Aufgrund Sanierung: U-Bahn-Station „Dom/Römer“ wird zum Geisterbahnhof [mit Video]

Hübsch, freundlich und seiner exponierten Lage gebührend: 

All das soll er werden, der zuletzt etwas angestaubte U-Bahnhof „Dom/Römer“.
Damit die Haltestelle bis zur Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt in neuem Glanz erstrahlen kann, sind erhebliche Sanierungsmaßnahmen notwendig.

Züge fahren durch

Diese machen es erforderlich, dass noch bis zum 22. Juli 2018 keine Züge an der der ansonsten hoch frequentierten Station Halt machen können.

Hatten die Bauarbeiten schon vor der Sperrung überraschenderweise einige Plakate aus den frühen 1970er Jahren hinter den Fassaden freigelegt und Fahrgästen eine kleine Zeitreise zurück in „gute, alte Zeiten“ ermöglicht, ermöglicht die derzeitige Sperrung ein weiteres Erlebnis:

 

Kurz vor der Station bremsen die Züge auf langsame Geschwindigkeit ab und ermöglichen den Blick hinein in einen „Geisterbahnhof“. Erst am Bahnsteigende nehmen sie wieder an Fahrt auf. Der Blick aus dem Fenster eines Zuges der Linie U4 oder U5 erinnert momentan ein wenig an die verlassenen Transitbahnhöfe des geteilten Berlin.

Ein bisschen wie die „Friedstrichstraße“

Ich jedenfalls schaue immer wieder gerne aus dem Fenster – und genieße die eigentümliche und ein wenig gruselige Atmosphäre, die der „Geisterbahnhof“ ins Herz meiner Stadt zaubert:

Habt auch ihr euren Gefallen an der Durchfahrt gefunden?

Jagdmaschine: Neulich in der Linie 11…

Dass man zu später Stunde in Frankfurter Nachtbussen zuweilen bemerkenswerte Bekanntschaften machen und unterhaltsame Unterredungen führen kann – darüber hatte ich bereits ausgiebig berichtet. Doch manchmal genügt auch bei Tageslicht der Zustieg in öffentliche Verkehrsmittel der VGF für das Erleben manch skurriler Momente…

 

Ein früher Samstagabend, ich bin mal wieder unterwegs. Zum neuen „YokYok“ in der Fahrgasse, um genau zu sein, nette Menschen, kaltes Bier und so.

Ich steige also in eine Tram der Linie 11, deren Auslastung ist überschaubar. Ich nehme Platz in einer freien Vierergruppe, krame meinen Roman hervor, beginne zu lesen. Die Lesefreuden allerdings halten nicht lange an. Gleich an der nächsten Haltestelle steigt nämlich ein Mann zu, mittelalt, hält kurz Ausschau, und lässt sich dann mitsamt seiner halbgeleerten Flasche Hansa Pils direkt neben mir nieder. Nein, nicht auf irgendeiner der anderen freien Sitzgruppen oder gegenüber mir, nein: Neben mir. Er atmet schwer.

Ich bin irritiert, konnte sowas noch nie verstehen. Auf Kuschelkurs in der Straßenbahn, ganz ohne Not? Gelegentlich schätze ich Distanz. Nun ja, is‘ ja für alle da, so ’ne Straßenbahn, ich widme mich weiter meinem Roman. Für etwa drei Sekunden, denn dann legt der gute Mann links neben mir seinen Zeigefinger auf meine Buchseite, um mitzulesen. Ohweih. Spätestens ein solches Erlebnis löst bei Großstädtern ja ein gewisses Alarmsignal aus, auf Streit aus sind ja schließlich viel zu viele. Ich verhalte mich also still, lasse mich nicht beirren, starre aus dem Fenster und sehe die Mainzer Landstraße an mir vorüberziehen.

Mein Mitreisender zu meiner Linken lässt unbeirrt seinen Zeigefinger über meine Bücherseite gleiten, Zeile für Zeile, er beginnt zu schnaufen. Ob das ein gutes Zeichen ist? Ich bleibe wachsam und erschrecke, als er sich mir zuwendet und sagt:

„Scheiße. Johnny Thunders ist tot. ‚The Heartbreakers‘ – kennste nicht? Der Sänger ist tot, gestorben wegen irgendwas, scheiße!“

Er blickt mich an, meine Reaktion ist gefragt. „Ja“, nicke ich in gespielter Traurigkeit, „erwischt immer die Falschen!“. „Nur die Besten sterben jung!“, er nickt nun auch zustimmend. „Was zur Hölle?“, denke ich mir, schließlich schaut sich Johnny Thunders schon seit den frühen 90ern die Radieschen von unten an.

