[Talentfrei musizieren] : Eingeplackt

Frankfurt und ich, das war eine Liebe auf den zweiten Blick. Es dauerte seine Zeit, bis ich mich auf die Stadt einlassen konnte – und irgendwann dann doch zwischen Großstadt-Dreck, Hektik und Betonfassaden meine Heimat gefunden habe.

Auch heute noch bin ich Frankfurts Charme vollends erlegen, auch heute noch bekomme ich Gänsehaut, wenn sich die Lichter der Skyline nachts im schwarzen Main spiegeln…

Ich bin froh, dass ich heutzutage das bin, was man hier „eingeplackt“ nennt.

Wär‘ ja ganz nett, ein Lied über meine Liebe auf den zweiten Blick zu schreiben, dachte ich mir. Okay, ich kann weder singen noch verfüge ich über musikalisches Talent.

„Oh nein, hat er etwa schon wieder…?“

Falls ihr euch das gerade denkt, liegt ihr goldrichtig! Er hat.

Haltet euch rechtzeitig die Ohren zu und macht euch auf schiefe Töne gefasst!

Hier ist es, mein neues Werk fragwürdiger Qualität: „Eingeplackt“ ! 

Schwarz, weiß, Frankfurt: Ein aktueller Bilderbogen

Da streife ich Tag für Tag durch Frankfurt, meine analoge Kompaktkamera stets im Gepäck. Halte hin und wieder inne, fällt mir ein Motiv ins Auge. Wenn ich wieder einmal besonders angetan von der Stadtkulisse bin oder mich ein Moment des Stadtlebens besonders berührt.

In schöner Regelmäßigkeit hole ich dann meine Werke vom Labor ab, mache es mir im Café bequem und öffne mit zittrigen Fingern und kindlicher Vorfreude die Fototasche. Ich liebe den Moment, in dem ich zum ersten Mal meine Fotografien in den Händen halte und anschauen kann – denn ob ein Bild „was geworden ist“, das weiß man eben vorher nie so genau bei der analogen Fotografie.

Was früher diversen Gerüchten zufolge einmal normal war, ist in den heutigen Zeiten der Digital- und Handyfotografie dann doch eher bemerkenswert. Und genau deswegen so spannend.

Habe ich mir dann die in meinen Augen gelungensten Aufnahmen herausgesucht, klebe ich sie fein säuberlich in meine Alben hinein.

Habt ihr Lust, einen Blick hinein zu werfen?

 

Voilá, hier ist er:

Ein kleiner Bilderbogen aus den letzten Wochen des Frühjahrs und beginnenden Sommers. 100 Prozent analog, 100 Prozent schwarz&weiß, 100 Prozent Frankfurt !

 

Mutet ein wenig futuristisch an und fügt sich irgendwie nicht recht ganz in das Gesamtbild des Ostparks ein: Der jüngst eröffnete Neubau des Obdachlosenheims samt Druckraums der Drogenhilfe.

 

Zum ersten Mal über 25 Grad: Die Stadt dürstet nach Pausieren und Erfrischen. Und wie könnte es sich schöner vom Shopping-Rausch erholen lassen als bei einem kurzen Stopp beim Brunnen mitten auf der Zeil?

 

Von der Kaufkraft der Stadt gänzlich unbeeindruckt gönnen sich auch diese Frankfurter unter der bekannten Euro-Skulptur an der Taunusanlage eine kurze Hitzepause.

 

Westhafenwohlstandseinheitsbrei: Mal ganz im Ernst, wer möchte hier leben?

 

Gleich nebenan an der Alten Oper findet der Deutsche Schützentag statt. Diesen Herren hier allerdings recht egal, lieber sitzen sie am Fuße einer der schönen Lampen und schauen dem bunten Treiben zu. Recht haben sie!

 

Same procedure as every year: Kaum sind die langersehnten lauen Abende da, strömen die Frankfurter ans Mainufer. Und bei Schoppen, Klatsch & Tratsch lässt sich’s ja auch wahrlich gut aushalten!

 

Ziemlich enttäuscht stehen diese beiden jungen Damen vor dem abgesperrten chinesischen Garten im Bethmannpark. Hier kommt so schnell niemand mehr rein – denn in der Nacht zuvor wurde der große Pavillon in Brand gesetzt. Die Polizei ermittelt. Für mich ein echter Tiefpunkt des bisherigen Jahres!

 

„Savoir Vivre“ in Frankfurt:
Auf den Stühlen des Café Wacker am Bornheimer Uhrtürmchen kann man ganz hervorragend… nichtstun. Und Kaffee trinken, versteht sich.

 

Einheitsbauten links wie rechts: Leben im matschigen Brei von teurem Wohneigentum auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs. Hässlich zerschnitten von der Europa-Allee. Frankfurt, du hast besseres verdient als das Europaviertel.

 

„Huch, ist der hoch!“ – diese junge Frau riskiert schon mal einen Blick hinauf zur Aussichtsplattform, bevor es gleich heißt: Treppensteigen! Goetheturm, Frankfut-Sachsenhausen.

 

… und das hier war in besseren Zeiten wohl mal ein Kaugummiautomat. Ffm-Ostbahnhof.

 

Ebenfalls im Osten der Stadt: Kleines Osthafenpanorama.

 

Freut nicht nur das Federvieh: Der „Yachtklub“ ankert wieder an prominenter Stelle und lockt mit Musik und kaltem Schoppen zum sommerlichen Abendausklang.

 

Wer’s gediegener mag, entspannt derweil im Bethmannpark und erfreut sich all der Blütenpracht…

 

Hafenanlagen und Industrie in Frankfurts Westen: Ausblick von der Leunabrücke.

 

Ich weiß nicht warum, aber irgendwie mag ich dieses Bild:
Mitten in der Innenstadt liefern sich diese beiden Kleinen ein Wettrennen vor einer verfallenen Häuserfassade am Klapperfeld…

 

Hattet ihr Gefallen beim Betrachten der Bilder? Habt auch ihr gar ein kleines Faible für die analoge Fotografie? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Als Autos noch Huckepack auf Zügen fuhren: Es war einmal in Neu-Isenburg…

Vielleicht erscheint es euch bereits heute unvorstellbar:
Es gab mal eine Zeit, in der an Ryanair, Easyjet & Co. noch nicht zu denken war. Als Fliegen noch ein überaus teures Privileg war, das nur Wenigen vergönnt war.

Eine Zeit, in der nicht überall auf der Welt jederzeit ganze Mietwagenflotten darauf warteten, um von Urlaubern preiswert genutzt zu werden.

Doch auch damals schon verspürte der reiselustige Deutsche den Wunsch, das Urlaubsland mit dem Auto zu entdecken. Und ein eigenes Auto, das hatte damals schließlich noch nahezu jeder. Nun war es aber wahrlich kein Vergnügen, die lange Anreise ins Urlaubsland auch im eigenen Mobil zu bestreiten. Auch an Pauschalreisen wagte damals schließlich noch niemandem ein Begriff.

Man glaubt es kaum, aber bereits vor über 80 Jahren hatte die damalige Deutsche Reichsbahn eine ganz schlaue Idee:

Warum sollten die Autos nicht auf Transportwagen an Zügen verreisen, in deren Schlafwagen die Urlauber entspannt der Sonne entgegen schlummerten? Das System der „Autoreisezüge“, so nannte man dieses pfiffige Konzept, erfreute sich schnell großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Kaum wunderlich, schließlich lagen die Vorteile auf der Hand: Man kam morgens ausgeruht an Adria, Algarve oder kroatischer Küste an und konnte nach einem ausgiebigen Frühstück im Zug direkt mit dem eigenen Auto losdüsen.

 

Von Neu-Isenburg aus in die schönsten Regionen Europas

Aufgrund der wachsenden Nachfrage baute die Deutsche Bundesbahn in den Nachkriegsjahren schnell aus: Von Deutschland aus erreichten die Urlauber schnell und komfortabel begehrte Ferienregionen innerhalb der Nachbarländer. Und natürlich verspürten auch die Frankfurter – das Wirtschaftswunder noch im Rücken – eine nie zuvor gefühlte Reiselust.

