Drinkin‘ like a Local: Durch den Tag mit Getränken aus der Region

Bye, bye, Getränke-Einerlei:
Zunehmend werden die Platzhirsche von Großkonzernen wie Tchibo, Pepsi, Warsteiner, Absolut & Co von jungen Unternehmern herausgefordert, die mit frischen Ideen und lokalem Einschlag um eine urbane Käuferschicht werben.

Auch ich konnte mich selten meiner Neugierde verwehren, wenn ich im Einzelhandel oder auf Veranstaltungen auf mir bislang unbekannte Etiketten stieß. Die Frankfurter „Getränke-Szene“, das muss man sagen, hat längst ein beachtliches Ausmaß erreicht. Vom Kaffee über Limonaden bis hin zum „harten Zeug“ – längst kann der gemeine Konsument auf Erzeugnisse lokaler Produzenten zurückgreifen.

Grund genug für mich, den Selbstversuch zu wagen: Ich möchte einen ganzen Tag lang ausschließlich Getränke von kleineren Herstellern aus meiner Stadt süffeln. Noch weiß ich nicht, ob das eine gute Idee von mir ist – findet ihr es mit mir heraus?

 

Hoppenworth & Ploch: Kaffee vom Deutschen Röstmeister

Wer könnte jemals der Behauptung widersprechen, dass der erste Schluck Kaffee am Morgen der schönste Genuss-Moment des ganzen Tages sei?

Auch in der Stadt des Apfelweins wird seit langer Zeit Kaffee geröstet. Während die Traditionshäuser „Wacker“ und „Wissmüller“ schon seit über 100 Jahren den wunderbaren Duft des schwarzen Goldes verströmen lassen, ist „Hoppenworth & Ploch“ noch recht neu im Geschäft. Davon zeugt auch, dass die Rösterei ihre Produkte im Hipster-Sprech als „Craft Coffee“ vermarktet. Neben einer Filiale am Uni-Campus Westend betreiben die jungen Geschäftsführer auch ein Café in der Friedberger Landstraße, in dem Dienstag für Dienstag die aus aller Welt importierten Bohnen geröstet werden. Bei deren sorgfältiger Auswahl achtet die Rösterei insbesondere auf faire Arbeitsbedingungen auf den Plantagen, exzellente Qualität und nachhaltigen Anbau.

Freilich spiegelt sich dies auch in den Preisen wieder. 8,90 Euro blättere ich für 250 Gramm von Filterkaffeebohnen der Sorte „Hunapu“ aus Guatemala hin. Das auf die Verpackung gedruckte Versprechen von Aromen von Orange, Himbeere und Bourbon weckte meine Neugierde.

Wie gut, dass ich als Kaffee-Fetischist auch eine entsprechende Mühle mein Eigen nennen darf!

Schon nach dem Öffnen des weißen Beutels strömt mir der Duft entgegen, für den ich im Zweifel töten könnte. Mag sein, dass ich die goldene Plakette auf der Packung meine Wahrnehmung trübt, aber: Mein feines Näschen kann gar nicht anders, als das zu erschnüffelnde Aroma als ganz und gar meisterlich zu empfinden!

Niemand geringeres – davon zeugt das goldene Siegel – als der Deutsche Kaffee-Röstmeister (was es nicht alles gibt!) Kilian Seger zeichnet sich für das schwarzbraune Gold verantwortlich, welches morgens um 11 bei mir zu Hause durch den Filter fließt. Vielleicht ist es wie beim Wein, vielleicht schmeckt man nur das, was man zu schmecken glaubt, aber: Als ich die Tasse zum Mund führe, schmecke ich schon Orange, Himbeere und Bourbon, bevor ich überhaupt genippt habe. Kaffeetrinken kann eben so viel mehr sein, als sich hastig am Bahnhof am Vollautomaten ein Heißgetränk zu ziehen oder heißes Wasser durch eine Kapsel „Jacobs Krönung“ laufen zu lassen.

Ja, Genuss hat seinen Preis – im Falle von „Hoppenworth & Ploch“ bin ich aber gern bereit, für den Genussmoment ein wenig tiefer in die Taschen zu greifen. „‚Made in Frankfurt‘ kann so köstlich sein!“, denke ich mir, während ich noch einen Schluck nehme und mir anschließend die erste Zigarette des Tages anzünde. Heute wird ein guter Tag.

