„Frankfurt, Schwarz & Weiß“ – Die Geschichte hinter der Ausstellung

Welche waren eigentlich eure Vorsätze fürs neue Jahr?
Ich persönlich mag ja Zigaretten und Apfelwein viel zu gerne, sodass für mich letztendlich Jahr für Jahr nur einer davon bleibt: Möglichst viele Dinge zum ersten Mal zu tun.

Nun scheint es, als hätte ich meiner alljährlichen Absichtserklärung tatsächlich Taten folgen lassen: Zwischen dem 1. Juni und dem 15.Juli verwandelt sich das großartige Café Sugar Mama nämlich zur Galerie meiner ersten eigenen Foto-Ausstellung „Frankfurt Schwarz & Weiß“. Sechs Wochen lang darf ich hier meine Werke auf Leinwand ausstellen, welche im Laufe der letzten Jahre bei meinen Streifzügen durch meine Heimatstadt entstanden sind. Festgehalten auf Negativstreifen und bislang nur in meinen Alben zu bewundern, werden sich die Motive nun dem kritischen Blick der breiten Öffentlichkeit stellen.

 

Doch wie kam es eigentlich dazu? Dies ist die Geschichte hinter  „Frankfurt Schwarz & Weiß“

Die kleine Macke als großer Antrieb

Wer mich kennt, der weiß: Es fuchst mich, wenn Andere irgendetwas können und erreichen, .das ich mir bislang noch nicht auf die Fahnen schreiben konnte.
Ja, oft bewundere ich andere Menschen für ihr Schaffen und bin zuweilen sogar neidisch. „Was die können, will ich auch können!“ ist ein von mir oft gedachter Gedanke – und ist letztendlich Quell meines Treibens. Dieser Charakterzug ist es, der mich bisweilen sogar gelegentlich zu Gitarre und Mikrofon greifen lässt- obwohl ich nun wahrlich nicht sonderlich musikalisch bin. Nein, eine Krähe ist kein Singvogel! 

Nun saß ich vor einiger Zeit in meinem Lieblings- und Stammcafé, in dem mehrmals im Jahr Ausstellungen stattfinden. Ich weiß nicht mehr, ob ich Zeitung gelesen habe oder geschrieben habe, als mein Blick auf eines der ausgestellten Bilder fiel. Gut aber erinnere ich mich daran, wie sich ein mir wohlbekanntes Gefühl in mir breit machte. Gefühlt, gedacht, gemacht: Ich verfasste eine Bewerbung um eine eigene Ausstellung und fügte ein paar meiner analogen Schwarzweißbilder bei. Die waren ja schon damals mein Steckenpferd – seit meinem Projekt „36 Lieblingsorte“ war eine analoge Kleinbildkamera steter Begleiter auf all meinen Streifzügen durch meine Heimatstadt.

Niemals hatte ich mir die Chance für eine Zusage ausgemalt. Doch diese erreichte mich nur wenig später – für den Herbst 2019. Bis dahin (wir schrieben November 2017) sollten noch zwei Jahre vergehen und noch eine Menge Wasser den Main hinunterfließen. Mir kam es gelegen, konnte ich mich doch über die Zusage freuen, mich geehrt fühlen – und das „Projekt Ausstellung“ guten Gewissens in die Schublade „Brauche-ich-mir-noch-lange-keine-Gedanken-darüber-zu-machen“ verfrachten. Das Leben zog weiter, es wurde Weihnachten, heißer Apfelwein versüßte die Feiertage, auf einer Straßenkreuzung im Stadtteil Bockenheim begrüßte ich das neue Jahr.

Listen, Listen, Listen: Von der Organisation einer Ausstellung

Es war im Januar, ich verfluchte die Stadt für die Kälte und den Schneematsch unter meinen Schuhen, der sich hässliche Pfützen im Flur meiner Wohnung ausbleiben ließ. Immerhin, die grauen Tage vertrieb ich mir neuerdings mit dem Schreiben von Texten für ein Nachrichtenmagazin, für das ich seit dem Jahreswechsel arbeitete. Dennoch verfluchte ich auch den Umstand, dass auch im neuen Jahr alles so vor sich hinplätscherte, wie es auch im Dezember noch geplätschert war. Nun, zumindest bis ich auf die E-Mail klickte, die mich von der Besitzerin meines Lieblings-Cafés erreicht hatte. Eine Künstlerin sei abgesprungen, las ich da, nun sei ab ersten Juni eine sechswöchige Lücke im Ausstellungs-Kalender entstanden. Ob ich nicht einspringen wolle?

Klar wollte ich. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, auf welch Mammut-Aufgabe ich mich damit einlassen würde.Schnell stand ich also vor der Frage, wie man doch gleich eine Foto-Ausstellung organisierte. Und wie immer, wenn es um das „irgendwie Organisieren“ geht, hab‘ ich erstmal eine To-Do-Liste angefertigt. Ohne Listen, da ging im Leben sowieso nichts, und Listen, die mache ich mir bekanntlich selbst für Listen.

Von der Auswahl der Bilder über die Produktion der Leinwände und die Gestaltung der Hängung, vom Exposé bis hin zum Bekanntmachen der Ausstellung und der Konzeption der Vernissage – es gab, soviel war klar, viel zu tun. Womit also anfangen? Ein schmucker Titel jedenfalls war schnell gefunden – „Frankfurt Schwarz & Weiß“ hatte mir als schlagkräftige Bezeichnung quasi aufgedrängt. Nun erschien es mir sinnvoll, eine Auswahl derjenigen Bilder zu treffen, die ich als ausreichend gelungen empfand, um sie einem geneigten Publikum zu präsentieren.

„Scheiße, sind das viele!“ : Von der Qual der (Aus-)Wahl

Es ist mal wieder schon spätabends, als ich im Frankfurter Nordend eine Flasche Wein aufmache und stapelweise Fotoalben auf meinen Schreibtisch wuchte. Ich blättere mich durch jedes einzelne der Alben, entdecke immer wieder Bilder, an die ich mich schon längst nicht mehr erinnert hatte. Soviel stand fest: Es waren VIELE Bilder, stolze 700, um genau zu sein. Wie viele würde ich wohl benötigen? Sollte ich die Ausstellungsfläche mit vier gigantischen Großdrucken füllen, oder die Wände mit 300 kleinen Leinwänden tapezieren? Ich hatte keine Ahnung. Szenerie am Mainufer, Portrait des Opernbrunnens oder der Schnappschuss vom Wochenmarkt? Musste der Goetheturm nicht elementarer Bestandteil der Ausstellung sein? Wie viel Skyline vertrug meine Ausstellung? Durfte der Dom gleich zwei Mal vertreten sein? Sollte ich die Bilder, die in jeder anderen Stadt entstanden sein könnten, gleich aussortieren? Mag außer mir eigentlich sonst noch jemand U-Bahn-Bilder? Und sollten meine eigenen Favoriten auch die der Betrachter sein?

Ich hatte keine Ahnung. Ich trank viel Wein in dieser ersten Phase der Organisation, doch kam nicht weiter. Rettung nahte erst in Form einer bezaubernden Frankfurter Künstlerin: Isabel Lips. Wer mich kennt, weiß, wie ungern ich andere Menschen um Hilfe bitte – in meiner Verzweiflung aber sah ich keine andere Möglichkeit. Zwischenzeitlich war es mir zwar unter Tränen (ja, ich hänge sehr an einigen meiner Aufnahmen!) und unter Zuhilfenahme von einigem grünen Veltiner gelungen, aus den 700 Fotografien 180 Exemplare auszuwählen. Kein einziges davon aber, das war klar, würde ich noch aus eigener Kraft streichen können. Isabel Lips aber tröstete und traf mich, traf auch etwas für mich – eine Auswahl nämlich, eine von immer noch gut 70 Bildern. Diese empfand sie als amtliche Expertin am gelungensten und, wie sie mir versicherte, einer Ausstellung würdig. Beim Apfelwein in der Bockenheimer Wirtschaft „Zum Tannenbaum“ erklärte sie mir den goldenen Schnitt ebenso wie den Ablauf einer Vernissage. Mit Engelsgeduld lehrte sie mich, dass Architektur Raum brauche, brachte mir die „Petersburger Hängung“ näher. Neuland für mich, sicheres Terrain für Isa Lips – ich bin ihr auch heute noch unendlich dankbar für ihren Rat. Beim nachmittäglichen Kaffee im Café Sugar Mama bewahrte sie mich tapfer auch vor dem zwölften Nervenzusammenbruch, wenn die Wände immer größer und meine Zuversicht immer kleiner wurden. Irgendwann dann war es soweit: Die Auswahl der Bilder war getroffen, auf Zeichnungen war festgehalten, wie die einzelnen Wände in Szene gesetzt werden sollten. Dank Isa fühlte sich das Projekt „Ausstellung“ zum ersten Mal machbar an. Zumindest vorübergehend.

Warum ich Puzzeln schon immer gehasst habe, oder: Von der Planung einer Hängung

Von diesem guten Gefühl war nichts mehr übrig, als ich mit einem Zollstock bewaffnet Gäste des Cafés aufscheuchte, weil ich „eben mal kurz die Wand vermessen müsse“. Ich hasste das Geodreieck, das noch aus meinen Schulzeiten stammte und das ich aus den Untiefen meiner Schreibtischschublade gezaubert hatte. Ich hasste das Karopapier, auf dem ich Rechtecke und Maßstäbe eintrug. Ich stellte mir die Frage nach dem Sinn des Ganzen fragte mich, warum ich im Staub herumkrabbelte, um die Mitte der großen Wand des Cafés zu bestimmen  – statt einfach irgendwo herumzusitzen und den Tag ’nen schönen Tag sein zu lassen.

Doch will eine Hängung eben sorgfältig geplant sein. Erst, wenn sämtliche Formate bestimmt und angeordnet sind, konnte eine Bestellung der Leinwände erfolgen. Doch daran war noch längst nicht zu denken, an diesen Abenden, an denen ich vor maßstabsgetreuen Miniatur-Ausdrucken meiner Bilder sitze und diese immer wieder neu anordnete. Ja, ich wusste wieder, warum ich  das Puzzeln schon als Kind gehasst habe. Ja, ich trank eine Menge Wein in dieser Zeit.

Es dauerte Wochen, bis ich mich entschieden hatte, welches Bild welche Leinwandgröße verdient hatte. Dauerte nochmals Wochen, bis ich das Puzzle auf die für mich bestmöglichste Weise löste und auf die Skizze für die Hängung übertrug. Immerhin, nun waren Fakten geschaffen, eine weitere Hürde war genommen. Doch die nächste war mitnichten angenehmer.

 

Wie man richtig viel Geld ausgibt und es sich mit dem Paketboten verscherzt: Vom Bestellen von 58 Leinwanddrucken

Die nächste Sinnkrise erreichte mich, als ich mich durch die Kalkulationen von verschiedenen Druckunternehmen klicke. Ich hatte um Angebote für die Produktion von stolzen 58 Leinwanddrucken in unterschiedlichen Größen gebeten. Klar, das war ’ne Menge Holz (bespannt mit Leinwand, haha!), dass ich aber eine SOLCHE SUMME würde bezahlen müssen, war mir in meiner Naivität gar nicht bewusst gewesen. Wieder einmal frage ich mich, warum ich mir das antue. Warum ich offensichtlich auf bestem Wege war, mich finanziell zu ruinieren – nur, weil ich diesen albernen Traum von einer eigenen Ausstellung träumte.