Da bereits in den späten 1950er Jahren das Frankfurter Eisenbahnnetz an den Grenzen seiner Kapazität angelangt war, hat die Bundesbahndirektion Frankfurt eine im wahrsten Sinne des Wortes naheliegende Entscheidung getroffen:

Der Bahnhof des benachbarten Neu-Isenburg sollte zum Autozug-Bahnhof ausgebaut werden. Verladerampen wurden errichtet, eine Wartehalle samt Café wurde errichtet. Neue Gleise für die aufwändigen Rangiermanöver wurden verlegt, ein entsprechendes Reisebüro eröffnet.

Der Bahnhof Neu-Isenburg war fortan also Ausgangspunkt für all die Urlauber des Rhein-Main-Gebiets, die ihr Gefährt „huckepack“ auf dem Zug mit auf die Reise nehmen wollten.

Narbonne in Frankreich, Westerland auf Sylt, Allesandria in Italien oder auch in die Alpen nach Schwarzach: All diese Urlaubsorte  waren neben zahlreichen anderen schnell von Frankfurts kleiner Nachbarstadt zu erreichen.

 

 

 

Daran erinnerte über Jahrzehnte hinweg auch die himmelsblaue Bemalung des Bahnhofsgebäudes, die um Motive aus den von hier aus angefahrenen Ferienregionen ergänzt wurde. (Bild: www.gueterbahnhof-neu-isenburg.de)

 

Irgendwann jedoch begann mit dem Aufkommen des Pauschaltourismus der Niedergang des Autozuges. Fliegen wurde erstmals erschwinglich, Billigflieger taten später ihr übriges. Statt ins benachbarte Ausland machten die Deutschen nun lieber gleich am anderen Ende der Welt Urlaub. Karibik statt Korsika, das war nun die Devise – und spätestens, als dann überall auch noch günstige Mietwagen zu finden waren, war der „gute, alte Autozug“ schlicht überflüssig.

Und so ereilte schließlich auch Neu-Isenburg das Schicksal der Autozug-Verladebahnhöfe: Am 26. Oktober 2014 lief der „AZ 53370“ aus Narbonne ein und beendete das jahrzehntelange Kapitel des Autoreisezugverkehrs ab Neu-Isenburg.

Die himmelsblaue Fassade des Bahnhofsgebäudes wich samt den schönen Motiven einem Einheitsweiß, sodass heute nur noch das längst geschlossene Wartegebäude sowie die alten Rampen an all die freudigen Urlauber erinnern, die hier ihre Reise begonnen hatten.

Wenn ich heute, im Jahre 2017, vor dem Bahnhofsgebäude stehe, mir die verfallenden Anlagen anschaue: Dann werde ich ein wenig wehmütig.

Und wenn ich dann noch meine Augen schließe, dann erinnere ich mich an die Geschichte eines jungen Lokführers, der einmal frühmorgens um 4 noch recht verschlafen im Taxi saß. Auf dem Weg vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Neu-Isenburg war. Er sollte dort einen Autozug aus Italien zu übernehmen, neue Urlauber samt ihren motorisierten Zwei- und Vierrädern mit an Bord nehmen und bis Hildesheim zu bringen, wo ein Kollege ihn ablösen würde und er einen ICE zurück nach Frankfurt nehmen würde. Das Ende der Autozüge war bereits absehnbar, der Fahrplan bereits entsprechend ausgedünnt. Es war, sagen wir mal, irgendwann im Sommer 2011.

 

Und die Geschichte, die geht so…

Nein, mitten in der Nacht aufstehen und zum Dienst eilen müssen, das war noch nie meins. Daran werd‘ ich mich wohl nie gewöhnen. Ich sitze im Taxi, sehe die dunklen Fassaden des Gutleutviertels an mir vorüberziehen. Der Taxifahrer scheint munterer als ich, schert er sich doch jedenfalls herzlich wenig um jegliche innerstädtischen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ich habe andere Probleme: Ich brauche Kaffee. Viel Kaffee. Und hoffe, dass ich in Neu-Isenburg am Bahnhof noch welchen ergattern kann, bevor meine Fahrt nach Hildesheim beginnt.

Wir erreichen den noch in Dunkelheit gehüllten Bahnhof, vor dem aber bereits großer Trubel herrscht. Urlaubstrubel, um genau zu sein. Auf dem großen Parkplatz vor der Wartehalle stehen bereits brav Autos Schlange, um auf die bereitstehenden Transportwagen verladen zu werden. Motorräder stehen daneben, ihre stolzen Besitzer sind offensichtlich trotz der unchristlichen Uhrzeit bereits in bester Urlaubsstimmung und rauchen Zigaretten in Lederkluften. Ich trage derweil auch Leder, allerdings in Form meiner Uniformjacke, die mich als Lokführer ausweist.

Zielsicher steuere ich auf die kleine Tür im Erdgeschoss des Empfangsgebäudes zu und klingele. Ein alter Mann mit sanftem Blick in seinem verlebten Gesicht öffnet mir die Türe und mustert mich. „Lokführer?“ fragt er mich. „Jau“, sag ich. „Für den 13370 nach Westerland“. Er nickt. „Na denn komm‘ mal rein! Gibt auch Kaffee!“.

Wärme und Kaffee. Ich bin glücklich. Der Kaffee sollte sich zwar als bluthochdruckfördernder Filterkaffee „alter Schule“ herausstellen, aber soll ja schließlich wirken, nicht schmecken. Ich folge dem Kollegen, er führt mich in sein Büro, bietet mir Platz an und reicht mir eine dampfende Tasse Kaffee. Ich schmunzele, als ich das Logo der Deutschen Bundesbahn auf ihr entdecke. Wohl schon was älter.

„Kannst auch noch eine Tasse trinken oder auch zwei“, sagt der Kollege. „Dein Zug hat eine gute Stunde Verspätung. Wieder irgendwelche Verzögerungen an der Grenze. Na ja, die Italiener eben. Kennt man ja.“

Ich bin fast ein wenig froh um die Verspätung. Noch ein bisschen Augenpflege vielleicht, ein paar Kaffee hinterher – das erscheint mir als angenehmere Aussicht als eine unmittelbare Dienstaufnahme. Auch die Urlauber draußen vor dem Fenster scheinen die Verspätung gelassen zu nehmen.

Ich nutze die Zeit, um mich ein wenig im Büro umzuschauen. Es scheint mir auf den ersten Blick zur Tasse in meiner Hand zu passen. Irgendwie aus der Zeit gefallen, als seien die Uhren hier irgendwann einfach stehen geblieben. In den „guten, alten Zeiten der Bundesbahn“, von der die älteren Kollegen immer so schwärmen.

Mein Blick streift unendliche Reihen von Akten, fein säuberlich beschriftet und verfrachtet in riesigen Regalen. Ich versuche, die Buchstaben zu entziffern. „Westerland 1977“, lese ich da. „Villach 1981“, „Paris 1984“, „Narbonne 1986“.

Auf dem gewaltigen Schreibtisch stehen unzählige Stempel, fein gespitzte Bleistifte liegen daneben. Und darüber, da tickt lautstark eine alte Bahnhofsuhr. Nein, ich sitze hier nicht verschlafen in einem Büro, befinde ich.
Vielmehr befinde ich mich in einer Amtsstube, in einem Relikt aus der Bundesbahnzeit, einem Bilderbuchbeispiel für deutsches Behördentum.

Mein Kollege bemerkt meine neugierigen Blicke, bietet mir eine Zigarette an. „Hab‘ eigene“, sage ich. „Aber Danke dir!“. Er nickt, stellt einen bereits überquellenden Aschenbecher zwischen uns, gibt mir Feuer. Klar, in einer richtigen Amtsstube, da schert man sich herzlich wenig um seit Jahren gültige Nichtraucherschutzgesetze am Arbeitsplatz.

„Alles fein säuberlich aufbewahrt“, bricht er unser Schweigen, „so wie sich das gehört. Er deutet auf ein großes, vergilbtes Plakat an der Wand, das ich jetzt erst entdecke. „Netzplan Autoreisezugverkehr, Winterfahrplan 1977/1978“ steht darauf. Farbige Linien verbinden Städte in ganz Europa, und irgendwo – relativ in der Mitte – ist mit rotem Filzstift die Station Neu-Isenburg eingekreist.

