Den Dingen ihren Lauf gelassen: Ein ganz persönlicher Jahresrückblick

Na, habt ihr schon entnervt die Augen verdreht, als ihr den Titel dieses Beitrags gelesen habt? Es ist Dezember, Vorweihnachtszeit – und neben „Last Christmas“ im Radio wird von jedem drittklassigen Fernsehsender ein Rückblick auf das bald vergangene Jahr präsentiert.

Und nun kaut also auch der Matze noch lang und breit sein Jahr 2017 durch? Na, aber sicher doch! Weil’s ihm persönlich einfach wichtig ist, weil kurzes Innehalten und Resümieren einfach wichtig ist. Und solltet ihr, liebe Leser, bis hierhin mitgelesen haben – dann könnt ihr meinem Blick zurück glatt folgen, oder?

365 Tage. Mancher nur Alltag, mancher Abenteuer. 365 mal Aufwachen, manchmal aufgekratzt vor Freude, manchmal auch gelähmt vor Sorge. Wo fängt ein Rückblick an, wo hört er auf? Vielleicht beginne ich bei den Vorsätzen, die ich vor ziemlich genau einem Jahr für 2017 gefasst und festgehalten hatte. Was wohl aus ihnen geworden ist?

Von Ängsten und vom Reisen

Wenn ich heute lese, welch Entschlüsse ich vor ziemlich genau 12 Monaten getroffen hatte, muss ich schmunzeln. Ich wollte mich meinen Ängsten stellen, endlich einmal alleine ins Ausland verreisen. Gesagt, getan – das neue Urlaubsjahr läutete ich mit einem kleinen Städtetrip nach Budapest ein. Alleine, versteht sich! Ich war, das muss ich gestehen, ziemlich aufgeregt – aber verdammt froh und ein wenig stolz auf mich, als ich drei Nächte später wieder nach Hause kam.

Ja, ich hatte Blut geleckt:

Wollte ich mich mit drei Nächten nicht gleich überfordern, wurde ich wagemutig und plante, kaum zurückgekommen, eine Mietwagen-Rundfahrt an der Algarve. Abermals allein, eine knappe Woche lang. Flüge, Mietwagen, und Unterkunft hatte ich schneller gebucht, als ich nachdenken konnte. Zum Glück! Denn wären mir Zweifel gekommen, hätte ich diese wundervolle Zeit in Portugal niemals erleben dürfen. Nicht alles verlief reibungsfrei – doch gerade an den kleinen Unwägbarkeiten dieser Reise bin ich ganz sicher auch gewachsen. Hey, wer kann schon von sich behaupten, einmal ohne Sprit im Tank auf einer portugiesischen Autobahn liegengeblieben zu sein? Der erste Blick hinab ins Tal von Lissabon entschädigte jedoch für alles und wird für immer eingebrannt in meinem Gedächtnis bleiben.

Die nächste Reise unternahm ich dann doch lieber in Gesellschaft. Und zwar in allerbester, nämlich in Form meines Freundes Michael. Als wir Quedlinburg als Ziel auserkoren, wussten wir beide nicht recht, was uns erwartet. Dass es dort recht schön sein sollte, hatten wir beide bereits vernommen – nach vier Tagen im Harz konnten wir dies ausnahmslos bestätigen. Beim Wandern auf den Brocken herrschten sibirische Temperaturen und eine Sichtweite weit unter 30 Zentimetern: Die Fahrt mit dem Dampfzug durch die verschneiten Landschaften sowie die Spaziergänge durch Wernigerode, die Abende in ostdeutschen Kneipen sowie das wunderschöne Fachwerk in Goslar gehören dennoch zu meinen schönsten Erinnerungen an das vergangene Jahr.

Weil wir zusammen so viel Freude am Wandern hatten, waren wir unter anderem einige Zeit lang später noch im Vogelsberg unterwegs, erklimmten den Hoherodskopf – und sausten auf der Sommerrodelbahn wieder hinab. Freuden in der Sonne. 

Auch auf dem Wasser waren wir unterwegs: Nachdem ich mich mit dem Fahrrad bereits bis Seligenstadt vorgearbeitet hatte, sind Michael und ich eines Tages im Frühjahr mit dem Ausflugsschiff von Frankfurt aus den Main hinauf bis Aschaffenburg gefahren, haben uns dort ein wenig die Stadt besehen.

Ach ja, und zwischendurch natürlich: Der Wäldchestag.
Dort ein nettes Mädchen kennengelernt, spontan zusammen eine Woche in Kroatien verbracht. Wie schade, dass ich erst im Jahr 2017 erfahren durfte, wie blau Wasser sein darf! Jetzt, im Dezember dagegen, waren wir nicht mehr in Tanktop und Bermudashort zusammen unterwegs. Ein Kurzurlaub in Krakau: Auch bei Kälte eine wunderschöne Stadt.

Mein Reisejahr 2017 kann ich also persönlich voll und ganz als erfolgreich verbuchen. Ob alleine oder in Gesellschaft – ich hab‘ das Abenteuer gesucht und es gefunden. Und klopf‘ mir dafür mal auf die Schulter!

 

Mehr offline Leben

Mehr offline Leben. Den Tag zu genießen lernen, selbst wenn er manchmal schwieriger auszuhalten ist als die Nacht. Weil er ehrlich ist, auch wenn er manchmal schmerzt: Dies war ein weiterer meiner Vorsätze. Also: Hobbies mussten her.

Ich bin Freund der Bewegung, also lag es nur allzu nahe, mein Fahrrad öfters auszuführen. Auch und insbesondere allein. Und was war ich unterwegs! Ob durchs Rodgau, die Wetterau oder gleich an den Mittelrhein: So einige Kilometer hab‘ ich runtergerissen. So einige Kilometer, die leider gleich zwei Mal im Krankenhaus endeten – ein Mal sogar mit gleich drei gebrochenen Rippen und einer Anzeige. Ob ich 2018 ein paar Tage hinter schwedischen Gardinen verbringen werden darf? Wir werden sehen! Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch das Frankfurter Umland endlich einmal ausgiebig zu erkunden.

Doch nicht nur mit dem Fahrrad war ich unterwegs; auch das Wandern habe ich für mich entdeckt. Ich bin nun in einem Alter, in dem man – so glaube ich – eine Einladung zur wüsten Feierei ausschlagen darf, weil man am nächsten Tag zu wandern gedenke. Doch musste ich erst lernen, Sätze wie: „Ich ziehe nicht mit weiter, denn ich mag morgen früh fit für einen Tag in der Natur sein“ zu formulieren. Spießig gelle? Auch, wenn mir eine solche Absage oft nur schwer über die Lippen ging – bereut habe ich die Touren durch Taunus, Pfalz und Bergstraße kein einziges Mal. Zwoachtzehn gerne mehr davon!

Talentfrei Musizieren

Nicht, dass ich nur verreist, am Wandern oder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen wäre. Auch der Musik habe ich mich nach Jahren erstmals wieder gewidmet. Nun ja, „Musik“ mag übertrieben sein – zumindest habe ich meine Gitarre einmal wieder in der Hand genommen und entstaubt. Mir ein paar wenige Akkorde in Erinnerung gerufen und munter drauflos komponiert. Was soll ich sagen, es hat mir Spaß gemacht – auch wenn ich nachweislich über keinerlei Talent verfüge. Doch ist „Spaß haben“ nicht eine Legitimation für alles, was ein Mensch so tut?

Zurück zum Hedonismus also, zurück zur Musik: Unter dem Titel „Talentfrei Musizieren“ habe ich mittlerweile gleich mehrere Lieder komponiert und auf die Trommelfelle der wehrlosen Zuhörerschaft losgelassen. Mal laut, mal traurig, mal nachdenklich, mal gänzlich sinnbefreit: Nur Frankfurt war stets kleinster gemeinsamer Nenner meiner musikalischen Anschläge. Auch dem Goetheturm konnte ich zuletzt ein fragwürdiges Andenken erschaffen…

 

Zum ersten Mal: In Print, Radio & TV

Mein größter Vorsatz für das kommende Jahr allerdings war es, viel mehr Dinge zum ersten Mal zu tun. Mich selbst öfters neu zu erfinden. Und was soll ich sagen? Dieser größte Vorsatz sollte auch zu meinem größten Glück im Jahr 2017 werden. Hätte mir noch vor 12 Monaten jemand erzählt, was ich dieses Jahr alles zum ersten Mal hätte machen würde – ich hätte ihm ganz sicher den Vollbesitz seiner geistigen Kräfte abgeschlossen.

Wie fange ich nun an? Vielleicht am besten chronologisch, nämlich mit dem Blogger-Stammtisch Frankfurt, den ich im Januar diesen Jahres ins Leben rief. Beim ersten Treffen war ich selbst überrascht von der großen Resonanz – und durfte ganz wunderbare Bekanntschaften schließen, wurde auf eine großartige Art und Weise inspiriert. Auch eine Freundschaft ist aus diesen Bekanntschaften entstanden – wer hätte das gedacht? Die Behauptung des „Merkurist Frankfurt“, Frankfurts Blogger-Szene sei de facto nicht existent, die konnte ich jedenfalls im Interview widerlegen.

Es war dann im Sommer, als mir ein Freund von einem neuen Stadtmagazin berichtete: „Frankfurt, du bist so wunderbar“. Mit der festen Absicht, dieses „Hipster-Blatt“ auf diesem Blog zu zerreißen, erwarb ich ein Exemplar – und stellte fest: Hey, da steckt ja eine Menge Herzblut drin für meine Stadt!

Als ich hierzu einen Artikel veröffentlichte, konnte ich nicht ahnen, dass sich nur wenige Tage später die beiden wunderbaren Menschen bei mir meldeten, die mit ihrer Agentur hinter der Publikation stecken. Einem Treffen im Sonnenschein im Café Sugar Mama folgte das prompte Angebot einer Zusammenarbeit. Zwei Nächte später war ich mir sicher: Nein, das möchte ich nicht ausschlagen. Und heute bin ich unendlich froh darüber, Teil des großartigen Teams zu sein, welches so viel Herzblut in Blog und Magazin fließen lässt. Als ich zum ersten Mal meine eigenen Texte in Form einer Zeitschrift in einem Bahnhofskiosk liegen sah, war das jedenfalls ein ganz besonderer Moment für mich.

Bleiben wir bei den besonderen Momenten:
Dass ich selbst unglaublich gerne an PubQuiz-Veranstaltungen teilnehme, mich dabei aber nur selten mit Ruhm bekleckere, war mir schon länger ein Dorn im Auge. Wie schön wäre es doch, gäbe es ein PubQuiz allein für Frankfurt-Fragen, so dachte ich mir – und sorgte kurzerhand dafür, dass ein solches stattfindet.

Als Organisator und Moderator brütete ich nächtelang über den Fragen, und als ich eines Abends im Herbst vor den restlos ausgebuchten Tische des „WIR KOMPLIZEN“ stand und über 60 Ratefüchse begrüßen dürfte, war ich wahrlich aufgeregt. Das Quiz hat mir als Moderator große Freude bereitet, und ich kann bereits jetzt verraten: Es wird im neuen Jahr eine Neuauflage geben!

Am Ende der Veranstaltung, als Gewinner gekürt und mit Preisen gesegnet waren, sprach mich eine Teilnehmerin an: Dagi sei ihr Name, sie sei begeisterte Leserin meines Blogs. Und freue sich, mich einmal kennen zu lernen… Huch! Ich glaube, ich wurde ein wenig rot im Gesicht. Wir blieben in Kontakt, irgendwie – erst beiläufig, später folgte eine schöne Radtour durch den Spätsommer. Und irgendwann die Frage, ob ich denn nicht einmal Gast in ihrer Sendung auf Radio X sein wollte. Welch eine Frage: Na klar wollte ich! Einmal selbst Radio zu machen, meine Stimme auf Kurzwelle übers Sendegebiet wabern zu lassen – das war schon immer ein Traum von mir. Offensichtlich hab‘ ich mich auch recht wacker geschlagen, denn meiner Premiere am Mikrofon sollte bald ein zweiter Auftritt folgen. Dagi, dich kennengelernt zu haben, ist eine unendliche Bereicherung! Nicht nur, weil ich seitdem gleich viel weniger Angst vorm Älterwerden habe.

Meine Gastauftritte im Radio stellen da ein anderes kleines Highlight fast in den Schatten: Auf einem meiner Blogger-Stammtische lernte ich einen netten, kreativen Kerl kennen, den ich mittlerweile in meinen Freundeskreis aufnehmen durfte. Unter anderem pflegt dieser nette, kreative Kerl nämlich seinen eigenen Podcast – und auch in diesem durfte ich zu Gast sein. Meine Wohnung wurde vorübergehend zur Podcast-Sendezentrale, das Ergebnis dann – nun ja. Spaß hat’s in jedem Fall gemacht!

Nicht nur, dass ich es in diesem Jahr auf verschlungenen Wege sowohl auf Papier als auch ins Radio gepackt hätte: Einer nächtlichen Bewerbung bei einer Sendung des hessischen Rundfunks folgte ein Casting, folgte eine Zusage. Mehr darf ich leider aufgrund vertraglicher Verpflichtungen noch nicht verraten – seid einfach mal gespannt auf das neue Fernsehjahr! 😉

Kurzum: Wahnsinn, was ich alles zum ersten Mal gemacht habe. Wahnsinn, welch zauberhafte Möglichkeiten sich ergeben können – wenn man den Dingen einfach ihren Lauf gewährt…. 

 

Von schmerzhaften Verlusten

Doch nicht, dass dieses Jahr ein einziger Zugewinn gewesen wäre. Im Gegenteil, so einige Verluste haben meine Stimmung oftmals getrübt, mich traurig und zurückgelassen fühlen lassen.

Dass meine liebste Kellnerin ihren Dienst in meinem liebsten Café quittierte, sollte nur ein Anfang sein. Lange war es abzusehen, im Spätsommer des Jahres nun Realität: Mein Freund Michael sollte Frankfurt verlassen, um in Berlin ein neues Leben zu beginnen. Und wie das eben so oft ist, wurde mir die Bedeutung  einer solchen Freundschaft erst dann in ihrer vollen Größe bewusst, als unsere Treffen rar wurden, wir uns nicht mehr spontan in der Nachbarschaft begegnen konnten.

Dass Herr Oberbürgermeister Feldmann meinen offiziellen Antrag zur Benennung nach einer Straße nach meinem Freund Michael zwar ablehnte, mir aber dennoch persönlich antwortete, freute mich – als kleines Abschiedsgeschenk konnte ich in einer Nacht- und Nebel-Aktion immerhin noch eine „Michael Nickel“-Bank im Stadtbild etablieren, auf der ich meinen Freund zum Ehrenbürger unserer Stadt erklärte. Habt ihr sie schon entdeckt…? 🙂

Doch es sind sind nicht nur die unfreiwilligen Verluste, die mein Jahr 2017 prägten. Einige Trennungen habe ich ganz bewusst vollzogen, wenn auch oft nicht ohne Bauchschmerzen. „Ballast abwerfen“, so das Stichwort – und auch sogenannte Freundschaften hatten irgendwann eine solche dargestellt. Auch wenn ich mir dies lange nicht hatte einstehen wollen.

Ich bin einige Stunden lang tief in mich gegangen, habe mir überlegt: Welche Menschen in meinem Leben nehmen mehr, als sie mir geben? Wer raubt mir Zeit, statt mich ebenso zu inspirieren? Auf wen kann ich zählen, wenn es mir schlecht geht? Es fiel mir nicht leicht, als ich so einige Freundschaften kündigen musste. Heute fühle ich mich oftmals alleine, aber eben auch: Frei von Ballast und unabhängig. Lieber fühle ich mich hin und wieder einsam, als mich anderen anzubiedern. Dieser Entschluss steht, wird es auch 2018 tun. Punkt, aus, Ende. 

Verloren, so will ich an dieser Stelle nicht verschweigen, hab‘ ich in recht schmerzhafter Art und Weise auch meine Weisheitszähne. Und überhaupt, beim Zahnarzt war ich so manches Mal: Auch eine erste Wurzelbehandlung hatte ich über mich ergehen lassen. So hatte ich das mit den Dingen, die ich zum ersten Mal erleben will, dann irgendwie nicht gemeint. Aua.

