Drohnen-Show zur Eröffnung der neuen Altstadt: Ein epochaler Moment?

Über sechs Jahre hinweg wurde auf dem Gelände des ehemaligen technischen Rathauses gebaggert, gewerkelt und getüftelt. Knapp 200 Millionen Euro wurden investiert, um an Stelle des brutalistischen Ungetüms mit 35 originalgetreuen Neubauten der Stadt Frankfurt ihr historisches Herz zurück zu geben. 

Nachdem schon im Mai 2018 die Bauzäune gefallen sind und die neue Altstadt für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, fand die große Sause zu deren nun-aber-wirklich-ganz-offiziellen Eröffnung am letzten Septemberwochenende statt. 

Neben einem Musikprogramm auf zwei Bühnen, diversen Ausstellungen in dem Areal benachbarten Institutionen und den üblichen Fress- und Saufbuden sollte eine bislang nie dagewesene Drohnen-Show zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke den Höhepunkt der Feierlichkeiten bilden. Etwa 350.000 Euro wurden abermals investiert, um 110 Drohnen ein Lichtspektakel in den Frankfurter Nachthimmel zu zaubern. Klar, dass auch ich mir dieses nicht entgehen lassen wollte! 

Es ist schon halb zehn am Abend, noch eine Viertelstunde bis zum offiziellen Beginn der Drohnen-Show. Zuvor hatte ich bereits versucht, mich vor den Bühnen und in den engen Gassen der neuen Altstadt zu amüsieren. Mit zweifelhaftem Erfolg: Ein derartiges Gedränge war mir bislang allenfalls vom Museumsuferfest bekannt; aufgrund des exorbitanten Stress-Levels war ich kurzerhand zum Wasserhäuschen „FEIN“ geflüchtet und hatte noch einige Espresso getrunken, um mir die Zeit auf ganz und gar entspannte Art und Weise zu vertreiben. 

Nun aber stehe ich mit meinem Freund Boris irgendwo am Sachsenhäuser Mainkai, dicht an dicht gedrängt mit anderen Neugierigen.

Auf Bewegungsfreiheit, das ist mir klar, darf ich immer noch nicht hoffen. „Scheiße, ich hab‘ meine Pizza vergessen!“, mein Kumpel deutet auf einen Mann in Jeansjacke, der sich die Wartezeit bis zum Abflug der Drohnen mit dem Leeren seines dampfenden Pizzakartons vertreibt.

Links brüllt ein kleiner Frankfurter auf den Schultern seines Papas, von hinten dröhnen Lautsprecherdurchsagen der Polizei: „Fahren Sie sofort weiter! Wer hier mitten auf der Straße parkt, wird abgeschleppt!“. Eine Hintergrundkulisse, die einer angebrachten Sentimentalität eher hinderlich ist. 

„Wenn ich an Frankfurt denke, denke ich an Goethe. An Apfelwein, den Römer, die glitzernde Skyline…“ 

Zeitgleich mit den den Nachthimmel zerreißenden Scheinwerfern beginnt die akustische Untermalung der Show. Allenthalben werden Smartphones gezückt, eine Krankheit der Neuzeit. Die Drohnen heben ab, sausen zunächst im Schutze der Dunkelheit weit hoch über den Main, formieren sich zu recht eindrucksvollen Motiven. Das U-Bahn-Zeichen, die Waage der Justitia, Goethe und der Struwwelpeter. Als die Fluggeräte den Europa-Pokal der Eintracht formen, brandet Jubel über die Mainufer. 

Das, finde ich, ist schon recht nett anzusehen. Doch so richtig flashen will mich diese Darbietung nicht.


Das mag vielleicht daran liegen, dass wir Frankfurter in Sachen Lichtspektakeln schon außerordentlich verwöhnt sind – man denke nur an das jährliche Feuerwerk des Museumsuferfests oder die unvergessene Laser-Show zum 25. Tag der Deutschen Einheit im Herbst 2015. Vereinzelt wird geklatscht, ich klatsche eifrig mit – aber: Berühren tut mich das Gesehene kaum. 

Kurz fühle ich mich ein wenig schlecht und undankbar: 
Hey, fährt meine Stadt nicht gerade alle Geschütze auf, um mich mitzureißen? Ist dies hier nicht gerade jener epochale Moment, von dem ich noch meinen Enkeln erzählen werde, wenn ich mit ihnen durch die Straßen der Altstadt spazieren werde? 