Doch einen Rückzieher konnte ich nun nicht mehr machen, einen solchen hätte ich mir nicht verziehen. Also: Augen zu und zahlen, notfalls würde ich eben meine Lebensversicherung kündigen und ins Gallus ziehen müssen. Dort waren die Mieten gerüchteweise noch vergleichsweise günstig.

Was ich leider nicht bedacht hatte: Fast jede der Leinwände sollte als separates Paket versendet werden. Fortan klingelte fast täglich der Paketbote. „Ich hab‘ da mal wieder ein Paket für Sie!“, brüllte es zunehmend aggressiver durch die Gegensprechanlage. „Vierter Stock“ – „ICH WEISS, HERR GRÜN!!“, ja, so treibt man unschuldige DHL-Angestellte in blinden Hass. Der Umstand, dass die Pakete teils sehr groß waren, trug in keinster Weise zur Entspannung unseres Verhältnisses bei – und führte zum nächsten Problem: Wohin mit all den Leinwänden? Zur Problemlösung sei nur soviel gesagt: Es ging beengt zu in meinem Wohnzimmer, in dem ich nach wie vor viel Wein trank. Die Beruhigung meiner Nerven tat schließlich Not, denn – wie konnte es auch anders sein – tauchten aus dem Nichts gerne mal einige weitere Probleme auf.

Die Gestaltung der Mappe für das Exposé sowie das Verfassen der Texte für die Aushänge ging mir noch recht einfach von der Hand, nachdem ich mich für ein passendes Papier entschieden und einige Stunden im Copyshop verbracht hatte. Quasi ganz nebenbei wurde ich zum Experten für die unterschiedlichsten Variationen der Spiralbindung. Schreib‘ ich mir ganz sicher in den Lebenslauf!  Auch für die Kalkulation der Verkaufspreise machten sich die beiden Semester meines vorzeitig beendeten BWL-Studiums bezahlt. Neues Ungemacht drohte aber in Form von Post von der Druckerei: Für einige der Großdrucke, so las ich voll Entsetzen, sei die Auflösung der Negativ-Scans schlichtweg zu gering, ich möge doch bitte hochauflösendes Rohmaterial einsenden. An dieses gelangte ich nach einiger Recherche in einem Frankfurter Fotolabor. Dort erlangte ich außerdem die Erkenntnis, wie teuer so ein Hochleistungs-Scan sein kann. Aber Geld war mir zu diesem Zeitpunkt eh schon scheißegal.

Die beste Mama der Welt schwingt den Pinsel

Wenn schon ihrem Sohnemann eine Bühne für sein Schaffen zur Ehre geworden war, dann sollte auch die beste Mama der Welt ein wenig davon profitieren. Während der Sprössling lieber Auslöser betätigt, malt die Mama nämlich unglaublich gerne. Und ausgesprochen gut, wie ich finde!

Ein lieber Telefonanruf später: Mama sagt zu und ist fortan für Wochen damit beschäftigt, den Pinsel zu schwingen und ihren Beitrag für die Ausstellung zum Leben zu erwecken. Klar, schwarzweiß und Frankfurt, das war Vorgabe. Ansonsten aber galt: Alles war möglich! Bis zuletzt wusste ich selbst nicht, welches Motiv meine Mutter wohl auf Leinwand zaubern würde. Dass es am Ende eines wurde, zu dem ich eine ganz besonders persönliche Beziehung habe, freute mich nur umso mehr. Neugierig geworden? Ein Besuch der Ausstellung schafft Aufklärung!

Nägel zum Kilopreis & Social Media: Was sonst noch so geschah

Es reichte mir endgültig. Für Baumärkte hatte ich schon immer nichts als Verachtung übrig, und genau diese empfand ich, als ich verzweifelt versuchte, in Erfahrung zu bringen, wie viele Nägel wohl in einer Vierhundertgrammschachtel sind. Niemand vermochte mir diese Frage zu beantworten. Bis dato war ich der Meinung, allein in den Straßen des Bahnhofsviertels würde Ware in Gramm ausgepriesen, doch wunderte mich schon längst nichts mehr. Nahm ich halt gleich 800 Gramm, was sollte der Geiz, das sollte reichen. Doch brauchten die Nägel nun eine Nickel-Legierung oder nicht? Auch diese Frage blieb ungeklärt. Unklar auch, warum ein einziger Umzugskarton 3,90 Euro kosten musste. EIN STÜCK PAPPE!!!!

Doch irgendwie musste ich die Leinwände wohl irgendwie lagern und transportieren. Ich ließ noch ein halbes Vermögen für einen Hammer, der selbst im Sonderangebot noch zehn Euro kostete. Ein STÜCK HOLZ MIT METALL DRAN! Wo eh schon alles egal war, warf ich auch noch eine zweite Wasserwaage in den Einkaufswagen. Ich schwor mir hoch und heilig, nie wieder einen Beitrag zu betreten, bevor ich in die nächste Sinnkrise fiel.

Erst, als es galt, die liebe Welt da draußen über Vernissage und Ausstellung in Kenntnis zu setzen, fühlte ich mich wieder als Herr meines Handelns. Ich setzte auf Social Media, darin war ich ja geübt, erstellte Veranstaltungen auf Facebook, streute in Gruppen und auf Kanälen. Viralität war schließlich alles!

Zu meiner großen Freude konnte ich meinen lieben Freund und großartigen Musiker Michael Nickel dafür gewinnen, die für den ersten Juni geplante Vernissage um seine Piano-Musik zu bereichern. Michael, da war ich mir sicher, würde noch jeden Abend retten. Nur für mich versprach er, sich in den ICE zu setzen und mitsamt Klavier nach Frankfurt zu reisen. Schlecht für mein Gewissen, gut für meine Zuversicht. Seine Lieder würden jeden erbosten Bildbetrachter milde stimmen, da war ich mir sicher. Und außerdem, da freute ich mich saumäßig drüber, einen verdammt guten Freund mal wieder in die Arme schließen zu können. Aber bis es soweit war, galt es noch so einiges zu meistern.

Vom Hämmern und vom Nageln: Die tollsten Freunde der Welt werden aktiv

Noch hing nämlich kein einziges Bild an der Wand. Stattdessen war ich kurz davor, MICH aufzuhängen – an einem Strick nämlich, denn ich hatte ein gewaltiges Problem. Der erste Juni stand kurz bevor, quasi ganz nebenbei musste ich noch meinem Beruf nachgehen – und in meinem Wohnzimmer stapelten sich noch immer die Leinwände. Mein Zeitplan war auf Kante genäht, drei Tage vor der Vernissage mussten unbedingt die Kartons samt Werkzeug ins Café gelangen.

Ziemlich blöde nur, dass ich statt Kisten zu schleppen nun in sintflutartigem Regen versuchte, einem schweren Unwetter in Niedersachsen zu trotzen. Der Zugverkehr in Richtung Süden war über Stunden hinweg eingestellt – ich sollte Frankfurt an diesem Abend nicht mehr sehen. „GAME OVER“, dachte ich mir, „das war’s dann wohl“. Aus der Traum von der eigenen Ausstellung, ich würde mir die Blöße geben müssen, sie samt Vernissage abzusagen. Warum nur musste ich mich immer auf solche Spinnereien einlassen, warum nur mir ständig Stress bereiten? Warum konnte ich nicht einfach mal „mein Leben chillen“, mal kein „Projekt haben“, mal nicht irgendwelche dummen Träume haben? Im nächsten Leben, das schwor ich mir, würde ich von 9 bis 17 Uhr im Büro sitzen und abends Netflix schauen. Am Wochenende würde ich bei meiner Tante Kuchen essen, nur sonntags nach 22 Uhr zu Bett gehen. Denn dann liefe ja der Tatort.

Zurück in dieses Leben, ich hatte eine schlaflose Nacht gehabt, hatte geheult vor Überforderung – und versuchte in meiner Verzweiflung, mir Hilfe zu holen. Dies widerstrebte mir zwar noch immer, doch sah ich keine andere Möglichkeit, die Ausstellung doch noch irgendwie zu retten. Und siehe da: Am zweitletzten Abend vor der Vernissage standen die tollsten Freunde der Welt vor meiner Haustür und wuchteten kistenweise Bilder in den Bus der Linie 30.

Kaum im Café angekommen, erlitt ich den nächsten Beinahe-Zusammenbruch. Zwar hatte ich Hämmer, Wasserwaage, eine Menge Skizzen und achthundert Gramm Nägel (ohne Legierung!), doch war ich seit jeher unfähig, auch nur ein Bild unfallfrei an eine Wand zu hängen. Das Bewusstsein um über 400 „Interessiert“-Klicks auf Facebook und die Tatsache, dass der Termin noch in der morgigen Tageszeitung erscheinen würde, ließen mich einen gewissen Erwartungsdruck verspüren, dem ich nicht mehr gerecht werden zu können glaubte.

Nachdem ich den tollsten Freunden der Welt mit Hilfe meiner geodreiecksgefertigten Skizzen die gewünschte Hängung der Bilder veranschaulicht hatte, war ich mir sicher, dass ich mir alle Mühen hätte sparen können. Die Wände des Cafés erschienen größer denn je, die Stapel der Leinwanddrucke drohte die Decke zu durchbrechen, uns blieben nur vier Stunden, um die Ausstellung entstehen zu lassen. Immerhin wurden wir von der bezaubernden Roberta mit Kuchen versorgt. Ich sehnte mich nach Wein, beschloss aber einen klaren Kopf zu bewahren und rauchte nervös Zigaretten, während ich Anweisungen erteilte und die tollsten Freunde der Welt sich im Umgang mit den Hämmern als erstaunlich treffsicher erwiesen.

Die bereits erwähnte zauberhafte Isabel Lips hatte „mal auf die schnelle“ ein paar Skizzen für ein Wandgemälde gefertigt, von denen ich mir eine aussuchen durfte (auch hier fiel die Wahl schwer!), die sie anschließend in einer mir unbegreiflichen Geschwindigkeit auf eine nackte Wand pinselte. Hey Isa, ich bewundere dich für dein Talent!

Kurz nach Mitternacht geschah dann das Unmögliche: „Das war’s!“, rief jemand, das letzte Bild hing an der Wand. Noch immer habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, wie die tollsten Freunde der Welt innerhalb von vier Stunden „meine“ Ausstellung erschaffen haben und 58 Bilder fein säuberlich angeordnet und meinen Vorgaben entsprechend an die Wand genagelt haben. Als „Chef“ des Projekts führte ich noch einige Kontroll-Messungen mithilfe der Wasserwaage durch, ließ hier und dort ein „den rechten Nagel einen halben Zentimeter weiter hoch!“ vernehmen.

Danach stand endgültig fest, dass meine Kinder zu Ehren der tollsten Freunde der Welt auf die Namen Sabrina, Nadine, Boris, Antonius und Jennifer getauft werden. Ja, notfalls würden auch Töchter Boris heißen müssen. Fix und alle fiel ich in tiefen Schlaf. Der Tag der Vernissage konnte kommen.

