„Leben im Konjunktiv“: Eine Kurzgeschichte für graue Tage

Wenn sich Äste im Wind biegen und nasskalter Regen gegen die Scheiben klatscht, ist es an der Zeit, der Welt da draußen den Mittelfinger zu zeigen und sich in diejenige der Buchstaben zu flüchten. Findet ihr nicht auch? 

Ich jedenfalls habe die ersten Herbsttage dazu genutzt, Phantasie und Gedanken kreisen ein wenig kreisen zu lassen. Herausgekommen ist eine Kurzgeschichte, die hoffentlich auch euch ein wenig Unterhaltung an tristen Tagen bietet. 

Viel Freude beim Einkuscheln,  Lesen und Sinnieren! 


Der Anblick der weißen Decke über mir hat sich längst in meine Netzhaut eingebrannt, auch das Summen der eigenartigen Maschine zu meiner Linken nehme ich kaum noch wahr. Gedanken lullen mich ein, und ich wünschte, die andere weiße Decke würde es ihnen gleichtun. Stattdessen liegt sie auf mir wie ein Fremdkörper, weigert sich standhaft, sich meinem Körper auch nur einen kleines Bisschen anzuschmiegen. Das kam wohl dabei raus, wenn man Wäsche steifte. Oder sollte etwa Ich der Fremdkörper in diesem Bett sein?

Vielleicht war es tatsächlich so, vielleicht würde sich die Decke tatsächlich einer jeden Pore anpassen, würde sanft verschlucken, bedeckte statt meines einen anderen Körper. Vielleicht, da hab‘ ich einfach Pech gehabt. Schließlich war ich doch nur haarscharf daran vorbeigeschrammt, ein anderer Mensch zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wurde, wer ich bin, war schließlich mikroskopisch klein: Nur eine Einzige von 300 Millionen Spermien konnte das Wettrennen zu einer kleinen Eizelle gewinnen, konnte im Urknall allen menschlichen Daseins meine Genetik beschließen, endlose DNA-Ketten zu meiner Existenz verweben. Dass ich letztlich nicht als eines von 299.999.999 anderen Individuen das Licht der Welt erblickte, war nichts als Zufall. Nach aller Regel der Wahrscheinlichkeit wäre ich jemand völlig anderes geworden.

In einem Anfall innerlicher Unruhe drehe ich mich nach rechts. Ich will die weiße Decke nicht mehr sehen, will die gestärkte, weiße Decke nicht mehr fühlen. Lieber starre ich auf den leeren Besucherstuhl neben meinem Bett. Schmerz durchfährt mich, der Verband um meinen Kopf macht die kleinste Bewegung zur Qual. Ich presse meine Kiefer aufeinander und denke nach. Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wäre aus der Trommel der Fortpflanzungslotterie einer von fast dreihundert Millionen Anderen gezogen worden? Wäre dieser Mensch mir ähnlich, zumindest hier wie dort? Würde er meine Sehnsüchte teilen, dieselben Gedanken denken? Würde genau dann lachen oder an Nichtigkeiten verzweifeln, wenn auch ich es täte? Oder aber wäre er all das, was ich nicht war – ein Negativbild meiner selbst?

Hätte auch er damals im Bett gelegen und an die Decke seines Kinderzimmers gestarrt? Hätte auch er von der großen Freiheit geträumt, während er zum tausendsten Mal die Astlöcher der Holzbalken über ihm zählte? Jener großen Freiheit, die er endlich atmen würde, wenn er erst einmal sein Elternhaus verlassen hätte? Hätte auch dieser jemand Andere sich immer wieder ausgemalt, wie schön erst alles würde, wären seine Fesseln erst gesprengt? Ja, hätte auch er Rebell gespielt, sich grundlos mit seinen Lehrern angelegt und keine Provokation ausgelassen, weil er doch nichts mehr hasste als die Schule? Hätte auch er sich von niemandem verstanden gefühlt, am wenigsten von seinen Eltern? Hätte auch er den Tag herbeigesehnt, an dem er Schule und Elternhaus den Rücken würde, jener Stunde Null, in der sein wahres Leben beginnen würde, in der aus dem „Wollen“ ein „Sollen“ würde? Hätte auch er, bevor er abends einschlief, sich selbst als jungen Adler vorgestellt, der im Horst saß und darauf lauerte, seine Flügel auszubreiten?

Hätte auch er irgendwann sein Abitur gemacht, mehr schlecht als recht? Allein, um dieses Studium zu beginnen, für das er in diese fremde Stadt gezogen wäre? Jenes Studium, für das er sich allein deswegen entschieden hätte, weil der Numerus Clausus ihm keine andere Wahl gelassen hatte? Wäre auch dem Anderen jedes Mittel recht gewesen, um seinem Heimatdorf den Rücken zu kehren – selbst die Lehre der Betriebswirtschaft? Hätte auch er während der vielen Stunden im Auditorium keinerlei Leidenschaft verspürt, hätte einen subtilen Hass auf all die Zahlen, Graphen und Funktionen entwickelt? Hätte er auch er nur mühsam seinen Frust hinunterschlucken können, während er am späten Abend in der Bibliothek an seinen Hausarbeiten schrieb? Und hätte auch er sich dennoch tapfer durchgebissen, sich wieder und wieder vor Augen geführt, dass dieses gottverdammte Studium nun einmal die Basis seiner ersehnten Unabhängigkeit sei? Ein solides Fundament für seinen Glückspalast, gegossen in tiefschwarzem Beton des Fleißes, von Stahlstreben der Hartnäckigkeit durchzogen? „Ohne Fleiß kein Preis“: Hätten auch dem Anderen die Worte seines Vaters in den Ohren gehallt? Hätte auch er tatsächlich geglaubt, alles was ihm fehle, sei ein verfickter metaphorischer Grundstein?

Mein Nacken schmerzt, ich spüre ein Brennen hinter meiner Stirn. Das Jetzt, ich will es nicht, ertrag’ es nicht, nicht jetzt. Lieber drehe ich mich auf meine Seite und denke an das Damals. Schließe meine Augen und stelle Hypothesen auf. Hätte ich auch als jener andere Mensch, der ich doch fast geworden war, diese einsamen Momente zwischen Vorlesungen und biergetränkten Erstsemester-Partys erlebt? Die Stunden, in denen ich auf der Matratze meines Wohnheimzimmers lag und die Geborgenheit meines Elternhauses vermisste, der ich doch immer nur entfliehen wollte? Wäre ich genauso bald den Verheißungen der Nacht erlegen, um meinem Gefühl der Einsamkeit zu entfliehen? Hätte ich endlich den Mut besessen, eines der hübschen Mädchen an der Theke anzusprechen? Oder aber hätte dieser Anderer genauso sehr darunter gelitten, wieder und wieder alleine nach Hause zu gehen? Hätte auch er irgendwann damit begonnen, sich einzureden, dass ihm schlicht ein wenig Rock‘n‘Roll fehle? Dass er seiner Lockerheit nur ein wenig auf die Sprünge helfen müsse, dann würde das schon werden mit den Mädchen? Wäre auch er permanent nah am Wodka gebaut gewesen, hätte auch er sich dieses lächerliche Tribal stechen lassen? Hätte auch seine Nase gekitzelt, als er sich zum ersten Mal in der Toilette eingeschlossen hatte und das weiße Zeug vom Spülkasten zog?

