Mutig im Rahmen seiner Möglichkeiten: Jakob Schwerdtfeger liest (s)ein Buch

Gewinner mehrerer Poetry-Slam-Wettbewerbe, ein Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie, sogar im Genre des Battle-Rap erfolgreich: Jakob Schwerdtfeger ist der ungekrönte König Frankfurter Wortkunst in der heutigen Zeit. 

Seine Erfolge allerdings hat der 30-Jährige als „Jey Jey Glünderling“ eingeheimst. Erst in diesem Jahr hat er sich von seinem bewusst sperrig gewählten Künstlernamen getrennt, unter dem zwölf Jahre lang auf den Bühnen stand. Über Gründe für die Abkehr von seinem Alter Ego mag man nur spekulieren können; dass der Wortakrobat mit dem brachialen Stimmorgan sich nun aber zunehmend im literarischen Bereich versucht, mag gewiss einer der Gründe für die Besinnung auf seinen (gut)bürgerlichen Namen sein.

Schwarmintelligenz als Lektorat? 

Nach einer ersten Veröffentlichung eines eigenen Buches – der Textsammlung „Traumberuf Marktschreier“ – versucht sich der Frankfurter nun an der hohen Kunst des Romanschreibens. Gänzlich Rampensau, schließt sich Schwerdtfeger allerdings nicht in seiner Schreibstube ein und entwickelt seine Geschichte allein in vertraulicher Zusammenarbeit mit einem Lektor: In einer mit „Mutig im Rahmen meiner Möglichkeiten“ betitelten Veranstaltungsreihe lädt der Autor monatlich eine interessierte Zuhörerschaft dazu ein, sich die jüngst entstandenen Kapitel seines Werkes anzuhören und die Entstehung des Romans kritisch zu begleiten. 

Die Schwarmintelligenz als der bessere Lektor? Eine öffentliche Lesung einer unvollendeten Geschichte? Einen Konsens schaffen, wo es keinen Konsens gibt – weil auch die Kunstform der Literatur so unendlich subjektiv ist? Kann das gut gehen? Macht das Spaß?  

Das möchte ich gerne herausfinden. Nicht nur, weil ich – und daraus mache ich keinen Hehl! – ein großer Fan von Schwerdtfeger bin. Am 19. November mache ich mich auf den Weg zum wohl merkwürdigsten Ort, an dem ich jemals eine Lesung besucht habe: Die Trucker-Kneipe „Zur Insel“ im Frankfurter Osthafen, welche vom Gastgeber als Location auserkoren wurde. 

Literatur in der Trucker-Klitsche

Wo sich sonst Fernfahrer Schnitzel und Pommes Frittes in die übernächtigten Gesichter schaufeln, sitzt an diesem Abend ein junges, urbanes Publikum den Tischen mit karierten Kunststoffdecken. Kaum ein Platz in der kleinen „Insel“ ist mehr frei, der Gastgeber indes hat Stellung auf einem Barhocker bezogen. Neben ihm: Anya Schutzbach, Chefin des Verlages „Weissbooks“, welcher bereits sein Erstlingswerk verlegt hat und nun auch seine Romandebut veröffentlichen möchte. 

„Begleitet Jakob während seiner Transformation vom Poetry-Slammer zum Romanautor“ – neben der Mittvierzigerin wirkt Schwerdtfeger für mich wie ein kleiner Schuljunge. „Er sollte, er muss seine Romanfigur noch weiter entwickeln, ihn niemals langweilen lassen!“

Die Romanfigur, das ist ein Museumswächter, wohnhaft im Gallus, vom Beruf gelangweilt, vom Privatleben überfordert. Ein fruchtbarer, wenn auch nicht gänzlich jungfräulicher Boden also für einen lustigen, bestenfalls auch spannenden Roman. Schwerdtfeger fackelt nicht lange und liest das erste von den drei am heutigen Abend erwarteten Kapiteln.

 

In gewohnt schneller, überdrehter Manier flitzt er über Zeilen und Absätze, was den einen (mir!) sehr gefällt, anderen derweil nicht so. Das Feedback bleibt durchmischt. Der Protagonist der Vorlesung durchlebt eine drogengeschwängerte Nacht, wacht am nächsten morgen im Bett einer Künstlerin auf, deren Videokunstwerk er Nacht für Nacht bewacht. Nette Idee, wie ich finde! 

Am Ende des Kapitels bittet Schwerdtfeger um Feedback, was ein wenig eigenartig ist – entspricht er doch sonst einer recht unnahbaren Kunstfigur, die schon weit größere Bühnen bespielt hat. Ich selbst kann es nicht lassen und weise den Autor darauf hin, dass die Türen von U-Bahn-Zügen mitnichten „immer piepen“ und stelle klar, dass allein die S-Bahnen der Baureihe 430 immer „piepen“; auch dann, wenn sich gerade einmal kein Aussteigender im Türenbereich befindet. Der Autor lacht und verspricht, diese Tatsache bei der Korrektur seines Buches zu berücksichtigen. 

Zehn Zuhörer, elf Meinungen 

So geht es munter weiter; dem nächsten Kapitel folgen Fragen und Anmerkungen der Zuhörer. Doch auch Schwerdtfeger hat Fragen mitgebracht: Wie soll er eigentlich wohnen, der Protagonist? Wie nachvollziehbar hat er die Kunstwerke geschildert, von denen der Museumswärter Nacht für Nacht umgeben ist? Wie glaubhaft erscheint die Liebelei zwischen Jasper und der Künstlerin?

Das Feedback der Zuhörer ist erwartungsgemäß divers: 
Wie das eben mit Büchern so ist, haben zehn Leser elf Meinungen. Während die einen von Schwerdtfegers Satzstakkato ein wenig angestrengt sind, freuen sich andere darüber, dass der Autor seinem vom Poetry Slam angehauchten Duktus treu geblieben ist. So auch ich!

Der wohl älterer Zuhörer im Raum meldet sich zu Wort. Schwerdtfeger, moniert er, könne mit seinem flotten Erzählstil wohl kaum eine Leserschaft jenseits der 60 erreichen. Aus einem Impuls heraus schüttele ich den Kopf,an dieser Stelle bin ich nicht d’accord.

Die Gretchenfrage ist wohl: Bleibt Schwerdtfeger sich und seinem Duktus treu und erreicht damit alleine „seine“ Zielgruppe der jungen Erwachsenen so-zwischen-zwanzig-und-Mitte-dreißig, oder schreibt er massenkompatibel, um auch noch die hinterletzte Leser-Splittergruppe zu erreichen?

Nee nee, denke ich mir, der Junge soll sich mal schön treu bleiben. Wer sich für seine Texte zu alt fühlt, kann ja auch gerne Rosamunde Pilcher lesen.

Hellhörig werde ich, als der Gastgeber Einblicke in die Konzeption seines Romans gibt. An dieser Aufgabe bin ich selbst schon mehrfach gescheitert, ich denke an die unvollendeten Manuskripte in meiner Schublade. Schwerdtfeger hält jedenfalls nichts vom aufwendigen Plotten: „Ich schreibe drauflos“, sagt er.

 

„Wo die Geschichte hinführen wird, ist noch nicht ganz klar. Ich habe mehrere Ideen, erst langsam wird mir klar, welche Wege Jasper gehen wird. Bis dahin fülle ich nach und nach Jaspers Wochentage, lasse ihn sich schon mal für einige Kapitel später verabreden“. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Gelassenheit, welche der Autor bei seiner Mammutaufgabe an den Tag legt! 

Übrig bleibt die Frage: „Warum macht der das?“

So oder so: Langeweile kommt keine auf, etwas abrupt beendet Schwerdtfeger seine Lesestunde und verweist auf die nächste Ausgabe von „Mutig im Rahmen meiner Möglichkeiten“ am 17. Dezember. Auch die Vertreterin seines Verlages rührt noch einmal in der Werbetrommel, dann lichten sich die Stühle in der Truckerkneipe. 

Übrig bleibt die Frage: Warum macht der das der, Glünderling – pardon, der Schwerdtfeger? Ist es allein der Mut, der ihn nicht mit dem Vorlesen nicht warten lässt, bis sein Werk vollendet ist?

Ich als Laie denke jedenfalls, dass ein Lektorat nicht einem beliebigen Kollektiv anvertraut werden sollte – vielmehr jemandem, der ein wenig Ahnung vom „Geschäft“ hat. Was allerdings bedeuten würde, dass das Romandebut im stillen Kämmerlein entstehen würde – und der Wortakrobat auf manch Bühnenpräsenz verzichten müsste. 

Vielleicht liegt genau hier der Hase im Pfeffer – Schwerdtfeger ist ein Bühnenmensch und Entertainer, vermutlich kann er einfach nicht anders. Es ist wohl weniger der Mut im Rahmen seiner Möglichkeit, sondern seine Lust auf Interaktion und Scheinwerferlicht, der ihn diesen ungewöhnlichen Weg gehen lässt. 

Dass das Scheinwerferlicht in diesem Fall lediglich aus der schummrigen Beleuchtung einer Truckerkneipe besteht, scheint ihn nicht zu stören – so wenig wie mich, denn ich komme gerne wieder. Ich bin gespannt, wie sich Museumswächter Jasper bis zur nächsten Lesung entwickeln wird – und kaufe das Buch gerne selbst dann, wenn ich den Inhalt schon vorab kenne. Fan ist eben Fan. 

„Ich hab‘ das Gefühl, ich hätte den Roman selbst mitgeschrieben“, sagt mein Tischnachbar zum Abschied. Dann stehe ich in der kalten Luft vor der „Insel“, umgeben von Zugmaschinen. Die Fernfahrer haben längst Feierabend und sich in ihre Kojen verkrochen. Und auch ich freue mich auf mein Bett. Vielleicht blättere ich vor dem Schlafen noch ein wenig in einem Buch.




„FEE vs. Cönig“: Chronologie einer Premiere

Freunde der Dichtkunst und Liebhaber der Musik haben in Frankfurt selten Grund, auf dem Sofa zu versauern.Längst haben sich zahlreiche Poetry Slams und Konzertveranstaltungen etabliert. In großen und in kleinen Rahmen gibt’s immer was zu gucken und erleben, insbesondere an Wochenenden.

Nun haben die wunderbare Frankfurter Liedermacherin Fee und der längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Jan Cönig gemeinsame Sache gemacht und mit „Fee vs Cönig“ in vorläufig vier Ausgaben ein weiteres Format im Veranstaltungskalender verankert. Schon in den Monaten zuvor hatten beide (zum Glück!) keine Bühne ausgelassen und versprechen eine „Show voller Musik, Spoken Word und Action“. Nach einer mustergültigen Kampagne in den einschlägigen sozialen Medien, in der wirklich alle Waffen des Marketing gezückt wurden, wurde schlussendlich auch mein Interesse geweckt. Doch zunächst stellte sich für mich die Frage: Brauchte die Kulturwelt meiner Stadt tatsächlich noch eine weitere Veranstaltungsreihe? Noch dazu eine, deren Name ein gewisser Privatfernseh-Touch anheftete?

 

Brotfabrik und Spiele: Zwei Frankfurter Künstler im Duell



Das, da war ich ich mir schnell sicher, galt es für mich herauszufinden – auch, wenn ich mittlerweile fürchtete, mich angesichts des großen Angebots an Veranstaltungen irgendwann tatsächlich zwei-, wenn nicht gar dreiteilen zu müssen. Was soll’s, beide Gastgeber schätzte ich schließlich schon lange als Bereicherung der Frankfurter Unterhaltungslandschaft. Auch auf die mir bislang unbekannten Gäste in Gestalt des Musikers Tilmann Claas sowie der Marburger Poetin Leticia Wahl hatte ich eine gewisse Neugierde entwickelt. Am Abend des 15. Septembers 2018 machte ich mich somit auf den Weg zur von mir sehr geschätzten Brotfabrik im Stadtteil Hausen, auserkoren zum Schauplatz des Spektakels.

 

Falls ihr, liebe Leser, an jenem Abend ein Tinder-Date hattet oder anderweitig verhindert wart und euch nun fragt: „Was hab‘ ich verpasst?“:
Hier die Ereignisse der Show im Schnelldurchlauf! 

18:42 Uhr
„Hoffentlich wird das kein Reinfall!“, denk ich mir. Eigentlich hatte ich den heutigen Abend im Publikum der „Die drei Fragezeichen“-Tour in Offenbach verbringen wollen. Wer mich kennt, der weiß: Es fällt mir schwer, den drei Detektiven eine Abfuhr zu erteilen. Nun ja, immerhin sitze ich nun in der U-Bahn in Richtung Hausen statt auf dem Weg nach Offenbach zu sein. Ist ja auch was.

19:05 Uhr
„Ach, da isse ja!“ – Zusammenkunft mit meiner lieben Begleitung geglückt. Noch nix los in der Brotfabrik. Nicht schlimm, zu erzählen haben wir uns genug.

19.42 Uhr
Nach einer Cola zum Wach- schwenke ich nahtlos zum Apfelwein zum Betrunkenwerden über. Das, weiß ich als alter Hase, macht auch schlechte Shows erträglicher. Cheers!

19.58 Uhr
„Sind wir hier am Pool eines Pauschalurlaub-Hotels?“ Menschen reservieren Stühle zwar nicht mit Handtüchern, dafür aber mit Schals, Handtaschen, Jacken, und was sie sonst noch finden. Doch wir haben Glück: In der ersten Reihe ist noch was frei. Läuft bei uns.

20.05 Uhr
Applaus, Applaus. Fee und Cönig entern die Bühne, begleitet vom eigens komponierten Oeuvre. Nett.

20.09 Uhr
Auch Tillmann Claas und Leticia Wahl sind nun on stage und lümmeln sich ins Sofa. Auf dem Tisch vor ihnen winkt: Eine Winkekatze. Ich winke mal zurück.


20.10 Uhr

Fee greift zur Gitarre. Hach, ihre Musik muss man einfach mögen. Zumindest heimlich!

20.18 Uhr
Fee schleudert einen Schaumstoffwürfel ins Backstage. War nicht so geplant, denn eigentlich wird gerade etwas anderes gespielt: Hausnummernwürfeln. Die Sängerin bildet gemeinsam mit Tillmann Claas ein Team. Das Pendant, gebildet aus Jan Cönig und Leticia Wahl, würfelt dagegen unfallfrei. Nützt aber nix.

20.22 Uhr
Spielstand 1:0! Team Fee geht in Führung.

20.24 Uhr
Wahl kann auch Klavier. Dazu ein Text über einen Elefanten aus Porzellan. Frage mich, warum ich damals doch gleich den Klavierunterricht vorzeitig abgebrochen hatte.

20.34 Uhr
Wahl kann auch ohne Klavier. Und wie! Ein Text über einen Elefanten aus Porzellan. Ich beschließe, sie zu mögen.

20.36 Uhr
„Was hat acht Arme und kann gut addieren? – Ein Oktoplus!“
König reißt schlechte Witze, ich muss trotzdem lachen. Bin ich tatsächlich derart primitiv?

20.38 Uhr
Noch ein Text von Wahl. Schritte zurück und Schritte vor. Täusche ich mich, oder ahmt sie sie tatsächlich mit Schlägen auf unterschiedliche Partien ihres Körpers einen perfekten Herzschlag nach? Ich bin schwer beeindruckt! Vom Text selbst dagegen sehr berührt, kann ich nicht anders sagen. Sie hat mich endgültig gepackt. Hach ja.

20.44 Uhr
Ich realisiere, dass Tillmann Claas mit Nachnamen so heißt wie Claas Heuer-Umlauf mit Vornamen. Unbeeindruckt von dieser Tatsache wirft dieser Holzkugeln auf eine Leiter. Dabei stellt er sich weit besser an als Jan Cöni – der hat nämlich kein einziges Mal getroffen. Willkommen im nächsten Spiel: „Leitergolf“!

20.45 Uhr
Spielstand 2:0. Team Fee baut die Führung aus. Hierfür allein verantwortlich: Gamemaker Tillmann Claas.

20.50 Uhr
„Du stellst wirklich gute Fragen!“, bescheinigt Claas der Gastgeberin ein Moderationstalent. Diese hatte ihn  zuvor danach gefragt, wo ihn seine Inspiration ereile.Er halte es da wie Picasso: „Inspiration gets you at work!“  Man hat sich wieder niedergelassen, bisschen Gequatsche auf dem Sofa. Claas erzählt  auch von seinem  „Bürotag“, den er wöchentlich bestreite. Dass er dabei einen Anzug trage, mag ihm niemand abkaufen. Herrlich komisch!  Cönig macht Witze über die Moderationskarten seiner Konkurrentin, Claas zitiert Picasso. Leticia Wahl spielt im Schneidersitz mit dem Schaumstoffwürfel. Ich fühle mich bestens unterhalten. Auch, wenn offen bleibt, ob Picasso wirklich des Englisch mächtig war.

21.01 Uhr
Claas steht schnipst in ein Mikrofon und schnipst. Das Publikum schnipst vereinzelt mit. Fee und Cönig kabbeln sich mal wieder wegen ihrer Moderationskarten. Nun aber: Pause!

