Nix wie hin: Frankfurt, deine Fünfziger.

Besser „kurz vor knapp“ als ganz zu spät: Erst kurz vor deren Ende am 07. November habe ich von der Ausstellung „Schauplätze. Frankfurt in den 1950er Jahren“ des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte erfahren.

Versprochen werden zeitgenössische Aufnahmen unserer Stadt in der spannenden Nachkriegszeit; einer Zeit irgendwo zwischen Trümmern und dem Wirtschaftswunder.

Frankfurt + Fotografien + Geschichte – das versprach mir eine gelungene Kombination zu sein, und so habe ich wenige Tage vor Ausstellungsende das Institut für Stadtgeschichte aufgesucht.


Mein Besuch – eine Zeitreise in die Nachkriegszeit

Dieses residiert im Karmaliterkloster in der Altstadt – eine ganz hervorragende Gelegenheit also, um sich dieses samt seinem bekannten Kreuzgang und Innenhof einmal anzuschauen.

Die Ausstellung selbst wirkt wenig imposant; fast bin ich ein wenig erstaunt darüber, dass diese ausschließlich aus einem Raum besteht, dessen Wände mit Bildertafeln geschmückt sind.

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Ein Leben in den Fünfzigern: Ich schwelge und denke nach

Doch als ich diesen näher trete und mir die Bilder betrachte, komme ich ins Überlegen. Die (größtenteils schwarzweißen) Aufnahmen vermitteln mir ein Flair des Stadtlebens, gekennzeichnet von Sorglosigkeit. Junge Frankfurterinnen sind zu sehen, die sich endlich nicht mehr bieder kleiden müssen und ihre feschen Kleider auf der noch sehr „aufgeräumten“ Zeil ausführen.

Liegestühle in den Badeanstalten am Main, darauf sich in Aufbruchstimmung sonnende Menschen. Ein Sommer in Frankfurt vor fast 7 Jahrzehnten.

Männer in Straßenbahnen, man trägt Hut. Und setzt diesen frühestens abends in der Wirtschaft ab, wenn das Henninger vom Fass den Tag besiegelt.

Ja, irgendwie wirkt alles ein wenig unschuldig – und die Szenen strahlen eine eigenartige Ruhe auf mich aus. Ist da etwa eine Sehnsucht nach dieser vermeintlichen Heimeligkeit in mir versteckt?

Klar, vieles trügt. Die Menschen auf den Fotos haben allesamt noch einen grausamen Krieg in Erinnerung, vermutlich einige ihrer Liebsten darin verloren. Doch nun haben sie Grund, ausschließlich nach vorn zu schauen. Erfreuen sich an ihrer Stadt, die sie von einem Trümmerberg wieder in ein liebens- wie lebenswertes Fleckchen Erde verwandelt haben. Sie müssen sich endlich wieder frei gefühlt haben. Ihre Sorgen endgültig begraben zu haben.

Vielleicht liegt es an unserer heutigen Zeit, am aktuellen Weltgeschehen, dass ich sie um diese Sorglosigkeit beneide. Um ihre Stadt, die so viel ruhiger erscheint – und doch die selbe ist, in der nun meine Generation ihren oft so stressigen Alltag verbringt.

Als ich das Kloster verlasse erspähe ich den Neubau des „WINX“ – Hochhauses. Auch am „Morgen“ wird hier also offensichtlich bereits eifrig gearbeitet.

Was meine Enkel wohl denken, wenn ich ihnen eines Tages Bilder aus dem Jahre 2016 zeigen werde?

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Mein Fazit: Lohnt sich, hingehen!

Die Ausstellung ist wirklich recht übersichtlich. Ein Raum, vier Wände, geschätzte einhundert Bilder. Betrachtet in locker einmal 30 Minuten. Und doch gefällt mir die Zeitreise, auf welche diese mich geschickt haben. Gefallen mir Gedanken, welche sie in mir ausgelöst haben.

War früher wirklich alles besser? Ich weiß es nicht.
Auch, ob ich gern zu dieser Zeit gelebt hätte, konnte ich für mich nicht abschließend klären.

Auf jeden Fall viel Freude gemacht hat es mir, viele Orte auf den Aufnahmen gleich wieder erkannt zu haben. Erstaunt zu erkennen, wie sehr sich diese Stadt gewandelt hat. Und immer noch im Begriff ist, stetig ihr Gesicht zu verändern. Frankfurt eben, Stadt des Wandels. 

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Und natürlich ist allein das Karmeliterkloster jederzeit einen Besuch wert.
Noch bis zum 6. November habt auch ihr die Gelegenheit, auf Zeitreise zu gehen! 

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