Der Schmerz, den ich fühle, ist nun ein anderer. Vergilbte Erinnerungen legen sich über das Gemetzel hinter meiner Stirn, sepia-farbene Momentaufnahmen. Zwei Semester, verbracht in einem schweißgetränkten Vakuum zwischen Rausch und Kater. Das böse Erwachen, die Frauengeschichten meiner Kommilitonen, die trotz Rock‘n‘Roll und weißen Linien noch immer allein die meiner Kommilitonen waren. Dieser graue Tag im Januar, an dem ich in einem verdreckten Spiegel eines nochmals verdreckteren Gemeinschaftsbadezimmers den Grund all meines Unglücks zu erkennen glaubte. Der Kniff in meine Backen, zwei Digitalziffern auf einer verstaubten Waage als Gradmesser meiner Hässlichkeit. Das straffe Sportprogramm, das ich mir auflegte. Jene fatale Diät, die mir mit jeder verbrannten Körperzelle ein größeres Gefühl der Stärke gab. Hätte ich auch als ein Anderer geglaubt, die Maßeinheit für Glück sei Kilogramm? Dass er, wenn er nur zehn davon verlöre, endlich begehrt sei? Die Gänsehaut auf meinem Rücken, als ich die siebzig Kilo knackte.

Der süße Geschmack des Triumphs. Die ersten Komplimente. Absolute Kontrolle. Nichts als Leere hinter einem ausgemergelten Gesicht. Die Sache schien so klar, dann galt es eben nochmals zehn weitere Kilogramm meines Körpers zu zerstören. Dann aber, ganz sicher, würde der verbliebene Rest begehrt werden, dann flögen mir die Mädchenherzen zu. Als die schwarzen Balken der ersten Ziffer auf der Waage eine Fünf formten, fühlte ich längst nichts mehr. Und dennoch hungerte ich weiter, bis nur noch ein Vorgeschmack des Todes auf meiner Zunge lag.

Die viel zu späte Einsicht, dass ich mich zugrunde richtete. Die plötzliche Überzeugung, allein mein Umfeld trüge die Schuld an meiner Misere. Die Überzeugung, wohl einfach nicht gemacht zu sein für ein Studentenleben. War ich nicht ohnehin für Höheres bestimmt? Ja, wenn ich erst einmal meinen Abschluss in der Tasche hätte, wenn ich diese spätpubertären Spielchen nicht mehr spielte, dann, ja dann, wäre das Glück auf meiner Seite. Ich würde Geld verdienen, Karriere machen, morgens in einer, meiner, Wohnung aufwachen. Ein Loft, vom Sonnenschein geflutet wie auch mein restliches Dasein. Die Welt, sie stünde mir offen und wartete auf mich. Ich würde auf Reisen gehen, würde Frauen in kurzen Kleidern in den besten Bars der Stadt von meinen Abenteuern berichten. Hatte ich nicht bereits in meiner Vorstellung ihre Hände auf meinen Oberschenkeln spüren können? Nein, wir würden nicht getrennt nach Hause fahren.
Noch einen Martini, bitte. Sparen Sie sich die Olive.

Nächste Szene. Ein hässlicher Hut, für ein dämliches Bild in Richtung Himmel geschleudert. Eine letzte Blamage, tapfer ausgestanden, im Gesicht ein falsches Lächeln. Graduation, Gratulation, Absolution. Nun war alles ausgestanden, nun war ich neu geboren und doch schon 23. Meine Welt, sie würde eine andere sein, kaum dass der schwarze Hut den Boden berührte. Wäre auch der Andere, der ich fast geworden wäre, diesem Trugschluss aufgesessen? Hätte auch er fortan zahllose Nächte damit verbracht, Bewerbungen zu schreiben, hätte auch er Umschläge geküsst, bevor sie in gelbe Kästen warf? Hätte auch er sich im Spiegel bewundert, als er sich seinen ersten Anzug kaufte, „ja, der steht Ihnen ganz wirklich ganz ausgezeichnet!“? Hätte auch er tatsächlich geglaubt, die „Stunde Null“ stünde nun kurz bevor?

Das Geräusch einer sich öffnenden Tür schleudert mich unvermittelt zurück ins Jetzt, die Diashow in meinem Kopf weicht leisen Stimmen. „Er schläft“, murmelt eine Stimme, „sieht nicht gut aus“, eine andere. Einen Spalt breit öffne ich meine Augen, hinter den Besucherstühlen fließen weiße Hosen in weiße Wände über. Ich lasse meine Lider fallen, statt Weiß ein helles Rot, bevor ich zurück im Schwarzen bin.

Verhüllt in Dunkelheit die Frage,
was, wenn mein Dasein formatiert
was, hätten einst die Gene
einen andren Mensch kreiert?

Dächte er meine Gedanken
wär vom selben er berührt
teilte er meine Gefühle
wär‘ das Gleiche ihm passiert?

300 Millionen Leben, die ich statt meinem hätte führen können. Hätte ich auch in einem anderen geglaubt, ein Klecks von feuchter Tinte unter dem Arbeitsvertrag sei gleichbedeutend mit dem großen Glück? Wie lange hätte ich mich am Ziel gewähnt, während ich morgens noch einen Spritzer des teuren Parfums auf meinen Hals sprühte und mich auf Budapestern den Weg zur Arbeit machte? Wie lange hätte es gedauert, bis ich begreifen sollte, dass in dieser Firma niemand auf mich gewartet hatte? Dass ich nichts als ein austauschbarer Idiot unter vielen war? Hätte ich als auch ein Anderer all meine Sehnsüchte einem verfickten Job auffressen lassen?

Und hätte ich mir dennoch immer wieder eingeredet, dass sich all die Überstunden, die ich zähneknirschend schob, eines Tages auszahlten? Weil vor dem Begehren doch stets das Bewähren stünde? Säße ich auch so oft noch am Schreibtisch, während draußen die Dunkelheit längst einen schwarzen Schleier über die Häuserschluchten legte? Hätte genauso auf die Lichter der Straßen unter mir gestarrt und mich der Illusion hingegeben, dass sich schon ganz bald alles zum Guten drehen würde? Glaubte ich die süßen Früchte meiner Arbeit nicht schon vor meinen Augen, mit denen ich meinen Lebenshunger endlich stillen würde?

Stattdessen aber war da nur der wässrige Salat in der Kantine, den ich lustlos in mich hineinfraß. Da waren die Magazine, die ich in den kurzen Mittagspausen hastig durchblätterte. Die Bilder dieser Reportage aus Südamerika, die mich in ihren Bann zogen. Der Traum, sie statt auf Hochglanzbildern mit eigenen Augen zu sehen, hätte ich doch erst Zeit und Geld genug. Zeit und Geld: Scheiterte nicht ohnehin immer alles daran? War es da nicht nur logisch, mich mehr denn je in die Arbeit zu stürzen, bis mich eines Tages dann tatsächlich mein Vorgesetzter in sein Büro zitierte?

Sepia-Filter, Champagner aus der Flasche. Den Karrieresprung galt es zu begießen. Nun aber, endlich, da war ich mich dir doch so sicher, würde ich meine Träume leben. Nun gab es keine Astlöcher mehr zu zählen, nun würde ich zum Zuge kommen. Ein kräftiger Händedruck vom Immobilienmakler, ein Bund Schlüssel für die Maisonette-Wohnung in ach so begehrter Lage.

Hätte einer jener 300 Millionen sich nach der wilden Einweihungsparty endlich glücklich gefühlt? Oder hätte auch er die kurzen Nächte damit verbracht, sich schlaflos im neuen Doppelbett umher zu wälzen? Hätte auch er hinüber zur leeren Hälfte gestarrt, wäre irgendwann, in die Küche gegangen und Whiskey über Eiswürfeln fließen lassen?

