36 Lieblingsorte – Teil IV/IV

In den ersten drei Teilen (Klickt hier für den ersten, für den zweiten und den dritten Teil) meiner Bilder-Serie „36 Lieblingsorte“ habe ich euch bereits 27 meiner Frankfurter Lieblingsorte vorgestellt. 

In Szene gesetzt auf Film. In schwarz und weiß, nicht perfekt und nicht gestellt.
So, wie meine Lieblingsorte eben sind: Mal lebendig, mal still, mal unscheinbar, mal beeindruckend.

Doch was sie allesamt sind wunderbare Flecken Frankfurts, die es zu erkunden lohnt.

In diesem letzten Teil meiner Bilderserie präsentiere ich euch die nächsten 9 meiner ganz persönlichen Frankfurter Lieblingsorte. Begleitet mich auf meinem Streifzug durch die Stadt – wieder einmal ganz unter dem Motto meiner Serie:

„Ein Film. 36 Aufnahmen. 36 Orte. 36 Leidenschaften.“

Ich wünsche viel Freude beim Betrachten und Entdecken – und bin schon jetzt gespannt auf euer Feedback!


Im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld fristeten schon im dritten Reich Kriegsgefangene ihr eingesperrtes Dasein. Und noch bis ins Jahr 2002 wurde das Gebäude als Abschiebe-Haftanstalt genutzt. 

Nachdem es von der Polizei aufgegeben wurde, besetzte die Initiative „Faites votre Jeu“ die Räumlichkeiten des Gebäudes inmitten der Innenstadt, unweit der östlichen Zeil.

Seitdem wird es von dieser als Veranstaltungsort und Mahnmal genutzt.
Jeden Samstag können auch neugierige Besucher die Gefängnistrakte erlaufen und die Zellen betreten.

Ein Besuch des „Klapperfeld“ bereitet mir stets aufs neue Gänsehaut.
Undenkbar, dass an diesem Ort – nur wenige Meter von der Lebendigkeit der Innenstadt entfernt – Gefangene hier ihren tristen Alltag verbringen mussten.

Unvorstellbar, was es bedeuten muss, umgeben von nackten Betonwänden leben zu müssen. Unbeschreiblich das Gefühl, die eingeritzten Botschaften ehemaliger Gefangene in den Zellen zu betrachten.

Dieser Ort macht nachdenklich und schockiert. Und dennoch – oder gerade deswegen? – zählt er unbestritten zu meinen Lieblingsorten dieser Stadt.

 

Der Frankfurter Ostpark begeistert mich schon, seitdem ich Frankfurt als meine Wahlheimat erkoren habe. Anfangs nur zum Sport genutzt, so offenbarte er mir im Laufe der Zeit immer mehr seiner – teils versteckten – Vorzüge.  

Bereits 1907 im Frankfurter Osten als Naherholungsgebiet gestaltet, so ist dieser weit mehr als ein schlichter Park:

Während im nördlichen Teil Gartenanlagen, Wald und Bach den Park dominieren, ist das Zentrum des Parks eine riesige Wiese. Auf Teilen dieser darf sogar gegrillt werden, sodass der Park in jedem Sommer zum Eldorado für Freunde von Bratwurst und Steak wird. Rauchschwaden ziehen weithin sichtbar auf, während nebenan Kinder Frisbee spielen und die „Großen“ beim Fußball ihr Können messen.

Ja, der Ostpark strotzt nur so vor Lebendigkeit. Und zu dieser gehören auch die Menschen, die kein schönes Los gezogen haben. An der Trinkhalle starren schon morgens Obdachlose abwechselnd in ihre Wodka-Flasche und auf den See, der Nilgänse anzieht wie kein anderer Ort der Stadt.

Und in einem Gebäude, das hier irgendwie gar nicht hin zu gehören scheint, betreibt die Stadt sogar einen Druckraum, in dem harte Drogen unter hygienischen Bedingungen unter fachkundiger Aufsicht von Sozialarbeitern konsumiert werden dürfen.

Nicht weit weg davon, im Süden des Parks, toben Kleinkinder auf den Spielplätzen und sitzen mit ihren Vätern auf den Bänken am Weiher. Während Jogger ihre Runden auf den breiten Wegen ziehen, die den Park umrunden.