21.12 Uhr
Frische Luft, Rauchen im Innenhof. „Das ist mal eine ganz andere Unterhaltung, noch dazu von so jungen Leuten!“, nebenan unterhalten sich zwei Damen mittleren Alters. Doch auch andere Stimmen sind zu vernehmen: „Damit kann ich gar nichts anfangen!“. Ein wenig mehr „Knackigkeit“ wäre schön gewesen, egal, man gehe jetzt nach Hause. Ich zünde noch eine Zigarette an.

21.25 Uhr
Die Kamera macht mich nervös. Ständig turnt jemand herum und filmt. Aktuell steht Jan Cönig im Fokus der Aufnahmen, ein Text über seinen Opa und die Zeitnot unserer Generation. Kenn‘ ich zwar schon, find‘ ich aber trotzdem gut. Unterschreibe alles. Auch Pumuckl hätte gerade seine helle Freude: Fee trinkt erstmal ’nen Tee.

21.31 Uhr
„Die schönen Momente“, sagt Cönig, „sind doch diejenigen, während derer man die Zeit vergisst“. Ich unterschreibe abermals, während Claas sich von der Ottomane erhebt.


21.32 Uhr
Tillmann Claas erleidet einen epileptischen Anfall, während er eine elektrische Gitarre malträtiert. Er windet sich und zuckt. „Der Krach drückt die Welt in meinem Kopf aus“, betont er. Gelächter im Saal, ich stimme ein.

21.44 Uhr
Claas‘ Anfall ist vorüber. Eines seiner Lieder lässt mich alles über seinen Freund Thorsten wissen. Ein Anderes zeigt: Claasen und mich, uns eint der Erfolg: Wir beide stehen äußerst erfolgreich auf und schlafen ebenso erfolgreich irgendwann ein. Auch lerne ich, dass Rauchen kein Sport ist. Verdammt, hätt‘ ich das mal früher gewusst.

21.50 Uhr
Ich bekomme keine Luft mehr. Mit „Wat is mit dir“ liefert Claas eine herrlich absurde Punk-Nummer ab, ich erleide einen Lachanfall. Der Autor sollte auch am nächsten Tag noch einen Ohrwurm haben. Beifall, als der Künstler abtritt, ergo: Sich wieder aufs Sofa setzt. „Der Saal tobt“ zu schreiben, träfe zu, erscheint mir aber als längst zu platt. Entscheide, sein Fan zu werden.

21.51 Uhr
Stelle fest, dass meine Finger schmerzen. Der „Triple-Schnips“ ist schuld.

21.56 Uhr
„Wie soll ich bitteschön eine Druckerpatrone darstellen?!“
Wir befinden uns im dritten Spiel: Pantomime. Besser klappt’s dagegen mit der Visualisierung eines Bademeisters, welcher im Bruchteil einer Sekunde vom Publikum als solcher erkannt wird.Chapeaux!

21.58 Uhr
Obwohl Fee mustergültig einen fiktiven Pfandflaschenautomaten bedient, geht die Runde an Team Cönig-Claas. Zwischenstand: 2:1 !

22.05 Uhr
„Soll noch mal jemand sagen, das Rauchen wäre schädlich!“
Cönig hat in Erfahrung gebracht, wie Leticia Wahl zum Poetry Slam gekommen ist. Diese erzählt noch ’nen kleinen Schweif, ich höre gern zu. Als nächstes Spiel soll folgen: Der Buchstabierwettbewerb

22.15 Uhr
Fee und Tillmann verhaspeln sich beim Versuch, die Wörter „Hieroglyphe“ und „Stracciatella“ zu buchstabieren. Glück für die Gegner: Obwohl Jan Cönig beim folgenden Lieder-Raten die Red hot chili peppers mit Robbie Williams verwechselt (kann ja mal passieren!), gelingt der Ausgleich. Spielstand: 2:2

22.20 Uhr
Jetzt wird’s gemein, und zwar für mich: Die Zuschauer sind aufgerufen, mittels Hochhalten einer Karte ihren Favoriten zu bestimmen. Wie soll ich mich da bitte entscheiden? Die Künstler verfügen schließlich ganz unterschiedliche Talente und entstammen verschiedenen Zünften. Davon einmal abgesehen, haben sie allesamt großartige Auftritte hingelegt! Ich ringe und kämpfe und rangle mit mir, entscheide mich dann aber einzig aus Gründen der Solidarität für das Team von Fee. Ein flaues Gefühl bleibt.

22.23 Uhr
Die Frankfurter Musikerin grinst, während sie das Fallblatt umdreht und den Entstand verkündet. 3:2 für sie und Tillmann Claas. Der geschlagene Cönig bekommt ’ne fiese Aufgabe gestellt und wird bei der nächsten Show über seine Erfahrungen im Waxing-Studio berichten. Höhö.

22.29 Uhr
Fee greift nochmals zu Gitarre. Ich hätte fast schwören können, dass ich am heutigen Tage noch einmal ihr Vorzeigestück „Einzimmerwohnung“ hören werde. Und, tatsächlich: So sei es. Feinfein!

 

Wenn Künstler ein Konzept in den Schatten stellen: Mein Fazit

„Nächster Halt: Hauptwache“, 23:02 Uhr.
Ich sitze in der U-Bahn und überlege. Hat es sich gelohnt? Ja, ja und nochmals ja. Zu bemängeln wäre da allenfalls, dass die eigentliche Konzeption der Show als Wettkampf ein wenig im Schatten der fantastischen Darbietungen der Künstler stand. Die Spiele hätten ein wenig gewitzter sein können, doch haben Fee & Cönig ja noch genügend Zeit, um sich die Disziplinen ihres nächsten Duells zu überlegen. Wirklich mies war, die so unterschiedlichen Charaktere während der Abstimmung mit „besser“ und „schlechter“ bewerten zu müssen.

Ich jedenfalls ziehe meinen Hut vor der Organisation eines solchen Events. Herzlichen Glückwunsch für das glückliche Händchen bei der Auswahl der beiden Gäste! Frankfurt, resümiere ich, braucht diese Show. Der bunte Mix aus Poesie und Musik, gepaart mit spannenden Gästen und dem (wenn auch etwas in den Hintergrund geratenen Spielkonzept) macht Sinn und Spaß. Danke dafür, ihr Beiden!

Wenn auch ihr nun so richtig Bock auf Fee & Cönig bekommen habt, checkt doch mal deren Facebook-Seite. Vielleicht seid auch ihr am 18. Januar bei der „Wintersause“ mit von der Partie? Ich jedenfalls bin schon jetzt gespannt darauf. 

Texte, Trinkhallen & Treten: Mit der „LiterRadTour“ unterwegs

Leidenschaften zu haben ist gut. Leidenschaften miteinander zu verbinden ist besser! Insofern bin ich fast ein wenig verärgert darüber, dass mir eine wahrlich grandiose Idee vorweggenommen wurde….

Aufmerksame Mainrausch-Leser wissen natürlich längst um meine Vorliebe für Fahrradtouren, Literatur und Wasserhäuschen. Was also sollte schon näher liegen, als diese wesentlichen Aspekte meines bescheidenen Daseins zu kombinieren? Eben. 

Ärgerlicherweise – ich habe es erwähnt – kamen mir einige helle Köpfe der Jugendmigrationsdienste im Quartier Gallus kurzerhand zuvor, in dem sie in Zusammenarbeit mit dem Stadtbiotop Offenbach sowie die astreinen Jungs des Wasserhäuschen-Fanclubs Linie 11 eine – Achtung, Wortspiel! – LiteRadTour ersannen.

Texte treffen aufs Trinken, Rhetorik trifft aufs Radfahren, so das Motto der Veranstaltungsreihe für das breite Volk. Nach drei Versuchen, welche vollends an mir vorüberzogen, gelang es den Initiatoren beim vierten Anlauf, mich auf die nächste bevorstehende Radtour mit Zwischenstationen in Form von poetischen Darbietungen aufmerksam zu machen. Die Künstler des Tages: Jan Cönig und Raban Lebemann vom gleichnamigen Duo, außerdem der mir bis dato unbekannte Gax Axl Gundlach. Außerdem, als Krönung des Ganzen: Jey Jey Glünderling, mit Preisen quasi überschütteter Meister des Poetry Slam. Seine Texte hab‘ ich schon immer sehr gefeiert (sagt man heute so!), kurzum: Ich war vom Rahmenprogramm vollends überzeugt.Ein heißer Sonntag im August 2018 soll zum Tage des Spektakels werden. Und dieses Mal -endlich-endlich!- bin auch ich mit von der Partie. Als Otto-Stinknormal-Teilnehmer, wie schön, auf der Bühne habe ich selbst schließlich erst am vergangenen Sonntag gestanden. Einfach mal berieseln lassen: Nice! 

Ziemlich nice auch, dass ich ich eine bezaubernde Begleitung gefunden habe, die sich mit mir auf zwei Rädern auf den Weg mitten hinein ins Herz Frankfurts verzogener, kleiner Schwester macht: Offenbach. Offenbach, das meint man gar nicht, ist -rein räumlich betrachtet- tatsächlich an manchen Stellen lediglich eine nahtlose Fortsetzung des Frankfurter Stadtgebietes. Wir sind schnell da, just-in-time, ja, auch Offenbacher Straßenzüge haben ihre Tücken.

Erster Akt: Ein Marktplatz ohne Markt

Kaum haben wir den Treffpunkt erreicht und unsere Zweiräder verschlossen (in Offenbach weiß man ja nie!), müssen wir uns arg wundern. Einen „Marktplatz“, den hätten wir uns, nun ja, anders vorgestellt: Keine Spur von Marktbuden und freundlich dreinblickenden Damen in grünen Kittelschürzen, welche mit einem herzlichen Lächeln im Gesicht den Bund Möhren überrascht.

Auch von eher halbseidenen Geschäften keine Spur, keine bösen Gesichter hinter Sonnenbrillen, keine Plastiktütchen. Verdammt, wird an Offenbacher Marktplätzen überhaupt irgendwas gehandelt? Stattdessen: Betongraue Tristesse, eine KFC-Filiale, und eben: Die Literaten, umringt von ihrer etwa dreißigköpfigen Zuhörerschaft. Und eben uns.

„Schön, dass ihr da seid!“, oha, es geht los. Eine junge Vertreterin des Offenbacher Stadtbiotops begrüßt die Angereisten, ja, man habe sich bewusst für diesen Ort entschieden. Das durchaus unterstützenswerte Ansinnen der Initiative sei es schließlich ausdrücklich, auch trostlose Orte wie diesen hier zu bespielen, mit Leben zu füllen. Und dann geht’s auch schon los!

Jan Cönig spricht zuerst ins Mikrofon, seine durch einen tragbaren Verstärker potenzierte Stimme lockt erste Schaulustige an. Es folgt ein Text seines Partners Lebemann, er referiert über die Ernährungsgewohnheiten der Generation Instagram. „Gax“ Axel Gundlach gelingt es anschließend, eine Spur Tiefsinn auf dem grauen Pflaster zu versprühen. Bühne frei für Jey Jey Glünderling, ja, selbst an diesem unwirtlichen Ort weiß er sich als Kunstfigur zu inszenieren. „Wie nennt man man ein kiffendes Känguruh?“, versucht er sich zunächst an einem kleinen Kalauer und lässt die Antwort nicht lange auf sich warten: „Grashüpfer!“ Erwartungsgemäß, so soll es bei Kalauern schließlich sein, lacht niemand. Mir entweicht dennoch ein kurzes Kichern, „hat ein bisschen gedauert, was?“, fragt der Poet in meine Richtung. In gewohnter Manier – folglich ziemlich laut, wofür hat der Kerl eigentlich ein Mikrofon?, knüpft er seinen eigentlichen Text an. Nun lachen alle, der Kerl versteht sein Handwerk.

Ein zu uns gestoßener Passant weiß nicht nur jedes Offenbach-Klischee zu erfüllen, sondern scheint dagegen eher weniger von Sinn und Zweck der Veranstaltung zu verstehen. „Poetry? Ey, hab‘ ich nie was von gehört, nee, nich‘ so meins, Bruder!“ Wer schon hätte das gedacht. Zeit für einen Ortswechsel. Ein Becher Kaffee für den Weg, nächster Halt: Dreieichpark. An den Ort, an dem sich Welse ihrer Artgenossen entledigen und Sommerlöcher füllen. Wir sind gespannt und treten in die Pedale.

Zweiter Akt: Barocke Tempel treffen  Freestyle-Skills

Ein knapper Kilometer später, der Kaffee blubbert in meinem Magen. Wir haben den Dreieichpark erreicht, ein Sommertag in Offenbach, Kinder toben und schreien, wir suchen Schutz unter dem Dach des barocken Pavillons. Dieser ist -ganz klar, Offenbach!- natürlich videoüberwacht, vielleicht finden ja hier diejenigen Geschäfte Stadt, welche man auf dem Marktplatz verortet hätte. Wir versammeln uns im Halbkreis um die Literaten, erste Bier- und Wodkaflaschen werden umhergereicht. Scheint in literarischen Freundeskreisen üblich, da kann ich mich als Autor nicht einmal ausklammern. Bleibe aber, so beschließe ich, vorerst dennoch bei ’ner kalten Cola Light.

In bekannter Reihenfolge gibt’s was auf die Ohren und zum Denken, zuletzt betritt Glünderling die Bühne, welche keine ist. Er verliest seinen Text über einen recht unbeliebten Schüler, schnell erkenne ich ihn wieder – ist dieser doch bereits in Jey Jeys Erstlingswerk veröffentlicht. Der Text beginnt recht harmlos, entwickelt sich aber nach recht radikalem Umbruch zu einer wahnwitzigen Werbung für Scientology. Nicht, dass der Autor das ernst meinen würde, doch versteht er es eben auch auf improvisierten Bühnen, so richtig auszurasten: „Werde Teil von Scientology!“, am Ende spricht er nicht, er schreit. So laut, dass auch ein -abermals jegliche Klischees erfüllender- Parkbesucher sich erschreckt umdreht. Etwas verstört mustert er unsere Versammlung und beginnt zu schimpfen. „Entspann‘ dich mal, und komm‘ auch du zu Scientology!“, ruft Glünderling ihm zu. Die Zuhörer lachen, der Offenbacher nicht. Er zieht von dannen.

Bevor wir allerdings von dannen ziehen, gibt’s allerdings noch ein wenig Freestyle-Rap der Künstler. Ich kenn‘ das schon als Einlage von „Wir müssen reden, Frankfurt!“, auch dieses Mal bin ich angetan vom Improvastionstalent der Jungs. Auf vom Publikum ein- beziehungsweise nicht eingeworfene Stichwörter (na gut, nehmen wir halt ‚Stille‘!“) mal eben einen Sprechgesang zu fabrizieren- Chapeaux!

Rucksäcke werden gepackt und Fahrräder bestiegen, denn: Wir ziehen weiter. Zurück nach Frankfurt, home sweet home, nächster Halt: Gallusviertel. Noch ehe wir die Oberräder Wiesen erreichen, hat sich die vormals dreißigköpfige Gruppe verloren, was soll’s, sind ja alle groß. Am Mainufer versuchen wir geflissentlich, Passanten einen tödlichen Ausgang ihres Sonntagsspazierganges zu ersparen, passieren das Heizkraftwerk West, und erreichen: Irgendwann doch unsere nächste Station: Die Trinkhalle Kölner Straße, „hart-klassisch“ gemäß der amtlichen Trinkhallen-Definition meiner Freunde der Linie 11.

Dritter Akt: Von Verlorenen und Kirschlikör

Irgendwann erreichen wir dann doch noch die berüchtigte Trinkhalle. Auch hier die Drahtesel besser mal angekettet. Gundlach ist schon vor uns im Gallus angekommen, zählt aber nicht, statt mittels Velo war er mit Motorroller unterwegs. „Reifen war platt!“, entschuldigt er sich. Wir freuen uns über die Vollzähligkeit der Künstler. Eine Vollzähligkeit, wie man sie von den Zuhörern nicht behaupten kann: Die einst dreißig Teilnehmer haben sich kurzerhand halbiert. Was ihnen innerhalb der letzten Dreiviertelstunde zugestoßen sein mag? Darüber lässt es sich nur mutmaßen.

Doch zuerst gilt es sich zu erfrischen, meine adrette Begleitung und ich mustern die Auslage der Trinkhalle. „Höhö“, sag‘ ich, „schau‘ mal da: Kirschlikör!“. Kurz liebäugeln wir mit Eierlikör, entscheiden uns dann dennoch zum Kauf. Tarnung ist alles, das weiß man auch im Gallus – es gilt nun galant, den Inhalt der kleinen Likörflasche in einer unverdächtig wirkenden Cola-Flasche zu versenken.Nicht namentlich zu nennende Teilnehmer und Künstler geben sich da weitaus unverschämter: Nicht mal sechs Uhr abends, abermals machen Bier-, Club-Mate- und Wodkaflaschen die Runde. Cheers, Gallus – und: Bühne frei!