 

Was 2017 angewachsen ist

Doch nicht nur Verluste gab es zu verzeichnen in diesem Jahr; im Gegenteil: So Einiges ist innerhalb der letzten zwölf Monate nämlich teils beträchtluch angewachsen. Und hiermit meine ich nicht nur meinen Erfahrungsschatzden, den ich Tag für Tag – mal mehr, mal weniger – erweitern durfte!

Nein, ich rede von:

  • All den Artikeln, die ich für MAINRAUSCH habe schreiben können

 

  • Der Anzahl meiner Foto-Alben, die ich in entspannten Stunde pflege. Über 15 Schwarzweißfilme konnte ich 2017 entwickeln. Nicht jedes Bild ist ein Meisterwerk geworden; so manches aber wurde sorgfältig in eines meiner Album geklebt: „Frankfurt am Main – Momente eine Großstadt“. Irgendetwas muss ich ja schließlich irgendwann meinen undankbaren Enkelkindern vererben können.

  • Den Tattoos, die sich in diesem Jahr zu meinen bereits vorhandenen unter meine Haut gesellt haben. Ja, Mama, nun reicht es mit der Tinte, jetzt ist mal langsam genug der Körperkunst. Also, ja, vielleicht…

 

  • All den Büchern, die ich lesen durfte. Und hey, das waren eine ganze Menge! Circa 70, um genau zu sein – und darauf bin ich recht stolz! Erstmals habe ich mir Rituale zum Lesen im Alltag geschaffen. Denn Zeit für Bücher hat man nicht, man muss sie sich nehmen! Besonders erwähnen möchte ich hierbei Hermann Hesse, dessen Werke ich leider erst in diesem Jahr für mich entdecken durfte. Angefangen mit dem „Steppenwolf“ habe ich mittlerweile auch zahlreiche andere seiner Romane verschlungen, und jeder einzelne hat mich nachhaltig zum Nachdenken und Grüneln gebracht. Welch großartiger Autor!

 

Ein gutes Jahr? Die Bilanz meines Rückblicks

Wann ist ein Jahr eigentlich ein gutes Jahr? Ich weiß es nicht.
Ich hab‘ meine Traumfrau nicht gefunden, die Traumfigur nicht erreicht. Ich bin nicht reich geworden, habe mein Leben auch nicht anderweitig auf den Kopf gestellt. Aber ich bin eben auch nicht in der Klapse gelandet (was nicht immer selbstverständlich ist!), habe beständig kleine Ziele erreicht. Habe mich Ängsten gestellt, meine Hobbies konsequent verfolgt. Mich von Ballast getrennt, an hinterlassenen Lücken gelitten.

Vor allem aber habe ich die wunderbare Erfahrung machen dürfen, dass sich die auch undenkbarsten Dinge entwickeln können, wenn man ihnen einfach ihren Lauf lässt. Solange man eben aktiv und präsent ist, versucht zu gestalten statt zu konsumieren. Ich will mich Dies möchte ich auch im Jahr 2018 beibehalten. Ich woll mich weiterhin konsequent von Dingen und Menschen trennen, die mich und mein Leben belasten, in welcher Form auch immer. Auch wenn es schmerzt. Ich möchte darauf vertrauen können, dass sich immer etwas ergeben kann, das ich heute noch nicht erahnen kann. Dafür will ich offen sein. Ich will darauf vertrauen, dass ich auch im neuen Jahr 2018 großartige Menschen kennenlernen werden darf, dass ich wieder unvergessliche Unternehmungen machen darf. Dass ich Freundschaften wertschätzen und pflegen kann. Und nicht zuletzt mag ich euch auch weiterhin eifrig berichten – vom Leben, Lieben & Untergehen in Frankfurt am Main. Die freudige Erwartung auf all das, was geschehen mag – die genieße ich jedenfalls schon jetzt…

Wie bitte, ihr wartet nun auf meine Vorsätze für das kommende Jahr 2018? Das mit dem Rauchen, das sollte ich nun wirklich langsam endgültig sein lassen.
Vorher aber will ich von euch wissen: Wie war euer Jahr 2017? Und welches sind eure Vorsätze für das neue Jahr?
Ich jedenfalls mache nun Silvesterpläne. Aber vorher, da zünde ich mir noch ’ne Zigarette an…Auf ein neues Jahr, Freunde!

„Alles wie immer“: Vom Glück, ein Stammgast zu sein

„Beck’s, Beck’s Lemon oder Corona?“

Die Dame hinter der Bar lächelt mich breit an und erwartet meine Bestellung. Ich verziehe kurz den Mund. Alles nicht so meins. „Ein Beck’s klingt super!“, entscheide ich mich, platziere in gewohnter Manier mein Buch vor mir – und fühle mich ein wenig fehl am Platz.

Rechts neben mir versuchen sich drei Kerle in Hemd und Jacket, sich gegenseitig mit ihren sportlichen Leistungen zu beeindrucken. „Also ich war gestern nach Feierabend noch zehn Kilometer laufen!“. Herzlichen Glückwunsch, denke ich mir und nehme einen Schluck Beck’s.

Vor den großen Fenstern des „Legend’s“ fällt der erste Schnee des Jahres, und ich frage mich, was ich hier eigentlich mache. Ich säße gar nicht hier, hätte ich mich nicht dabei ertappt, wie ich nach Dienstschluss fast blind und wie ferngesteuert in die U4 gestiegen wäre, um auf einen Feierabend-Schoppen in „Feinstaub“ oder „NORD“ vorbeizuschauen.

Gerade noch so konnte ich mir in Erinnerung rufen, dass es doch gut tue, hin und wieder die eingetreten Pfade zu verlassen. Auch nach Feierabend, versteht sich, oder gerade dann. Und es ist ja auch so: Insbesondere Frankfurt frohlockt mit schier unendlich vielen netten Bars und Kneipen für ein Kaltgetränk zum Feierabend. Alle Entscheidung ist da mitunter schwierig, und so neige auch ich eben dazu, immer wieder dieselben Orte aufzusuchen.

Doch heute, da wollte ich quasi todesmutig neue Wege beschreiten, endlich einmal ausbrechen aus dieser spätabendlichen Feierabend-Routine, woanders lesen, während Freunde schon schlafen. Mir selbst ein Bild von den Bildern aus den Stadtmagazinen machen. Ein bisschen frischer Wind konnte doch nicht schaden?

Statt in die U4 bin ich also auf ein Call-a-Bike gestiegen, eisige Novemberluft schadete kurzzeitig meinem Wohlbefinden. So war das aber nicht gemeint mit dem „frischen Wind“!

Als Ziel auserkoren wart das „Legends“, weil gefühlt jeder schon dort gewesen war – außer eben ich. Diesen Zustand wollte ich beenden, doch nun, wo ich hier sitze, fühle ich mich fremd.

Ich vermisse das „Zuhause“-Gefühl, welches man als Stammgast kennt. Ich vermisse die persönliche Begrüßung, das gerenseitigr Erkundigen nach dem jeweiligen Wohlbefinden. Vermisse das „Wie immer?“, vermisse den großen, sauren Apfelwein, der nach kurzem Nicken daraufhin vor mir abgestellt wird.

Vermisse all die Leute, die auch immer hier sind, die man eben kennt, sei es auch nur vom Sehen. Die Toilette blind zu finden, den Heimweg sowieso: Ebenfalls `ne dufte Sache. Doch sind es nicht gerade diese Annehmlichkeiten, die mich immer wieder an die selben Orte zogen, an die selben Theken trieben?

Ich leere mein Beck‘s und beschließe, nächstes Mal wieder ein anständiges Bier zu trinken. Mache der – wirklich sehr netten – Dame hinter dem Tresen deutlich, dass ich zu zahlen gedenke. Fische unbeholfen im Münzfach meines Portemonnaie herum – äh; was kostete der Spaß hier doch gleich? Oha, ja, gar nicht mal so günstig. „Stimmt so!“

Während ich nach Hause fahre, muss ich grübeln. Fuck yeah, ich hab‘ meinen Horizont erweitert – aber wäre ich in diesem Moment nicht glücklicher gewesen, wäre ich meinem Trott gefolgt, hätte ich die letzte Stunde in vertrauter Umgebung verbracht?

Nun, zumindest hätte ich wohl kaum „face to face“ gleich einer ganzen Armada von Ghettoblastern pinkeln können.

 

Am nächsten Tag:

Ich habe frei (hurra!), ertappe mich nach dem Laufen frischgeduscht dabei, wie ich mich instinktiv auf in mein Stammcafé „Sugar Mama“‘ machen möchte.

Gerade noch rechtzeitig entsinne ich mich jedoch auf meinen Plan für den heutigen Tag: Ein Kumpel schwärmte neulich vom besten Cappuccino der Stadt, und den gebe es im „Anïs“, müsse ich mal probieren.

Dies galt es zu überprüfen; statt wie sonst an die alte Brücke sollte es heute also auf ins Ostend gehen. Frischer Wind und so, ihr wisst schon.

Ich trete ein, freue mich über die Wärme. Die zwischenmenschliche Wärme aber, die fehlt mir. Kein „Hey Matze, schön dich zu sehen!“ zur Begrüßung, keine Umarmung. Kein „Setz‘ dich schon mal!“, kein großer Kaffee mit Sojamilch, der mir serviert wird – ohne dass ich ihn bestellt haben müsste. Seufz. 

Ich vermisse meinen Schaukelstuhl, mein Sofa – und sitze obendrein recht unbequem, auf diesem wackligen Metallstuhl im Ostend. Zwar ist man auch hier sehr nett zu mir, der Milchschaum meines Cappuccino (der wirklich ziemlich gut ist!) zeigt sogar einen Schneemann.

Doch bin ich hier eben nur ein Gast unter vielen, Geschäftspartner, Kaffeetrinker. Und eben nicht: Wohlbekannter Stammgast.

 

Ich hab‘ genug der Experimente. Schlürfe aus, steige wieder auf mein Fahrrad, um die neuen Ufer zu verlassen – und laufe gewissermaßen ein in meinen Heimathafen. „Hallo, Roberta!“, begrüße ich meine liebste Kellnerin in meinem Stammcafé. „Matze, wir haben schon auf dich gewartet!“, strahlt sie mich an. Und ich? Fühle mich ein wenig schlecht, wie ein untreuer Ehemann, der seine Gattin betrogen hat. Ich grüße all diejenigen, die auch immer hier sind und freue mich über den duftenden Kaffee, der mir gereicht wird. Schön, wieder zu Hause zu sein!

Vielfalt hin, Abwechslung her

Die Vielfalt all der Cafés, Bars, Restaurants und Kneipen in Frankfurt lässt die Wahl leicht zur Qual werden. Ein ganzes Leben reicht wohl nicht, um überall einmal einen Kaffee getrunken, ein Stück Kuchen gegessen zu haben. Kaum hat man erstmal einen Laden gefunden, in dem man sich pudelwohl fühlt, kaum hat man sich erst einmal mühevoll durch hartnäckige Besuche den Status eines Stammkunden „erarbeitet“ – da nagt schon wieder das schlechte Gewissen. Zumindest an mir.

Doch haben mir meine beiden Exkursionen der letzten Tage gezeigt:
Ich hätte nichts weiter verpasst außer das wohlige Gefühl, „zu Hause“ zu sein.
Ich kann mich glücklich schätzen, meine liebsten Fleckchen Frankfurts bereits entdeckt zu haben – und nehme dafür künftig nur allzu gern in Kauf, all die anderen sträflichst zu vernachlässigen.

Stammgast zu sein: Das ist nicht langweilig, das ist ein großes Glück. Und ständig an denselben, schönen Orten rumzuhängen großartig! 

Seid ihr meiner Meinung? Seid ihr auch so gerne Stammgast, oder habt ihr Freude daran jeden Tag neue Cafés und Bars entdecken zu können? Ist es euch wichtig, dass man euch kennt – oder könnt ihr es genießen, ein Unbekannter unter Vielen zu sein? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

 

 

Nichts zu meckern.

„Ach, nun warte mal ab!“, tröstete mich die mir wohlvertraute Stimme meiner Mutter am Telefon. „Irgendjemanden wirst du schon treffen – sagst du nicht selbst immer, Frankfurt sei ein Dorf?“

Es war Montagabend, ich hatte gerade Feierabend und berichtete der besten Mama der Welt via Ferngespräch von meinen Plänen für den morgigen Tag. Beziehungsweise Nicht-Plänen, denn weder war ich verabredet noch hatte ich irgendetwas vor, als mich durch die Stadt treiben zu lassen. Außerdem, da klagte ich über die kreative Flaute in meinem Kopf: Ein großes Projekt war gerade abgeschlossen, mein Gehirn befand sich offensichtlich im „Leck‘ mich“-Modus.

Ein Tag später: 

Der Wecker klingelt – ja, moment mal, ich hab‘ doch frei?! – verdammt, wieder einmal nicht geschafft, auszuschlafen. Nein, auch am freien Tage will die Disziplin gewahrt werden, will sich sportlich betätigt werden. Also: Erst den Wecker verfluchen, anschließend mich für meinen Ehrgeiz, Mein Gewissen zerrt mich aus dem Bett. „Wenn ich irgendwann mal groß bin, dann lern‘ ich das mit dem Entspannen mal“, schwöre ich mir noch, als ich nach einem schnellen Kaffee in die Laufschuhe schlüpfe.

Zehn Kilometer später, heiß und ausgiebig geduscht:

Ich entsinne mich an die Worte meiner Mutter, als ich einen neuen Schwarzweißfilm in meine Kamera einlege und mich auf den Weg zum Römerberg mache. Den diesjährigen Weihnachtsbaum will ich mir anschauen, der in einigen Wochen schon die glühweinseligen Massen überragen soll.

Meine Freunde dürften ihre Mittagspause beendet haben und wieder im schlecht klimatisierten Büro sitzen, als ich vor der mächtigen Tanne aus dem Sauerland stehe. Dass der Baum auch in diesem Jahr den Transport nicht ganz unbeschadet überlebte, sieht man ihm kaum an.

Ja, entgegen des weitläufigen Trends habe ich dieses Jahr tatsächlich nichts zu meckern; der Baum ist groß, grün und nadelig – und wird obendrein gerade dekoriert:

Ein Kran fährt gerade eine Plattform an den Baum heran, auf der ein Weihnachtskugel-Aufhängarbeiter (macht der das hauptberuflich?!) damit beschäftigt ist, den Baum tauglich für die besinnlichen Tage zu machen.

Ich zücke meine Kamera, möchte diesen Moment gern dokumentieren.

Doch Moment mal…

Welch Mann im Anzug läuft mir denn da gerade in den Auslöser? Das ist doch nicht etwa…? Doch, genau der ist es.

Peter Feldmann, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, marschiert querbeet über den Römerberg. Einfach so, ohne Bodyguards in schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen. Ich lasse meine Kamera sinken.

„Ja, schönen guten Tag auch, Herr Feldmann!“, grüße ich unser nicht immer unumstrittenes Stadtoberhaupt. „Sie hier?“

Der Bürgermeister macht kurz Halt. „Ja, sicher – ich arbeite schließlich hier!“. Ich reiche ihm die Hand. „Schön, Sie zu sehen – na denn einen guten Arbeitstag! Ach, und übrigens: Am Baum, da hab‘ ich nichts zu meckern!“.

Das Stadtoberhaupt lacht und reckt den Daumen.

Amüsiert und noch etwas ungläubig schüttele ich meinen Kopf, gehe wieder in die Knie, um meine Bilder zu schießen. Beschließe, anschließend ein wenig Paternoster im IG-Farben-Haus zu fahren, macht mir immer gute Laune. Beim Fotografieren treffe ich zufällig einen Kollegen, der offensichtlich auch mein Hobby teilt. Verrückt, ihn mal ohne Uniform zu sehen. Wie unverhofft und schön! Wir plauschen ein wenig, und ich hab‘ ein Grinsen im Gesicht, als ich zur Krönung des Tages mein heißgeliebtes Café Sugar Mama ansteuere.

Mama hatte Recht: 

Irgendjemand, den trifft man immer, bewegt man sich nur aufmerksam durch die Stadt. Und was zu schreiben, das hab‘ ich nun auch gefunden. Die Moral von der Geschichte? Einfach mal rausgehen, irgendwen, den trifft man immer.
Manchmal sogar den Herren Oberbürgermeister.

Und, nicht zu vergessen: Der Weihnachtsmarkt kann kommen!
Am 27. November wird er feierlich eröffnet. Vom Oberbürgermeister – ganz klar!

