Neue Ausstellung: Ein wohltuend nüchterner Blick auf das Auf und Ab des Bahnhofsviertels

Eigentlich, da bin ich ja „durch“ mit dem Bahnhofsviertel.

Ja, ja: Ein Sündenpfuhl und hartes Pflaster, ein halber Quadratkilometer voller Leid, Schmutz und Elend. Dubiose Geschäfte und käufliche Liebe hinter schmucken Altbaufassaden. No-go-Area und von der New York Times „als Place to be gepriesen„, Hipster hängen in coolen Bars mit bunten Stühlen herum, während nebenan Junkies im Dreck und Dealer auf der Lauer liegen. Der Frankfurter Weg, eine überforderte Polizei im Schatten der Wolkenkratzer. Tabak-, Schuh- und Musikgeschäfte als die Letzten ihrer Art, der Einzelhandel stirbt auch hier. Gentrifizierung, BAO, die offene Drogenszene. Crack ist das neue Heroin und das Viertel der heiße Scheiß, dann und wann sorgt ein Künstlerkollektiv für Furore.

Frischer Fisch bei „Alim“, kaltes Bier bei „Yok-Yok“, ein Kiosk wird zum Kult. Ulrich Mattner mittendrin, Glücksspiel und benutzte Spritzen in den Straßen mit den Flussnamen. Einmal im Jahr die Bahnhofsviertelnacht, man schlemmt sich um die Welt, ja, das Viertel ist nicht nur multikrimi-, sondern seit jeher auch multikulturell. Bänker machen Mittagspause auf dem Kaisermarkt und Männer mit Kehrmaschinen und Hochdruckreinigern dem Dreck der letzten Nacht den Garaus.
Popup-Stores ploppen auf und lautlos wieder zu, die Dachterrasse eines „24 hours“-Hotels lädt zum Tanz, laute Musik übertönt das Blaulicht in der Straßenschlucht. Absteigen mutieren zu Kult-Kneipen oder müssen schließen, Bars von Weltniveau kredenzen Moscow Mule.

 


Erkennen Sie`s? Kaum wieder zu erkennen ist der Bahnhofsvorplatz auf einer der ausgestellten Bilder des Instituts für Stadtgeschichte. 

Ausgepresst und Ausgequetscht

Das Bahnhofsviertel, es ist berüchtigt und hipp, ist verschrien und geliebt, ist arm und reich, ein makabres Schauspiel und marodes Tor zur Stadt. Ist grausam, ehrlich, liebenswürdig, ist spannend, unstetig, gefährlich. In graue Tristesse gehüllt und trotzdem bunt. Das Bahnhofsviertel, es ist Alles und Nichts, vor allem aber ist es: Totgeschrieben, ausgequetscht, immer für einen reißerischen Aufmacher gut gewesen. Bis zum Erbrechen diskutiert, als Politikum missbraucht in Wahlkampfzeiten, hat es polarisiert und mich irgendwann gelangweilt, hat gelegentlich sogar vergessen lassen, dass Frankfurt noch so viel mehr ist.

Nein, ich konnte und wollte irgendwann nichts mehr lesen über den zwischenzeitlich zum „BHFSVRTL“ hochstilisierten Stadtteil, nicht auf Blogs, nicht in der Zeitung, nicht sonstwo. Wollte nicht meine heile Welt, doch zumindest bitte meine Ruhe.

Dass ich nun dennoch noch ein (allerletztes, versprochen!) Mal einreihe in all die Berichterstattung über das Viertel, hat einen ganz bestimmten Grund:

 

24 Rückblick – nüchtern, sachlich, überfällig

Die Ausstellung „Banker, Bordelle und Boheme“ des Instituts für Stadtgeschichte. Diese ist noch noch bis zum 7. April 2019 im Ausstellungssaal des Karmeliterklosters zu bewundern, welches ohnehin jederzeit einen Besuch wert ist. An einem grauen Sonntagnachmittag hatte ich mich jüngst dazu hinreißen lassen, der Ausstellung einen Besuch abzustatten. Bereut habe ich es nicht – was nicht allein an meiner nette Begleitung lag! Vielmehr vor allem daran, dass die Ausstellung einen längst überfälligen, wohltuend nüchternen Blick auf die wechselhafte Geschichte des verruchten Viertels wirft. Gänzlich frei von wildgewordenen Emotionen, von Verteufelungen und den ewigen Hype wird Aufstieg und Fall des einstigen Nobelviertels beleuchtet.

Dabei wird der Wandel des Viertels auf 24 Stationen nachgezeichnet. Historische Fotografien des Instituts für Stadtgeschichte und Leihgaben anderer Fotografen machen Menschen wie mich glücklich, welche „Früher und Jetzt“-Vergleiche lieben.
Exponate in Schaukästen runden die Ausstellung ab – vom Fuchspelz als Zeugnis des einst florierenden Pelzhandels bis hin zur „Stadtkarte für Freier“ samt „Leichte Mädchen-Testberichte“ in Buchform. Letztere Gegenstände wirken aus heutiger Zeit betrachtet schlicht widerlich und machen die Errungenschaften von Aufklärung und Emanzipation deutlich – während sie gleichzeitig mahnen, diese zu schützen und bewahren.


Makaber: „Stadtkarte für Freier“
(Foto: Institut für Stadtgeschichte) 

Für mich besonders aufregend war es, die prächtigen Bauten zu betrachten, welche im Krieg zu schaden kamen und nie wieder aufgebaut wurden. Wie prunkvoll das Viertel doch einmal anzuschauen war!

 

Tröstliche Erkenntnisse: Weil früher auch nicht alles besser war

Erfreulich auch, dass die politischen Ansätze im Umgang mit der das Viertel seit Jahrzehnten begleitenden Drogenproblematik aufgearbeitet wird. Nach einer Stunde atme ich frische Luft im Kreuzgang des Klosters. In mir macht sich die Erkenntnis breit, dass früher nicht immer alles besser war. Dass aber auch nichts beständiger ist als der Wandel, der auch vor dem Bahnhofsviertel keinen Halt macht – und neben Problemen jedoch auch Hoffnung schafft.


Prunkvolle Zeiten: Ob sie je zurückkehren? (Foto: Institut für Stadtgeschichte) 

 

Was übrig bleibt, ist eine Frage: Quo Vadis, Bahnhofsviertel?

Banker, Bordelle und Boheme 
zu sehen im Karmeliterkloster 
noch bis zum 7. April 2019

Don’t beat around the Dornbusch: Auf Stadtspaziergang mit dem „OUI“

Das Open Urban Institute und ich, wir pflegen eine mitunter komplizierte Beziehung. Ersten persönlichen Kontakt mit dem losen Netzwerk freier Akademiker hatte ich bei einer spannenden Wasserhäuschen-Tour quer durch Frankfurt, welcher gemeinsam mit den grundsympathischen Jungs der Linie 11 organisiert wurde.

Erstmals auf die jungen Stadtforscher aufmerksam geworden, hatte ich mich direkt mit Freude durch den sehr empfehlenswerten Bildband KLEINÖDE gekämpft.Weitere Annäherungsversuche allerdings blieben zunächst erfolglos: Quiz im Brentanopark wie Stadtspaziergänge fielen aufgrund mangelnder Teilnehmeranzahl respektive Krankheit aus. Fand mal wieder einer der Stadtspaziergänge statt, musste ich arbeiten – nein, es war nicht immer einfach mit dem OUI und mir.

Nun begab es sich, dass das „Open Urban Institute“ Ende Februar nicht nur durch Schlagzeilen aufgrund einer Studie zum Sauberkeitsempfinden der Frankfurter auf sich aufmerksam machen konnte, sondern obendrein zum 51. seiner Stadtspaziergänge lud. Und ich? Hatte tatsächlich einmal frei und schloss mich an.

 

Don’t beat around the Dornbusch

Das Motto des 51.Stadtspaziergangs verriet auf den ersten Blick, welcher Stadtteil diesmal fußläufig inspiziert werden sollte. Eingeladen wurde wie üblich über Facebook.

Der Dornbusch also? Das war doch gleich der Stadtteil mit dem Hessischen Rundfunk und… ja, was eigentlich noch? Ich musste zugeben, in Sachen Dornbusch offenbarten sich in meinem Köpfchen so einige Defizite. Gut also, dass das OUI nun dem städtischen Knowledge ein wenig auf die Springe helfen würde. Ausgewiesener Treffpunkt war Stadtbahnhaltestelle „Dornbusch“, vom Nordend aus habe ich es  – Bus sei Dank! – nicht weit.

Folgt ihr mir?

Zunächst sieht es so aus, als würde die Beziehung zwischen dem Open Urban Institute und mir auf eine weitere, schwere Probe gestellt. Punkt sechs steh‘ ich nämlich an der U-Bahn-Station, als ich feststelle, dass gar nicht näher angegeben war, wo genau man sich zu treffen gedenke. Zur Erklärung: Die Haltestelle „Dornbusch“ ist die unübersichtlichste Stadtbahnhaltestelle westlich des Pazifiks und hat mehr Zugänge (unter- wie oberirdisch) als Frankfurt Apfelweinwirtschaften.

Erste leise Flüche habe ich bereits ausgestoßen, als ich endlich das vertraute Gesicht von Christoph Siegl entdecke. Der Kopf der stadtstrebenden Akademiker entschuldigt sich für seine Verspätung, ich grinse in mich hinein. Da war doch tatsächlich einmal jemand noch mehr verspätet als ich das üblicherweise bin – dass ich das noch erleben durfte!

Von Greifvögeln und Irrtümern

Schnell scharen sich auch insgesamt sechs andere neugierige Stadtentdecker um Siegl. Im Minutentakt poltern U-Bahnen vorbei, ja, außer für den hessischen Rundfunk ist der kleine Stadtteil wohl insbesondere dafür bekannt, von den Gleisen der im Jahr 1968 Stadtbahnstrecke A recht zerschnitten zu sein.