Hätte der Andere begriffen, warum sich unter dem glatt gegelten Scheitel noch immer bloß eine Hoffnung auf das Werden statt einer Liebe für das Sein verbarg ? Hätte auch er auf diesen einen Menschen gewartet, mit dem er gemeinsam die Anden erkunden würde – statt drei Mal mit der Maus zu klicken und diesen Flug zu buchen? Hätte auch der Andere den Rauch von mehr als siebzigtausend Zigaretten in seine Lungenflügel strömen lassen, bis er erschrocken feststellte, wie wenig Rock’n’Roll der übervolle Aschenbecher vor ihm doch versprühte? Hätte auch er sich vorgenommen, endlich mit dem Rauchen aufzuhören, jedenfalls bald, wenn all der Stress erst einmal abflaute und einer Brise Sorglosigkeit gewichen wäre? Hätte auch der Andere sich noch einen Whiskey eingegossen, während er durch Feeds und Timelines scrollte und sich fragte, wann auch er in bunte Quadrate verpacktes Lebensglück posten würde? Ja, hätte jener Andere überhaupt gewusst, welch Mensch sich hinter seinen Profilen auf Xing und Instagram verbarg?

Hätte auch dieser andere Mensch weit nach Mitternacht italienische Lederschuhe über die Dielen geschleudert? Würde er sich, kaum dass die Wohnungstür geschlossen war, die gestreifte Krawatte vom Hals reißen und voll Abscheu in die Ecke werfen? Würde er sich genauso oft noch eine Dose Bier auf dem Kühlschrank greifen und sich schwören, dass all das hier bald ein Ende haben würde? Spürte auch er noch immer das Gefühl des 15-jährigen Rebellen in sich, wenn er sich die Kopfhörer aufsetzte und KORN hörte, so wie damals?

All the fucked up feelings again
The hurt inside is fading
This shit’s gone way too far
All this time I’ve been waiting

Warten, warten, warten. Wie oft kam es mir so vor, als hätte ich eine Nummer gezogen, die niemals aufgerufen würde? Wie oft ließ ich mich erschöpft auf dieses Sofa fallen, auf dem ich wenig später einschlief? Wie oft träumte ich dann von dieser Fahrradtour, die ich doch ganz sicher schon bald machen würde, wenn nur endlich dieses wichtige Projekt gestemmt wäre? Einmal den Main entlang, von der Quelle bis zur Mündung. Vorbei an den Ufern, an denen ich nie entspannen konnte. Nichts als der Fluss und ich… Wie oft meinte ich den Fahrtwind im unruhigen Schlaf schon im Gesicht zu spüren, während drei Stockwerke tiefer die Staubschicht auf dem teuren Rennrad beständig wuchs?
Hätte, hätte, Fahrradkette…

Ein bitteres Lächeln umspielt meine Lippen, während ich an mein Fahrrad denke.
Noch immer wage ich es nicht, meine Augen zu öffnen. Ich fühle mich traurig in der Dunkelheit und dennoch wohl, denn immerhin FÜHLE ich etwas. Wann hatte ich das zuletzt eigentlich getan – etwas zu fühlen?

Wieder einmal der Andere. Hätte auch er an meiner Stelle so lange nichts mehr empfunden? Hätten andere überhaupt etwas für IHN empfunden? Hätte es auch in seinem Leben jenes Mädchen gegeben, das ihn mit rotem Kopf um seine Handynummer bat? Hätte auch er sich wieder und wieder mit ihr getroffen, hätte kaum glauben können, dass sie es tatsächlich ganz aufrichtig und gut mit ihm meinte? Hätte er ihre Liebe erwidern können? Oder hätte auch er sie hingehalten und vertröstet, Ein ums andere Mal? Weil da draußen in der weiten Welt, doch ganz sicher irgendwann und irgendwo doch sicher dieser eine Mensch sein musste, der noch viel besser zu ihm passte und ihm noch so viel mehr zu geben hatte?

Hätte auch er sie schlussendlich abserviert und jeden aufblitzenden Moment der Reue im Rausch der Arbeit erstickt? Hätte auch er zentimeterdicke Stapel von Papieren mit seiner teuren Kamera beschwert, mit der er doch eigentlich seine Reisen festhalten wollte?

Ich schlucke. Eine Schlinge aus Stacheldraht in meinem Kehlkopf beendet meine Gedankenspiele. Nein, es gab da keinen Anderen. Die fast dreihundert Millionen Alternativen meiner selbst waren schon wenige Minuten nach einem Samenerguss gestorben, waren Möglichkeiten geblieben. ICH war es, der das Licht der Welt erblickte. Ich allein hatte alles so geschehen lassen. Ich bin es, der doch so gern in einer Partei beigetreten wäre, wenn ich mich nur endlich entschieden hätte. Ich allein bin derjenige, der so gerne einfach mal ein Buch gelesen hätte, wenn ich nur dasjenige gefunden hätte, dessen Lektüre keine Zeitverschwendung darstellte. Ich allein bin es, der seinen Eltern gern gesagt hätte, wie sehr er sie liebe, wenn er sie doch nur einmal wieder besucht hätte. „Es ist wie es ist“, sagt der Resignierte. „Was wird sein?“, fragt der Neugierige. Ich dagegen spiele „Was wäre wenn?“, während ich darauf warte, dass der Schmerz aus meinen Gliedern strömt.

Ich fühle mich sicher in meiner Paraderolle. War ich nicht schon immer ein Meister des Wartens? Warten auf mehr Zeit, warten auf mehr Geld, warten auf das richtige Umfeld, warten auf den perfekten Moment, warten auf den wunderbarsten aller Menschen. Ich wünschte, ich hätte mir einfach einmal die Zeit genommen, statt sie mit dem Warten zu verbringen. Ich wünschte, ich hätte einfach mal gemacht statt lediglich zu überlegen. Ich wünschte, es wäre nicht immer gerade irgendwie schlecht gewesen. „Hier ruht der, der intensiv gelebt hätte – hätte er nur erst einmal…“: Ich wünschte, andere Worte würden meinen Grabstein zieren. Ich wünschte, ich hätte die Liebe dieses Mädchens einfach erwidern können.

Vielleicht, da wachte ich dann längst neben ihr statt neben leeren Weinflaschen auf. Vielleicht lebte ich nicht mehr in dieser teuren Maisonette-Wohnung, in der ich doch eigentlich nicht einmal lebte, in der ich doch eigentlich nur erschöpft war. Vielleicht lägen im Flur auch keine italienischen Lederschuhe mehr verstreut. Vielleicht, da tobten im Flur unsere Kinder. Vielleicht wäre mein Kontostand geringer, vielleicht die Wohnung kleiner. Dafür aber wäre ich vielleicht auf einem Gebrauchtfahrrad den Main hinab gefahren, hätte vielleicht ein Zelt in den Anden aufgeschlagen.

Vielleicht hätte ich längst dem Rauchen aufgehört, vielleicht würde mich gar zumindest gelegentlich vor Mitternacht der Schlaf ereilen. Vielleicht wäre ich dann auch nicht wieder einmal zu spät dran gewesen, heute Morgen auf dem Weg zur Straßenbahn. Vielleicht hätte ich noch einmal nach links geblickt, bevor mich der Kühlergrill ergriff und mein Schädel auf dem Asphalt prallte. Vielleicht, da wäre statt Blut ein zielstrebiger Mann die Straße hinabgelaufen.