Adé, Anonymität? Von einer neuen Sehnsucht nach der Nachbarschaft

Ach, was war das doch früher schlimm auf dem Dorf, in dem wir groß geworden sind! Ein jeder der zweitausendeinhundertachtzehn Einwohner kannte, grüßte und beobachtete sich. Uns natürlich eingeschlossen, sodass wir stets fürchten mussten, Teil des berüchtigten Dorfklatsches zu werden.

Wer ist neulich noch nach Mitternacht über hinuntergeklappte Bürgersteige marschiert, wer hat den sonntäglichen Gottesdienst versäumt, wer hat beim Fest der freiwilligen Feuerwehr nach dem zwölften Bier ein gar unflätiges Lied angestimmt? Wer hat mit der Pfarrerstochter techtelmechtelt, wer gar die Mülltonne abweichend vom amtlichen Müllkalender vor den Vorgarten gestellt? Und überhaupt, war dessen Rasen überhaupt akkurat gemäht – oder drohten Anzeichen der Verwahrlosung und somit neuer Stoff für Klatsch in der Schlange des einzigen Supermarkts im Dorf?

Ja, es hatte seine Gründe, warum wir alle irgendwann – ob zu Beginn des Studiums, oder zum Zeitpunkt des ersten Gehalteingangs – die Flucht in die Großstadt angetreten sind.

Wir alle haben uns danach gesehnt, in jener Anonymität zu versinken, die ein Großstadtleben verspricht. Gesehnt nach dem „Endlich-tun-und-lassen-was-ich-will“, nach unserer ganz persönlichen Freiheit.

Auch ich selbst bin diesem Reiz erlegen, sehnte mich danach, nurmehr Einer von Vielen zu sein. Unbeobachtet mein Ding machen zu können, was auch immer das auch sein sollte. So wie der Großteil meiner Generation, Stichwort: Landflucht.

Die Nachbarschaft? Das sind die, denen wir allenfalls höflich zunicken, wenn wir ihnen im Fahrstuhl begegnen. Das sind allenfalls diejenigen, die unsere Pakete entgegennehmen, während wir Überstunden schieben, um uns unsere Einzimmerwohnung im Szene-Viertel überhaupt noch leisten zu können.

Auch zwischen meiner eigenen Nachbarschaft und mir waren über Jahre hinweg die flüchtigen Begegnungen im Treppenhaus die einzigen Berührungspunkte. Die laute Musik von oben, das Schlangestehen am Müllcontainer. Das in meinem Flur herumstehende Paket, das die Dame aus dem Hinterhaus doch längst abgeholt haben sollte. Meine Nachbarschaft und ich, das war ein bloßes Zurkenntnisnehmen.

 

Doch irgendwas hat sich verändert.

Vielleicht an diesem Nachmittag im Sommer, an dem ich – wie immer ein wenig spät dran – das Treppenhaus hinunter schoss, den Müllsack in der Hand. Und um ein Haar sie gekracht wäre, in die Frau aus „dem Zweiten“, die zusammengekauert auf einer Stufe saß.

Sie fasste sich an ihre Brust und atmete tief. War alles in Ordnung mit ihr? Offensichtlich nicht. „Können Sie kurz bei mir bleiben?“, fragte sich mich. „Mir ist gerade ganz komisch, ich habe Herzrasen und mir ist schwindelig“. Ich beugte mich zu ihr hinunter und kam in die Bredouille. Ich musste zum Dienst, und zwar pronto. Aber konnte ich deswegen ihr Hilfegesuch ignorieren, mit Scheuklappen von dannen ziehen? Keinesfalls.

Ich beruhigte sie, bevor ich ihr erklärte, dass ich es gerade ein wenig eilig habe. Ich bot ihr an, bei einem der Nachbarn zu klingeln. „Aber ich kenne doch niemanden hier im Haus…“, sagte sie skeptisch. „Tja“, dachte ich mir insgeheim, „ich auch nicht“.

Letztlich blieb ich bei ihr, bis es ihr besser ging. Ich rang ihr das Versprechen ab, den Krankenwagen zu rufen, sollte ihr Schwindel zurückkehren. Drückte ihre Hand und murmelte „Alles liebe!“, bevor ich sie alleine ließ. Zum Dienst kam ich natürlich zu spät.

Noch auf dem Weg zur Arbeit kam ich ins Grübeln:
Ist es nicht traurig, nicht den Hauch einer Ahnung zu haben, wer all die Menschen überhaupt sind, mit denen man sich immerhin den eigenen Lebensraum teilt? Keine Ahnung von den Geschichten zu haben, die sie zu erzählen hätten? Ja, nicht einmal zu wissen, wen man überhaupt um Hilfe bitten sollte, wenn man in Not steckt? Oder sich auch nur gerne eine Leiter borgen würde?

Welchen Stellenwert hat „Nachbarschaft“ heutzutage überhaupt noch? Und wie viel Potential liegt ungenutzt in ihr brach? Nach reiflicher Überlegung bin ich mir sicher: Nachbarschaft kann mehr als Klatsch & Tratsch.

 

Wenn ich mit offenen Augen durch mein Viertel spaziere, dann stelle ich fest:
Mit dieser Überlegung scheine ich nicht alleine.

Bunte Zettel laden ein zum Sommerfest mit „Grillparty & Cocktails für die Nachbarn oder zum spontanen Nachbarschafts-Konzert. Ein Blick auf den allabendlich gut besuchten Matthias-Beltz-Platz bezeugt: Auch Abhängen an Trinkhallen scheint wieder en vogue. Statt nach Feierabend mit Kollegen in Szene-Bars zu posen, trifft man sich mit den Nachbarn auf ein Bier am Büdchen. Dort hinterlegt man ausrangierte Bücher, vielleicht freut sich ja ein Nachbar drüber. Und wenn zu Hause mehr ausgerümpelt wird als Bücher, wird eben kurzerhand ein Hof-Flohmarkt veranstaltet. Das Viertel gibt, das Viertel nimmt. 

Auch im virtuellen Lebensraum scheint die Nachbarschaft wieder auf dem Vormarsch: Auf Facebook blühen Gruppen wie „Frankfurter Nachbarschaftshilfe“, Plattformen wie „nebenan.de“ sind soziale Netzwerke allein für Nutzer einer räumlich definierten Nachbarschaft. Auch Apps wie „nachbarschaft.net“ versprechen unkomplizierte Vernetzung und dem Nutzer schnelle Abhilfe, wenn er mal schnell ’ne Bohrmaschine oder einen Hundesitter braucht.

Dabei haben erwähnte Plattformen haben längst den Sprung aus dem Internet heraus auf die Türschwelle der Menschen gewagt; zumindest in Form von breit gestreuter Werbung. So zog ich neulich neugierig einen kleinen Umschlag aus meinem Briefkasten – adressiert an „unsere liebe Nachbarschaft“, ergänzt um meine Anschrift. Den Umschlag aufgerissen, hielt ich ein nettes, kleines Kärtchen in den Händen – welches sich dann schnell als Werbung für die Plattform „nextdoor.de“ entpuppte. Nun kann man über Postwurfsendungen geteilter Meinung sein: Doch dieser kleine Brief ist allemal Beleg dafür, dass hier nicht nur ein Bedürfnis entstanden ist, dass es zu stillen gilt – sondern mit dem gar ’ne Menge Geld zu machen scheint.

Aus Neugierde hatte ich mich angemeldet und einmal umgeschaut in meiner virtuellen Nachbarschaft, die mir in echt so fremd ist. „Babysitter im Nordend gesucht“, lese ich da. „Dringend benötigt: Starker Mann mit Bohrmaschine“. Kaum zu glauben, dass es für solcherlei Belange heutzutage kommerzielle Online-Plattformen benötigt. „Auf eine schöne, lebendige Nachbarschaft in Frankfurt am Main“ scheint jedenfalls nicht nur Werbe-Slogan , sondern gleichfalls Wunsch des urbanen Menschen.

Täusche ich mich also, oder ist da irgendwo in den Tiefen des Großstadtdschungels eine neue Sehnsucht nach dem Miteinander gewachsen? Erlebt die Nachbarschaft eine Renaissance? Eine Nachbarschaft,in der man einander kennt, sich mehr zu sagen hat als „Guten Morgen!“ und „Entschuldigen Sie die Störung, aber Sie haben doch ein Paket für mich“ ?

 

„Das Label der Urbanität ist hip geworden“ 

All diese Fragen möchte ich gern jemandem stellen, der sich damit auskennt.
Und wer sollte das schon besser als Doreen*? Die 27-jährige Frankfurterin hat urbane Kultur, Gesellschaft und Raum studiert und sich bereits in ihrer Master-Arbeit mit dem Thema „Nachbarschaft“ befasst. Heute arbeitet sie in einem städtischen Projekt, welches die Aufwertung von Wohn- und Lebenssituation sowie die Stärkung des sozialen Zusammenhangs in ausgewählten Stadtgebieten zum Ziel hat.

Ich treffe Doreen am Luisenplatz im Frankfurter Nordend. Es ist ein lauer Spätsommerabend, der Platz noch gut gefüllt: Anwohner haben es sich gemütlich gemacht auf den Bänken und Stühlen, genießen die letzten Sonnenstrahlen mit Buch in der Hand oder kaltem Bier und Gesprächen. Und durchaus passender Ort also für die Fragen, die ich ihr stellen mag.

Gude, Doreen
Wir sitzen hier mitten im Nordend, dem urbanen Hotspot einer Stadt, die sich selbst auch gern mal eine Metropole schimpft. Welche Bedeutung hat „Nachbarschaft“ überhaupt im großstädtischen Miteinander – insbesondere im Vergleich zu ländlichen Wohngebieten?

Nachbarschaft und Großstadt, das mag auf den ersten Blick nicht zusammenpassen – kein Wunder, schließlich leben oftmals in einer einzigen Straße mehr Menschen als in einem gesamten Dorf, die obendrein noch seltener in Kontakt stehen. Eine Stadt ist geprägt durch Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensstilen, von verschiedenen Kulturen und Kontoständen. Wo unterschiedliche Interessen aufeinander prallen da erscheint ein Miteinander zunächst nachrangig. Der urbane Raum hält eine Vielzahl von Angeboten wie Parties, Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung bereit. Da liegt der Gedanke nahe, eine Nachbarschaft dort sei überflüssig. Auf dem Lande besteht einfach auch eine grundsätzliche Notwendigkeit, sich zusammen zu schließen – ohne Dorffeste und Vereinsleben wäre da nämlich tote Hose!

Trotzdem rentiert sich eine gute Nachbarschaft auch innerhalb einer Großstadt. Vor allem dann, wenn Menschen selbst nicht über ausreichend Mittel verfügen, um an all den Angeboten teilzunehmen. Ich denke hierbei nicht nur an den Geldbeutel, sondern auch an den entsprechenden Gesundheitszustand oder Lebensumstand. Auch hier lohnen sich Symbiosen: Wenn die älte Nachbarin hin und wieder unentgeltlich auf das Kind ihrer anderen Nachbarin aufpasst, und diese dafür für sie einkaufen geht – dann profitieren beide Nachbarn. Noch wichtiger ist eine solche gegenseitige Unterstützung, wenn Familien weit entfernt leben. Und dies ist in Städten dann doch weit häufiger der Fall…

Das klingt für mich plausibel! Doch hast du gerade viel von hilfsbedürftigen Menschen gesprochen. Welchen Stellenwert hat denn eine funktionierende Nachbarschaft überhaupt noch für junge Menschen, die ein sehr eigenständiges Leben führen können? 

Ich kann nicht sagen, ob man man das allgemeingültig sagen kann – nur, weil wir eben die “Generation Smartphone” sind. Der Stellenwert der Nachbarschaft für den Einzelnen einfach viel mit der derzeitigen individuellen Lebenssituation zu tun.

Mehr und mehr mache ich die Beobachtung, dass Veranstaltungen wie Flohmärkte oder Grillfeste ganz explizit als „nachbarschaftlich“ gestaltet und beworben werden. Existiert vielleicht so etwas wie eine neue Sehnsucht nach der Nachbarschaft? 

Mir persönlich fällt momentan vor allem eine Hochkonjunktur des Begriffs „urban“ auf. Die Werbebranche scheint ihn als Synonym für Lebendigkeit, Vielfalt und Modernität schlechthin für sich entdeckt zu haben. Angefangen vom Lifestyle-Magazinen wie „Prinz: Das Magazin für urbane Lebenskultur“ bis hin zu Automobilherstellern wie Nissan, die eines ihrer Fahrzeugmodelle beispielsweise mit dem Slogan „Nissan Micra: Das Stadtauto, das Konventionen bricht“.

Es ist in, Produkte mit dem Label der Urbanität zu versehen. Doch so hip der Begriff momentan auch sein mag, für viele Menschen ist er gleichzusetzen mit Anonymität und Einsamkeit. Ja, wir wissen diese Anonymität zu schätzen – und trotzdem scheint eine Sehnsucht nach dem nachbarschaftlichen Miteinander in den Köpfen zu existieren. Davon profitieren zur Zeit sogar ganze Online-Plattformen!
Sie erheben diese Sehnsucht zum Geschäftsmodell. Da wundert es kaum, dass in diesem Jahr erstmals ein „Deutscher Nachbarschaftspreis“ verliehen wurde. Klingt erstmal nach einer tollen Sache – ist im Endeffekt aber lediglich eine Werbemaßnahme für die Plattform „nebenan.de“.

Das wusste ich selbst noch gar nicht! Wünschenswert, dass die Community solcher Plattformen tatsächlich von ihnen profitieren kann. Ich selbst habe bislang nie eine ausprobiert. Doch lass‘ uns mal kurz zu dir kommen: Wie viel Wert legst du ganz persönlich auf deine eigene Nachbarschaft? 

Ich selbst bin für mein Studium aus der tiefsten süddeutschen Pampa nach Frankfurt gezogen. Klar, die Anonymität der Großstadt habe ich erst einmal ausgiebig genossen. Doch schnell habe ich gemerkt: Es fällt schwierig, sich „zu Hause“ zu fühlen, wenn man Tür an Tür mit Unbekannten lebt. Wir Großstädter sind Meister darin, Unangenehmes auszublenden und uns auf uns selbst zu fokussieren. Doch macht ein solcher Tunnelblick wirklich glücklich? 

Ich beispielsweise habe mir angewöhnt, konsequent alle Ladenbesitzer und bekannten Gesichter anzulächeln. Seitdem fühle mich gleich viel wohler in meinem „Kiez“! Natürlich aber ist Lächeln kein Patentrezept für gute Nachbarschaft. Als ich mich nämlich mit meinem Nachbarn verkracht hatte, weil er gern mal ein wenig laut war – da half dann auch kein Lächeln mehr…

Zusammenfassend kann ich aber sagen: 
Wer denkt, keinen Wert auf die Nachbarschaft legen zu müssen – der sollte mal bei 7% im Handy-Akku seinen Haustürschlüssel verlieren. Das kann ein echter Augenöffner sein! (lacht) 

Danke dir für das Gespräch, Doreen! Ich sag‘ dann mal: Auf gute Nachbarschaft! 


… und was ist nun mit MEINER Nachbarschaft?

Ja, auch ich merke, wie ich mich nach einer guten Nachbarschaft sehne. Wie oft wäre es schön, nach einem langen Arbeitstag noch ganz gemütlich auf einen Plausch beim Lieblings-Nachbarn vorbeischauen zu können, statt sich noch einmal auf den Weg in die Stadt zu machen, um Freunde zu treffen?

Auch die Weihnachtszeit steht mittlerweile vor der Tür. Ist denn ein vom und für den „Kiez“ veranstalteter Weihnachtsmarkt nicht gleich um Welten besinnlicher als ein eiliges Schieben und Drängeln vor der Glühweinbude am Römerberg?

Ich muss Doreen recht geben. Auch ich wünsche mir Nachbarschaft als eine wertvolle Symbiose, ein Geben und auch Nehmen.

Ich bin gern bereit, zu geben – weit mehr als nur meine Steckdose, wenn des Nachbarn Handy-Akku leer ist. Ja, ich wünsche mir ein wenig mehr Beschaulichkeit und Vertrautheit im oft so anonymen großstädtischen Gefüge.

 

 

Und damit scheine ich nicht alleine. Nachbarschaft hat Zukunft – da bin ich mir ganz sicher… 

 

Nun seid ihr GEFRAGT:
Welchen Stellenwert hat „Nachbarschaft“ für euch? Ignorieren, nett im Flur grüßen – oder ist da doch ein wenig mehr? Welche Erfahrungen habt ihr machen können? Ich bin gespannt auf eure Geschichten aus der Nachbarschaft!