 

Hipster-Brause ohne Zusätze: „Yari Mate“

Auch der beste (All)tag zehrt gelegentlich an den Kräften. Mitunter sehnt sich der junge Großstädter also nach aufputschenden Hilfsmittel. Obendrein ist – vor allem, wenn’s draußen warm ist – eine kalte Erfrischung immer gern gesehen und ganz allgemein ’ne feine Sache.

Nun sind Mate-Getränke schon längst kein alleiniges Stilmittel von Teilnehmern von Hacker-Kongressen und der Jutebeutel-Avantgarde der Hipster in Berlin-Mitte mehr. Längst ist die Flasche „Club Mate“ vom Statement zu dem verkommen, was es ist: Ein Erfrischungsgetränk. Auch ich halte mich zuweilen lieber ganz klassisch an einer Coke Light fest, da mir nach einem Blick auf die Nährwerttabelle der Mate-Brausen meist der hohe Zuckerzusatz sauer (oder besser:süß) aufstößt.

Ein junger Spross auf dem weiten Feld der Mate-Getränke hat in mir somit einen dankbaren Abnehmer gefunden, denn:

Dass die großen Hersteller nicht bei der Verwendung von Extrakten, künstlichen Aromen, Farbstoffen und eben Zucker geizen, war Richard Theilen und seinem späteren Geschäftspartner Florian ein Dorn im Auge.

„Wir waren vom gesundheitlichen Benefit und der aufputschenden Benefit von Mate trotzdem immer überzeugt“, erzählt er mir im Gespräch. Er hat sich gefragt, weshalb niemand einfach natürliche Zutaten in heißem Wasser aufkochen und abschließend abfüllen wollte. „Also haben wir das einfach selbst gemacht“, lacht er und betont die gemahlene Ingwer-Wurzel und den Saft frisch gepresster Zitronen als besonderes Geschmacks-Gimmick. „Yari Mate“ war geboren!

Die Natürlichkeit, die schmecke man, versichert mir Richard. Außerdem – und nun werde ich hellhörig – sei „Yari Mate“ ein kalorienarmes Getränk, obwohl keine synthetischen Süßungsmittel zugesetzt seien. „Das Zusammenspiel von gerösteten Mate-Teeblättern, der Ingwer-Wurzel und dem frischen Hauch der Zitrone ist ein wahres Geschmackserlebnis“, versichert mir Richard Theilen. „‚Yari Mate‘ ist ein ehrliches Getränk und schmeckt am besten nach dem Training – eiskalt, versteht sich!“

Okay, überzeugt, ich wage den Geschmackstest. Auch meine Flasche ist eiskalt angehaucht, als ich sie aus dem Kühlschrank nehme. Am späten Nachmittag hänge ich in kleinem Formtief fest; für ein anstehendes Interview wäre ein kleiner energetischer Push nicht schlecht. Ein kurzer Blick aufs Etikett: Mit 19 kcal und 4,3 Gramm Zucker je 100 Milliliter verfügt auch „Yari Mate“ noch über deutlich mehr Brennstoff als meine Coke Light, zeigt sich aber gegenüber vergleichbaren Produkten deutlich schlanker.

Bereits beim ersten Schluck hebt sich „Yari Mate“ deutlich vom gewohnten Geschmack ab. Im Direktvergleich mit „Club Mate“ fällt vor allem auf, dass hier deutlich weniger Zucker drinsteckt. Da keine Farbstoffe zugesetzt werden, erstrahlt das hessische Gebräu aber statt in goldgelb in bräunlich-trüb. Hier geht’s allerdings um den Geschmack, und der ist tatsächlich voll und ganz von Ingwer und Zitrone geprägt. Zusammen mit dem altbekannten Touch von Mate-Tee ergibt das ein tatsächlich erstaunlich natürlich schmeckendes Getränk, das ganz ohne extreme Nuancen auskommt und genau deswegen einen runden Eindruck macht.