Vielleicht liegt es ganz einfach daran, dass die Baustelle der Altstadt über die Jahre hinweg nicht hinter einem Vorhang stattgefunden hat, sondern dass die Bauzäune und wachsenden Fassaden über die Jahre hinweg wie selbstverständlich zum Frankfurter Alltag gerieten. Vielleicht auch daran, dass heute eben doch nicht der „Tag X“ ist, weil schon fünf Monate zuvor das Gelände „unter der Hand“ an die Öffentlichkeit übergeben wurde, weil schon im Mai Oberbürgermeister Feldmann den Krönungsweg beschritten hatte, weil er schon damals seine – Achtung, ich liebe dieses Wort! – Amtskette getragen hatte. Vielleicht, weil ich die Straßenzüge der neuen, alten Stadt schon längst aus dem Effeff kenne und der Reiz des neuen Viertels ein wenig totdiskutiert wurde. 

Ein Disneyland für Touristen, ein Viertel, das einst ein Elendsort gewesen sei, dem doch nicht nachgeeifert werden dürfe. Steuergeldverschwendung, Wohnungen allein für Bestensverdienende. Alles tausendmal gelesen, alles tausendmal gehört.

Aber dennoch:

Die Straßenzüge des nicht einmal einen halben Quadratkilometer umfassenden Viertels werden fortan zu dieser Stadt gehören, ihr Pflaster wird noch viele Sohlen küssen. Die neue Altstadt, sie ist von nun an Teil meiner Heimatstadt, ab heute, zumindest offiziell. 

Doch kommt mir die Auswahl des heutigen Datums ein wenig willkürlich vor, so, als hätte sich ein Pärchen im Nachhinein auf einen Tag ihres Zusammenkommens geeinigt. Ich hätte wirklich gerne meinen Nachkommen vom heutigen, großen Tag berichtet – was aber bleibt, sind die Drohnen, die nach nicht einmal zwanzig Minuten zum Landeanflug ansetzen. Die Willkommensgrüße in mehreren Sprachen, beschlossen vom hiesigen „Ei, Gude!“


Wer nicht selbst dabei sein konnte, freut sich über dieses Video des hessischen Rundfunks

Die Pizza des Nebenmanns ist aufgegessen, die gesetzwidrigen Straßenparker haben sich entfernt. Die Altstadt ist – nun aber wirklich! – eröffnet und fortan Teil meiner Heimat, ich blicke in das Gesicht meines Freundes Boris. „Und jetzt?“ – der Abend ist schließlich gerade einmal angebrochen. „Jetzt trinken wir Bier!“, sagt Boris. „Oder auch einen Apfelwein“, füge ich hinzu. Wir marschieren davon in Richtung Alt-Sachsenhausen. Auch dieses Viertel gehört seit jeher zur Stadt. Wann und unter welchen Umständen es wohl eröffnet worden sein mag? 

Ich habe keine Ahnung, will mir aber auch keine Gedanken darüber machen. Noch während wir in der Wallstraße verschwinden wünsche ich mir, dass es auch der neuen Altstadt so ergehen mag. Mögen auch meine Enkel Frankfurts jüngstes Viertel als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Stadt betrachten und sich an ihm freuen. Darauf einen Apfelwein.





Schlendern auf dem Krönungsweg: Eindrücke aus der neuen Altstadt

Frankfurt am Main, Christi Himmelfahrt 2018. Am gestrigen 9. Mai hatte ich sogar in den Tagesthemen mit anschauen können, wie unser lieber Oberbürgermeister Feldmann im Beisein von Petra Roth mit einer Menge Tamtam die neue Altstadt eröffnete und für das gemeine Volk freigab. Die Bauzäune, die mir längst zum vertrauten Anblick geworden waren, waren endgültig gefallen.

 

Gedanken an die Urururururenkel

Die Tragweite dieses Moments ist mir auch heute noch nicht ganz bewusst. Ist es nicht eine absurde Vorstellung, dass – hoffentlich! – irgendwann auch meine Urururururenkel zwischen den für 200 Millionen Euro neu errichteten oder zumindest grundsanierten Häusern spazieren werden?