*Name vom Verfasser geändert

Von alten Sendern und der Luftabwehr: „Lost Places“ am Heiligenstock

Für ein Projekt für das Stadtmagazin „Frankfurt, du bist so wunderbar“ war ich neulich gemeinsam mit einer Kollegin auf der Zeil unterwegs, um 100 Frankfurter nach ihren Lieblingsorten zu befragen. Das war gleichermaßen aufregend, anstrengend wie aufschlussreich: Welche Orte die Befragten wohl nennen würden?

Am Ende haben wir ganze 65 verschiedene Lieblingsorte von den 100 Befragten genannt bekommen. Manche der Antworten haben mich schlicht verwundert (Die Zeil als Lieblingsort? Echt jetzt?), überraschend oft wurden allerdings auch Namen von Cafés & Bars genannt, die auch mein Herz haben höher schlagen lassen.

Gastronomiebetriebe als Lieblingsort?

Doch sind auch Cafés und Bars letztlich nur Orte des Konsums. Es stimmt mich nachdenklich, dass offensichtlich vielen Frankfurtern als erstes Gastronomiebetriebe in den Sinn kommen, wenn sie an ihren liebsten Ort denken.

Wir kennen all die Szene-Cafés der Stadt, in denen wir mit Vorliebe herum-hipstern. Immer präsent sein, stetig am konsumieren, ein schneller Post auf Instagram.
Latte Macchiato, Pastrami & W-LAN: Fertig ist er, der Lieblingsort unserer ach so urbanen Generation. Nein, auch ich bilde hier nicht immer eine Ausnahme.

Umso schöner und überraschender aber war der Lieblingsort, den ich dem 17-jährigen Yannick entlocken konnte, der es sich auf einer Bank inmitten der Zeil gemütlich gemacht hatte. Ein netter Kerl, dessen Alltag vermutlich noch eher aus Klausuren denn aus 3rd-wave-coffee bestehen dürfte. Ohne lange nachdenken zu müssen verriet er mir nämlich ein ganz besonderes Fleckchen Frankfurts. Café, Szene-Bar oder Konsumtempel? Pustekuchen! 

„Wann immer ich Zeit für mich brauche, fahre ich zu den Ruinen des alten Senders Heiligenstock und setze mich auf eines der verfallenen Fundamente. Von dort aus den Sonnenuntergang zu beobachten, ist ein wunderschöner Moment! Kennst du die Ruinen?“

Nein, ich kannte nicht. Zwar hielt ich mich bislang für recht bewandert, was meine Heimatstadt anbelangt – doch ich hatte keine Ahnung, wovon Yannick sprach. Die Ruinen einer alten Sendeanlage als Lieblingsort: Diese Antwort wich dann doch angenehm von denjenigen der vielen zuvor Befragten ab.

Wieder einmal ward meine Neugierde geweckt. Yannick versuchte sich bereitwillig an einer Wegbeschreibung zu den Ruinen: „Am Lohrberg vorbei, am alten Zollhaus links in Richtung Nidda, mitten auf dem Berger Rücken“.

Ich bedankte mich recht herzlich – und beschloss, diesen „Lost Place“ schnellstmöglich auch für mich zu entdecken.

Die kurze anschließende Recherche ergab:
Der Sender Heiligenstock war von 1926 an in Betrieb und versorgte das Sendegebiet mit einer 122 Meter hohen Antenne mit Mittelwellenrundfunk, bis sie 1967 dann dem inzwischen ebenfalls eingestellten Sender Weißkirchen weichen musste. Die Antenne wurde abgerissen – übrig blieben Fundamente und die Ruine des Technikgebäudes…

 

Planlos über Stock & Stein

Man mag es kaum glauben, doch auch im Jahr 2017 gibt es noch Orte, die nicht auf Google Maps verzeichnet oder auf Yelp gelistet sind. Als ich mich aufs Fahrrad schwinge, um den Überresten des Senders einen Besuch abzustatten, muss ich mich auf Yannicks Wegbeschreibung verlassen.

Bis zum alten Zollhaus finde ich ohne Probleme – doch wo genau nun links abbiegen? „Am Heiligenstock“; dieser Straßenname liest sich gut und zielversprechend. Der Oktober zeigt sich von seiner schönsten Seite, als ich auf schmalen Pfaden rolle, stetig Ausschau halte nach irgendwelchen Ruinen.

Ich erreiche Felder, der Blick reicht bis in den Taunus – nur irgendwelche Betonfundamente vermag ich auch nach einer knappen Stunde nicht zu entdecken. Dafür aber einen alten Mann, der sich seinen Weg quer über die Wiese bahnt. Ich spreche ihn an, wir kommen ins Gespräch.

„Der alte Sender?“, fragt er und schmunzelt. „Da sind Sie hier aber ganz falsch!“. Auf der falschen Seite zumindest, vom Friedhof, ich solle doch den Weg noch einmal zurück fahren. Dann auf die andere Seite des Friedhofes am Heiligenstock wechseln, und ich würde endlich fündig. Wir unterhalten uns noch ein wenig. Sein Hund sei gestorben, nun bleibe ihm nichts anderes übrig, als alleine seine Runden zu drehen. Aber frische Luft, die halte eben fit. Ich bedanke mich herzlich, trete wieder in die Pedale.

Eine weitere halbe Stunde späte weckt eine bunte, große Mineralwasserflasche erste Zweifel in mir, auf dem richtigen Weg zu sein. Hatte ich diese Flaschen-Statuen nicht immer in Bad Vilbel gesehen? Ein Ortsschild verfasst Gewissheit: Verdammt, ich bin zu weit. Und mittlerweile in Bad Vilbel gelandet. Ich ärgere mich und werde ungeduldig, doch aufgeben zählt nicht. Ich treffe einen weiteren Mann, diesmal mit Hund.

Er verspricht, mir weiter zu helfen. Wieder zurück, dann aber doch bitte rechts halten und querfeldein. Abermals ein großes Dankeschön, abermals schnurstracks zurück, ich biege seiner netten Auskunft gemäß rechts ab und finde mich erneut ziemlich verloren inmitten einer großen Wiese vor. Nur dass dieses Mal auch ein Mann mit Metalldetektor einsam über die Felder streift. Ich bin beruhigt, bin wohl doch nicht der einzige hier, der auf der Suche nach irgendetwas ist.

Die Zeit verstreicht, die Verzweiflung wächst. Sollte mir Yannick einen Bären aufgebunden haben? In der Ferne kann ich den Europaturm und die Sozialbauklötze des Frankfurter Bergs erspähen, und – Gott sei Dank, einen Spaziergänger! Doch Moment mal, ist das nicht… der einsame Mann ohne Hund!

 

… und irgendwann dann doch gefunden!

Als ich ihn erreiche, muss er laut lachen. „Sagen Sie jetzt nicht, Sie seien immer noch auf der Suche?“. Ich sage nichts, er versteht. „Dann führe ich Sie jetzt persönlich hin!“. Ich bin dankbar, steige vom Fahrrad und trotte fortan treudoof an seiner Seite. Er erzählt mir vom Krieg, wie viel Munitionsreste er bei seinen Spaziergängen selbst schon in den Feldern entdeckt habe. Und vom alten Sender, an den er sich noch erinnern kann….

Meine Freude ist groß, als ich endlich vor einem alten Wachhäuschen stehe, das Graffiti-Künstlern als Leinwand diente.

„Und sehen Sie den Beton-Klotz da?“ Klar tue ich das. „Das sind Fundamente der Flugabwehr der Wehrmacht. Bis heute hat sich niemand dazu berufen gefühlt, sie zu entfernen“. Ich erkunde neugierig die Relikte aus düsterer Zeit. Unheimliche Zeitzeugen. Wenig später dann haben wir unser Ziel erreicht: Die Überreste des alten Senders Heiligenstock.

Gut zu erkennen sind tatsächlich heute noch die vier Betonsockel, auf dem einst die Stahlstreben des Turmes ruhten. Auch die Verankerungen, an denen der Sendeturm einst abgespannt war, haben die Zeiten überdauert. Das verfallene ehemalige Technikgebäude aber zieht mich zweifelsfrei am meisten in seinen Bann. Nur noch Ruine, Überreste eines Lagerfeuers vor dem Eingang. Irgendwie unheimlich. 

Auch hier haben Graffiti-Künstler die alten Mauern als Leinwand genutzt, zaubern diesem abgelegenen Ort ein ganz besonderes Flair. Ich mache ein paar Fotos und lächele.Ich kann mir gut vorstellen, wie einzigartig es sich anfühlen muss, von hier aus einsam den Sonnenuntergang zu genießen.

Klar, ich hätte diesen freien Nachmittag auch wie so oft mit Buch und Cappuccino im Café verbringen können. Doch wäre ich vom Café-Besuch hinterher gleichermaßen fasziniert gewesen? Hätte ich anschließend das tolle Gefühl verspürt, nach langer Suche endlich etwas gefunden zu haben?

 

Eindrücke mit Nachhall

Dieser Ort ist ein ganz besonderer, den ich ohne Yannick wohl niemals entdeckt hätte. Und dafür sag‘ ich „Danke!“, genau wie dem Spaziergänger – der zwar keinen Hund mehr hatte, dafür aber jede Menge spannendes zu erzählen. Die schönsten Orte jedenfalls, das sind doch die, die Emotionen wecken. Stumme Zeitzeugen, die nicht nur kurzzeitige Bedürfnisse befriedigen (Durst! Hunger!)

Ob all die Leute, die als ihren Lieblingsort die Zeil angaben (WTF?!) ahnen, welch versteckte Überraschungen die Stadt sonst noch so bereithält? Die Eindrücke, die ich an diesem Tag im Herbst erhalten durfte, die hallen nach – so wie einst die Rundfunkwellen des alten Hörfunksenders…

Habt denn auch ihr einen Lieblingsort, den man nicht einmal bei Google Maps finden kann? Der rund um die Uhr für euch ganz kostenfrei geöffnet hat, euch immer wieder eine wohlige Gänsehaut beschert? Einen Ort, an dem ihr Einsamkeit sogar genießen könnt?

Dann scheut euch nicht, ihn mir zu verraten! Ich nämlich hab‘ so richtig Lust darauf bekommen, das nächste Relikt aus alten Tagen zu entdecken….

 

„Frankfurt fragt mich“: Ideenplattform mit Schwächen

Die Demokratie als wertvollste Errungenschaft und Grundlage unseres Staates, sie ist in diesen Tagen wohl präsenter in je:

Am 24. September dürfen 61,5 Millionen Wahlberechtigte von ihrer Möglichkeit über die Mitbestimmung über die künftige Zusammensetzung Gebrauch machen; auch Frankfurter Straßenzüge scheinen von Wahlwerbung geflutet. Seit Wochen bestimmt der Wahlkampf bestimmt Fernsehen und Nachrichten…

Doch Demokratie beginnt nicht erst auf Bundesebene. Die Möglichkeit zur Gestaltung des eigenen Umfelds, zum Einbringen eigener Ideen und Impulse – sie beginnt bereits vor der eigenen Haustür.

Auch Demokratie muss natürlich mit der Zeit gehen.

Ausgerechnet unsere hassgeliebte Stadt Frankfurt am Main hat mit der Ideen-Plattform „Frankfurt fragt mich!“ eine überaus zeitgemäße Plattform geschaffen, auf der ein jeder Frankfurter Vorschläge und Ideen zur Stadtentwicklung und -Gestaltung einbringen kann und soll.

Bei entsprechender Unterstützung durch andere Bürger sollen die Ideen anschließend dem Magistrat vorgelegt werden.

Politik machen für Hintz & Kuntz, ganz bequem vom Sofa aus – ’ne uneingeschränkt dufte Sache also?

 

Mitnichten, wie ich unlängst erfahren durfte.

Ich selbst treibe mich oft – gern auch aus purer Langeweile! – auf der Ideen-Plattform herum. Dort gepostete Vorschläge Frankfurter Bürger haben zumindest regelmäßig hohen Unterhaltungswert (Straßenbahnschienen bepflanzen! Ticket-Schranken für U-Bahnhöfe! Sauf-Kneipen verbieten! Innerstädtischer Schiffslinienverkehr für alle!).

Oftmals, da finden sich aber auch so richtig gute Vorschläge für eine lebenswertere Stadt Frankfurt am Main. So wie dieser hier, in dem eine Frankfurterin sich für die Eröffnung eines eigenen Radweges auf der Einkaufsmeile Zeil ausspricht.

Auch ich nutze bevorzugt das Fahrrad, wenn ich in der Stadt unterwegs bin – und umfahre die Zeil meist großräumig. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, sich in abenteuerlichen Schlangenlinien in Schrittgeschwindigkeit den Weg durch im Konsumrausch taumelnde Tütenträger zu bahnen, dann bin ich anschließend immer wieder gleichsam verwundert und froh darüber, keine Schäden verursacht oder davongetragen zu haben. Was sollte also näher liegen, als einen kleinen, zwei Meter breiten Streifen auf der Zeil für Radfahrer zu reservieren?

Allen wäre gedient: Die Radfahrer müssten keine wilden Ausweichmanöver mehr durchführen, die Passanten könnten ungestört und rücksichtslos vor sich hin flanieren und bräuchten nicht um ihre Sicherheit bangen. Super Sache also! Ich klicke umgehend auf „Ich unterstütze diese Idee“.

 

Blöde nur, dass ich damit recht alleine bin.

Außer mir hat die Idee nämlich innerhalb der Frist nämlich nur 5 (!) weitere Unterstützer gefunden. Nötig wären 199 davon; denn erst ab 200 Unterstützern einer eingereichten Idee findet ein Vorschlag seinen Weg zur Magistratsvorlage.

Woran liegt’s also? Die Idee ist so naheliegend wie gut – ist etwa die Plattform zu unbekannt? Die Messlatte für ein Weiterreichen in die zuständigen Gremien der Stadtverwaltung zu hoch?

Diese Frage wollte ich beantwortet wissen – und verfasste am 3. Juli diesen Jahres – also vor gut zwei Monaten – folgendes Schreiben an das für die Plattform zuständige Amt für Informations- und Kommunikationstechnik:

 

Meine liebe Heimatstadt,
liebes Amt für Informations- und Kommunikationstechnik,

zunächst einmal:
Herzlichen Dank für den Betrieb des Bürgerbeteiligungs-Portals „Frankfurt fragt mich“! Ich freue mich sehr darüber, dass auch Frankfurt am Main seinen Bürgern eine zeitgemäße Plattform bieten möchte, um deren Ideen für eine lebenswertere Stadt zu sammeln. Dass für uns Frankfurter eine Möglichkeit bereitstellt, die eigene Stadt zu gestalten und in Kontakt zu Magistrat und Entscheidungsträgern zu treten.

Sporadisch, aber immer wieder gerne schaue auch ich hier vorbei. Und manchmal, da entdecke ich zwischen hanebüchenen Wünschen auch Ideen, auf die ich hätte selbst kommen können. Die sich meiner prompten Unterstützung sicher sein können, wie beispielsweise dieser hier:

https://www.ffm.de/frankfurt/de/ideaPtf/45035/single/634

Auch ich bewege mich bevorzugt mit dem Fahrrad durch die Stadt. Und auch ich erlebe oft so manches Abenteuer, wenn ich versuche, auf zwei Rädern die Zeil zu überqueren. Und immer wieder schlage ich drei Kreuze, wenn ich mein Ziel erreicht habe, ohne dass ich selbst oder Passanten zu Schaden gekommen sind. Ohnehin ist es im Interesse einer allgemeinen körperlichen Unversehrtheit anzuraten, nur in Schrittgeschwindigkeit zu fahren, sodass man eigentlich auch gleich schieben könnte.

Welch Erleichterung wäre da doch eine separate „Fahrradspur“ auf unserer großen Einkaufsstraße! Das dachte sich auch eine weitere Bürgerin, die diese Idee auf dieser Plattform veröffentlichte. Und ich persönlich finde: Das ist die beste Idee überhaupt!

Für mich als Laien ist sie durchaus einfach und ohne großen Kostenaufwand umsetzbar und lässt sowohl Flaneure zu Fuß als auch Fahrradfahrer profitieren. Auch nach mehrmaligem Überlegen will mir jedenfalls kein rechtes Argument dagegen einfallen.