 

 

Wunderbare Gäste: Wie die Sinnfrage geklärt wurde

Es war soweit: Wir schrieben den 1. Juni, heute war der große Tag, war die Vernissage meiner ersten eigenen Ausstellung. Es war kurz nach sechs am Abend, schnell noch mal ins Bad, noch schnell ein paar warme Worte aufs Papier gebracht. Irgendetwas sagen, das musste und wollte ich schließlich, auch wenn das Publikum allein aus meinem Freund Michael bestehen sollte.

Dieser war es auch, der bestimmt hatte, dass die Vernissage um exakt 19.19 beginnen sollte, damals in Berlin, als wir uns über seinen Auftritt unterhielten, welcher nun kurz bevorstand.

Wie es sich an Freitagabenden eben für gewöhnlich so verhält, waren jedoch außer den besten Theken-Mädels der Welt und meinem lieben Freund Michael noch kaum andere Menschen anwesend. Doch nachdem sich bislang alles irgendwie zum Guten gewendet hatte, war ich mir sicher, dass sich dies in der kommenden Stunde ändern würde.Und so war es. Nicht nur, dass ich endlich einmal wieder mein Schwesterherz in die Arme schließen konnte – immer wieder durfte ich Menschen begrüßen, mit deren Erscheinen ich doch eigentlich niemals gerechnet hätte.

Am Ende stand ich neben Michael, der sich bereits am Piano in Position gebracht hatte. Blickte in unzählige Gesichter ganz wunderbarer Menschen. Wunderbarer Menschen, die alle ihre Rolle in meinem Leben gespielt hatten oder spielten, vom ersten Mitbewohner bis hin zur Kneipenbekanntschaft, die ich zuvor noch nie im Hellen gesehen hatte – saßen wir uns doch bislang stets schweigend mit einem Buch vor der Nase nebeneinander am Tresen. Und war das dort hinten nicht der Organisator einer Filmreihe, über die ich einmal berichtet hatte? Und nahezu sämtliche Kollegen meiner hochgeschätzten Agentur sagten auch „Hallo“! Doch auch und insbesondere die Gesichter derjenigen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, erfüllten mich mit Freude. Sie wussten nicht, was sie erwartete – und dennoch hatten sie sich die Zeit genommen, meine Ausstellung anzuschauen. An einem Freitagabend! Einen schöneren Ausdruck der Wertschätzung hätte ich mir kaum erträumen können.

Das Exposé drehte bereits seine Runden, Kugelschreiber schrieben erste Käufernamen auf Karton. Ich bin gerührt, fange an zu sprechen, stelle fest, dass ich mir meine Notizen hätte sparen können. Alles fühlte sich gut und richtig an. Ja, es war okay für mich, dass ich ausnahmsweise mal ein Projekt nicht ganz alleine gestemmt hatte – sondern auf die Hilfe der tollsten Freunde der Welt angewiesen war.

Als Michael in die Tasten greift und mit seinem Stück „Schneeflockentanz“ den Abend einleitetet, ich in die Gesichter all der Menschen der Menschen blicke, die mir so viel bedeuten – als ich mich auf dem Boden niederlasse und Michaels Piano versehentlich den Stecker ziehe und für Erheiterung sorge – da wusste ich wieder, warum ich mir allen Stress und Zweifel der letzten Monate angetan hatte.

Warum ich dies hier tat, warum ich mich im Zweifel sogar zielsicher in den Bankrott stürzen würde, weil ich nicht anders konnte:

Weil mein Herz es so wollte – und einmal mehr über meinen Verstand gesiegt hatte.

Neugierig geworden? „Frankfurt, Schwarz & Weiß“ ist noch bis zum 15. Juli 2018 im Café Sugar Mama, Kurt-Schumacher-Straße 2, zu bewundern. 

Es schöner Tag im März: Bunte Vielfalt in Schwarzweiß

Bis heute vermag ich nicht zu sagen, weshalb genau – aber an freien Tagen zieht es mich in schöner Regelmäßigkeit hinaus in den Frankfurter Westen.

So auch vor drei Wochen einmal wieder, als ich neben zwei Äpfeln und der Tageszeitung auch meine Kleinbildkamera samt frischem Film in meinen Rucksack warf und mich auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle machte. Zu ihr ist es nur ein Katzensprung, und wie immer wieder war ich erstaunt darüber, in welch andere Welt mich die Tram der Linie 12 katapultiert, wenn ich nur lange genug in ihr sitzen bleibe.

Wobei „lange“ fast noch übertrieben ist:
Nur etwa eine halbe Stunde lang dauert die Fahrt vom Nordend hinaus nach Schwanheim, ganz unbemerkt und zwischendurch wird aus der Straßen- eine Waldbahn. Aus dem Stau auf der Friedberger Landstraße und dem Anblick endloser Altbau-Fassaden werden Natur und Wald. Die frische Luft tat ihr Übriges: Jawoll, zwar befand ich mich noch im Stadtgebiet – gefühlt aber im Urlaub!

Erst am Abend hatte ich einen Termin in Bockenheim, sodass ich mich in aller Ruhe treiben lassen konnte. Dass ich bis dahin gleich einen ganzen Schwarzweißfilm opfern würde, konnte ich zu Beginn meiner kleinen Reise freilich noch nicht ahnen! Doch hatten sich mir die Motive förmlich aufgedrängt, sodass ich zwei Wochen später einmal wieder um einige Mark erleichtert war und sechsunddreißig Abzüge in meinen Händen hielt.

Sechsunddreißig Aufnahmen, welche einmal wieder einen anschaulichen Beweis dafür erbracht hatten, dass Frankfurt eine Stadt geballter Kontraste ist.

 

Lasst ihr mit mir diesen Tag noch einmal eine schwarzweiße Revue passieren?

 

„Nächster Halt: Waldfriedhof Goldstein“: In diese Straßenbahn bin ich vor meiner Haustür im Nordend eingestiegen. Nach exakt 36 Fahrtminuten spuckt sie mich in einer gänzlich anderen Szenerie aus. Ich atme tief ein und schließe meine Jacke: Jawoll, so fühlt sich Urlaub an!

 

Nur wenige Schritte, und ich tauche ein in den Schwanheimer Wald. Der Schotter knirscht unter meinen Stiefeln, es ist ungewohnt still. Links wie rechts nur Bäume, der Jahreszeit angemessen kahl. Es dauert eine kurze Zeit, bis ich mich daran gewöhne, allein auf weiter Flur zu sein.Nur meine Kamera leistet mir Gesellschaft. Ich lasse auch sie einen Moment lang den Waldweg spüren.

 

Nachdem ich eine Weile durch den Wald marschiert bin, erreiche ich die Schwanheimer Wiesen. Und die sind wirklich groß! Ein laues Lüftchen bringt Farne zum tanzen. Ich treffe auf ein älteres Paar, „Ei Gude!“, – und auf ein bemerkenswertes Gewächs: Der „Struwwelpeter-Baum“ ist nämlich nicht nur schon 68 Jahre alt (da sind Andere schon in Rente!), sondern mit seinen zwei Augen nämlich auch ein Werk des Künstlers F.K. Waechters. Klar, dass ich auch ihm lieb hallo sage!

 

 

Das unbestrittene Highlight des Stadtteil Schwanheims sind natürlich die Schwanheimer Dünen. Auf einem Holzbohlenweg lässt sich hier die Binnendüne überqueren, während man seltenes Gewächs entdecken und verträumt in einen der Seen schauen kann.

 

Kein Wunder, dass diese Idylle schon im Jahr 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde!

 

 

Nachdem ich das Ende des Steges erreicht habe, verabschiede ich mich von der Dünenlandschaft mit einem Knipser in die Mittagssonne. Bis bald mal wieder!

 

 

Noch ein ganzes Stückchen hin ist es bis zum Anleger der Mainfähre „Walter Kolb“. Immer wieder freu‘ ich mich wie ein kleiner Junge, wenn ich mittels der letzten Fährverbindung im Frankfurter Stadtgebiet nach Höchst übersetzen darf. Klar, dass ich auch dem Fährmann einen guten Tag wünsche – schließlich hatte er mir einmal einen tollen Einblick in seinen Arbeitsalltag ermöglicht!

 

 

Während der Überfahrt lasse ich mir einen Blick auf das Panorama der Altstadt natürlich nicht entgehen!

 

 

Der Fluss ist überquert, ich betrete den Stadtteil Höchs und somit Festlandt. Eine Dame füttert Möwen, ein Schwan guckt skeptischi zu. Im Hintergrund zuckelt ein Frachtschiff und bringt irgendetwas irgendwohin. Fernweh.

 

Erste Anlaufstelle im 1928 eingemeindeten Stadtteil ist – natürlich! – das Höchster Schloss. Auch von nahem macht es eine rundum gute Figur! Der Schlossturm überragt die Altstadt und kann sogar bestiegen werden – nur stets ausgerechnet dann nicht, wenn ich zu Besuch bin. Ich gelobe Hartnäckigkeit und bekomme Kaffeedurst.

 

 

Nach meiner Kaffeepause am Schlossplatz schlendere ich durch die engen Gassen der Altstadt Höchst. Wie jedesmal kann ich auch heute kaum glauben, dass ich mich noch in Frankfurt befinde. Inmitten der schnuckeligen Fachwerkhäuser befindet sich auch die Straße mit dem kürzesten Namen der Stadt: Sie heißt ganz einfach „Wed“. Auch ziemlich schnuggelisch. 

 

Recht beschaulich geht es auch in den Höchster Hinterhöfen zu. Ich überlege kurz, nir einen Schluck aus der alten Wasserpumpe zu genehmigen – greife dann aber doch zu meiner mitgebrachten Flasche. Und zur Kamera, versteht sich.

 

Irgendwann dann aber zieht es mich doch zurück gen Innenstadt. Im Bahnhof erwartet mich vor der S-Bahn zunächst einmal das schmucke Empfangsgebäude, in dem ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Auch, wenn es schon bessere Zeiten gesehen hat, kommt es zeitlos schmuck daher!

 

Vom Bahnsteig aus lässt sich der außergewöhnliche Kuppelbau des Empfangsgebäudes noch einmal genauer inspizieren. Nun aber husch-husch zurück gen Innenstadt. „Bitte zurückbleiben!“

 

An der Konstablerwache steige ich aus, denn ich habe Hunger. Weder als schnuckelig noch als schmuck empfinde ich das Bienenkorbhaus. Aufgrund seiner exorbitanten Hässlichkeit muss ich es dennoch fotografieren – irgendwann will ich es schließlich meinen Enkeln zeigen. Bis die geboren sind, wird es nämlich abgerissen sein. Hoffentlich.

 

Ich bin frisch gestärkt, das Curry war lecker. Ich hab‘ noch ein wenig Zeit bis zu meinem Termin – also statte ich dem „Briggegiggel“ noch einen kleinen Besuch ab. Schließlich ist er nach einer längeren Zeit der Abwesenheit auf die Alte Brücke (oder auch „aahl Brigg“?) zurückgekehrt, und macht neben dem Neubau des Henninger-Turms eine recht gute Figur…

 

Nur um wenige Grad brauche ich mich zu drehen, um auch Karl den Großen abzulichten. Gut, dass er nicht in Richtung des Main Plaza in seinem Rücken blickt – der Umstand, dass dieser NOCH größer ist, als er selbst, brächte ihn vermutlich um den Verstand. So aber: Friede, Freude, Eierkuchen auf meiner Lieblingsbrücke.