„Tja, damals war von hier aus noch die ganze Welt erreichbar“, seufzt mein alter Kollege. „Und der Netzplan, der hängt dort, seit ich hier angefangen habe. Seit 1977 sitze ich hier auf meinem Stuhl und kümmere mich um die Bürokratie, damit andere in ihren verdienten Urlaub reisen können“. Er bläst blauen Rauch in mein Gesicht, ich gieße mir Kaffee aus der ebenfalls vergilbten Kanne nach. Ich überschlage kurz Jahreszahlen.

„Du sitzt schon seit 35 Jahren hier?“, frage ich verwundert.
„So ist es!“, seine Augen strahlen stolz. „Ich habe damals meine Junggesellen-Ausbildung bei der Bundesbahn gemacht, hier beim Bahnhofsvorsteher von „Isebursch“. Und als der in Pension ging – Gott habe ihn selig! – hab‘ ich seinen Posten übernommen. Und seitdem sitz‘ ich eben hier in meinem Reich.“

Ich staune. Und überlege, ob auch ich noch in 35 Jahren im Führerstand einer Lokomotive sitzen werde. Und ob ich das überhaupt möchte. Der alte Kollege spricht weiter. „Damals, da war hier noch richtig was los. Jeden Tag kamen Züge von überall hier an. Es wuselte noch von Rangierern, die für Isenburg bestimmte Autowagen hier abkuppelten, hier verladene Autos wieder anhängten. Die Autos stiegen hier auch mit um, wurden an andere Züge angehängt. Und dann wieder auf die Reise geschickt, irgendwohin, wo es schön ist“. Sein Blick ist nun ein wenig wehmütig, er starrt ins Leere. „Tja“, er haut auf den Tisch, „alles vorbei. Der Lauf der Zeit eben“. Der Autozugverkehr, der sei am Sterben, er sei sich ganz sicher, dass das Ende bald kommen würde. Und dann, sagt er, würde er hier „die Bude absperren“. „Für immer“. Und dann endlich in Pension gehen und selbst verreisen. Er sagt das nicht traurig – er sagt das mit einer inneren Zufriedenheit, wie sie nur ältere Menschen sie besitzen. Er scheint dankbar um seine Zeit hier zu sein. „35 Jahre“, sag‘ ich, „da hast du bestimmt so einiges erlebt. Du könntest sicher Bücher schreiben!“

„Allerdings“, nun lacht er. „Die schönsten und traurigsten Geschichten, die sind mir aller hier passiert.“ Er erzählt mir von einem Ehepaar, dass sich kurz vor der Abfahrt in den gemeinsamen Urlaub hier am Bahnhof dermaßen zerstritten hat, dass die Frau spontan die Flucht ergriff und der Mann seine Reise dann alleine antrat. All sein gutes Zureden habe da nix geholfen. Oder aber von einer Familie, die versehentlich den falschen Zug bestiegen hat, denen er aber auf dem kleinen Dienstweg einen kleinen Unterwegs-Umstieg ermöglicht hat und dafür gesorgt hat, dass ihr eigentlich gebuchter Zug an einem anderen Ort noch auf sie wartet. Aus dem Urlaub habe er ein Dankeschön-Schreiben erhalten, das habe er noch heute. Er klingt stolz. „Nur einmal“, fährt er fort, „da habe er großen Mist gebaut. Ein Auto einem falschen Transportwagen zugewiesen, sodass die Urlaubsfamilie vergeblich auf ihr Auto wartete, als sie in Italien ankam. Denn das war derweil nämlich irgendwo in Frankreich. „Das hätte nie passieren dürfen“, er beißt sich auf die Zunge.

Ich zucke auf, als sich die Türe öffnet. Ein junger Kerl in verschmierter Warnkleidung tritt ein. „Mahlzeit!“, begrüßt er mich, streift Handschuhe ab und greift zur Kaffeekanne. „Ladevorgang für den 13370 beendet!“. Mein Gegenüber greift einen Stapel Papiere, macht irgendwelche Vermerke. Stempelt irgendwas. Ich reiche dem jungen Kerl die Hand, „Moin, Kollege!“. Kollegen, das seien wir ja eigentlich gar nicht. Eigentlich sei er Student und das hier nur sein Ferienjob.

Klar, hätte ich mir ja denken können. Für die wenigen Zugpaare in der Woche dürfte es sich für die Deutsche Bahn kaum lohnen, festangestellte Verladehelfer hier vorzuhalten. Ebenso wie auch das Rangierpersonal: Während früher hier gleich zwei Rangierlokomotiven der Baureihe V60 (die wir Lokführer liebevoll als „dreibeiniges Stangenwirbeltier“ bezeichnen) samt Personal fest stationiert waren, reist heute für jeden Zug eigens eine Rangierlok aus dem Hauptbahnhof in Frankfurt an. Und die Rangierarbeiten, die erledigt dann allein der Rangierlokführer. Tja, man spart eben wo man kann, muss ja seit 1994 Geld verdienen als Eisenbahn des Bundes. Bundesbahn, das war einmal. Außer eben in diesen vier Wänden hier.

Ich quatsche ein wenig mit dem Studenten, er studiert Germanistik. Und die Arbeit hier, die sei zwar körperlich anstrengend – dafür sei sie aber wesentlich besser bezahlt als ein Job als Kellner im Café. Und Trinkgeld, das bekomme er sogar manchmal auch. „Du weißt ja, bei Urlaubern sitzt die Brieftasche immer etwas lockerer!“, grinst er. Ich grinse mit, der alte Mann wirft einen Blick auf seinen Monitor. Röhre, kein TFT – aber immerhin: Ein Monitor.

„Kannst dich langsam fertig machen!“, sagt er. „13370 im Anflug, gerade Darmstadt durch“.

Ich ziehe meine Jacke an, trinke den letzten Schluck des bitteren Kaffees aus. Packe meinen schweren Rucksack, reiche dem alten Kollegen die Hand. „Hat mich gefreut“, ich verabschiede mich, „ich hoffe, wir sehn uns noch mal vor deinem Ruhestand. Solange die Autozüge noch rollen!“.

Ich trete aus auf den Bahnhofsvorplatz. „Sind Sie unser Lokführer?“. Aha, die Jungs mit den Motorrädern also. „Also, verkleidet hab‘ ich mich nicht – meine Uniform ist echt!“, lache ich, die Jungs lachen mit. Ob sie denn nachher mal einen Blick vorne in die Lok werfen dürften, werde ich gefragt. „Na klar dürft ihr das!“. Man freut sich, jawoll, bis später. Ich laufe auf den Bahnsteig, sehe irgendwo am Horizont drei weiße Lichter vor der aufgehenden Morgensonne. Das muss er also sein, mein 13370. Das laute Brummen der Rangierlok ist bereits zu hören, sie befindet sich im Rangierbahnhof auf „Lauerstellung“, wartet mitsamt den Autotransportwagen auf den ankommenden Zug. Und auch ich muss nun durch die Gleise zum Rangierbahnhof laufen. Dort lösen wir Lokführer ab, mein Kollege wird dann herüber zur S-Bahn laufen und die Fahrt in seinen Feierabend antreten. Mit kreischenden Bremsen hält die alte Lokomotive vor mir: Eine Maschine der Baureihe 110, Baujahr 1956. Da war selbst mein Vater noch nicht geboren. Ich klettere auf den Führerstand, es ist angenehm überhitzt. „Alles in bester Ordnung!“, sagt der Kollege, nachdem ich ihm die Hand gegeben habe. Ich wünsche ihm einen schönen Feierabend, beginne meine Vorbereitungsarbeiten.

Als die Rangiermanöver beendet sind, führe ich gemeinsam mit dem Rangierlokführer eine Bremsprobe mit den neuen Wagen durch. Anschließend erhalte ich über Funk die Zustimmung des Fahrdienstleiters, zum Bahnsteig vorzuziehen. Die Urlaubsrückkehrer, die wollen hier schließlich noch aussteigen – und schließlich gilt es noch, die Urlauber aus dem Rhein-Main-Gebiet einsteigen zu lassen, damit ihre schönsten Tage des Jahres endlich beginnen können.