Da ich am Feiertag (der für mich ein rundum merkwürdiger werden sollte) ohnehin mit meiner lieben Freundin Dagi verabredet war, gelang es mir mit Ach und Krach, meine Neugierde zu zügeln und meine Begutachtung des neuen, alten Viertels um einen Tag zu verschieben. Zumindest, was die zu erwartenden Menschenmassen betrifft, vermutlich keine schlechte Idee…

Der erwartete Regen bleibt aus, als wir uns am frühen Abend am Justitia-Brunnen treffen, der momentan an Gerechtigkeit missen lässt: Justitia befindet sich nämlich momentan im Schönheitsurlaub im thüringischen Knau.

Doch auch ohne wachsames Auge der Justiz gelingt es, uns zu finden – und anschließend den historischen Krönungsweg zwischen Römerberg und Dom zu beschreiten. Töricht, anzunehmen, wir wären die einzigen mit dieser großartigen Idee gewesen – doch immerhin haben sich die Massen an neugierigen Frankfurtern gegenüber dem gestrigen Tag schon merklich gelichtet.

 

Leckerbissen, wohin man sieht

Der Weg ist keine vierhundert Meter lang, ihn zu bestreiten, kostet uns aber eine gute Stunde: Immer MÜSSEN wir einfach irgendetwas fotografieren, seien es die Ornamente an den bunten Fassaden der „neuen Altbauten“, sei es die namensgebende goldene Waage am wohl bezauberndsten der Häuser. Ja, selbst die immer noch in Generalüberholung befindliche U-Bahn-Station „Dom/Römer“ hat man bereits um ein ein antik anmutendes U-Bahn-Schuld bereichert. Reime an Fachwerkbalken bringen uns zum Nachdenken und Schmunzeln. Hach, ja.

Ganz und gar einig sind wir uns darüber, dass der Stoltze-Brunnen an seinem neuen Standplatz eine überaus gute Figur macht und uns gefehlt hat. So oder so: Die neue Altstadt, sie ist eine architektonische Augenweide. Das Pflaster erstrahlt noch derart jungfräulich, als ob noch keine Schuhsole es je berührt habe. Als wir den altehrwürdigen Dom erreichen, ereilt mich wieder einmal die eigenartige Vorstellung, dass auch meine späten Nachfahren vielleicht irgendwann wie selbstverständlich über diese Steine wandeln werden.

Hoffentlich kein „Disneyland“

Einzig das Leben, es fehlt. Noch zumindest, denn erst zur offiziellen Eröffnungsfeier im Herbst sollen vermögende Bürger wie auch Gastronomie Einzug gehalten haben. Bleibt zu hoffen, dass Frankfurts neuester wie ältester Stadtteil nicht zum „Disneyland für Touristen“ verkommt, wie so oft befürchtet. Dass der Augenschmaus auch von Frankfurtern mit Leben gefüllt werden kann, dass er sich nahtlos einfügt ins Konstrukt unserer Stadt und irgendwann wie selbstverständlich der Geist der Stadt durch ihn wehen wird.

Solltet ihr, liebe Leser, aus unerfindlichen Gründen noch keinen Abstecher in die neue Altstadt machen haben können, könnt ihr euch nun an einigen meiner ersten Eindrücke erfreuen:

 

Ein Besuch des lustigen Elches vor dem Caricatura-Museum sowie ein Konzert der großartigen Frankfurter Musikerin Fee runden unseren Feiertags-Spaziergang ab. Morgen ist Freitag.

Hinter den Bauzaun gespäht: Die neue Altstadt nimmt Gestalt an

Man kann nun wahrlich  nicht behaupten, dass der zweite Weltkrieg gänzlich spurlos an Frankfurt vorübergegangen ist:

Weite Teile der einstmals schönen Altstadt fielen dem Bombenhagel zum Opfer. Es entstanden große Lücken, die nach Kriegsende entweder bestehen blieben oder mit einer jener Bausünden der 1960er und 1970er Jahre geschlossen wurden. Das prominenteste Beispiel für jenen kalten Brutalismus ist mit Sicherheit das alte Technische Rathaus – na, wer erinnert sich?


(c) Archiv Neumarkt Dresden

Klar, da gibt es noch den Römerberg, der samt umliegenden Gebäuden schon Anfang der 1950er recht schmuck und ansehnlich wiederaufgebaut und restauriert wurde.