Ansonsten aber, und das beruhigt, ist es mit dem Wissen über den immerhin 18.000 Einwohner starken Stadtteil auch bei den anderen Teilnehmern nicht sonderlich gut bestellt. Nur einer von ihnen, Moritz, outet sich als im Dornbusch aufgewachsen. Ob sich Siegl wohl dennoch als „Führer vom Fach“ beweisen können sollte?

Bevor wir losmarschieren, lässt er uns ein Spiel spielen. Ein Ausschnitt einer Karte der Stadt wird verteilt, und wir sollen doch bitte die Grenzen des Dornbusch markieren. „Ich geb‘ euch einen kleinen Tipp“, sagt Siegl, „die Umrisse des Stadtteils sehen wie ein Tier aus“.


Äh, nun ja – fast… 

Ich zäume das Pferd gewissermaßen von hinten auf und versuche, Grenzen mit dem Kugelschreiber so zu ziehen, dass ein Gaul dabei herauskommt. Weit gefehlt, nicht nur habe ich die Grenzen des Dornbuschs völlig falsch gezogen, auch mit dem Pferd lag ich meilenweit daneben.  Siegl verteilt die Auflösung, und siehe da: Ein Adler also, und tatsächlich sieht das Dornbusch in seinen Grenzen von oben betrachtet tatsächlich ein wenig so aus wie ein etwas gerupfter Greifvogel.

„Macht euch nix draus“, spendet Christoph Siegl Trost. „Hartnäckig halten sich viele Irrtümer über den Dornbusch in den Köpfen der Frankfurter“.

So liegen – und das wollen wir zunächst gar nicht glauben! – weite Teile des HR-Geländes gar nicht im Dornbusch, sondern innerhalb der Gemarkung des Nordends. Auch der altehrwürdige Sendesaal des HR (der einmal Plenarsaal für das deutsche Parlament werden sollte) liegt südlich der Bertramwiese und somit im Nordend.

Als Siegl dann noch erzählt, dass das dafür allerdings das Vereinsgelände der Concordia Eschersheim im Dornbusch liegt, fallen wir endgültig vom glauben ab. Der studierte Humangeograph hat vorerst genügend Verwirrung gestiftet, finden wir – und marschieren los.

 

Immer wieder Bertram

Wir stapfen vorbei an gutbürgerlichen Einfamilienhäusern und gepflegten Grünstreifen, die man so mitten in Frankfurt zunächst nicht erwarten würde. Binnen weniger Minute kommen uns zahlreiche Jogger entgegen.

Schnell erreichen wir den Sendesaal des HR, das Abendlicht zaubert ein herrliches blau auf dessen Glasfassade. Wir staunen kurz biegen in die Betramswiese ein. Siegl stellt uns frei, ob wir lieber auf der einen (Dornbusch) oder anderen (Nordend) Straßenseite gehen möchten. „Früher war hier tatsächlich nur eine Wiese“ und zeigt auf die Fußballplätze der Betramwiese. Gekickt wird offensichtlich auch gerne im Stadtteil, und Jogger kreuzen auch schon wieder unterwegs. Der Dornbusch scheint ein sportlicher Stadtteil. „Ursprünglich war der gesamte Stadtteil eine Wiese voll dorniger Gewächse, gelegen zwischen Ginnheim und Eckenheim“, referiert Siegl. „Als der Stadtteil 1946 gegründet wurde, war er aber bereits gründerzeitlich bebaut“.

Am östlichen Ende der Betramswiese erreichen wir den Bertramshof. Auch dieser ist benannt nach dem Frankfurter Patrizier Heinrich von Bertram und beherbergt heute die „Degeto“. Nie gehört? Hinter dem Kunstnamen versteckt sich die Filmeinkaufsgesellschaft der ARD, häufig kritisiert wegen einer großzügigen Aufwendung von Gebührengeldern für Einkäufe hochkarätiger Filme. Nun ja, ein schönes Anwesen haben sie ja.

Die Sonne geht unter, taucht Bertramswiesen und den weithin sichtbaren Europaturm in stimmungsvolles Licht. Wir setzen unseren Weg fort, Jogger kommen entgegen. „Außer Sport gibt’s hier wohl nicht wirklich viel zu tun“, sind bösartige Kommentare zu vernehmen (der Autor lächelt an dieser Stelle unschuldig).

Im Marbachweg: Erheiterung trifft Bestürzung

Christoph Siegl, der die Stadtspaziergänge seit 2010 organisiert, gibt die Richtung vor. Wir erreichen den Marbachweg. Ein einzelnes Gleis in Straßenmitte wird zwar nicht planmäßig befahren, sorgt aber für Anbindung der U-Bahn-Strecke A an den Betriebshof im Nordwesten.

Wir werfen einen Blick auf den alten Luftschutzbunker, „nicht der schönste“, wie Siegl meint. „Der Marbachweg“, fährt Kopf des OUI for, sei einerseits bebaut von ansehnlichen Villen der Vorkriegszeit – andererseits aber von Wohnblöcken, die entgegen der sonstigen Frankfurter Manier quer statt längs zur Straße errichtet worden seien. Dies sorge für Lücken zwischen den einzelnen Wohnblöcken (heute allesamt in GWH-Hand), die man für vorgelagerte Flachbauten genutzt habe.

Während der Name der „Fahrschule o.k.“ verschafft Erheiterung,während der Anblick eines recht verfallenen Hauses mit Fachwerkfassade für einen Moment der Bestürzung sorgt. „Gegen Multikulti!“, ein Banner ist aus einem der Fenster gehisst. Im Fenster hängt außerdem ein Wahlplakat der NPD.

 

Nein, dies ist ein für Frankfurt durch und durch ungewöhnlicher Anblick. Zum Glück, doch das eigentlich schöne Haus hätte besseres verdient.

Ein dazu besonders harter Kontrast ist das Geburtshaus von Anne Frank im Marbachweg 307, an dem wir einen kurzen Halt einlegen.

Dort hat die traurige Frankfurter Berühmtheit bis ins Jahr 1931 gelebt, bevor ihre Familie mit ihr ins Dichterviertel zog. Doch dazu später mehr.

 

Kniefall an der Dornbuschkirche

Der nächste Programmpunkt auf Siegls Agenda ist ein ganz besonderes Schmankerl: Die Dornbuschkirche.

Die 1962 errichtete Kirche in typischer Nachkriegsarchitektur war Anfang der 2000er Jahre der Kirchengemeinde nicht zur zu groß, sondern obendrein von statischen Problemen herbeigesucht worden.

Die in ihr heimische Dornbuschgemeinde entschloss sich schweren Herzens zu einer erheblichen Verkleinerung des Kirchenschiffs in Form eines Neubaus. Erhalten werden konnte allerdings die wunderschöne Glasfassade. Auf dem Platz, auf dem bis zum Jahr 2004 das alte Kirchenschiff zu finden war, sind heute die ehemaligen Standorte von Taufbecken und Altar markiert.


Bild: Wikipedia

Dies ist Moritz‘ großer Moment:
„Hier habe ich zu meiner Konfirmation gekniet“, und deutet auf die markierte Stelle, an der sich einst der Altar der Kirche befand. Damit hätte selbst Siegl nicht gerechnet, es ist eine schöne Überraschung.


Hier stand mal ein Taufbecken. 

Gaslaternen und Literaturkritik im Dichterviertel

Wir verlassen den Sakralen Ort, versorgen uns an einer Trinkhalle mit Frischbier.
Zum Ende des Spaziergangs wollen wir eine der teuersten Wohngegenden unserer Stadt aufsuchen.

Gustav-Freytag-Straße, Grillparzerstraße, Roseggerstraße:
Wo die Straßen nach Dichtern benannt sind, wird eine gewisse Erwartungshaltung auch erfüllt. Villen reihen sich aneinander.

Auch diejenige der Ganghofer Straße 24,  in der Anne Frank bis zu ihrer Flucht nach Amsterdam gelebt hat. Eine Gedenktafel erinnert bis heute an sie.

 

Eine Besonderheit des Dichterviertels sind zweifelsohne die Gaslaternen, die dort bis heute ihren treuen Dienst verrichten und unsere Umgebung in ein recht spärliches, aber sehr warmes Licht tauchen. Ginge es nach der Stadt, wären sie längst durch moderne LED-Leuchten ersetzt worden, doch regte sich Widerstand im Viertel.

Ich freue mich darüber, hatte ich doch bislang noch nie ausführlich eine leibhaftige Gaslaterne näher betrachten können.

Ein Halt auf unserer Tour ringt nicht nur Literatur-Fans wie mir eine Gedenkminute ab. Einer der wohl prominentesten Bewohner des Dichterviertels, Marcel Reich-Ranicki himself, lebte nämlich ebenfalls hier. Eine Plakette vor dem außergewöhnlich unansehnlichen Bau, der nicht recht hier her passen mag, erinnert an den großen Literaturkritiker.

Wer heute wohl in seiner Wohnung leben mag? Diese Frage umtreibt mich, während wir uns voneinander verabschieden und ich mich herzlich bei Christoph Siegl für Spaziergang und Organisation bedanke. „Bis zum nächsten Mal“, sagt der junge Akademiker aus dem Gallusviertel. Er könne wetten, der Zuspruch sei dann auch größer. Thema des nächsten Spazierganges Anfang April seien nämlich wieder einmal Wasserhäuschen….

Mir allerdings war es auch heute schon ein Vergnügen, zu Fuß einen Stadtteil zu entdecken, den ich bislang sträflichst in meiner Wahrnehmung vernachlässigt hatte. 

 

Lust bekommen?

Möchtet auch ihr einmal Teil einer der Stadtspaziergänge sein? Das Open Urban Institute verkündet deren Termine auf seiner Facebook-Seite. Vielleicht schlendern wir ja bald einmal Seite an Seite durch bekanntes wie auch unbekanntes Terrain, Freunde?