Laufen wie die Tränen über meine Wangen. Ich reiße meine Augen auf giere nach Luft. Fantasiere ich? Auf einem der Besucherstühle sitzt ein alter Mann, sein Bart reicht ihm bis zur Brust. Sein Gesicht ist eingefallen, er scheint in seinem Leben viel Zeit mit dem Warten verbracht zu haben. Auf eigenartige Weise kommt mein Besucher mir bekannt vor, doch komme ich nicht darauf, woher meine Vertrautheit rührt. Ich starre in ein müdes Augenpaar;  kraftlos erwidert er meinen Blick. Unentschlossen hebt er seine Schultern. „Guten Tag“, flüstert der Greis. „Ich bin der Konjunktiv. Ich habe dich dein ganzes Leben lang begleitet.“ Sekunden vergehen, bis ich verstehe. Er ergreift meine Hand, bevor er seine Stimme hebt: „Was, wäre dies das Ende?“

Dann wird alles dunkel.

Neuer #Lesestoff für euch: „Ebbelwoijunkie“ – Kommissar Rauscher ermittelt…

Mensch, da gab’s doch tatsächlich schon länger keine Empfehlungen für neuen, heißen Lesestoff für euch von mir! Aber nicht etwa, weil ich das Lesen eingestellt hätte; im Gegenteil – ich hatte mich in der letzten Zeit lediglich vermehrt dem Schreiben gewidmet.

Geschrieben hatte ich unter anderem einen Artikel über lesenswerte Bücher aus und über Frankfurt am Main, der auf www.frankfurtdubistsowunderbar.de veröffentlich wurde. Im Zuge meiner Recherche wurde ich hierbei auf eine Krimi-Reihe aufmerksam, deren jüngstes Werk gerade erschienen ist – und deren Lektüre ich euch unbedingt ans Herz legen mag!

Nämlich die um Andreas Rauscher, seines Zeichens Kommissar bei der Kripo Frankfurt. Allein der Nachname des Ermittlers lässt erahnen, dass Autor Gerd Fischer hier eine Romanfigur erschaffen hat, die nicht nur gern über die Stränge schlägt, sondern obendrein echtes Frankfurter Original mit großer Vorliebe für sauergespritzten Apfelwein ist. Das „Stöffche“ jedenfalls ist steter Begleiter seiner Ermittlungen, gern auch schon um 16 Uhr.

Und rund um das Frankfurter Nationalgetränk dreht sich auch die Handlung der neuesten Veröffentlichung der Reihe.

 

Worum geht‘s?

Gerd Fischer hat sich für den Plot seines neusten Romans „Ebbelwoijunkie“ offensichtlich von tatsächlichen Schlagzeile inspirieren lassen: Vor gut zehn Jahren plante die europäische Union nämlich eine Richtlinie, welche den Namen „Apfelwein“ für unser Stöffche hätte verbieten sollen und das Aus für den Bembel als Schankgefäß bedeutet hätte.

 

Im  Buch geht der Autor noch einen Schritt weiter: 

Ein hochrangiger EU-Politiker plant gar einen Gesetzentwurf, der den Konsum von mehr als 200 ml Apfelwein pro Tag verbietet. Er reist eigens nach Frankfurt, um das Gesetz mit hiesigen Landespolitikern und Oberbürgermeister Feldmann auszuhandeln.

Blöde nur, dass er am Morgen nach seiner Ankunft tot auf dem Bullen vor der Frankfurter Börse aufgefunden wird. Kommissar Rauscher nimmt die Ermittlungen auf. Als er erfährt, aus welchem Grund der hochrangige Politiker nach Frankfurt gereist ist, gelingt es ihm als glühendem Verfechter des Apfelweins jedoch nicht, seine polizeiliche Professionalität zu wahren. Nach einem Eklat mit seinem Vorgesetzten wird er gar vom Dienst suspendiert, was ihn allerdings nicht davon abhält, weiterhin privat zu ermitteln. Obwohl bereits ein Tatverdächtiger ermittelt ist, glaubt Rauscher nämlich an einen ganz anderen Verlauf der Dinge. Als dann noch sein Sohn Mäxchen entführt wird, gibt es für Kommissar Rauscher dann endgültig kein Halten mehr…

 

Ein Lesetipp – nicht nur für „Ebbelwoi-Junkies“

Machen wir uns nichts vor: Der grassierende Lokalkrimi-Hype kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich mitunter eine Menge Schund unter all den Werken der lokalpatriotischen Autoren tummelt.

Umso erfreuter und überraschter war ich allerdings über meine neueste Entdeckung. Gerd Fischer ist es gelungen, mit Kommissar Rauscher nicht nur einen äußerst sympathischen Querkopf und Haudegen zu erschaffen, der mit unorthodoxen Ermittlungsmethoden auf Verbrecherjagd geht – sondern sich auch mit seiner großen Vorliebe für Apfelwein hervorragend als Identifikationsfigur für Apfelweinliebhaber wie mich erweist. Und sich in sämtlich erdenklichen Lebenslagen gerne erstmal einen Sauergespritzten einschenkt.

Man muss allerdings kein expliziter Liebhaber des Stöffche sein, um sich bei der Lektüre bestens unterhalten zu fühlen! Der Autor beherrscht die schriftstellerische Kunst, eine Handlung gleichermaßen komisch (bisweilen sogar absurd!) wie spannend aufzubauen.

Dass Frankfurtern wie mir sämtliche Handlungsorte auch persönlich bekannt sind, steigert das Lesevergnügen außerdem erheblich. Wenn die Mutter des Protagonisten als „Frau Rauscher“ bezeichnet wird, fällt es ziemlich schwer, nicht breit zu grinsen. Ein breites Grinsen dürfte ich während des Lesens jedenfalls ziemlich oft im Gesicht gehabt haben.

Ich jedenfalls habe das Buch innerhalb nur zweier Tage verschlungen – und mir im unmittelbaren Anschluss an das letzte Kapitel direkt einen weiteren Teil der Reihe um Kommissar Rauscher zugelegt.

Außerdem erwäge ich ernsthaft, es Kommissar Rauscher gleichzutun und die von ihm ersonnene Ebbelwoi-Diät zu beginnen. Hey, der nächste Sommertag im Freibad kommt schließlich schneller als man denkt!

Auch euch sei der Erwerb von „Ebbelwoijunkie“ jedenfalls wärmstens ans Herz gelegt. Am besten natürlich in einer der wunderbaren Frankfurter Buchhandlungen, gelle?!
Amazon is killing neighborhood, ihr wisst schon.

 

Gerd Fischer: „Ebbelwoijunkie“
mainbook-Verlag 2017
ISBN 9783946413912

 

 

 

 

Bücher kaufen für den guten Zweck: Im „OXFAM Bookshop“

Nicht allein das Schreiben ist eine meiner großen Leidenschaften. Ich bin nämlich gleichwohl ’ne richtige Leseratte und verlasse meine Wohnung  niemals ohne Buch im Rucksack. Insofern hab‘ ich mich natürlich erstmal gefreut, als „Hugendubel“ kürzlich eine weitere Filiale mitten auf der Zeil eröffnet hat. 

Bücher kaufen, das geht blöderweise auch schnell ins Geld. Angesichts meines Bücherverschleißes wäre ich vermutlich schnell ein armer Mann, würde ich ein jedes Buch neu und druckfrisch erwerben. Wie gut, dass es Antiquariate und Flohmärkte gibt, wo sich echte Bücher-Schnäppchen machen lassen.

Und noch besser, dass es einen Laden gibt, bei dem der Bücherkauf zur guten Tat gerät: 

Der „OXFAM Bookshop“ in der Töngesgasse.