Ich halte am Bahnsteig, die junge Zugführerin steigt aus und eilt zu mir vor. Sie begrüßt mich mit einem „Morgen, lieber Lokführer!“ und reicht mir lächelnd einen dampfenden Kaffee und ein Frühstück aus dem Speisewagen. „Damit du mir auch durchhältst bis Hildesheim!“ Ich bedanke mich, sie macht eine kurze Sprechprobe mit ihrem Funkgerät. Und nun steht auch die Motorrad-Gang bei mir, schon ganz neugierig. Ach ja, da war ja was. Ich bitte sie, zu mir heraufzukommen. „Aber Einer nach dem Anderen, ist ziemlich eng hier drinnen!“.

Einer nach dem anderen blickt mit staunenden Blicken über den Führerpult. „Hat ja auch ein paar mehr PS als unsere Bikes“, wird da festgestellt. Und alle wollen sie mal auf meinem Führersitz platznehmen. Ob ich denn ein Foto von ihnen machen könne, von ihnen vorne auf dem Sitz des Lokführers. Für ihre Frauen. Na klar kann ich, die Jungs freuen sich, laden mich auf ein Bier im Speisewagen ein. Muss ich leider dankend ablehnen, Dienst ist schließlich Dienst und Schnaps ist schließlich Schnaps. Dabei ist auch egal, dass der Schnaps in diesem Falle nur Bier ist. „Aber, Moment…“ nun kommt mir ein Einfall, „nachher in Hildesheim, da werde ich abgelöst. Wenn ich dann absteige, und ihr mir noch einen Kaffee nach vorne bringen könntet, dann wäre das der Revanche genug!“.

„Abgemacht!“, der Rocker und ich geben uns ein High Five. „Verlass‘ dich drauf, ein Mann, ein Wort!“. Ja ja, die Rocker-Ehre. Ich bin doch ein Schlitzohr, denke ich in mich hinein. Und den Kaffee nach der Ankunft, den werd‘ ich später ziemlich nötig haben!

Sämtliche Urlauber sind an Bord, ich melde dem Fahrdienstleiter die Fahrbereitschaft für den 13370. Das Ausfahrsignal zeigt freie Fahrt, ich drehe sachte am Fahrschalterhandrad. Die Fahrmotorlüfter laufen hoch, der Autoreisezug gen Westerland rollt an. Ein Blick auf meinen Fahrplan und meine Motorstromanzeigen, ein letzter Blick hinaus auf das Fenster der Amtsstube im Bahnhofsgebäude. Ich bediene der Pfeife der Lok, verabschiede mich mit einem lauten Pfeifsignal von meinem alten Kollegen. Und ich will nur hoffen, dass ich ihm nochmals begegne.

Und ebenso, da hoffe ich, dass ich auch irgendwann so zufrieden auf mein Berufsleben zurückschauen kann. So viel erlebt haben werde wie der alte Kollege. Irgendwann, wenn dann auch mal ich in Rente gehe. Und „die Bude zusperre“.

Aber erst einmal, da gilt es, Familien und Motorradfreunde sicher in ihren Urlaub zu bringen. Ach ja, und ihre Autos und Motorräder, die natürlich auch.

 

Das traurige Ende einer großen Ära

Vielleicht ist diese Geschichte nichts weiter als erstunken und erlogen. Vielleicht aber auch war ich selbst der junge Lokomotivführer war, der diese Geschichte irgendwann  im Sommer des Jahres 2011 erlebt hat. Wie auch immer, ich denke gern an diese Geschichte zurück. Und genauso gern, da denke ich an den alten Beamten der sich mittlerweile längst in Pension befindet und hoffentlich endlich einmal selbst Urlaub macht. Und an die große Zeit der Autoreisezüge, die nun unwiderruflich vorbei ist.

An all das denke ich, wenn ich das einheitsweiße Bahnhofsgebäude und die verrammelte Wartehalle des Bahnhofs Neu-Isenburg heute 2017 anschaue. Werde ein wenig traurig, wenn ich den Verladerampen – einst Beginn von Urlaubsträumen – beim stetigen Verfall zuschaue.
Zeiten gehen vorbei, Momente werden zu Geschichten. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.

 

Spannende Einblicke in vergessene Flecken: Foto-Ausstellung „Verlassene Orte“ in der Naxoshalle

Nimmt man sich ein wenig Zeit, die eingetretenen Pfade zu verlassen und einmal ganz genau hinzuschauen, dann kann man feststellen: Ganz abseits von Pracht, Prunk & Hochglanzfassaden gibt es noch verborgene Orte in Frankfurt, die ihre besten Zeiten längst hinter sich haben. Die bislang selbst von Investoren übersehen wurden, als Zeugnisse einer vergangenen Zeit vorerst ihrem stetigen Verfall preisgegeben sind. Und Stück für Stück von der Natur zurückerobert werden. 

Ich selbst finde sowas ja ziemlich spannend; erst neulich hab‘ ich mich mal auf dem verlassenen Gelände der ehemaligen Stückgutabfertigung am Ostbahnhof umgeschaut und ein paar Fotos gemacht.

Als ich in meinem heißgeliebten JOURNAL FRANKFURT dann auch noch lesen konnte, dass am 21. Mai eine Foto-Ausstellung voll solcher Werke eröffnet werden sollte, wurde meine Neugierde geweckt:

In der Naxoshalle (die selbst ein Zeugnis einer großen Vergangenheit ist) ist nämlich noch bis zum 4. Juni die Ausstellung „Lost Places Rhein-Main“ zu bewundern. Die Fotografen Jörg Kuberek und Jörg Rudolph stellen hier ihre Werke aus, die sie auf ihren Streifzügen durch all die vergessenen Winkel des Rhein-Main-Gebiets angefertigt haben.

Den Tag der Eröffnung habe ich lieber auf dem Fahrrad verbracht, aber nur einen Tag später hab‘ ich mich voll gespannter Erwartung auf den Weg in die ehemalige Fabrikhalle unweit des Zoos gemacht.

Ob sich’s wohl lohnen würde?

 

 

Wahrlich weiter Winkel trifft auf „Quadratisch, praktisch, gut“

Allein die Naxoshalle ist ja an und für sich schon sehenswert. Als ich ankomme,stelle ich zu meiner großen Freude fest, dass auch die beiden Schöpfer der Ausstellung anwesend sind. Beide erweisen sich nicht nur als begabte Fotografen, sondern ebenfalls als äußerst nette Gesprächspartner.

In einem Plausch erzählt mir Jörg Rudolph, dass insgesamt 42 Bilder ihren Weg in die Ausstellung gefunden haben. Interessanterweise sind die beiden Jörgs niemals gemeinsam auf Fototour gegangen, sämtliche Aufnahmen wurden von beiden in „eigener Mission“ angefertigt.

Wer der jeweilige Urheber der zahlreichen Ausstellungsstücke ist, die sich auf zwei Etagen verteilen, ist auch für den Ungeübten schnell ersichtlich:

Während Jörg Rudolph ausschließlich (so erzählt er mir) im quadratischen Format fotografiert und seine Bilder anschließend in schmucken Rahmen präsentiert, schätzt Jörg Kuberek den Umgang mit dem Weitwinkelobjektiv sowie den Leinwanddruck. Seine Aufnahmen begeistern mich: Perspektiven wirken aufgrund des massiven Weitwinkel-Einsatzes ziemlich surrealistisch, fast grotesk an. Und das macht das Betrachten zu einer wirklich spannenden Sache!

 

Vergilbte Poster und verfallene Treppenhäuser

Allen Werken gemein ist dagegen, dass sie auf äußerst spannende Weise zahlreiche vergessene Orte in Frankfurt und Umland portraitieren. Besonders angetan haben es mir die Aufnahmen von vergilbten und sich bereits wellenden Postern, die vor langer Zeit einmal auf Spinde geklebt haben, um die Arbeiter mit dem Anblick leicht bekleideter Damen zu erfreuen.

Und niemals hätte ich gedacht, wie faszinierend der Anblick eines verfallenen Treppenhauses sein kann, von dessen Wänden schon längst nicht mehr nur der Putz bröckelt, wenn es in extremem Weitwinkel fotografiert wird.

So neugierig ich auch bin, so verständlich ist es auch, dass mir die Fotografen den genauen Aufnahmeort ihrer Werke nicht verraten möchten. Das tun sie prinzipiell niemandem, aus Angst, die verlassenen Orte könnten zum Ziel von Sprayern und Vandalen werden. Find‘ ich gut so!