Doch, so muss ich sehe, hat die Idee auch nach knapp vier Wochen des Einreichens nur schlappe fünf Unterstützer sammeln können. Nötig für eine Weiterleitung an die zuständigen Gremien des Stadtparlaments wären indes 200 (!) Unterstützer, ergo die vierzigfache Menge an Unterstützern.

Und genau deswegen möchte ich Ihnen gerne schreiben:

Gilt es nicht zu überlegen, ob die Hemmschwelle von 200 Unterstützern je Idee nicht ein wenig hoch gegriffen ist? Oder wäre vielmehr ein massiver Ausbau des Bekanntheitsgrades der Plattform vonnöten, um überhaupt einen ausreichenden Anteil der Frankfurter zu einer Beteiligung auf dem Portal zu bewegen?

Ich persönlich finde es schade, dass unter den derzeitigen Umständen auch die besten Ideen stets im Sande verlaufen. Und wer will es all den Beteiligungswilligen verübeln, wenn sie sich vom Portal aufgrund negativer Erfahrungen („bringt ja eh nichts“) recht schnell wieder abwenden?

Ich würde mich sehr freuen, würden Sie mir mitteilen, ob auch Sie sich bereits entsprechende Gedanken gemacht haben. Und ob ein Weg gefunden kann, der eine Weiterleitung einer guten Idee an die jeweiligen Entscheidungsträger auch ohne entsprechend viele Unterstützer erfolgen kann.

Bis dahin herzliche Grüße aus dem Nordend und besten Dank für Ihre Arbeit für die Stadt und ihre Bürger!

 

Neugierig wartete ich auf eine Antwort. Ich rechnete nicht ernsthaft mit einer postwendenden Antwort; schließlich mahlen die Mühlen der deutschen Bürokratie bekanntlich langsam, aber gründlich.

Nun ja, nach einem Monat wurde ich dann doch ein wenig ungeduldig. Fragte am 2. August nochmals freundlich nach, ob ich denn irgendwann noch mit einer Antwort rechnen dürfe.

 

Und ich erhielt Post! Mein Rufen wart gehört!

Und zwar noch am selben Tage:

Sehr geehrte Herr…. ,

Ihre Mail ist über die Mängelmelder-Plattform bei uns eingegangen.Wir leiten sie nochmals an das zuständige Fachamt weiter.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Team von FRANKFURT FRAGT MICH

 

„Naja“, dacht‘ ich mir, „kann ja mal was untergehen im Behördendschungel. Und wartete weiter auf Antwort. Und wartete… und – ja, genau! – wartete.

Heute ist der sechste September. Mehr als ein weiterer Monat ist vergangen.

Passiert ist seitdem: Nichts. Keine Reaktion mehr vonseiten des Betreibers der Plattform. Wie schade eigentlich!

Schade, dass die Stadt erst eine solch innovative Möglichkeit für eine unkomplizierte Bürgerbeteiligung erschaffen hat – und diese dann behandelt, als sei sie ein ungeliebtes Kind. Zudem scheint mir die Plattform auch recht unbekannt.

Hey, da steckt ’ne Menge Potential drin – warum nur lässt das Amt für Kommunikation und Informationstechnik dieses brachliegen wie Bauland in Brandenburg?

Wieso ist eine Hürde von 200 Unterstützern vonnöten, um eine Idee an die zuständigen Gremien weiterzuleiten? Wie sollen Bürger zur Nutzung des Portals bewogen werden, wenn ihre Ideen deswegen sowieso keinerlei Gehör finden werden?

Liebes Amt für Kommunikation und Informationstechnik:

Das kannst du doch sicher besser! Vielleicht erst mal kleine Brötchen backen und sich des Portals erst einmal ernsthaft annehmen. Kleiner Tipp: Auch Mails beantworten kommt gut an!

Dass die Stadt auch gut kann mit diesem diesem Social Media, stellt deren Facebook-Auftritt unter Beweis. Dort wird sich gekümmert, dort verhallen Bürgerrufe nicht im luftleeren Raum.

Wäre doch schade, wäre „FRANKFURT FRAGT MICH!“ weiterhin nur wenigen bekannt und aufgrund der nicht nachvollziehbaren 200-Unterstützer-Hürde mehr Frustbringer als eine echte Möglichkeit zur Gestaltung eines Frankfurts, in dem wir gut und gerne leben (frei nach dem Motto einer großen deutschen Partei).

(c) Stadt Frankfurt am Main 

 

Und ihr so?

Habt auch ihr „FRANKFURT FRAGT MICH“ schon genutzt? Wie waren eure Erfahrungen dabei? Welche Wünsche und Erwartungen habt ihr an die Plattform?

Ich freu‘ mich auf eure Kommentare.

Und werde nun brav weiter auf eine Antwort warten.
Die Hoffnung, sie stirbt bekanntlich zuletzt…

 

 

Die Stunde der Unschuld

In einem meiner Lieder hatte ich Frankfurt jüngst als „Diva, die nie schläft“ bezeichnet. Dies ist ganz sicher richtig, aber dennoch:

Es gibt da einen einzigen Moment in der Woche, eine einzige Stunde, in dem die Stadt so jungfräulich und verlassen wie sonst nie. In der eine seltsame Ruhe herrscht, die Straßen leergefegt. Eine Stunde, in der selbst Frankfurt ein wenig unschuldig wirkt.

Es ist die Stunde am Sonntagmorgen, 06.30 Uhr.
Der durchschnittliche Frankfurter befindet sich noch irgendwo im Reich der Träume. Endlich einmal ausschlafen. Oder aber, er ist gerade erst ins Bett gefallen, ob ins Eigene oder das einer nächtlichen Bekanntschaft. Schläft seinen Rausch aus nach einer glückseligen, langen Nacht der wilden Feierei.

Ich indes wäre auch lieber im Bett und würde selig schlummern, aber es hilft ja nichts: Dienst ist Dienst, Frühschicht ist Frühschicht – und ein ansehnlicher Sonntagszuschlag (steuerfrei, versteht sich!) entschädigt mich dafür, dass mich mein zur Unzeit klingelnder Wecker aus meinen Träumen gerissen hat.
Und außerdem, da darf ich diesen Moment erleben, der den Allermeisten verwehrt bleibt:

Die Stunde der Unschuld.

Kalte Dusche, notdürftig die Frisur herrichten, zwei schnelle Tassen Kaffee. Rucksack schultern, ein letzter Blick in den Spiegel. Auf geht’s, die Pflicht ruft.
Ich trete aus dem Haus, hey Frankfurt, auch schon wach?

Am Matthias Beltz-Platz zeugen jede Menge leere Bier- und Weinflaschen von den Geschehnissen der letzten Nacht. Einige davon zertrümmert, und auch der Mülleimer schaut nicht mehr ganz gesund aus: Schwarz und deformiert, kaltes Plastik auf dem Asphalt. Hat wohl wieder mal jemand angezündet.

Die Stadt, sie wirkt verwundet, irgendwie. Gleichsam aber endlich einmal in Ruhe gelassen, von all den Menschen, von all der Hektik, die sie ansonsten permanent in ihren Straßen versprühen. Ich steige aufs Rad, auf dem Baum über dem Fahrradständer höre ich Vögel singen.

 

Rolle die Friedberger Straße hinab, werfe einen Blick nach hinten: Kein Auto weit und breit, der Blick nach vorn: Kein Auto bis zum Horizont. Ein ganz und gar surrealer Anblick, weiß man, welch Blechlawine hier ansonsten das Straßenbild bestimmt. Die Ampel indes, die wechselt ungeachtet dieser Tatsache dennoch ganz pflichtgemäß munter zwischen Grün, Gelb und Rot umher.

Die Straßenbahnhaltestelle zieht vorbei, die Anzeige verrät:
Nächste Straßenbahn in 22 Minuten. Was ansonsten sofortige Empörung, zahlreiche Taxi-Bestellungen und Beschwerde-Mails an die VGF nach sich ziehen würde, interessiert in dieser Stunde jedoch keine Sau.

Auch mich nicht, bin ja schließlich mit dem Fahrrad unterwegs. Ich erreiche das Hessendenkmal, biege rechts ab. Auf den Tischen des Phuket Thai-Imbiss kauern diejenigen, die es nicht mehr nach Hause gepackt haben. Wo ansonsten dampfende Teller von Udon-Suppe und Hühnchen-Curry stehen, präsentieren sich grüne Flaschen eines weithin bekannten Kräuterlikörs aus Wolfenbüttel. Ehe ich mir die Frage stellen kann, wo Wolfenbüttel eigentlich liegt, passiere ich die Große Friedberger Straße.

Guten Morgen Zeil, du sündige Meile des Konsums. 

Leere Flaschen treiben im Brunnen, zeugen von Freuden und Exzessen der letzten Nacht. Einige sind zerschlagen –  ja, auch Aggressionen und Gewalt hat es sicher wieder gegeben in der letzten Nacht. Das übliche Gehabe junger Männer, zu viel Frust, zu viel Energie.

Die Morgensonne streichelt mein Gesicht wie auch das Pflaster der Zeil. In den Eingängen der Geschäfte liegen reglose Gestalten auf Pappkartons. Die Geschäfte, die werden heute einmal nicht öffnen, gönnen sich einen einzigen Tag lang eine Verschnaufpause. Amazon wird’s freuen. Und auch die schlafenden Gestalten, die ihre Eingänge säumen, die scheinen endlich ihren Frieden gefunden zu haben. Wenn auch nur für kurze Zeit.

Cafés und Lokale sind noch verrammelt, Tische und Stühle brav zusammengeklappt und angekettet. Nicht mehr lange wird es dauern, und die beflissentlichen Kellner werden sie wieder aufstellen, damit die Frühaufsteher zum Sonntagsbrunch ausströmen können. „Entspannt in den Sonntag starten“, wie sie so schön zu sagen pflegen. An Entspannung ist bei mir derweil nicht zu denken, ein langer Arbeitstag liegt vor mir. Ich schalte einen Gang hinunter, die Talfahrt ist beendet.

Hallo Hauptwache, ich biege halb links ab, erreiche das Bahnhofsviertel. Passiere das „AMP“, wo wenige Stunden zuvor ganz sicher noch lauter Techno die Stille der Nacht zerrissen hat. Biege ein in die Münchner Straße. In einem Hauseingang entdecke ich Leben in Form eines eng umschlungenen Paares. Leidenschaftliche Küsse, wenn auch beide nicht mehr ganz standfest auf den Beinen scheinen.

Wenige Meter weiter, ich spähe im Vorbeifahren durch die geöffnete Tür einer Kneipe. Am Tresen sitzt jemand, offensichtlich Inhaber, ’ne Menge Scheine in der Hand. Er zählt die Einnahmen der letzten Nacht – ob es sich wohl gelohnt hat für ihn? Bald wird auch er im Bett liegen, vielleicht wird auch er endlich noch ein Bier trinken können nach all dem Trubel der letzten Nacht, all seinen Gästen auf der Suche nach dem Irgendwas. Im Zweifel dem Vergessen.  

Ich weiche Erbrochenem auf der Straße aus. Auch dies ein seltener Anblick, ich weiß genau: Es dauert nicht mehr lange, bis die fleißigen Jungs der FES mit Dampfreinigern dafür sorgen werden, dass selbst die Straßen des Bahnhofsviertels wieder aussehen werden wie geleckt. So, als wäre hier nie etwas passiert, als habe nie etwas stattgefunden auf diesem „heißen Pflaster“.

Ich zucke zusammen, als ich – noch ein wenig schlaftrunken – in eine Gruppe bärtiger Männer fahre, bekleidet im strahlenden Gewand samt Takke, der traditionellen Kopfbedeckung für das muslimische Gebet. Sie sind auf dem Weg zum Frühgebet in die nahe gelegene Moschee.

„Was muss das für ein Glaube sein, der einen bereits zu dieser Unzeit zum Gebet treibt“, denk‘ ich mir. Mein Glaube, der gilt in diesem Moment allerdings allein dem pünktlichen Dienstantritt sowie dem damit verbundenen pünktlichen monatlichen Gehaltseingang. Living for capitalism. 

Mein Ziel ist erreicht, die Hallen des Hauptbahnhofs erstrecken sich  vor meinen Augen und erbieten Ehrfurcht. Ich schließe mein Fahrrad an, eile hinab in die B-Ebene. Die Treppen sind gesäumt von den ärmsten Existenzen unserer Stadt. Ja, selbst die Junkies haben einen kurzen Moment lang Schlaf und Ruhe gefunden. Es wird nicht mehr lange dauern, und ihre Sucht wird sie aufwecken, wird sie dazu bringen, all ihre restliche Kraft aufzuwenden, um an den nächsten Stein, den nächsten Schuss zu bekommen.

Der Moment, in dem selbst Junkies schlafen. Der Moment zwischen dem letzten Drink einer durchgefeierten Nacht und den ersten Anzeichen sonntäglicher Aktivität, den ersten Radfahrern, die mit verschlafenen Augen ihre Touren beginnen,den ersten Joggern, die die Gunst der frühen Stunde nutzen möchten – dieser Moment ist nur von kurzer Dauer. Dieser Moment ist wohl der einzige, in der die Stadt dem Menschen ganz unschuldig zu Füßen liegt. Verletzt, erschöpft und ruhig.

Es ist eine ganz eigene Art der Romantik. Doch sie erleben zu dürfen macht es allemal wett, überhaupt wach sein zu müssen in dieser Stunde. Sonntagmorgens, Sechs Uhr Dreißig.

 

Die Rolltreppe speit mich herauf auf die Bahnsteige des Hauptbahnhofs.

Erstmals bin ich wieder mittendrin im Leben.

„Meine Damen und Herren auf Gleis 9, der InterCityExpress nach Berlin verspätet sich aufgrund eines Böschungsbrandes um voraussichtlich 15 Minuten…“ 

Trolleys schleifen auf dem Bahnsteigpflaster, Reisende starren ungeduldig auf die Uhr. Der Hauptbahnhof, wohl tatsächlich der einzige Ort, an dem gerade alles ist wie immer.

Wenn ich heute Abend meinen Dienst beendet haben werde und nach Hause radeln werde, dann wird der Kaisersack wieder von den üblichen Gestalten bevölkert, werden die Lokale auf der Kaiserstraße wieder gefüllt sein. Die Menschen werden sich sich dann doch irgendwie aus dem Bett gequält, den Sonntag verbracht haben. In Museum oder Kino, auf Fahrrad oder Sofa. Und abends dann noch zum Essen oder Trinken treffen, der Ausklang eines Wochenendes.

Sie alle werden morgen wieder ihrem Alltag nachgehen. Am Montagmorgen, wenn auch die Friedberger Landstraße wieder von Autos verstopft, die Zeil dem Shopping-Rausch erlegen sein wird.

Doch dann, so lächele ich in mich hinein, werde ich noch ’ne ganze Weile lang im Bett liegen. Und endlich einmal selbst ausschlafen. 

 

 

 

Unter Touristen unterwegs: Bei der „Free alternative walking Tour“ in Frankfurt

Dass ein kleiner Perspektivwechsel niemals schaden kann und oftmals mancherlei Erkenntnisse hervorbringt kann, ist wohl zweifelsfrei mehr als bloße Binsenweisheit.
Dies gilt natürlich auch für die eigene Stadt! Es lohnt sich allemal, einmal die Scheuklappen des Einheimischen abzunehmen und die Perspektive von Besuchern der Heimatstadt einzunehmen.

Wie präsentiert sich ihnen die Stadt? Welche ersten und zweiten Eindrücke erhalten sie, was gefällt ihnen besonders gut – insbesondere im Vergleich zu ihrer eigenen Heimat?

Um Antworten auf diese spannenden Fragen zu bekommen, hatte ich mich bereits auf Deck eines der roten Doppeldecker-Sightseeing-Busse gewagt und mich undercover in ein Frankfurter Hostel geschmuggelt.

Mein Wagemut, der wurde schließlich jedesmal belohnt:
Mit neuen Eindrücken und Gedanken sowieso – vor allem aber: Mit netten Gesprächen und Bekanntschaften mit Menschen aus aller Welt.

 

Ein Stadtspaziergang unter „Touris“

Nun begab es sich jüngst – es war ein schnöder Donnerstag, das Wetter so lala -, dass mich die Langeweile packte. Joggen kam aufgrund zweier gebrochenen Rippen nicht in Frage, auch eine Radtour erwies sich mangels intaktem Zweirad (fragt mal besser nicht nach) als nicht durchführbar.