Doch mal ganz ehrlich:
Der Römer, das ist vornehmlich Sitz der Stadtverwaltung und ansonsten lediglich beliebtes Foto-Motiv für Touristenscharen und Selfie-Stick-Träger.

Wie viele Frankfurter trifft man dort für gewöhnlich, zwischen Souvenir-Shops und Schweinshaxe mit Kraut im Angebot? Eben, mich ja auch nicht. 

 

Eine neue Altstadt – Wohl einmalig in Deutschland

Umso erfreulicher, dass zwischenzeitlich zahlreiche der hässlichen Nachkriegsbauten der Abrissbirne zum Opfer gefallen sind und die Stadt Frankfurt beschlossen hatte, die historische Altstadt wieder aufzubauen und in altem Glanz erstrahlen zu lassen.

120 Millionen Euro (!) sollten investiert werden, um stolze 20 Neubauten originalgetreu zu errichten und 15 Fassaden in historischem Antlitz restauriert.
Ein in Deutschland wohl einmaliges Unterfangen.

Im Jahr 2012 war dann schließlich Baubeginn – und im September 2018 soll die historische Altstadt samt zahlreichen Details vollendet und den Frankfurtern als neuer Lebensraum zur Verfügung gestellt werden.

 

Blick auf Fassaden und hinter Zäune

Die letzten Jahre lang regierten hinter den hohen Bauzäunen vor allem Schutt, Staub und Lärm. Die Baustelle, die gehörte irgendwann einfach zum Stadtbild, und irgendwann hatte auch ich mich dran gewöhnt und zeigte weiter kein großes Interesse daran.

Doch nun – gut ein Jahr vor der vorgesehenen Vollendung – lässt sich endlich erahnen, an welchem Anblick sich auch künftige Generationen noch lange werden erfreuen dürfen.

Weite Teile der Großbaustelle und somit viele der Bauten sind noch unzugänglich und allenfalls zu erahnen. Einige Häuserzeilen aber, die überragen bereits in (fast) voller Pracht die Zäune und machen neugierig.

Klar, dass ich mich mal für einen kleinen Foto-Spaziergang auf den Weg gemacht habe – und auch den ein oder anderen Blick hinter die Zäune geworfen habe…

 

Heraus kam ein kleiner Bilderbogen vom aktuellen Bauzustand.
Schaut doch einfach selbst…! 

In der Braubachstraße: Jugendstil-Gebäude „Zum Glauburger Hof“, zurückversetzt in den Zustand von 1913. Von der Berliner Straße kann bereits ein Blick auf die vollendete Fassade geworfen werden. 

 

Auch das Nachbargebäude Braubachstraße 27 ist ein Neubau nach historischem Vorbild- 

 

Immer von der Berliner Straße aus betrachtet: Haus Braubachstraße 23. Abgesehen von einem kleinen Teil des Erdgeschosses wird das ganze Haus als Wohnimmobilie vermietet! 

 

Blick hinter den Bauzaun: Noch herrscht hier reger Baubetrieb. Ist dieser beendet, wird die freie Sicht auf den Dom weiter eingeschränkt sein. 

 

Das Haus „Markt 40 – Zu den drei Räumern“ ist bereits jetzt eines meiner Lieblinge! 

 

Die Häuserzeile „Am Markt“ im Gesamtanblick – wenn auch noch ein wenig hinter Zäunen versteckt… 

 

Rechts: Fertig! Links: Noch ein Haufen zu tun… 

 

Östliches Ende der Zeile „Am Markt“

 

… ist ja noch Zeit bis September 2018! 

 

Ich bekomme Lust auf mehr

Nach meinem kleinen Spaziergang freue ich mich umso mehr darüber, dass Frankfurt endlich wieder stolz auf eine Altstadt sein kann, die der Stadt würdig ist. Vor allem bin ich ganz gespannt auf die Bauten, auf die momentan aufgrund der Absperrungen noch kein Blick geworfen werden kann.

Bleibt zu hoffen, dass die neue Altstadt tatsächlich ein lebenswerter Wohn- und Lebensraum für alle Teile der Frankfurter Bevölkerung wird und nicht lediglich zum bloßen Postkartenmotiv verkommt.

Maßgeblichen Einfluss hierauf wird die Auswahl der Mieter der Ladengeschäfte sowie die Erschwinglichkeit des Wohnraums nehmen. Hier gilt es dringend, stadtplanerische Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

Ganz Neugierige können übrigens schon jetzt hier einen virtuellen Spaziergang durch die neu Altstadt unternehmen!