Cönig berichtet von seinen fingierten Erlebnissen als Treppenlift-Fahrer und Kindergeburtstags-Clown. Glünderling kotzt sich aus über die geschlechtsspezifischen Benachteiligungen der Herrenwelt im Hochsommer, zwischen den Zeilen plädiert er aber für ein frei von Hochglanz-Magazinen geprägtes Schönheitsideal. I like!

Gundlach startet was dadaistisches, was genau, vergesse ich schnell. Dadaismus war noch nie so Meines, dafür aber Trinkhallen – respektive die bunte Vielfalt der Frankfurter Wasserhäuschen-Szene.

„Ey, lest hier mal bloß nix vor!“, ein Kerl im Unterhemd ist offensichtlich kein Freund der lokalen Literatur. Was soll’s, ich nippe an meiner mit Kirschlikör aufgemotzten Cola. Schmeckt gar nicht mal so übel – dass es immer noch erst früher Abend ist, ignoriere ich dabei geflissentlich. Am Sonntag ist das legitim, lasse ich mich von der jungen Frau zu meiner Rechten belehren.

Nur schweren Herzens lösen wir uns aus unseren Trinkhallen-Stühlen, einmal noch aufs Rad, die Endstation für heute ist nicht weit: Die Quäkerwiese, grünes Einod des einstigen Arbeiterviertels.

Vierter Akt: Speed-Dating und schwarze Löcher

Nur einen Katzensprung später, die Räder sind verschlossen, eine Mauer bietet eine Sitzgelegenheit, die wir dankbar annehmen. Schnell haben sich die Autoren eine letzte Bühne für den heutigen Tag herbei-improvisiert. Sind tatsächlich schon vier Stunden vergangen?

Wir wechseln von Kirschcola zum Käffchen und sind noch mal ganz Ohr. Gundlach kündigt einen guten Rat fürs Leben an, beginnt seinen Text aber zunächst mit einem interstellaren Ausflug. Supernova, rote Riesen, Universum weg, Sonne weg, alles weg, schnell gleite ich in Gedanken ab und kann nicht mehr wirklich folgen. Hätte wohl doch Raketenwissenschaftler werden sollen.

Doch, a propos schwarzes Loch: Sind darin etwa die zwei Drittel der einst dreißig Literaturfreunde entschwunden? Wir haben uns deutlich dezimiert, was soll’s, wir hören weiter zu. Gundlach nähert sich der Pointe, dem Rat fürs Leben, der da lauten soll: „Lebt so, dass euer letzter Gedanke sein wird: Scheiße, war das Leben geil!“. Wie recht er doch damit hat.

Lebemann greift zum Mikrofon, lässt sein letztes, fiktives Speed-Dating mit uns Revue passieren. Ganz witzig, wirklich, am Ende wird ein für alle Male klargestellt: Ja, die „Achtzehn“ fährt auch in die Innenstadt.

Welch ein starker Sonntag!

Und wir? Sagen tschüß und fahren statt in die Innenstadt ins schöne Bornheim. Da gibt’s nämlich Lavendel-Minze-Apfelwein und obendrein eine tolle Aussicht hinab vom Hof des Bornheimer Ratskellers (no advertising!).

Wir stoßen an, noch immer ist es hell. Doch schließlich ist es Sonntag. 
Und wir beide sind uns einig: Ein ziemlich starker Sonntag. Auf baldiges Wiedersehen bei der nächsten „LiteRadTour“! 

 

„Texte von gestern“: Weshalb eine Geschichte aus Kindertagen mit mir nach Berlin reiste

„Ich will nicht nach Berlin“, singen Kraftklub in ihrem wohl größten Hit. Ich dagegen schon, zumindest heute, zumindest ausnahmsweise. Ein heißer Tag im August 2018, wenigstens die Klimaanlage im ICE verschafft ein angenehme Abkühlung. Meinen Kaffee hab‘ ich großzügig auf dem gestreiften Teppich verteilt, „bis Berlin ist das trocken!“, hat meine Platznachbarin gelacht und mir Taschentücher gereicht. Ging ja gut los. 

Wir unterhalten uns noch über Dies und Das und über Frankfurt, wo wir beide eingestiegen waren. „Sie kennen sich aber gut aus!“, befindet sie, „nun ja – ich lebe schließlich dort!“, ich hebe meine Arme. Zu Besuch sei sie gewesen, klärt mich die nette Frau auf, sie hätte nie gedacht, wie schön es doch in Frankfurt sei. Wo sie denn lebe? „Ausgewandert nach Kanada“, sagt sie wie selbstverständlich, „nur mal wieder zu Besuch in Deutschland“. Sie schaut wieder aus dem Fenster, das Kinzigtal zieht vorbei. „Kanada? Soll ja auch ganz schön sein!“, sag‘ ich und blecke meine Zähne zu einem Grinsen. „Zumindest nicht ganz so teuer wie Frankfurt“, sie grinst zurück. „Schön, aber teuer“: Die herausragendsten Attribute meiner Heimatstadt scheint sie schnell erkannt zu haben.

Geschichten aus Kindertagen

Berlin dagegen, wohin ich heute reise, ist weder schön noch teuer, vielmehr ganz offiziell: Arm, aber sexy. Der dortige Oberbürgermeister hatte das einst schließlich so verkündet, und noch immer scheint sich die Stadt nach seinen Worten zu definieren. Wozu ich nun also in die recht mittellose, in ihrem Selbstverständnis aber umso aufreizendere Hauptstadt reise?

Grund für meinen kleinen Ausflug ist die Lauscherlounge, mit welcher ich erstmals bei meinem Besuch der „Die drei Fragezeichen – Record Release Party“ Bekanntschaft machte.Längst organisiert jene von Synchronsprecher Oliver Rohrbeck ins Leben gerufene Lauscherlounge nicht mehr nur öffentliche Hörspiele, sondern auch andere Veranstaltungen. So auch „Texte von gestern“.

Der Untertitel der Lesungsreihe – „Erwachsene von heute lesen Texte, die sie als Kinder geschrieben haben“ hatte mich unmittelbar an einen mit Mickey-Mäusen verzierten Ordner denken lassen müssen. In diesen hatte ich als Grundschüler alle meine Geschichten geheftet, die ich in meinem Kinderkopf ersonnen und aufgeschrieben hatte. Anfangs noch ungelenk mit dem Lamy-Füller, später dann ganz fortschrittlich mit Microsoft Word 97 und – wie konnte es auch anders sein – in der Schriftart Comic Sans MS.

Ja, im Jahr 1997 hatte ich sowohl Mädchen als auch Fußballspielen als ziemlich doof empfunden, da konnte auch Papa nix machen. Auch der Carrerabahn konnte ich nie viel abgewinnen. Wohl aber meiner Phantasie, welche gelegentlich mit mir durchging und mich Geschichten namens „Tina im Orient“ oder „Ein Drache als Haustier“ zu Papier bringen ließ.

 

Auch Titel wie „Der Fluch Zeuß (sic!)“ trug ich meinen Eltern in kindlichem Stolz vor, einige davon sprach ich sogar auf Kassette. Sowohl Ordner wie Kassetten verschwanden irgendwann für eine lange Zeit auf dem Dachboden meiner Eltern. Erst, als ich längst erwachsen war, Mädchen nicht mehr ganz so doof fand und andere Leidenschaften entdeckt hatte, fanden die Geschichten aus meiner Kindheit ihren Weg zu mir zurück. Schon seit Langem lebte ich da in Frankfurt, verdiente mittlerweile als Autor Geld. Ein Freund des Fußballspielens war ich nie geworden, doch zumindest dem Schreiben war ich immer treu geblieben.

Geschichte mit Pointe: „Der Schatz von Demu“

Jedenfalls: Ich hatte da was in petto. Keine Sekunde überlegt, mich anzumelden, fix noch ein Hotel gebucht. Mich nach reiflicher Überlegung für meine abenteuerliche Geschichte namens „Schatz von Demu“ entschieden, welche – wie ich finde – eine recht quirlige Pointe hat. So sitze ich nun im ICE, mittlerweile ziehen die weiten der ostdeutschen Prärie vorbei. Windräder. Irgendwo bei Lutherstadt-Wittenberg beginnt mein Hintern gehörig zu schmerzen, statt Kraftklub dröhnt mir das herrliche Stück „Berlin, Berlin!“ in die Trommelfelle. S-bahn, Alex, Currywurst – der Späti hilft, hast du mal Durst!“

Irgendwann dann erreiche ich dann doch noch mein Ziel, checke im Hotel ein, entledige mich meines Trolleys und schaufele mir einen Liter kaltes Wasser ins Gesicht. Ab aufs Fahrrad, ich bin gespannt und aufgeregt!

Als ich den „Frannz-Garten“ im Innenhof der KulturBrauerei erreiche, wo „Texte von gestern“ heute residiert, stoße ich unmittelbar auf meinen alten Schulfreund Daniel. Während ich mich in Frankfurt als Lebenskünstler und Autor versuche, ist er zwischenzeitlich aus Modegründen nach Berlin gezogen – und soll heute Abend meine Begleitung sein. Ich freu‘ mich ganz ehrlich und riesengroß darüber, schließlich haben wir uns verdammt lange nicht mehr gesehen.

Wir versorgen uns mit kühlen Getränken, kurz darauf werde ich hinter die Bühne entführt. Dort lerne ich neben den beiden Moderatoren, der Hörspiel-Autorin Johanna Steiner und dem TV-Gesicht und Synchronsprecher Marco Ammer, meine sieben Mit-Vorleser kennen. Allesamt nette Leute, das steht schnell fest, glatt muss ich mich schon wieder freuen. Welche Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend sie wohl mit nach Berlin gebracht haben?

„Juten Tach, Berlin!“

Diese Frage wird beantwortet, als die beiden Moderatoren pünktlich die Bühne betreten und die Show beginnt. Zu meiner Erleichterung ist kaum ein Platz im Publikum leer geblieben, ich zähle zahlreiche Biere auf den Tischen, hoffe auf ein nach dem dritten Pils bereits sehr nachsichtiges Publikum.

 

Eine junge Berlinerin liest verzweifelte Liebesbriefe aus Teenager-Zeiten vor, und schon als Dritter entere ich die Bühne. Ich grüße das Berliner Publikum und löse das Rätsel um den „Schatz von Demu“. Im Anschluss an meine kleine Darbietung werde ich zwar nicht mit Damenunterwäsche, dafür aber auch nicht mit Tomaten oder gar faulen Eiern beworfen. Puh, alles gut! 

Im Anschluss kann ich mich selbst gemeinsam mit Daniel im Publikum zurücklehnen und den Abend genießen. Ganz besonders begeistert (nicht nur) mich ein Selfmade-Entscheidungsroman, den meine Bühnen-Kollegin Sarah im zarten Alter von 17 Jahren konstruiert hat.

„Willst du dich im hohen Gras verstecken? Dann lese weiter auf Seite 17. Oder doch lieber hinter dem Felsen? Dann geht es weiter auf Seite 21“ – ein herrlich-schräges Abenteuer, wie es nur eine noch junge Seele zu Papier bringen kann. Mir unbegreiflich, wie Sarah beim dicken Papierstapel in ihrer Hand den Durchblick behält.

 

Einer meiner Namensvetter gibt seine Kriegsdienstverweigerung zum Besten, den krönenden Abschluss bildet eine durch und durch sympathische Thüringerin mit, nun ja, etwas absurden Gedichten. Mehrmals japse ich gar nach Luft. Unglaublich, wie schön doch immer wieder das Spiel mit Sprache sein kann!

Mitte? Prenzlauer Berg? Egal, denn es gibt Bier.

Als ich dann von Club Mate (hey, schließlich bin ich in Berlin!) auf Bier umsteige und mit Kumpel Daniel Anekdoten aus den alten Zeiten aufwärme, verleihe ich dem Abend das Prädikat „gelungen!“. Dass sich meine Freude noch steigern kann, merke ich, als die wunderbare Journalistin, Bloggerin und Flaneur (sic!) Isabella Caldart vor uns steht. Die Frankfurterin hat vor kurzem den Main gegen die Spree getauscht und sicher viel zu erzählen. Wir ziehen, das ist ganz klar, noch weiter.

Wir schlendern durch Berlin-Mitte oder auch den Prenzlauer Berg, über den genauen Grenzverlauf ist sich niemand so ganz klar, bis wir eine nette Kneipe finden. Abermals muss ich Bier bestellen – kein Apfelwein auf der Karte, ich könnte hier niemals leben! –, doch das tut meiner Laune keinen Abbruch. Auch ob ich nun gerade in Mitte oder dem Prenzlauer Berg sitze, ist mir zunehmend egal. Diese Stadt auch nur ansatzweise verstehen zu wollen, habe ich mir schließlich schon seit langem abgewöhnt. Wir sinnieren über dies und das und Literatur und Frankfurt und Berlin, thematisieren Reinald Götz und die Fulda Gap. Daniel plaudert peinliche Momente meiner frühen Jugend aus, bevor wir uns der Erotik von Autounfällen widmen. Nur gelegentlich müssen wir unsere Gespräche wegen einer vorbeidröhnenden U-Bahn kurz unterbrechen.

Irgendwann schlägt es dann zwei Uhr morgens, wir werden rausgekehrt. Soviel also zur „Stadt, die niemals schläft“. Aber ich will ja gar nicht meckern, Montagmorgens um zwei pulsiert auch in Frankfurt nun nicht unbedingt das eskalative Leben. Als ich mich aufs Fahrrad schwinge und den Weg ins Hotel antrete, werfe ich einen Blick auf die Kneipe zurück. Neben unseren Stühlen steht ein Autoscooter-Wagen. Dit is dann wohl Berlin, weeste. 

 

Ach, ja: Was ist nun mit dem Schatz?

Sagt bloß, ihr habt bis hierhin durchgehalten – und brennt nur darauf zu erfahren, was es mit dem „Schatz von Demu“ auf sich hat? Nun, dann will ich euch nicht weiter auf die Folter spannen. Viel Spaß!

By the way: „Texte von gestern“ wird auch als Podcast veröffentlicht – hört doch mal rein! 

Hörspiel-Liebe: Weshalb man für drei Nachwuchs-Detektive Frankfurt kurzzeitig verlassen sollte

Es gibt – nach meiner Auffassung – exakt drei legitime Gründe, unser wunderbares Frankfurt für eine Zeit lang zu verlassen. Zum Ersten wäre da das Geldverdienen, schließlich ist der Zaster dieser Welt nicht allein auf den Straßen Frankfurts verteilt. Selbst ein Leben im Einzimmerloch ist hier schließlich nicht ganz günstig und will irgendwie finanziert werden. Notfalls eben auch mit auswärtigen Geschäftsterminen.

Zum Zweiten wäre da, na klar, das Reisen: Es ist okay, sich hin und wieder ein wenig in der Welt umzuschauen. Wie soll man auch die eigene Heimat schätzen, wenn man nicht hin und wieder mal auf Reisen geht? Nachdem man erstmal einige Tage oder Wochen lang in fremden Städten abgetaucht ist, in den Meeren dieser Welt geschwommen ist oder ferne Gipfel erklommen hat, ist das Gefühl umso schöner, wieder zu Hause zu sein. Und immer wieder stellt man fest: Hey, so schlimm haben wir es in Frankfurt wahrlich nicht erwischt. Wie schön, hier leben zu dürfen.

Der dritte Grund, welcher es rechtfertigt, die Stadt unserer Herzen zu verlassen, sind: Die Drei Fragezeichen. Richtig gelesen, jawoll: Die Drei Fragezeichen. Die Drei Fragezeichen?! Doch Eines nach dem Anderen…

Der Himmel ist grau, trotzdem ist es drückend heiß. Ein Tag im Juli, ich habe es mir bequem gemacht und starre durch das Fenster hinaus auf das Gewusel der Pendler auf den Bahnsteigen.

Mit der unverkennbaren Melodie der Stromrichter setzt sich mein ICE in Bewegung. „So fühlt sich das also hinten an“, grinse ich in mich hinein und rutsche noch ein Stückchen tiefer in den blauen Sitz. Mein Ziel ist Dortmund, und noch ehe der ICE 626 den Flughafen erreicht und auf der Schnellfahrstrecke seine Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern erreicht haben wird (nur Fliegen ist schöner!), bin ich in meiner heilen Welt versunken. Die Welt der drei Detektive aus Rocky Beach.

Die Drei Fragezeichen und ich

Jeder braucht sein ganz eigenes Stückchen heiler Welt, und jeder findet einen solchen Rückzugsort woanders. Einen Ort, an den man flüchten kann, wenn die Welt da draußen wieder einmal kaum mehr zu ertragen ist. Und sei es nur ein fiktiver. Als Kind hatte ich mich zunächst in die Welt von TKKG geflüchtet. Die Abenteuer von Tim, Klößchen, Karl und Gabi, erzählt zwischen königsblauen Buchdeckeln. Unzählige dieser Bücher stapeln dürften sich auch heute noch in meinem Elternhaus stapeln, vom Königsblau dürfte vor Staub kaum mehr etwas zu erkennen sein.