Als einzige Form der Bewegung blieb also das Spazierengehen. Allein schon, um brav dem Rat meines Arztes zu gehorchen.

Und prompt traf mich ein Geistesblitz:
Wieso nicht mich einfach einer „Free Walking Tour“ anschließen? Einem jener von Einheimischen geführten Spaziergänge, vorbei an Sehenswürdigkeiten und begleitet von einigen Anekdoten zu Geschichte und Gegenwart der Stadt?

An solchen Spaziergängen hatte ich als Tourist schon in verschiedenen europäischen Städten teilgenommen. Wieso also nicht einmal keck sein und sich als Einheimischer unter die Touristenscharen mischen?

Gesagt, getan! Eine schnelle Recherche führte mich zur „Frankfurt free alternative Walking Tour„, die täglich um 14 Uhr beginnt, Treffpunkt Kaiserstraße. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Eine gute Stunde hatte ich noch, das sollte reichen. Nichts wie auf ins Bahnhofsviertel!

Als ich in der Straßenbahn sitze und dem Treffpunkt entgegen fahre, da bin ich schon ein bisschen aufgeregt. Wer werden wohl die Führer sein? Was motiviert sie dazu, unentgeltlich Besuchern unser schönes Frankfurt zu zeigen? Was haben sie zu erzählen, welchen Eindruck von unserer Stadt werden sie den Teilnehmern vermitteln?

 

Backpacker aus Australien vs. niederösterreicher Seniorenkegelverein

Und natürlich: Wer werden sie sein, die Teilnehmer? Werde ich auf aufgeschlossene, junge Menschen treffen – oder doch auf griesgrämige Rentner aus Kärnten? Werde ich umringt sein von einer Horde wild quasselnder und fotografierender Chinesen, von kaugummikauenden Surfertypen aus Kalifornien, gar von einem bekifften Junggesellinenabschied aus den Niederlanden?

Welchen Eindruck sie wohl von Frankfurt haben, welche Geschichten aus ihrer Heimat zu erzählen haben werden? Werde ich mich langweilen – oder am Ende selbst noch unbekannte Ecken entdecken, gar etwas lernen?

Die sympathische Bandansage der VGF reißt mich aus meinen Gedanken. Ich rufe mir noch schnell einige englische Vokabeln in Erinnerung, steige aus und eile schnellen Schrittes zum Treffpunkt.

 

„Hello there, I’m Matze!“ 

Ich brauche gar nicht lange Ausschau halten: Vor der auf der Homepage angegeben Adresse schart sich bereits eine Menschenmenge von gut 25 Personen um einen lauthals gegen die Lautstärke des Kaisermarkts nebenan anredenden jungen Mann, der ganz offensichtlich unser Guide für den heutigen Spaziergang ist.

Dass ich mir rechtzeitig ein paar Brocken Englisch ins Gedächtnis gerufen hatte, erweist sich zudem unmittelbar als eine gute Maßnahme. Der Guide begrüßt uns nämlich in breitestem Weststaaten-Slang; fast bin ich mir sicher, hier einen waschechten Texaner vor mir stehen zu haben. Umso erstaunter bin ich dann, als er sich als gebürtiger Frankfurter vorstellt. Prompt schäme ich mich ein wenig für den Akzent meines eigenen Englisch, der mich überall im Ausland prompt als Deutscher entlarvt.

Ich zünde mir derweil eine Zigarette an, mustere die zahlreichen Teilnehmer. Allemal mehr als ich dachte – nicht schlecht für einen Donnerstag! Überwiegend sind es junge Menschen, in Gruppen und – wie ich – alleine. Mit Kamera und Sonnenbrille, ganz dem gängigen Touristen-Klischee entsprechend, aber auch ganz unauffällig und aufmerksam den Worten unseres Guides folgend. Klar, dass auch die obligatorischen mit Kamera bewaffneten Asiaten nicht fehlen.

Der Guide, der sich als Thomas vorstellt, startet erste Interaktion mit seiner Gefolgschaft. Wo wir denn her seien, will er wissen – und auch mich interessiert diese Frage gerade recht brennend. „We’re from Russia“, antworten drei junge Frauen, die ihre Gesichter hinter großen Sonnenbrillen verstecken. Ein Kerl im Jeanshemd erzählt, er sei aus Boston, ein paar Wochen lang in Europa unterwegs, eine junge Chinesin studiert in München und nutzt ihre freien Tage, um ein wenig in Deutschland umherzureisen. Ein bunt gemischter Haufen also.

„You guys look German! Where are you from?“ 

Thomas richtet sich an drei halbstarke Jungs zu meiner Rechten.
Ich schmunzele in mich hinein, als die Jungs entgegnen, sie seien mitnichten deutsch, vielmehr Niederländer aus Utrecht. Wenn schon Holländer einen deutscheren Eindruck machen als ich selbst, kann es um meine Tarnung ja nicht allzu schlecht bestellt sein. Hell, yeah!

 

Hurra, hurra, Klischee erfüllt!

Ein paar Hard Facts noch zum Bahnhofsviertel (jaja, Hipster und Junkies…) und wir ziehen los. Weit kommen wir vorerst nicht: Schon am Kaisersack kommen wir zustehen, ich versammle mich mitsamt meinen Spaziergangsgenossen im Halbkreis um unseren Führer Thomas. Dieser fühlt sich offensichtlich pudelwohl in seiner Rolle und blüht vollends in ihr auf: Er kann nämlich nicht nur wie ein gebürtiger Texaner reden, sondern auch noch ziemlich laut. Mit schweißrotem Kopf erzählt er von der Geschichte des Hauptbahnhofs als zweitgrößter Kopfbahnhof des Landes, deutet auf die große Atlas-Statue über der Haupteingangshalle. Jaja, kenn‘ ich doch alles schon – fast schalte ich gedanklich ab, als er uns auf die beiden steinernen Figuren links und rechts der großen Bahnhofsuhr an der Fassade aufmerksam macht.

DONNERWETTER! Seit über einem Jahrzehnt bin ich fast täglich am Hauptbahnhof, und meint ihr, mir wären jemals die beiden Damen aus Stein aufgefallen, die – einmal wach, einmal schlafend – den Tag und die Nacht symbolisieren sollen? Sind sie nicht. Ich kann mir nicht erklären, wie ich sie eine solch lange Zeit lang so konsequent ignorieren konnte, schäme mich ein wenig. Merkt ja zum Glück keiner.
Aber hey: Noch keine zehn Minuten mit Thomas unterwegs, und schon was gelernt. So kann’s weitergehen!

A propos weitergehen: Wir setzen uns langsam wieder in Bewegung und trotten gen Westen. „Der wird doch jetzt nicht…“, denke ich mir noch, da macht unser Führer auch schon halt am Karlsplatz.

 

„Welcome at the most dangerous place in Frankfurt!“.

 

Oh nein.
Hat der das jetzt wirklich gesagt?  Ich hab’s ja befürchtet. Thomas berichtet, dass Frankfurt die gefährlichste Stadt Deutschlands sei (was so seit diesem Jahr gar nicht mehr stimmt), übertönt dabei sogar einen nur drei Meter neben ihm lautstark arbeitenden Presslufthammer. Ich find’s ein wenig schade, dass gleich zu Beginn der Tour das ewige Klischee des kriminellen Drogenmolochs manifestiert wird und hoffe schwer, dass sich im Verlauf der folgenden zweieinhalb Stunden noch zahlreiche positive Eindrücke in den Köpfen der Besucher einbrennen werden.

Davon kann aber zunächst keine Rede sein: Zielsicher biegt Thomas in die Taunusstraße ein, ohweh.

Nicht gerade die schönste Ecke unserer Stadt, hier braucht man ein dickes Fell. Über dieses scheinen zahlreiche der Teilnehmer allerdings nicht zu verfügen.

 

 

 

 

 

Als die ersten Junkies zu sehen sind, die in Hauseingängen ihrer Sucht frönen und sich am helllichten Nachmittag einen Schuss in die Venen jagen, blicke ich in entsetze Gesichter. Ich kann’s ihnen nicht verübeln. Dass Thomas‘ Hinweis auf das legendäre „Cream Music“ an diesem wenig schmeichelhaftem ersten Eindruck etwas ändern kann, wage ich jedenfalls zu bezweifeln.

Immerhin ist er so fair und weist die Teilnehmer darauf hin, dass es sich bei diesem Pflaster aber auch tatsächlich um „Frankfurt shadiest district“ handelt. Ich hoffe, sie schenken seinen Worten Glauben.

Wir biegen in die Elbestraße, mitten rein ins Rotlicht. Im Bilden eines Halbkreises sind wir mittlerweile routiniert, wir positionieren uns vor dem größten Laufhaus der Stadt, dem „Crazy Sexy„.  Abermals blicke ich in ungläubige Gesichter, als Thomas erzählt, dass Prostitution in Deutschland kein Verbrechen ist. Scheint wohl nicht überall so selbstverständlich zu sein. Unser Führer offenbart erstaunliches Wissen zum Innenleben der Laufhäuser, reißt dabei noch ein paar Witze, auch ich muss lachen. Lustig ist er zweifelsfrei, unser Guide!

Und doch bin ich sehr froh, als wir dann endlich das Bahnhofsviertel verlassen und die Besucher unserer, ja meiner Stadt, endlich mal etwas anderes zu Gesicht bekommen als Elend und Prostitution. Wir machen Halt in der Taunusanlage, es folgen – na klar! – die unvermeidlichen Hard Facts zur Skyline, geht ja schließlich nicht ohne. Ich schalte ein wenig auf Durchzug, krame meine Kamera aus meinem Rucksack.

Meine Tarnung als Tourist will schließlich vorerst gewahrt werden, und schöne Aufnahmen von der Schillerstatue befinden sich tatsächlich noch nicht in meiner Sammlung.

 

Thema Skyline: Abgehakt!

Wir marschieren weiter, frohen Mutes gen Opernplatz. Unterwegs zeigt Thomas auf eine Statue, an der ich schon hunderte Male vorbeigejoggt bin, die mir aber – ich bin abermals entsetzt! – noch niemals zuvor aufgefallen ist. Laufe ich eigentlich blind durch meine Stadt? Ich gelobe mir Besserung, freue mich, als ich erfahre, dass Miss Sandstein die Märchengestalt „Schneeweißchen“ darstellen soll. Die Brüder Grimm also, wen wundert’s, Hanau ist schließlich nicht weit.

Ich beschließe, dass es nun an der Zeit ist, ein wenig interkulturelle Konversation zu betreiben.
Als erster Gesprächspartner bietet sich ein drahtiger Kerl an, der gemütlich neben mir umhertrottet und – wie ich – ganz dem gängigen Touristen-Bild entsprechend seine Canon um den Hals baumeln hat. Ein Opener ist also gefunden, ich nutze die Gelegenheit.

Aus dem fernen Griechenland sei er, erzählt er mir.
„Beautiful!“, sag‘ ich, „I’ve already been there and I really loved your orange fruits! They taste so much better than those you can buy in German supermarkets!“. Leider scheint er meine Schwärmerei nicht ganz verstanden zu haben. Nach dem dritten „I didn’t get the question“ stelle ich fest, dass entweder mein oder sein Englisch für einen unverbindlichen Plausch dann doch ein wenig unzulänglich scheint. Oder er ganz einfach keine Lust drauf hat. Ich wünsche nett einen schönen Aufenthalt, „beautiful time in Frankfurt“ und so, schließe auf zum Rest der Gruppe. Der ist nämlich mittlerweile am Opernplatz angekommen, der – obwohl neben Römerberg Touristenmagnet schlechthin – auch zu meinen eigenen Lieblingsorten meiner Heimatstadt gehört. Es folgen die üblichen Erläuterungen, ich amüsiere mich derweil am Anblick tobender Kinder. Der Abenteuerspielplatz ist nämlich wieder mal zu Gast. Kind müsste man sein. 

German Beer vs. Cerveza Fría

Wacker setzen wir unseren Spaziergang fort. Klar, dass auch Goethestraße (teure Kleidung) und die Fressgass (teures Essen) bei einer ultimativen Touri-Stadtführung nicht fehlen dürfen!

Ich überquere die Hauptstraße in bester Frankfurter Manier bei roter Ampel. Thomas, der bereits auf der anderen Straßenseite steht, weist freundlich darauf hin, dass das Überqueren von Straßen bei halt gebietender Lichtzeichenanlage in Deutschland üblicherweise nicht gestattet ist und mit Geldbuße von satten fünf Euro sanktioniert wird. Aber, das sei die gute Nachricht, noch nie habe er erlebt, dass von dieser drastischen Strafmaßnahme seitens der Polizei gebraucht gemacht geworden wäre. Kann ich so bestätigen!

 

„Excuse me, what did he tell about the the building? Is it a rebuild?“

Zwei Mädchen sprechen mich an unddeuten auf das „Thurn und Taxis“ – Palais, sie haben wohl etwas nicht mitbekommen. Fragend blicken sie mich aus ihren braunen Augen an, die mich bereits ahnen lassen, welcher Nationalität die beiden wohl angehören.

Ich leiste kurze Aufklärungsarbeit und sorge für Gewissheit.
Dacht‘ ich mir’s doch: Aus dem schönen Spanien sind sie!

Schnell entwickelt sich ein Gespräch, natürlich wollen auch sie wissen, woher ich bin. Ich beschließe, meine Tarnung ihnen gegenüber aufzugeben, ich möchte niemandem ins Gesicht liegen. Dass ich ein „Local“ bin, das finden sie ein wenig verrückt, aber nicht minder interessant.

Neugierig frage ich sie nach ihren Reiseplänen. „Wir fahren zwei Woche lang durch Deutschland“, verraten sie mir, während wir Kurs auf die Börse (na klar!) nehmen. Und dabei lassen sich die beiden nicht lumpen! Frankfurt ist nur ein kleiner Zwischenstopp auf ihrer Reise. Und direkt aufgefallen ist ihnen, dass Frankfurt irgendwie different ist. Es gäbe keine Altstadt und kein Downtown, alles liege so dicht beisammen. Ich glaube, sie haben das Wesentliche bereits erkannt. Sie erzählen mir von ihrer Reise. In Lübeck sind sie schon gewesen, haben den Kölner Dom bestiegen, waren wandern im Schwarzwald gewesen. Ach, und natürlich, zwei Tage Hannover!

Wie bitte? HANNOVER?!


Das verwundert mich dann doch ein wenig.
Ich frage die beiden nach ihrem schönsten Erlebnis in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Und verrate ihnen gleich mein ganz eigenes, schönstes Erlebnis in Hannover:
Als am Hauptbahnhof der ICE nach Frankfurt einfuhr, pünktlich auf Gleis 3. Nie werde ich vergessen, wie sich zischend die Türen schlossen, sich 360 Meter Stahl in Bewegung setzten, Hannover Stück für Stück gen Horizont entschwand. Immer wieder gern erinnere mich an dieses schönste all meiner Hannoveraner Erlebnisse!

Die beiden lachen nicht, offensichtlich finden sie mehr Gefallen an Hannover als ich. Immerhin bringe ich die beiden zum Schwärmen.
Und zwar, ihr ahnt es kaum: Von der Deutschen Bahn AG!
Ja, ich weiß, muss man erstmal sacken lassen.

Der Eisenbahnverkehr in Deutschland, der sei echt super, da sind sich die beiden einig. Ob im Fern- oder Nahverkehr, die Züge führen ständig, zuverlässig, in alle Richtungen. Interessant, solch Lobeshymen über das bestgehassteste Transportunternehmen der Republik, die hab‘ ich von Deutschen noch nie vernommen.

Wir haben die Börse erreicht, Thomas referiert eifrig über die Geschichte des Judentums in Frankfurt, steigende und fallende Kurse, Bull & Bear.

Ich bin angefixt, will wissen, was genau die beiden Spanierinnen außer der Deutschen Bahn noch so vermissen werden, sobald sie nach zwei Wochen in deutschen Landen wieder heimische Gefilde erreichen. Ihre Antwort, die verblüfft mich. Nicht das deutsche Bier werden sie am meisten vermissen, nicht irgendwelche Kuckucksuhren, nicht die schönen Fachwerkhäuser.
Nein: Die freundlichen, hilfsbereiten Menschen und die vielen Buchläden, die werden sie vermissen, sagen sie.

What the hell?
Freundlichkeit und Büchereien also. Nun, nicht unbedingt die Dinge, für die Deutschland gemeinhin in der Welt bekannt ist. Hätte ich so nicht erwartet.
Morgen geht die Reise weiter für die beiden, Berlin ist ihr Ziel. Vielleicht werden sie das mit den „freundlichen, hilfsbereite Menschen“ noch einmal überdenken.