Wie typisch dieser Park doch ist für diese Stadt. Lebensfreude trifft auf Elend, arm auf reich und Schönheit auf Abgründe. Ein gelebtes Miteinander in nur scheinbarer Idylle. Und genau deswegen ein Lieblingsort.

 


Das „Café Awake“ mag ich nicht nur deswegen so gerne, weil ich quasi direkt daneben wohne. Es versteckt sich im Erdgeschoss des Hochhauses „Büro-Center Nibelungenplatz“ gegenüber der Fachhochschule. Kein gewöhnlicher Ort für ein gemütliches Café also, ein Besuch lohnt dennoch jederzeit! 

Nicht nur Studenten wissen die heimelige Atmosphäre und den frischen (und fair gehandelten) Kaffee zu nutzen. Auch Berufstätige jeden Alters machen es sich Tag für Tag auf den Polstermöbeln oder an den Fenstern gemütlich, um am Notebook zu arbeiten, in Ruhe zu lesen oder Meetings abzuhalten.

Viele meiner Artikel sind hier entstanden, und wenn ich am Fenster sitze und den stetigen Verkehr auf der Friedberger Landstraße beobachte, dann fühle ich mich ganz wunderbar frei im Kopf. Und kann mich bestens konzentrieren, während das stets charmante Personal mit viel Herzblut für mein Wohlergehen und einen gleichbleibenden Koffeinspiegel sorgt. Unnötig zu erwähnen, dass es hier nicht nur W-LAN, sondern auch Sojamilch gibt.

Lasst euch von Lage und Bürohochhaus nicht abschrecken und schaut doch mal auf einen Kaffee bei diesem Lieblingsort vorbei!

 


Das „FLEMING’S DELUXE HOTEL“ am Eschenheimer Tor ist dermaßen geil und Pflicht-Besuch, dass ich ihm direkt drei Bilder widmen muss. Warum ausgerechnet ein Hotel für einen Frankfurter wie mich als Lieblingsort zählt?
Dafür gibt’s gleich mehrere Gründe…. 

Nicht, dass ich hier jemals übernachtet hätte. Wieso auch – schließlich hab‘ ich meine eigene Wohnung in der Stadt. Wobei – wenn ich mal überlege, was ich pro Nacht an Miete für diese bezahle… egal.

Ich bin dennoch immer wieder gerne hier, weil das Gebäude ein echtes Relikt beherbergt:

Einen Paternoster, mit dem auf die Dachterrasse gefahren werden kann. Eine Paternoster-Fahrt, das ist für mich immer wieder aufs Neue ein echtes Abenteuer! Auch wenn ich bereits einmal stecken geblieben bin… Aber ich will euch ja keine Angst bereiten!

Oben angekommen, so bietet die Hotelbar nicht nur hervorragende (wenn auch nicht ganz günstige Drinks):

Die Aussicht hinunter auf die Stadt ist unbeschreiblich. Und es gibt für mich nichts schöneres, als mit einem guten Drink in der Hand hinunter auf die Stadt zu starren. Den Verkehr zu betrachten, der sich wie auf einer Modell-Landschaft durch die Straßen schlängelt – und auf Augenhöhe mit dem Eschenheimer Turm diesem „Hallo“ zu sagen, welcher auf etwa gleicher Höhe die Stadt überragt.

Zurück nach unten nehme ich dann stets den Weg über das Treppenhaus, welches kein typischeres Beispiel für die Architektur der 1950er – Jahre abgeben könnte. Schade, dass im Jahr 2017 kein Zigarrenrauch mehr in der Luft liegt.

 


Jawollja, ich gestehe: Ich bin eine echte Leseratte. Nicht, dass ich jemals meine Wohnung ohne gutes Buch im Gepäck verlassen würde. Und meine Bücher, die beziehe ich tatsächlich nur ungern bei Amazon & Co. 

Ein wahres Paradies für Schmöker-Freunde und Rückzugsort für alle Leseratten ist nämlich die Filiale des „Hugendubel“.

Auf nicht weniger als vier Etagen – verbunden über Rolltreppen – lässt es sich hier stundenlang abtauchen in die Welt der Literatur. Egal, ob ich auf der Suche nach einem ganz bestimmten Buch bin oder lediglich nach Inspiration: Hier werde ich immer fündig.