Ob ich nach dem Genuss der handlichen 330ml-Flasche tatsächlich den ersehnten Power-Boost erlangt habe, kann ich eine halbe Stunde später noch nicht genau sagen. ‚Ne leckere Erfrischung war die „Yari Mate“ aber auf jeden Fall. Und dass sich die Brause mit mir gemeinsam eine Heimat teilt, macht sie für mich umso sympathischer. Cheers!

 

Feierabend: Darauf ein „Frankfurter Helles“ !

Zum Feierabend gönnt sich Otto-Normaltrinker ja gerne mal ein Bierchen. Ich als Vollblut-Frankfurter dagegen läute den Abend dagegen lieber mit ’nem Schoppen ein. Nur, wenn ich mich hin und wieder jenseits des Apfelwein-Äquators befinde, greife ich notgedrungen auf ein Hopfengetränk zurück. Am liebsten trinke ich dann ein „Helles“, besonders gern eines der süffigen aus Bayern.

Neben den Binding-Klassikern in Form von Pils ist mit dem „FXXXXFXXXXR Helles“ – was sich wohl hipper lesen soll als „Frankfurter Helles“ – nun auch ein helles Bier aus meiner Heimatstadt erhältlich. Nun ja, zumindest ein als Frankfurter gebrandetes: Das Etikett der Flasche im Wurfgranaten-Format verrät, dass das Bier in Hallerndorf gebraut und abgefüllt wird. Da die Macher des „Margarete“ aber in aller Regel über ein gutes Händchen in Sachen Genuss verfügen, bin ich bereit, aus meiner Routine auszubrechen und mir statt ’nem Sauergespritzten ein abendliches Bier einzugießen.

Das gelingt mir erstaunlich gut, die Schaumkrone sitzt, ein Bier wie aus der Fernsehwerbung. „Wir haben ein Helles gebraut, das man jeden Tag und überall trinken kann“, preisen die Macher auf ihrer Homepage an.

Nach einem ersten Schluck befinde ich: Dieses Helle schmeckt nicht halb so süffig wie seine bayrischen Verwandte von Augustiner, Tegernseer & Co. Allerdings auch nicht so herb wie das von mir verhasste Pils.

Am Ende der Flasche fälle ich folgendes Urteil:
Das Etikett gefällt mir super, der stilisierte Adler passt zu einem modernen Bier aus meiner Heimatstadt. Auch schön, bei all dem ganzen Craftbeer-Hype ein einfach gemachtes, grundsolides Getränk in den Händen zu halten. Das Bier selbst schmeckt mir nicht schlecht, aber auch nicht so gut, dass ich deswegen nicht mehr auf die bewährten Bayern zurückgreifen würde. Bei aller Sympathie für das Produkt: Morgen gibt’s für mich zum Feierabend wieder Ebbelwoi. Gut möglich aber, dass passionierte Biertrinker ihre dauerhafte Freude am neuen „Hellen“ aus Frankfurt haben.

 

Nach mir die Gin-Flut: „Bembel Gin“ versüßt den Abend

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs ist es nicht entgangen: Ich bin großer Verfechter des Apfelweins. Meine Vorliebe für Gin dagegen ist eine privatere. So begieße ich besonders schöne Tage am liebsten mit einem Gin Tonic. Nicht, dass das ein Alleinstellungsmerkmal wäre: Der Hype um die Spirituose ist noch immer ungebrochen, immer neue Marken springen auf die Gin-Welle auf. Schwierig, da den Überblick zu behalten.

Den brauche ich zum Glück aber gar nicht. Mein absoluter Liebling nämlich ist der Bembel Gin, dessen Macher sich selbst als Apfelwein- und Gin-Liebhaber bezeichnen. Nichts lag ihnen näher, als ihre beiden Leidenschaften zu vereinen. Mit dem „Bembel Gin“ haben sie daraufhin ein Produkt erschaffen, das nicht nur einzigartig schmeckt – sondern auch einzigartig verpackt ist.

Die Flasche, die ich öffne, ist mehr Tonkrug denn Flasche und mit ihren Ornamenten auf grauer Keramik eine Hommage an die hessische Trinkkultur. Ein echter Augenschmaus, der zum Wegwerfen viel zu schade ist!