„Das fotografische Entdecken verlassener Orte ist bei mir auch fester Bestandteil eines jeden Urlaubs!“ Jörg Rudolph

 

Meine Vermutung über einen verlassenen Bahnhof, den ich in einem ihrer Bilderalben entdeckt habe, bestätigen sie mir dann aber doch noch. Da ich den Ort selbst gut kenne und dort bereits ebenfalls fotografiert habe, lieg‘ ich auch direkt goldrichtig.

Bei Kuchen tauschen wir uns noch ein wenig aus, bevor ich mich auf der Gästetafel verewige und den beiden sympathischen Künstlern noch einen größtmöglichen Erfolg für ihre Ausstellung wünsche.

 

 

 

Neugierig geworden?

Wollt auch ihr euch davon überzeugen, welch unbeschreiblich morbiden Charme verlassene Militäranlagen und verrostende Eisenbahnwagen haben können? Wie reizvoll der Blick in alte Bürokorridore sein kann, in denen die Zeit stillgestanden zu sein scheint?

Dann kann ich euch einen Besuch der Ausstellung nur allerwärmstens an die Herzchen legen!

Noch bis zum 04. Juni habt ihr werktags von 18 – 20 Uhr und am Wochenende von 15 – 19 Uhr die Gelegenheit dazu.

Alle weiteren Infos findet ihr unter  www.verlasseneorte.info !

Ich jedenfalls kann’s nur empfehlen!

Zurück aus Budapest – Filmchen, Text & Bilderbogen

Dass ich vor meiner ersten Alleinreise ins Ausland ziemlichen Bammel hatte – das hatte ich euch ja bereits in einem kleinen Artikel gebeichtet.

Nun bin ich zurück, nun ja, zumindest fast: Ich sitze im ICE von Hannover nach Frankfurt (der Flug nach Niedersachsen war dann doch erheblich günstiger), und freue mich nach vier spannenden Tagen in Ungarn dann doch wieder ein klein wenig auf Heimatluft, den Anblick von Skyline und Main. 

Ich hatte euch versprochen, euch kurz über meine Erfahrungen während meiner Solo-Reise zu berichten. Das mach‘ ich gern in Form eines kleinen Videos, das ich gestern an meinem letzten Abend im Hostel aufgenommen habe.

Soviel sei gesagt: Ich habe es sehr genossen, so richtig rücksichtslos agieren zu können wie es sonst nur Daimler auf der Bundesautobahn sind. Keine Kompromisse machen zu müssen, bummeln oder auch eilen können, wie es mir beliebt. Allerdings, auch das muss ich sagen, ist es auf Dauer anstrengend, permanent Pläne schmieden zu müssen und Entscheidungen zu treffen.

All die schönen Momente, wie den, als ich am Ufe Margariteninsel saß, über die Donau hinweg auf das so eindrucksvolle Parlamentsgebäude blickte, und ganz Budapest nur so funkelte in der Abendsonne: Die hätte ich niemals erlebt,, hätte ich mich nicht von möglichen Urlaubs-Partnern unabhängig und einfach mein eigenes Ding gewagt. Und ich weiß nun, dass ich mich problemlos auch im Ausland vier Tage lang nicht zu langweilen brauche.

Nun aber: Film ab!

 

… und ein paar Bilder, die gibt’s auch

Keine Sorge, die volle Foto-Dröhnung, die bekommt ausschließlich meine Familie ab. Dennoch, ein paar meiner vielen schönen Eindrücke dieser zauberhaften Stadt an der Donau, die mag ich euch nicht vorenthalten.

Der Einfachheit halber präsentiere ich euch diese sortiert mach meinen Reisetagen. Viel Freude euch beim Anschauen!

Tag 1

Als mich die Rolltreppe von der U-Bahn hinauf auf das Budapester Pflaster spuckt, ist dies mein erster Eindruck: Ich bin überwältigt. Kaum zu glauben, wie prachtvoll und riesig die Gebäude hier sind. Die Dunkelheit tut ihr Übriges…

Direkt mein zweiter Eindruck ist dann lustigerweise ausgerechnet eine Telefonzelle. Ganz ehrlich mal, wer von euch weiß noch, was das ist? Immerhin der magenta-farbene Telefonhörer erzeugt ein gewisses Heimatgefühl bei mir.

Nicht minder prunkvoll auch die Synagoge im jüdischen Viertel. Kaum hier, schon bin ich sprachlos.

Die „Gozsdu-Höfe“, das ist ein Innenhofkomplex, in dem sich an warmen Tagen die gefühlte halbe Stadt tummelt. Plus all der Touristen, die dem Ruf der Donauperle gefolgt sind…

Wenn’s draußen kalt wird, weicht man gerne in die berühmt-berüchtigten „Ruinen-Bars“ aus. Zum Beispiel in das „SZIMPLA KERT“ – so habe auch ich es getan.

Die Mischung aus Verfall, Straßenkunst und verrückter Inneneinrichtung muss man wirklich gesehen haben. Absolut crazy…

Tag 2

Am zweiten Tag hab ich dann bei einer geführten Fahrradtour vier Stunden lang mit einer bunten Truppe die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt abgeradelt. Wie zum Beispiel den Heldenplatz, an dem nicht nur dieses schöne Museum zu bestaunen ist…

… sondern auch dieses Denkmal zu Ehren der ungarischen Staatsoberhäupter der letzten 1.000 Jahre.

Nicht weit entfernt ist auch das „Stadtwäldchen“, in dem ein Schloss als Sammelsurium verschiedenster Baustile errichtet wurde.

Wir machen Halt und blicken auf das größte Heilbad der Stadt:
Von der beeindruckenden Fassade des Széchenyi – Bades könnten sich die Titus-Thermen mal ’ne Scheibe abschneiden!

 

Was in Frankfurt die Kleinmarkthalle, ist in Budapest Nagy Vásárcsarnok. Eine wirklich GROSSE Markthalle.

Irgendwann erreichen wir dann die Donau. Und als ich die Karlsbrücke erspähe, bin ich sprachlos.

Auch die Seitenansicht des berühmten Parlamentsgebäudes bringt mir meine Sprache nicht zurück…

… zu gigantisch und wunderschön ist das zweitgrößte Parlamentsgebäude Europas. Das größte steht übrigens in Rumänien – hättet ihr’s gedacht?

Auf Anraten meiner lieben Freundin Rita statte ich dem Westbahnhof einen Besuch ab. In der alten Schalterhalle scheint die Zeit stehen geblieben.

Am späten Nachmittag, nunmehr zu Fuß unterwegs, zieht es mich erneut an die Donau.

Erneut folge ich Ritas Ratschlag, mache einen Abstecher auf die Margariteninsel. Lasse mich am Donauufer nieder und genieße diesen zauberhaften Ausblick.

… und auch am Parlament MUSS ich einfach noch einmal vorbeischauen.

Abends streife ich durchs jüdische Viertel. Im Hinterhof eines ziemlich abbruchreifen Hauses steigt ’ne wilde Party. Ich bestell‘ ein Bier und schaue mir verstört wie belustigt die etwas „alternative“ Gestaltung des Innenhofes an.

 

Tag 3

Den dritten Tag beginne ich mit dem Aufstieg des Burgberges. Und mit jeder Treppenstufe wird die Aussicht auf die Stadt da unten schöner.

Karlsbrücke und Parlament: Klassisches Postkartenmotiv, in echt noch schöner.

Oben angekommen: Etwas außer Puste bestaune ich die prachtvolle Burganlage.

Die unweit gelegene Matthiaskirche ist indes genauso sehenswert. Finden auch zahlreiche andere Touristen.

… hatte ich bereits erwähnt, dass es mir dieser Ausblick wirklich angetan hat?

Das nächste Highlight auf dem Burgberg: Die Anlagen und Türme der Fischerbastei scheinen einem Märchen zu entstammen.

Zurück geht’s mit der Standseilbahn, die laufmüde Touristen wie mich in wenigen Sekunden zurück ins Tal bringt.

Vorher schaue ich mir aber noch den Burginnenhof an.

Und – ihr habt’s geahnt – Blicke nochmals auf die Stadt hinunter.

Zurück auf Pester Seite: Die Basilika steht in ihrer Pracht dem bisher Gesehenen in nichts nach!