 

 

 

 

 

… und nochmals einige Grad nach links gedreht: Schwesternwohnheim meets EZB-Zentrale. Am Besten gefallen mir aber nach wie vor die Mainwiesen. Hach, wenn’s doch endlich wärmer wäre…

 

Nun ist’s aber allerhöchste Eisenbahn für mich, oder besser: Allerhöchste U-Bahn, ich muss nach Bockenheim. Bevor ich dalli-dalli hinunter in die „Konsti“ hechte, fange ich noch einen kleinen Leihfahrrad-Haufen ein. Klar, ich könnte auch mit dem Fahrrad fahren – mach‘ ich aber nicht, da zu faul.Bewegung, die hatte ich heute schon genug!

 

Kaum bin ich auf der Leipziger Straße ans Tageslicht gestolpert, begrüßt mich die wohl schönste und altehrwürdigste Fassade aller Apotheken. Fast verspüre ich eine subtile Lust darauf, krank zu werden. „Gibt’s hier auch was von Ratiopharm?“

 

 

Ich hab’s ja nicht so mit Gotteshäusern, aber dieser Bockenheimer Anblick lässt auch diesmal mein Herz regelmäßig höher schlagen…

 

 

Sind diese Rundungen nicht sexy? Das Wohnhaus im tiefsten Bockenheim lässt mich abermals die Kamera zücken.

 

A propos Rundungen….

 

Ebenfalls in recht runder Form thront der Europaturm über den Stadtteil. Mittlerweile annähernd funktionslos geworden, ist er dennoch ein echter Hingucker geblieben – findet ihr nicht auch?


Nachdem ich meinen Termin absolviert habe, kehre ich nach einem langen – aber schönen! – Tag zurück ins Nordend. Dort empfängt mich, na klar: Der „City Ghost“. Gute Nacht.


 

Skyline, zack, aus – fertig?

Alt und neu, Naturschutzgebiet und Beton: Fast unglaublich, welch An- und Ausblicke man an einem einzigen Tag in Frankfurt erleben kann, gelle? Als ich die Bilder jenen Tages in mein Album klebe, bin ich einmal wieder sehr glücklich darüber, hier leben zu dürfen.

Und einmal wieder bleibt mir nur ein leidliches Schmunzeln für diejenigen übrig, die Frankfurt am Main auf die Skyline reduzieren.

Doch nun verratet mir: Wie sieht euer perfekter Tag in Frankfurt aus?

 

Verzückt von einer DVD: Ich hab‘ Frankfurt wiederentdeckt! Schwarzweiß und ohne Skyline.

Wenn es etwas gibt, das ich wirklich NIE mache, dann ist das einen Film zu schauen. Eine Tatsache, die insbesondere dem Umstand geschuldet sein mag, dass sich meine Aufmerksamkeitsspanne in etwa auf dem Niveau eines 2-Jährigen beliegen mag…

Nun allerdings begab es sich, dass ich in den unendlichen Weiten dieses Internet auf eine DVD der Reihe „Edition wiederentdeckt“ gestoßen bin, welche in einer ihrer Ausgaben gleich 9 Kurzfilme aus aus der Frankfurter Vergangenheit zwischen 1909 (konnte man da schon filmen?) und 1959 zu zeigen versprach. Manche davon bislang sogar unveröffentlicht.

Die mir entstehenden Kosten von 20 Euro habe ich mit einem Schlucken und anschließendem Sauergespritzten quittiert, und bereits am nächsten Tage hielt ich besagte Silberscheibe in den Hände.

Entgegen jeglicher meiner üblichen Gewohnheiten habe ich mir es also auf dem Sofa bequem gemacht und mich auf eine Zeitreise durch meine Stadt begeben – zurück in jene Tage, in denen es sich der gemeine Frankfurter niemals hätte erträumen lassen, dass einmal eine Ansammlung von Wolkenkratzern zum weithin sichtbaren Symbol seiner Stadt werden würden….

 

Die „guten, alten Zeiten“

Und, was soll ich sagen? Auf die angepriesene „einzigartige Zeitreise“, auf die konnte ich mich vom Sofa aus tatsächlich begeben.

Ein jeder der Kurzfilme entlockte meinem Gesicht ein entzückendes Staunen darüber, wie die Straßen, durch die ich mich tagtäglich begebe und deren Anblick mir so vertraut ist, früher ausgesehen haben. Eine neue Altstadt, die wird uns Frankfurtern demnächst geschenkt – doch wird sich auch in dieser nicht das Leben vergangener Jahrzehnte abspielen.

Dabei habe ich mich besonders über die Vielfalt der Kurzfilme gefreut. Ein Ausblick vom Dom, die Stadt zu Füßen – gänzlich ohne Skyline. Alltag im Volksbildungsheim, das heute das Kino „Metropolis“ beherbergt.

Ein Mädchen fährt im Werbefilm „Unser Frankfurt heute“ von 1954 Dreirad vor Wohnhochhäusern, die später einmal Sinnbild für die „Ghettoisierung“ der Trabanten-Siedlungen werden sollten. Davon lässt die Idylle auf den Super 8-Aufnahmen jedoch noch längst nicht ahnen.

Menschen in grausamen Bademoden stürzen sich ins von Beton umringte Wasser, „man erfreut sich hier vor allem ganz bestimmten Anblicken“, kommentiert der Sprecher eine Szene planschender, junger Frankfurterinnen in den 1960er Jahren. Dürfte man heute wohl nicht mehr so sagen, und a propos heute:

Hättet ihr’s erkannt? Das im Film gezeigte kühle Nass befindet sich im Brentanobad, in dem Frankfurter im Sommer auch heute noch die nötige Abkühlung genießen.

Dass Frankfurter im Sommer auch schon immer gern am Main fläzten, beweisen die schwarzweißen Aufnahmen eines Anderen der Filme. Schwarzweiß auch die Aufnahmen der Frankfurter Messe, die damals noch eher wie eine Ansammlung von Gartenhütten anmutete. „Ein herrlicher Fruchtsaft!“, schmachtet ein Gast die Messe-Hostess an. Unglaublich!

 

Le jardin du palmes

Bremsen kreischen, als eine junge Frau im Frankfurt von vor 60 Jahren ankommt, Dampfloks hüllen den Hauptbahnhof in Rauchschwaden. Die junge Frau ist „Ursula“ und adrett mit kurzem Rock gekleidet an den Main gekommen, um Kunst zu studieren.

Die Protagonistin des Werbefilms (heutzutage wäre es wohl ein „Imagefilm“) von 1959 steht auch damals schon vor denselben Problemen wie junge Studentin es auch heute tun:

Ein günstiges Zimmer gilt es da zu organisieren, sich in der Uni einzufinden, mit adrett mit Hut gekleideten jungen Männern anzubandeln, und natürlich: Geld zu verdienen, damals noch in Form von Deutscher Mark.

Dies gedenkt sie dann, als Stadtführerin zu tun. Und mein allerliebster Moment der DVD ist der, als Kunststudentin und Stadtführerin Ursula mit zwei Damen aus Frankreich vor dem Eschenheimer Tor steht (damals noch ohne Brunnen) und von diesen nach dem „Jardin du palmes“ gefragt wird.

Ursula versteht nicht so recht, ein vorübergehender Passant allerdings schon:
„Ai, die meine de Palmegadde!“, sorgt der Frankfurter für Aufklärung. „Ach, der!“, meint Ursula bedröppelt – und ich muss prusten. Herrlich! 

Ein echtes Muss für Frankfurt-Liebhaber

Herrlich auch all die anderen vielen Einblicke in vergangene Zeiten.
Ungläubig sehe ich überflutete Straßen, wo heute Häuserschluchten von Tüten-schleppenden Menschen durchrannt werden. Man scheint heutzutage tatsächlich weniger Zeit zu haben als früher. Sehe historische Straßenbahnen über die Zeil rollen, sehe Autos auf dem Römerberg.

Irgendwie verspüre ich eine Sehnsucht nach dieser „guten, alten Zeit“ – doch bin ich mir darüber bewusst, dass diese Bilder einer friedfertigen, ruhigen Stadt nicht darüber hinweg täuschen können, dass zeitgleich ihrer Aufnahme wahlweise Welt- oder kalter Krieg herrschte. Nein, früher war vielleicht mitnichten alles besser.

Und dennoch: Ich habe mich gerne entführen lassen in meine frühere Stadt, die zwischenzeitlich ihr Gesicht geändert hat wie kaum eine zweite.

Doch eine Kameraeinstellung, die das frühere Fernmeldehochhaus vor dem Thurn-und-Taxis-Palais zeigt, verrät dann doch: Das Nebeneinander von Alt und Neu, ein stetiger Kontrast: Dies hat Frankfurt wohl schon immer ausgezeichnet. Eine ganz wunderbare Stadt – damals wie heute…. 

 

Wollt auch ihr euch auf eine Zeitreise zurück in alte Frankfurter Tage begeben? Einen Blick vom Dom hinab auf ein Frankfurt noch ganz ohne Skyline werfen?
Die DVD „Frankfurt wiederentdeckt“ könnt ihr online hier bestellen

Viel Freude euch beim Anschauen!

Sehenswert: Hessenschau zur Eröffnung der U-Bahn 1968. Die „gute, alte Zeit?“

 

Ich schau‘ ja nur selten Fernsehen.

Wenn ich nachts um 2 vom Dienst nach Hause komme, dann klicke ich mich eben lieber durch Youtube – statt mir im Fernsehen Wiederholungen sinnbefreiter Doku-Soaps im Privatfernsehen oder Reportagen über Verschrottungen von Flugzeugträgern auf N24 anzuschauen.

Klar, auch Youtube hält jede Menge Videos fragwürdigen Mehrwerts bereit. Allerdings auch viele, die mein stadtgeschichtlich interessiertes Frankfurter Herz höher schlagen lassen!

Wie zum Beispiel auch mein jüngstes Fundstück:
Die Sonderausgabe der „Hessenschau“ zur Eröffnung der Frankfurter U-Bahn im Jahre 1968.

 

Eine Reise in die „gute, alte Zeit“

Findet ihr es nicht auch herrlich, auf alten, schwarz-weißen Filmaufnahmen ein wenig am Duft der „guten, alten Zeit“ zu schnuppern?

An mich selbst war 1968 noch lange nicht zu denken, und mit großer Sicherheit war unsere Welt auch damals nicht voll Sonnenschein. Dennoch wirkt das damalige Leben auf mich in der Retrospektive immer ein großes Stück weit entspannter. Ein wenig naiver vielleicht, ja -. aber vor allem: Lockerer.

Ein Bürger im Sonntagsanzug, der in breitestem hessisch in das überdimensionale Mikrofon eines akkurat gescheitelten Moderators spricht. Ein Hoch auf die Frisurcreme!

Dichtes Gedränge am frisch eröffneten Tiefbahnsteig. Hostessen mit Schiffchen sollen für Ordnung sorgen, auch eine von ihnen wird vom Moderator interviewt.