Nachdem wir einen Blick auf das Eschenheimer Tor geworfen haben, passieren wir die Zeil. Die „Zeile“ von Häusern, die einst die Grenze zu den mittelalterlichen Stadtgrenzen markierte, wie Thomas sachkundig erklärt.

„Und gibt’s auch was, das euch in Deutschland fehlt? Habt ihr ein wenig Heimweh?“, will ich von den beiden netten Spanierinnen wissen. Beide sind sich einig: Unmittelbar nach ihrer Rückkehr werden sie sich im spanischen Essen geradezu suhlen. Kann ich ihnen nicht verdenken, sonderliches Ansehen genießt die deutsche Küche im Ausland schließlich zurecht nicht. Sie erzählen mir von ihrer Heimat, ich bekomme Lust auf Urlaub.

Eine Frage aber, die brennt mir dann doch noch unter den Nägeln.
Die Frage aller Fragen, sozusagen:

Welches Bier schmeckt eigentlich besser? Das weltbekannte deutsche – oder doch das eiskalte Cerveza an spanischen Stränden? 

Die beiden sind sich einig: Ganz klar das deutsche, natürlich!
Seit einem Biergartenbesuch in München samt Augustiner im Maßkrug seien sie sich da ganz sicher. Wer könnte den beiden auch widersprechen?

 

Von ollen Latschen & dem Weinanbau

Nun hab ich‘ ich mich gut unterhalten, so schön ausgetauscht, dass ich fast nicht bemerkt habe, dass unsere illustre Runde bereits Kurs auf die Paulskirche nimmt.
Thomas überrascht mich abermals mit kuriosem Wissen: Dass Birkenstock nämlich, der Hersteller dieser fiesen Arztpraxen- und Öko-Sandalen, seine erste Filiale anno 1896 in Frankfurt eröffnete, das wusste auch ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich als Frankfurter stolz auf diese Tatsache sein soll – werde sie aber auf jeden Fall in Erinnerung behalten, um mich mit unnützem Wissen profilieren zu können.

Kurzer Abstecher in die Paulskirche, kenn‘ ich ja alles schon hier. Viel interessanter wird’s für mich, als wir den Innenhof des Frankfurter Weinguts betreten. Ja leck‘ mich doch, wie kann es sein, dass ich hier unzählige Male vorbei gelaufen bin – aber niemals einen Fuß in den Hof hinein gesetzt habe?

Ich blicke herauf auf die Fassaden, betrachte die Gemälde. Szenerien der Apfelernte und des Weinanbaus. Und damit sind wir auch beim Thema. Unser Guide beweist sympathische Ehrlichkeit, indem er erwähnt, dass in Frankfurt zwar Weinanbau betrieben werde – das Endprodukt jedoch nicht mehr sei als ungenießbare Plörre. Frankfurt ist halt auch kein Südhang. Auch sei Frankfurt nicht unbedingt für seine Braukunst bekannt. Klar, da gäbe es BINDING – Bier. Unbedenklich genießbar, immerhin – doch das Römer-Pils, das sei nicht Seins. Das Export, „a light Lager Beer“ schon eher, jawoll, der Mann weiß, wovon er spricht.

Stilecht betrinken, das täte man sich in Frankfurt eben mit Apfelwein. Ich nicke innerlich. Und kann ihm nicht verübeln, dass er die inzwischen doch recht laufmüden Teilnehmer wissen lässt, dass es dann doch einige Gläser benötige, um Gefallen am „Stöffche“ zu finden. Am besten ginge das in Alt-Sachsenhausen, nun ja, man kann ja eben doch nicht immer eine Meinung sein.

Wir stellen uns auf zum obligatorischen Gruppenbild, treten anschließend die letzte Etappe an: Ab zum world-fucking-famous Römerberg, wohin auch sonst?

Dort endet die „Free Walking Tour“, Thomas bedankt sich artig für unsere Aufmerksamkeit, erntet zurecht Applaus. Geldscheine werden ihm in die Hand gedrückt, auch die hat er sich verdient! Die Führung ist zwar kostenfrei, doch können – und sollten! – die Mühen des Guides mit einem kleinen Trinkgeld honoriert werden.

Die multikulturelle Zusammenkunft verteilt sich in alle Himmelsrichtungen, auch ich sage den beiden netten Spanierinnen Goodybe.

Zurück bleiben: Thomas, der Guide – und ich. Zeit, um jegliche Maskerade aufzugeben. Ich spreche ihn auf deutsch an, von Frankfurter zu Frankfurter sozusagen. Verwundert wirkt er nicht, auch ohne großes Publikum ein durch und durch sympathischer Kerl eben. Aufgewachsen in der berüchtigten Nordweststadt, wie er mir verrät.

Ich freue mich, als er vorschlägt, den Weg bis zur Konstablerwache gemeinsam zu bestreiten. So hab‘ ich Zeit, ihm ein paar Fragen zu stellen, die mich brennend interessieren….

 

„Ich meine ja immer noch, dass Frankfurt die perfekte Stadt für einen Wochenend-Besuch ist!“ 

Jetzt bin ich neugierig: Wie bist du denn überhaupt dazu gekommen, Besuchern als Guide eines Stadtspaziergangs unsere Stadt zu zeigen? Reich wirst du damit sicher nicht – was treibt dich also dazu an? Was reizt dich an diesem Job?

Mein Lebenslauf ist wohl derjenige des typischen Millenial-Globetrotters. Ich war als Austauschschüler in Amerika, dann als Student  irgendwann auch mal in Japan, China und Spanien. Ich schlief also öfters in Hostels als zu Hause, und so lag es nahe, an der Rezeption zu jobben. Als ich dann zurück in Frankfurt war, musste ich dann auch gar nicht lange überlegen, womit ich mein Geld verdienen soll. So hab‘ ich also an der Rezeption eines Frankfurter Hostels Gäste betreut, und ständig wurde ich nach einer „Free Walking Tour“ gefragt. Zum damaligen Zeitpunkt konnte ich ihnen allerdings nur antworten: „Sorry, gibt’s nicht in Frankfurt“.  Irgendwann hat ein Bekannter dann erstmals eine angeboten – und endlich musste ich die Gäste nicht mehr enttäuschen, wenn sie mich nach einem Stadtspaziergang mit einem Guide fragten. Nachdem es mich dann nochmals in Ausland verschlagen hatte, konnte ich nach meiner Rückkehr nicht mehr an meinen Arbeitsplatz im Hostel zurückkehren. Und dann hab‘ ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, mich als Guide beworben – und habe kurz darauf „meine“ erste Gruppe begrüßen dürfen!

Klar, reich werd‘ ich nicht mit dem Job. Doch das Trinkgeld ist ein schöner Anreiz, wirklich mein Bestes zu geben. Der größte Ansporn jedoch ist meine Liebe zu meiner Heimatstadt. Es ist frustrierend, dass Frankfurt nach wie vor einen solch zu Unrecht schlechten Ruf hat – und ich will meinen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich daran etwas ändert! Klar, von Frankfurts Altstadt blieb nach dem Krieg nicht viel übrig. Doch der Gedanke, das „alte Frankfurt“ durch Erzählungen wieder ein wenig aufleben zu lassen, der gefällt mir!

Auf den ersten Blick besteht Frankfurt natürlich erst einmal vor allem aus viel Glas und Geld, doch je mehr man sich mit ihr beschäftigt, umso mehr man in die Details in ihrer Geschichte versinkt, da merkt man: Frankfurt hat so viel zu erzählen, gibt so viele Geschichten preis! Ich leite die Touren nun schon seit neun Monaten, entdecke selbst immer wieder Neues, Fantastisches und Spannendes.

Nicht zuletzt  macht es aber auch nur Spaß, wenn sich die Leute auch interessiert und aufgeschlossen zeigen. Und da sind die Teilnehmer sehr unterschiedlich! Viele von ihnen nehmen bei den Touren teil, weil sie tagsüber ohnehin nichts anderes zu tun wüssten, die Teilnahme ohnehin umsonst ist.  Das führt manchmal dazu, dass nicht alle so großes Interesse an der Stadt und ihrer Geschichte haben. Umso mehr freue ich mich aber über all diejenigen, die WIRKLICH interessiert sind an meiner Stadt. Und wenn ich nur ein paar von ihnen begeistern kann, dann bin ich glücklich! Das ist mein größter Lohn.

Das erklärt zumindest, dass du Englisch sprichst wie ein Muttersprachler! Frankfurt jedenfalls, das ist eine äußerst vielfältige und kontrastreiche Stadt. Ist es nicht ungeheuer schwierig, den Teilnehmern einen dennoch möglichst vielseitigen und authentischen Eindruck zu vermitteln, der dieser Stadt gerecht wird? Zumal die Besucher ja oftmals nur wenige Tage hier am Main verbringen…

Ich meine ja immer noch, dass Frankfurt die perfekte Stadt für einen Wochenend-Besuch ist! Sicherlich gibt es auch noch coole Dinge außerhalb des Anlagenrings, aber das Wichtigste findet sich eigentlich inmitten des Anlagenrings. Mal abgesehen von Sachsenhausen! Ich finde, in diesem Raum kann man den Charakter der Stadt schon recht ausführlich erleben. Streetart, Bonzenstraßen, den Kaiserdom und kleine, urige Lokale – all das lässt sich in der Innenstadt entdecken, sogar zu Fuß! .

Dabei möchte ich Frankfurts Besucher gern als Guide unterstützen. Und ich probiere jedes Mal neue Methoden aus, um auch komplexe geschichtliche Zusammenhänge unterhaltsam darzustellen! 

Mal butter bei die Fische: Welchen Eindruck von Frankfurt sollten die Touristen idealerweise mit nach Hause nehmen? 

Wir als Veranstalter wollen allgemein den Leuten natürlich alle Facetten der Stadt zeigen. Dazu gehören Drogenproblematik, viel Geld und Geschichte gleichermaßen! Mich persönlich interessiert der geschichtliche Aspekt jedoch am meisten. Meine Stadt finde ich einfach rundum faszinierend. Es sind vor allem die kleinen Dinge, die es zu wissen und entdecken lohnt! Klar, viele der Touristen werden sich davon nicht alles behalten können – aber es ist eben mein Wunsch, dass sie Frankfurt als eine wirklich coole Stadt empfinden und ihren Freunden begeistert von Frankfurt erzählen. 

Die Teilnehmer scheinen ja wirklich aus aller Welt zu stammen. Hast du eigentlich eine Art „Lieblings-Teilnehmer“?

Lass‘ mich mal überlegen… Geschichtslehrer vielleicht? Nein, Lieblings-Teilnehmer hab‘ ich nicht wirklich. Natürlich ist es einfacher, nur mit Leuten unterwegs zu sein, deren Muttersprache englisch ist. Dann kann ich mir ganz sicher sein, dass jeder wirklich alles verstehen kann. Ansonsten ist mir einfach wichtig, dass die Gruppe gut gelaunt und wissbegierig ist! Und natürlich viele Fragen hat, sonst wird’s ein wenig einseitig. Aber solange die Leute über meine Jokes lachen, da hab‘ ich meinen Spaß! 

Na, ein paar Mal musste auch ich ja herzlich lachen! Ich wünsch‘ dir nen schönen Feierabend, ich empfehle dich und deine Tour gern weiter! 

 

Auch als Frankfurt-Fuchs noch was gelernt: Mein Fazit

Ich bedanke mich nochmals herzlich für den schönen Nachmittag, wünsch‘ Thomas einen wohlverdienten Feierabend. An der Konstablerwache trennen sich unsere Wege. Ich  falle in die Straßenbahn (endlich sitzen!) und muss gar nicht lange überlegen:

Dieser Nachmittag hat sich mehr als nur gelohnt und durchweg Spaß gemacht!

Dass ausschließlich die klassischen Sehenswürdigkeiten unserer Stadt angesteuert wurden, hat mich kaum verwundert. Die Führung beschränkte sich auf das Bahnhofsviertel und die Innenstadt – aber ist ja auch ganz schön, dass in Bornheim oder Nordend wir Frankfurter noch weitgehend unter uns sein können. Auch Einheimische brauchen schließlich Rückzugsorte!

Klar, es mutet zunächst ein wenig komisch an, sich als Einheimischer in der eigenen Stadt einen Sightseeing-Spaziergang für Touristen anzuschließen.

Doch einmal über den eigenen Schatten gesprungen, bereitet ein solches Unterfangen durchweg Freude!

Wo sonst kann man schon Bekanntschaft mit jungen Menschen aus aller Welt schließen und aufschlussreiche Gespräche mit ihnen führen, ohne selbst verreisen zu müssen?

 

Nicht zuletzt können bei diesem Abenteuer vor der eigenen Haustür auch Frankfurt-Füchse wie ich noch etwas lernen und sich ein wenig kurioses Wissen aneignen. Außerdem, da wusste bereits Oma schon:

Bewegung an der frischen Luft, die tut einfach gut. Genau wie gelegentlicher Perspektivwechsel. 

 

Lust bekommen?

Habt auch ihr nun Lust bekommen, euch einmal unters Besuchervolk zu mischen und eure Heimatstadt zu Fuß neu zu erkunden?


Gruppenbild: Wer entdeckt den Autor? 

Die Führungen finden täglich statt, Treffpunkt ist jeweils um 14 Uhr vor der Kaiserstraße 69. Die Teilnahme ist kostenlos; Spenden sind jedoch gern gesehen.

Alle weiteren Informationen erhascht ihr unter:

http://alternative-walking-tour.com/

 

 

Wie viele Cafés braucht der (Großstadt-)Mensch?

Eines vorweg: Ich bin süchtig nach liebe Kaffee! Und noch viel mehr, da liebe ich Cafés. Kein Scheiß, ich wüsste nicht, wo ich einen Großteil meinen Freizeit verbringen sollte, wenn nicht nach absolvierter Jogging-Runde im Café.

Mich meiner Lektüre widmen, arbeiten, diesen Blog am Leben halten, Freunde treffen, Menschen kennen lernen, bunten Austausch pflegen, gern auch mal handfest diskutieren, einfach mal die Seele gestresste Großstadtseele baumeln lassen und dabei  im besten Fall noch ein wenig braun werden:

Ich wäre vermutlich ein ziemlich einsamer und unproduktiver Mensch, wäre das Café nicht erfunden worden. Notorisch müde mangels Koffeinversorgung ohnehin.

Warum ich so unendlich gerne und am liebsten alleine ins Café gehe, habe ich bereits in einem meiner bisher meistgelesen Beiträge ausführlich eruiert.

 

Kein Mangel in Frankfurt

Nun lebe ich glücklicherweise in einer Stadt, in der wahrlich kein Mangel an zauberhaften Cafés herrscht. Gott und die Welt strömt in die Kaffeehäuser, sei es um des Kaffees Willen (Craft Coffee ist schließlich schwer im Kommen!), zum W-LAN schnorren mit MacBook oder schlicht zwecks Treffens und Tratschens Und – das wird ja manchmal ein wenig unterschätzt – in den meisten Cafés, da lässt es sich außerdem oftmals auch vorzüglich speisen.

Cafés sind Institution und aus dem Frankfurter Nachtleben nicht mehr wegzudenken. Auch ihre soziokulturelle Aufgabe Funktion meistern sie mit Bravour!

Das Glück, in einer mit Cafés derart gefluteten Stadt Leben zu dürfen, weiß ich insbesondere zu schätzen, da ich hauptberuflich mitunter munter in der gesamten Republik unterwegs bin. Und wisst ihr, wie schwierig es beispielsweise ist, ein handelsübliches Café in klassischem Sinne in Leipzig zu finden?

Klar, Kaffee gibt’s auch hier an jeder Straßenecke, in jedem Restaurant und einem jeden Kiosk. Doch Cafés, die sucht man selbst in den Szenevierteln rund um die „Karli“ oder in Plagwitz vergeblich.

Schön also, in einer Stadt zu leben, die eine solche Fülle und Dichte an Kaffeehäusern bietet. So weit, so schön – so gut?

 

Breite Vielfalt & schneller Wandel

Mitnichten. Denn kann eine solche breite Auswahl an Cafés auch schnell überfordern. Kleines Beispiel gefällig?