Auf nach Budapest!

Ob alleine, zu zweit oder im Rudel: Solltet ihr Budapest noch nicht besucht haben, so solltet ihr’s dringend tun! Allein innerhalb vier Tagen lässt sich allerhand bestaunen und entdecken.

Budapest, das ist nicht nur eine Stadt voll wunderschöner Architektur. Budapest hat als Hauptstadt Ungarns darüber hinaus eine sehr bewegte Geschichte, deren Spuren noch allerorts in der Stadt zu finden sind.

Budapest ist aber auch eine unheimlich spannende Stadt, in rasantem Umbruch. Insbesondere der Kontrast im Jüdischen Viertel ist hierbei beachtlich; auf Hochglanz renovierte Prachtbauten wechseln sich am Straßenrand hier ab mit verfallenen Bruchbuden aus Sowjetzeiten.

In letzteren residieren tatsächlich auch zahlreiche der berühmt-berüchtigten „Ruinen-Bars“, die mittlerweile jedoch längst keine Insider-Tipps mehr sind und in denen sich überwiegend Touristen tummeln und am günstigen Bier erfreuen. Vielmehr scheint man das Konzept der „Ruinen-Bars“ als Vermarktungs-Masche zu nutzen. Die „Locals“, die sind woanders – in kleinen, charmanten Bars, die ich über Google Maps entdeckt hatte und die mich verzückt haben.

 

So oder so: Langweilig, das wird’s auch nachts niemals in Budapest. Überzeugt euch selbst!

Wo der Main zu Ende ist: Kleiner Bilderbogen zum Sonntag

Am Sonntag frei zu haben, das ist für mich ja stets ein wenig ungewohnt.
Heute war es jedoch wieder mal soweit, der Himmel zeigte sich von seiner schönsten, blauesten Seite: Was also tun?

Den Main einmal mit dem Rad bis hin zum Ende fahren, ein bisschen durch Mainz streifen: Das hatte ich mir schon lange einmal vorgenommen. 

Schon war also mein Sonntags-Plan geboren. Rucksack gepackt, Zeitung gekauft, auf die Plätze, fertig, los!

Wieder zurück in Frankfurt kann ich sagen: Wow, das hat sich gelohnt!

Ich will euch gar nicht mit einem detaillierten Bericht meiner Tour langweilen – lieber lasse ich die Bilder sprechen.

Und wenn ihr nun auf den Geschmack gekommen seid, auch einmal von Frankfurt aus dem Main folgen wollt, bis er im Rhein aufgeht – dann freu‘ ich mich!


Bis hierhin war’s einfach: Nach Höchst finde ich blind. Dort überquere ich erstmals den Main und genieße die Aussicht auf den Industriepark samt Hafen.

Blick auf Kelsterbach: Die Kleinstadt hat wohl doch mehr zu bieten als nur Fluglärm!

Das „Krifteler Wäldchen“. Bach + grün = glücklich!

Recht glücklich scheint auch dieser Schwan.

In Kriftel selbst empfing mich diese verfallene Industrieruine. Hat irgendwie Charme, oder?

Staufstufe Eddersheim: Hatte ich noch nie von gehört, aber hey, ein Foto ist allemal drin!

Kleiner Abstecher nach Flörsheim: Kirche (die mit Sicherheit auch irgendeinen Namen hat) im Ortskern.

Nun wird’s richtig schön: Ich habe die Weinberge erreicht. Zeit für eine Pause!

Blick über die noch recht nackten Reben. Ob es wohl ein guter Jahrgang wird?

Der Main fließt rechts des Türmchens

Weinbergsidylle samt Schloss: Kinners, ist das nett hier!

Mainz-Kastel gehört eigentlich zu Wiesbaden. Verrückt, oder? Kleines Portrait des Radelnden. Dankeschön an das freundliche Rentnerpaar!

Ein letzter Seitenarm, bevor der Main im Rhein verschwindet

Sonntag! Blümchen! Flieder! Auch die Wiesbadener wissen dies offensichtlich zu schätzen und nutzen.

Ein letztes Mal gilt es den Main zu überqueren, dann erreiche ich Mainz.

Geschafft! Ich erblicke Fachwerk, bin glücklich.

Ich erblicke noch mehr Fachwerk, bin gleich noch glücklicher.

Klar, ein Bild vom Dom darf auch nicht fehlen.

Zeit für einen Kaffee! Der mundet auch in Mugunzia recht vorzüglich. Vor allem im süßen Café „Annabatterie“. Lieben Dank an Michael für den Tip!

Sollte euch also sonntags einmal nicht der Sinn nach Binge-Watching bei Netflix stehen: Dann macht euch doch mal auf nach Mainz. Es lohnt sich! 

 

Foto-Gewinnspiel: Huch, wer thront denn da?

Kennt ihr den „FrankfurtMainBlog“? Auf dessen Facebook-Seite stellt die Frankfurter Bloggerin Jana in schöner Regelmäßigkeit kleine Bilder aus der Stadt ein und lädt zur heiteren Rate-Runde: 

Die Leser sind aufgerufen, mittels Kommentar den jeweiligen Aufnahmeort zu erraten. Und das ist manchmal ziemlich tricky, selbst eingefleischte Ur-Frankfurter und Stadtkenner stoßen so manches Mal an ihre Grenzen. Tja, Frankfurt ist eben doch größer als gedacht, und Jana beweist Blick auch für die unscheinbaren Ecken unserer Stadt.

Ich hab‘ jedenfalls immer viel Spaß beim Raten und fühle mich nun dazu berufen, auch euch ein wenig Rätsel-Freude zu bereiten.

 

Fünf thronende Skulpturen, irgendwo in Frankfurt

Damit es nicht zu einfach wird (geschenkt gibt’s auch bei Mainrausch nix!), müsst ihr in euren Kommentaren den Standort aller sechs gezeigten Skulpturen korrekt benennen.

 

Und das Beste: Zu gewinnen gibt’s natürlich auch was!

In Kooperation mit dem Frankfurter Fashion-Label MAINHERZ verlose ich eine fesche Tasche, mit der ihr eurer Liebe zu unserer Stadt Ausdruck verleihen und gleichzeitig all eure Einkäufe ganz umweltschonend verstauen könnt.

Wenn ihr absahnen wollt, müsst ihr nichts weiter tun als – wie oben beschrieben – die Standorte aller gezeigten Skulpturen korrekt in einem Kommentar benennen.

Dafür habt ihr 10 Tage lang Zeit, nämlich bis zum Freitag, den 14. April 2017 – dann lose ich den glücklichen Gewinner der schicken Tasche aus, der die neidischen Blicke der Passanten genießen darf.

 

Und nun viel Freude beim Rätseln!

Skulptur 1:

Was die junge Dame mitsamt Pfiffi hier genau so sehnsüchtig anstarrt, das weiß ich nicht. Aber ihr wisst doch sicher, wo sie hier die ersten Sonnenstrahlen des Jahres genießt?

 

Skulptur 2

Hui, neben diesem Herren komme ich mir ziemlich klein und ehrfürchtig vor. Welches Eisentor er wohl bewacht?

 

Skulptur 3

Schon immer frage ich mich, was der Löwe hier so treibt. Sein Mittagsschlaf scheint jedenfalls von langer Dauer, ihm scheint bequem auf seinem Sockel.
Klar, dass ihr wisst, wo die Raubkatze hier schlummert?

 

Skulptur 4

Und gleich noch eine Raubkatze: Diese hier scheint allerdings hellwach und wirft ihr wachsames Auge auf die Besucher dieses Ortes. Wo dieser Wächter wohl zu finden ist?

 

Skulptur 5

Ein in Stein gehauener Pferdekopf, gleich neben dem geschwungenen „M“ einer amerikanischen Schnellrestaurant-Kette? Mag auf den ersten Blick gar nicht zusammen passen, ist aber irgendwie sinnbildlich für Frankfurt. Und ihr wisst sicher auch, an welcher Häuserfassade dieses ungleiche Nebeneinander zu finden ist?

 

Skulptur 6

Diese Figuren genießen ganz offensichtlich die Nachmittagssonne – irgendwo in Frankfurt. Als letzte Aufgabe will ich nun von euch wissen: Wo genau fristen diese Damen ihr entspanntes Dasein?