Die Welt ein kleines Stückchen besser machen

Das Ladengeschäft in der Töngesgasse 35 existiert bereits seit über 15 Jahren und wird betrieben von der Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisation OXFAM. 

Über 70 (!) ehrenamtliche Mitarbeiter nehmen hier tagtäglich Bücherspenden an, kategorisieren die einzelnen Werke und zeichnen sie mit einem wirklich fairen Preis aus. Selten steht ein Buch hier für mehr als 3,50 EUR zum Verkauf. Das gilt sogar für aktuelle Titel!

Der Verkaufserlös wird unmittelbar weitergeleitet an OXFAM, die davon ihre zahlreichen Hilfsprojekte in der gesamten Welt finanziert.

Hier profitiert also jeder:

Der Bücherfreund, der sich hier mit Lesestoff versorgen kann, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen. Und schließlich all die Menschen, die an Armut leiden oder sich in Not befinden – und von der humanitären Hilfe der OXFAM-Projekte erreicht werden.

 

„Ein jedes Buch befindet sich in gutem Zustand“

Als ich neulich mal wieder auf der Suche nach neuem Lesestoff vor Ort war, hatte ich das Glück, mich mit den beiden netten Verkäufern ein wenig zu unterhalten.

Beide, so erzählen sie, arbeiten ehrenamtlich hier. Das Verkaufen mache nur einen kleinen Teil der Arbeit aus: Fast täglich würden hier Bücher angeliefert. Mal nur einzelne, mal gleich ganze Kartons.

Und jedes einzelne Buch, so wird mir versichert, würde umgehend auf seinen Zustand hin begutachtet. Was zerfleddert wirkt oder bereits nicht vorgesehene Bekanntschaften mit Kaffee, Wein und sonstigen Flüssigkeiten gemacht hat, wird aussortiert und nicht verkauft.

Was übrig bleibt, wird thematisch eingeordnet und in eines der vielen Regale eingeräumt, wo es fortan auf Kundschaft wartet. Ob Weltliteratur, Klassiker der Belletristik, Fachliteratur, seichte Urlaubsunterhaltung oder spannende Krimis: Ein jeder Leser solle hier auf seine Kosten kommen.

Wie lange es dann dauert, bis ein Buch einen neuen glücklichen Besitzer findet, das lasse sich indes kaum sagen: Gerade aktuelle Titel seien ratzfatz wieder verkauft, manche Bücher warten aber auch Monate lang auf einen Käufer. Und manche, die müssen dann eben irgendwann Platz machen für „Frischware“.

 

Der Bücherkauf als Erlebnis

Dass wirklich Jedermann hier fündig werden kann: Das kann ich nur bestätigen!

Klar, benötigt man ein ganz bestimmtes Buch, ist man beim gewöhnlichen Buchhändler besser aufgehoben. Möchte man dagegen einfach nur „mal schauen“, sich überraschen oder inspirieren lassen – dann ist man hier goldrichtig. Und macht es nicht auch verdammt viel Freude, sich durch die Regale zu stöbern?

Wie viele tolle Bücher ich hier schon entdeckt habe, die ich vermutlich ansonsten niemals gelesen hätte, vermag ich schon gar nicht mehr zu sagen. Meist verlasse ich den OXFAM-Buchshop dann mit gleich drei Büchern, für die ich gerade einmal so viel gezahlt habe wie für ein druckfrisches bei HUGENDUBEL & Co. Und natürlich mit dem guten Gewissen, einen kleinen Beitrag für eine bessere Welt geleistet zu haben.

Auch heute bin ich wieder fündig geworden: 

Voltaire ist es geworden, „Candide oder der Optimismus“, eine recht bekannte Erzählung des französischen Philosophen.

Für erschwingliche zwofuffzich!

Somit bin ich wieder mal sehr glücklich darüber, dass es den OXFAM-Buchshop gibt. Und damit das noch lange so bleiben mag, kann ich auch euch nur ans Herz legen, dort einmal vorbeizuschauen, wenn euch demnächst mal wieder der Lesestoff ausgeht.

Es lohnt sich gleich doppelt!

OXFAM Buchshop
Töngesstraße 35
Geöffnet:

Mo-Fr 10.00-18.30
Sa 10.00-16.30

 

Neuer #LESESTOFF: Stadtgeschichten, bestens vernetzt

Ist euch mal wieder der Lesestoff ausgegangen? 
Keine Sorge, denn ich hab‘ da mal wieder was entdeckt für euch. Es war nach Mitternacht, als ich neulich in der Leseecke des Yachtklub ein vielversprechendes Buch entdeckte:

„Frankfurter Verkehrsliteratour“, so sein Titel, erschienen 2016 im Größenwahn Verlag.

Ich gebe zu, ich war versucht, das Buch in einem unbeobachteten Moment in meiner Tasche versinken zu lassen. Doch dann besann ich mich eines Besseres und erstand das Buch am nächsten Tag im Buchhandel. Den Yachtklub, nee, das macht man nicht. Das konnte dann auch ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

Nun hab‘ ich das Buch durchgelesen. Weil es auf einem so einfallsreichen Konzept basiert, und die einzelnen Kurzgeschichten ausnahmslos in Frankfurt spielen, möchte ich es nicht unerwähnt lassen!

Worum geht’s`?

Die Herausgeber haben im Buch mehrere in Frankfurt handelnde Kurzgeschichten mittels dem öffentlichen Nahverkehr der Stadt verbunden. Hört sich ganz lustig an, ist es auch.

Am Ende einer jeden Kurzgeschichte zahlreicher Frankfurter Autoren (die mit Angabe der jeweiligen Haltestelle beginnt) wird der Leser vor die Wahl gestellt:

Wohin soll es nun gehen? Basierend auf dem Netzplan kann dann die Wahl getroffen werden, welche Haltestelle angefahren soll. Dort „angekommen“ (hierbei hilft die Angabe der Seitenzahl), wartet bereits die nächste Kurzgeschichte.

Das Buch ist also als Sammlung verschiedener Texte zu verstehen; ergänzt um zahlreiche Gedichte bietet das Buch unterhaltsame, verstörende wie zum Nachdenken anregende Texte. Garniert mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit!

 

Wie mir das Buch gefallen hat

Klar, dass ich aufgrund des breiten Spektrums unterschiedlichster Kurzgeschichten aus verschiedenen Federn nicht restlos begeistert war. Manche der Geschichten habe ich eher beiläufig zur Kenntnis genommen, in der Gesamtheit hat mich das Buch aber überzeugt!

Vor allem die Bandbreite der unterschiedlichen Geschichte hat mich angesprochen. Nachdenklich gemacht haben mich beispielsweise sowohl ein Essay über den freien Willen der Drogensüchtigen in der Taunusanlage sowie eine Erzählung über Beobachtungen, die von einem Balkon hoch über den Straßen des Bahnhofsviertels gemacht wurden.

Immer wieder schön bei der Lektüre fand ich, dass ich einen Großteil der Schauplätze gut kenne und auch gern selbst besuche: 

So zum Beispiel die „Gute Stute“ im Gallusviertel, die in einer fiktiven Geschichte zum Schauplatz eines Treffens zwischen dem jungen Goethe und einer namenlosen Stewardess wird.

Oder auch das Lobeslied auf den Yachtklub, verfasst von Tausendsassa Patrick9000.

Ich bin mir sicher, auch ihr werdet viele der Orte im Buch mit Schmunzeln wiedererkennen!

 

Und nun: Kaufen, kaufen, kaufen!

Na, überzeugt? Dann nichts wie hin zum Buchhändler eures Vertrauens! Aufgrund der kleinen Auflage wird das Buch vermutlich vorbestellt werden müssen.