„Wir sollten irgendwelche Ordnung schaffen, das ist uns aber nicht gelungen“, sagt die adrette junge Frau. ganz unverblümt. „Dann haben wir Polizeischutz geholt, und anschließend wurden wir eingesetzt, um irgendwie freundliich zu sein“.

Ich möchte sie knuddeln für ihre Hilflosig- und Ehrlichkeit. Was aus ihr heute wohl geworden ist?

 

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: „Pietschmann2“, Wikipedia 

 

U-Bahn? Schon längst nur schnöder Alltag

Wie oft eilen wir heute gestresst durch die unterirdischen Wirrungen der Frankfurter U-Bahn-Stationen? Das Fahren mit der U-Bahn ist für Frankfurter im Jahre 2017 schon längst nichts weiter als Bestandteil des schnöden Alltags.

Ist es nicht umso schöner, einmal zu sehen, dass eine U- Bahn eben NICHT selbstverständlich ist? Dass es mitunter ein langer Kampf war, dass sich aus der Bevölkerung auch viel Widerstand regte?

Längst rollen weitaus modernere Züge durch die Tunnel als jene, die zur Eröffnung feierlich geschmückt wurden. Und längst denkt niemand mehr an das Spektakel, das auf dem Bahnsteig der Hauptwache vor fast 50 Jahren stattfand.

Wenn ich das nächste Mal wieder genervt vom Gedränge der Hauptwache bin, dann werde ich kurz innehalten – und mir die Szenen aus der „Hessenschau“ vor Augen halten.

Ich werde kurz innehalten und schmunzeln. Werde an den Herren im Sonntagsanzug denken, an die überforderte Hostesse unter ihrem Schiffchen.
An Frisiercreme.

Und werde vor allem eines: Einfach mal kurz dankbar sein.

 


Stöbert auch ihr so gern auf Youtube herum? Welche Perlen der Frankfurter Stadtgeschichte konnte ihr dabei schon ausgraben?
Verratet es mir gerne – ich bin schon ganz gespannt!

Schwarz, weiß, Frankfurt: Ein aktueller Bilderbogen

Da streife ich Tag für Tag durch Frankfurt, meine analoge Kompaktkamera stets im Gepäck. Halte hin und wieder inne, fällt mir ein Motiv ins Auge. Wenn ich wieder einmal besonders angetan von der Stadtkulisse bin oder mich ein Moment des Stadtlebens besonders berührt.

In schöner Regelmäßigkeit hole ich dann meine Werke vom Labor ab, mache es mir im Café bequem und öffne mit zittrigen Fingern und kindlicher Vorfreude die Fototasche. Ich liebe den Moment, in dem ich zum ersten Mal meine Fotografien in den Händen halte und anschauen kann – denn ob ein Bild „was geworden ist“, das weiß man eben vorher nie so genau bei der analogen Fotografie.

Was früher diversen Gerüchten zufolge einmal normal war, ist in den heutigen Zeiten der Digital- und Handyfotografie dann doch eher bemerkenswert. Und genau deswegen so spannend.

Habe ich mir dann die in meinen Augen gelungensten Aufnahmen herausgesucht, klebe ich sie fein säuberlich in meine Alben hinein.

Habt ihr Lust, einen Blick hinein zu werfen?

 

Voilá, hier ist er:

Ein kleiner Bilderbogen aus den letzten Wochen des Frühjahrs und beginnenden Sommers. 100 Prozent analog, 100 Prozent schwarz&weiß, 100 Prozent Frankfurt !

 

Mutet ein wenig futuristisch an und fügt sich irgendwie nicht recht ganz in das Gesamtbild des Ostparks ein: Der jüngst eröffnete Neubau des Obdachlosenheims samt Druckraums der Drogenhilfe.

 

Zum ersten Mal über 25 Grad: Die Stadt dürstet nach Pausieren und Erfrischen. Und wie könnte es sich schöner vom Shopping-Rausch erholen lassen als bei einem kurzen Stopp beim Brunnen mitten auf der Zeil?

 

Von der Kaufkraft der Stadt gänzlich unbeeindruckt gönnen sich auch diese Frankfurter unter der bekannten Euro-Skulptur an der Taunusanlage eine kurze Hitzepause.

 

Westhafenwohlstandseinheitsbrei: Mal ganz im Ernst, wer möchte hier leben?

 

Gleich nebenan an der Alten Oper findet der Deutsche Schützentag statt. Diesen Herren hier allerdings recht egal, lieber sitzen sie am Fuße einer der schönen Lampen und schauen dem bunten Treiben zu. Recht haben sie!

 

Same procedure as every year: Kaum sind die langersehnten lauen Abende da, strömen die Frankfurter ans Mainufer. Und bei Schoppen, Klatsch & Tratsch lässt sich’s ja auch wahrlich gut aushalten!

 

Ziemlich enttäuscht stehen diese beiden jungen Damen vor dem abgesperrten chinesischen Garten im Bethmannpark. Hier kommt so schnell niemand mehr rein – denn in der Nacht zuvor wurde der große Pavillon in Brand gesetzt. Die Polizei ermittelt. Für mich ein echter Tiefpunkt des bisherigen Jahres!

 

„Savoir Vivre“ in Frankfurt:
Auf den Stühlen des Café Wacker am Bornheimer Uhrtürmchen kann man ganz hervorragend… nichtstun. Und Kaffee trinken, versteht sich.

 

Einheitsbauten links wie rechts: Leben im matschigen Brei von teurem Wohneigentum auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs. Hässlich zerschnitten von der Europa-Allee. Frankfurt, du hast besseres verdient als das Europaviertel.

 

„Huch, ist der hoch!“ – diese junge Frau riskiert schon mal einen Blick hinauf zur Aussichtsplattform, bevor es gleich heißt: Treppensteigen! Goetheturm, Frankfut-Sachsenhausen.

 

… und das hier war in besseren Zeiten wohl mal ein Kaugummiautomat. Ffm-Ostbahnhof.

 

Ebenfalls im Osten der Stadt: Kleines Osthafenpanorama.

 

Freut nicht nur das Federvieh: Der „Yachtklub“ ankert wieder an prominenter Stelle und lockt mit Musik und kaltem Schoppen zum sommerlichen Abendausklang.

 

Wer’s gediegener mag, entspannt derweil im Bethmannpark und erfreut sich all der Blütenpracht…

 

Hafenanlagen und Industrie in Frankfurts Westen: Ausblick von der Leunabrücke.

 

Ich weiß nicht warum, aber irgendwie mag ich dieses Bild:
Mitten in der Innenstadt liefern sich diese beiden Kleinen ein Wettrennen vor einer verfallenen Häuserfassade am Klapperfeld…

 

Hattet ihr Gefallen beim Betrachten der Bilder? Habt auch ihr gar ein kleines Faible für die analoge Fotografie? Ich freue mich auf eure Kommentare!

36 Lieblingsorte – Teil IV/IV

In den ersten drei Teilen (Klickt hier für den ersten, für den zweiten und den dritten Teil) meiner Bilder-Serie „36 Lieblingsorte“ habe ich euch bereits 27 meiner Frankfurter Lieblingsorte vorgestellt. 

In Szene gesetzt auf Film. In schwarz und weiß, nicht perfekt und nicht gestellt.
So, wie meine Lieblingsorte eben sind: Mal lebendig, mal still, mal unscheinbar, mal beeindruckend.

Doch was sie allesamt sind wunderbare Flecken Frankfurts, die es zu erkunden lohnt.

In diesem letzten Teil meiner Bilderserie präsentiere ich euch die nächsten 9 meiner ganz persönlichen Frankfurter Lieblingsorte. Begleitet mich auf meinem Streifzug durch die Stadt – wieder einmal ganz unter dem Motto meiner Serie:

„Ein Film. 36 Aufnahmen. 36 Orte. 36 Leidenschaften.“

Ich wünsche viel Freude beim Betrachten und Entdecken – und bin schon jetzt gespannt auf euer Feedback!


Im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld fristeten schon im dritten Reich Kriegsgefangene ihr eingesperrtes Dasein. Und noch bis ins Jahr 2002 wurde das Gebäude als Abschiebe-Haftanstalt genutzt. 

Nachdem es von der Polizei aufgegeben wurde, besetzte die Initiative „Faites votre Jeu“ die Räumlichkeiten des Gebäudes inmitten der Innenstadt, unweit der östlichen Zeil.

Seitdem wird es von dieser als Veranstaltungsort und Mahnmal genutzt.
Jeden Samstag können auch neugierige Besucher die Gefängnistrakte erlaufen und die Zellen betreten.

Ein Besuch des „Klapperfeld“ bereitet mir stets aufs neue Gänsehaut.
Undenkbar, dass an diesem Ort – nur wenige Meter von der Lebendigkeit der Innenstadt entfernt – Gefangene hier ihren tristen Alltag verbringen mussten.

Unvorstellbar, was es bedeuten muss, umgeben von nackten Betonwänden leben zu müssen. Unbeschreiblich das Gefühl, die eingeritzten Botschaften ehemaliger Gefangene in den Zellen zu betrachten.

Dieser Ort macht nachdenklich und schockiert. Und dennoch – oder gerade deswegen? – zählt er unbestritten zu meinen Lieblingsorten dieser Stadt.

 

Der Frankfurter Ostpark begeistert mich schon, seitdem ich Frankfurt als meine Wahlheimat erkoren habe. Anfangs nur zum Sport genutzt, so offenbarte er mir im Laufe der Zeit immer mehr seiner – teils versteckten – Vorzüge.  

Bereits 1907 im Frankfurter Osten als Naherholungsgebiet gestaltet, so ist dieser weit mehr als ein schlichter Park:

Während im nördlichen Teil Gartenanlagen, Wald und Bach den Park dominieren, ist das Zentrum des Parks eine riesige Wiese. Auf Teilen dieser darf sogar gegrillt werden, sodass der Park in jedem Sommer zum Eldorado für Freunde von Bratwurst und Steak wird. Rauchschwaden ziehen weithin sichtbar auf, während nebenan Kinder Frisbee spielen und die „Großen“ beim Fußball ihr Können messen.

Ja, der Ostpark strotzt nur so vor Lebendigkeit. Und zu dieser gehören auch die Menschen, die kein schönes Los gezogen haben. An der Trinkhalle starren schon morgens Obdachlose abwechselnd in ihre Wodka-Flasche und auf den See, der Nilgänse anzieht wie kein anderer Ort der Stadt.

Und in einem Gebäude, das hier irgendwie gar nicht hin zu gehören scheint, betreibt die Stadt sogar einen Druckraum, in dem harte Drogen unter hygienischen Bedingungen unter fachkundiger Aufsicht von Sozialarbeitern konsumiert werden dürfen.

Nicht weit weg davon, im Süden des Parks, toben Kleinkinder auf den Spielplätzen und sitzen mit ihren Vätern auf den Bänken am Weiher. Während Jogger ihre Runden auf den breiten Wegen ziehen, die den Park umrunden.

Wie typisch dieser Park doch ist für diese Stadt. Lebensfreude trifft auf Elend, arm auf reich und Schönheit auf Abgründe. Ein gelebtes Miteinander in nur scheinbarer Idylle. Und genau deswegen ein Lieblingsort.