„Local Heroes 2018“: Neue Filmreihe für Frankfurt-Freunde

Ein Filmvergnügen abseits des Mainstreams samt anschließender Diskussion verspricht die Filmreihe „Local Heroes 2018“. Gleich zehn vielversprechende Werke kleinerer Filmemacher sollen in monatlichem Wechsel gezeigt werden – mit einem kleinsten gemeinsamen Nenner: Frankfurt am Main.

Ins Kino zu gehen, das ist gewissermaßen der Klassiker unter den Freizeitbeschäftigungen. Doch muss nicht immer ein Blockbuster über die Leinwand flimmern, um für gute gute Abendunterhaltung samt anschließendem Gesprächsstoff zu sorgen.

Oft sind es nämlich insbesondere die Werke kleinerer Filmemacher, die sich durch eine gewisse Experimentierfreudigkeit auszeichnen oder kritische Fragen zum Zeitgeschehen aufwerfen. Nicht zuletzt können Dokumentarfilme auch den eigenen städtischen Lebensraum der Zuschauer ausleuchten sowie dessen Entwicklung begleiteten.

Ein ganz persönliches „Best of“

Genau dies versprechen auch sämtliche der insgesamt zehn Filme zu tun, welche im Rahmen von „Local Heroes 2018“ ab dem 7. März am ersten Mittwoch eines jeden Monats ein interessiertes Publikum vor die Leinwand der „Denkbar“ im Frankfurter Nordend locken sollen.

Wolfgang Voss ist Schöpfer der Filmreihe sammelt bereits seit dem Jahr 2006 Erfahrungen in der Organisation von Filmreihen. So zum Beispiel ist er Mitwirkender der Filmreihe „Frankfurt im Dokumentarfilm, welche im naxos.KINO residert.

Die bei „Local Heroes 2018“ gezeigten Werke seien sein ganz persönliches „Best of“ der bislang im naxos.KINO präsentierten Dokumentarfilme, sagt Voss. „Es wäre doch schade, würden solche Sahnestückchen nur ein einziges Mal gezeigt werden!“.

 

Vom Alltag an Frankfurter Kreuzungen, vergessenen Arbeiterinnen und grotesken Selbstversuchen

Und tatsächlich scheint es Wolfgang Voss gelungen, ein buntes Potpourri an Frankfurter Dokumentarfilmen aus der Schatzkiste geholt zu haben. Vom Alltag an einer der größten Straßenkreuzungen Frankfurts bis hin zum revolutionären städtebaulichen Konzept des Ernst May reicht die Bandbreite der ausgewählten Filme.Es sei ihm auch sehr wichtig, einen Beitrag gegen die Frankfurter Geschichtsvergessenheit zu leisten, bekräftigt Voss. So ist auch eine Dokumentation über die vergessenen jüdischen Zwangsarbeiterinnen zu sehen, die einst unter schwierigsten Bedingenungen die erste Rollbahn am Frankfurter Flughafen errichten mussten. Geradezu nach seichter Abendunterhaltung mutet dagegen der filmische Selbstversuch „Nichts ist besser als gar nichts an“, in dem sich der Filmemacher an einem Leben in Frankfurt ganz ohne EC- und Kreditkarte versucht. Beim Überfliegen des Programms jedenfalls fällt schnell auf: Es ist die thematische Vielfalt der Filme, die „Local Heroes 2018“ auszeichnet.

A propos „Local Heroes“:

Fragt man Voss nach der Namenswahl für die Filmreihe, so wirft er einen Blick zurück auf seine wilden Tage im Hannover der 1990er. Als aus einem besetzten Fabrikgelände nach langem Kampf endlich ein anerkanntes Kulturzentrum wurde, seien nach all der Mühe dort schlussendlich doch bloß internationale Werke ausgestellt und vorgeführt worden. „Und unsere Forderung und Frage war“, erinnert sich Voss, „wo bleiben unsere local heroes“?

In Frankfurt sei man auch heute noch viel zu fokussiert auf das internationale Filmgeschehen und lasse heimische Talente sträflichst außer acht. „Dabei sind diese Leute mitsamt ihren Themen erstklassig!“

 

„Film ab!“ in strategisch günstiger Lage

Immerhin waren für den Organisator in Frankfurt keine illegalen Besetzungen vonnöten, um eine geeinigte Location für sein Projekt zu finden. Um die etablierte kulturelle Begegnungsstätte sei es zwischenzeitlich ziemlich ruhig geworden, erinnert sich Voss. Dann aber sei im Januar 2017 während einer Vernissage gemeinsam mit Filmemacher Aquiles Vilagrasa-Roth die Idee eines Filmprogramms in der „Denkbar“ entstanden, die von Vilagrasa-Roth auch gastronomisch betreut wird. „Außerdem liegt die Denkbar strategisch günstig“, schmunzelt Voss. „Nämlich genau auf dem Weg von meinem Arbeitsort im Frankfurter Westend über meine liebste „Kulturtankstelle“, dem „MAMPF“ – und meinem Wohnort Offenbach“.

Auch die Produzenten der gezeigten Filme scheinen mit Voss‘ Location-Wahl zufrieden, haben sie doch allesamt ihr Kommen angekündigt.
Ja, sogar diejenigen aus Berlin!

Nach dem Abspann: Im Dialog mit Filmemachern

Statt sich unmittelbar nach dem Abspann Popcornkrümel vom Hintern zu wischen, um sich anschließend selbst zu verkrümeln, wird das Publikum ganz explizit zum Bleiben eingeladen sein. Im Anschluss an die Dokumentationen werden die Gäste nämlich die Möglichkeit haben, sich mit dem Produzenten des eben gesehen Filmes auszutauschen. „Hierbei soll es aber kein enges Korsett geben“, versichert Voss. „Natürlich wäre es schön, würden übliche Benimmregeln eingehalten – ansonsten aber soll sich die Diskussion gänzlich frei entwickeln können!“

Ganz besonders würde sich Voss darüber freuen, würden in den Filmen Beispiele für Maximen einer bewussten Lebensführung erkannt. „Solche sind nämlich nicht allein philosophischen Proseminaren vorbehalten! Ich hoffe, dass einige Erkenntnisse das Publikum förmlich anspringen werden.“

Ferner haben junge Filmemacher noch bis April die Möglichkeit, ihre Werke einzureichen. Zum Ende der Veranstaltungsreihe bliebe nämlich noch ein wenig Platz für junge Talente, ermutigt der Organisator Frankfurter Kreative für eine Bewerbung.

Neugierig geworden?

Den filmischen Auftakt der Reihe bildet am 7. März die Vorführung des Filmes „Stadt statt Auto“ von Samuel Schirmbeck. Obwohl bereits im Jahre 1989 gedreht, dürfte seine Thematik – den Umgang mit dem stetig steigenden innerstädtischen Verkehr – wohl aktueller sein denn je.

Eine Übersicht aller weiteren Termine und gezeigten Filme ist unter http://www.ifpp.info/denkbarfrankfurt/?p=6957 zu finden.
Der Eintritt ist frei, der Zutritt barrierefrei.

 

 

 

 


Logo zur Veranstaltung. Quelle: http://www.ifpp.info

 

Film ab und viel Vergnügen!

Was blieb, war das Vinyl: Allein in Frankfurt/Main…

Sagt euch der Name „Hugo van Haastert“ etwas? Nein? Keine Sorge, das tat er mir bis vor Kurzem auch nicht. Kein Wunder, nicht mal einen Wikipedia-Artikel darf der Liedermacher sein Eigen nennen – und wäre ich nicht an diesem einen Dienstagabend in meiner Lieblingskneipe Feinstaub gewesen, so hätte auch ich wohl niemals von ihm erfahren…

Allein in Frankfurt/Main

Doch saß ich nun da, vor meinem Apfelwein, wie üblich in mein Buch vertieft, als ich innehielt. Nur ein halbes meiner Ohren lauschte der Musik, die mittels Schallplatte vom DJ serviert wurde, doch ich vernahm ich sie ganz deutlich, diese eine Textzeile:

„Und mit jeder Zigarette fällt mir mehr von uns beiden ein – wenn ich noch eine Chance hätte, würde alles ganz anders sein, in Frankfurt/Main.
Ja, ich bin allein –  in Frankfurt/Main….“

 

Ich war eigenartig berührt von diesen Zeilen, vielleicht weil auch ich mich, manchmal bis gelegentlich geflissentlich alleine fühlte in dieser Stadt. Ich mochte wissen, wer sie einst gesungen hat. Schnell griff  ich zum Mobiltelefon, fütterte Google mit einigen Textfetzen aus dem Lied. Dieses Internet, das wusste bekanntliich alles, und so wusste auch ich ganz schnell:

Hugo van Haastert war es, der 1977 dieses Lied aufnahm, welches nun – 40 Jahre später – begleitet durch Rauchschwaden durch eine Kneipe im Frankfurter Nordend waberte.

Zurück zu Hause, immer noch pfiff ich die Melodie des Liedes, „allein in Frankfurt/Main“, das wollte mir nicht aus dem Kopf. Wie praktisch, dass das Internet nicht nur alles weiß – sondern auch alles bietet. Dachte ich jedenfalls.

Keine Suchtreffer bei Spotify.
Nicht erhältlich auf Amazon. Nicht bei Apple Music, nicht bei Soundcloud, das gibt’s doch nicht. Ein letztes Ass, das hatt‘ ich noch im Ärmel – doch nicht einmal bei Youtube wurd‘ ich fündig. Und, räusper räuser, hätte ich illegale Download-Portale bemüht, wäre (!) ich auch nicht fündig geworden. Verdammt.

