„Frankfurts nicht vorhandene Blogger-Szene“ : WTF?!

Ihr Lieben, ich bin ein bisschen pissed.

Das ansonsten von mir so geschätzte Online-Stadtmagazin Merkurist Frankfurt hat am Wochenende einen Artikel veröffentlicht, der eine waghalsige These verbreitet: 

 

Die Frankfurter Blogger-Szene, die sei de facto nicht existent.

Diese Behauptung wird von gleich zwei „Bloggerinnen“ untermauert:

Zum einen wäre das Graziella aus – nein, nicht Frankfurt am Main – Offenbach von „Graziellas Food Blog“, zum anderen „Ami Coco“ von amicoco.com.

Im Artikel wird die Gunst der Stunde genutzt, um eifrig die eigenen Blogs zu bewerben. „Bewerben“, das ist es schließlich, um was es im Selbstverständnis ihres Blogger-Daseins zu gehen scheint.

Zitat:

„Ich glaube, meine Eltern sind bis heute nicht schlau daraus geworden, warum ich manchmal Sachen zugeschickt bekomme oder warum man mit demBloggen tatsächlich Geld verdienen kann“. 

Hey, vielleicht liegt es ja genau an eben diesem Verständnis des Blogger-Daseins:

Ist ein „Blogger“ jemand, der sich daran messen lässt, wie viele Zusendungen von Kosmetik-Produktproben er wöchentlich von der Packstation abholen kann, um daraufhin für Viereurosechsundfuffzich seiner Umwelt mitteilen kann, wie fancy doch der neue Eyeliner von Balea ist?

Ist ein „Blogger“ jemand, der jede noch so kleine Zwischenmahleit mit dem Hashtag „#FOODPORN“ versieht, das zugehörige Foto prompt bei Instagram teilt – nur um influencer-mäßig ganz vorn mit dabei zu sein?

Wenn’s darum geht: Da habt ihr recht.

Mag sein, dass eine diesbezügliche „Blogger-Szene“ in Frankfurt de facto nicht existent ist. Aber wisst ihr was?

Mir – und ich weiß, auch vielen anderen in unserer Stadt – ist es scheißegal, was ihr gerade futtert, welche fancy Produktproben auch immer gerade zugeschickt bekommen habt. Mir ist es scheißegal, ob ihr euch für ein paar Euro von der Werbeindustrie als „Influencer“ missbrauchen lasst.

Euer Mangel, der besteht mitunter nicht an Klicks – er besteht an Herzblut.

 

Herzblut aus Frankfurt

Und, mein lieber Merkurist – wo wir gerade beim Thema „Herzblut“ sind:
Ja, es gibt zahlreiche Blogger aus Frankfurt am Main, die die ursprüngliche Idee des Bloggens nicht missbraucht haben. Die mit Herzblut für und über ihre Stadt schreiben.

Ein kurzer Streifzug durch meine Browser-History der letzten zwei Tage gefällig? Und los geht’s! 

Sollte für’s erste reichen, oder?

Beweis genug dafür, dass es in Frankfurt nicht gerade an Bloggern mangelt – oder?

Versteht man unter „Blogger“ allerdings nur all diejenigen, die sich als gesponsertes Fashion-Victim präsentieren, mag in Frankfurt vielleicht tatsächlich ein Mangel bestehen.

Und, ganz ehrlich: Ich bin froh darum. 

Ehrenswert, dass ihr über die Blog-Landschaft unserer Heimatstadt am Main berichtet. Aber dann lasst doch bitte, bitte, bitte (!!!) all die Blogs nicht außer Acht, die mit Herzblut geführt werden.

Mit Herzblut statt mit der Absicht, ein wenig Taschengeld mit immer mehr Paketen voller Produktproben, mit ein paar Klicks mehr auf dem „Influencer“-Channel zu verdienen.

Frankfurt, deine Blogger-Szene: Du bist eben doch existent! Man sollte eben wissen, wo man dich finden kann in den endlosen Weiten des Internets.

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