Wenn Fischers Fritz im Bahnhofsviertel frischen Fisch fischt…

… dann wird’s zwar nicht immer ansehnlich, aber ganz schön lecker!

Neulich hatte ich ja wieder ein wenig zu viel Zeit. Zeit, die ich für einen kleinen Spaziergang durchs Bahnhofsviertel genutzt habe. Bisschen gucken hier, bisschen stöbern dort: Das mach‘ ich wirklich gerne. Einfach mal den Flair des Viertels atmen.

Kaufen, wo die „Locals“ kaufen

Man sagt, man solle sich ja immer an die Einheimischen halten, wenn’s ums Einkaufen und Schlemmen geht. Und die „Einheimischen“ hier im Bahnhofsviertel, die gehen – mit Verlaub – meist lieber in einen der zahlreichen türkischen oder asiatischen Lebensmittelläden, statt zu REWE CITY.

So landete ich irgendwann in der Elbestraße, um genau zu sein: Vor „Zerouali Lebensmittel“. Angelockt von den zahlreichen Obst- und Gemüsekisten auf dem Gehsteig betrat ich das Ladengeschäft. Und, siehe da: Unmittelbar fand ich mich in einem Laden wider, den ich mir genau so auch im im fernen Orient vorstellen könnte.

Besonders angetan hatte es mir die Fischtheke. Gut auf Eis gekühlt präsentierten sich hier allerlei frische Fische und Meeresfrüchte.

 

Aus Dosen und als Stäbchen

Ich bin ja bekanntlich auf einem kleinen Dorf in der hessischen Provinz aufgewachsen. Die einzige Metzgerei des Orts bot zwar Fleisch in allen Variationen, als Kind bekam ich hier zum Dank für den Einkauf noch ’ne Scheibe Bärenwurst in die Hand gedrückt. Würde heutzutage wahrscheinlich einen vegetarischen – wenn nicht gar veganen – Aufschrei verursachen, damals hat es niemanden gekümmert. Tatsache!

Jedenfalls, an Fleisch hat’s nicht gemangelt auf dem Dorf, weder in der Metzgerei noch bei HL.

Doch frischer Fisch? Fehlanzeige. 

Fisch jedoch, der war mir lediglich als Thunfischfilet aus der Dose oder Fischstäbchen von Iglu bekannt. Ein Bismarckbrötchen, spendiert von Papa vor dem Möbelhaus, das war da schon ein echtes Highlight.

Meine erste Fischtheke, die dürfte ich dann erst nach meinem Wegzug in die Großstadt gesehen haben. Und zwar bei REWE. So lecker die Ware dort auch präsentiert wurde, so unappetlich jedoch die Preise. Nee, muss nicht sein, konnt‘ ich mir verkneifen.

Nun aber bin ich im Frankfurter Bahnhofsviertel. Und entdecke, dass frischer Fisch gar nicht teuer sein muss. Ich beschließe, mal welchen mitzunehmen.

Ich entscheide mich für eine Hand voll Sardellen (kannte ich bislang nur als Pizzabelag) für 3,99 das Kilo sowie ’ne fetten fetten Merlanfisch zu je 5,99 das Kilo. Soweit erschwinglich, alles klar, freundlich wurde mir die Tüte (ja, sie roch nach Fisch!) in die Hand gedrückt. Und nun schnell ab nach Hause, von wegen Kühlkette nicht unterbrechen und so!

 

Fisch zubereiten – wie war das doch gleich?

Zu Hause angekommen, erinnere ich mich: Oh, einfach Dose öffnen ist hier nicht. Doch mittels Youtube-Tutorial gelingt es mir, mehr schlecht denn recht den Merlanfisch zu filetieren und mitsamt Gemüse zwecks Dünstvorgang in einen Topf zu verbrachten. Vorher noch fein Salz und Pfeffer drauf, ’nen Schuss Zitronensaft, ab auf den Herd! Dünsten tue ich das Ganze übrigens im guten „Rapp’s Meisterschoppen“. Ein wenig Schoppen-Aroma kann schließlich nie schaden!

Die Sardellen indes verschwinden im Backofen. Und nun heißt es… abwarten!

Verdammt, zu lange gewartet. 

Der Merlanfisch auf Gemüsebett mutierte innerhalb von Minuten zu einer Art Fischpürree, weswegen ich euch ein Bild erspare.

Die Sardellen im Backofen machen dagegen eine weitaus bessere Figur: Was soll’s, ist ja noch kein Sternekoch vom Himmel gefallen. Ab auf den Teller, und – moah! – lecker. Trotz leicht breiiger Konsistenz.

Anblick hin, Anblick her: Ich freue mich über mein fischiges Experiment, schau‘ ganz sicher bald mal wieder vorbei in einem der kleinen Lebensmittelläden im Bahnhofsviertel.

 

Ich meine, hey, ist das nicht geil?

Frankfurt ist international. Multikulturell, multiethisch. Das mag zwar mitunter auch Probleme mit sich bringen, unter dem Strich ist diese wilde Mischung aber eine absolute Bereicherung für unser aller Alltag.

Ich meine, wie geil ist es denn, dass ich mich immer wieder in der eigenen Stadt wie im Urlaub fühlen kann? Sogar frische Lebensmittel aus aller Welt fast jederzeit verfügbar sind – gleich ums Eck? Wo der türkische Gemüsehändler gleich neben dem asiatischen Supermarkt zu finden ist, in einer Straße, auf der am Wochenende die Bauern aus dem Umland ihre Stände aufbauen?

Die Deutsche Küche, so behaupte ich mal, ist nicht sonderlich experimentierfreudig. Ich jedoch genieße es, hin und wieder einfach mal was auszuprobieren. Frischen Fisch ausnehmen und filetieren zum Beispiel.

Auch wenn‘ ich das mit der Zubereitung dann vielleicht doch noch ein wenig üben sollte… 

One thought on “Wenn Fischers Fritz im Bahnhofsviertel frischen Fisch fischt…

  1. Städter bekommen alleine durch das vielfältige Angebot an fremdländischen Märkten und Einkaufsläden einen größeren „kulinarischen“ Horizont und sind dadurch experimentierfreudiger als wir “ Dörfler“
    Lieben Gruß nach Frankfurt

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