Dabei wollte ich doch nur Zuhause noch einmal das Lied genießen, Augen zu, Zigarette an. Einen dieser wenigen Momente erleben, in denen man, in denen ich Musik noch bewusst genießen kann.

 

Was blieb, war das Vinyl

Nie hätte ich für möglich gehalten, einmal ein gewünschtes Lied nicht irgendwo in den Untiefen des WWW zu finden.

Was blieb war das Vinyl, jener schwarze Kunststoff, auf den das Lied im Erscheinungsjahr 1977 schließlich gepresst sein worden musste.
Erste Anlaufstelle für ein zielgerichtete Suchen nach alten Schallplatten, Vinyl-Freunde wie ich wussten das, war die Plattform Discogs.

Und tatsächlich wurde ich dort fündig, Originalpressung der Single, guter Zustand, auf der B-Seite: „Hör‘ doch auf, zu träumen“. Der Preis der Schallplatte in Pfund angegeben, „Versand aus Großbritannien“ – wieviel das nun genau in Euro sein mochte, wollt‘ ich dann auch gar nicht so genau wissen. Dieses Lied, das war klar, würde ein recht teurer Spaß werden für mich.

Wie die Platte ihren Weg ins vereinigte Königreich gefunden haben mochte, blieb mir derweil ein Rätsel. Was sollt‘s, viel wichtiger war schließlich, dass der kleine, runde Schatz seinen Weg zu mir, nach Frankfurt, finden würde.

Und genau das tat er dann glücklicherweise auch, eine knappe Woche später, sorgfältig verpackt in Zellophan und braunen Pappkarton. Mit sanften Fingern zog ich das ersehnte Stück hinaus, der Geruch einer vergilbten Hülle strömte in mein Näschen.

Genuss bei 45 u/min

Die Platte selbst dagegen tatsächlich fast wie neu, fast liebevoll fand sie ihren Platz auf dem Plattenteller. Das vertraute Knacken beim Aufsetzen der Nadel, bei 45 Umdrehungen pro Minute konnte mein Musikgenuss beginnen.

Und so saß ich da, allein in Frankfurt/Main, und hörte „Frankfurt/Main“. Eine Zigarette zwischen meinen Lippen, die Augen beim Zug geschlossen, Hugo van Haastert singt von verspäteten Linienflügen, der Liebe und schlechtem Englisch. Und, natürlich, von seinem Alleinsein hier, in Frankfurt/Main.
40 years ago. 

 

Gänsehaut auf meinem Rücken, vermutlich schon allein aufgrund des vorangegangen Abenteuers. Verrückt, welch Umstände man doch für ein einziges Lied auf sich nehmen kann. Verrückt, dass es auch im Jahre 2018 noch Musik gab, die nirgends im digitalen Nirvana aufzufinden war.

Verrückt, was Musik auszurichten vermag. Hugo von Haastert drehte sich weiterhin munter mit 45 Umdrehungen pro Minute auf dem Plattenteller meines Schallplattenspielers. Und ich? War in diesem Moment vielleicht auch ein wenig verrückt – aber glücklich…

Habt auch ihr schon derartige Umstände auf euch genommen, nur um ein bestimmtes Lied hören zu können? Kennt ihr noch diese ganz besonderen Momente, in denen ihr Musik ganz bewusst genießen, alles andere um euch herum vergessen könnt? Habt auch ihr schon erlebt, dass euer aktueller Ohrwurm wirklich nur auf Schallplatte erhältlich war? Erzählt mir doch davon!

Verzückt von einer DVD: Ich hab‘ Frankfurt wiederentdeckt! Schwarzweiß und ohne Skyline.

Wenn es etwas gibt, das ich wirklich NIE mache, dann ist das einen Film zu schauen. Eine Tatsache, die insbesondere dem Umstand geschuldet sein mag, dass sich meine Aufmerksamkeitsspanne in etwa auf dem Niveau eines 2-Jährigen beliegen mag…

Nun allerdings begab es sich, dass ich in den unendlichen Weiten dieses Internet auf eine DVD der Reihe „Edition wiederentdeckt“ gestoßen bin, welche in einer ihrer Ausgaben gleich 9 Kurzfilme aus aus der Frankfurter Vergangenheit zwischen 1909 (konnte man da schon filmen?) und 1959 zu zeigen versprach. Manche davon bislang sogar unveröffentlicht.

Die mir entstehenden Kosten von 20 Euro habe ich mit einem Schlucken und anschließendem Sauergespritzten quittiert, und bereits am nächsten Tage hielt ich besagte Silberscheibe in den Hände.

Entgegen jeglicher meiner üblichen Gewohnheiten habe ich mir es also auf dem Sofa bequem gemacht und mich auf eine Zeitreise durch meine Stadt begeben – zurück in jene Tage, in denen es sich der gemeine Frankfurter niemals hätte erträumen lassen, dass einmal eine Ansammlung von Wolkenkratzern zum weithin sichtbaren Symbol seiner Stadt werden würden….

 

Die „guten, alten Zeiten“

Und, was soll ich sagen? Auf die angepriesene „einzigartige Zeitreise“, auf die konnte ich mich vom Sofa aus tatsächlich begeben.

Ein jeder der Kurzfilme entlockte meinem Gesicht ein entzückendes Staunen darüber, wie die Straßen, durch die ich mich tagtäglich begebe und deren Anblick mir so vertraut ist, früher ausgesehen haben. Eine neue Altstadt, die wird uns Frankfurtern demnächst geschenkt – doch wird sich auch in dieser nicht das Leben vergangener Jahrzehnte abspielen.

Dabei habe ich mich besonders über die Vielfalt der Kurzfilme gefreut. Ein Ausblick vom Dom, die Stadt zu Füßen – gänzlich ohne Skyline. Alltag im Volksbildungsheim, das heute das Kino „Metropolis“ beherbergt.

Ein Mädchen fährt im Werbefilm „Unser Frankfurt heute“ von 1954 Dreirad vor Wohnhochhäusern, die später einmal Sinnbild für die „Ghettoisierung“ der Trabanten-Siedlungen werden sollten. Davon lässt die Idylle auf den Super 8-Aufnahmen jedoch noch längst nicht ahnen.

Menschen in grausamen Bademoden stürzen sich ins von Beton umringte Wasser, „man erfreut sich hier vor allem ganz bestimmten Anblicken“, kommentiert der Sprecher eine Szene planschender, junger Frankfurterinnen in den 1960er Jahren. Dürfte man heute wohl nicht mehr so sagen, und a propos heute:

Hättet ihr’s erkannt? Das im Film gezeigte kühle Nass befindet sich im Brentanobad, in dem Frankfurter im Sommer auch heute noch die nötige Abkühlung genießen.

Dass Frankfurter im Sommer auch schon immer gern am Main fläzten, beweisen die schwarzweißen Aufnahmen eines Anderen der Filme. Schwarzweiß auch die Aufnahmen der Frankfurter Messe, die damals noch eher wie eine Ansammlung von Gartenhütten anmutete. „Ein herrlicher Fruchtsaft!“, schmachtet ein Gast die Messe-Hostess an. Unglaublich!

 

Le jardin du palmes

Bremsen kreischen, als eine junge Frau im Frankfurt von vor 60 Jahren ankommt, Dampfloks hüllen den Hauptbahnhof in Rauchschwaden. Die junge Frau ist „Ursula“ und adrett mit kurzem Rock gekleidet an den Main gekommen, um Kunst zu studieren.

Die Protagonistin des Werbefilms (heutzutage wäre es wohl ein „Imagefilm“) von 1959 steht auch damals schon vor denselben Problemen wie junge Studentin es auch heute tun:

Ein günstiges Zimmer gilt es da zu organisieren, sich in der Uni einzufinden, mit adrett mit Hut gekleideten jungen Männern anzubandeln, und natürlich: Geld zu verdienen, damals noch in Form von Deutscher Mark.

Dies gedenkt sie dann, als Stadtführerin zu tun. Und mein allerliebster Moment der DVD ist der, als Kunststudentin und Stadtführerin Ursula mit zwei Damen aus Frankreich vor dem Eschenheimer Tor steht (damals noch ohne Brunnen) und von diesen nach dem „Jardin du palmes“ gefragt wird.

Ursula versteht nicht so recht, ein vorübergehender Passant allerdings schon:
„Ai, die meine de Palmegadde!“, sorgt der Frankfurter für Aufklärung. „Ach, der!“, meint Ursula bedröppelt – und ich muss prusten. Herrlich! 

Ein echtes Muss für Frankfurt-Liebhaber

Herrlich auch all die anderen vielen Einblicke in vergangene Zeiten.
Ungläubig sehe ich überflutete Straßen, wo heute Häuserschluchten von Tüten-schleppenden Menschen durchrannt werden. Man scheint heutzutage tatsächlich weniger Zeit zu haben als früher. Sehe historische Straßenbahnen über die Zeil rollen, sehe Autos auf dem Römerberg.

Irgendwie verspüre ich eine Sehnsucht nach dieser „guten, alten Zeit“ – doch bin ich mir darüber bewusst, dass diese Bilder einer friedfertigen, ruhigen Stadt nicht darüber hinweg täuschen können, dass zeitgleich ihrer Aufnahme wahlweise Welt- oder kalter Krieg herrschte. Nein, früher war vielleicht mitnichten alles besser.

Und dennoch: Ich habe mich gerne entführen lassen in meine frühere Stadt, die zwischenzeitlich ihr Gesicht geändert hat wie kaum eine zweite.

Doch eine Kameraeinstellung, die das frühere Fernmeldehochhaus vor dem Thurn-und-Taxis-Palais zeigt, verrät dann doch: Das Nebeneinander von Alt und Neu, ein stetiger Kontrast: Dies hat Frankfurt wohl schon immer ausgezeichnet. Eine ganz wunderbare Stadt – damals wie heute…. 