Ich schaue mir derweil die Seite meines Buches an, immer noch verdeckt von seinem Zeigefinger. So sitzen wir nebeneinander, während ich so tue, als würde ich trotz seiner Pranke in meinem Blickfeld noch lesen können. Bloß keinen Ärger.

„Und das ‚U‘ hat wirklich zugemacht“?

Oha, ein erneuter Versuch der Konversation. Ich will ja höflich sein, deswegen antworte ich irgendwas vonwegen „ja, schade drum, war ’n geiler Laden, aber gibt ja noch das Tanzhaus!“

Damit scheine ich zunächst Irritierung auszulösen. „Tanzhaus?“
„Tanzhaus West!“, kläre ich auf, „Gutleutviertel. So bis Sonntagmorgens bis zehn und so“.  Ich ernte ein erstauntes Gesicht. „Tanzhaus West? Kenn ich gar nicht, hab‘ meine letzten Jahre ja in Mannheim verbracht“.

Ich will mich nicht weiter zu dieser unsympathischen Ansiedlung von Planquadraten äußern und schweige. „Wo issen das?“, ja verdammt, abermals ist meine Interaktion gefragt. „Gutleutviertel“, entgegne ich knapp. „Links oder rechts vom Hauptbahnhof“ – „na links, also westlich“, sag‘ ich, mein Nebenmann schnauft. „Zweitausend Meter?“„Kommt hin!“, sag‘ ich, ja kann denn meine Ziel-Haltestelle wirklich noch so weit entfernt sein?

„Da hab‘ ich mal ’ne richtig geile Frau kennengelernt“, vernehme ich auf meinem linken Ohr. Huch! Eben wart doch noch bestritten, das Tanzhaus West überhaupt zu kennen – wobei, Johnny Thunders ist ja auch schon seit 1991 tot…

 

Die Sache mit den Frauen

„Ist ja auch immer so ’ne Sache mit den Frauen“, sagt mein Tram-Genosse, „och nööö – bitte nicht diese Art der Unterhaltung“, denke ich mir. Ich werde ausführlich darüber aufgeklärt darüber, wie das damals war, im Tanzhaus West, als er bei dieser Frau im Bett lag, nur noch schlafen wollte. An Schlaf jedoch wagte seine Bekanntschaft wohl nicht zu denken, eher an den Beischlaf: „Und dann wollte die halt mehr! Immer diese Fickerei! Also wegen zu wenig ficken, nee, da konnt‘ ich mich noch nie beschweren!“

Ich pruste los, eine Sitzgruppe voll junger Frauen schräg hinter uns tut es uns gleich. „Ja, furchtbar aber auch!“, entgegne ich bestimmt, „da will man(n) einmal seine Ruhe haben – und dann wollen die Frauen immer gleich die ganze Nacht durchvögeln!“. Seine Probleme hätt‘ ich ja wahrlich gerne. Er nickt zustimmend, die Damengruppe hinter uns kichert.

 

Die Jagdmaschine

Ich komme einfach nicht zum lesen. Hoffentlich aber irgendwann mal an. „Du bist ’ne echte Jagdmaschine!“, wird mir von links beschieden, ich schaue irritiert zuerst Hansa-Pils-Flasche, dann meinen Nebenmann an. „Jagdmaschine?“ Ich vermag nicht genau zu sagen, ob ich mich geschmeichelt fühlen soll.

„Ja, ’n echt cooler Kerl!“, sagt mein Sitznachbar und Mitleser, „ja, Frankfurter halt!“, sag‘ ich. Ich ernte ein pilsbehangenes „Genau! Frankfodder!“, die Lage scheint entschärft, „bin übrigens der Roman!“. Oha. „Yeah Roman, bin der Matze!“, sag‘ ich, während ich mich frage, wie weit es eigentlich noch bis zum Börneplatz ist.

Romans Finger beginnen erneut, über meine Buchseite zu gleiten. Sie stocken beim Namen einer der Romanfiguren. „Meike?!“, liest er verwundert vor, „Mei-ke?!“
„Richtig“, bestätige ich dem Manne, der offensichtlich des Lesens mächtig scheint. „Das hätt‘ ich ja ganz anders geschrieben“, er nimmt noch einen Schluck Bier und schaut mich erwartungsvoll an. „Nun ja“, entgegne ich, „kann man natürlich auch mit ‚A‘ schreiben!“: „Neeeee, neeee!“, protestiert’s zu meiner Linken. „Mit ‚IH-KAH-EH'“ !