 


Das „Café Awake“ mag ich nicht nur deswegen so gerne, weil ich quasi direkt daneben wohne. Es versteckt sich im Erdgeschoss des Hochhauses „Büro-Center Nibelungenplatz“ gegenüber der Fachhochschule. Kein gewöhnlicher Ort für ein gemütliches Café also, ein Besuch lohnt dennoch jederzeit! 

Nicht nur Studenten wissen die heimelige Atmosphäre und den frischen (und fair gehandelten) Kaffee zu nutzen. Auch Berufstätige jeden Alters machen es sich Tag für Tag auf den Polstermöbeln oder an den Fenstern gemütlich, um am Notebook zu arbeiten, in Ruhe zu lesen oder Meetings abzuhalten.

Viele meiner Artikel sind hier entstanden, und wenn ich am Fenster sitze und den stetigen Verkehr auf der Friedberger Landstraße beobachte, dann fühle ich mich ganz wunderbar frei im Kopf. Und kann mich bestens konzentrieren, während das stets charmante Personal mit viel Herzblut für mein Wohlergehen und einen gleichbleibenden Koffeinspiegel sorgt. Unnötig zu erwähnen, dass es hier nicht nur W-LAN, sondern auch Sojamilch gibt.

Lasst euch von Lage und Bürohochhaus nicht abschrecken und schaut doch mal auf einen Kaffee bei diesem Lieblingsort vorbei!

 


Das „FLEMING’S DELUXE HOTEL“ am Eschenheimer Tor ist dermaßen geil und Pflicht-Besuch, dass ich ihm direkt drei Bilder widmen muss. Warum ausgerechnet ein Hotel für einen Frankfurter wie mich als Lieblingsort zählt?
Dafür gibt’s gleich mehrere Gründe…. 

Nicht, dass ich hier jemals übernachtet hätte. Wieso auch – schließlich hab‘ ich meine eigene Wohnung in der Stadt. Wobei – wenn ich mal überlege, was ich pro Nacht an Miete für diese bezahle… egal.

Ich bin dennoch immer wieder gerne hier, weil das Gebäude ein echtes Relikt beherbergt:

Einen Paternoster, mit dem auf die Dachterrasse gefahren werden kann. Eine Paternoster-Fahrt, das ist für mich immer wieder aufs Neue ein echtes Abenteuer! Auch wenn ich bereits einmal stecken geblieben bin… Aber ich will euch ja keine Angst bereiten!

Oben angekommen, so bietet die Hotelbar nicht nur hervorragende (wenn auch nicht ganz günstige Drinks):

Die Aussicht hinunter auf die Stadt ist unbeschreiblich. Und es gibt für mich nichts schöneres, als mit einem guten Drink in der Hand hinunter auf die Stadt zu starren. Den Verkehr zu betrachten, der sich wie auf einer Modell-Landschaft durch die Straßen schlängelt – und auf Augenhöhe mit dem Eschenheimer Turm diesem „Hallo“ zu sagen, welcher auf etwa gleicher Höhe die Stadt überragt.

Zurück nach unten nehme ich dann stets den Weg über das Treppenhaus, welches kein typischeres Beispiel für die Architektur der 1950er – Jahre abgeben könnte. Schade, dass im Jahr 2017 kein Zigarrenrauch mehr in der Luft liegt.

 


Jawollja, ich gestehe: Ich bin eine echte Leseratte. Nicht, dass ich jemals meine Wohnung ohne gutes Buch im Gepäck verlassen würde. Und meine Bücher, die beziehe ich tatsächlich nur ungern bei Amazon & Co. 

Ein wahres Paradies für Schmöker-Freunde und Rückzugsort für alle Leseratten ist nämlich die Filiale des „Hugendubel“.

Auf nicht weniger als vier Etagen – verbunden über Rolltreppen – lässt es sich hier stundenlang abtauchen in die Welt der Literatur. Egal, ob ich auf der Suche nach einem ganz bestimmten Buch bin oder lediglich nach Inspiration: Hier werde ich immer fündig.

Der „Hessen Shop“ ist hier ebenfalls mit eigener Filiale vertreten, sodass ich eigentlich immer fündig werde. Im Untergeschoss lassen sich dann bei duftendem Kaffee die Zeilen der neu erworbenen Druckwerke genießen. Stundenlang. So schnell vergessen die Hektik dieser Welt vor der Eingangstür, so schnell vergessen ist auch die Zeit:

Ehe ich mich versehe, sind schon wieder oft die Stunden verstrichen und einmal wieder viel Geld für Bücher gelassen.

Was soll’s auch: Lesen ist toll, und wenn es so etwas wie das Epizentrum des Lesens gibt, dann ist es zweifelsfrei das „Hugendubel“.

Noch nie hier gewesen? Schaut mal vorbei! Und bringt Zeit mit …

 

Das „Yok Yok“ im Frankfurter Bahnhofsviertel ist eigentlich nichts weiter als ein Kiosk. Aber eben nur eigentlich. Längst ist aus ihm nämlich ein kultiger Treffpunkt von Menschen aller Art entwickelt, die sich hier an Gesprächen, Musik und einem kalten Bier erfreuen. 

Und kaltes Bier, das gibt’s hier zu Genüge: Unzählige Sorten aus aller Welt warten in den vielen Kühlschränken auf Besucher. „Einfach mal auf ein Bier vorbeischauen“, das machen hier viele. Und oftmals mutiert das Kiosk abends sogar zum Afterwork-Treff und ist brechend voll.

Auch ich hab‘ hier schon manch interessantes Gespräch geführt und bin dann doch länger geblieben als geplant. „Geht nicht, gibt’s nicht“ – das bedeutet „Yok Yok“ nämlich – ist hier wirklich Motto. Sogar Schallplattenbörsen finden hier regelmäßig statt. Und wenn am Sonntag mal wieder Klopapier oder Deo alle sind: Keine Panik. Gibt’s hier natürlich auch.

Und weil ich diesen verrückten Ort so mag, habe ich ihm bereits einen eigenen Artikel gewidmet. 

 

Eine weitere Oase im sonst wohl hektischsten Teil der Stadt ist der barocke Bürgergarten der Eschenheimer Anlage. Wenn mir einmal wieder alles zu viel wird und der chinesische Garten zu weit weg ist – dann tauche ich hier kurz ab. Atme durch. Und nur nach einer kurzen Zeit  geht’s mir wieder besser. 

Auf den Bänken lässt es sich wunderbar verharren – das wissen auch viele Pärchen zu schätzen. Der Medusenbrunnen zieht mich immer wieder neu in seinen Bann, ebenso die alten Mauern, die den Garten umgeben.

Und das physische Denkmal ist darüber hinaus mindestens genauso sehenswert wie die akkurat angelegten Beete. Ein wahrhaft edler (Lieblings-)Ort!


Manch einer von euch mag nun etwas irritiert sein. Ausgerechnet ein FRIEDHOF als Lieblingsort? Ganz richtig, wenn auch – zugegeben – vielleicht etwas ungewöhnlich. Doch besuche ich den Frankfurter Hauptfriedhof einfach sehr gerne. 

Ja, ich jogge sogar sehr gerne hier. Warum ich das tue – dies habe ich versucht, in einem eigenen Artikel zu erklären. Hinter den hohen Mauern verbirgt sich ein riesiges Areal, dass es allemal zu erkunden lohnt. Im östlichen Teil findet ihr den jüdischen Friedhof, der mit seinen verwitterten und verfallenen Grabsteinen, die fast ein wenig unheimlich wirken, ein wertvolles Zeugnis und Mahnmal unserer Geschichte sind.

Auch im eigentlichen, städtischen Friedhof kann man sich schnell verlaufen. Was aber nicht weiter schlimm ist, denn neben teils sehr aufwendigen Gräbern findet man eine schöne Bepflanzung, schöne Bauten und eine Gruften-Zeile, die mir den Atem raubt. Auf mehreren hundert Metern Länge reiht sich hier Skulptur an Skulptur, jede einzelne eine Augenweide.

Und, so merkwürdig es klingen mag:

Ich mag es, an die eigene Endlichkeit erinnert zu werden. Betrachte gern die Namen und Daten auf den Grabsteinen, schicke einen stillen Gruß und überlege mir, wer der Verstorbene wohl gewesen sein mag. Ein stiller Ort der Gedanken. Mitten in Frankfurt.


Und noch ein Lieblingsort, der doch eigentlich nur ein Kiosk ist.
Mitten in Bornheim gelegen, war das „Kiosk 45“ eine meiner ersten Entdeckungen in Frankfurt. Ich wohnte nämlich einst direkt nebenan. 

 

Damals war ich vor allem begeistert von den Öffnungszeiten: Bis spät in die Nacht konnte man hier nach Feierabend noch ein Kaltgetränk mit nach Hause nehmen. Und auch vor vielen Jahren schon war die Auswahl für ein Kiosk durchaus ansehnlich.

Der liebe indische Besitzer sitzt meist etwas verträumt – aber immer mit seligem Lächeln im Gesicht! – an seiner Kasse, berät aber die Kunden gern ausführlich und schlägt mit seiner Gastfreundschaft jede Empfangsdame im Deluxe-Hotel.

Und seit einiger Zeit ist das Kiosk auch eigentlich kein Kiosk mehr, sondern nach einem Umbau ein begehbarer Kühlschrank:

Hier werden keine Schränke geöffnet, hier betritt man einen Kühlraum, in dem auf Regalen mehrere Hundert Biersorten aus aller Welt angeboten werden. Das wohl verrückteste Kiosk der Welt hat sich nunmehr auch auf Craft-Bier spezialisert, sodass auch anspruchsvolle Bier-Sommeliere hier auf ihre Kosten kommen und allemal fündig werden.

Eine unscheinbare Perle, ein Treffpunkt, ein wahrhaft skurriler Lieblingsort.
Und der Besitzer freut sich auch auf euren Besuch!



Tja, dies ist dann auch schon das Ende meiner Bilder-Serie.

Ich hoffe sehr, ihr habt Gefallen an meinen Bildern gefunden. Wurdet dazu inspiriert, Frankfurt zu entdecken, meine „Lieblingsorte“ aufzusuchen.

Verratet mir doch:
Was sind eure Lieblingsorte in der Stadt? Die bekannten wie versteckten?

Klar, dass ich auch weiterhin bewaffnet mit meiner Kamera durch die Stadt ziehe. Immer auf der Suche nach Neuem, nach dem Wandel, nach neuen Orten – die vielleicht sogar ein neuer Lieblings-Ort von mir werden können.

Wer weiß schon, was die Zukunft bringt.

Zu sehen wird es hier natürlich weiterhin was geben.

Bilder einer Großstadt, meiner Heimat, in schwarz und weiß. Und ganz viel Herzblut. Versprochen! 

 

36 Lieblingsorte – Teil III/IV

Im ersten  und im zweiten Teil meiner Bilder-Serie „36 Lieblingsorte“ habe ich euch bereits 18 meiner Frankfurter Lieblingsorte präsentiert.

Festgehalten auf Film. Analog, so ganz wie früher.
Nicht technisch perfekt, ganz unverfälscht – und genau dadurch für mich so reiz- wie wertvoll.

Im nun folgenden dritten Teil meiner Bilderreihe nehme ich euch mit auf eine kleine Reise zu neun weiteren meiner liebsten Orte unserer Stadt. Wie immer ganz unter dem Motto:

 

Ein Film. 36 Aufnahmen. 36 Orte. 36 Leidenschaften.