Auch die Hörspiele der vier Abenteurer hatte ich für mich entdeckt, hatte viele fröhliche wie traurige Stunden mit einem unansehnlichen Bügel-Kopfhörer auf dem Köpfchen verbracht. Habe auf die Holzdecke über meinem Bett gestarrt so wie heute aus dem Zugfenster, habe immer wieder neue Bilder auf ihr gemalt. In Gedanken, versteht sich, und zwischendurch: Die Kassette gedreht. Warum nur war eine Seite immer genau dann zu Ende, wenn es doch am spannendsten war? Die nun folgenden Handgriffe beherrschte ich im Schlaf. „Open“; die Kassette herausgezogen, mit flinken Fingern gewendet und wieder in den Rekorder gesteckt. Klappe zu, auf „Play“ gedrückt: Weiterträumen.

In meinem Heimatdorf gab es ein kleines Lädchen, „Pia’s Lädchen“ um genau zu sein. Das Geschäft ist längst Geschichte, doch immer noch erinnere ich mich an die hohen Regalreihen, prall gefüllt mit Hörspielkassetten. Ein Paradies, wenn auch die Qual der Wahl mich schon damals gelegentlich überfordert hatte. Doch reichten die zehn Mark Taschengeld eben nur für eine neue Kassette oder ein neues Buch, da wollte die Kaufentscheidung wohlweislich bedacht sein. Für solche Fälle verfüge ich heutzutage zu meiner Freude und meinem Leidwesen gleichermaßen eine Kreditkarte.

Während ich meine Kinder- und Jugendzeit also komplett auf die „Profis in spe“ verschwendete, ließ ich ausgerechnet die Drei Fragezeichen sträflichst außer Acht. Ein Umstand, der sich erst Jahre später ändern sollte. Viele Jahre.

Auf dem Platz mir gegenüber döst ein kleiner Junge, seine Mama daddelt auf ihrem Handy. Wie alt der Kleine wohl sein mag? Vier Jahre, fünf, vielleicht schon sechs? Jedenfalls, wieder muss ich schmunzeln, eigentlich müsste statt mir doch er sich die Bahnfahrt mit einem Hörspiel vertreiben. So eindeutig aber, so viel weiß ich mittlerweile, ist das mit der Zielgruppe bei Hörspielen längst nicht mehr. Ich jedenfalls hatte mir als guten Vorsatz für das laufende Jahr das Ziel gesteckt, meine an TKKG verlorene Jugend nachzuholen. Dass ich mittlerweile schon irgendwas-um-die-Dreißig war, sollte mich in meinem Vorhaben nicht weiter stören. Bis zum Jahresende, so schwor ich mir zum Jahreswechsel, würde ich sämtliche der zum damaligen Zeitpunkt 191 (!) existierenden Folgen der drei Fragezeichen gehört haben. Noch am Neujahrsabend fing ich damit an. Ich war den Dreien, das muss ich so klar sagen, schon bald verfallen. Vergessen waren Tim, Karl, Klößchen und Gabi. Justus, Bob und Peter waren nun der heiße Scheiß für mich, und bereits im Juni hatte ich innerhalb von nur einem halben Jahr jede Sekunde der über 30-Jährigen Geschichte der drei Nachwuchs-Detektive gehört. Hatte ein Jedes ihrer Abenteuer miterlebt, hatte mit ihnen gehofft, gebangt, gezittert, hatte mich über Justus‘ permanentes Kluggescheiße aufgeregt und ihn dennoch gerade wegen dieser so sehr ins Herz geschlossen. Hatte Skinny Norris zu hassen begonnen und begehrte ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen.

Draußen zieht der Westerwald vorbei, der kleine Junge döst noch immer. Und ich? Denke zurück an jenes tiefe Loch, in welches ich zu fallen schien, nachdem ich die Abenteuer der Drei Detektive, nun ja, gewissermaßen „ausgehört“ hatte. Ich hatte doch tatsächlich gar nicht bemerkt, wie sie mir längst ein liebes Stückchen Alltag geworden waren. Was also tun? Eine Bewerbung als Synchronsprecher bei SONY BMG als Produzentin der Hörspielserie verlief leider erfolglos. Ich habe keine Sprecherausbildung, hieß es im Antwortschreiben des Konzerns, da könne man nix machen. Als kleines Trostpflaster legte man der Absage eine Autogrammkarte der Synchronsprecher bei, na immerhin. Ich jedoch konnte etwas machen: Mir die Wartezeit auf neue Folgen mit den gleichnamigen Adventure-Spielen vertreiben, beispielsweise. Oder aber auch: Mit dem ICE nach Dortmund fahren. Denn dort findet heute – drei Tage vor der Veröffentlichung der nunmehr 194. Folge „Die drei ??? und die Zeitreisende“ die zugehörige Record Release Party statt.

Sprich: Ein Haufen Hörspielverrückter kommen zusammen, um gemeinsam schon vorab der neuen Folge ihrer Helden zu lauschen. Ein solches Treffen findet pünktlich kurz vor der Veröffentlichung einer jeden neuen Folge statt und wird von der „Lauscherlounge“ organisiert. Diese ist ein Projekt von Sprecher Oliver Rohrbeck, der dem ersten Detektiv schon als Kind seine Stimme geliehen hat. Während Justus Jonas nie gealtert ist und über die Jahrzehnte Kind geblieben ist, sind die Jahrzehnte an Rohrbeck nicht spurlos vorbeigezogen: 53 Jahre ist der Berliner heute alt. Mit seiner Stimme sind Generationen großgeworden, kaum eine dürfte im deutschen Sprachraum über einen ähnlichen Bekanntheitsgrad verfügen.

Wir erreichen Köln. In meinen Gehörgängen sucht Justus Jonas seine eigentlich tödlich verunglückten Eltern, die Mutter des Kleinen tippt immer noch auf ihrem Handy herum. Dabei wirkt sie ein wenig hilflos. Ich merke, wie ich aufgeregt werde. Nicht nur, dass ich Rohrbeck persönlich treffen und sprechen hören werde. Vielmehr frage ich mich: Wie mag wohl der durchschnittliche Besucher eines „Public Listenings“ eines Kinderhörspiels sein? Ich ahne, dass die eigentliche Zielgruppe – die Kinder – eine Minderheit bilden werden. Noch während die Türen sich schließen und der ICE weiter in Richtung Ruhrpott rollt, verwette ich meinen straffen Hintern darauf, dass ich mit Abstand nicht der Jüngste sein werde in der Halle unweit des Dortmunder Hauptbahnhofs. Ein Großteil der Besucher, da bin ich mir sicher, werden sein wie ich: Längst erwachsen, längst angekommen im Leben. Mittendrin in dessen Freuden, Widrigkeiten, Höhen, Tiefen, Pflichten,Leiden. Kassetten-Kinder wie ich, welche die Helden ihrer Kindheit im Kassettenkoffer mit hinein in ihr Erwachsenendasein getragen haben. Sich das kleine Mädchen und den kleinen Jungen zumindest innerlich bewahrt haben, auch wenn sie ihre heile Welt mittlerweile eher auf Spotify denn auf Musikkassetten finden dürften. Zu meiner Linken zieht der Kölner Dom vorbei. Ich bekomme Hunger auf Bandsalat. Nicht mal mehr eine Stunde bis in die Borussenstadt.

 

Wenn T-Shirts noch ganz harmlos sind

Mit obligatorischen zehn Minuten Verspätung stoppt der Zug und spuckt mich hinaus in die Nachmittagshitze der Ruhrpott-Metropole. Hey, Dortmund – schön, dich mal wieder zu sehen! Alles gut bei dir? Mit Dortmund verbindet mich viel, in jedem Winkel kleben Erinnerungen fest. Ich hatte eine gute Zeit hier, mag die Stadt bis heute sehr. Liebe den grauschwarzen Putz auf den Fassaden ihrer Arbeitersiedlungen, liebe die Relikte einer von Ruß bedeckten Ära. Liebe den weitläufigen Westfalenpark, liebe das bunte Blütenmeer des Rombergparks. Liebe die schmutzigen Straßen, die unverblümte Herzlichkeit der Menschen. Dortmund, du bist nicht Frankfurt. Und das ist gut so.

Doch bin ich heute nicht hier, um im Park zu spazieren oder mich in einer der vielen Eckkneipen niederzulassen. Ich bin hier wegen der drei Jungs aus Rocky Beach – und ich bin nicht alleine: Schon auf dem Bahnhofsvorplatz begegne ich ersten T-Shirts mit dem Logo der drei Fragezeichen. Ich frage mich, ob ich überhaupt adäquat genug gekleidet bin. Noch kann ich nicht ahnen, dass Fan-Shirts noch eine recht dezente Sympathiebekundung für die Hörspiele darstellen sollten.

Bis zur Kulturhalle FZW ist es nicht weit. Eine halbe Stunde vor Beginn tummelt sich bereits eine Horde Fans vor dem Einlass, kaum jemand scheint jünger als ich. Ein kurzes Raunen geht durch die Menge, als eine junge Frau mit grünen Haaren vorfährt. Ihr Auto ist geschmückt von Motiven aus der Welt der „Fragezeichen“. Ich bin baff. Schnell bin ich mit ihr im Gespräch, gern darf ich ein Foto von ihrem Fanmobil machen. Wenn du das hier lesen solltest, Katrin: Viele liebe Grüße aus Frankfurt! Die Fußmatten im Innenraum sind mit drei Fragezeichen bestickt. „Hab‘ ich selbst gemacht!“, sagt sie. Dass auch die Gurtpolster mit drei Fragezeichen versehen sind und in den Seitenfenstern die Visitenkarte der „Drei“ steckt, wundert mich da kaum mehr. Sie fährt nicht nur ein abgefahrenes Auto, auch ihr Turnbeutel ist bemerkenswert. „Ich wandere aus nach Rocky Beach!“, ich muss herzlich lachen. Verrückte Welt!

Wir plauschen noch ein bisschen im Schatten des berühmten „U“, dann geht’s hinein.Direkt im Eingangsbereich befindet sich das, was man bei Konzerten wohl als Merchandising-Stand bezeichnen würde. Erste Anlaufstelle für eingefleischte Fans, hier gibt’s neben T-Shirts tatsächlich auch noch Kassetten und Vinyl. „Ich hab‘ die erste Auflage der Pressung von ‚Im Zeichen der Ritter‘, trotz Kratzer noch 200 Euro wert!“, ich vernehme Fachgesimpel. Quatsche mich auch hier ein wenig durch, bevor ich nochmal Pipi mache und mir einen Platz in der Halle suche.

Zunächst staune ich nicht schlecht:
Viel mehr Menschen als ich dachte haben ihren Weg in den unscheinbaren Bau in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden. Ein erster, flüchtiger Check ergibt: Die meisten dürften in meinem Alter sein, Kinder dagegen sehe ich nur wenige. Ich habe mal wieder mehr Glück als Verstand und finde inmitten der bereits vollbesetzten Stuhlreihen noch einen freien Platz in der dritten Reihe. Auch hier bin ich schnell im Gespräch. Mein Nebenan hat die Schallplattensammlung seiner Tante geerbt. Darunter, wie kann es auch anders sein: Jede Menge ??? auf Vinyl. Er staunt nicht schlecht, als ich erzähle, dass ich eigens aus Frankfurt angereist bin. „Da war ich nur ein einziges Mal“, sagt er. „Viele Hochhäuser – und es soll verdammt teuer sein dort!“ Ich nicke stumm und denke mir meinen Teil.

 

Ein Sinn zuviel

Das Licht geht aus, unter lautstarkem Geklatsche betritt der Star des Abends die Bühne: Oliver Rohrbeck, seit 1979 Stimme des „ersten Detektivs“ Justus Jonas. Er ist kleiner, als ich erwartet hätte. Bereits sein „Guten Abend, Dortmund!“ lässt mich zusammenzucken – unweigerlich ordnet mein Oberstübchen seine Stimme dem adipösen Detektiv zu. Dass statt Justus Jonas aber gerade ein 53-jähriger Glatzenträger spricht, ist eigenartig. Rohrbeck begrüßt die amtlich mehr als 600 angereisten Fans. Ich frage mich, wie viele der Silhouetten im Saal eine noch weitere Anreise auf sich genommen haben mögen. Rohrbeck gibt ein paar Anekdoten aus dem Aufnahmestudio im Hamburger Anwesen von Produzentin und Hörspiel-Königin Heikedine Körting zu Besten. In diesem entstehen, nebenbei bemerkt, auch die TKKG-Hörspiele.

Bevor wir ein exklusives Pre-Listening der neuesten Folge erfahren dürfen, gibt sich auch Rohrbeck schon ganz gespannt: „Ich erinnere mich an nichts mehr!“, behauptet er und erntet damit einige Lacher. Zwischen den Aufnahmen und dem heutigen Tag läge immerhin ein halbes Jahr. Nun könne es aber losgehen. Und das tut es auch. Applaus brandet auf und begleitet das berühmte Intro. Es ist ein merkwürdiges Gefühl: 600 Menschen sitzen in einer Halle und starren auf eine leere Bühne. Leer bis auf Rohrbeck, der es sich einem schwarzen Ledersessel bequem gemacht hat. 600 Menschen sitzen also da und tun nichts, als hörenderweise einer Geschichte zu folgen. Mein Nebenmann bringt die skurrile Situation auf den Punkt: „Ich glaube, ich habe gerade einen Sinn zu viel!“, flüstert er mir zu. Ich kann ihm nur recht geben.

Ich beschließe, meinen Sehsinn kurzzeitig zu eliminieren und schließe meine Augen. Unweigerlich malt mein Kopf bunte Bilder zum Gehörten. Vielleicht liebe ich Hörspiele wie Bücher deswegen: Sie erlauben meiner Phantasie, frei zu sein. Von Filmen dagegen fühlt sie sich beleidigt.

Nur hin und wieder öffne ich für einen kurzen Moment die Augen, betrachte den Mann auf dem Ledersessel, dessen Stimme bekannter ist als sein Gesicht. Die Vorstellung, dass Justus Jonas‘ Worte, denen ich folge, eigentlich seine sind, wirkt unglaublich.

Über den Inhalt des Gehörten mag ich mich an dieser Stelle freilich nicht äußern. Niemandem soll die Spannung und Freude auf die neue Folge genommen werden!

Nach 75 Minuten und einem verblüffenden Ende schüttele ich mich. Erstaunlich, wie sehr ich einmal wieder die Welt um mich herum vergessen konnte. Abermals Applaus, auch Rohrbeck scheint zufrieden mit dem jüngsten Streich der Detektive. „Es gibt ja solche und solche Folgen“, resümiert er. „Diese hier war eine solche.“

Zeit für eine Pause. Frische Luft, zwei hastig gerauchte Zigaretten. Das nächste Highlight steht bevor.

Schon Tradition bei den „Record Release Parties“ sind die Mitmach-Hörspiele. Auch dieses Mal werden einige Zuschauer von Rohrbeck ausgewählt, um auf der Bühne eine Sprecherrolle zu übernehmen. Der Name der heutigen Folge: „Die drei Fragezeichen und das Spiel ohne Regeln“. Die Kurzgeschichten werden aufgezeichnet und anschließend als Podcast zur Verfügung. Rohrbeck instruiert zunächst die Freiwilligen. „Die wissen meistens gar nicht, wie nahe man an so ein Mikrofon heran muss!“. Ich grinse, musste ich einst auch lernen. Die Technik will nicht so wie Rohrbeck will, man fängt noch mal von Neuem an. Der Freude, zuzuschauen, tut das keinen Abbruch.

Die sechs Auserwählten geben sich redlich Mühe. Ich finde gar, dass sich der heutige Sprecher des Chauffeurs Morton viel mehr nach Morton anhört als der echte Morton. „Sehr wohl, die Herren!“

Ich bin verwirrt. Am liebsten beobachte ich aber Rohrbeck in seiner Rolle als Justus Jonas. In ihr, das merkt man, fühlt er sich sicher. Er unterstreicht Justus‘ Sätze gern mit Blicken und Gesten. Statt sie zu spielen, lebt er seine Rolle. Quasi ganz nebenbei bedient er ein überdimensionales Soundboard, um die Hörspiel-Szenerie mit Geräuschen zu unterstreichen und die Stimmen mit Effekten zu belegen. Klar, dass ein Telefonanrufer auch so klingen muss, als spreche er durch eine Hörermuschel!

Fast ein wenig traurig – doch ich komme wieder!

Zum Abschluss gibt’s noch eine Tombola. Ich gewinne nichts, doch bin nicht enttäuscht – denn gewonnen hab‘ ich ohnehin, nämlich die Erfahrung, dass ich mit meiner kleinen „Macke“ nicht allein bin. Zum ersten Mal saß ich gemeinsam mit hunderten Vollblut-Erwachsenen in einer Halle, die sich ihre heile Hörspielwelten niemals haben nehmen lassen. Solange die Phantasie noch lebt, ist kein Kampf verloren!