 

Wollt auch ihr euch auf eine Zeitreise zurück in alte Frankfurter Tage begeben? Einen Blick vom Dom hinab auf ein Frankfurt noch ganz ohne Skyline werfen?
Die DVD „Frankfurt wiederentdeckt“ könnt ihr online hier bestellen

Viel Freude euch beim Anschauen!

Neuer #Lesestoff für euch: „Ebbelwoijunkie“ – Kommissar Rauscher ermittelt…

Mensch, da gab’s doch tatsächlich schon länger keine Empfehlungen für neuen, heißen Lesestoff für euch von mir! Aber nicht etwa, weil ich das Lesen eingestellt hätte; im Gegenteil – ich hatte mich in der letzten Zeit lediglich vermehrt dem Schreiben gewidmet.

Geschrieben hatte ich unter anderem einen Artikel über lesenswerte Bücher aus und über Frankfurt am Main, der auf www.frankfurtdubistsowunderbar.de veröffentlich wurde. Im Zuge meiner Recherche wurde ich hierbei auf eine Krimi-Reihe aufmerksam, deren jüngstes Werk gerade erschienen ist – und deren Lektüre ich euch unbedingt ans Herz legen mag!

Nämlich die um Andreas Rauscher, seines Zeichens Kommissar bei der Kripo Frankfurt. Allein der Nachname des Ermittlers lässt erahnen, dass Autor Gerd Fischer hier eine Romanfigur erschaffen hat, die nicht nur gern über die Stränge schlägt, sondern obendrein echtes Frankfurter Original mit großer Vorliebe für sauergespritzten Apfelwein ist. Das „Stöffche“ jedenfalls ist steter Begleiter seiner Ermittlungen, gern auch schon um 16 Uhr.

Und rund um das Frankfurter Nationalgetränk dreht sich auch die Handlung der neuesten Veröffentlichung der Reihe.

 

Worum geht‘s?

Gerd Fischer hat sich für den Plot seines neusten Romans „Ebbelwoijunkie“ offensichtlich von tatsächlichen Schlagzeile inspirieren lassen: Vor gut zehn Jahren plante die europäische Union nämlich eine Richtlinie, welche den Namen „Apfelwein“ für unser Stöffche hätte verbieten sollen und das Aus für den Bembel als Schankgefäß bedeutet hätte.

 

Im  Buch geht der Autor noch einen Schritt weiter: 

Ein hochrangiger EU-Politiker plant gar einen Gesetzentwurf, der den Konsum von mehr als 200 ml Apfelwein pro Tag verbietet. Er reist eigens nach Frankfurt, um das Gesetz mit hiesigen Landespolitikern und Oberbürgermeister Feldmann auszuhandeln.

Blöde nur, dass er am Morgen nach seiner Ankunft tot auf dem Bullen vor der Frankfurter Börse aufgefunden wird. Kommissar Rauscher nimmt die Ermittlungen auf. Als er erfährt, aus welchem Grund der hochrangige Politiker nach Frankfurt gereist ist, gelingt es ihm als glühendem Verfechter des Apfelweins jedoch nicht, seine polizeiliche Professionalität zu wahren. Nach einem Eklat mit seinem Vorgesetzten wird er gar vom Dienst suspendiert, was ihn allerdings nicht davon abhält, weiterhin privat zu ermitteln. Obwohl bereits ein Tatverdächtiger ermittelt ist, glaubt Rauscher nämlich an einen ganz anderen Verlauf der Dinge. Als dann noch sein Sohn Mäxchen entführt wird, gibt es für Kommissar Rauscher dann endgültig kein Halten mehr…

 

Ein Lesetipp – nicht nur für „Ebbelwoi-Junkies“

Machen wir uns nichts vor: Der grassierende Lokalkrimi-Hype kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich mitunter eine Menge Schund unter all den Werken der lokalpatriotischen Autoren tummelt.

Umso erfreuter und überraschter war ich allerdings über meine neueste Entdeckung. Gerd Fischer ist es gelungen, mit Kommissar Rauscher nicht nur einen äußerst sympathischen Querkopf und Haudegen zu erschaffen, der mit unorthodoxen Ermittlungsmethoden auf Verbrecherjagd geht – sondern sich auch mit seiner großen Vorliebe für Apfelwein hervorragend als Identifikationsfigur für Apfelweinliebhaber wie mich erweist. Und sich in sämtlich erdenklichen Lebenslagen gerne erstmal einen Sauergespritzten einschenkt.

Man muss allerdings kein expliziter Liebhaber des Stöffche sein, um sich bei der Lektüre bestens unterhalten zu fühlen! Der Autor beherrscht die schriftstellerische Kunst, eine Handlung gleichermaßen komisch (bisweilen sogar absurd!) wie spannend aufzubauen.

Dass Frankfurtern wie mir sämtliche Handlungsorte auch persönlich bekannt sind, steigert das Lesevergnügen außerdem erheblich. Wenn die Mutter des Protagonisten als „Frau Rauscher“ bezeichnet wird, fällt es ziemlich schwer, nicht breit zu grinsen. Ein breites Grinsen dürfte ich während des Lesens jedenfalls ziemlich oft im Gesicht gehabt haben.

Ich jedenfalls habe das Buch innerhalb nur zweier Tage verschlungen – und mir im unmittelbaren Anschluss an das letzte Kapitel direkt einen weiteren Teil der Reihe um Kommissar Rauscher zugelegt.

Außerdem erwäge ich ernsthaft, es Kommissar Rauscher gleichzutun und die von ihm ersonnene Ebbelwoi-Diät zu beginnen. Hey, der nächste Sommertag im Freibad kommt schließlich schneller als man denkt!

Auch euch sei der Erwerb von „Ebbelwoijunkie“ jedenfalls wärmstens ans Herz gelegt. Am besten natürlich in einer der wunderbaren Frankfurter Buchhandlungen, gelle?!
Amazon is killing neighborhood, ihr wisst schon.

 

Gerd Fischer: „Ebbelwoijunkie“
mainbook-Verlag 2017
ISBN 9783946413912

 

 

 

 

Historisch macht hysterisch: Eine neue Chance fürs “HisMuF”

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen bereits:
Meine ganz persönliche Frankfurter Museumslandschaft gleicht bislang eher einer Kraterlandschaft. Viel zu selten habe ich mich bisher zu einem Besuch eines der so zahlreichen Museen unsere Stadt besuchen gefüllt.

Nun aber habe ich beschlossen, einen dieser Krater aufzuschütten. Dies gedachte ich ich mit einem Besuch des Neubau des historischen Museums, das ich zwar bereits einmal besucht hatte. Zugegeben, ich war mäßig beeindruckt und empfand die Ausstellung als eher schnöde aufbereitet und unansprechend. Der Fokus der Ausstellungen zu sehr auf Gründungszeit und Mittelalter, die jüngere Stadtgeschichte meiner Meinung nach sträflich vernachlässigt.

Kurzum: Kein Museum, dass der so spannenden und wechselhaften Geschichte unsere Stadt würdig ist.

Frankfurt, von dazumal bis heute

Nun aber wurde am 7. Oktober der Neubau des „HisMuF“ eröffnet. Stolze sechs Jahre dauerte es, bis der auffällige Klotz mit der schmucken Sandsteinfassade errichtet war. Er beherbergt gleich zwei neue Dauerausstellungen:
„Frankfurt Einst“ und „Frankfurt Jetzt“. Außerdem bietet er Platz für eine wechselnde Sonderausstellung sowie das „Stadtlabor“. Auch ein ganz besonderes Highlight, von dem ich bereits in der Zeitung gelesen hatte, wartet auf neugierige Besucher.

So wie mich, an diesem tristen Mittwoch Ende Oktober. Meine Neugierde ist nämlich geweckt, ich beschließe, dem historischen Museum eine neue Chance zu geben. Draußen ist’s wirklich ungemütlich – aber wann nicht ins Museum, wenn nicht an einem solch ungemütlichen und verregneten Herbsttag? Eben.

Also rauf aufs Fahrrad, rein in die Stadt. Eintritt zahlen, Rucksack ins Schließfach werfen (waaaarum immer?!), Museumsplan in die Hand gedrückt bekommen – und los geht’s! 

 

Frankfurt Einst

So wie sich das gehört, gestalte ich meinen Museumsbesuch chronologisch und beginne ihn mit einem Rundgang durch die Dauerausstellung „Frankfurt Einst“.

Die Ausstellung, die sich über gleich zwei Stockwerke erstreckt, will den Brückenschlag von der Gründungszeit bis hinein in die jüngere Vergangenheit wagen. Die Wände werden geschmückt von Zitaten einflussreicher und berühmter Stadtbürger, was mir gut gefällt. Klar, dass auch der berühmte Ausspruch des Frankfurter Mundart-Dichters Stoltze nicht fehlen darf:

„Es will merr net in mein Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“

Mir im Übrigen auch nicht.

Ich folge dem Rundgang, an der riesigen Münzsammlung schlendere ich noch reichlich teilnahmslos entlang. Nichts gegen Geld (habe ich gerne!), aber eben auch nicht das Interesse meiner ersten Wahl.

Wesentlich längere meiner Blicke ziehen dagegen die zahlreichen großen Vereinswimpel und Flaggen von Frankfurter Vereinen und Vereinigungen aus der NS-Zeit auf sich. Ich sag‘ Karl dem Großen Hallo, der – in Sandstein verewigt – über das Museum wacht.

Als ich mich schließlich inmitten einer Einbauküche befinde, ahne ich bereits: Endlich nähere ich mich der jüngeren Stadtgeschichte, die ich bislang im historischen Museum so schmerzlichst vermisst hatte. Die Einbauküche ist übrigens eine derjenigen, die im Rahmen des Wohn- und Bauprogramms „Neues Frankfurt“ weltweit erstmalig entwickelt wurde. Was in Frankfurt nicht alles erfunden wurde!