Ich wünsche viel Freude beim Betrachten und Entdecken – und bin schon jetzt gespannt auf euer Feedback!

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Das „Licht- und Luftbad Niederrad„, gemeinhin kurz als „LiLu“ bekannt, ist ein ganz besonderer Ort – insbesondere an den heißen Tagen des Jahres! 

Einst eine Badeanstalt am Niederräder Mainufer, erfreut sich der Uferabschnitt im Westen der Innenstadt immer noch großer Beliebtheit bei den Frankfurtern. Im Main gebadet darf hier zwar nicht mehr werden, dafür aber gegrillt:

Was sonst am Mainufer verboten ist, ist hier ausdrücklich gestattet. Und auch ohne Fleischeshunger lässt es sich hier ganz wunderbar entspannen.
Wann immer auch ich mit Buch und Zeitung samt frischem Kaffee aus dem „LiLu“-Café hier verweile und die vorüber fahrenden Schiffe beobachte – dann fühle ich mich augenblicklich wie im Urlaub.

Wenn da nicht die Züge wären, die sich im Minutentakt über die Mainbrücke schlängeln würden – aber das ist ja irgendwie auch ein schöner Anblick.
Findet ihr nicht?

 

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Der chinesische Garten als Teil des Bethmannspark ist eine wahre Oase inmitten der Stadt. Als Teil des Bethmannparks zwischen Friedberger Landstraße und unterer Berger Straße ist er hinter einer Mauer versteckt – und immer einen Besuch wert. 

Bereits 1989 wurde in diesem Teil des Parks ein Ort der Erholung und des Innehaltens in fernöstlichem Stil errichtet. Inklusive Tempel, eigens aus China importierten Bambuspflanzen und einem Teich, welcher von bunten Fischen und Schildkröten bevölkert wird.

Manch einer von denen, die an den hohen Mauern des Gartens vorbeieilen, ahnt gar nicht, welch Paradies sich dahinter verbirgt.

Wenn mir mal wieder alles zu viel wird, der Stress zu Kopfe steigt – dann bin ich froh, den Garten in meiner Nähe zu wissen. Und schon kurz, nachdem ich ihn betreten habe, fühle ich mich gleich ganz anders. Nehmt doch einmal Platz im Tempel, lauft auf Steinen über den See, klettert auf den Turm und lasst die Seele baumeln. Ihr werdet gar nicht glauben, wie viel Ruhe dieser Park ausstrahlt.

Und schon manch Einer, der Frankfurt bislang für eine graue wie triste Stadt hielt, war bass erstaunt, nachdem ich ihn an diesen Ort entführte. Erlebt es selbst!


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Der Frankfurter Hauptbahnhof ist ein wahnsinniges Konstrukt:
Verkehrsdrehscheibe, architektonisches Meisterwerk, der Menschenmassen, des Elends. Und dennoch bin ich immer wieder gern hier. 

Bereits 1888 errichtet, thront er heute mit seinen 5 Stahlhallen imposant zwischen Gallus- und Bahnhofsviertel. Nach Leipzig ist er der zweitgrößte Kopfbahnhof des Landes, das Reisenden-Aufkommen ist an keinem anderen deutschen Bahnhof größer.

Und das merkt man: Menschen eilen zu ihren Zügen, drängen an vollen Bahnsteigen, halten allenfalls kurz an um sich mit einem Pappbecher voll Kaffee zu versorgen. Dieser Ort schläft nie.

Hier wird umgestiegen, werden Fahrpläne studiert, wird über die Deutsche Bahn geflucht, wird gewartet, wird gedealt. Eine Welt für sich. Hier sind sich Manager mit Handy am Ohr und Junkie mit Nadel im Arm so nah wie kaum anderswo – und nehmen dennoch kaum Notiz voneinander.

Wenn ich auf das Vorfeld starre, die Züge ein- und ausfahren sehe, all die Destinationen auf der großen Anzeigetafel sehe, dann ergreift mich das Fernweh.

Wie schön, zu wissen, dass ich von hier aus überall schnell hinkommen kann. Und ebenso schön zu wissen, dass ich von überall auch schnell wieder zu Hause bin.


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Die Kleinmarkthalle ist absoluter Pflichttermin für jeden Besucher Frankfurts.
In der eigentlich recht unansehnlichen Halle warten Tag für Tag Delikatessen, frische Früchte und gar fangfrische Fische darauf, gekostet und erstanden zu werden. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt. 

Bereits seit 1954 herrscht hier reger Trubel an den mehr als 150 Marktständen.
Denn auch Einheimische verweilen gerne hier – ob zum Großeinkauf oder für eine kurze Pause bei Kaffee und Rindswurst von „Gref Völsing“ am Stand der Metzgerei Schön.

Am Wochenende dann ist die Kleinmarkthalle auch beliebter Treffpunkt:

Auf der Terrasse der Halle lässt es sich nämlich ganz hervorragend Wein vom „Rollanderhof“ süffeln. Dicht an dicht gedrängt stehen dann da und vergessen nach dem dritten Glas auch gerne mal die Zeit. Einen ganzen Nachmittag vertrödeln – ja, auch das ist möglich in der Kleinmarkthalle.


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Die Klapper 33 ist auch für echte Frankfurter (welche bekanntlich meist einen großen Bogen um Alt-Sachsenhausen machen) ein guter Grund, sich hinein in den „Ballermann am Main“ zu stürzen. Und hat man sich dann mal durch Junggesellen-Abschiede und grölende Umlands-Halbstarke gekämpft und die Türe der „Klapper“ geöffnet: Dann hat man eine gute Zeit vor sich. 

Schwierig, diesen Ort einzuordnen. „Kneipe“ ist wohl nicht ganz zutreffend, schließlich ist hier am Wochenende immer mächtig was los. Die Musik ist stets die selbe (nach dem dritten Besuch kann man zielsicher voraussagen, welcher Titel als nächstes gespielt wird), nicht wirklich besonders. Dennoch regen die Evergreens dazu an, sich doch noch einen nächsten Apfelwein und einen der legendären „Hausgemachten“ zu bestellen.

Mit irgendjemandem kommt man immer ins Gespräch, oft geht man nicht allein nach Hause – erstaunlich, welch Geschichten sich auf dem Kopfsteinpflaster des Schankraumes hier schon abgespielt haben.

Und auch alleine wird es hier nicht langweilig:

Die Wände sind übersät mit Antiquitäten und alten Schildern, sodass es immer was zu schauen und entdecken gibt. Außerdem ist das nette Team der „Klapper“ immer für einen netten Plausch zu haben.

Probiert es aus!



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Das „Blaue Wasser“ ist schon ein ungewöhnlicher Ort, um ein Getränk zum Feierabend zu genießen – oder sich während einer Radtour für die nächsten Kilometer zu stärken. 

Zunächst ein wenig verstörend mag die Tatsache sein, dass sich dieser Ort als Mix aus Café, Bar & Restaurant im Gebäude eines ehemaligen FKK-Clubs am Fechenheimer Mainufer befindet. Den Räumlichkeiten merkt man durchaus noch an, was in ihnen über Jahre hinweg so „getrieben“ wurde. Nicht jedermanns Sache, ich finde es aber recht erheiternd und spannend.

Jedermanns Sache dagegen dürfte die Terrasse des „blauen Wassers“ sein:

Direkt am Mainufer bei Kaffee oder Gin Tonic auf den Fluss schauen, nette Gespräche beim Abendessen führen und den Booten winken, welche hier Ab- und Anlegen. Wer hätte gedacht, dass man sich mitten in Frankfurt fühlen kann wie in einem Urlaubsort am Meer?

 


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Frankfurt, das sind Wolkenkratzer, Siedlungsbauten und Altbauten aus der Gründerzeit? Stimmt alles. Was Frankfurt aber ebenso ist:
Dorf und Fachwerk. 

Wer’s nicht glaubt, der sollte sich dringend mal nach Höchst begegnen. Ich fahre gern am Main entlang in den westlichen Stadtteil und laufe anschließend durch die engen Gassen. Kopfsteinflaster, schnuckelige Fachwerkhäuser, ein schöner Platz im Mittelpunkt der Altstadt – samt Blick auf Schloss und Main:

Ich fühle mich hier ganz wie auf dem Dorf. Wäre da nicht die Skyline, die sich einige Kilometer weiter gen Horizont gen Himmel reckt und mich daran zurückerinnert, dass ich mich hier nicht in der nordhessischen Prärie, sondern in einer Großstadt befinde.


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Bilder von der alten Oper existieren zu Genüge – auch für mich muss das so vorbildlich restaurierte Gebäude oftmals als Motiv herhalten. Weniger Beachtung dagegen findet für gewöhnlich der Opernplatz davor. 

Und weil es hier immer etwas zu Gucken und Beobachten gibt, ist der Platz einer meiner Lieblingsorte. Mittags eilen die Bänker zum Lunch auf die Fressgass, während Studenten in ihre Lehrbücher vertieft am Brunnen sitzen. Ein Jogger, der fast mit einem Straßenkünstler kollidiert, eine Horde Teenager, die unter der Last ihrer Einkaufstüten beinahe kollidiert. Ein bunter Mix aus Menschen, prächtiger Architektur (ich liebe die Straßenlaternen!) – und über allem thront die Skyline. Typisch Frankfurt eben!



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Ein Boot am Main. Ein schwimmendes Café, eine schwimmende Bar, ein schwimmender Tanzclub. Das ist der YACHTKLUB. Ein Lieblingsort von mir am Sachsenhäuser Mainufer, dessen Besuch ich bislang nie bereuen musste.

Das Hausboot ist von morgens bis spät nachts geöffnet und quasi eine ganztägige Anlaufstelle für nette Gesellschaften, Kaffee & Kuchen, Feierabendbier oder auch Musik und Tanz.

Für mich gibt es nichts schöneres, als mir bei der Zeitungslektüre meinen morgendlichen Koffein-Kick zu verpassen und dabei den Schiffsverkehr zu beobachten. Und wenn mir nachts noch nach Tanzen ist, so erfüllt mir der Klub (sic!) auch dieses Bedürfnis – wenn die Besucher im Sommer auf dem Deck in den Sternenhimmel schauen, ist nicht immer nur der Wellengang schuld an deren Schwanken. Schade nur, dass während der Wintermonate das Boot in seinem Winterquartier an Anker liegt.

Doch Yachtklub, wir sehen uns wieder – ich freu‘ mich schon auf nächstes Jahr!



Wie immer hoffe ich, dass mein kleiner Bilder-Streifzug durch meine Heimatstadt auf euer Gefallen stößt.

Und noch viel mehr hoffe ich, dass ich euch dazu anregen konnte, meine Lieblingsorte selbst für euch zu entdecken.

Dabei wünsche ich euch viel Freude – erzählt mir gern davon!

Der nächste – und letzte – Teil meiner Serie „36 Lieblingsorte“ erscheint dann in einigen Wochen.

Und bis dahin: Zieht euch warm an, Freunde!