Ich patsche mir imaginär mit meiner Hand gegen die Stirn. „Ja, könnte man machen – dann wäre Meike aber ein Mike und somit ein Mann!“. Meine Reisebekanntschaft macht ein ernstes Gesicht, nickt und denkt nach. „Achso“, sagt er irgendwann.

 

Eine Mutti-Bewegung für Frankfurt

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt mir allerdings nicht. Kurz darauf entdeckt der Kerl nämlich das schöne Lesezeichen, das in meinem Buch steckt. Ungefragt zieht er es hinaus, hält es sich vors Gesicht. „Boah!“, sagt er, „das ist aber schön!“. Wo ich das denn her habe?

Ich stimme zu, jaja, wunderschönes Lesezeichen. „Hat mir meine Mum geschenkt“, verrate ich. „Du hast eine tolle Mutter!“, sagt’s, kann ich nur zustimmen. Der Begriff „Mutter“ löst nun offensichtlich einige Assoziationen in seinem Kopf aus.

Wir erreichen gerade das Bahnhofsviertel, „nächster Halt: Münchner-/Weserstraße“, ertönt kratzig die unfreiwillig komische Computerstimme aus den Lautsprechern über uns. „Ich wollte ja eigentlich nicht über Politik reden…“, beginnt der Mann, immer noch nachhaltig beeindruckt von meinem Lesezeichen. Ich stöhne auf. Bleibt mir denn wirklich nichts erspart?

„Aber die Merkel, gell – die braucht doch echt keine Mensch!“

Hätt‘ ich nun auch ein Bier in meiner Hand – darauf würd‘ ich glatt mit ihm anstoßen.
„Und weißte was?“, gehen die Ausführungen weiter, ich zucke die Achseln. „Hmm?“

„Schau‘ dir mal die Gegend an hier, nur komische Leute im Bahnhofsviertel. Weißte, was Frankfurt bräuchte? ‚Ne richtige Bewegung, quasi die Frankfurter Mutti-Bewegung! Dann würd’s hier mal wieder bergaufgehen!“ Ääääh ja, ich stimme aus purer Ratlosigkeit zu, so ’ne Frankfurter Mutti-Bewegung, da hätt‘ ich auch nix gegen.

Ein schneller Blick aus dem Fenster, die Paulskirche zieht vorbei. Gott sei Dank, mein Ziel ist gleich erreicht. Bevor ich mich erhebe, hau‘ ich meinem Nebenan zum Abschied auf die Schultern. „War nett mit dir“, sag‘ ich „ich muss nun raus – wir sehn uns dann demnächst im Tanzhaus?“. 

„Yeah, Techno, na klar, Tanzhaus, aber sowas von! Ich vergess‘ aber immer wo das ist, muss ich da links oder rechts vom Hbf aus laufen?“ 

„Links“, antworte ich, kurz bevor ich durch die Türen der Straßenbahn hinaus auf das Pflaster des Börneplatz gleite. Ein tiefer Atemzug, endlich Frischluft, ich schüttele den Kopf. Der trotz geringfügigem Dachschaden grundsympathische Kerl hebt hinter der Scheibe seine Bierflasche zum Gruße, die Tram zieht an mir vorbei gen Osten.

Und als auch ich wenig später im neuen „YokYok“ an meinem Bier nippe, bahnt sich ein lautes lachen den weg aus meiner kehle. Einmal wieder stelle ich fest: In den Verkehrsmitteln der VGF, da kann man wirklich immer was erleben. Mein Monatsticket, das hat sich jedenfalls schon jetzt wieder rentiert. ich alte jagdmaschine….
Habt auch ihr schon denkwürdige bekanntschaften in Bus, Bahn oder tram machen können? erzählt mir gern davon!

Von der Pferdebahn zum Stadtbahnnetz: Ein Besuch im Verkehrsmuseum Frankfurt

Es ist der Tag der Deutschen Einheit, als ich erwache und nach einem kurzen Blick aus dem Fenster feststelle: Scheiße, der Herbst hat endgültig Einzug gehalten. Wind und Starkregen machen all meine Pläne zunichte. Gemeinsam mit einem guten Freunde wollte ich zur Feier des Tages endlich einmal Weimar besuchen, was aber angesichts der vorherrschenden Witterung nicht mehr ganz so attraktiv erscheint.

Was also tun an diesem freien Tag? Wie gut, dass ich noch auf meine lange „What to do in Frankfurt“ – Liste zurückgreifen kann. Und schon immer einmal wollte ich das Verkehrsmuseum Frankfurt besuchen, schließlich bin ich selbst durchaus affin zum öffentlichen Personenverkehr – wenn ich auch eher Fan der „großen Eisenbahn“ bin. Das Museum befindet sich im Besitz der VGF, wird ehrenamtlich betrieben und feiert in diesem Jahr bereits sein 30-jähriges Bestehen.

Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise

Die Anfahrt gestaltet sich denkbar einfach: Die Tram 12 spuckt uns an der Endhaltestelle „Rheinlandstraße“ aus, an der sich dann auch direkt die zwei Museumshallen befinden.

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Das schöne, alte Empfangsgebäude ist bereits der erste Hingucker und zeugt vom einstigen Dasein der heutigen Straßenbahnhaltestelle als Lokalbahnhof.

Geöffnet ist das Museum leider ausschließlich sonntags zwischen 10.00 und 17.00 Uhr – hey, liegt man da nicht für gewöhnlich verkatert im Bett? Gut, dass an Feiertagen ebenfalls geöffnet ist.

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Der Eintrittspreis ist mit 3 Euro (Studenten zahlen 2) fair kalkuliert.

Und was gibt’s zu sehen?

Der Name lässt leider eine größere Bandbreite vermuten. Die Exponate beschränken sich auf historische Fahrzeuge des innerstädtischen Nahverkehrs, von der „großen Eisenbahn“ ist also nichts zu sehen.

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Dennoch gefällt es mir, die Straßenbahnwagen aus der „guten, alten Zeit“ zu bewundern. Von der Pferde-Bahn bis zur Nachkriegsstraßenbahn wird durch die Ausstellungsstücke hier der Wandel der Frankfurter Straßenbahn hinweg durch die Jahrzehnte berichtet.

Auch Busse sind in der Museumshalle hinterstellt – mein Highlight hierbei ist ein O-Bus aus Offenbach. Schade, dass in der Republik heutzutage lediglich in Solingen noch diese abenteuerlichen Gefährte mit ihren unverkennbaren Teleskop-Stromabnehmern verkehren.

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Für die Technik-versierten Besucher sind diverse Nockenfahrschalter und Fahrmotoren aufegstellt – aufschlussreich, aber für mich als Berufs-Eisenbahner wahrlich nichts Neues.

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Als Straßenbahn-Fahrerin gut verdienen: Diese Zeiten sind wohl längst vorbei.

Auf den oberen Stockwerken der Ausstellungshalle wird es für mich dann interessanter:

F0119310e1f32dd31c8ecb147cd6ebe78174e7c3b62otostrecken zeugen vom Bau der neuen Straßenbahn-Linie 18 hinauf zum Gravensteiner Platz, und die Stelltafel des ersten U-Bahn-Stellwerks macht durchaus Eindruck.

 

 

 

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Nach einem schnellen, günstigen Kaffee haben wir die Gelegenheit, an einer Führung durch die „Fahrzeughalle Ost“ teilzunehmen. Unterwegs bekommen wir die Gelegenheit, eine Weiche von Hand umzustellen – und haben endlich erfahren, warum der Straßenbahnfahrer im Winter gelegentlich mit einem suspekt anmutenden Werkzeug aussteigen und von Hand Weichen umstellen muss.

In der Fahrzeughalle Ost dann wartet dann das Objekt meiner ganz persönlichen Begierde auf mich: Der U1-Triebwagen als Prototyp der Flotte der in den 1960er Jahren gebauten Frankfurter Stadtbahn, heute als „U-Bahn“ bekannt.

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Mein Fazit

Der Name „Verkehrsmuseum“ mag ein wenig hoch gegriffen sein, beschäftigt sich die Ausstellung doch ausschließlich mit dem innerstädtischen (Nah-)verkehr. Dennoch, für 3 Euro gibt’s hier Einiges zu sehen. Wer nicht bereits mit der Marterie vertraut ist, kann einen Eindruck davon gewinnen, wie charmant die innerstädtische Fortbewegung einmal gewesen ist.

Schade dagegen fand ich, dass jegliche Aspekte der stadtplanerischen Geschichte des Frankfurter Nahverkehrs gänzlich unerwähnt bleiben.

Vom Traum der „autofreien“ Stadt, vom langen Kampf um eine U-Bahn, vom jüngsten Ausbau des innerstädtischen Streckennetzes ist kaum etwas zu erfahren. Auch einen Blick in die Zukunft hätte ich mir gewünscht: Denn verbunden mit Ausbau und Wandel unserer Stadt wird sich auch der innerstädtische Nahverkehr entsprechend anpassen müssen.

Sei’s drum, die drei Euro waren es wert. Wer sich ohnehin für den Nahverkehr in Frankfurt interessiert, wird einen Besuch ganz sicher nicht bereuen!