Der „Hessen Shop“ ist hier ebenfalls mit eigener Filiale vertreten, sodass ich eigentlich immer fündig werde. Im Untergeschoss lassen sich dann bei duftendem Kaffee die Zeilen der neu erworbenen Druckwerke genießen. Stundenlang. So schnell vergessen die Hektik dieser Welt vor der Eingangstür, so schnell vergessen ist auch die Zeit:

Ehe ich mich versehe, sind schon wieder oft die Stunden verstrichen und einmal wieder viel Geld für Bücher gelassen.

Was soll’s auch: Lesen ist toll, und wenn es so etwas wie das Epizentrum des Lesens gibt, dann ist es zweifelsfrei das „Hugendubel“.

Noch nie hier gewesen? Schaut mal vorbei! Und bringt Zeit mit …

 

Das „Yok Yok“ im Frankfurter Bahnhofsviertel ist eigentlich nichts weiter als ein Kiosk. Aber eben nur eigentlich. Längst ist aus ihm nämlich ein kultiger Treffpunkt von Menschen aller Art entwickelt, die sich hier an Gesprächen, Musik und einem kalten Bier erfreuen. 

Und kaltes Bier, das gibt’s hier zu Genüge: Unzählige Sorten aus aller Welt warten in den vielen Kühlschränken auf Besucher. „Einfach mal auf ein Bier vorbeischauen“, das machen hier viele. Und oftmals mutiert das Kiosk abends sogar zum Afterwork-Treff und ist brechend voll.

Auch ich hab‘ hier schon manch interessantes Gespräch geführt und bin dann doch länger geblieben als geplant. „Geht nicht, gibt’s nicht“ – das bedeutet „Yok Yok“ nämlich – ist hier wirklich Motto. Sogar Schallplattenbörsen finden hier regelmäßig statt. Und wenn am Sonntag mal wieder Klopapier oder Deo alle sind: Keine Panik. Gibt’s hier natürlich auch.

Und weil ich diesen verrückten Ort so mag, habe ich ihm bereits einen eigenen Artikel gewidmet. 

 

Eine weitere Oase im sonst wohl hektischsten Teil der Stadt ist der barocke Bürgergarten der Eschenheimer Anlage. Wenn mir einmal wieder alles zu viel wird und der chinesische Garten zu weit weg ist – dann tauche ich hier kurz ab. Atme durch. Und nur nach einer kurzen Zeit  geht’s mir wieder besser. 

Auf den Bänken lässt es sich wunderbar verharren – das wissen auch viele Pärchen zu schätzen. Der Medusenbrunnen zieht mich immer wieder neu in seinen Bann, ebenso die alten Mauern, die den Garten umgeben.

Und das physische Denkmal ist darüber hinaus mindestens genauso sehenswert wie die akkurat angelegten Beete. Ein wahrhaft edler (Lieblings-)Ort!


Manch einer von euch mag nun etwas irritiert sein. Ausgerechnet ein FRIEDHOF als Lieblingsort? Ganz richtig, wenn auch – zugegeben – vielleicht etwas ungewöhnlich. Doch besuche ich den Frankfurter Hauptfriedhof einfach sehr gerne. 

Ja, ich jogge sogar sehr gerne hier. Warum ich das tue – dies habe ich versucht, in einem eigenen Artikel zu erklären. Hinter den hohen Mauern verbirgt sich ein riesiges Areal, dass es allemal zu erkunden lohnt. Im östlichen Teil findet ihr den jüdischen Friedhof, der mit seinen verwitterten und verfallenen Grabsteinen, die fast ein wenig unheimlich wirken, ein wertvolles Zeugnis und Mahnmal unserer Geschichte sind.

Auch im eigentlichen, städtischen Friedhof kann man sich schnell verlaufen. Was aber nicht weiter schlimm ist, denn neben teils sehr aufwendigen Gräbern findet man eine schöne Bepflanzung, schöne Bauten und eine Gruften-Zeile, die mir den Atem raubt. Auf mehreren hundert Metern Länge reiht sich hier Skulptur an Skulptur, jede einzelne eine Augenweide.

Und, so merkwürdig es klingen mag:

Ich mag es, an die eigene Endlichkeit erinnert zu werden. Betrachte gern die Namen und Daten auf den Grabsteinen, schicke einen stillen Gruß und überlege mir, wer der Verstorbene wohl gewesen sein mag. Ein stiller Ort der Gedanken. Mitten in Frankfurt.