36 Lieblingsorte in schwarz und weiß – Teil II / IV

Im ersten Teil meiner Bilder-Serie „36 Lieblingsorte“ hatte ich bereits darüber berichtet, wie ich zu meinem neuen, kleinen Hobby gekommen bin. Die analoge Fotografie begeistert mich, hat ein neues Bewusstsein für das einzelne Bild geschaffen.

„Ein Bild machen“ statt „einfach mal drauf losschießen.“

Sich Gedanken um Motiv und Szene machen, die kostbaren Restaufnahmen des Filmes im Sinn zu schätzen lernen, statt den Speicher von Smartphone oder DSLR nach Gutdünken zu füllen oder leeren.

Darum geht es.

Und so bin ich fast ein wenig stolz darauf, euch im nun folgenden zweiten Teil meiner Bilderreihe die nächsten meiner 36 Frankfurter Lieblingsorte präsentieren zu können. 36 Orte, die ich auf jeweils eigene Art und Weise liebe und schätze. Bekannte wie unbekannte Orte, zu denen mich meine Streifzüge mit meinem kleinen, schwarzen, analogen Schätzchen geführt haben.

Ein Film. 36 Aufnahmen. 36 Orte. 36 Leidenschaften.

Ich wünsche viel Freude beim Betrachten und Entdecken – und bin gespannt auf euer Feedback.

Los geht’s!


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Das Café Sugar Mama hat mich gelehrt, dass es sich auch an einer vielbefahrenen Hauptstraße ganz hervorragend entspannen lassen kann.

Ist nicht einmal irgendwo ein Namensschild angebracht, ist es dennoch kein Geheimtipp mehr: Kein Wunder, denn unweit der Konstablerwache lässt es sich hier ganz Berlin-like auf Sperrholzmöbeln bequem machen und sich auf das Herzlichste mit Kaffee, Kuchen & Sandwiches verwöhnen lassen. Im Sommer scheint hier die Sonne noch, wenn anderswo längst die Schatten den Abend ankündigen – und auch zur kalten Jahreszeit vermag das Café mit Ausstellungen und Café-Konzerten anzulocken. „Savoir Vivre!“ – schön, dass es dich gibt, du Zuckermama!


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Ein jeder „Bernemer“ wird die Frage nach der Besten der zahlreichen Frankfurter Apfelwein-Wirtschaften prompt wie folgt beantworten: Apfelwein Solzer!


Kein Wunder, denn die um einen Baum herum errichtete Gaststätte vermag auch mich mit ihrer Authentizität und Gemütlichkeit in ihren Bann zu ziehen. Auf der oberen Berger Straße verbirgt sich in einem alten Fachwerkhaus samt angeschlossenem Garten ein Ort ganz ohne Touristen-Trubel, wie er in den bekannteren Wirtschaften in Sachsenhausen anzutreffen ist. Hier wird auf den Bänken eng zusammen gerückt mit Fremden, der Bembel mit Freunden wie anderen Gästen geteilt. Und bei grundsolider, preiswerter hessischer Kost – und spätestens dem dritten Mispelchen – lässt sich dann der Alltagsstress ganz schnell vergessen. Bornheim ist und bleibt eben Bornheim.

 


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Immer wieder zugleich verstörend wie faszinierend zugleich wirkt auf mich ein Besuch des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld inmitten der Innenstadt.

Schlicht kaum zu glauben, dass dieses Zeugnis der nationalsozialistischen Willkür noch bis 2004 als Abschiebehaftanstalt genutzt wurde. Dass Menschen in einem Bunker, vollkommen isoliert von der Außenwelt, Haftstrafen verbüßten oder ihre Rückführung abwarteten – während lediglich wenige Meter weiter der Trubel der Zeil stattfand. Das heute von der Initiative „Faitre votre Jeu!“ Bunkergebäude zählt unbestritten zu meinen Lieblingsorten, ist er doch liebevoll von dieser zu einer musealen Gedenkstätte wie auch Party-Location gewandelt worden. Hut ab für dieses Engagement – und bis zum nächsten Besuch!


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Ein anderer, herrlicher Ort der heimeligen Gemütlichkeit. Ebenso ganz dort, wo man ihn kaum vermuten würde: Am ansonsten wenig schmucken östlichen Ende der Zeil befindet sich das Café Maingold.

Wer auf biedere, pastellfarbene Polstermöbel steht, wird das „Maingold“ lieben. Frischer Kaffee von meiner liebsten Frankfurter Rösterei Wacker wird hier ganz in der entrückten Inneneinrichtung der 1970er serviert. Der ideale Ort, um sich nach anstrengenden Besorgungen in der Hektik der nahen Zeil auf eine kleine Zeitreise zu begeben und durchzuatmen.



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Ein Musterbeispiel für all die Schätze, die sich in unserer Stadt verstecken, ist für mich der koreanische Garten des Grüneburgparks im Westend.

Ich liebe es, der Dame gleichzutun und mein Fahrrad neben einer ruhigen Bank an diesem exotisch anmutenden Fleckchen Frankfurt abzustellen, ein Buch zu zücken und die Seele baumeln zu lassen. Was mir zu Hause selten gelingt, wird hier zum Kinderspiel.



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Wem immer ich erstmals den „Ort der Stille“ der Liebfraunkirche zeige, verschlägt es zunächst einmal die Sprache. Und das ist hier auch angebracht:

Nur wenige Schritte vom wohl hektischsten, rastlosesten Ort der Stadt – der Hauptwache – befindet sich im Innenhofe der Kirche ein Altar, der zu Schweigen gebietet. Nein, ich kann mit Glauben und insbesondere Religionen, mit Gotteshäusern aller Art so gar nichts anfangen. Und trotzdem erfüllt mich ein eigenartiges Gefühl von Ehrfurcht und der Stille, sobald ich hier eintrete. Wie schön, dass es diesen Ort gibt. Zum Innehalten, Nachdenken, sich der eigenen Kleinheit bewusst zu werden. Der eigentlichen Unbedeutendheit so vieler eigenen Probleme und Sorgen. Und sich danach irgendwie befreit wieder in den Großstadtstress zu stürzen.


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Bereits seit 1931 überragt er den Frankfurter Stadtwald – und bietet, sobald man seine Stufen erklummen hat, auf 43 Metern Höhe einen unvergesslichen Ausblick auf die Frankfurter Skyline: Der Goetheturm.

Keine Radtour, kein Spaziergang durch den Stadtwald ohne anschließenden Besuch des Turmes. Wenn immer ich – etwas außer Puste – die Aussichtsplattform erreicht habe, macht mich das Panorama hoch über den Bäumen sprachlos. Ja, ich fühle mich fast ein wenig romantisiert. Vielleicht sollte ich mein nächstes Date ja einfach hier stattfinden lassen.



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Eine alternativ angehauchte Kneipe, wie sie in unserer Stadt leider viel zu rar gesät ist, ist das „Feinstaub“ an der Friedberger Landstraße im Nordend.

Jeder Mann braucht so etwas wie eine Stammkneipe. Einen Ort, an dem man persönlich begrüßt wird. Ohne jegliche Bestellung einen Apfelwein auf den Tresen gestellt bekommt, in die man auch gern allein geht, weil man ja eh immer irgendjemanden kennt. Und auf dem Bierdeckel auf Vertrauensbasis abgerechnet wird. Bei mir ist dieses zweifelsohne das „Feinstaub“. Es bezeichnet sich selbst als Musik-Kneipe, auch wenn diese für meinen Geschmack doch ein wenig in den Hintergrund gerät. Dafür locken entspanntes Publikum, faire Preise und stets herzliche Besucher.  Aber auch, wenn ich einfach in Ruhe noch ein wenig lesen mag, nehme ich hier jederzeit gern am Tresen Platz. Tut es mir doch einmal gleich!



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Ein triftiger Grund, in der kalten Jahreszeit einmal im Ostend vorbeizuschauen:
In der Rhönstraße versteckt sich hier ganz unscheinbar hinter beschlagenen Scheiben das vegane Café Edelkiosk.

Die herzliche Inhaberin Anna backt jeden Morgen frisch für ihre Gäste. Und so lassen sich herzhafte Sandwiches, duftender Kuchen und natürlich Kaffee in einer Vielzahl von Variationen hier genießen. Warum ich auch als Nicht-Veganer immer wieder gerne hier bin? Alte Sofas zum Hineinfläzen, ein Röhrenfernseher samt angeschlossener Super Nintendo-Konsole, immer nette Besucher – mit denen sich immer ein netter Plausch ergibt: Noch Fragen?

Insbesondere dann, wenn es draußen so richtig ekelhaft ist, lässt sich beim Blick auf die farbenfrohen Wände und beim Blick hinaus aus dem Fassadenfenster so richtig gemütlich schon vom nächsten Urlaub träumen. Bei 30 Grad und Sonnenschein, versteht sich.


Ich hoffe, ihr hattet viel Freunde beim Betrachten meiner Bilder. Habt vielleicht Lust darauf bekommen, einige meiner Lieblingsorte selbst einmal für euch zu entdecken. Und einen hoffentlich ansehnlichen Einblick in die vielen so unterschiedlichen, kontrastreichen Facetten unserer Stadt gewinnen können. 

Ich fröne derweil weiter meinem neuen, kleinen Hobby der analogen Fotografie – nunmehr mit meiner mittlerweilen vierten Kamera. Ja, Betonboden und Filmverschlüsse vertragen sich nicht immer gut. Dennoch lasse ich mir die Freude dadurch nicht vermiesen!

Neun weitere meiner Frankfurter Lieblingsorte, die ich bei meinen Streifzügen sonst noch im analogen Bilde festgehalten habe, stelle ich euch dann im nächsten Teil meiner Bilderreihe vor.

Bis dahin: Kommt mir gut durch den Herbst!

36 Lieblingsorte – Teil 1/4

… ein Foto-Projekt in schwarz und weiß.


Arbeit und gelegentlicher Frust haben sich gelohnt: Das Album kurz vor der Fertigstellung. Daneben: Meine “neue, alte Kamera”.


Welch schöner Zufall mich zu meinem neuen, kleinen Hobby – der analogen Fotografie – gebracht hatte, habe ich euch bereits in einem Beitrag berichtet. Und auch, wieso ich an dieser in Zeiten von Smartphone- und digitalen Spiegelreflexkameras doch etwas rückständigen Art und Weise der Knipserei eine solch große Freude gefunden habe.

In diesem Beitrag gibt’s ebenfalls einen kleinen Bilderbogen meiner ersten Werke zu bewundern – verbunden mit der Ankündigung einer Projekt-Idee, welche sich in meinem Köpfchen manifestiert hat und mich in den letzten Wochen beschäftigte.

Tadaaa! – nun ist es soweit, und ich kann euch (mit ein wenig Stolz, das gebe ich gern zu!) mein jüngstes Werk präsentieren.

Doch zunächst:

Wie erging es mir eigentlich in den vergangenen Wochen als „Retro-Fotograf“? Nun, ich bin um viele Erfahrungen reicher geworden. Unter anderem, dass früher auch nicht alles ausschließlich besser gewesen ist.

Die langen Wartezeiten für das Entwickeln (insbesondere von Schwarzweiß-Filmen) zehren genauso an den Nerven wie vom Labor vergessene CDs mit digitalisierten Aufnahmen oder den mittlerweile doch recht happigen Preise für Filme und deren Entwicklung.

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