 

Für euch als wahre Frankfurt – Kenner war’s doch sicher nicht allzu schwierig, oder? Der glückliche Gewinner wird per E-Mail von mir benachrichtigt, vergesst also bitte nicht, diese in euren Kommentaren anzugeben.

Ich drücke euch die Daumen! 

 

Frühlingsgedicht

Kinners, ich komme ja zu gar nix mehr.

Ich weiß ja nicht, wie euch es ging – aber ich habe jeden einzelnen Sonnenstrahlen der letzten Tage in mich aufgesogen wie ein durstiger Wanderer das frische Quellenwasser.

Allemals für ein paar Bilder und ein kleines Gedicht hat es gelangt, während ich die aufblühende Stadt und die wiederentdeckte Lebensfreude ihrer Bewohner genossen habe.

Viel Freude beim Lesen und Betrachten – und dann nix wie wieder raus mit euch. Am Rechner versauern und irgendwelche Blogs lesen könnt ihr später noch, tankt Sonne, genießt das Leben!

 


Endlich wieder auf dem Lohrberg sitzen
im T-Shirt in der Sonne schwitzen
Der Blick schweift übers weite Land
’nen kalten Schoppen in der Hand

Endlich wieder Sonne tanken
im Ostpark, unter Blumenranken
den ersten Grill endlich entzünden
mit Freunden Zeit der Ruhe finden

Endlich wieder breit ausbreiten
auf des Maines grünen Seiten
am Maincafé sich kühl erfrischen
und auch das Dönerboot war wieder fischen

Endlich Frühling in der Stadt
man wird der Sehnsucht niemals satt
man lacht, man trinkt, man liest, man plauscht
die Menschheit wirkt wie ausgetauscht.

Vom Suchen und Finden der Liebe.

Manchmal, da reicht es ja aus, einfach zu beobachten. Beobachten kann man schließlich viel in der Stadt; in so ziemlich jeder Ecke passiert ja immer irgendwas. Neulich reichte eine solche Beobachtung, um mich sehr nachdenklich zu stimmen. 

Doch der Reihe nach: 

 

Woran denkt ihr, wenn ihr das Wort „Liebe“ hört?

Denkt ihr an die innige Beziehung zweier Menschen, die sich einander versprochen haben? Vielleicht sogar in Form der Ehe?

Denkt ihr an eine Mutter, die voll Stolz ihr Kind ansieht? An den Vater, der zu töten bereit wäre, um es zu verteidigen?

Oder denkt ihr vielleicht an die Liebe der Gemeinschaft, in der man einander hilft, füreinander da ist – vor allem in schlechten Zeiten? Denkt ihr an Liebe als Ursprung einer Leidenschaft, an die Liebe zur Musik, zum Tanz, zum Bundesligaverein?

Ihr seht: DIe Liebe hat viele Gesichter. Liebe ist ein Grundbedürfnis, das jeder Mensch zu stillen sucht. Ob bewusst oder unbewusst – das weiß nicht nur der Psychologe. 

 

Fünf Buchstaben, ein Foto

Neulich hatte ich beim Wort „Liebe“ jedoch lediglich jene Skulptur im Sinn, an der ich beim Joggen im Anlagenring schon so oft vorbei gelaufen bin. „Das muss sich doch irgendwie in Szene setzen lassen“, so dachte ich mir. Packte meine analoge Kamera samt jungfräulichem Schwarzweiß-Film ein, schwang mich aufs Rad. Und hoffte inständig, dass sich die fünf großen Stahlbuchstaben irgendwie motivisch in Szene setzen ließen. Insgeheim hoffte ich auch das nächstbeste Liebespaar, das für einen Facebook-Beitrag zur Dokumentation seines jungen Glücks davor ein Selfie schoss. Vielleicht würde ich ja auch Zeuge eines Heiratsantrags werden, aber zumindest ein Hand an der Skulptur vorbeispazierendes Ehepaar würde ja wohl drin sein.

Meine Hoffnungen werden jedoch zunichte gemacht, als ich mein Fahrrad unweit der Skulptur abstelle und die Kamera zücke. Außer mir ist zunächst anwesend: Niemand. Der ewige Frust des Fotografen. 

Ich will nicht umsonst hergefahren sein, mache ein paar Aufnahmen. Bis sich dann, ja dann…

 

Von einem, der die Liebe suchte

Während ich also auf dem feuchten Rasen kniete, gerade zum letzten Mal den Auslöser betätigen wollte – da schlich sich eine traurige Gestalt hinein in den rechten Bildrand. Ich ließ die Kamera sinken, blickte auf. Ein Mann kam des Weges, langsam, eine Plastiktüte in der Hand.

Deren Inhalt drapierte er formvollendet auf dem mittleren Strich des letzten „E“:
Eine Flasche Wodka samt Discounter-Orangensaft aus dem Tetrapak.

Ich drückte nochmals Auslöser, fühlte mich schlecht dabei, den Mann zu fotografieren. Beschränkte mich fortan aufs Beobachten. Der Mann erklomm das letzte „E“, trank abwechselnd aus Wodkaflasche und Tetrapak.

Ich wurde trübsinnig. Dieser Anblick des Mannes mit dem ungepflegten Bart, der auf dem Wort „Liebe“ saß und mittags um 2 dort Wodka trank. War dieser Anblick nicht viel aussagekräftiger als das beliebige Pärchen, das ins Smartphone grinste?

Dieser Mann suchte wohl die Liebe, und fand sie lediglich in Form eines modernen Kunstwerks und hartem Alkohol. Ich fühlte Mitleid in mir aufkommen, das Bedürfnis, ihm irgendwie etwas Gutes zu tun. Mir fiel nichts ein.

Ich packte meine Kamera ein, verließ meine kniende Fotografen-Position.

Während ich zum Fahrrad ging, rief ich ihm zu:

„Einen schönen Tag wünsch‘ ich dir! Lass‘ es dir gutgehen.“.
Er starrte mich mit leerem Blick an, erwiderte nichts.

 

Liebe suchen, Liebe finden

Ziemlich nachdenklich radelte ich gen Innenstadt; die Begegnung mit dem bärtigen Mann hatte mich trübselig gemacht. Ich wünschte ihm jemanden, der ihn liebt. Hetzte über die Zeil, ja, man hat ja so viel zu erledigen und besorgen heutzutage. Hielt kurz inne an der Hauptwache und beobachtete.

Ein Haufen junger Mädchen, die um einen Rollstuhlfahrer standen, erweckte meine Aufmerksamkeit. Sie schienen begeistert von den Tönen, die er seiner Flöte entlockte, während er auf dem Pflaster der Zeil saß. Klatschen im Takt zu seiner Musik. Und warfen nach einiger Zeit ihr Kleingeld in den Flötenkoffer vor ihm.

Dieser Mann hatte sie nicht nur gesucht, die Liebe. Sie gefunden in Form der Nächstenliebe, in Form der Liebe für seine Musik. In Form der Anerkennung durch eine finanzielle Gabe. Von diesem Anblick eigenartig berührt, drückte ich nochmals auf den Auflöser. Und zog nachdenklich von dannen.

 

Love is in the Air

In dieser Stadt schien die Liebe überall präsent zu sein. Im Suchen wie im Finden, in traurigen wie hoffnungsvollen Augenblicken. Manche zerbrechen während der Jagd nach ihr, manche schöpfen Kraft aus kleinen Gesten der Nächstenliebe.

Die liebe Liebe also. Der kleinste gemeinsame Nenner, der uns allesamt verbindet. Und wohl gerade deswegen überall präsent ist. In jeglichen Formen. Ich wünsche niemandem, sie lediglich in Form von metallenen Großbuchstaben und Spirituosen zu finden. 

Verratet mir doch: Was waren eure berührendsten Begegnungen mit der Liebe in Frankfurt?

Und bis dahin: Liebt euch.

Auf der Jagd nach den Sternen: Beim Frankfurter Foto-Slam

Dass ein „Foto-Slam“ ebenso unterhaltsam und spaßig sein kann wie die weitaus populäreren „Poetry-Slams“ es sind:

Darüber hatte ich schon nach meiner letztmaligen Teilnahme am bildschöpferischen Wettbewerb in diesem Blog berichtet.

