Auf der Jagd nach den Sternen: Beim Frankfurter Foto-Slam

Dass ein „Foto-Slam“ ebenso unterhaltsam und spaßig sein kann wie die weitaus populäreren „Poetry-Slams“ es sind:

Darüber hatte ich schon nach meiner letztmaligen Teilnahme am bildschöpferischen Wettbewerb in diesem Blog berichtet.

Und auch, wenn mir mein Sieg trotz abenteuerlicher Jagd nach den letzten Telefonzellen als Relikten einer vergangenen Zeit verwehrt blieb – ich fieberte bereits dem nächsten Foto-Slam entgegen, an dem mein Dienstplan mir eine Teilnahme ermöglichen würde.

 

„Foto-Slam“: Noch nie gehört?

Dann kurz aufgepasst, denn das Konzept ist schnell erklärt:

Foto-Freunde werden über die Facebook-Seite des Veranstalters dazu aufgerufen, sich – ausgestattet mit Kampfgeist, guter Laune und Kamera (ein Smartphone tut es auch!) in der Bornheimer Kult-Absackstube „Lebensfreude Pur“ zu versammeln.

Dort hat ein jeder Teilnehmer die exklusive Gelegenheit, einen Motto-Vorschlag aufzuschreiben und in einen Hut zu verfrachten.

Blind wird eines der Mottos gezogen – dieses dient dann als Oberbegriff für die Werke, die es im Rahmen des Wettbewerbs zu erstellen gilt.

Eine Stunden lang haben die Foto-Slammer nun Zeit, um auszuschwärmen. Es darf sich im gesamten Stadtgebiet aufgehalten werden, um ein dem Motto entsprechendes Motiv zu finden. Wer schlau ist, erscheint also zumindest mit dem Fahrrad!

Nach Ablauf der Stunde wird sich dann wieder in der „Lebensfreude“ versammelt, um einen Schoppen zu beordern und das eigene Foto einzureichen.

Alle Bilder werden dann – freilich ohne Angsbe des Fotografen – auf Leinwand präsentiert. Mittels Stimmen in Form von Kaffeebohnen, die auf Schnapsgläser verteilt werden, wird nun in bewährten Verfahren der Sieger bestimmt. Dabei darf sowohl kumuliert als auch panaschiert werden, wie man das im Amtssprech so schön schimpft.

Das Bild mit den meisten Stimmen gewinnt. Dessen Urheber wird bekannt gegeben – und dieser darf sich darüber freuen, als Gewinner aus dem Turnier hervorzugehen. Obendrein winken Ruhm, Ehre & ’ne Menge Lobhudelei, versteht sich.

Klingt spaßig? Ist es auch!

 

Also: Auf nach Bornheim!

Auf die Mitnahme einer Spiegelreflexkamera verzichte ich, als ich mich aufs Fahrrad schwinge. Schließlich fotografiere ich nur noch analog – und die Zeit bis hin zur Entwicklung würde dann doch etwas den Rahmen des Slams sprengen.

Ich treffe ein, grüße die bereits anwesenden Mitstreiter – zwölf an der Zahl, die gemeinsam mit mir heute um den Titel des „Foto-Slammers Februar 2017“ buhlen werden.

Doch zunächst werfe auch ich meinen Motto-Vorschlag in den Hut. Veranstalter Jürgen schüttelt noch mal kräftig durch, zieht einen Zettel heraus und liest vor:

 

Die Jagd nach den Sternen

Stern(e) also: Unter diesem Begriff sollen heute unsere Bilder entstehen. „Warum ausgerechnet Sterne?“, denke ich mir – und blicke in den wolkenverhangenen, dunklen Himmel.

Doch der für Frankfurter Ortskenntnis zuständige Bereich meines Gehirns beginnt zu rattern. Die Zeit läuft.

Brainstorming im Kopf

Stern… Stern… Stern… Zum Stern! Klar, dass es nicht lange dauert, bis mir die Kneipe „Zum Stern“ in Alt-Sachsenhausen in den Sinn kommt. Doch Kälte und Anfahrt schrecken mich ab. Und was sollte dort schon für ein Motiv herauskommen? Ein Foto des Schriftzugs „Zum Stern“ auf der Fassade“?

Nee, also, ähm… doch nicht. Ich denke weiter nach.

„Stern Kaffee!“ – Wieso komme ich als Kaffee-Junkie nur jetzt erst darauf? 