Und noch ein Lieblingsort, der doch eigentlich nur ein Kiosk ist.
Mitten in Bornheim gelegen, war das „Kiosk 45“ eine meiner ersten Entdeckungen in Frankfurt. Ich wohnte nämlich einst direkt nebenan. 

 

Damals war ich vor allem begeistert von den Öffnungszeiten: Bis spät in die Nacht konnte man hier nach Feierabend noch ein Kaltgetränk mit nach Hause nehmen. Und auch vor vielen Jahren schon war die Auswahl für ein Kiosk durchaus ansehnlich.

Der liebe indische Besitzer sitzt meist etwas verträumt – aber immer mit seligem Lächeln im Gesicht! – an seiner Kasse, berät aber die Kunden gern ausführlich und schlägt mit seiner Gastfreundschaft jede Empfangsdame im Deluxe-Hotel.

Und seit einiger Zeit ist das Kiosk auch eigentlich kein Kiosk mehr, sondern nach einem Umbau ein begehbarer Kühlschrank:

Hier werden keine Schränke geöffnet, hier betritt man einen Kühlraum, in dem auf Regalen mehrere Hundert Biersorten aus aller Welt angeboten werden. Das wohl verrückteste Kiosk der Welt hat sich nunmehr auch auf Craft-Bier spezialisert, sodass auch anspruchsvolle Bier-Sommeliere hier auf ihre Kosten kommen und allemal fündig werden.

Eine unscheinbare Perle, ein Treffpunkt, ein wahrhaft skurriler Lieblingsort.
Und der Besitzer freut sich auch auf euren Besuch!



Tja, dies ist dann auch schon das Ende meiner Bilder-Serie.

Ich hoffe sehr, ihr habt Gefallen an meinen Bildern gefunden. Wurdet dazu inspiriert, Frankfurt zu entdecken, meine „Lieblingsorte“ aufzusuchen.

Verratet mir doch:
Was sind eure Lieblingsorte in der Stadt? Die bekannten wie versteckten?

Klar, dass ich auch weiterhin bewaffnet mit meiner Kamera durch die Stadt ziehe. Immer auf der Suche nach Neuem, nach dem Wandel, nach neuen Orten – die vielleicht sogar ein neuer Lieblings-Ort von mir werden können.

Wer weiß schon, was die Zukunft bringt.

Zu sehen wird es hier natürlich weiterhin was geben.

Bilder einer Großstadt, meiner Heimat, in schwarz und weiß. Und ganz viel Herzblut. Versprochen! 

 

36 Lieblingsorte in schwarz und weiß – Teil II / IV

Im ersten Teil meiner Bilder-Serie „36 Lieblingsorte“ hatte ich bereits darüber berichtet, wie ich zu meinem neuen, kleinen Hobby gekommen bin. Die analoge Fotografie begeistert mich, hat ein neues Bewusstsein für das einzelne Bild geschaffen.

„Ein Bild machen“ statt „einfach mal drauf losschießen.“

Sich Gedanken um Motiv und Szene machen, die kostbaren Restaufnahmen des Filmes im Sinn zu schätzen lernen, statt den Speicher von Smartphone oder DSLR nach Gutdünken zu füllen oder leeren.

Darum geht es.

Und so bin ich fast ein wenig stolz darauf, euch im nun folgenden zweiten Teil meiner Bilderreihe die nächsten meiner 36 Frankfurter Lieblingsorte präsentieren zu können. 36 Orte, die ich auf jeweils eigene Art und Weise liebe und schätze. Bekannte wie unbekannte Orte, zu denen mich meine Streifzüge mit meinem kleinen, schwarzen, analogen Schätzchen geführt haben.

Ein Film. 36 Aufnahmen. 36 Orte. 36 Leidenschaften.

Ich wünsche viel Freude beim Betrachten und Entdecken – und bin gespannt auf euer Feedback.

Los geht’s!


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Das Café Sugar Mama hat mich gelehrt, dass es sich auch an einer vielbefahrenen Hauptstraße ganz hervorragend entspannen lassen kann.

Ist nicht einmal irgendwo ein Namensschild angebracht, ist es dennoch kein Geheimtipp mehr: Kein Wunder, denn unweit der Konstablerwache lässt es sich hier ganz Berlin-like auf Sperrholzmöbeln bequem machen und sich auf das Herzlichste mit Kaffee, Kuchen & Sandwiches verwöhnen lassen. Im Sommer scheint hier die Sonne noch, wenn anderswo längst die Schatten den Abend ankündigen – und auch zur kalten Jahreszeit vermag das Café mit Ausstellungen und Café-Konzerten anzulocken. „Savoir Vivre!“ – schön, dass es dich gibt, du Zuckermama!