Vor anderthalb Jahren bin ich von Bornheim ins Nordend gezogen. Es galt also, ein neues Stammcafé in fußläufiger Erreichbarkeit zu finden. Ich war zu dieser Zeit zwar ziemlich oft im „Place to be“ in der Innenstadt, doch will man sich ja öfters auch lediglich mit möglichst wenig Kraft- und Zeitaufwand von Bett oder Sofa zu einer duftenden Tasse Kaffee und der Tageszeitung schleppen.

Recht schnell war ich also ziemlich oft und gerne im Glauburg-Café, zu dem ich notfalls hätte krabbeln können. Ich fühlte mich pudelwohl dort, es dauerte nicht lange, bis man mich als Gast kannte und meine Bestellung lediglich mit den Worten „Wie immer?“ entgegennahm. Die Vorzüge des Stammgast-Daseins eben.

Irgendwann jedoch, ein Konzertbesuch war Schuld daran, habe ich das „Café AWAKE“ am Nibelungenplatz entdeckt. Und direkt war ich verliebt!

 

Verliebt in den guten Kaffee, all die bequemen Polstermöbel, den riesigen Ohren-Sessel, in den ich so schön versinken konnte. Liebte es, bei Regen aus dem Fenster zu schauen und das hektische Treiben auf der Friedberger Landstraße zu betrachten, mich selbst im warmen wissend. Außerdem sorgten die vielen Studenten von gegenüber, die hier Lernten oder an ihren Arbeiten tüftelten, für eine wohlige Arbeitsatmosphäre, in der ich mich ganz hervorragend konzentrieren konnte.

Tag für Tag hatte ich fortan die Qual der Wahl:

Auf’ne Tasse Wacker und die Rundschau ins Glauburg-Café, oder doch lieber im Ohrensessel des Café AWAKE versinken?

Zu diesem Zeitpunkt ist es mir ja noch gelungen, meine Besuche entsprechend zu variieren. Ich war mal hier, mal dort – und konnte mich darüber freuen, dass ich gleich zwei so wunderschöne Stamm-Cafés vor der Haustür habe.

Dieses Glück währte jedoch nicht lange: Aus der Fensterfront des Glauburg-Café war bereits absehbar, dass der Kiosk gegenüber einem weiteren Café weichen würde.

 

Und tatsächlich, wenig später war’s dann auch soweit: 

In den Räumlichkeiten der ehemaligen Trinkhalle eröffnete das Glückskaffee.
Und ich erstmal so: Uff. 

In den einschlägigen Stadtmagazinen hatte ich nur Gutes über das neu eröffnete Café gelesen; ein Besuch war also Pflicht. Und ja, was soll ich sagen? Vorbeigeschaut, nett bedient worden, begeistert gewesen von den gemütlichen Räumen und der Essens-Karte.

Sollte ich mich also künftig gleich zwischen drei Cafés entscheiden müssen, die  in Spuckweite meiner vier Wände mit Gemütlichkeit und Käffchen lockten?

Erste Anzeichen der Überforderung machten sich breit. Ich besann mich derweil die Vorteile des Stammkunden-Daseins, pendelte weiter munter zwischen Glauburg-Café und AWAKE umher.

Bis dann die Metzgerei gegenüber schloss.
Und nun ratet mal, was in deren Räumlichkeiten bald eröffnen sollte!

Ihr habt es sicher bereits geahnt, statt Fleischtheke sollte das „Lucille“ künftig Kuchenauslage präsentieren, Siebträgermaschine statt Fleischwolf, Kaffee und Kuchen statt Hackfleisch und Salami.

Das vierte Café in meinem engsten Nordend-Radius also, mittlerweile hatte sich mir längst die Frage aufgedrängt, ob der Markt nicht längst gesättigt sei, die vielen Cafés sich nicht bald gegenseitig kannibalisieren würden. Vielleicht sprachen auch einfach nur die zwei Semester BWL aus mir, die ich mal mit überschaubarem Erfolg studiert hatte.

Klar, dass ich mal dort war, Kaffeedurst und Neugierde wollten schließlich gestillt werden. Doch insgeheim da hatte ich die Hoffnung, endlich einmal so richtig enttäuscht zu werden. Pustekuchen, denn das Gegenteil war der Fall:

Die Fliesen der Metzgerei gaben dem LUCILLE ein ganz besonderes Flair, der Schallplattenladen im Nebenraum war ein Grund, hier unbedingt öfters vorbeizuschauen. Lediglich, dass mich die Kellnerin trotz etwa gleichen Alters gesiezt hatte, das nahm ich persönlich.

Die Eröffnung des mittlerweile stets gut besuchten LUCILLE war in etwa der Zeitpunkt, in dem ich mich endgültig ausgeklinkt hatte. So verlockend es auch war, neues Flair auf mich wirken zu lassen und mich immer wieder in kleine Details zu verlieben: So liebenswert jedes einzelne Café in meiner Nachbarschaft auch sein mochte, ich wollte mich nicht ständig entscheiden müssen und wollte mein Café-Dasein lieber auf „MEIN“ Café beschränken.

So kam es schließlich auch:

Das „Café Sugar Mama“ bot mir – mal abgesehen vom WLAN – so ziemlich alles, was mein Herz begehrte. Leckeren Kaffee zum fairen Preis, echten Shabby-Schick zum Wohlfühlen, wechselnde Kunstausstellungen. Immer nette Leute – und vor allem: Ein Team, das charmanter gar nicht sei könnte.

Dass in „meinem Kiez“ zwischenzeitlich noch das Café No.48 eröffnete, es im „Nordlicht“ nebenan angeblich den besten Brunch der Stadt gab und mit dem Casual Café neruerdings ein selbsternanntes Nachbarschafts-Café zu Kaffee und Kuchen lud, das nahm längst nur noch schulterzuckend zur Kenntnis. Auch die Craft Coffee – Bude Hoppenworth & Ploch, die ich von meinem Balkon aus sehen kann, nahm ich lediglich wohlwollend als Teil meiner unmittelbaren Nachbarschaft wahr.

Lediglich dem WIR KOMPLIZEN in der Egenolffstraße erweise ich seit dessen Neueröffnung hin und wieder gern die Ehre; außer mit Kaffee weiß der sympathische Laden nämlich obendrein mit einer beträchtlichen Auswahl an Craft Beer.

 

Wie konnte sich das nur lohnen?

Zurück blieb also ich, meist täglich im Café Sugar Mama, mit Büchern, Zeitung und der Frage: Wie zum Teufel soll sich das für die Betreiber lohnen? Wie sollten all die Cafés wirtschaftlich überlegen, wenn sie geradezu umringt von anderen sind?

Und nicht zuletzt: Wieso mutiert gefühlt jeder leerstehende Geschäftsraum kurzerhand zum Café? Zur Hölle, gibt’s denn sonst nichts mehr in dieser Stadt?
Hat Frankfurt bald mehr Cafés als Einwohner? Und ist es nicht töricht von mir, all diese Vielfalt zu ignorieren und mich weiterhin fast täglich in meinem geliebten Schaukelstuhl des „Sugar Mama“ zu fläzen, weil es mir hier doch an gar nichts mangelt?

Verstehen wir uns nicht falsch:

Jedes inhabergeführte Café ist eine echte Bereicherung und allemals begrüßenswerter als einer der berüchtigten blau-weißen Handyläden.

Auch fühle ich mich umweht von Röstaromen deutlich wohler als vor zugeklebten Scheiben einer Spielhalle (alternativ einem Wettbüro). Gibt’s schließlich schon viel zu viele davon. Wo aber sollte das hinführen, würde die Schwemme der Café-Eröffnungen ewig so weitergehen?

Zur Erinnerung: Ich erzählte bislang ausschließlich vom Frankfurter Nordend.
Doch anderswo in den „angesagten“ Stadtteilen, da schaut es schließlich auch nicht anders aus. So durfte ich heute folgendes erleben…

Ein Blick nach Bornheim

B O R N H E I M   M I T T E !

Der Inbegriff der Frankfurter Urbanität. Hier wollen sie alle hin, bestenfalls hier leben, zumindest aber präsent und Teil des „Savoir-vivre“ sein, das die Bornheimer Bohemian hier zelebriert.

Ich selbst wohne zwar leider nicht mehr hier, doch bin auch ich noch in schöner Regelmäßigkeit hier, um einfach Platz zu nehmen und die Welt ’nen schönen Ort sein zu lassen.

 

Ganz besonders gern natürlich im Café Wacker, einer Filiale der alteingesessenen Frankfurter Rösterei am Uhrtürmchen. Ich mag den klassischen Kaffeehaus-Flair, den betörenden Duft der Kaffeebohnen, die hier am Tresen grammgenau an Mann und Frau gebracht werden.

Die Sojamilch-Fraktion dagegen lässt es sich gleich schräg rechts gegenüber im Café Corners gutgehen, präsentiert bunte Sneakers und nuckelt am laktosefreien Latte-Macchiato. Soweit,so Bornheim. Eben für jeden was dabei hier.

Der heutige Grund meines Aufenthalts in „Bernem“ ist allerdings weit weniger erfreulich: Im Sinne der persönlichen Gesundheitsfürsorge gilt es einmal wieder, den Zahnmediziner meines Vertrauens aufzusuchen. Mit Ach und Krach hab‘ ich die Behandlung allerdings wider Erwarten dennoch überlebt, und so verlangt es mir nach einem Kaffee zur Belohnung meiner Tapferkeit.

Mein lieber Freund Michael ist in der Nähe; dank WhatsApp sind wir schnell auf ’nen Kaffee verabredet. Als ich noch in Bornheim lebte, war ich selbst am liebsten im Café Süden, nun stehen wir aber bereits vor dem Kaffeehaus Wacker. Ich werfe noch einen Blick nach gegenüber, da, wo einst die Frankfurter Filiale des „Veganz“ – Supermarktes war. Ihr ahnt ja sicher bereits, dass dessen Nachfolge – wie könnte es auch anders sein – ein Café angetreten hat.

Neugierde schreit in mir auf, „mal was Neues probieren?“ höre ich mich Michael fragen. Ich deute auf das „Picknick Café„, so der Name der neuen Bornheimer Bereicherung.

Michael ist d’accord, wir schlendern hinüber, ein schöner Platz im Freien ist schnell gefunden. Prompt ist auch die Bedienung da. „Hey Matze, bist du’s?“ – noch nie hier gewesen, und doch erkannt worden. Kurzer Blick in den Innenraum: Wahnsinn, da hat man offensichtlich Mühe gegeben. Daran, dass sich hier noch vor kurzem Tofu-Würstchen und Sojaschnitzel in Regalen türmten, erinnert wahrlich nichts mehr. Stattdessen erspähe ich nun eine echte Wohlfühl-Oase mit fernöstlichem Touch.

Wir bestellen unseren ersehnten Kaffee (nur echt mit einem Schuss Sojamilch und Leitungswasser), der uns prompt mitsamt ein paar netten Worten gebracht wird. Als ich die Tasse sehe, da muss ich lachen: Das mir wohlbekannte Firmenlogo der Rösterei Wacker prangt darauf. Hier gibt’s offensichtlich den gleichen Kaffee wie in der Wacker-Filiale gegenüber, was mir nur recht sein kann.

Nach unserem Besuch, da muss ich sagen: Hey, das war wirklich nett hier. Ein Ort zum Wohlfühlen, bei einer wahrlich guten Tasse braunen Goldes. 

Ein weiteres Mal bin ich verwundert: Wie kann es sich nur rechnen, „face to face“ gleich zwei so wunderbare Kaffeehäuser zu betreiben? In denen obendrein derselbe Kaffee serviert wird?

Klar, der Platz rund ums Uhrtürmchen ist ein viel frequentierter Ort. Doch ist es ja nicht so, dass hier lediglich zwei Cafés um Kundschaft buhlen würden. Im Gegenteil, Cafés dominieren mittlerweile das gesamte Bild des Platzes.

Gleich rechts neben dem Café Wacker, da befindet sich nämlich schon seit Ewigkeiten das Café „Baguette Jeanette„, wo es sich Gerüchten zufolge auch gut aushalten lässt. Wiederum rechts davon befand sich lange Zeit eine Damenboutique. BEFAND. Denn seit geraumer Zeit hat hier… ja, genau, ihr wisst schon. Ein Café eröffnet. Das „Sieben Sinne„, um genau zu sein.

Und ob das nicht genug wäre, ist gleich an der nächsten Kreuzung das „Café Klatsch“ zu finden, welches mir ebenfalls gut gefallen hat und mit einigen Jahren auf dem Buckel schon so gut wie zum Bornheimer Stadtbild gehört. Ein Stückchen weiter gen Norden, das sei nur am Rande erwähnt, ist mit der „Mokkateeria“ übrigens ein orientalisches Café zu suchen, das seinesgleichen sucht – und das ich ganz bestimmt noch öfter aufsuchen würde, müsste ich nicht gelegentlich diversen Verpflichtungen nachkommen. Den dienstlichen zum Beispiel, irgendwie will mein exzessiv praktiziertes Kaffeetrinken schließlich finanziert werden!

All das kommt mir in den Sinn, während ich Michael verabschiede. Darüber sollte ich dringend was schreiben, denke ich mir – allein schon um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, weil ich meistens doch nur im „Sugar Mama“ herumhänge. Um meiner gelegentlichen Überforderung angesichts dieses Überangebots an Cafés Ausdruck zu verleihen, ebenso wie meiner Verwunderung darüber, wie sich das überhaupt rentieren kann. Und in Frankfurt derzeit eigentlich noch andere Geschäftsideen als „Café eröffnen“ existieren.

 

Das Stammgast-Dilemma

Ich jedenfalls, das stelle ich immer wieder fest, stecke im „Stammgast-Dilemma“. Ich könnte täglich ein neues Café ausprobieren, eines besuchen, in dem ich schon lange nicht mehr war.

Am Ende jedoch, da lande ich dann aber meistens einmal wieder in meinem Stammcafé. Da kennt man sich, da weiß man was man hat, da fühlt man sich wohl – und genießt nicht zuletzt auch die ein oder anderen Privilegien.

Das Stammgast-Dasein ist ohne Frage ein schönes, ob im Café oder anderswo. Bei allen Annehmlichkeiten macht es allerdings auch eins: Faul, auch mal etwas Neues auszuprobieren. Und das ist in einer Stadt wie Frankfurt auch irgendwo schade.

 

Café-Flut, quo vadis: Was denkt ihr?

Als ich nach Hause komme und mich an die Tasten setze, da frage ich mich, wie ihr das seht.

  • Freut ihr euch uneingeschränkt über die breite und kaum mehr überschaubare Auswahl an Cafés in unserer Diva am Main? Oder seid auch ihr gelegentlich ein wenig überfordert davon?
  • Bevorzugt ihr es, Stammkunde in eurem Lieblings-Café zu sein – oder seid ihr lieber „mal hier, mal da“, um euch immer wieder überraschen zu lassen? Gehen euch Cafés vielleicht gar total am Arsch vorbei?
  • Sollten freiwerdende Gewerbeflächen weiterhin fast ausschließlich gastronomisch genutzt werden – oder würdet ihr euch eine andere Nutzung wünschen?
  • An was mangelt es euch in der Stadt – Ausstellungsräume, Schallplattenläden, Kneipen…?
  • Fragen über Fragen, die ich mir nicht einmal selbst vollends zu beantworten vermag.

Umso gespannter bin ich auf eure Meinung! Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

[Talentfrei musizieren] : Eingeplackt

Frankfurt und ich, das war eine Liebe auf den zweiten Blick. Es dauerte seine Zeit, bis ich mich auf die Stadt einlassen konnte – und irgendwann dann doch zwischen Großstadt-Dreck, Hektik und Betonfassaden meine Heimat gefunden habe.

Auch heute noch bin ich Frankfurts Charme vollends erlegen, auch heute noch bekomme ich Gänsehaut, wenn sich die Lichter der Skyline nachts im schwarzen Main spiegeln…

Ich bin froh, dass ich heutzutage das bin, was man hier „eingeplackt“ nennt.

Wär‘ ja ganz nett, ein Lied über meine Liebe auf den zweiten Blick zu schreiben, dachte ich mir. Okay, ich kann weder singen noch verfüge ich über musikalisches Talent.

„Oh nein, hat er etwa schon wieder…?“

Falls ihr euch das gerade denkt, liegt ihr goldrichtig! Er hat.

Haltet euch rechtzeitig die Ohren zu und macht euch auf schiefe Töne gefasst!

Hier ist es, mein neues Werk fragwürdiger Qualität: „Eingeplackt“ !