft hatte ich schneller gebucht, als ich nachdenken konnte. Zum Glück! Denn wären mir Zweifel gekommen, hätte ich diese wundervolle Zeit in Portugal niemals erleben dürfen. Nicht alles verlief reibungsfrei – doch gerade an den kleinen Unwägbarkeiten dieser Reise bin ich ganz sicher auch gewachsen. Hey, wer kann schon von sich behaupten, einmal ohne Sprit im Tank auf einer portugiesischen Autobahn liegengeblieben zu sein? Der erste Blick hinab ins Tal von Lissabon entschädigte jedoch für alles und wird für immer eingebrannt in meinem Gedächtnis bleiben.

Die nächste Reise unternahm ich dann doch lieber in Gesellschaft. Und zwar in allerbester, nämlich in Form meines Freundes Michael. Als wir Quedlinburg als Ziel auserkoren, wussten wir beide nicht recht, was uns erwartet. Dass es dort recht schön sein sollte, hatten wir beide bereits vernommen – nach vier Tagen im Harz konnten wir dies ausnahmslos bestätigen. Beim Wandern auf den Brocken herrschten sibirische Temperaturen und eine Sichtweite weit unter 30 Zentimetern: Die Fahrt mit dem Dampfzug durch die verschneiten Landschaften sowie die Spaziergänge durch Wernigerode, die Abende in ostdeutschen Kneipen sowie das wunderschöne Fachwerk in Goslar gehören dennoch zu meinen schönsten Erinnerungen an das vergangene Jahr.

Weil wir zusammen so viel Freude am Wandern hatten, waren wir unter anderem einige Zeit lang später noch im Vogelsberg unterwegs, erklimmten den Hoherodskopf – und sausten auf der Sommerrodelbahn wieder hinab. Freuden in der Sonne. 

Auch auf dem Wasser waren wir unterwegs: Nachdem ich mich mit dem Fahrrad bereits bis Seligenstadt vorgearbeitet hatte, sind Michael und ich eines Tages im Frühjahr mit dem Ausflugsschiff von Frankfurt aus den Main hinauf bis Aschaffenburg gefahren, haben uns dort ein wenig die Stadt besehen.

Ach ja, und zwischendurch natürlich: Der Wäldchestag.
Dort ein nettes Mädchen kennengelernt, spontan zusammen eine Woche in Kroatien verbracht. Wie schade, dass ich erst im Jahr 2017 erfahren durfte, wie blau Wasser sein kann!

Jetzt, im Dezember dagegen, waren wir nicht mehr in Tanktop und Bermudashort zusammen unterwegs. Ein Kurzurlaub in Krakau in der Vorweihnachtszeit – auch bei Kälte eine wunderschöne Stadt.

Mein Reisejahr 2017 kann ich also persönlich voll und ganz als erfolgreich verbuchen. Ob alleine oder in Gesellschaft – ich hab‘ das Abenteuer gesucht und es gefunden. Und klopf‘ mir dafür mal auf die Schulter!

 

Mehr offline Leben

Mehr offline Leben. Den Tag zu genießen lernen, selbst wenn er manchmal schwieriger auszuhalten ist als die Nacht. Weil er ehrlich ist, auch wenn er manchmal schmerzt: Dies war ein weiterer meiner Vorsätze. Also: Hobbies mussten her.

Ich bin Freund der Bewegung, also lag es nur allzu nahe, mein Fahrrad öfters auszuführen. Auch und insbesondere allein. Und was war ich unterwegs! Ob durchs Rodgau, die Wetterau oder gleich an den Mittelrhein: So einige Kilometer hab‘ ich runtergerissen. So einige Kilometer, die leider gleich zwei Mal im Krankenhaus endeten – ein Mal sogar mit gleich drei gebrochenen Rippen und einer Anzeige. Ob ich 2018 ein paar Tage hinter schwedischen Gardinen verbringen werden darf? Wir werden sehen! Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch das Frankfurter Umland endlich einmal ausgiebig zu erkunden.

Doch nicht nur mit dem Fahrrad war ich unterwegs; auch das Wandern habe ich für mich entdeckt. Ich bin nun in einem Alter, in dem man – so glaube ich – eine Einladung zur wüsten Feierei ausschlagen darf, weil man am nächsten Tag zu wandern gedenke. Doch musste ich erst lernen, Sätze wie: „Ich ziehe nicht mit weiter, denn ich mag morgen früh fit für einen Tag in der Natur sein“ zu formulieren. Spießig gelle? Auch, wenn mir eine solche Absage oft nur schwer über die Lippen ging – bereut habe ich die Touren durch Taunus, Pfalz und Bergstraße kein einziges Mal. Zwoachtzehn gerne mehr davon!