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Ein jeder „Bernemer“ wird die Frage nach der Besten der zahlreichen Frankfurter Apfelwein-Wirtschaften prompt wie folgt beantworten: Apfelwein Solzer!


Kein Wunder, denn die um einen Baum herum errichtete Gaststätte vermag auch mich mit ihrer Authentizität und Gemütlichkeit in ihren Bann zu ziehen. Auf der oberen Berger Straße verbirgt sich in einem alten Fachwerkhaus samt angeschlossenem Garten ein Ort ganz ohne Touristen-Trubel, wie er in den bekannteren Wirtschaften in Sachsenhausen anzutreffen ist. Hier wird auf den Bänken eng zusammen gerückt mit Fremden, der Bembel mit Freunden wie anderen Gästen geteilt. Und bei grundsolider, preiswerter hessischer Kost – und spätestens dem dritten Mispelchen – lässt sich dann der Alltagsstress ganz schnell vergessen. Bornheim ist und bleibt eben Bornheim.

 


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Immer wieder zugleich verstörend wie faszinierend zugleich wirkt auf mich ein Besuch des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld inmitten der Innenstadt.

Schlicht kaum zu glauben, dass dieses Zeugnis der nationalsozialistischen Willkür noch bis 2004 als Abschiebehaftanstalt genutzt wurde. Dass Menschen in einem Bunker, vollkommen isoliert von der Außenwelt, Haftstrafen verbüßten oder ihre Rückführung abwarteten – während lediglich wenige Meter weiter der Trubel der Zeil stattfand. Das heute von der Initiative „Faitre votre Jeu!“ Bunkergebäude zählt unbestritten zu meinen Lieblingsorten, ist er doch liebevoll von dieser zu einer musealen Gedenkstätte wie auch Party-Location gewandelt worden. Hut ab für dieses Engagement – und bis zum nächsten Besuch!


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Ein anderer, herrlicher Ort der heimeligen Gemütlichkeit. Ebenso ganz dort, wo man ihn kaum vermuten würde: Am ansonsten wenig schmucken östlichen Ende der Zeil befindet sich das Café Maingold.

Wer auf biedere, pastellfarbene Polstermöbel steht, wird das „Maingold“ lieben. Frischer Kaffee von meiner liebsten Frankfurter Rösterei Wacker wird hier ganz in der entrückten Inneneinrichtung der 1970er serviert. Der ideale Ort, um sich nach anstrengenden Besorgungen in der Hektik der nahen Zeil auf eine kleine Zeitreise zu begeben und durchzuatmen.



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Ein Musterbeispiel für all die Schätze, die sich in unserer Stadt verstecken, ist für mich der koreanische Garten des Grüneburgparks im Westend.

Ich liebe es, der Dame gleichzutun und mein Fahrrad neben einer ruhigen Bank an diesem exotisch anmutenden Fleckchen Frankfurt abzustellen, ein Buch zu zücken und die Seele baumeln zu lassen. Was mir zu Hause selten gelingt, wird hier zum Kinderspiel.



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Wem immer ich erstmals den „Ort der Stille“ der Liebfraunkirche zeige, verschlägt es zunächst einmal die Sprache. Und das ist hier auch angebracht:

Nur wenige Schritte vom wohl hektischsten, rastlosesten Ort der Stadt – der Hauptwache – befindet sich im Innenhofe der Kirche ein Altar, der zu Schweigen gebietet. Nein, ich kann mit Glauben und insbesondere Religionen, mit Gotteshäusern aller Art so gar nichts anfangen. Und trotzdem erfüllt mich ein eigenartiges Gefühl von Ehrfurcht und der Stille, sobald ich hier eintrete. Wie schön, dass es diesen Ort gibt. Zum Innehalten, Nachdenken, sich der eigenen Kleinheit bewusst zu werden. Der eigentlichen Unbedeutendheit so vieler eigenen Probleme und Sorgen. Und sich danach irgendwie befreit wieder in den Großstadtstress zu stürzen.