Einer der originalen Schreibtische der Frankfurter Auschwitz-Prozesse betrachte ich ebenso ehrfürchtig wie gleich ein ganzes Händler-Terminal aus der Frankfurter Börse.


Doch es sind vor allem die kleinen Exponate, die ich immer wieder entdecke und die meine Begeisterung wecken:

Das erste ausgegebene Euro-Kit vom Neujahrsmorgen des Jahres 2001. Ein selbstgezimmerter Holzstuhl aus dem Protestcamp der Ausbaugegner im Stadtwald, der dennoch der Startbahn West zum Opfer fallen sollte. Ein skurriles „Reichsautobahn-Quartett“ aus der Nazizeit, ich weiß nicht, ob ich lachen oder entsetzt sein soll.

Schier unendlich viele kleine Schätze finde ich auch in einem Nebenraum:

In einer Wand sind in verschiedenen Fächern Alltagsgegenstände der vergangenen Jahrzehnte aufbewahrt, jedes einzelne davon vermag eine Geschichte zu erzählen.

 

Und ich bin eine Weile lang damit beschäftigt, über peinliche CD-Cover, Kinderspielzeug, Unterhaltungselektronik der 1970er in grässlichen Farben und prähistorischen Lebensmittelkonserven zu schmunzeln.

Ich mag es, dass Exponate hier auch banal sein dürfen, sind sie doch ebenso sehenswert wie die „ganz großen Dinger“.

Sehenswert ist auch ein Gesamtkunstwerk, das sich aus Fotografien sämtlicher Frankfurter Moscheen zusammensetzt. Genau der große Setzkasten, mit dem einst die Stempel für den Buchdruck hergestellt wurden. Und überhaupt, Bücher, das ist ja sowieso meine Welt. Es gibt viele davon zu bewundern, abermals bin ich eine Weile beschäftigt.

Mehr als Bücher interessiert mich noch die Geschichte der städtischen Verkehrsentwicklung, die in den Ausstellungen des historischen Museums bisher konsequent ignoriert wurde. Im Neubau aber wird diese Lücke endlich geschlossen. Zwar nicht im Ausmaß, das ich mir erwünscht hätte – immerhin aber mit einem Kino-Bereich. Alte Schwarzweißaufnahmen des Alltags auf der Zeil lassen mein Herz ebenso höher schlagen wie die Szenen des U-Bahn-Baus und der anschließenden Eröffnung. Frankfurter rasten aus und entern den ersten U-Bahn-Zug, als gebe es kein Morgen mehr….

Hach, ich bin glücklich. Schon jetzt. Der Brückenschlag scheint gelungen – von Münzen aus der Kaiserzeit bis hin zum Spritzensammelwagen, mit dem Anfang der 1990er die Hinterlassenschaften der offenen Drogenszene in der Taunusanlage beseitigt wurden…

 

Frankfurt Jetzt

Dem historischen Museum gegenüber schon deutlich versöhnlich gestimmt, erreiche ich das Dachgeschoss. Dieses teilen sich die Ausstellung „Frankfurt Jetzt“ sowie das Stadtlabor Frankfurt, dessen Aktivitäten und Ausstellungen allerdings einen eigenen Beitrag wert sind.

Ich beschränke mich nun somit auf die Ausstellung „Frankfurt Jetzt!“, die den Status Quo Frankfurt am Mains dokumentieren und zum Ausdruck bringen soll, wie Frankfurter im Jahre 2017 ihre Stadt empfinden. Spannend!

Vorrangig vereinnahmt wird die Ausstellung von einem Minatur-Nachbau der kompletten (!!!) Stadt. Basierend auf einer Umfrage, an der ich selbst teilgenommen hatte, wurden die einzelnen Orte im Stadtgebiet mit allerlei humorvollen Details gespickt.

Ich werde nicht müde, immer wieder neu in der Landschaft zu versinken, bewundere das Spiel mit Klischees, das Augenzwinkern, mit dem meine Heimatstadt hier vor mir liegt. Dieses Werk macht mich hysterisch!

Ich entdecke die funkelnden Perlenketten entlang der unteren Berger Straße, Messer und Gabel auf dem Lohrberg, ein paar „Gref Völsings“-Rindswürste auf der Hanauer Landstraße. Häschen hoppeln entlang der Friedberger Anlage, ich könnte hier stundenlang stehen und staunen. Ich suche mein Nordend, werde fündig, wandere mit Blicken hinüber nach Dribbdebach. Apfelweingläser, der Henninger-Turm, dahinter Wald. Wahnsinn! 

Nach einer gefühlten Ewigkeit reiße ich mich los von diesem phänomenalen Kunstwerk, das zu erschaffen eine noch viel größere Ewigkeit in Anspruch genommen haben muss.

Eine von einem Vorhang verhangene Box soll mein nächstes Ziel sein, „Aufnahme läuft!“ verkündet ein Leuchtschild. Ich verschwinde darin, setze mich vor einen großen Bildschirm. Eine Frankfurt-Rundreise kann ich hier machen, selbst auswählen, an welche Orte mich diese führen soll. An einigen davon lassen sich Selfies machen, die anschließend per E-Mail in den eigenen Besitz wandern.

Ich nutze noch einmal die Gelegenheit, um dem Goethe-Turm einen letzten Besuch abzustatten.

 

 

Nur virtuell, versteht sich – und noch einmal genieße ich die Aussicht auf die Stadt hinunter, mache zur Erinnerung ein Selfie.

Ein ganz, ganz dickes Kompliment an die Macher, eine solche „Reisebox“ ist eine wunderbare Idee – die selbst Frankfurtern Spaß macht, die ihre Heimat aus dem Effeff zu kennen glauben.

Immer noch schier überwältigt von Dimension und Detailtreue des Frankfurt-Modells steige ich die Treppen hinab ins Untergeschoss… denn das vermeintlich „Beste“ hab‘ ich Fuchs mir ja für das Ende aufgehoben!

 

Kinnlade runter:
Eine Schneekugel macht sprachlos

Eingangs erwähnte ich bereits ein ganz besonderes Highlight, von dem ich bereits in der Zeitung gelesen hatte – und auf das ich mich ganz besonders freute.

Nun, liebe Leser und Leserinnen, haltet euch gut fest:

Das „Highlight“ ist eine riesige Schneekugel in einem dunklen Raum. In diese Schneekugel wird im Wechsel vollautomatisch (!!!!) eines von insgesamt acht im Kellergeschoss lagernden Modellen von einem Roboterarm (WTF!!!) in die Schneekugel gehoben, in der es sich anschließend acht Minuten lang dreht.

Während dem Wechsel der Motiv-Scheiben lässt durch die Schneekugel herab der Roboterarm bei seiner Arbeit betrachten. Wie von Geisterhand greift er eine der großen Scheiben und wuchtet sie anschließend in die Kugel hinein. Welch irres Spektakel!

Wenn sich das Modell dann erst einmal sanft in der Kugel dreht, werden auf den Leinwänden, die den Raum um 360 Grad umgeben, dem Modell entsprechende Aufnahmen gezeigt.

Jedes der acht Modelle soll einem Gesicht Frankfurts nachempfunden sein. So tragen die Modelle Namen wie „Frankfurt – die heimliche Hauptstadt“, „Frankfurt – die Geldstadt“, „Frankfurt – Hauptstadt des Verbrechens“, aber auch „Frankfurt – die ewige Baustelle“:

Die Zeit, in der man die Szenerien des gerade jeweils ausgestellten Modells in der Schneekugel begutachten kann, empfinde ich als äußerst knapp bemessen.
DETAILS! ÜBERALL DETAILS!

Es fällt schwierig, den Mund wieder zu schließen.

Es fällt ebenso schwierig, den Blick von der futuristischen Kugel abzuwenden. Gelingt dies aber, kann man in der Decke mittels Spiegel die Passanten sehen, die von außen einen Blick auf die Kugel herabwerfen. Das Spektakel lässt sich also auch genießen, ohne Eintritt für das Museum zahlen zu müssen.

Ich bin geflasht, sowas habe ich noch nie gesehen.
Im Museums-Café versorge ich mich mit Koffein, rauche eine Zigarette.
Lasse all die Eindrücke der letzten Stunden sacken und überlege:
Muss ich meine Meinung über das historische Museum etwa revidieren?

Chance genutzt oder vertan?
Fazit eines Stadtliebhabers

Ich muss. Und zwar eindeutig.
Mit der Ausstellung „Frankfurt Einst“ hat das Museum endlich auch die jüngere Stadtgeschichte gewürdigt. Ich weiß gar nicht, an welche Teile der Ausstellung ich mich künftig am liebsten erinnern soll. All die frischen Ideen wie die Alltagsgegenstände in den Schaufenstern, die begehbare Einbauküche, all die kleinen und dennoch so wertvollen Exponate? Die nicht erwarteten Entdeckungen wie der Spritzensammelwagen?

Einzig dem Thema „Öffentlicher Nahverkehr“ hätte man sich meiner Meinung nach  etwas ausgiebiger annehmen können, doch ist dieser auch meiner persönlichen „Steckenpferde“: Das Frankfurt-Modell im Dachgeschoss macht sprachlos, allein hier hätte ich den gesamten Nachmittag verbringen können.

Ferner hat das Museum endlich ein zeitgemäßes Museums-Erlebnis geschaffen.
Eine virtuelle Stadtreise, deren Weg selbst bestimmt werden kann, auf der man Erinnerungsbilder an den eigenen Frankfurter Lieblingsorten schießen kann – das ist eine ganz ganz tolle, frische Idee.

Besonders ins Schwärmen brachte mich auch die offene Gestaltung des Museums. Ich kam mir nicht – wie in manch Museum – „eingesperrt“ vor, denn die Fensterfronten sind großzügig gestaltet. Es ist ein ganz besonders tolles Gefühl, hinauszuschauen und draußen den Alltag der Stadt zu beobachten, über deren Geschichte man sich gerade informiert.