Und so bin ich fast ein wenig traurig, als das Licht angeht und sich die Reihen lichten. Auch für mich heißt es nun, Abschied zu nehmen – vorerst zumindest. Am Bahnhof kaufe ich mir noch ein Exportbier für die Heimreise im Nachtzug. Normalerweise trinke ich kein Bier, doch in Dortmund, da gehört das so. Und Apfelwein gibt’s dort eh nicht.

Als ich im Sitzpolster versunken bin und die Laternen der schwarzen Provinzbahnsteige vorbeihuschen sehe, freu‘ ich mich schon jetzt auf die nächste „Record Release Party“. In zwei Monaten wird Folge 195 erscheinen, und ich werde dafür nach Berlin reisen. „In Kürze erreichen wir Bochum“, ich öffne meine Flasche Exportbier. Ich nehme einen Schluck, krame meine Kopfhörer aus dem Rucksack. Noch knapp vier Stunden bis Frankfurt. Das langt für drei Folgen. Auf der anderen Seite des Intercity-Wagens sitzt ein junges Mädchen und starrt auf ein vor ihr aufgeklapptes Tablet. Offensichtlich schaut sie eine Serie. „Soll die Jugend von heute mal machen“, denk‘ ich mir. Ich gebe weiterhin nichts auf Bewegtbilder und setze weiterhin auf meine Hörspiele.

Als die Titelmelodie der „Fragezeichen“ ertönt, breitet sich ein Grinsen in meinem Gesicht aus. Wenig später bin ich weg. Im Halbschlaf höre ich Justus klugscheißen. Hin und wieder erscheint Oliver Rohrbeck in meinem Kopf.

Wie ich Kandidat beim „HessenQuiz“ wurde – und Nordhessen zu hassen begann…

Es ist schon eine ganze Weile her, war irgendwann im frühen Sommer. Ich war gerade mit Bügeln beschäftigt (selbst ist der Mann!), zappte mich nebenbei durchs Fernsehprogramm. Hängen blieb ich beim „Großen HessenQuiz“ des hessischen Rundfunks hängen, moderiert von Jörg Bombach. Schaute das nicht meine Oma immer?

Als Bügel-Begleitprogramm sollte es jedenfalls taugen, und während ich das Eisen schwang, begann ich, eifrig mit den vier Kandidaten mitzufiebern. In verschiedenen Kategorien gilt es für sie, ihr Wissen zu ihrem Heimatbundesland unter Beweis zu stellen und sich als echter Hessen-Kenner zu beweisen. Der Gewinner schließlich darf sich über eine große Reise freuen, auch wenn es natürlich kaum einen Grund gibt, das schöne Hessen zu verlassen.

Ich jedenfalls war verblüfft, wie viele der gestellten Fragen ich richtig hätte beantworten können. Mein Ehrgeiz war entfacht, die Hemden wieder glatt.

 

Zwei Gläser Wein später:

„Was die können, das kann ich schon lange!“. Ich fasste spontan den Entschluss, mich als Kandidat für das „Große HessenQuiz“ zu bewerben. War es nicht ohnehin längst an der Zeit, von meinen widerwillig bezahlten Rundfunkgebühren endlich mal zu profitieren? Kurze Online-Recherche, Formular ausfüllen, absenden, fertig – wär‘ doch gelacht, hätte nicht auch ich das Zeug zum Hessen-Champion…

Am nächsten Tag passierte: Nichts. Auch am übernächsten Tag erhielt ich noch keine Antwort, und am dritten hatte ich meine nächtliche Bewerbung längst vergessen.

 

Monate später

Es war mittlerweile Herbst, als auf dem Display meines Telefons eine mir unbekannte Kölner Rufnummer erschien. Ich nahm ab, am anderen Ende war ein netter Herr Hamm von einer Produktionsfirma aus Köln. Ich hätte mich doch für das „HessenQuiz“ beworben? Ach ja, da war ja was. 

Ob man mir denn mal ein paar Fragebögen senden könnte? Aber gerne doch, dankeschön, auf Wiederhören. Als die Fragebögen eintrudeln, staune ich nicht schlecht: Was man da alles von mir wissen will! Lustige Anekdoten aus meinem Leben, die man in der Sendung erwähnen könnte. Manche der Fragen beantwortete ich sehr ausführlich, manche kommentierte ich mit der Bewerbung, sie gehörten ins Privatfernsehen. Ich schickte die Fragen postwendend zurück nach Köln und war gespannt…

 

Der böse Wolf im Frankfurter Stadtwald: Das Casting

Diesmal musste ich nicht lange warten. Die mir mittlerweile vertraute Rufnummer aus Köln im Display, der liebe Herr Hamm ruft an. Man sei neugierig, würde mich gern zum Casting einladen. CASTING? Mit einem solchen Aufwand hätte ich nicht gerechnet, aber hey, natürlich sagte ich prompt zu.

Ein Schreiben sollte mir wichtige Hinweise zum Casting auf dem HR-Gelände im Dornbusch mit auf den Weg geben. „Bitte wählen Sie farbenfrohe Kleidung!“. Ich entscheide mich für schwarze Jeans und ein weißes T-Shirt. Als ich eintraf, war das große Foyer bereits mit Wartenden gefüllt, ich war also offensichtlich nicht der einzige Casting-Teilnehmer.

Irgendwann dann stand eine junge Frau vor mir, nennt meinen Namen. Ich folgte ihr durch die weiten Korridore des HR-Gebäudes, nahm abermals in einem Wartebereich platz. Immerhin gab’s Kaffee. Und, natürlich: Formulare.

Abermals galt es zahlreiche Fragen zu beantworten, bis ich in einen Nebenraum geführt wurde. Hier lernte ich den netten Herrn Hamm aus Köln endlich persönlich kennen, auch seine Kollegin erwies sich als außergewöhnlich freundlich. Ich solle doch bitte mal vor der Kamera Platz nehmen, aber keine Sorge, ich solle einfach so sein, wie ich es immer bin.

Mir wurden zehn Fragen über Hessen gestellt. Dass durch Gießen die Lahn fließt und der Vogelsberg mal ein Vulkan war, wusste ich gerade noch. Bestanden!

Nun sollte ich frei Schnauze die Geschichte vom Rotkäppchen und dem Bösen Wolf nacherzählen, aber den Ort der Handlung auf Frankfurt übertragen. Ich war zunächst ein wenig überfordert, plapperte wild drauf los und erzählte irgendwas von einem Hipster-Mädchen aus dem Nordend, das seiner kranken Oma im Stadtwald Soyamilch und Handkäs‘ bringen soll. Am Mainufer trifft es den bösen Wolf, der sich Zeit verschafft, in dem er das Rotkäppchen auf den Flohmarkt am Mainkai schickt, um seiner Oma ein paar hässliche Wandteller zu kaufen, darüber freue sie sich sicher sehr. Immer wieder lache ich drauflos, mache am Ende den Jäger zum GEZ-Fahnder, der den Wolf im Bett der Oma im Frankfurter Stadtwald erschlägt.

Ich lache immer noch, als meine improvisierte Geschichte zu Ende erzählt war. Ich war erschrocken über meine Phantasie und feierte mich ein wenig dafür, im Gebäude des Hessischen Rundfunks Spitzen gegen die GEZ verteilt zu haben.

Ob mich die Leute hinter der Kamera aber ebenso lustig fanden? Das sollte ich noch nicht erfahren…

 

Wie ich begann, Nordhessen zu hassen: Die Vorbereitung

Die glückliche Nachricht erreichte mich dann Ende Oktober: Ich hatte es tatsächlich geschafft und war als Kandidat für das „HessenQuiz“ auserkoren! Außerdem ereilten mich abermals zahlreiche Hinweise für die Aufzeichnung am 25. November.

Gleich drei farbenfrohe (!!) Outfits sollte ich doch bitte mitbringen, außerdem dürfte ich drei Zuschauerkarten auf meine Namen hinterlegen lassen. Hatte ich natürlich gleich gemacht, sodass meine lieben Freunde Dagmar, Sina & Antonius im Publikum sitzen können und mir die Daumen drücken können, wenn ich mein Wissen unter Beweis stelle.

A propos Wissen:
Es blieben noch drei Wochen bis zur Aufzeichnung, ein wenig der Auffrischung meiner Hessen-Skills war wohl angebracht.

Ich quälte mich durch Wikipedia, doch schnell wurde mir das Online–Lernen zu unübersichtlich. Ich besann mich auf alte Schultage: Gab’s da nicht mal Heimat- und Erdkunde? Bei Amazon bestellte ich gleich mehrere Schulbücher über Hessen, lernte aber zuerst, dass Schulbücher scheiße teuer sind.

Und dann ging’s los. Vom Odenwald bis zum Knüllgebirge, von der Sackpfeife (wer zum Geier tauft einen Berg SACKPFEIFE?!) zum Melibokus: Ich lese mich durch Regionen, Mittelgebirge und Täler. Widmete dem Hessen-Teil meiner Tageszeitung mehr Aufmerksamkeit denn je. Lernte Flussnamen, beschäftigte mich mit nordhessischen Volksfesten und Handwerkskünsten. Und überhaupt, Nordhessen: Ich stellte fest dass das Hessen „ganz da oben“ irgendwie größer als gedacht und mir obendrein recht unbekannt war. Lernstoff aus der Grundschule, der sich einen Erwachsenen recht blöde vorkommen lässt.

Bis zum Tage vor der Sendung verzweifelte ich regelmäßig an nordhessischen Kleinstädten, Flüssen und Burgen. Ich schwor mir, niemals wieder einen Fuß auf nordhessischen Boden zu setzen. Noch ein kurzer Blick ins hessische Geschichtsbuch, und ich klappte die Bücher zu. Für alle Fragen konnte ich nicht gewappnet sein, und hey – war nicht Dabeisein alles? Der Tag der Aufzeichnung, er konnte kommen.

Die Aufzeichnung: Der große Tag

Ich frage mich, ob sich das Binge-Watching alter Folgen des „HessenQuiz“ am gestrigen Abend noch auszahlen wird, während ich fröstelnd auf dem riesigen HR-Gelände herumlaufe und etwas verloren den Studio-Eingang suche. Es ist 11.30 Uhr, und ich würde wirklich gerne mal wissen, warum mich der Hessische Rundfunk derart frühzeitig einbestellt hat. Die Aufzeichnung beginnt nämlich erst um 18 Uhr – was also soll ich hier also sechseinhalb Stunden vorher?

Meine drei Mitspieler kennen lernen, beispielsweise. Dies tue ich, nachdem mich von einer lieben Mitarbeiterin der Casting-Agentur in Empfang genehmen werde, die uns Kandidaten auch am Tage der Aufzeichnung rührend betreuen sollte. Kathleen, Maria und Stephan haben es sich bereits im Backstage-Zelt bequem gemacht, ich bin mal wieder spät dran und der Letzte.E in kurzes Hallo in die Runde, angenehm, der Matze aus Frankfurt. Der HR sponsert Obst, Schnittchen und Kaffee. Dafür muss ich allerdings noch eben meine Seele an die Sendeanstalt verkaufen; ich setze meine Unterschrift unter einen entsprechenden Wisch.

Gut gekleidet – halb gewonnen? 

Kaffee, gute Idee, denk ich mir noch – doch kaum hab‘ ich den Becher angesetzt, werde ich auch schon von einem strahlenden Herren in braun-kariertem Jacket angesprochen. Ein Abgeordneter der Alternative für Deutschland? Mitnichten, es handelt sich um Wolfgang, wie sich schnell herausstellt – den Gewandmeister vom Dienst. Welch herrliche Berufsbezeichnung! Wolfgang scheint mir ein echtes Urgestein. „Dann wolle mer ma schaun, wie mer dich herrichte!“, sagt er in breitestem Hessisch und bedeutet mir, zu folgen.

Ach ja, da war ja was – die adäquate Garderobe, die mich vor der Kamera als gut gekleideten, adretten Herrn darstellen lässt. Gleich drei unterschiedliche – unbedingt farbenfrohe! – sollte ich mitbringen.

Während insbesondere die Damen sich reichlich Mühe bei der Auswahl gleich mehrerer Kostüme in den farbenfrohesten Farben gegeben zu haben scheinen, habe ich es mir denkbar einfach gemacht und spüre den Anflug eines schlechten Gewissenchens: Nach dem Aufstehen hatte ich recht wahllos in meinen Kleiderschrank gelangt, und nach einigen nicht-schwarzen Shirts und Pullovern gelangt. Doch ich hab‘ Glück, Wolfgang ist mit meiner Auswahl zufrieden – ich darf die Show im Shirt absolvieren, welches ich bereits trage. Ein farbenfrohes Lindgrün mit lokalpatriotischen Schriftzug: Auch ich bin happy!

Bestens gekleidet geht’s zurück in unser Kandidatenzelt. Eine weitere bezaubernde Mitarbeitern schaut noch einmal eine ältere Folge des HessenQuiz, damit wirklich ein Jeder von uns die Regeln verstanden hat. Danach heißt es: Warten und Kaffeetrinken. Und natürlich: Rauchen.

Auf dem Weg nach draußen (ja, auch beim HR will der Nichtraucherschutz gewährleistet sein!) begegne ich auf dem Flur einem Typ in legerer Jeans und Pulli. Seinen Gruß erwidere ich mit einem knappen „GUDE!“, eile vorüber. Als ich mir draußen eine Zigarette entfache, beginnt es in meinem Kopf zu rattern. Das Gesicht eben, kam mir das nicht bekannt vor? War das nicht etwa…. Fuck, genau der war das doch. Jörg Bombach himself, Moderator der Sendung. Ohne Moderations-Outfit, ohne Anzug hatte ich ihn glatt nicht erkannt. Da hab‘ ich wohl den ersten Fail geliefert. Also: Schnell zurück, Missverständnis aufklären, bevor meine Reputation noch vor Sendungsbeginn hinüber ist.

Jörg Bombach erweist sich glücklicherweise nicht nur als nachgiebig, sondern auch als überaus unverkrampfter, sympathischer und bodenständiger Gesprächspartner.

 

 

 

Von Star-Allüren jedenfalls keine Spur, ein wenig meiner Anspannung ist mir genommen. Uff! 

 

Trockenübungen

Der Nikotin-Pegel ist auf stimmiges Niveau gebracht, ich atme durch. Gehe zurück ins Zelt, halte einen Plausch mit Mitspielern und Crew. Ich bin der einzige Frankfurter: Heimspiel für mich! Ob es mir Glück bringen wird?

Ich schaue auf die Uhr. Noch viel zu lange bis zur Aufzeichnung. „Seid ihr soweit“? – ich beiße gerade in meinen Apfel, als die Stimme der strahlenden Produktionsassistentin mich aus meinen Gedanken reißt. Auf ins Studio – Zeit für eine kleine Probe!

Wir eilen über die unergründlichen Korridore des HR; an den Türschildern lese ich mir wohlbekannte Namen. Wer hier alles ein Büro hat! Und dann ist es soweit: Ehe ich mich versehe, stehe ich im Studio. Also, in DEM Studio: Dem des HessenQuiz, das ich bereits aus dem Fernsehen kenne. Und tatsächlich: Alles hier sieht auch genauso bunt aus wie im Fernsehen. Die Kandidatenpulte, der Platz des Moderators, die Scheinwerfer, die große Bildschirm – alles da. Lediglich die Plätze des Publikums sind noch unbesetzt. Besser so, schließlich habe ich noch keine Ahnung, was ich hier gerade mache. Auf was hab‘ ich mich hier nur eingelassen?

Ein Handschlag mit dem Regisseur, ein „Hi!“ der Aufnahmeleiterin. Wir finden uns auf den uns zugeteilten Plätzen ein. Erhalten umfangreiche Unterweisung für die Touchscreens an den Pulten, nochmals die Regeln eingebläut. Und wie war das doch gleich mit den Jokern?

Irgendwann dann fühlen wir uns fit, die Aufregung steigt im Kollektiv: Ja, wir sitzen alle im selben Boot, und zu verlieren? Haben wir nichts.

Findet auch Guido Hamm, der uns in seinem Büro empfängt, nachdem wir umfangreich von der Tontechnik verkabelt wurden. Neben Smartphone trage ich also nun einen Sender in meiner Hosentasche, als ich mit Herrn Hamm nochmals den Sendeablauf durchspreche und gebrieft werde. „Wird schon!“, sagt er – „sind doch alle hier, um Spaß zu haben – oder?“

Recht hat er, der Herr Hamm – und tatsächlich freu‘ ich mich schon ein wenig auf die Sendung. Eine Stunde noch, bevor ich das Studio erneut betreten werde, das dann bereits mit zahlendem Publikum und meinen Freunden gefüllt sein wird.

Eine letzte Hürde gilt es noch zu nehmen:

Perfekt gekleidet sind wir schon, allerdings wollen auch sämtliche Hautunebenheiten beseitigt und die Visage kameratauglich gemacht werden: Hierbei hilft ein Gang in die Maske.