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Bereits seit 1931 überragt er den Frankfurter Stadtwald – und bietet, sobald man seine Stufen erklummen hat, auf 43 Metern Höhe einen unvergesslichen Ausblick auf die Frankfurter Skyline: Der Goetheturm.

Keine Radtour, kein Spaziergang durch den Stadtwald ohne anschließenden Besuch des Turmes. Wenn immer ich – etwas außer Puste – die Aussichtsplattform erreicht habe, macht mich das Panorama hoch über den Bäumen sprachlos. Ja, ich fühle mich fast ein wenig romantisiert. Vielleicht sollte ich mein nächstes Date ja einfach hier stattfinden lassen.



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Eine alternativ angehauchte Kneipe, wie sie in unserer Stadt leider viel zu rar gesät ist, ist das „Feinstaub“ an der Friedberger Landstraße im Nordend.

Jeder Mann braucht so etwas wie eine Stammkneipe. Einen Ort, an dem man persönlich begrüßt wird. Ohne jegliche Bestellung einen Apfelwein auf den Tresen gestellt bekommt, in die man auch gern allein geht, weil man ja eh immer irgendjemanden kennt. Und auf dem Bierdeckel auf Vertrauensbasis abgerechnet wird. Bei mir ist dieses zweifelsohne das „Feinstaub“. Es bezeichnet sich selbst als Musik-Kneipe, auch wenn diese für meinen Geschmack doch ein wenig in den Hintergrund gerät. Dafür locken entspanntes Publikum, faire Preise und stets herzliche Besucher.  Aber auch, wenn ich einfach in Ruhe noch ein wenig lesen mag, nehme ich hier jederzeit gern am Tresen Platz. Tut es mir doch einmal gleich!



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Ein triftiger Grund, in der kalten Jahreszeit einmal im Ostend vorbeizuschauen:
In der Rhönstraße versteckt sich hier ganz unscheinbar hinter beschlagenen Scheiben das vegane Café Edelkiosk.

Die herzliche Inhaberin Anna backt jeden Morgen frisch für ihre Gäste. Und so lassen sich herzhafte Sandwiches, duftender Kuchen und natürlich Kaffee in einer Vielzahl von Variationen hier genießen. Warum ich auch als Nicht-Veganer immer wieder gerne hier bin? Alte Sofas zum Hineinfläzen, ein Röhrenfernseher samt angeschlossener Super Nintendo-Konsole, immer nette Besucher – mit denen sich immer ein netter Plausch ergibt: Noch Fragen?

Insbesondere dann, wenn es draußen so richtig ekelhaft ist, lässt sich beim Blick auf die farbenfrohen Wände und beim Blick hinaus aus dem Fassadenfenster so richtig gemütlich schon vom nächsten Urlaub träumen. Bei 30 Grad und Sonnenschein, versteht sich.


Ich hoffe, ihr hattet viel Freunde beim Betrachten meiner Bilder. Habt vielleicht Lust darauf bekommen, einige meiner Lieblingsorte selbst einmal für euch zu entdecken. Und einen hoffentlich ansehnlichen Einblick in die vielen so unterschiedlichen, kontrastreichen Facetten unserer Stadt gewinnen können. 

Ich fröne derweil weiter meinem neuen, kleinen Hobby der analogen Fotografie – nunmehr mit meiner mittlerweilen vierten Kamera. Ja, Betonboden und Filmverschlüsse vertragen sich nicht immer gut. Dennoch lasse ich mir die Freude dadurch nicht vermiesen!

Neun weitere meiner Frankfurter Lieblingsorte, die ich bei meinen Streifzügen sonst noch im analogen Bilde festgehalten habe, stelle ich euch dann im nächsten Teil meiner Bilderreihe vor.

Bis dahin: Kommt mir gut durch den Herbst!

Neuer Lesestoff: Von Bankgeheimnissen und gleich 66 Lieblingsplätzen.

Chapeau!

Nachdem ich den ersten Teil meiner Bilderserie „36 Lieblingsorte“ veröffentlicht hatte, bekam ich eine unerwartete Zuschrift von Ralf Thee. Der waschechte Frankfurter bekundete mir seinen Gefallen an meinen Bildern und meiner Idee – und wies mich darauf hin, dass auch er bereits 2012 diese Idee hatte. Wenn auch in etwas anderer Form: Ein ganzes Buch, mit stolzen 66 statt „nur“ 36 Lieblingsorten. 66 mitunter versteckte Plätze unserer Stadt, welche jeweils mit einem schmucken Bild und einem begleitenden Text vorgestellt werden. Letztere stammen von seinem Freund Bernd Köstering. 

