Der Frankfurter “Foto-Slam”

…. “dabei sein ist alles!”

Als regelmäßiger Leser des “Berger-Straßen-Blogs” wurde ich auf einen Artikel über den “Frankfurter Foto-Slam” aufmerksam. Mein Interesse war auch prompt geweckt — und hey, ein “Poetry Slam” findet ja längst in jeder zweiten Eck-Spelunke statt. Obendrein bin ich auch ein größerer Freund der hohen Kunst der Fotografie Fotografie denn des poetischen Machwerks. Klar, dass ich mir den nächsten “Foto-Slam” nicht entgehen ließ. Was mich dort erwartete?

Zuallererst der überaus ungewohnte Anblick der Bornheimer Raucherkneipen-Institution “Lebensfreude Pur” bei Tageslicht. Zumal ich diese stets verrauchte und gefühlt wirklich immer geöffnete Kneipe wohl zum ersten Mal vollkommen nüchtern aufsuche. Diese ist Ausgangspunkt für jeden “Foto-Slam”, ein Umstand, der nicht gänzlich zufällig ist:


Hinterm Tresen: Organisator Jürgen

Schöpfer und Organisator des Slams, Jürgen, steht dort für gewöhnlich hinter dem Tresen; als ich am frühen Abend — bewaffnet mit DSLR — dort eintreffe, ist er jedoch ausnahmsweise davor zu finden, während er die 15 Teilnehmer begrüßt, welche gegeneinander antreten werden.

Die Idee zum Slam sei ihm gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen beim abendlichen Bier gekommen, sagt er — und erklärt uns kurz die Regeln:

Jeder der Teilnehmer schlägt zunächst ein Motto für die Bilder vor, welche heute Abend gegeneinander antreten werden. Die Vorschläge werden notiert und in einen Hut geworfen, aus dem dann ein Motto für die Motive des Slams ausgelost werden.

 

Heute Abend lautet dieses: “KOMMUNIKATION”.

Nun hat jeder Teilnehmer exakt eine Stunde Zeit, um ein einziges entsprechendes Werk anzufertigen. Die Wahl der Kamera steht hierbei vollkommen frei, auch Smartphones dürften verwendet werden. Während der Stunde darf sich im gesamten Stadtgebiet bewegt werden — wie gut, dass ich mit Fahrrad angereist bin!

Nach Ablauf der Stunde werden die entstandenen Bilder eingereicht und — nummeriert — auf einem großen Monitor zur Abstimmung vorgeführt. Diese erfolgt ein wenig wie die letzte Wahl der Stadtversammlung:

Jeder erhält drei Stimmen, die er in Form von Kaffeebohnen auf die mit den jeweiligen Nummern der präsentierten Werke versehenen Schnapsgläsern wirft. Es dürfen insgesamt drei Bohnen verteilt werden, sowohl mehrfach für ein einziges Bild als auch verteilt auf mehrere. Und am Ende gewinnt — ganz klar! — das mit den meisten Stimmen.

Nun aber auf in den Kampf: Ich hab’ da nämlich auch prompt so eine Motiv-Idee zum Thema “Kommunikation”.

Eine Telefonzelle soll es werden! Idealerweise mit einer telefonierenden Person als Motiv.

Es gilt also zunächst, eine Telefonzelle zu finden. Und, ohjeh, wer hätte gedacht, wie schwierig sich dieses Unterfangen im Jahre 2016 gestaltet?

Google Maps hilft nicht wirklich weiter, auch die Online-Recherche nach “Telefonzelle in Frankfurt finden” sowie eine Anfrage bei der Deutschen Telekom sind nicht sonderlich erfolgversprechend. Da bleibt nur das ziellose Umherfahren mittels Fahrrad.

Irgendwann finde ich dann doch ein solch rares Exemplar, und zwar unweit der Straßenbahn-Haltestelle “Habsburgerallee”. Fehlt noch ein Model, welches zu telefonieren vorgibt und sich auch optisch für den angestrebten Titelgewinn eignet.


Hiermit hoffe ich auf den Titelgewinn. Ob’s klappt?

Die fünfte Person erklärt sich schlußendlich — wenn auch etwas irritiert — dazu bereit, mal eben so zu tun, als würde sie ein Telefonat am öffentlichen Fernsprecher führen.

Zack, klick, klack, Bild im Kasten — und ich radele geschwind zurück in die “Lebensfreude Pur”, um rechtzeitig vor Ablauf der 60 Minuten mein Bild einzureichen.

Puh, welch ein Stress. Darauf erstmal ein Bier am Tresen bestellen und mit den anderen Wettbewerben ins Gespräch kommen.

Als anschließend uns allen die Bilder präsentiert werden, bin ich baff erstaunt, in welcher Art und Weise die Anderen das Motto umgesetzt haben.

Kollektive Begutachtung der eingereichten Werke

Auf meine vermeintlich grandiose Idee mit der Telefonzelle kam dann lustigerweise ebenfalls ein anderer Mitbewerber, und wir lachten gemeinsam über unsere verzweifelten Versuche, eine Telefonzelle als Motiv zu finden. Gab’s die nicht mal an jeder Straßenecke?

Wir schreiten zur Abstimmung, die Bohnen werden verteilt. Ich verteile meine Stimmen auf drei verschiedene Werke:

Eine Aufnahme der Mobilfunk-Antennen auf einem Haus in der Innenstadt vor strahlendem Abendhimmel, einer Szene einer jungen Frau, die vor einem großen Wandportrait auf der oberen Berger auf ihrem Smartphone tippt, sowie einer Schwarz-Weiß-Aufnahme von plaudernden Jugendlichen am Bornheimer Uhrtürmchen.

Interessante Form der Abstimmung: Kaffeebohnen in Schnapsgläsern

Als die Stimmen ausgezählt werden, bin ich gespannt: Wie viele meiner Konkurrenten werden ihre Stimme wohl an mein Foto vergeben haben?

Die ernüchternde Antwort: Keine. MatzeFFM: ZeroPoints.
“Dabeisein ist Alles!”, tröste ich mich — und freue mich für Alexander (41), der bereits zum zweiten Mal dabei ist und eigens aus Mainz angereist ist.

Gewonnen hat nämlich sein Portrait der jungen Frau mit dem Smartphone vor dem Graffiti, für das auch ich votiert hatte.

Alexander bekommt Bier aufs Haus, wir stoßen an auf seinen Sieg — und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Auch auf einen nächsten Termin einigen wir uns schnell.

Tadaa: Das Gewinner-Bild von Alexander aus Mainz.

Wollt auch Ihr unter Beweis stellen, welch talentierten Fotografen Ihr seid?

Dann schaut doch mal auf der Facebook-Seite des “Foto-Slam Frankfurt” vorbei. Dort findet Ihr auch die Termine der folgenden Slams. Eine Teilnahme lohnt sich — wirklich jeder ist willkommen, egal ob Hobby-Knipser oder ambitionierter Profi-Fotograf.

Ein großer Spaß ist es allemal, gänzlich unvorbereitet durch die Stadt zu düsen und ein zum Thema des Abend passendes Foto zu kreieren.

“Poetry Slam” ist schließlich sowas von 2012!

By MatzeFFM on July 15, 2016.

Exported from Medium on September 22, 2016.

2 thoughts on “Der Frankfurter “Foto-Slam”

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