 

 

 

 

Verrückt, wie sich irgendwelche Schminke im Gesicht anfühlt – das ließ mich bislang allenfalls Halloween erahnen. Die Damen geben sich derweil weitaus routinierter. Und ich? Bin eigentlich nur froh, dass sich meine Augenringe nun weitaus unauffälliger präsentieren. Soll ja niemand denken, ich würde zu wenig schlafen und gerne mal die Nacht zum Tage machen, höhö! Ich vertraue blindlings der Deckwirkung der HD-Schminke.

Zurück im Zelt, spiele ich kurz mit dem Gedanken, noch einen Blick in meine Lernunterlagen zu werfen. Lieber aber geh‘ ich ans Buffet und unterhalte mich mit den netten Mitarbeiterinnen der Produktionsfirma und meinen Mitspielern. Dabei vergeht die Zeit blöderweise ziemlich schnell.

 

„Was, nur noch zehn Minuten?!“ 

Die reichen noch genau für eine Zigarette und einen Gang aufs Klo. Bevor es endgültig heißen wird „Aufnahme läuft!“, wird der Sekt auf den Tisch gestellt. Ein Schlückchen gegen die sich anbahnende Nervosität? Klingt verlockend, doch ich bleibe hart. Bloß einen kühlen Kopf bewahren!

Es geht ins Studio. Der Anheizer hat das Publikum bereits in Stimmung gebracht; kollektives Ausrasten, klatschen, klatschen, klatschen.

Nur am Rande bekomme ich mit, wie mein Name ertönt. Ich winke brav ins Publikum, marschiere stramm auf den mir zugedachten Platz am Kandidaten-Pult zu.

Und dann? Dann geht’s auch schon los. Jörg Bombach betritt das Studio, diesmal sieht er auch wie Jörg Bombach aus. Geklatsche im Rücken, Scheinwerfer im Gesicht. Was dann geschah? Das durfte ich bislang nicht sagen, dazu hatte ich mich höchstoffiziell vertraglich verpflichtet.

Vier Monate später aber, am 11. März 2018, erfolgte dann aber die Ausstrahlung – und die, nun ja, zahlreichen Zuschauer des Hessischen Rundfunk wurden Zeuge, wie ich mich gleich hektoliterweise mit Ruhm begieße. Oder vielleicht auch nicht….

 

Werdet Zeuge!

Habt ihr (Teufel, Teufel!) die Sendung verpasst – wollt aber dennoch Zeuge meiner „glorreichen“ Kenntnissen meines Heimatbundeslandes werden?

http://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/hessenquiz/sendungen/das-grosse-hessenquiz,sendung-28000.html

Dazu bietet euch die Mediathek der ARD vierzehn Tage lang nach der Ausstrahlung die Gelegenheit: Ich wünsche gute Unterhaltung!

Mir bleibt nur, beste unterhaltung zu wünschen – und mich ganz herzlich bei allen an der produktion beteiligten zu bedanken! Es war ein grossartiger Tag!

„Wir müssen Reden“: Cönig & Lebemann laden zum Gespräch

Wer waren eigentlich Cönig & Lebemann

Ich hatte keine Ahnung, als ich mich am jüngsten Mittwochabend auf in die altehrwürdige Trinkhalle machte, die zwar keine Trinkhalle im eigentlich Sinne ist, in die das mir unbekannte Duo aber zum „bunten Abend voll Poetry, Comedy, Literatur & Musik“ geladen hatte. Womit meine Neugierde natürlich abermals geweckt war.

Durch den Umstand, dass ich auch deren Gast nicht kannte – wohl niemand geringeres als der amtierende hessische Meister im Poetry-Slam Marten de Wall – nicht kannte, fühlte ich mich gleich nochmals unvorbereiteter. Von meiner Ahnungslosigkeit ließ ich mir aber nix anmerken, als ich den Ort des Geschehens betrat, mir routiniert ein Bier bestellte und mich zwischen die Zuschauer quetschte. An Sitzen war offensichtlich längst nicht mehr zu denken, aber so an der Wand gelehnt war’s auch ganz nett, aber wo sind denn eigentlich… ach, da! Die beiden Gastgeber sitzenderweise inmitten ihrer Zuhörer, nur an ihren Mikrofonen von diesen zu unterscheiden, das Duo zu Gast bei sich selbst. Die spärlich beleuchtete Wohnzimmer-Atmosphäre wusste zu gefallen. Alles soweit locker also – mochte ein bunter Abend beginnen und mich vorzüglich unterhalten!

 

Von Durststrecken und „Sherlock Bones“

Cönig (oder war es Lebemann?), nun ja, einer von beiden, begann denn auch mit dem Verlesen eines Textes. Lebemann (oder war es Cönig?), nun ja, der andere eben, zündete sich lässig eine Zigarette an. Ich tat es ihm gleich, nun ja, hatte schon mal heftiger lachen müssen.

Auch ein kleines Spielchen mit Gast de Wall (er durfte niemals das Wort „Nein“ verwenden) wollte keinen rechten Lachflash im nach Entertainment dürstenden Publikum auslösen. „Warst du schon mal hier, Marten?“ –  „N…. Ja.“ Haha.

Doch der Abend sollte schließlich noch lang sein. Und hoffentlich nicht lang-weilig. Und falls doch, sollte jedenfalls das Team der „Trinkhalle“ am Tresen dafür sorgen, dass auch bei literarischen Durststrecken kein Durst zurückbleibt.

So gut es eben ging ließ ich meinen Blick durch Rauchschwaden zurück zu Cönig & Lebemann, immer noch in Sesseln lümmelnd, gleiten. Einer der beiden (ich vermute weiterhin, es war Cönig) griff erneut zum Buche, verlas eine Abenteuergeschichte des Hundehelden Sherlock Bones, in deren Laufe mancherlei Wortspielchen mit sämtlich erdenklichen Hunderassen getrieben wurde. Und siehe da: Das ein oder andere aufrichtige Lachen bahnte sich den Weg aus meiner Kehle. Geht doch! 

Nach dem etwas tristen „Sag‘ niemals ‚Nein'“ – Spielchen vermag mich dann auch der nächste Auftritt des Gastes zum Lachen zu bringen. „Ich bin ja ein echter Frauenmagnet – nur halt eben die abstoßende Seite“ – hatte eigentlich jemand behauptet, man dürfe über Kalauer nicht lachen?

Nächster Programmpunkt, man hatte sich ein „Mädelsabend-Quiz“ besorgt. Ob man das auch als Männer spielen dürfe? „Auf keinen Fall!“. Cönig & Lebemann gaben sich rebellisch und machten‘s trotzdem. Man las sich gegenseitig Karten vor. „Der verrückteste Ort, an dem du Sex hattest?“ – „Puh, naja, ich glaube: In der Umkleidekabine bei H&M.

 

Musik mit Löffeln & Mord in Offenbach

Nette Idee der beiden, dennoch nur so semi-lustig. Der Autor bestellt sich noch ein Bier. War nicht noch Musik angekündigt?

Richtig, und genau diese verhalf dem Abend auch zu einer Kehrtwende zu großartiger Unterhaltung. Wobei: Musik?

Man konnte sicherlich drüber streiten, ob man das Musik nennen dürfe, wenn sich ein Mittdreißiger mit einem Löffel auf die Wangen schlägt und dabei tatsächlich Melodien produziert, die es vom Publikum zu erraten galt. „Wannnabe von den Spice Girls!“, brüllte eine Zuschauerin, „richtig, du bekommst ’nen Schnaps!“ brüllte der Löffelkünstler zurück.

„Spiel doch mal Highway to Hell!“, ertönte es vom Tresen, der Künstler spielte. Sein Partner sinnierte derweil von einer „Spooning“-Karriere, feixte von Löffel-Konzerten auf Wangerooge. Der Autor schüttelt seinen Kopf, grinst breit und nippt am Bier.

Weiter im Text, im wahrsten Sinne des Wortes: Man wolle beim nächsten Mal eine Kurzgeschichte verlesen, verkündete das Duo, man bitte das Publikum um entsprechende Stichworte für die Rahmenhandlung.

Spielort? „Offenbach natürlich!“, ertönte es von irgendwoher aus der Zuhörerschaft. „Mordopfer?“ – „Na, Haftbefehl natürlich!“, nun brachte auch ich mich ins Geschehen ein. „Und Donald Trump!“, prompt wurde mein Vorschlag zur Vervollständigung des gängigen Klischees um den amtierenden US-Präsidenten ergänzt. „Ist notiert!“, sprach Lebemann, „Name des Ermittlers?“.

„Oprah Müller“ sollte den Fall klären, welcher sich nach weiterer Publikumsbefragung in einem Call-Center (!) ereignen sollte. Herrlich dämlich, ich jedenfalls war schon jetzt ganz gespannt auf die Kurzgeschichte, die Lebemann & Cönig zaubern werden.

Weiter im Text, im wahrsten Sinne des Wortes. Eine weitere Kurzgeschichte, als kleines Gimmick aber verlesen in vom Publikum bestimmter Stimmlage. Der Geschichte selbst kann ich vor lachen kaum folgen. „Betrunken!“, schlug ich eine entsprechende Gemütslage für den Sprecher vor, dieser lallte auf Befehl. „Heiliger!“, ein Ruf von rechts, die Erzählung folgte prompt in sakralem Singsang; prompt  verschluckte ich mich vor Lachen an meinem Bier. Wohl bekomm’s. 

Anschließend war abermals das Publikum um Stichworte gebeten, fünf an der Zahl. Das peinliche Schweigen brach ich mit dem Ausruf „Pfandflaschenautomat!“, welchen ich durch die Trinkhalle schleuderte. „Wir lieben deine Kreativität, komm‘ wieder!“, sagte Cönig, innerhalb weniger Augenblicke wurde mein Stichwort um weitere Begriffe ergänzt. Darunter solche wie „Bananenschale“.

“Gib‘ mir den Beat!“, auf Kommando flutete ein simpler Oldschool-Beat die Räumlichkeit. Und Lebemann & König packten es, einen astreinen Freestyle zu spitten, der neben dem obligatorischen „Schön, dass ihr da wart!“ tatsächlich alle kurz zuvor genannten Begriffe enthielt. Ja, auch den Pfandflaschenautomaten! Ich jedenfalls zeigte mich begeistert und war baff. Reee-spect, meine Herren! 

 

Ich komm‘ wieder. Kommt ihr mit?

Jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, habe ich mir als erste Amtshandlung einen Löffel in der Küche gegriffen. Und noch während ich damit auf meiner Wange herumklopfe, resümiere ich:

Auch, wenn nicht alle Gags gezündet haben, war dies ein unterhaltsamer Abend. Hatte ich in der heimeligen Atmosphäre der „Trinkhalle“ so noch nicht erlebt, und ganz sicher folge ich Cönigs Aufforderung. Und komme wieder. Kommt ihr mit?

Jeden zweiten mittwoch im monat könnt ihr künftig mit dabei sein, wenn Cönig & Lebemann wieder der meinung sind: „Frankfurt, wir müssen reden“.

 

Mediengeschichten neu erzählt: Neue Dauerausstellung im Museum für Kommunikation

Frankfurt am Main, es ist der 14. September.
Ein Blick aus dem Fenster. Der prasselnde Regen verrät: Das war’s dann wohl endgültig mit dem Sommer, der Herbst zeigt sich bereits von seiner ungemütlichsten Seite.

Mein morgendliches Joggen fällt dann jedenfalls ins Wasser. Was also tun an einem verregneten, freien Tag wie diesen? Ich beschließe, das Beste draus zu machen.

Das Beste, das ist in diesem Fall:
Endlich mal wieder ganz ohne Zeitdruck in’s Museum!

Ich gebe zu, bezüglich der hiesigen Museumslandschaft ein rechter Banause zu sein. Da lebe ich schon in einer Stadt mit einer beispiellosen Vielfalt an Museen, doch nur selten und oft widerwillig mache ich Gebrauch von diesem beachtlichen Angebot. Weder nämlich  interessiere ich mich für darstellerische noch für moderne Kunst. Auch mehrere Besuche des naturwissenschaftlichen Senckenberg-Museums warfen mich wahrlich nicht vom Hocker. Und Filme sowie Architektur? Ach, hör‘ doch auf. 

 

Eine neue Chance fürs „MfK“

Das Museum für Kommunikation, kurz MfK, bildete da für mich neben dem großartigen Geldmuseum der Bundesbank schon immer eine große Ausnahme. Es ist eine meiner frühesten Frankfurt-Erinnerung, dieser Schulausflug, damals irgendwann um die Jahrtausendwende. Eine lange Fahrt im Bus, in die weit entfernte und so unfassbar große Stadt. Auch lange vor Whatsapp, Facebook & Co. fand‘ ich das mit der Kommunikation recht spannend. Ich bewunderte das ausgestellte Abteil eines alten Postwagens der Bundesbahn ebenso wie die vielen klickenden Relais einer Vermittlungsanlage der Nachkriegszeit. Kommunikation, das war eben wohl schon immer mein Ding.

Jahre später, mittlerweile (zumindest laut Personalausweis) erwachsen und selbst Frankfurter: Erneut hatte ich das Museum aufgesucht, in freudiger Erwartung und Erinnerung. Nunmehr aber war ich etwas enttäuscht von der Dauerausstellung.
Klar, der Eisenbahnwagen ließ mich immer noch sentimental werden, nach wie vor verfolgte ich beeindruckt die Schaltwege der alten Vermittlungsanlage. Die alten Werbefilme der Bundespost ließen mich von der „guten alten Zeit“ träumen. Die bildgewordene Illusion eines so beschaulichen Nachkriegsdeutschland.

Der Rest der Dauerausstellung dagegen? Eher so: Gähn. 

Zu viel Text, zu statisch, zu wenig Haptik. Ein Museum zum Durchlaufen, zum Zur- Kenntnis-nehmen. Ein Besuch tat mir nicht weh, riss mich aber wahrlich nicht vom Hocker. Altbacken eben, was daran liegen mag, dass das Museum einst als „Bundespostmuseum“ eröffnet und somit einer echten bundesdeutschen Behörde angegliedert war.

Nun las ich aber vor einigen Tagen von einer völlig neu konzipierten Dauerausstellung, die am 10. September eröffnet werden sollte.

Der Regen, er lässt nicht nach. Der Plan, er lautet also: Auf zum „MfK“ !
Eine zweite Chance, das hat es sich wahrlich verdient.
Und ein Tag im Museum, der ist ganz sicher kein verschwendeter Tag.

Mediengeschichte(n) neu erzählt

Das ist der Titel und Versprechung der neuen Dauerausstellung. Als ich völlig durchnässt das Museumsufer erreiche und faire 5 Euro für den Eintritt investiere, bin ich gespannt: Gelingt es dem „MfK“, nun ein zeitgemäßeres Museumserlebnis zu schaffen, gleichermaßen lehrreich wie auch unterhaltsam?

An der Garderobe entledige ich mich zwangsweise Rucksack und Jacke (warum das ausnahmslos in allen Museen so ist, werde ich wohl nie verstehen…), immerhin werde ich dabei nett behandelt. Hab‘ ich ja auch schon ganz anders erlebt.

Ich steige hinab ins Erdgeschoss, und tatsächlich:
Nichts mehr hier erinnert an die frühere Ausstellung. Statt statischer Rundgang zu sein, ist die neue Ausstellung in vier Themen-Inseln gegliedert: An den Feldern „BESCHLEUNIGUNG“, „VERNETZUNG“, „KONTROLLE“ und „TEILHABE“ soll der Besucher Mediengeschichte völlig neu erfahren können.

Diese lockere Aufteilung spricht mich an, denn ich kann nach Herzenslust hin- und herspringen. Allerdings leidet die Übersichtlichkeit ein wenig, ich sollte mich noch oftmals verlaufen und die Orientierung zwischen den lose verteilten Tafeln und Stationen verlieren. Wie schön, dass es auch den Mitarbeiter manchmal nicht besser ergeht, wie ich im netten Gespräch erfahre! Auch sie müssen sich wohl erst einmal einleben.

 

 

Ziehen, Hören, Tatschen, Drehen

Ganz direkt fällt mir auf, dass bei der Neukonzeption der Ausstellung großer Wert auf Interaktivität und Sinneserfahrung gelegt wurde. Überall gibt’s über Muschelhörer was zu hören, viele Schriftstücke befinden sich in Schubladen und wollen durch Herausziehen entdeckt werden.

Am Beispiel der berühmten Chiffriermaschine „ENIGMA“ lässt sich mittels großer Walzen durch trickreiches Drehen eine eigene Botschaft verschlüsseln, viele Monitore mit Touchscreen präsentieren Filme per Fingerdruck.

 

 

 

 

 

 

Drücken kann man indes auch auf eine Taste, mittels der man einen „Shitstorm“ auf Twitter auslösen kann, der mittels Blitzen und wütender Tweets auf dem Bildschirm visualisiert wird. Twitter im Museum – da muss ich ja schon ein wenig schmunzeln.

Schmunzeln muss ich auch, als ich mir im Themenfeld „VERNETZUNG“ die Präsentation des ersten iPhone anschaue. Die hatte ich damals schon im Fernsehen gesehen – ist das wirklich schon so lange her? Ich fühle mich unendlich alt.