Klar, dass ich mir das Werk umgehend zugelegt habe.

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Zeit für neuen Lesestoff!

Das Buch habe ich als neugieriger Stadtentdecker quasi in „einem Rutsch“ verschlungen. Fast ein wenig ironisch, dass die beiden Autoren nicht nur 4 Jahre vor mir die quasi selbe Idee hatten – nein, auch zahlreiche deren Lieblingsplätze decken sich mit meinen ganz persönlichen Lieblingsorten.

Besonders schön auch die Bilder, für die der Autor manch erstaunlichen Aufnahmepunkt wählte: Wer hätte schon gedacht, wie wunderschön unser Eschenheimer Turm vom Treppenhaus des benachbarten Fleming’s-Hotel aus anmutet?

Lesenswert auch die Begleittexte, welche das Wissen um Geschichte und Gegenwart unserer Heimatstadt auf interessante Art erweitern.

Und, wer hätte es gedacht: Auch sind Orte erwähnt, deren Existenz auch mir bislang nicht bekannt war, und die ich nun unbedingt entdecken möchte – wie zum Beispiel ein Wasserschloss im Frankfurter Westend.

Mein Fazit

Das Buch ist nicht nur für „Eingeplackte“ eine tolle Möglichkeit, die schönsten Flecken Frankfurts zu entdecken. Nein, auch Alteingesessene wie Etablierte finden darin eine unterhaltsame Streiftour durch die Stadt. Schön, dass neben all den doch eher bekannten wie touristischen Sehenswürdigkeiten auch ganz unscheinbare Orte Erwähnung finden.

Das Buch macht neugierig, schafft Bewusstsein für die Vielfalt der Stadt – und ist allein aufgrund der Bilder durchaus lesens- und betrachtenswert. Auch die Idee mit den 11 „Bankgeheimnissen“ gefällt mir außerordentlich gut – was es mit ihnen auf sich hat, findet ihr am besten selbst heraus.

Wessen Interesse nun geweckt ist, der begebe sich umgehend zur nächsten Buchhandlung seines Vertrauens (support your Locals, ihr wisst schon). Die Faulen unter euch können aber auch gern ihren Beitrag zur Vernichtung des heimischen Einzelhandels leisten und das Werk hier bestellen:

https://www.amazon.de/B%C3%A4nken-Banken-Frankfurt-Main-Lieblingspl%C3%A4tze/dp/3839213622

Viel Freude beim Lesen und Entdecken! 

36 Lieblingsorte – Teil 1/4

… ein Foto-Projekt in schwarz und weiß.


Arbeit und gelegentlicher Frust haben sich gelohnt: Das Album kurz vor der Fertigstellung. Daneben: Meine “neue, alte Kamera”.


Welch schöner Zufall mich zu meinem neuen, kleinen Hobby – der analogen Fotografie – gebracht hatte, habe ich euch bereits in einem Beitrag berichtet. Und auch, wieso ich an dieser in Zeiten von Smartphone- und digitalen Spiegelreflexkameras doch etwas rückständigen Art und Weise der Knipserei eine solch große Freude gefunden habe.

In diesem Beitrag gibt’s ebenfalls einen kleinen Bilderbogen meiner ersten Werke zu bewundern – verbunden mit der Ankündigung einer Projekt-Idee, welche sich in meinem Köpfchen manifestiert hat und mich in den letzten Wochen beschäftigte.

Tadaaa! – nun ist es soweit, und ich kann euch (mit ein wenig Stolz, das gebe ich gern zu!) mein jüngstes Werk präsentieren.

Doch zunächst:

Wie erging es mir eigentlich in den vergangenen Wochen als „Retro-Fotograf“? Nun, ich bin um viele Erfahrungen reicher geworden. Unter anderem, dass früher auch nicht alles ausschließlich besser gewesen ist.

Die langen Wartezeiten für das Entwickeln (insbesondere von Schwarzweiß-Filmen) zehren genauso an den Nerven wie vom Labor vergessene CDs mit digitalisierten Aufnahmen oder den mittlerweile doch recht happigen Preise für Filme und deren Entwicklung.

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