Es bleibt also spannend in der (neuen) Altstadt !
Habt ihr auch schon einen Blick hinter den Zaun geworfen ?

 

 

Von Dünen, Fachwerk und Palästen – so schön ist’s in Frankfurts Westen!

So traurig es auch sein mag:

Unter dem „Westen der Stadt“ versteht der gemeine zugezogene und irgendwo in den ach-so-angesagten Vierteln der Innenstadt lebende Frankfurter für gewöhnlich das Westend. Allenfalls vielleicht noch Niederrad (da war man schon mal beim Arzt) oder das Gallusviertel (soll ja auch im kommen sein!), dahinter hört’s dann aber für gewöhnlich auch schon auf. 

Um all den Anfeindungen zuvorzukommen, die mich nun ereilen möchten:
Hey, ich darf das schreiben, ich bin ja schließlich selbst nicht besser.

Oder besser gesagt, ich war:

Neulich, da hab‘ ich nämlich einen Ausflug in den wilden Westends ganz fernab des innerstädtischen Epizentrums gewagt. Von der Neugierde getrieben, von Schwanheim und Höchst hatte ja auch ich schon mal gehört. Eben da, wo noch die echten Frankfurter zu Hause sind.

„Der wilde, wilde Westen – er fängt gleich hinter Hamburg an…“:

Dieses furchtbare Stück Liedgut der norddeutschen Möchtegern-Country-Kapelle „Truckstop“ war als Kind eines meiner absoluten Lieblingslieder. Heute weiß ich es besser: Der wilde, wilde Westen: Der beginnt nämlich noch nach Niederrad, um genauer zu sein: In Schwanheim.

Und genau dort beginnt ein kleiner Ausflug, von dem ich euch berichten mag.

 

Folgt mir auf meiner Reise in den „wilden Westen“ – und tut es mir nach!

Als Ausgangspunkt für unsere kleine Tour haben wir die Straßenbahnstation „Rheinlandstraße“ gewählt:

Die Straßenbahnen der Linie 12 halten dort direkt im Herzen Schwanheims. Praktischerweise gibt’s dort am Bahnhof direkt eine Call a Bike-Station, sodass sich meine reizende Begleitung mittels App schnell eine Fietse leihen konnte. Ihr wisst nicht, was ’ne „Fietse“ ist? Keine Sorge, wusste ich bis dato auch nicht – so schimpft sich wohl in den Niederlanden und in Norddeutschland ein handelsübliches Fahrrad, wie ich erfahren durfte.

Nicht einmal ein eigenes Fahrrad braucht ihr also für die Tour – klingt ziemlich gut, oder? Die Tagespauschale beträgt – je nach Tarif – entweder 9 oder 12 Euro. Allemals günstiger als jedes Leihfahrrad!
Ziemlich gut ist auch, dass die Schwanheimer Dünen von der Haltestelle „Rheinlandstraße“ schnell erreicht sind.

Ein Schild markiert den Eingang zur deutschlandweit recht einmaligen Binnendüne, die bereits 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und zahlreichen Tier- wie Pflanzenarten eine Heimat bietet, die im Lande andernorts nur selten anzutreffen sind.

Diese könnt ihr von einem Bohlenweg aus bestaunen, der angelegt wurde, um Vegetation vor den Tritten der Ausflügler zu schützen. So viel Rücksicht nehmen wir natürlich gern – und außerdem sorgt ein solcher schmaler Steg schließlich für echtes Abenteuer-Feeling!

Hierbei gilt natürlich: „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“!
In unserem Fall natürlich „Wer seine Fietse liebt…“. Wenn mich meine Begleiterin weiter so beharrlich korrigiert, übernehme ich die „Fietse“ wohl selbst noch in den Wortschatz.

Nachdem ihr den Bohlenweg passiert und dabei die wunderschöne Dünenlandschaft bestaunt, vielleicht auch ein paar wilde Tiere entdeckt habt, könnt ihr wieder artig auf die Fietse (okay, okay, sie hat’s geschafft…) klettern. Über einen Fahrradweg erreicht ihr schnell das Schwanheimer Mainufer.

Und da wartet dann gleich das nächste Highlight!

 

Alles in Butter auf’m Kutter?