Ebenso alt fühle ich mich ebenfalls, als ich eine mit alten Mobiltelefonen gefüllte Mülltonne entdecke.

Ich wühle ein wenig durch die ausrangierten Handies, habe mehrfach Modelle in der Hand, die ich einst selbst ganz stolz besaß.

Indes wage ich mir gar nicht auszumalen, wie unfassbar groß die Müllmenge sein muss, die allein aufgrund all der weltweit nach nur wenigen Jahren entsorgten Handys entstanden ist. Aber hab‘ ich dafür nicht selbst oft genug meinen Beitrag dazu geleistet?

 

Wiedersehen mit Wählanlage

Ich streife weiter munter umher. Einige Exponate kommen mir noch aus der vorherigen Dauerausstellung sehr bekannt vor, so wie all die alten Grammophone, die klobigen Apple-PC’s der späten 1980er oder der pseudofuturistische Wohnzimmerschrank mit integriertem Schwarzweißfernseher.

 

 

 

 

 

 

Vor der alten Schalttafel der Telefonvermittlung sitzt nun eine „Fräulein vom Amt“ aus transparentem Kunststoff. Immerhin ein wenig aufgehübscht hat man also die älteren Exponate!

Groß ist meine Freude, als ich auch die alte Wählanlage wiederentdecke, deren Technik mich bereits als Kind so sehr begeistert hatte.

Klar, dass mir nicht verkneifen kann, auch an meinem heutigen Besuch an der Wählscheibe eines der alten Telefone zu drehen und fasziniert dem elektrischen Vermittlungsvorgang zu folgen!
Mein heißgeliebter Postwagen der Bundesbahn dagegen, der ist verschwunden und musste Raum schaffen für neue Exponate:

Für einen  Lochkartenzähler des „Rassenamt SS“ zum Beispiel.

Einerseits entsetzt mich, dass in diesem Land jemals ein „Rassenamt“ existieren konnte. Gleichermaßen entsetzt bin ich allerdings darüber, dass das US-Unternehmen IBM einst die SS belieferte und sich somit mitschuldig machte. Wieder was gelernt.

Neu hinzugekommen sind allerdings beispielsweise auch die Exponate der Tafel „Schöne neue Welt“. Fahrradhelme mit integrierter Gesundheits-App oder ein Kit zum implantieren von RFID-Chips unter die menschliche Haut sind war Zukunftsmusik, spannen aber gekonnt den Bogen zwischen Schiefertafeln aus der Steinzeit und der Kommunikation der Zukunft.

 

 

Spielerei mit Frust-Faktor

Ganz besonders toll und erwähnenswert finde ich all die Spielereien, die das Museum überall zwischen den Ausstellungsstücken versteckt hat.

Die Besucher können beispielsweise ihre Erinnerungen zu ausgewählten Exponaten in 30-Sekunden-Clips in ein Mikrofon sprechen und diese speichern. Anschließend lassen sich dann an der Rückseite des Mikrofon-Raums die Erinnerungen und Geschichten anderer Museumsbesucher anhören.

Auch ich spreche in das schmucke Mikrofon und gebe meine Erinnerungen an Gameboy, Walkman und Commodore 64 preis. Ziemlich blöde nur, dass sich nach dem Speichern der Rechner aufhängt und nichts mehr funktioniert. Etwas verärgert beschließe ich, mir dann eben die Aufzeichnungen anderer Besucher anzuhören. Ein paar Klicks auf dem Bildschirm, dann das selbe Spiel: Aufgehangen, nichts geht mehr. Ich bin gefrustet.

Zur Aufmunterung verspüre ich dann den Wunsch, mich an einer anderen Station im SMS-Tippen auf dem NOKIA 3210 zu messen.

Das hatte ich schließlich auch mal, doch ich vermute, dass meine Schnelltipp-Skills auf der kleinen Tastatur längst der iPhone-Routine gewichen sind.

Da ich alleine hier bin, verdonnere ich einen der Mitarbeiter des Museums zum Duell. Doch auch hier kommt schnell Frust auf, denn die Tasten auf der 3210-Nachbildung reagieren nicht oder nur verzögert auf meine Eingaben.

Immerhin – der junge Mitarbeiter verspricht, den Fehler entsprechend weiter zu geben.

Ich beschränke mich also aufs Anschauen und Lesen, bis ich dann irgendwann durch bin. Ich schaue noch kurz bei den beiden Wechselausstellungen vorbei, bevor ich aufbreche. Auf einen Besuch im Museums-Café verzichte ich, suche stattdessen das Café Sugar Mama auf, in dem ich diese Zeilen tippe. Im warmen und bestens versorgt mache ich mir Gedanken: Hat sich mein Besuch gelohnt?

 

Neues Konzept mit Schwächen: Mein Fazit

Ganz klar: Das Museum hat seinen Bildungsauftrag erfüllt, mich auch zum Nachdenken gebracht. Das neue Konzept der Themen-Inseln empfinde ich als gelungen, denn es trägt deutlich zu einer Auflockerung der ehemals etwas biederen und statischen Ausstellung bei. Allerdings, das mag ich nicht verschweigen, ist es auch nicht immer einfach, die Orientierung zu behalten.

Interaktiver und moderner ist die Ausstellung geworden, die Idee mit den kleinen Spielereien wie dem Erinnerungs-Aufnahmestudio oder dem NOKIA 3210 – Tippduell ist großartig.

Dass gravierende technische Mängel diese Spielereien allerdings unbenutzbar werden lassen und Frust aufkommen lassen, ist nicht hinnehmbar. Hier muss dringend nachgebessert und Abhilfe geschaffen werden.

Dank zahlreicher Exponate und Filme aus der Neuzeit gelingt es dem Museum allerdings, den versprochenen Brückenschlag der Kommunikationsgeschichte zu vollziehen.

Ich habe meinen Besuch nicht bereut. Zeit um Museum ist niemals verlorene Zeit – und auch, wenn ich mich stellenweise sehr geärgert habe, überwiegen jedoch die neuen Eindrücke und die Freude über das erfrischende Konzept der Ausstellung. 

Habt auch ihr die neue Ausstellung schon besucht?
Wie hat sie euch gefallen? 

Museum für Kommunikation
Schaumankai 53
Dienstag bis Freitag 09.00-18.00
Samstag & Sonntag 11.00-19.00

Eine Bootsfahrt, die ist lustig… von Frankfurt aus in alle Welt! Oder zumindest nach Aschaffenburg.

Denkt man an Frankfurts Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt und internationale Drehscheibe, dann kommt einem vermutlich zuerst der Flughafen in den Sinn.

Über 600 Flüge am Tag verbinden von hier aus unsere Stadt mit der ganzen Welt, was unseren Airport zum größten und wichtigsten der Republik werden lässt.

Vielleicht denkt man auch an unseren Hauptbahnhof, der seit seiner Eröffnung im Jahre 1888 schnell zum wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt des Landes wurde. Heute sorgen über 340 Züge des Fernverkehrs, 290 Züge des Nahverkehrs sowie über 1.000 S-Bahn-Halte am Tag dafür, dass Reisende vom wichtigsten Eisenbahnknoten Deutschlands aus schnell und bequem mit der Bahn durchs ganze Land verreisen können. Auch Metropolen im benachbarten Ausland werden von hier aus angefahren; sogar nach Marseille existiert eine tägliche Direktverbindung!

Vielleicht, da denkt man auch noch an all die Menschenmassen an der Konstablerwache, die sich – insbesondere zur „Rush Hour“ – von den unterirdischen Bahnsteigen aus ihren Weg durch die heruntergekommene B-Ebene bahnen, dabei Rolltreppen verstopfen. An all die Straßenbahnen und Busse, die sie besteigen, sobald das Tageslicht erreicht ist.

Frankfurt ist eben immer in Bewegung. Ob Flugzeug, Bahn, Tram oder Bus: Zahlreiche Verkehrsmittel sorgen zu jeder Tag- und Nachtzeit dafür, dass man Frankfurt schnell verlassen kann. Zu Lande und in der Luft. 

Ebenso schnell lässt es sich freilich auch wieder ankommen in Frankfurt: Und macht das Ankommen hier nicht ohnehin am meisten Freude? 

Eher selten jedoch denkt man an die Schiffe, mit denen es sich auch zu Wasser von Frankfurt aus ganz hervorragend verreisen lässt!

Auch ich habe den Schiffverkehr der Stadt lange Zeit vollkommen ausgeblendet. Klar, ich hab‘ mich immer sehr des Anblicks erfreut, wenn mal wieder weißes Schiff den Main entlang schipperte. Ich hab‘ mich gefreut, wenn die Fahrgäste an Deck den am Mainufer flanierenden Menschen zugewunken haben. Erhob eifrig beide Hände, um die Grüße zu erwidern.

Nie jedoch habe ich mich gefragt, was wohl die Ziele von den weißen Riesen und ihren Schiffsreisenden sein mögen. Dies änderte sich erst, als ich eines Tages beim Joggen am Mainufer meinen Blick über die Schiffsanleger am Dom streifen ließ.

„Köln-Düsseldorfer“ und „Primus Linie“: Sollte Frankfurt etwa auch Bedeutung für den internationalen Personenschiffsverkehr haben?

Ich kam nicht umhin, ein wenig Online-Recherche zu betreiben.

Zugegeben, es gibt bedeutendere Seehäfen als Frankfurt mit seinen kleinen Anlegestellen am Main. Auf das Einlaufen eines Kreuzfahrschiffes wird man hier vergeblich warten, vom Main aus in die Karibik reisen sollte man dann doch besser vom Flughafen aus.

Dennoch, ich war erstaunt, dass von den Anlegestellen am Römer aus tatsächlich ein planmäßiger Schiffsverkehr stattfindet.

Da das Schiff als Verkehrsmittel zwischenzeitlich leider ein wenig aus der Mode gekommen ist, werden von hier aus zwar überwiegend touristische Ziele angesteuert: Davon aber doch erstaunlich viele!

Sowohl Köln-Düsseldorfer sowie die Primus-Linie bieten planmäßige Linienfahrten an. Ob mainabwärts nach Heidelberg oder Aschaffenburg, mainaufwärts bis nach Rüdesheim zum Spazieren auf der Drosselgasse, am Rhein entlang bis zum deutschen Eck nach Koblenz oder sogar auf ein Kölsch bis Köln. Wird ein Umstieg in Kauf genommen, kann sogar die Mosel auf dem Seewege erreicht werden! Seefahrerherz, was willst du mehr? 

 

Ticket kaufen, Leinen los!

Klar, dass meine Schiffs-Reiselust geweckt war. ‚Ne steife Brise auf dem Main, mit dem Schiff nach irgendwohin, statt auf den Main mal vom Fluss aus auf die Ufer schauen. Das musste ausprobiert werden!

Ich entschied mich für eine Fahrt vom fernen Aschaffenburg nach Frankfurt.
Klar, dass mein Freund Michael nicht fehlen durfte! Die Tickets waren schnell gekauft, und nur wenige Tage später steigen wir am Frankfurter Südbahnhof die Regional-Bimmelbahn, welche uns in einer knappen Stunde in die fränkische Kleinstadt bringen sollte. Noch können wir kaum glauben, dass die Rückfahrt nach Frankfurt mit dem Schiff geschlagene 4,5 Stunden brauchen solle!

Erst einmal freuen wir uns aber darüber, genügend Zeit zu haben, um Aschaffenburg ein wenig zu erkunden. Ob die Kleinstadt wohl noch mehr zu bieten hat als Bier von „Schlappeseppel“ und eine Namen, der sich für eine Vielzahl von Wortspielen missbrauchen lässt?

Sollte man Gott tatsächlich für Alles danken, sogar für ein Unterfranken? 

Als wir bayrischen Boden betreten und den Bahnhof verlassen, sind wir gespannt…

 

Metzgereien! Überall Metzgereien!

Nachdem wir ein wenig durch die angenehm fußläufige Altstadt gestreift sind, da ist uns vor allem eines aufgefallen: Gefühlt jedes zweite Geschäft scheint hier ein Metzger zu sein. Die Aschaffenburger scheinen wohl über eine derart große Gelüste nach toten Tieren zu verspüren, dass diese anderweitig nicht gestillt werden können als durch eine omnipräsente fleischverarbeitende Infrastruktur.

Nun ja, was in Frankfurt wohl unverzüglich ethisch-moralische Aufstände und eingeworfene Schaufensterscheiben zur Folge hätte, scheint hier ganz selbstverständlich zum Straßenbild zu gehören. Dass wir – konsequent, wie die Unterfranken diesbezüglich zu sein scheinen – keinen einzigen Bio-Supermarkt entdecken können, ist für uns zwei Frankfurter eine willkommene Abwechslung.

Zurück zum Thema, dieser Beitrag will euch schließlich von einem Ausflug mit dem Schiff berichten und nicht zum touristischen Leitpfaden für Aschaffenburg ausarten.

Innerhalb vier Stunden können wir uns schlussendlich dann doch noch davon überzeugen, dass Aschaffenburg noch viel mehr zu bieten hat, als Leberkäsebrötchen (die hier allerdings „Weck“ heißen) und einen recht funktionellen Hauptbahnhof.

So fanden wir inmitten einer wunderschönen Grünanlage die Kirchruine vor, welche einen märchenhaften Anblick bot.Schallplattenläden wie aus Oma’s Zeiten ließen insbesondere mein Herz höher schlagen, während mein Freund Michael große Begeisterung für die wirklich schmucke Stiftsbasilika hegen konnte. Die Innenstadt ist recht schnucklig und wirkt insgesamt gleich viel weniger hektisch als ihr nervzehrendes Pedant in Frankfurt: Hach, schön, so ein Kurzurlaub!

Ein imposantes Schloss am Mainufer haben wir genauso vorfinden können wie ein süßes Café, sodass wir mit adäquatem Koffein-Pegel pünktlich an der Anlegestelle eintreffen.

Und nun lass‘ ich einfach noch ein paar Bilder sprechen… 

 

Unterwegs an Bord der „Nautilus“

Ebenso pünktlich legt dann auch die „Natulis“ ab, nimmt ihre Fahrt mainaufwärts auf. Entsprechend Saison, Wochentag & Wetter ist nicht viel los an Bord, was uns sehr gelegen kommt. Wir schauen uns ein wenig auf den beiden Decks um: Erstaunlich, wie viel Platz hier drinnen ist! Hätte ich – als ich das Schiff von Land aus betrachtete – gar nicht gedacht.

Aber einmal drin, da stell‘ ich fest: Hier könnte man ganze Parties feiern!

 

Ein letzter Blick zurück auf das große Schloss – hoffentlich werd‘ ich nicht seekrank! 

Da es nicht regnet, beschließen wir, auf dem Oberdeck Platz zu nehmen. Von dort aus hat man nämlich den besten Rundum-Blick und kann publikumswirksam den Landratten an den Ufern zuwinken. Und tatsächlich, immer wieder entdecke ich links und rechts des Mains Angler, Familien beim Picknick und sogar unerschrockene Badende.

Für echten Nervenkitzel an Deck sorgen dagegen die beim Unterfahren nur wenige handbreit über unseren Köpfen hinwegziehen. Tod auf dem Main durch „Kopf ab“? Ich hab‘ ja schon ein wenig Angst. Immerhin den Tod durch Ertrinken muss ich nicht fürchten, schließlich entdecke ich zwei große Kisten mit insgesamt 600 Schwimmwesten an Deck. Ich bin beruhigt, vorerst jedenfalls. Lasse wieder das Mainufer an mir vorbeiziehen, das hier so viel wilder scheint als in heimischen Gefilden.

 

Hoch und Runter: Die Sache mit den Schleusen.

Es dauert nicht lange, und unsere Fahrt verlangsamt sich. Der Grund, der ist schnell ausgemacht: Eine Schleuse liegt vor uns, die der Kapitän gekonnt ansteuert. So langsam dämmert uns, wieso die Fahrt nach Frankfurt stolze viereinhalb Stunden dauern soll: So ’ne Schleuse, das geht nicht schwuppdiwupps, das dauert. Und bis Frankfurt, so ahnen wir, sollte dies nicht die letzte Schleuse sein.

Gemütlich senkt sich das Schiff Zentimeter um Zentimeter, bis sich dann endlich die Schleusentüre öffnet und die „Nautilus“ wieder mit dröhnendem Motor Kurs gen Frankfurt nehmen kann.

Ich schau‘ derweil mal weiter links und rechts, lasse mir den Fahrtwind ins Gesicht wehen, bis dann eine blecherne Lautsprecherstimme ertönt:

„Wir erreichen in Kürze unsere nächste Anlegestelle: Seligenstadt!“ 

Wie schön, hierher bin ich doch neulich erst mit dem Fahrrad gefahren. Nett, die Stadt einmal vom Main aus anschauen zu dürfen. Ich winke den Rentnern, die zusteigen (wir dürften mit Abstand die Jüngsten an Bord sein), bevor es weiter geht gen Frankfurt.

