Hinter den Bauzaun gespäht: Die neue Altstadt nimmt Gestalt an

Man kann nun wahrlich  nicht behaupten, dass der zweite Weltkrieg gänzlich spurlos an Frankfurt vorübergegangen ist:

Weite Teile der einstmals schönen Altstadt fielen dem Bombenhagel zum Opfer. Es entstanden große Lücken, die nach Kriegsende entweder bestehen blieben oder mit einer jener Bausünden der 1960er und 1970er Jahre geschlossen wurden. Das prominenteste Beispiel für jenen kalten Brutalismus ist mit Sicherheit das alte Technische Rathaus – na, wer erinnert sich?


(c) Archiv Neumarkt Dresden

Klar, da gibt es noch den Römerberg, der samt umliegenden Gebäuden schon Anfang der 1950er recht schmuck und ansehnlich wiederaufgebaut und restauriert wurde.

Doch mal ganz ehrlich:
Der Römer, das ist vornehmlich Sitz der Stadtverwaltung und ansonsten lediglich beliebtes Foto-Motiv für Touristenscharen und Selfie-Stick-Träger.

Wie viele Frankfurter trifft man dort für gewöhnlich, zwischen Souvenir-Shops und Schweinshaxe mit Kraut im Angebot? Eben, mich ja auch nicht. 

 

Eine neue Altstadt – Wohl einmalig in Deutschland

Umso erfreulicher, dass zwischenzeitlich zahlreiche der hässlichen Nachkriegsbauten der Abrissbirne zum Opfer gefallen sind und die Stadt Frankfurt beschlossen hatte, die historische Altstadt wieder aufzubauen und in altem Glanz erstrahlen zu lassen.

120 Millionen Euro (!) sollten investiert werden, um stolze 20 Neubauten originalgetreu zu errichten und 15 Fassaden in historischem Antlitz restauriert.
Ein in Deutschland wohl einmaliges Unterfangen.

Im Jahr 2012 war dann schließlich Baubeginn – und im September 2018 soll die historische Altstadt samt zahlreichen Details vollendet und den Frankfurtern als neuer Lebensraum zur Verfügung gestellt werden.

 

Blick auf Fassaden und hinter Zäune

Die letzten Jahre lang regierten hinter den hohen Bauzäunen vor allem Schutt, Staub und Lärm. Die Baustelle, die gehörte irgendwann einfach zum Stadtbild, und irgendwann hatte auch ich mich dran gewöhnt und zeigte weiter kein großes Interesse daran.

Doch nun – gut ein Jahr vor der vorgesehenen Vollendung – lässt sich endlich erahnen, an welchem Anblick sich auch künftige Generationen noch lange werden erfreuen dürfen.

Weite Teile der Großbaustelle und somit viele der Bauten sind noch unzugänglich und allenfalls zu erahnen. Einige Häuserzeilen aber, die überragen bereits in (fast) voller Pracht die Zäune und machen neugierig.

Klar, dass ich mich mal für einen kleinen Foto-Spaziergang auf den Weg gemacht habe – und auch den ein oder anderen Blick hinter die Zäune geworfen habe…

 

Heraus kam ein kleiner Bilderbogen vom aktuellen Bauzustand.
Schaut doch einfach selbst…! 

In der Braubachstraße: Jugendstil-Gebäude „Zum Glauburger Hof“, zurückversetzt in den Zustand von 1913. Von der Berliner Straße kann bereits ein Blick auf die vollendete Fassade geworfen werden. 

 

Auch das Nachbargebäude Braubachstraße 27 ist ein Neubau nach historischem Vorbild- 

 

Immer von der Berliner Straße aus betrachtet: Haus Braubachstraße 23. Abgesehen von einem kleinen Teil des Erdgeschosses wird das ganze Haus als Wohnimmobilie vermietet! 

 

Blick hinter den Bauzaun: Noch herrscht hier reger Baubetrieb. Ist dieser beendet, wird die freie Sicht auf den Dom weiter eingeschränkt sein. 

 

Das Haus „Markt 40 – Zu den drei Räumern“ ist bereits jetzt eines meiner Lieblinge! 

 

Die Häuserzeile „Am Markt“ im Gesamtanblick – wenn auch noch ein wenig hinter Zäunen versteckt… 

 

Rechts: Fertig! Links: Noch ein Haufen zu tun… 

 

Östliches Ende der Zeile „Am Markt“

 

… ist ja noch Zeit bis September 2018! 

 

Ich bekomme Lust auf mehr

Nach meinem kleinen Spaziergang freue ich mich umso mehr darüber, dass Frankfurt endlich wieder stolz auf eine Altstadt sein kann, die der Stadt würdig ist. Vor allem bin ich ganz gespannt auf die Bauten, auf die momentan aufgrund der Absperrungen noch kein Blick geworfen werden kann.

Bleibt zu hoffen, dass die neue Altstadt tatsächlich ein lebenswerter Wohn- und Lebensraum für alle Teile der Frankfurter Bevölkerung wird und nicht lediglich zum bloßen Postkartenmotiv verkommt.

Maßgeblichen Einfluss hierauf wird die Auswahl der Mieter der Ladengeschäfte sowie die Erschwinglichkeit des Wohnraums nehmen. Hier gilt es dringend, stadtplanerische Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

Ganz Neugierige können übrigens schon jetzt hier einen virtuellen Spaziergang durch die neu Altstadt unternehmen!

Es bleibt also spannend in der (neuen) Altstadt !
Habt ihr auch schon einen Blick hinter den Zaun geworfen ?

 

 

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