Talentfrei Musizieren

Nicht, dass ich nur verreist, am Wandern oder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen wäre. Auch der Musik habe ich mich nach Jahren erstmals wieder gewidmet. Nun ja, „Musik“ mag übertrieben sein – zumindest habe ich meine Gitarre einmal wieder in der Hand genommen und entstaubt. Mir ein paar wenige Akkorde in Erinnerung gerufen und munter drauflos komponiert. Was soll ich sagen, es hat mir Spaß gemacht – auch wenn ich nachweislich über keinerlei Talent verfüge. Doch ist „Spaß haben“ nicht eine Legitimation für alles, was ein Mensch so tut?

Zurück zum Hedonismus also, zurück zur Musik: Unter dem Titel „Talentfrei Musizieren“ habe ich mittlerweile gleich mehrere Lieder komponiert und auf die Trommelfelle der wehrlosen Zuhörerschaft losgelassen. Mal laut, mal traurig, mal nachdenklich, mal gänzlich sinnbefreit: Nur Frankfurt war stets kleinster gemeinsamer Nenner meiner musikalischen Anschläge. Auch dem Goetheturm konnte ich zuletzt ein fragwürdiges Andenken erschaffen…

 

Zum ersten Mal: In Print, Radio & TV

Mein größter Vorsatz für das kommende Jahr allerdings war es, viel mehr Dinge zum ersten Mal zu tun. Mich selbst öfters neu zu erfinden. Und was soll ich sagen? Dieser größte Vorsatz sollte auch zu meinem größten Glück im Jahr 2017 werden. Hätte mir noch vor 12 Monaten jemand erzählt, was ich dieses Jahr alles zum ersten Mal hätte machen würde – ich hätte ihm ganz sicher den Vollbesitz seiner geistigen Kräfte abgeschlossen.

Wie fange ich nun an? Vielleicht am besten chronologisch, nämlich mit dem Blogger-Stammtisch Frankfurt, den ich im Januar diesen Jahres ins Leben rief. Beim ersten Treffen war ich selbst überrascht von der großen Resonanz – und durfte ganz wunderbare Bekanntschaften schließen, wurde auf eine großartige Art und Weise inspiriert. Auch eine Freundschaft ist aus diesen Bekanntschaften entstanden – wer hätte das gedacht? Die Behauptung des „Merkurist Frankfurt“, Frankfurts Blogger-Szene sei de facto nicht existent, die konnte ich jedenfalls im Interview widerlegen.

Es war dann im Sommer, als mir ein Freund von einem neuen Stadtmagazin berichtete: „Frankfurt, du bist so wunderbar“. Mit der festen Absicht, dieses „Hipster-Blatt“ auf diesem Blog zu zerreißen, erwarb ich ein Exemplar – und stellte fest: Hey, da steckt ja eine Menge Herzblut drin für meine Stadt!

Als ich hierzu einen Artikel veröffentlichte, konnte ich nicht ahnen, dass sich nur wenige Tage später die beiden wunderbaren Menschen bei mir meldeten, die mit ihrer Agentur hinter der Publikation stecken. Einem Treffen im Sonnenschein im Café Sugar Mama folgte das prompte Angebot einer Zusammenarbeit. Zwei Nächte später war ich mir sicher: Nein, das möchte ich nicht ausschlagen. Und heute bin ich unendlich froh darüber, Teil des großartigen Teams zu sein, welches so viel Herzblut in Blog und Magazin fließen lässt. Als ich zum ersten Mal meine eigenen Texte in Form einer Zeitschrift in einem Bahnhofskiosk liegen sah, war das jedenfalls ein ganz besonderer Moment für mich.

Bleiben wir bei den besonderen Momenten:
Dass ich selbst unglaublich gerne an PubQuiz-Veranstaltungen teilnehme, mich dabei aber nur selten mit Ruhm bekleckere, war mir schon länger ein Dorn im Auge. Wie schön wäre es doch, gäbe es ein PubQuiz allein für Frankfurt-Fragen, so dachte ich mir – und sorgte kurzerhand dafür, dass ein solches stattfindet.

Als Organisator und Moderator brütete ich nächtelang über den Fragen, und als ich eines Abends im Herbst vor den restlos ausgebuchten Tische des „WIR KOMPLIZEN“ stand und über 60 Ratefüchse begrüßen dürfte, war ich wahrlich aufgeregt. Das Quiz hat mir als Moderator große Freude bereitet, und ich kann bereits jetzt verraten: Es wird im neuen Jahr eine Neuauflage geben!