 

Der Weg ist das Ziel!

Wir legen wieder ab, das nunmehr bekannte Brummen des Schiffsdiesels ist wieder zu vernehmen. Michael sitzt mir gegenüber und liest ein Buch, ich beschließe, es ihm gleich zu tun. Das Kraftwerk „Staudinger“ zieht auf Höhe Großkrotzenburg vorbei. Hin und wieder ein Blick über die Reling, ich entdecke Camper, Seitenarme, Wälder, kleine, namenlose Dörfer. Wie ruhig der Main doch hier ist. 

Wieder einmal verlangsamt sich die Fahrt, die nächste Schleuse naht. Es sollten auf dem Weg bis Frankfurt insgesamt fünf davon zu passieren mal, fünf mal „Rauf und Runter“, fünf mal nur noch horizontale Fortbewegung.

„Eigentlich sind wir ziemlich blöde“, sag‘ ich zu Micha. „Wir fahren von Aschaffenburg bis Frankfurt mit einem Verkehrsmittel, dessen Durchschnitsgeschwindigkeit wir vermutlich locker zu Fuß übertreffen würden. Ich glaube, wären wir gewandert – wir wären schneller wieder in Frankfurt… 

„DU bist vielleicht blöde!“, sagt der Micha. Wir fahren doch nicht Schiff, um von von A nach B zu kommen. Bei einer Bootstour, da gilt: Der Weg ist das Ziel!

Recht hat er, der Michael. Mir gefällt der Gedanke, einfach mal zu reisen. Nicht weil man reisen muss, nicht weil man sich schnell fortbewegen möchte. Zu Reisen um des Reisens Willen.

Mein kreatives Oberstübchen meldet sich zu Wort, ich packe Notizbuch ein und verabschiede mich auf ein Käffchen ins Unterdeck. Ideen für ein Gedicht wollen schließlich zügig festgehalten werden!

 

 

„Endlich wieder Frankfurter Niveau!“ – zurück im Heimathafen

Nachdem ich mein Werk vollendet habe, kehre ich zurück aufs Oberdeck. Wir passieren gerade die letzte Schleuse auf unserer Fahrt, die „Nautilus“ befindet sich bereits auf Höhe Fechenheim. Als die letzte Schleuse passiert ist, rufen zwei Damen neben uns: „Endlich wieder Frankfodder Niveau! Auf Offenbacher Pegel hätt‘ ich’s net mehr lang ausgehalte!“. „Recht haben Sie!“, rufe ich hinüber. Frankfurter sollten sich schließlich jederzeit solidarisch zeigen und offen zu erkennen geben!

Den Einlauf in den Heimathafen, den will ich freilich nicht verpassen. Ich erwarte keinen Empfang mit militärischen Ehren, aber einen für mich unbekannten Anblick meiner Stadt von der Mitte des Mains aus.

Und dieser raubt mit den Atem. 

Obwohl mittlerweile leichter Regen begonnen hat und uns eine echt steife Brise um die Näschen weht, haben wir ganz vorn auf dem Oberdeck Stellung bezogen. Erhaben nähert sich die Stadt am Horizont. Nachdem wir die Honsellbrücke unterquert haben, da fehlen mir die Worte:

Aus dieser Perspektive hab‘ ich meine Stadt noch nie gesehen. Ehrfürchtig erhebt sich die Skyline vor dem Bug, Passanten winken vom Eisernen Steg herab, während ich ihn vom Schiff aus streicheln könnte.

Dies ist für mich unbestreitbar der schöne Moment unserer Schifffahrt, ach was, des Tages, wenn nicht gar der Woche.

Frankfurt, ich liebe dich. Immer wieder schön, wieder bei dir anzukommen! 

Lust bekommen?

Vielleicht konnte ich ja ein wenig Seefahrer-Stimmung in euch wecken! Es lohnt sich definitiv, auch mal mit dem Schiff von Frankfurt aus zu verreisen. Oder auch auf dem Wasserweg wieder dort anzukommen, das ist nämlich ein ganz besonders schönes Gefühl.

„Reisen um des Reisens Willen“ – das macht man heute ja ohnehin viel zu selten, eine Fahrt mit dem Schiff wirkt da ganz wunderbar entschleunigend.

Natürlich muss es nicht Aschaffenburg sein, die PRIMUS-Line steuert auch zahlreiche andere Ausflugsziele an.

Eine Übersicht zu den einzelnen Routen findet ihr hier! 

 

Zum Abschluss ein Gedicht.

Ach; hatte ich nicht erwähnt, dass ich ein kleines Gedicht geschrieben habe?
Falls ihr neugierig geworden seid: Bitteschön!

 

Von Bayern bis zum Eiser’n Steg
reisen auf dem Wasserweg
„Leinen los!“, heißt es zur Mittagszeit
man schippert los, das Ziel noch weit
Macht sich’s am Oberdeck bequem
der Blick zurück aufs Schloss so schön
die Fahrfreude währt jedoch nicht lange
die Schleuse naht, mir wird ganz bange
Man fühlt das Schiff langsam absinken
Zeit, einen Kaffee zu trinkien
Bis man erreicht das Flussniveau
Nix passiert, man zeigt sich froh
Und weiß sich endlich zu verzücken
an den uferseitigen Eindrücken
ein Kirchturm da, ein Kraftwerk dort
wie hieß doch gleich da dieser Ort?
Man winkt den zahlreichen Flaneuren
und lässt sich zunehmend betören
von dieser Art, langsam zu reisen
geht kurz in sich, kann nur verweisen
Auf das Sprichwort, altbekannt
welch ein Jeder kennt in diesem Land
dank Langsamkeit sieht man so wahrlich viel
denn auf dem Schiff ist noch der Weg das Ziel

Schreiberlinge unter sich: Beim ersten Frankfurter Blogger-Stammtisch

Bereits seit langer Zeit verfolge ich die mit großen Interesse zahlreiche Blogs aus Frankfurt am Main. Und habe – nach einigen Tätigkeiten bei anderen Projekten – vor einiger Zeit meinen eigenen Blog „MAINRAUSCH“ aus der Taufe gehoben. 

Klar, Frankfurt ist bezüglich seiner Blogger-Welt noch lange nicht Berlin (auch wenn gelegentlich gemunkelt wird, Frankfurt sei „das neue Berlin“) – dennoch ist die Anzahl der Frankfurter Online-Plattformen mittlerweile auf eine beträchtliche gewachsen.

Sich einen Überblick über die derzeit aktiven Blogs vom Main zu verschaffen, geschweige denn die Menschen hinter den Projekten kennen zu lernen:
Dies gestaltete sich bislang jedoch recht schwierig.

Grund genug für mich, kurzerhand ein Get-Together der Frankfurter Blogger auszurufen!

 

Facebook macht’s möglich und einfach:

 

Einfach mal ’ne Veranstaltung erstellt, Aufrufe in diversen Facebook-Gruppen plaziert – und prompt konnte ich  knapp 40 Interessenten für einen ersten Frankfurter Blogger-Stammtisch verbuchen. Wie einfach das doch sein kann, ha!

Besonders gefreut haben mich die Zusagen von Anja Zoerner und Lydia. Anja hatte ich einst aufgrund eines geradezu absurden Zufalls kennen gelernt, wie ihn nur das Leben schreiben kann – und mit ihr eine Partnerin gefunden, die es mir erstmals ermöglichte, meine gesammelte Hirngrütze in Form eines Blogs in die Welt heraus zu posaunen. Und Lydia hatte mir mit ihrem Blog „Lydias Welt“ just in den vergangenen Tagen die Augen geöffnet für die anspruchsvolle Bewältigung deren Alltags (ich entschuldige mich an dieser Stelle für das schlechte Wortspiel!).

Es ehrte mich jedenfalls sehr, dass sie sich auf den für sie nicht ganz einfach Weg von Neu-Isenburg nach Frankfurt machen wollte, eigens um „meinen“ Stammtisch zu besuchen. Hut ab! 

Wie viele Blogger letztendlich erscheinen sollten, ließ mich bis zuletzt ein wenig zittern. Facebook ist erfahrungsgemäß eben Facebook, da klickt man schnell mal auf „teilnehmen“, hat die eigene vermeintliche Teilnahme dann zwei Klicks später aber wieder vergessen. Willkommen in der neuen Welt!

Als Location für den ersten Frankfurter Blogger-Stammtisch hatte ich das charmante „WIR KOMPLIZEN“ im Frankfurter Nordend auserkoren:

Dessen Eröffnung war mir vor einiger Zeit einen ganzen Artikel wert – und nach wie vor bin ich sehr gerne dort.

Ist es doch ein idealer Ort, um an einer großen Tafel zusammen zu kommen und sich von den herzlichen „Komplizen“ mit Heiß- und Kaltgetränken verwöhnen zu lassen!  Und – natürlich! – sich gegenseitig kennen zu lernen und auszutauschen, fachzusimpeln, die eigenen Projekte vorzustellen.

Ich persönlich hoffte derweil insgeheim darauf, dass ich endlich mal jemanden treffe, der mir endlich in einfacher wie verständlicher Weise dieses WordPress erklären kann, bevor dieses mich noch endgültig in den Wahnsinn treibt. Und hey, ein paar Beauty-Tipps wären natürlich auch ganz nett!

 

Und am Abend des 7. Dezember ist es dann soweit:

 

Als ich – ausnahmsweise einmal pünktlich! – um 19 Uhr in den Räumlichkeiten der Komplizen aufschlage, darf ich bereits zwei Gäste an unserer Stammtisch-Tafel begrüßen. Für 20 Minuten lang bleiben wir unter uns, und gedanklich finde ich mich bereits damit ab, dass dies ein „Stammtisch für Drei“ werden wird.

Wär‘ auch nicht weiter schlimm gewesen: Dies hier ist schließlich nur ein Experiment, und gut unterhalten tun wir uns bereits jetzt!

Umso überraschter und erfreuter bin ich dann, als innerhalb der nächsten halben Stunde die Anzahl der Gäste auf 10 anwächst und aus der Stammtisch-Ecke ein echter Stammtisch geworden ist. 

Ein wenig geehrt fühle ich mich gar, als Blogger Michael erzählt, eigens für den Besuch des Stammtisches mit der Bahn aus „irgendwo zwischen Heidelberg aus Mannheim“ angereist zu sein. Wahnsinn!

 

Vielfalt der Themen, doch die Leidenschaft eint

 

Ich habe angedroht, ab einer Anzahl von zehn Besuchern einen „offiziellen“ Rahmen zu schaffen. Nachdem ich selbst die Anwesenden mit ein paar Takten zu meiner Person und meinem Blog gelangweilt habe, darf sich jeder vorstellen – so wie natürlich auch seinen Blog. Ich lausche gespannt – und hoffe nach wie vor auf ein wenig WordPress-Hilfe und ein paar Beauty-Tipps von Lifestyle-Bloggerinnen mit Produktproben-Abo!

Und – hey, Wahnsinn! – wer hätte gedacht, welch spannende thematische Vielfalt sich hier an einem Tisch versammelt hat. Elf Blogger, elf Interessen, elf unterschiedliche Menschen.

Doch eines eint uns alle: Die Leidenschaft für das, was wir tun.
Der Abend hat sich jedenfalls schon jetzt gelohnt für mich.

 

Und natürlich mag ich es nicht versäumen, auch dem Leser die einzelnen Teilnehmer vorzustellen:

 

 

  • Die von mir bereits erwähnte, zauberhafte  Anja Zoerner berichtet über ihr jüngst veröffentlichtes Buch, ihre Tätigkeit als Dozentin für Blogger-Seminar an der Volkshochschule und ihren Blog www.aus-liebe-blog.de.

 

  • Otto füllt mit seinem Blog eine echte Marktnische und ist eine willkommene Abwechslung für all die Tussiblog-Gelangweilten:
    Auf seinem Blog www.sunbf.de präsentiert er ausschließlich echte Männer-Themen für alle „Best-Agers“. Ein herrlicher Typ – schön dass du hier bist, Otto!

 

  • Moni aus Offenbach (ich erspare mir an dieser Stelle jegliche Kommentare bezüglich ihres frei gewählten Wohnortes) ist indes noch keine aktive Bloggerin – möchte auf jaunty-bardot.com jedoch eine bunte Mischung aus Mode und Psychologie präsentieren. Auch angehende Blogger sind hier freilich sehr willkommen – und ich bin schon jetzt gespannt auf ihr Projekt!

 

Ohjeh, immer noch keine Beauty-Tipps, immer noch kein Lip-Gloss, immer noch kein veganer Food-Porn. Doch die Hoffnung auf ein wenig Blogger-Klischee stirbt ja zuletzt! Weiter geht’s: 

 

  • Mike Pale hat nicht nur einen eingänglichen Künstlernamen, sondern auch einen Blog, auf dem er sich – wie cool, wie ungewöhnlich! – als Kerl mit Mode + Lifestyle beschäftigt. Ferner organisiert er Veranstaltungen für all die Kreativen dieser Region. Engagierter, netter Kerl, der Mike!

 

  • Michael Schäfer ist nicht nur Blogger-Urgestein, sondern darüber hinaus meine Bekanntschaft des Abends: So habe ich nicht nun endlich jemanden gefunden, der mir endlich dieses WordPress zu erklären vermag – er hat nicht nur den längst Anfahrtsweg von uns allen, sondern auch seinen Technik-Blog www.schaemicon.de, auf dem er überaus aktiv ist, Anleitungen für PC-Anwendungen im Comic Strip-Format veröffentlicht und gelegentlich auch mal politisch wird. Ferner vermag er uns außergewöhnlich gut zu unterhalten – schön, dich hier begrüßen zu dürfen, Michael!

 

  • Caro aus dem benachbarten Bornheim ist tatsächlich gebürtige Frankfurterin – wow, sowas existiert also wirklich! Einen echten Blog darf sie noch nicht ihr eigenen nennen, weil sie bislang noch an einer „Symbiose zwischen dem, was sie so im Kopf hat – und dem, was WordPress damit hat“ scheitert. Und weil sie sich – wie ich – hier ein wenig konstruktiven Austausch wünscht, hat sie den Stammtisch dann auch einfach mal besucht. Hurra, endlich eine Leidensgenossin!

 

  • Von Magdalena ist ebenfalls noch nichts in den unendlichen Weiten dieses Internets zu lesen, die frischgebackene Frankfurterin möchte allerdings über ihre Leidenschaften – das Basteln und Wohnungseinrichtung – bloggen. Ich freu‘ mich drauf!

 

  • Zu guter Letzt berichtet uns die eingangs erwähnte Lydia von ihrem Blog „Lydiaswelt“, auf dem sie von ihrem Alltag als Blinde und Mutter berichtet. Dankesehr für deinen Besuch und für die vielen so interessanten Einblicke in dein Leben!

 

Tja, war wohl nix mit Beauty-Tipps, Klischee ausnahmsweise nicht erfüllt. Umso glücklicher bin ich aber darüber, dass ich all diese tollen Menschen hier begrüßen und kennen lernen darf. 

 

 

Der gemütliche Teil des Abends

 

Nach Abschluss unserer kleinen, offiziellen Vorstellungs-Runde beginnt dann der muntere Austausch. Michael glänzt in seiner Rolle als WordPress-Experte, wir lauschen gespannt Lydia bei Geschichten aus ihrem blinden Alltag, mit Caro schwärme ich von Bornheim. Otto weiß von Wettrennen zwischen Porsche und Motorroller durch die Stadt zu berichten (Männer-Themen eben…).

Auch über Suchmaschinenoptimierung, Möglichkeiten zur Beitragsteilung, Social Media und die Entwicklung der allgemeinen Blogging-Welt werden ausgiebig diskutiert.

Bei Weinschorle, Kaffee & Bier lassen wir den Abend ausklingen. Und drei Stunden später wird mir immer wieder eine Frage gestellt:

 

„Wann findet denn der nächste Stammtisch statt?“

Darauf war ich gar nicht vorbereitet. Doch nach diesem so gelungen Abend bin ich mir ganz sicher, dass es nicht bei einem einmaligen Experiment geblieben sein soll. Zu wertvoll diese Bekanntschaften, zu schön und unterhaltsam dieser Austausch. Zu glücklich schätze ich mich über die Leidenschaft, die wir teilen.

Wie und in welcher Form ein regelmäßiger „Blogger-Stammtisch“ in Frankfurt stattfinden soll: Darüber werde ich mir noch Gedanken machen.  Zumal – so ganz wider meinem Erwarten – nicht einmal die meisten aller Gäste aus Frankfurt stammten.

Zunächst habe ich ich nun die Facebook-Gruppe Blogger-Stammtisch Frankfurt gegründet, in der sich Interessierte vernetzen können und in der ich dann künftige Stammtische bekannt geben werde.

Ganz in der Hoffnung, euch bald wieder zu sehen – und demnächst vielleicht eine größere Runde mit vielen weiteren Blogger-Kollegen begrüßen zu dürfen.

Geteilte Leidenschaft ist schließlich die schönste aller Leidenschaften.
Ein herzliches Dankeschön euch allen für euren Besuch!