Die Altstadt Höchst ist von hier aus bereits zu bewundern. Nur der Main trennt euch noch noch von ihrer Schönheit. Und wie könnte man auch stilechter auf die andere Mainseite übersetzen als mit einer Fähre?

Praktischerweise – ihr hab’s geahnt – pendelt eine solche hier in schöner Regelmäßigkeit und verbindet Schwanheimer- mit Höchster Ufer. Für ’nen schlappen Euro könnt ihr mitsamt Fietsen an Bord gehen, den seichten Wellengang des Mains und die malerische Ansicht von Höchster Schloss und Justinuskirche genießen.

Ich hatte den Mund vor Entzückung noch nicht wieder geschlossen, betätigte noch wild den Auslöser meiner Kamera, da ist das Fahrvergnügen schon vorbei. Die Fähre ankert bereits in Höchst. „Ahoi, Captain, bis bald mal wieder!“.

Nun ja, ’ne Kreuzfahrt kann man für ’nen Euro wohl auch nicht erwarten. 

 

Zuckersüßes Fachwerk

Wir schwingen uns auf die Räd… Fietsen, fahren dann mal los. Direkt an der Anlegestelle der Fähre könnt ihr an der „Alten Schiffsmeldestelle“ bei einem Käffchen oder kalten Apfelwein von der Überfahrt erholen – leider hat diese zum Zeitpunkt unseres Ausflugs noch geschlossen, sodass wir uns auf den steilen Weg zum Marktplatz machen.

Klar, dass ihr keine solchen Kulturbanausen seid wie wir, denn vorher schaut ihr euch selbstverständiglich noch die ein wenig weiter westlich gelegene Justinuskirche anschaut, gelle?

Nach kurzer Zeit erreichen wir dann auch den Marktplatz als Zentrum der quirligen Altstadt. Ein 360 Grad – Blick genügt, und ich bin verliebt. Hey, so viel zuckersüßes Fachwerk habe ich zuletzt im fernen Quedlinburg bewundert!

Die alteingesessen Höchster genießen bereits Schoppen und Mittagsmampf auf den sonnigen Plätzen vor den altehrwürdigen Gasthäusern „Altes Zollhaus“ und „Zum Schwan“.

Hier versteht man offensichtlich noch was vom „Savoir Vivre!“ 

Wir derweil erkunden lieber noch ein wenig die Seitenstraßen. Schnuckelige Fachwerkhäuser reihen sich aneinander, die Bordsteine wurden von den Anwohnern liebevoll dekoriert. So stell‘ ich mir ein kleines Dorf in Spanien vor, hab‘ längst vergessen, dass ich mich in Frankfurt am Main befinde.

 

Herrscher-Prunk am Main

Nachdem wir sicher sind, keine der kleinen Gassen versäumt zu haben, zieht es uns nun zum bereits im sechzehnten Jahrhundert errichteten Höchster Schloss. Dessen altehrwürdiger Turm überragt den gesamten Stadtteil und hat uns schon aus der Ferne neugierig gemacht.

Leider lässt sich der Bergfried nur zu den Öffnungszeiten des Schloss-Museums besteigen (von Freitag bis Sonntag), sodass wir uns mit dem Anfertigen einiger Fotos begnügen müssen.

Ein Spaziergang durch den wunderschönen Schlossgarten entschädigt dann für das verpasste Treppensteigen. Und die Aussicht auf den Main hinunter ist auch von den Befestigungsmauern wahrlich schön genug!

Die Beine sind vertreten, wir schlendern zurück zum Marktplatz, an dem wir unseren „Fietsen“ eine Pause gegönnt hatten.

Das nächste Highlight ruft schließlich bereits! 

 

Barock-Palast und zarte Engel

Es ist mir ein wenig peinlich, als ich zugebe, dass ich keine Ahnung habe, wie weit genau es noch bis zum Bolongaropalast ist. Prompt werden wir von einem netten Herrn angesprochen, der es sich auf einer Bank bequem gemacht hat. „Ai, direkt hinter euch!“.

Der gute Herr ist nicht nur äußerst aufmerksam und hilfsbereit, er erweist sich obendrein als vorzüglicher Fremdenführer, gibt uns einen kleinen Abriss über die Geschichte des barocken Palasts.