Und auch, wenn mir mein Sieg trotz abenteuerlicher Jagd nach den letzten Telefonzellen als Relikten einer vergangenen Zeit verwehrt blieb – ich fieberte bereits dem nächsten Foto-Slam entgegen, an dem mein Dienstplan mir eine Teilnahme ermöglichen würde.

 

„Foto-Slam“: Noch nie gehört?

Dann kurz aufgepasst, denn das Konzept ist schnell erklärt:

Foto-Freunde werden über die Facebook-Seite des Veranstalters dazu aufgerufen, sich – ausgestattet mit Kampfgeist, guter Laune und Kamera (ein Smartphone tut es auch!) in der Bornheimer Kult-Absackstube „Lebensfreude Pur“ zu versammeln.

Dort hat ein jeder Teilnehmer die exklusive Gelegenheit, einen Motto-Vorschlag aufzuschreiben und in einen Hut zu verfrachten.

Blind wird eines der Mottos gezogen – dieses dient dann als Oberbegriff für die Werke, die es im Rahmen des Wettbewerbs zu erstellen gilt.

Eine Stunden lang haben die Foto-Slammer nun Zeit, um auszuschwärmen. Es darf sich im gesamten Stadtgebiet aufgehalten werden, um ein dem Motto entsprechendes Motiv zu finden. Wer schlau ist, erscheint also zumindest mit dem Fahrrad!

Nach Ablauf der Stunde wird sich dann wieder in der „Lebensfreude“ versammelt, um einen Schoppen zu beordern und das eigene Foto einzureichen.

Alle Bilder werden dann – freilich ohne Angsbe des Fotografen – auf Leinwand präsentiert. Mittels Stimmen in Form von Kaffeebohnen, die auf Schnapsgläser verteilt werden, wird nun in bewährten Verfahren der Sieger bestimmt. Dabei darf sowohl kumuliert als auch panaschiert werden, wie man das im Amtssprech so schön schimpft.

Das Bild mit den meisten Stimmen gewinnt. Dessen Urheber wird bekannt gegeben – und dieser darf sich darüber freuen, als Gewinner aus dem Turnier hervorzugehen. Obendrein winken Ruhm, Ehre & ’ne Menge Lobhudelei, versteht sich.

Klingt spaßig? Ist es auch!

 

Also: Auf nach Bornheim!

Auf die Mitnahme einer Spiegelreflexkamera verzichte ich, als ich mich aufs Fahrrad schwinge. Schließlich fotografiere ich nur noch analog – und die Zeit bis hin zur Entwicklung würde dann doch etwas den Rahmen des Slams sprengen.

Ich treffe ein, grüße die bereits anwesenden Mitstreiter – zwölf an der Zahl, die gemeinsam mit mir heute um den Titel des „Foto-Slammers Februar 2017“ buhlen werden.

Doch zunächst werfe auch ich meinen Motto-Vorschlag in den Hut. Veranstalter Jürgen schüttelt noch mal kräftig durch, zieht einen Zettel heraus und liest vor:

 

Die Jagd nach den Sternen

Stern(e) also: Unter diesem Begriff sollen heute unsere Bilder entstehen. „Warum ausgerechnet Sterne?“, denke ich mir – und blicke in den wolkenverhangenen, dunklen Himmel.

Doch der für Frankfurter Ortskenntnis zuständige Bereich meines Gehirns beginnt zu rattern. Die Zeit läuft.

Brainstorming im Kopf

Stern… Stern… Stern… Zum Stern! Klar, dass es nicht lange dauert, bis mir die Kneipe „Zum Stern“ in Alt-Sachsenhausen in den Sinn kommt. Doch Kälte und Anfahrt schrecken mich ab. Und was sollte dort schon für ein Motiv herauskommen? Ein Foto des Schriftzugs „Zum Stern“ auf der Fassade“?

Nee, also, ähm… doch nicht. Ich denke weiter nach.

„Stern Kaffee!“ – Wieso komme ich als Kaffee-Junkie nur jetzt erst darauf? 

Blöde nur, dass das gleichnamige Kaffeehaus an der Paulskirche schon geschlossen hat. Und auch die Rösterei Wissmüller in Bockenheim, die mein schwarzes Gold erschafft, hat bereits geschlossen. Schade, deren Räumlichkeiten hätten sicherlich ein schönes Motiv abgegeben – mit all den STERN-Kaffeetüten.

Ich grüble weiter. Stern-Kaffee gibt’s ja auch anderswo. Na klar, in der „Margarete“ beispielsweise! Ich trete in die Pedale und radele gen Innenstadt. Nun ja, zumindest bis ich an einem Kiosk vorbeifahre und die Zeitschriften-Auslage erspähe.

Na klar doch! Der „Stern“ – das ist ja schließlich auch ’ne Zeitschrift! Und die liegt doch für gewöhnlich in der Mokkateeria aus. Also: Nix wie hin, so’n Käffchen täte mir auch sicher gut bei dieser Eiseskälte.

Doch prompt folgt die Ernüchterung: 
Spiegel und Focus sind im Angebot – der Stern leider vergriffen. Fuck. 

 

Verzweifelt bei REWE

In meiner Verzweiflung treffe ich eine letzte Entscheidung. Aufgeben gilt schließlich nicht! Ich fahre zum REWE nebenan, hechte zu den Zeitschriften. Neben mir studiert bereits eine nette junge Dame die Auslagen. Ich spreche sie an, erkläre ihr meine Not. Bitte sie darum, statt ihrer Frauenzeitschrift den „STERN“ zu studieren. Was sie auch – nach kurzem Kopfschütteln – gern zu tun bereit ist. Ich versuche mich an einigen Perspektiven und Einstellungen – Bild im Kasten!

Nun schnell zurück zur „Lebensfreude Pur“ und Bild einreichen. Apfelwein bestellen, hinsetzen, verschnaufen. Auch meine Konkurrenten trudeln ein und reichen ihre Werke ein.

 

Und der Sieger…. bin ich?!

Ich bin bereits gespannt auf die Präsentation der entstanden Fotos. Und packe mir an die Stirn, als ich feststelle, dass ich mal wieder zu kompliziert gedacht habe.

Mercedes-Sterne, Blenden-Sterne der Straßenlaternen, Sternblumen – hätte ja nun wirklich nicht unbedingt Kaffee der Marke „Stern“ sein müssen.

Kurz lache ich auf und bin ein wenig frustriert – außer mir hatte noch jemand die Idee mit dem „Stern“ als Zeitschrift. Allerdings plaziert im Tiefkühlregal eines Supermarktes. Die Message versteh‘ ich nicht so ganz, aber dennoch: Hey, wir sind ja alle kreative!

Die Abstimmung beginnt. Wir verteilen unsere Kaffeebohnen auf die Gläser. Ich persönlich habe meine Favoriten schnell gefunden: Ein wunderschönes Bild von Straßenlaternen, die ihr Licht sternförmig über die dunklen Straßen Bornheims verteilen. Und eines, dass eine sternförmige Maske in einem Schaufenster zeigt – in dem sich wiederum die Sonne (ist das nicht auch ein Stern?) der Spielothek gegenüber zeigt. Klasse Bild!

 

Welches der Bilder wohl gewinnen mag? 

Die Stimmen werden ausgezählt. Es ist…. meines. Ich schüttele meinen Kopf, vergewissere mich nicht zu träumen. Doch, tatsächlich, ich gewinne mit den meisten abgegeben Stimmen. Woah – und das mit meinem Smartphone, obwohl die anderen Teilnehmer allesamt ausgerüstet mit DSLR, mehreren Objektiven und Stativen angereist sind.

Schön, hier bestätigt zu bekommen, dass nicht allein das Equipment zählt – sondern ebenso Idee, Motiv und Umsetzung. Ich lasse mich kurz feiern, nachdem ich mich als Urheber des Bildes geoutet habe. Erzähle die Geschichte dahinter – und bin gespannt auf die Geschichten hinter den anderen Bildern.

Seid doch dabei beim nächsten Mal – und fordert mich als Titelverteidiger heraus! 

Alle Infos zum nächsten „Frankfurter Foto-Slam“ findet ihr hier.

Dort könnt ihr auch die gesammelten Werke meiner Mitstreiter betrachten.

Und bis dahin: Allzeit „Gut Knips“!