UND HATTE ICH EIGENTLICH BEREITS  DIE SCHNEEKUGEL ERWÄHNT?

Fuck, auf sie komm‘ ich immer noch nicht wirklich klar.
Allein sie wäre jedes Eintrittsgeld der Welt wert gewesen.
Und wer sie nicht anschaut, der ist selbst dran Schuld!

 

Liebes Historisches Museum, wir sind wieder gut miteinander.

Du hast deine Chance genutzt, mit einem wunderschönen Neubau und zwei neuen Ausstellungen endlich einen Ort der Bewahrung und Erinnerung zu schaffen, der unserer Stadt würdig ist und ihrer wechselhaften Geschichte würdig ist.

Und ich? Ich komme auch gern ein drittes Mal….

 

 

 

 

…. und ihr so?

Habt auch ihr schon mal reingeschaut und euch auf eine Reise durch die Geschichte unserer Stadt begeben? Wie hat es euch gefallen?

Falls nicht, dann solltet ihr euch spätestens jetzt auf die Socken machen. Allein schon, um die Schneekugel zu bestaunen. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie großartig sie ist?

Weitere Infos findet ihr auf der Homepage des Museums: 

www.historisches-museum-frankfurt.de 

Wenn ihr das Museum nicht auf eigene Faust entdecken wollt, erfahrt ihr dort auch, wann die regelmäßigen Führungen durch die Ausstellungen stattfinden.

Und vergesst mir die Schneekugel nicht!!! 

 

 

 

Spuk und Schaudern im Sendesaal: Zu Gast bei der Vorab-Premiere des neuen Frankfurter „TATORT“

Als Fan betrachte ich das TATORT-Schauen zum Sonntagabend als meine allererste Bürgerpflicht. Erst recht natürlich (da bin ich ganz Lokalpatriot!), wenn der hessische Rundfunk seine Kommissare auf Verbrecherjagd durch meine Heimatstadt schickt.

Blöde nur, wenn ich meiner Bürgerpflicht aufgrund dienstlicher Verpflichtungen nicht nachkommen kann.

So auch leider Gottes am Abend des 29. Oktober, wenn Kommissar Brix mit seiner Kollegin in ihrem nunmehr sechsten Fall „Fürchte dich!“ Schurken und Ganoven das Handwerk legen.

Danke, Amor!

Amor scheint‘s nicht gut mit mir zu meinen. Jedenfalls drohen in der Liebe nun zwar Pleiten, Pech & Pannen, allerdings habe ich dem Sprichworte gemäß habe eine ordentliche Portion Glück serviert bekommen!

Glück in Form von zwei Karten für die Vorab-Premiere des neuen Frankfurter „TATORT“ im Sendesaal des hessischen Rundfunks, um genau zu sein. Dass ich meine Teilnahme am Gewinnspiel der Frankfurter Rundschau längst vergessen hatte, schmälerte meine Freude über meinen Gewinn natürlich keineswegs!

Die Premiere bereits 10 Tage vor der Erstausstrahlung findet im imposanten Sendesaal des HR statt und ist neben glücklichen Gewinnern wie mir den  Mitarbeitern des HR, der Produktionsabteilung sowie den Schauspielern vorbehalten.

A propos Schauspieler:

Ob die wohl in echt auch so aussehen wie im Fernsehen?

Diese Frage stelle ich mir, während ich mitsamt bezaubernder Begleitung das Foyer des Hessischen Rundfunks im Dornbusch betrete. Dass hinter meinen beiden Lieblings-Ermittlern letztlich Schauspieler stecken, vergesse ich nämlich geflissentlich.

Meine Frage ist schnell beantwortet, nachdem wir unsere Plätze im riesigen Sendesaal eingenommen haben: Obwohl zahlreiche Sitzreihen entfernt, entdecke ich die feuerrote Haarpracht von Zazie de Paris, die Kommissar Brix‘ alte Schulfreundin und Mitbewohnerin Fanny spielt.

Auch Wolfram Koch aka Kommissar Brix entdecke ich einige Reihen vor mir – jawoll, schaut ganz aus wie im TV! Seine Kollegin Margarita Broich indes ist leider wegen Dreharbeiten verhindert. Schade, aber sei‘s drum – ich freu‘ mich, hier zu sein! Soll doch Deutschland erst in 10 Tagen in den Genuss des neuen Streifens kommen, ich schau‘ ihn heute schon – und kann dann am 29. Oktober entspannt meinen Dienst verrichten…

 

Creepy, verstörend & Banane: Ist das hier noch ein TATORT?

Ja, und dann geht’s auch schon los – das Licht geht aus, das legendäre Intro flimmert über die große Leinwand über unseren Köpfen.

Über die nun folgenden 90 Minuten könnte ich jetzt eine Menge schreiben, mach ich aber besser nicht. Will euch ja die Vorfreude nicht verderben!

Nur soviel vorab:
Dies ist der definitiv ANDERSTE „TATORT“ aller Zeiten!

Ein astreiner Horror- statt Kriminalfilm, eine vollkommen absurde Handlung mitsamt einer Vielzahl übernatürlicher Elemente und Schockmomenten. Und dennoch habe ich mich keine Sekunde lang gelangweilt, habe bis zum Ende gespannt und oft ungläubig auf die Leinwand gestarrt. Großartige Leistungen der Schauspieler, technisch und atmosphärisch perfekte Bilder – WOW!

Das Publikum teilt meine Begeisterung und rastet unmittelbar nach dem Abspann denn auch gepflegt aus.

Nachdem sich die Nerven wieder beruhigt haben ist noch Zeit genug, um Autogramme der Schauspieler abzustauben und einen kleinen Plausch zu halten.

Zum Abschluss übe ich gemeinsam mit meiner Begleitung schon einmal unsere Rolle als das neue Ermittler-Duo des HR-TATORT ab… äh, sagen wir mal 2031.

Wie gesagt: Wir üben noch.

 

Einschalten !!!

Freunde, dieser TATORT ist ein Muss! Diesen verrückt-abgedrehten-paranormalen Wahnsinn dürft ihr euch nicht entgehen lassen. Wenn ihr bereits einen kleinen Vorgeschmack auf all das spooky Geschehen, das euch zur Erstausstrahlung am Abend des 29. Oktober erwarten wird, erhalten wollt – dann empfehle ich einen Blick in den offiziellen Trailer:

Von mir gibt‘s zum Abschluss noch ein fettes Kompliment an den Hessischen Rundfunk für den bewiesenen Mut und eine derartige Experimentierfreude!

Diese 90 Minuten waren ein Genuss, der nun erstmal sacken muss. Wahnsinn!

 

Hörfunk aus dem Pavillon: Reingeschaut bei „Radio X“

„Radio hören“, das ist für mich eigentlich so ziemlich 1998.
Ein Relikt aus dem früheren Jahrtausend eben, süße Erinnerung.

Es ist jedenfalls lange her, dass ich Freitagabends in meinem Jugendzimmer vor meiner Kompaktanlage saß und das perfekte Timing abpasste, um meine Lieblingslieder aus der „Rob Green Show“ auf Kassette aufzunehmen. Mein Walkman, der wollte schließlich gut bestückt werden, um anschließend mit dem heißesten Scheiß auf den Bändern der King im Schulbus zu sein.

Wenn ich daran zurückdenke, muss ich schmunzeln. Ist das wirklich schon so lange her? Längst ist das Radio jedenfalls Spotify, Soundcloud und meinen Schallplatten gewichen. Die Rundfunklandschaft dagegen? Sie interessiert mich längst nicht mehr.

Eine Ausnahme bildete hierbei stets eigentlich nur „Radio X“, das ich zwar viel zu selten verfolge – dem ich aber als freier Frankfurter Hörfunksender eine große Sympathie entgegenbringe.

Schon seit der vollständigen Liberalisierung des deutschen Hörfunks im Jahr 1997 sendet Radio X als Stadtradio ein buntes, unkonventionelles Programm, gestaltet und moderiert von ehrenamtlichen Musik- und Kulturliebhabern.

 

Und das bedeutet: 20 Jahre „RadioX“!

„Radioprogramm von Menschen aus Frankfurt und dem Umland – für Frankfurter und Menschen aus dem Umland“ ist Devise des sympathischen Senders mit dem so angenehm alternativem Programm.

Üblicherweise wird aus dem eigenen Studio in Bockenheim gesendet, für die Jubiläumswoche vom 21. bis zum 28. September hat man allerdings einen ganz besonderen Sende-Standort gewählt:

Den Saasfee*-Pavillion des gleichnamigen Frankfurter Künstlerkollektivs, das von Beginn an mit einem eigenen Format auf Radio X vertreten war.

Eine ganze Woche waren lang alle Hörer und Interessierten dazu eingeladen, das provisorische Studio in der Bleichstraße zu besuchen und den Radiomachern beim Produzieren ihrer Live-Sendungen zuzuschauen.

Muss ich überhaupt erwähnen, dass ich diese Chance nicht verstreichen ließ?

 

On Air am Tapeziertisch

Es ist später Dienstagabend, als ich – soeben aus Berlin gekommen – nach einiger Sucherei den gut versteckten Pavillon in einem unscheinbaren Hinterhof erreiche.
Als ich eintreffe, wird gerade live die Sendung „the supernova corp. – Indie-Labels zwischen 1997 bis 2017“ produziert und über den Äther gejagt. Hui, ist das spannend! .

Ich nehme neben einigen anderen gebannt auf die Moderatoren Starrenden platz und beobachte das Geschehen. Das Studio vor mir sieht reichlich improvisiert aus: Ein langer  Tisch, darauf stapeln sich Mischpult, gleich mehrere Plattenspieler, CD-Player als deren neuartiges Pedant, überall Kabel.