Am Ende der Veranstaltung, als Gewinner gekürt und mit Preisen gesegnet waren, sprach mich eine Teilnehmerin an: Dagi sei ihr Name, sie sei begeisterte Leserin meines Blogs. Und freue sich, mich einmal kennen zu lernen… Huch! Ich glaube, ich wurde ein wenig rot im Gesicht. Wir blieben in Kontakt, irgendwie – erst beiläufig, später folgte eine schöne Radtour durch den Spätsommer. Und irgendwann die Frage, ob ich denn nicht einmal Gast in ihrer Sendung auf Radio X sein wollte. Welch eine Frage: Na klar wollte ich! Einmal selbst Radio zu machen, meine Stimme auf Kurzwelle übers Sendegebiet wabern zu lassen – das war schon immer ein Traum von mir. Offensichtlich hab‘ ich mich auch recht wacker geschlagen, denn meiner Premiere am Mikrofon sollte bald ein zweiter Auftritt folgen. Dagi, dich kennengelernt zu haben, ist eine unendliche Bereicherung! Nicht nur, weil ich seitdem gleich viel weniger Angst vorm Älterwerden habe.

Meine Gastauftritte im Radio stellen da ein anderes kleines Highlight fast in den Schatten: Auf einem meiner Blogger-Stammtische lernte ich einen netten, kreativen Kerl kennen, den ich mittlerweile in meinen Freundeskreis aufnehmen durfte. Unter anderem pflegt dieser nette, kreative Kerl nämlich seinen eigenen Podcast – und auch in diesem durfte ich zu Gast sein. Meine Wohnung wurde vorübergehend zur Podcast-Sendezentrale, das Ergebnis dann – nun ja. Spaß hat’s in jedem Fall gemacht!

Nicht nur, dass ich es in diesem Jahr auf verschlungenen Wege sowohl auf Papier als auch ins Radio gepackt hätte: Einer nächtlichen Bewerbung bei einer Sendung des hessischen Rundfunks folgte ein Casting, folgte eine Zusage. Mehr darf ich leider aufgrund vertraglicher Verpflichtungen noch nicht verraten – seid einfach mal gespannt auf das neue Fernsehjahr! 😉

Kurzum: Wahnsinn, was ich alles zum ersten Mal gemacht habe. Wahnsinn, welch zauberhafte Möglichkeiten sich ergeben können – wenn man den Dingen einfach ihren Lauf gewährt…. 

 

Von schmerzhaften Verlusten

Doch nicht, dass dieses Jahr ein einziger Zugewinn gewesen wäre. Im Gegenteil, so einige Verluste haben meine Stimmung oftmals getrübt, mich traurig und zurückgelassen fühlen lassen.

Dass meine liebste Kellnerin ihren Dienst in meinem liebsten Café quittierte, sollte nur ein Anfang sein. Lange war es abzusehen, im Spätsommer des Jahres nun Realität: Mein Freund Michael sollte Frankfurt verlassen, um in Berlin ein neues Leben zu beginnen. Und wie das eben so oft ist, wurde mir die Bedeutung  einer solchen Freundschaft erst dann in ihrer vollen Größe bewusst, als unsere Treffen rar wurden, wir uns nicht mehr spontan in der Nachbarschaft begegnen konnten.

Dass Herr Oberbürgermeister Feldmann meinen offiziellen Antrag zur Benennung nach einer Straße nach meinem Freund Michael zwar ablehnte, mir aber dennoch persönlich antwortete, freute mich – als kleines Abschiedsgeschenk konnte ich in einer Nacht- und Nebel-Aktion immerhin noch eine „Michael Nickel“-Bank im Stadtbild etablieren, auf der ich meinen Freund zum Ehrenbürger unserer Stadt erklärte. Habt ihr sie schon entdeckt…? 🙂

Doch es sind sind nicht nur die unfreiwilligen Verluste, die mein Jahr 2017 prägten. Einige Trennungen habe ich ganz bewusst vollzogen, wenn auch oft nicht ohne Bauchschmerzen. „Ballast abwerfen“, so das Stichwort – und auch sogenannte Freundschaften hatten irgendwann eine solche dargestellt. Auch wenn ich mir dies lange nicht hatte einstehen wollen.

Ich bin einige Stunden lang tief in mich gegangen, habe mir überlegt: Welche Menschen in meinem Leben nehmen mehr, als sie mir geben? Wer raubt mir Zeit, statt mich ebenso zu inspirieren? Auf wen kann ich zählen, wenn es mir schlecht geht? Es fiel mir nicht leicht, als ich so einige Freundschaften kündigen musste. Heute fühle ich mich oftmals alleine, aber eben auch: Frei von Ballast und unabhängig. Lieber fühle ich mich hin und wieder einsam, als mich anderen anzubiedern. Dieser Entschluss steht, wird es auch 2018 tun. Punkt, aus, Ende. 