Die Faulen oder Eiligen unter euch können natürlich auch bei Amazon bestellen – dabei aber bitte das schlechte Gewissen nicht vergessen! 😉

Viel Freude euch beim Lesen!

 

Lesestoff trifft Lyrisches: Vom Dilemma der „Generation Maybe“

Über das jüngste Buch, das ich verschlungen haben, bin ich genau zur rechten Zeit gestolpert. Ich hatte selbst schlaflose Nächte, zerbrach mir den Kopf. Über den Weg, den ich bis heute gegangen bin. Über mein Dasein, über meine Träume, meine Wünsche, meine Ziele.

Wer will ich sein, wo will ich hin, und verplempere ich nicht ohnehin meine Zeit mit Nichtigkeiten? Wo liegt der Sinn, was sind meine Werte, bin ich überhaupt noch „Up to Date“? Es galt, eine große Entscheidung zu treffen.

Aber vorher noch schnell mal Facebook und SPIEGEL ONLINE checken, ich könnte ja schließlich was verpassen.

Und genau von diesem Dilemma handelt auch meine heutige Lese-Empfehlung für euch:

Das erschreckend treffende, erheiternde und nachdenklich stimmende Buch

„Generation Maybe – Die Signatur einer Epoche“ des Berliner Autors Oliver Jeges. 

 

Schon der Klappentext hätte aus meiner Feder stammen können

„Die  Generation Maybe“ hat mehr Möglichkeiten als irgendeine Generation vor ihr. Sie ist in Wohlstand gebettet, gut ausgebildet und ringt dennoch um Orientierung. Sie will atomfreien Strom, glückliche Hühner und trotzdem mit Billigfliegern die Welt bereisen. Ihr Lebensziel ist ein CO2-freier Fußabdruck, finanzielle Absicherung und die große Selbstverwirklichung. Das klappt schon irgendwie. Oder? Was nach außen wie ein Segen scheint, ist für diese Generation ein Fluch. Weil plötzlich alles möglich ist, sind alle heillos überfordert.“ 

Wie tröstlich doch, dass es offensichtlich nicht nur mir so ergeht. Dass vielleicht meine gesamte Generation damit zu kämpfen hat, die freieste aller Zeiten zu sein.

Noch keiner Generation vor uns irgendwann in den 80ern Geborenen stand die Welt ganz sprichwörtlich so offen wie uns. Nie zuvor hatten junge Menschen mehr Möglichkeiten, ihr eigenes Leben nach Gutdünken zu gestalten. Und dennoch fühle auch ich mich oftmals überfordert auf der großen Spielwiese, die sich „Multioptionalität“ nennt. Verloren irgendwo zwischen Beruf und erfülltem Privatleben, verloren im ständigen Vergleich mit anderen. Gern auch mal nur virtuell bei Facebook. Ja, der eigene Willen kann schnell abhanden kommen, wenn alle Türen offen stehen.

Es geht uns eigentlich gut. Aber es ist dieses schwerelose Gefühl, das uns alle verbindet. Das Gefühl, dass wir auf der Stelle treten. Dass wir wir uns schwertun mit Entscheidungen. Dass wir nicht wissen, was richtig und falsch ist. Jenes namenlose Gefühl ist die Urkraft meiner Generation. […]

Ich tue mich schwer, Entscheidungen zu treffen. Mich festzulegen. Mich einer Sache intuitiv zu widmen. Ich habe kein ADHS. Und dennoch bin ich aufmerksamkeitsgestört, entscheidungsschwach. Ich sehe all die Optionen  vor mir, die Verlockungen einer ultraschnellen Welt, in der alles möglich ist. 

Diese Zeilen stehen auf einer der ersten Seiten des Werks. Und bereits jetzt fühle ich mich „ertappt“. Ja, ich bin dann wohl auch ein „Maybe“. Bloß nichts verpassen, bloß nicht festlegen. Und auch die folgenden Seiten erschrecken mich. Schreibt hier jemand über sich selbst, gar über mich – oder einfach über „UNS“?

„Wir leben in einem ständigen Teufelskreislauf und denken, dass das Interessante immer da ist, wo wir gerade nicht sind. Egal, mit wem man gerade zusammen ist – es könnte da draußen einen Menschen geben, der noch besser zu uns passt, noch interessanter ist. Einen Job, der noch attraktiver ist. Eine Lebensart, die weit mehr Glück verheißt. Das ist das Dilemma unserer Generation. […]

Wer sind wir? Hedonisten oder Minimalisten? Egoisten oder freiheitsliebende Individualisten? Ichbesoffene Feierbiester, zwischenmenschliche Analphabeten oder handzahme Pragmatiker? Wahrscheinlich von allem etwas. Mal mehr, mal weniger. Vor allem aber wissen wir nicht so richtig, wo es langgeht. Es heißt, der Weg sei das Ziel. 

Quatsch. Weg ist das Ziel! 

Ich fühle mich erneut ertappt. Und – so erschrocken ich bin, über mich selbst und die übergeordnete Frage nach dem „Warum“ – kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Auch wenn ich – ganz klar – zwischenzeitlich den Drang verspüre, doch mal auf das nette, blaue Logo meiner Facebook-App zu drücken. Doch auch hierbei ertappt mich das Buch:

Wir können unser ganzes Leben chronoligisieren. Fotos auf Instagram, Gedankenfetzen auf Twitter, Ereignisse auf Facebook, gehörte Lieder auf Last.fm. […]

Das Internet mit all seinen Spielereien ist unser Tagebuch, in das wir alle anderen reinschauen lassen. Nur, dass darin keine Misserfolge, keine Niederlagen, keine Hänseleien, keine Fehler, keine Demütigungen, keine Erniedrigungen, keine Katastrophen vorkommen.“

Ja, so ist es. Vermag uns bereits das eigentliche Leben nur allzu oft zu überfordern, so kann uns das Internet endgültig zur Verzweiflung bringen lassen. In jeder Sekunde verpassen wir, verpasse ich, schließlich hunderte neue Artikel, neue Nachrichten, neue Bilder, neue Schnäppchen, neue Status-Nachrichten von vermeintlich glücklichen „Freunden“ wie Bekannten. Neue Musik, neue Events, neuer Input.

Und, ihr ahnt es bereits:

Wenige Kapitel später fühle ich mich abermals ertappt.

Wir haben Angst, das Leben zu verpassen. Daher beschleunigen und verdichten wir es, packen so viel hinein wie nur möglich, machen es effizienter und straffer. Doch dadurch verpassen wir unser Leben erst recht. 

Wie wahr, wie wahr.

Doch: Was tun mit der Erkenntnis, dass auch ich so ticke? Dass ich nicht alleine bin mit meiner Orientierungslosigkeit, dass diese ein gewaltiges Problem einer gewaltig freien – und dennoch in den grenzenlosen Möglichkeiten gefangenen – Generation ist? Die überfordert ist von all den Möglichkeiten ist, sich erschlagen fühlt von all dem permanten Input? 

Ich weiß es nicht, und auch der Autor lässt den Leser ratlos mit dieser Frage zurück. Nachdenklich, erwischt. 

Beschleicht auch euch die leise Ahnung, ein „Maybe“ zu sein? Oder seid ihr einfach neugierig geworden?

Tut euch selbst einen Gefallen, ersteht und lest dieses Buch! Falls euch das nicht beim lieben Buchhändler ums Eck möglich sein sollte, notfalls auch bei Amazon. 