So haben sich die Gebrüder Bolongaro bereits im Jahre 1735 hier niedergelassen, um von hier aus den damals größten Tabakhandel Europas aufzubauen. Das Geschäft florierte, und ein Palast sollte dem Unternehmenserfolg Ausdruck verleihen.

Im Jahre 1774 konnte der im barocken Baustil errichtete Palast fertiggestellt werden, ein barocker Garten wurde gleich mit angelegt und beherbergt seitdem zahlreiche Skulpturen sowie einen Brunnen.

Wir bedanken uns artig für die netten Ausführungen, erkunden nun selbst den Palast. Ist dieser schon eine echte Pracht, so haben es mir vor allem die vielen Skulpturen angetan. Diese zeigen meist Engel, die mit verträumten Augen gen Palast starren.

Eine kleine Runde durch den Park ist natürlich Pflicht, ebenso wie das obligatorische Erinnerungsbild vor dem Brunnen.

Wir verabschieden uns mit einigen gehauchten „ooooh, wie schön!“ und „ooooh, wie süß“ als Ausdrücken unserer Verzückung von all dem Barock.Wir schlendern vorbei an alten Männern mit Trommeln, jungen Männern mit Bier aus dem Discounter. Auch die Höchster wissen dieses schöne Fleckchen Frankfurt also zu genießen. Schön!

Nach all den Eindrücken, da haben wir uns einen Kaffee nun redlich verdient. Wir wollen entlang der Nidda zurück gen Innenstadt radeln, uns es dort noch auf einen Kaffee gemütlich machen, den Ausflug Revue passieren lassen.

 

Lektion des Tages: Klappe zu beim Radfahren!

Doch soweit kommt es leider nicht. Ich zeige gerade auf den „Niddastrand“, will vorschlagen, schon dort zu pausieren.

Just in diesem Moment, in dem ich mein Honigmäulchen zum Reden öffne, kracht mir etwas in den Rachen. Ich huste, eine Bienenkönigin wird aus den Untiefen meiner Atemwege emporgeschleudert.

„Das gibt’s doch nicht“, denke ich mir, als sich ein Schmerz in meinem Hals auszubreiten beginnt. Da hat mich das Drecksvieh doch tatsächlich gestochen. Irgendwo tief unten drin in meinem Hals.

So viel Pech hab‘ halt auch nur ich. 

Und so – sad but true! – endete dieser schöne Ausflug für mich nicht im Caféhaus, sondern in der Notaufnahme des Marienkrankenhauses. Statt einer Stärkung gab es für mich eine endoskopische Untersuchung meines Kehlkopfes mittels Sonde (ich erspare euch an dieser Stelle weitere Details…), statt dampfender Tasse Kaffee gab’s nur eine Cortisolinfusion.

Machte irgendwie auch wach, immerhin.

 

Mein Fazit:

Wir zwei Hübschen waren uns einig: Der Frankfurter Westen ist auf jeden Fall einen Ausflug wert! Ob die schöne Dünenlandschaft in Schwandheim, die schnuckeligen Fachwerkhäuser der Altstadt Höchst oder der imposante Palast:

Vor der Kulisse des Mains ein wunderschöner Ort, der wieder einmal zeigt:

Frankfurt ist weit mehr als Beton, Skyline & Trubel auf der Zeil.
Frankfurt ist eine unglaublich vielfältige Stadt, die es in allen Facetten zu erkunden wert ist. Man muss sich nur trauen.

Also:

Traut auch ihr euch, schwingt euch auf die Räder (meinetwegen gern auch auf die „Fietsen“), und gebt dem Westen eine Chance! Ihr werdet’s nicht bereuen! 🙂 

 

Und zum Schluss: Ein Dankeschön

Abschließend möchte ich noch gerne ein fettes „Dankeschön“ loswerden.
Nicht nur dafür, dass du meinen Wortschatz um das Wort „Fietse“ bereichert hast. Nicht nur für die „Zeit“, die du dir für den Ausflug genommen hast, den Entdeckergeist, den du mit mir teilst:

Sondern auch dafür, mich sogar noch ins Krankenhaus begleitet zu haben. Sogar geduldigst im Wartezimmer verharrt zu haben, als es „noch etwas länger dauert“. Das ist nicht (!) selbstverständlich – danke dafür. Ich mach‘ das wieder gut! 😉

Und bis dahin freu‘ ich mich schon auf die nächste Tour!