Verloren, so will ich an dieser Stelle nicht verschweigen, hab‘ ich in recht schmerzhafter Art und Weise auch meine Weisheitszähne. Und überhaupt, beim Zahnarzt war ich so manches Mal: Auch eine erste Wurzelbehandlung hatte ich über mich ergehen lassen. So hatte ich das mit den Dingen, die ich zum ersten Mal erleben will, dann irgendwie nicht gemeint. Aua.

 

Was 2017 angewachsen ist

Doch nicht nur Verluste gab es zu verzeichnen in diesem Jahr; im Gegenteil: So Einiges ist innerhalb der letzten zwölf Monate nämlich teils beträchtluch angewachsen. Und hiermit meine ich nicht nur meinen Erfahrungsschatzden, den ich Tag für Tag – mal mehr, mal weniger – erweitern durfte!

Nein, ich rede von:

  • All den Artikeln, die ich für MAINRAUSCH habe schreiben können

 

  • Der Anzahl meiner Foto-Alben, die ich in entspannten Stunde pflege. Über 15 Schwarzweißfilme konnte ich 2017 entwickeln. Nicht jedes Bild ist ein Meisterwerk geworden; so manches aber wurde sorgfältig in eines meiner Album geklebt: „Frankfurt am Main – Momente eine Großstadt“. Irgendetwas muss ich ja schließlich irgendwann meinen undankbaren Enkelkindern vererben können.

  • Den Tattoos, die sich in diesem Jahr zu meinen bereits vorhandenen unter meine Haut gesellt haben. Ja, Mama, nun reicht es mit der Tinte, jetzt ist mal langsam genug der Körperkunst. Also, ja, vielleicht…

 

  • All den Büchern, die ich lesen durfte. Und hey, das waren eine ganze Menge! Circa 70, um genau zu sein – und darauf bin ich recht stolz! Erstmals habe ich mir Rituale zum Lesen im Alltag geschaffen. Denn Zeit für Bücher hat man nicht, man muss sie sich nehmen! Besonders erwähnen möchte ich hierbei Hermann Hesse, dessen Werke ich leider erst in diesem Jahr für mich entdecken durfte. Angefangen mit dem „Steppenwolf“ habe ich mittlerweile auch zahlreiche andere seiner Romane verschlungen, und jeder einzelne hat mich nachhaltig zum Nachdenken und Grüneln gebracht. Welch großartiger Autor!

 

Ein gutes Jahr? Die Bilanz meines Rückblicks

Wann ist ein Jahr eigentlich ein gutes Jahr? Ich weiß es nicht.
Ich hab‘ meine Traumfrau nicht gefunden, die Traumfigur nicht erreicht. Ich bin nicht reich geworden, habe mein Leben auch nicht anderweitig auf den Kopf gestellt. Aber ich bin eben auch nicht in der Klapse gelandet (was nicht immer selbstverständlich ist!), habe beständig kleine Ziele erreicht. Habe mich Ängsten gestellt, meine Hobbies konsequent verfolgt. Mich von Ballast getrennt, an hinterlassenen Lücken gelitten.

Vor allem aber habe ich die wunderbare Erfahrung machen dürfen, dass sich die auch undenkbarsten Dinge entwickeln können, wenn man ihnen einfach ihren Lauf lässt. Solange man eben aktiv und präsent ist, versucht zu gestalten statt zu konsumieren. Ich will mich Dies möchte ich auch im Jahr 2018 beibehalten. Ich woll mich weiterhin konsequent von Dingen und Menschen trennen, die mich und mein Leben belasten, in welcher Form auch immer. Auch wenn es schmerzt. Ich möchte darauf vertrauen können, dass sich immer etwas ergeben kann, das ich heute noch nicht erahnen kann. Dafür will ich offen sein. Ich will darauf vertrauen, dass ich auch im neuen Jahr 2018 großartige Menschen kennenlernen werden darf, dass ich wieder unvergessliche Unternehmungen machen darf. Dass ich Freundschaften wertschätzen und pflegen kann. Und nicht zuletzt mag ich euch auch weiterhin eifrig berichten – vom Leben, Lieben & Untergehen in Frankfurt am Main. Die freudige Erwartung auf all das, was geschehen mag – die genieße ich jedenfalls schon jetzt…

Wie bitte, ihr wartet nun auf meine Vorsätze für das kommende Jahr 2018? Das mit dem Rauchen, das sollte ich nun wirklich langsam endgültig sein lassen.
Vorher aber will ich von euch wissen: Wie war euer Jahr 2017? Und welches sind eure Vorsätze für das neue Jahr?
Ich jedenfalls mache nun Silvesterpläne. Aber vorher, da zünde ich mir noch ’ne Zigarette an…Auf ein neues Jahr, Freunde!