Blöde nur, dass das gleichnamige Kaffeehaus an der Paulskirche schon geschlossen hat. Und auch die Rösterei Wissmüller in Bockenheim, die mein schwarzes Gold erschafft, hat bereits geschlossen. Schade, deren Räumlichkeiten hätten sicherlich ein schönes Motiv abgegeben – mit all den STERN-Kaffeetüten.

Ich grüble weiter. Stern-Kaffee gibt’s ja auch anderswo. Na klar, in der „Margarete“ beispielsweise! Ich trete in die Pedale und radele gen Innenstadt. Nun ja, zumindest bis ich an einem Kiosk vorbeifahre und die Zeitschriften-Auslage erspähe.

Na klar doch! Der „Stern“ – das ist ja schließlich auch ’ne Zeitschrift! Und die liegt doch für gewöhnlich in der Mokkateeria aus. Also: Nix wie hin, so’n Käffchen täte mir auch sicher gut bei dieser Eiseskälte.

Doch prompt folgt die Ernüchterung: 
Spiegel und Focus sind im Angebot – der Stern leider vergriffen. Fuck. 

 

Verzweifelt bei REWE

In meiner Verzweiflung treffe ich eine letzte Entscheidung. Aufgeben gilt schließlich nicht! Ich fahre zum REWE nebenan, hechte zu den Zeitschriften. Neben mir studiert bereits eine nette junge Dame die Auslagen. Ich spreche sie an, erkläre ihr meine Not. Bitte sie darum, statt ihrer Frauenzeitschrift den „STERN“ zu studieren. Was sie auch – nach kurzem Kopfschütteln – gern zu tun bereit ist. Ich versuche mich an einigen Perspektiven und Einstellungen – Bild im Kasten!

Nun schnell zurück zur „Lebensfreude Pur“ und Bild einreichen. Apfelwein bestellen, hinsetzen, verschnaufen. Auch meine Konkurrenten trudeln ein und reichen ihre Werke ein.

 

Und der Sieger…. bin ich?!

Ich bin bereits gespannt auf die Präsentation der entstanden Fotos. Und packe mir an die Stirn, als ich feststelle, dass ich mal wieder zu kompliziert gedacht habe.

Mercedes-Sterne, Blenden-Sterne der Straßenlaternen, Sternblumen – hätte ja nun wirklich nicht unbedingt Kaffee der Marke „Stern“ sein müssen.

Kurz lache ich auf und bin ein wenig frustriert – außer mir hatte noch jemand die Idee mit dem „Stern“ als Zeitschrift. Allerdings plaziert im Tiefkühlregal eines Supermarktes. Die Message versteh‘ ich nicht so ganz, aber dennoch: Hey, wir sind ja alle kreative!

Die Abstimmung beginnt. Wir verteilen unsere Kaffeebohnen auf die Gläser. Ich persönlich habe meine Favoriten schnell gefunden: Ein wunderschönes Bild von Straßenlaternen, die ihr Licht sternförmig über die dunklen Straßen Bornheims verteilen. Und eines, dass eine sternförmige Maske in einem Schaufenster zeigt – in dem sich wiederum die Sonne (ist das nicht auch ein Stern?) der Spielothek gegenüber zeigt. Klasse Bild!

 

Welches der Bilder wohl gewinnen mag? 

Die Stimmen werden ausgezählt. Es ist…. meines. Ich schüttele meinen Kopf, vergewissere mich nicht zu träumen. Doch, tatsächlich, ich gewinne mit den meisten abgegeben Stimmen. Woah – und das mit meinem Smartphone, obwohl die anderen Teilnehmer allesamt ausgerüstet mit DSLR, mehreren Objektiven und Stativen angereist sind.

Schön, hier bestätigt zu bekommen, dass nicht allein das Equipment zählt – sondern ebenso Idee, Motiv und Umsetzung. Ich lasse mich kurz feiern, nachdem ich mich als Urheber des Bildes geoutet habe. Erzähle die Geschichte dahinter – und bin gespannt auf die Geschichten hinter den anderen Bildern.

Seid doch dabei beim nächsten Mal – und fordert mich als Titelverteidiger heraus! 

Alle Infos zum nächsten „Frankfurter Foto-Slam“ findet ihr hier.

Dort könnt ihr auch die gesammelten Werke meiner Mitstreiter betrachten.

Und bis dahin: Allzeit „Gut Knips“!