„ON AIR“ verkündet ein Leuchtschild, dahinter die Moderatoren. Links bedient der Tontechniker irgendwelche hoch komplexen Techniktürme, von denen ich erst recht nichts verstehe. Ich sehe Kopfhörer und Mikrofone. Mehrere davon.

Noch mehr Kabel, nee, blick‘ ich nicht durch. Aber bin ja nicht hier, um Toningenieur zu werden.

Weiter im Programm!

Wenn ich daran denke, dass dies hier nur eines von rund 90 Formaten auf Radio X ist, dann bekomme ich fast ein schlechtes Gewissen. Wie oft finde ich selbst noch die Gelegenheit, einzuschalten? Zu selten, stelle ich fest.

Es ist auf die Sekunde genau 23 Uhr, als Moderator Roberto pünktlich an Alissa & Kan übergibt.  Die beiden jungen Damen übernehmen im Untergeschoss des Pavillon mit ihrem Format „Kanalak“ das Programm und senden für den Rest der Nacht elektronische Klänge per UKW hinaus in die große,weite Hörfunkwelt.

Moderator Roberto hat nun Feierabend. Ich nutze die Gelegenheit, um ihm ein paar Fragen zu stellen, die mir auf dem Herzen liegen. Roberto erweist sich auch ohne Mikrofon vor dem Gesicht als angenehmer und geduldiger Gesprächspartner.
Ich freue mich.

 

„Ganz sicher: Radio hat Zukunft!“ 


Gude, Roberto!
’nen schönen Feierabend dir erst einmal! Schön, dass du dir kurz Zeit für mich nimmst. Ich unterstelle dir einfach einmal, all dies hier nicht hauptberuflich zu machen. 
Wie kamst du also zu dem recht ungewöhnlichen Hobby, Radio zu machen? 

Das hat sich irgendwie ergeben (lacht). Eigentlich fing es mit einem Besuch unserer Austauschschule an. Die hatte nämlich einen eigenen Radiosender, was ich unglaublich spannend fand. Ich habe – wieder zu Hause – dann Radio X entdeckt, und bin über das „Hörerfenster“ in Kontakt mit den Machern gekommen. Ich hatte richtig Lust drauf, mitzumachen – und sammelte erste Erfahrungen als Redakteur bei der Sendung „x wie raus“. Und seit mittlerweile sieben Jahren sitze ich nun schon selbst am Mikrofon!

Nun stellt sich mir die Frage: Hörst du als Radiomacher überhaupt selbst noch Radio? 

Auf jeden Fall! Klar, ich höre natürlich nicht das durchformatierte Programm von „Hit Radio FFH“. Aber abseits des Mainstreams, da gibt es so viele spannende Sender und Formate zu entdecken – und es macht mir immer wieder großen Spaß, einzuschalten!

… und was bereitet dir am RadioMACHEN die meiste Freude?

Alleine schon die Zusammenarbeit mit unserem Team! Wir alle haben die unterschiedlichsten Hintergründe und Berufe, leben unterschiedliche Leben. Und dennoch teilen wir eine Leidenschaft: Das Radio.

Es ist immer wieder schön, sich gegenseitig zu inspirieren. Und beim Vorbereiten meiner Sendung bekomme ich immer wieder neuen Input. Ich bekomme beispielsweise Hörproben gesendet, die mich begeistern – und stoße auf diese Art und Weise auf Musik, die ich wohl ansonsten nie für mich entdeckt hätte.

Konventionelles Radio misst sich gerne an der Einschaltquote. Wie sehr interessiert dich eigentlich deine eigene? Würdest du auch moderieren, wenn dir niemand zuhörte? 

Natürlich! In erster Linie mache ich Radio, weil es mir Spaß macht. Und irgendwelche Quoten, die  erfahre ich eigentlich gar nicht. Und doch bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie oft Hörer sogar nach einer Sendung anrufen und sich für mein Programm bedanken. Das ist eine schöne Art der Bestätigung!
Radio machen, das ist für mich niemals Zeitverschwendung, solange auch nur ein einziger Hörer Freude an der Sendung hat.

Die größte Frage, die ich mir persönlich stelle, lautet: 
Hat das Radio als Medium überhaupt eine Zukunft? 

Auf jeden Fall! Klar, Radio wird in Zukunft immer weniger linear sein. Das Fernsehprogramm wird bereits zunehmend in den Mediatheken abgerufen. Auch die Art, Radio zu hören wird sich ändern – etwa in Form von Podcasts.
Aber eine Zukunft, die hat das Radio in jedem Fall!

… und die sei ihm gegönnt! Danke dir für deine Zeit! 

 

Öfters mal reinhören

Ich verabschiede Roberto in seinen wohl verdienten Feierabend. Doch eine Frage, die brennt mir noch unter den Nägeln: Wie zum Teufel gelangt das Programm von diesem chaotischen Tapeziertisch aus zu den Hörern? Wird es von Zauberhand in Ultrakurzwellen transformiert?

Aus einem neugierigen Impuls heraus schnappe ich mir Tontechniker Alex, der sich ebenfalls viel Zeit für mich und meine Fragen nimmt. Ausführlich erzählt er mir von Tonsignalen, Mischpulten, DSL und Standleitungen zum Europaturm. Vom Kabelnetz, Internet und Smartphone-App. Und am Ende, da gestattet er mir sogar einen Blick aus nächster Nähe auf das Equipment der DJanes im Untergeschoss.

Wow, dieser Besuch hat sich gelohnt! 
Als ich weit nach Mitternacht zu Hause bin, mache ich mir Gedanken. Und teile am Ende Robertos Auffassung: Ja, das Radio hat Zukunft. Nicht in seiner klassischen Form, das mag sein – aber ein unkonventionelles Programm voll Herzblut, wie Radio X es bietet: Das wird auch weiterhin hörenswert bleiben. 

Ich jedenfalls wünsche RadioX  und all seinen fleißigen Radiomachern nur das Beste für die nächsten 20 Jahre – und nehme mir fest vor, künftig öfters mal einzuschalten.

Wollt auch ihr mal reinhören?
Dann klickt einfach auf den Livestream! 

Sehenswert: Hessenschau zur Eröffnung der U-Bahn 1968. Die „gute, alte Zeit?“

 

Ich schau‘ ja nur selten Fernsehen.

Wenn ich nachts um 2 vom Dienst nach Hause komme, dann klicke ich mich eben lieber durch Youtube – statt mir im Fernsehen Wiederholungen sinnbefreiter Doku-Soaps im Privatfernsehen oder Reportagen über Verschrottungen von Flugzeugträgern auf N24 anzuschauen.

Klar, auch Youtube hält jede Menge Videos fragwürdigen Mehrwerts bereit. Allerdings auch viele, die mein stadtgeschichtlich interessiertes Frankfurter Herz höher schlagen lassen!

Wie zum Beispiel auch mein jüngstes Fundstück:
Die Sonderausgabe der „Hessenschau“ zur Eröffnung der Frankfurter U-Bahn im Jahre 1968.

 

Eine Reise in die „gute, alte Zeit“

Findet ihr es nicht auch herrlich, auf alten, schwarz-weißen Filmaufnahmen ein wenig am Duft der „guten, alten Zeit“ zu schnuppern?

An mich selbst war 1968 noch lange nicht zu denken, und mit großer Sicherheit war unsere Welt auch damals nicht voll Sonnenschein. Dennoch wirkt das damalige Leben auf mich in der Retrospektive immer ein großes Stück weit entspannter. Ein wenig naiver vielleicht, ja -. aber vor allem: Lockerer.

Ein Bürger im Sonntagsanzug, der in breitestem hessisch in das überdimensionale Mikrofon eines akkurat gescheitelten Moderators spricht. Ein Hoch auf die Frisurcreme!

Dichtes Gedränge am frisch eröffneten Tiefbahnsteig. Hostessen mit Schiffchen sollen für Ordnung sorgen, auch eine von ihnen wird vom Moderator interviewt.

„Wir sollten irgendwelche Ordnung schaffen, das ist uns aber nicht gelungen“, sagt die adrette junge Frau. ganz unverblümt. „Dann haben wir Polizeischutz geholt, und anschließend wurden wir eingesetzt, um irgendwie freundliich zu sein“.

Ich möchte sie knuddeln für ihre Hilflosig- und Ehrlichkeit. Was aus ihr heute wohl geworden ist?

 

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: „Pietschmann2“, Wikipedia 

 

U-Bahn? Schon längst nur schnöder Alltag

Wie oft eilen wir heute gestresst durch die unterirdischen Wirrungen der Frankfurter U-Bahn-Stationen? Das Fahren mit der U-Bahn ist für Frankfurter im Jahre 2017 schon längst nichts weiter als Bestandteil des schnöden Alltags.

Ist es nicht umso schöner, einmal zu sehen, dass eine U- Bahn eben NICHT selbstverständlich ist? Dass es mitunter ein langer Kampf war, dass sich aus der Bevölkerung auch viel Widerstand regte?

Längst rollen weitaus modernere Züge durch die Tunnel als jene, die zur Eröffnung feierlich geschmückt wurden. Und längst denkt niemand mehr an das Spektakel, das auf dem Bahnsteig der Hauptwache vor fast 50 Jahren stattfand.

Wenn ich das nächste Mal wieder genervt vom Gedränge der Hauptwache bin, dann werde ich kurz innehalten – und mir die Szenen aus der „Hessenschau“ vor Augen halten.

Ich werde kurz innehalten und schmunzeln. Werde an den Herren im Sonntagsanzug denken, an die überforderte Hostesse unter ihrem Schiffchen.
An Frisiercreme.

Und werde vor allem eines: Einfach mal kurz dankbar sein.

 


Stöbert auch ihr so gern auf Youtube herum? Welche Perlen der Frankfurter Stadtgeschichte konnte ihr dabei schon ausgraben?
Verratet es mir gerne – ich bin schon ganz gespannt!