 

Mein eigenes Dilemma: Lyrisch verpackt

Ich selbst habe übrigens – just an dem Tag, an dem ich die Lektüre begann – versucht, meinen Gedankenrausch lyrischen Ausdruck zu verleihen.

Es geht um Willen, um Entscheidungen, um die Frage nach dem „Wohin“. Und um das, was mir, was anscheinend uns allen fehlt: Mut und Rückgrat. Man sagt, man sei die Summe seiner Entscheidungen.

Und da ist vielleicht was dran. 

 

Lesestoff: Von roten Bändern und einer blauen Welt

Der Weihnachtsmarkt ist jüngst eröffnet worden, das Jahr nähert sich dem Ende. Und zusammen mit der Adventszeit stehen auch die kürzesten Tage und längsten Nächte vor der Türe. Die beste Zeit des Jahres zum Lesen also (okay, und zum Glühwein trinken, natürlich).

 

Also: Einkuscheln, Buch zücken, die Gedanken kreisen lassen!

Mein neuester Lese-Tipp für euch war für mich zunächst ein echter Zufallstreffer und Glücksgriff. Die Wartezeit am Bahnhof genutzt, um die Regale der Bahnhofsbuchhandlung zu durchstöbern, ein paar Klappentexte studiert – und beim Titel „Club der blauen Welt“ des spanischen Autors Albert Espinosa hängen geblieben.

1480110519032

Dass es sich hierbei um die Fortsetzung des Buchs „Club der roten Bänder“ handelt, welche längst erfolgreich als TV-Serie des Senders VOX handelte, wusste ich zunächst nicht.

Nachdem ich an einem einzigen Tag das erste Buch verschlungen hatte, habe ich mir direkt dessen Vorgänger gekauft und ebenfalls innerhalb des Folgetags verschlungen. Weshalb die beiden Bücher dermaßen in ihren Bann gezogen haben und wieso ich euch deren Lektüre unbedingt ans Herz legen kann?

 

Selten hat mich Lektüre so bewegt

Zunächst zur Story der beiden Bücher:

Diese unterscheidet sich zwar grundlegend in der Handlung – so beschreibt der erste Teil („Club der roten Bänder“) beschreibt autobiographisch die Erfahrungen, welche der Autor in der Zeit seiner Krebserkrankung sammeln konnte. Und wie er diese nach seiner Heilung, welche ihn allerdings sein Bein kostete, auf ein neues, glücklicheres Leben übertragen konnte.

Der zweite Teil („Club der blauen Welt“) handelt dagegen von einer Gruppe unheilbar kranker junger Menschen, welche die letzten Tage bis zu ihrem sicheren Tod auf einer abgelegenen Insel verbringen. Ihren sicheren Tod vor Auge. Wie also verbringen sie ihre letzten Tage?

Letztlich geht es darum, den Tod zu akzeptieren. Nicht zu verdrängen, sondern von ihm ausgehend sein Leben neu auszurichten. Den sicheren Tod zu akzeptieren und als Gegengewicht zum Leben zu betrachten. Ja, was wäre ein Leben auch schon wert, ohne den Gegenwert des Todes? Nichts.

 

„Frei bist du, wenn du tust, was du nicht musst“

Nein, diese Bücher sind keine Lebensratgeber. Von diesen halte ich ohnehin nicht viel, davon distanziert sich der Autor auch in beiden Vorworten. Vielmehr Geschichten vom Tod als Ende, welches es zu akzeptieren statt verdrängen gilt – und aus einem Bewusstsein eines unabwendbaren Todes sein eigenes Leben zu leben. Und diesem schlussendlich Sinn zu verleihen.

Besonders bewegt mich momentan der Gedankengang, dass ein Menschenleben ohne Tod nichts wert ist. Wie oft verdränge ich, wie oft verdrängen wir alle das Bewusstsein darüber, dass auch unsere Existenz endlich ist?

hauptfriedhof-1

Wie schade eigentlich, Kann das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit doch so viel Kraft freisetzen. Dabei helfen, sich auf des Wesentliche zu konzentrieren.

Und genau hierfür bewundere ich den Autor: 

Dem eigenen Tod unendlich oft ins Auge gesehen, ist es ihm gelungen, allen Umständen seines am Krebs erkrankten Lebens etwas abzugewinnen. Und diese Erkenntnisse auf ein Leben nach der Heilung zu übertragen. Nein, soweit soll es bei mir (und auch euch!) niemals kommen – aber auch ich habe nach der Lektüre das Bedürfnis, mein Dasein neu zu überdenken.

 

Wenn beim Lesen fast die Tränen kommen

Ganz besonder berührt haben mich die Worte, die dem Autor von einem im Krankenhaus im Sterben liegenden Zimmernachbarn mit auf den Weg gegeben wurden. Erinnern mich diese Worte doch so sehr an mein eigenes oftmaliges Unvermögen, das Wesentliche im Leben zu erkennen. Meine Neigung, mich in Nichtigkeiten zu verlieren, meinen Fokus falsch zu setzen. Oftmals lediglich zu funktionieren, statt zu leben. Daran, dass auch ich nur allzu gern verdränge, dass auch mein Dasein endlich ist.

Diese letzten Worte eines Sterbenskranken möchte ich hier kurz wiedergeben:


Die Basis für alles ist die Überzeugung,
dass du heute noch sterben wirst. Sie verleiht dem Leben
einen Sinn – mehr gibt es nicht.

Und wenn du am nächsten Tag doch wieder aufwachst, dann
ist die Freude groß, weil man dir weitere 24 Stunden geschenkt hat.
Rufe dir jeden Tag in Erinnung, dass du ihn auf deine Art und
weise verbringen musst.

Was bringt es denn, nach den Regeln anderer zu leben?

Diese lassen dich doch nur glauben, dass du noch tausend
Jahre vor dir hast. Damit du dich nicht auf die Gegenwart
konzentrierst.

Nein, wir werden nicht noch tausend Jahre leben.
Sondern nur noch einen Tag, Und dann noch einen –
und noch einen. Wenn du so denkst, bringen sie dich dazu, dein
Leben zu verpfänden.

Überleg‘ doch mal – wenn dir nur noch ein Tag bliebe,
würdest du dann arbeiten? Oder deine Rechnungen bezahlen?
Würden dich die Nachrichten interessieren?

Oder würdest du lieber versuchen, dich zu verlieben?
Spielen? Du musst nichts tun, was du nicht tun willst. Zwinge dich zu nichts, was du nicht willst. Oder nicht brauchst. Lebe jede Sekunde, genieße die Minuten.

Und vor allem: Vergiss die die ganzen Pflichten. Wenn du in diesem Kreis-
lauf einmal festhängst, bringt das immer neue Verpflichtungen mit sich.
Immer.

Im Leben nach fremden Regeln verstellt dir die Stadt den Blick auf deine Seele.
Diese riesigen Gebäude hat man dorthin gebaut, damit du sonst nichts siehst.

 

Diese Zeilen lösen etwas aus in mir. Und prompt verspüre ich das Bedürfnis, zu Handeln. Mehr hierzu demnächst an dieser Stelle.

 

Kaufen!

Ich lege euch den Kauf der beiden Bücher sehr an eure Herzen!
Diese sollte natürlich bestenfalls bei eurem Buchhändler ums Eck erfolgen.

„Support your Locals“ und so – ihr wisst schon!

Ansonsten – PFUI ! – klickt hier und hier.


Was ist der Sinn, den ihr eurem Leben verleihen wollt? 
Verliert auch ihr öfters einmal den Blick für das Wesentliche? 

Ich bin gespannt, ob die beiden Bücher euch ebenso bewegen wie mich.
Lasst es mich gern wissen – ich wünsche ein schönes Lesevergnügen!

Lesestoff für Schobbe-Freunde: „Süß, Sauer, Pur“.

Brrrr, das ging schnell. Nachdem ich mich gedanklich immer noch im Sommer befinde (oder zumindest in der Hitze Kaliforniens, die ich noch vor zwei Wochen genießen durfte), hat mich der Frankfurter November wieder knallhart auf den Boden der meteorologischen Tatsachen geschleudert. 

Ich versuche, das Beste daraus zu machen, indem ich mein Bücherregal weiter fülle. Meinen Horizont zu erweitern, wie man so schön sagt.

Dabei bin ich auf ein feines Büchlein gestoßen, welches mein unmittelbares Interesse umgehend erwecken konnte (warum nur?) :

Süß, sauer, pur. 

Klar, als Verfechter und Liebhaber des für nicht-Hessische ungenießbare Obstweines und Kind einer Familie, welche bereits seit Generationen alljährlich brav ihre Apfelernte bei der örtlichen Kelterei einliefert, liegt bei mir quasi ein naturgegebenes Interesse am „Stöffche“ vor.

Dieses lässt sich sich mit dem Buch „Süß, sauer, pur“ – jüngst erschienen im Oktober 2016 im Henrich-Verlag – ganz hervorragend erweitern.

fullsizerender-5

Also: Standesgemäß und stilecht ab in die Wirtschaft, sich mitsamt dieser Lektüre breitmachen und ’nen „Schobbe“ bestellen – oder ganz einfach den einsetzenden Schneeregen sein Dasein lassen und sich in die heimische Badewanne verkrümeln! 


Worum geht’s?

Primär natürlich um unser „Nationalgetränk“, den Apfelwein. Klar, an diesbezüglicher Fachliteratur herrschte auch bislang kein Mangel. Warum also solltet ihr euch dieses Buch zulegen?

Zum Ersten: 
Es ist wahrlich schön anzusehen. Mit dem Preis von 16 Euronen zwar nicht wirklich günstig, dafür im hochwertigen Druck gefertigt und mit zahlreichen brillanten Bildern garniert.

Zum Zweiten:
Es ist ehrlich. Keine Glorifizierung, keine trockene Analyse eines hierzulande beliebten, alkoholischen Getränkes.

Vielmehr schildern gleich 12 Frankfurter Autoren in 22 Kurzgeschichten ihre ganz eigenen Erfahrungen und Erlebnisse rund ums „Stöffche“.

Schnöde Auflistungen und Bewertungen sucht der Leser darin vergeblich, genauso wie schöngemalte Geschichten aus den einschlägigen Frankfurter Lokalen.

Dafür aber, zum Dritten:
Ein Sammelsurium von stolzen 22 ganz ehrlichen Berichten rund um Geschichte, Tradition und persönlicher Erlebnisse rund um das flüssige Gold.

Außerdem erfährt der Leser, warum er niemals Süßgespritzten bestellen sollte, dass es in Frankfurt nur lediglich drei Wirtschaften gibt, die ihren Apfelwein noch selbst keltern. Warum Sauerkraut zum Apfelwein – den man niemals als Äppler bezeichnen sollte! – zwar gut schmeckt, aber mit Vorsicht zu genießen ist. Und dass Frankfurter Apfelweinwirtschaften zwar kein Ort von Gemütlichkeit oder gar Freundlichkeit, dafür aber von absoluter Ehrlichkeit und Offenheit sind.

Mein Fazit

Kauft euch dieses Buch! Egal ob Apfelwein-Neuling oder Kenner, egal ob frisch zugezogen oder alteingesessen. Es ist kurzweilig und lässt sich ganz hervorragend beim Gerippten oder in der der heimischen, warmen Wohnung genießen. Hinterher macht’s außerdem auch im Bücherschrank was her und ist dank der zahlreichen Bilder äußerst schön anzusehen.

Von Seckbach bis Sachsenhausen wird sehr kurzweilig vom auswärtigen Genießen wie von der Selbstherstellung (vielleicht seid ihr ja auf der Suche nach einem neuen Hobby?) eingehend wie unterhaltsam berichtet. Prädikat:

Kaufen (notfalls auch bei Amazon), gemütlich machen, einschenken und lesen! Sofort!

 

 

Neuer Lesestoff: Von Bankgeheimnissen und gleich 66 Lieblingsplätzen.

Chapeau!

Nachdem ich den ersten Teil meiner Bilderserie „36 Lieblingsorte“ veröffentlicht hatte, bekam ich eine unerwartete Zuschrift von Ralf Thee. Der waschechte Frankfurter bekundete mir seinen Gefallen an meinen Bildern und meiner Idee – und wies mich darauf hin, dass auch er bereits 2012 diese Idee hatte. Wenn auch in etwas anderer Form: Ein ganzes Buch, mit stolzen 66 statt „nur“ 36 Lieblingsorten. 66 mitunter versteckte Plätze unserer Stadt, welche jeweils mit einem schmucken Bild und einem begleitenden Text vorgestellt werden. Letztere stammen von seinem Freund Bernd Köstering. 

Klar, dass ich mir das Werk umgehend zugelegt habe.

foto-30-10-16-20-17-43

Zeit für neuen Lesestoff!

Das Buch habe ich als neugieriger Stadtentdecker quasi in „einem Rutsch“ verschlungen. Fast ein wenig ironisch, dass die beiden Autoren nicht nur 4 Jahre vor mir die quasi selbe Idee hatten – nein, auch zahlreiche deren Lieblingsplätze decken sich mit meinen ganz persönlichen Lieblingsorten.

Besonders schön auch die Bilder, für die der Autor manch erstaunlichen Aufnahmepunkt wählte: Wer hätte schon gedacht, wie wunderschön unser Eschenheimer Turm vom Treppenhaus des benachbarten Fleming’s-Hotel aus anmutet?

Lesenswert auch die Begleittexte, welche das Wissen um Geschichte und Gegenwart unserer Heimatstadt auf interessante Art erweitern.

Und, wer hätte es gedacht: Auch sind Orte erwähnt, deren Existenz auch mir bislang nicht bekannt war, und die ich nun unbedingt entdecken möchte – wie zum Beispiel ein Wasserschloss im Frankfurter Westend.

Mein Fazit

Das Buch ist nicht nur für „Eingeplackte“ eine tolle Möglichkeit, die schönsten Flecken Frankfurts zu entdecken. Nein, auch Alteingesessene wie Etablierte finden darin eine unterhaltsame Streiftour durch die Stadt. Schön, dass neben all den doch eher bekannten wie touristischen Sehenswürdigkeiten auch ganz unscheinbare Orte Erwähnung finden.

Das Buch macht neugierig, schafft Bewusstsein für die Vielfalt der Stadt – und ist allein aufgrund der Bilder durchaus lesens- und betrachtenswert. Auch die Idee mit den 11 „Bankgeheimnissen“ gefällt mir außerordentlich gut – was es mit ihnen auf sich hat, findet ihr am besten selbst heraus.

Wessen Interesse nun geweckt ist, der begebe sich umgehend zur nächsten Buchhandlung seines Vertrauens (support your Locals, ihr wisst schon). Die Faulen unter euch können aber auch gern ihren Beitrag zur Vernichtung des heimischen Einzelhandels leisten und das Werk hier bestellen:

https://www.amazon.de/B%C3%A4nken-Banken-Frankfurt-Main-Lieblingspl%C3%A4tze/dp/3839213622

Viel Freude beim Lesen und Entdecken!