Doch zurück zum Inhalt: Pur und eisgekühlt lässt sich die ausgeprägte Apfel-Note schon beim Schnuppern nicht verleugnen, ein erster Schluck bestätigt: Donnerwetter, hier ist ’ne Menge Apfel drin! <br><br>Am liebsten genieße ich den „Bembel Gin“ aber im Gin Tonic, wozu ich ihn meist mit dem „Elderflower Tonic Water“ von Fever-Tree auffülle und den ganzen Spaß stilecht mit Gurkenstücke garniere. Kalt auf Eis genossen, ist der „Bembel Gin“-Tonic das Getränk meiner Wahl und lässt den Lokalpatrioten in mir glückselig lächeln. Erstaunlich, wie gut harmonisch die Symbiose zwischen Apfel und Wacholder gestaltet, erstaunlich, wie wohlklingend auch dessen gemeinsame Symphonie mit Tonic Water ist. Hesse zu sein, ist eben manchmal richtig lecker!

 

Ein Absacker mit den Liebsten: Ein Mispelchen auf die gute Zeit!

Guten Freunden schenkt man gern ein Küsschen, besseren ein Mispelchen: Zu fortgerückter Stunde kann, darf und soll sowohl Freundschaft als auch Liebe natürlich auch gern mit Hochprozentigem besiegelt werden.

Der eingefleischte Frankfurter muss sich hierbei gar nicht erst die Frage stellen – für einen Absacker ist freilich ein Mispelchen die erste Wahl!

Wie gut, dass der „Bembel Gin“ auch eine kleine Schwester hat: Das „goldene Mispelchen“ vereint nicht nur geschmacklich alle Vorzüge von Mispelfrucht und Calvados im kleinen Einmachglas, sondern eignet sich auch ganz hervorragend als Mitbringsel, Geschenk oder zuckersüßer Liebesbekundung!

Mit einem Schluck „auf Ex“ und einem Biss in die süße Mispelfrucht ist der perfekte Absacker gefunden.

 

Ein letztes „Auf das Leben!“, dann geht auch dieser Tag zu Ende. Ein Tag, während dem ich entdecken durfte, wie lecker doch Heimat sein kann. Und, ganz klar: Dass es sich lohnt, auch im Supermarkt einmal neue Wege zu beschreiten.

Auf euer Wohl, Freunde!

„Trinkt alle!“ – ein Imperativ als neuer Kieztreff

„Wie ich verzweifelt versuchte, in Bockenheim einen Kaffee zu trinken“ – dies wäre eine alternative Überschrift für diesen Beitrag gewesen. Genau so nämlich nahmen die Dinge ihren Lauf, die mich eine ziemlich überraschende und – wie ich finde – spannenden Entdeckung haben machen lassen.

Es war der letzte Abend des Jahres 2017 und ich eingeladen auf einer Silvester-Sause im Stadtteil Bockenheim. Naiv wie ich war nahm ich denn auch direkt mal an, ich könne noch einen Kaffee im studentischen Viertel erhalten, um vor der Feier noch in Ruhe einen Blick in mein neues Buch zu werfen.

Nun, dieser Plan ging nicht ganz auf. Zunächst einmal klapperte ich die „üblichen Verdächtigen“ ab, Café Crumble, Albatros, Café KOZ. Ohne Erfolg, jegliche Türen waren verschlossen – geschlossen wegen Silvester. „Nun gut“, dachte ich mir, „wer geht schon am Silvesterabend Kaffee trinken?“

 

Koffein-Flaute in Bockenheim

Es galt also, die einschlägigen Kneipen aufzusuchen. In denen wird doch wohl nicht lediglich Bier, Apfelwein & Asbach-Cola erhältlich sein? Erster Versuch: Der Tannenbaum. Ein heruntergelassener Rolladen verkündet ausbleibenden Erfolg. Bei der „Volkswirtschaft“ schaut es nicht anders aus, nun gut: Ich greife zum letzten aller Mittel, marschiere stramm zu „Doctor Flotte“. Die haben geöffnet, ganz klar, ich trete ein. Um die Theke versammeln sich – mittlerweile zeigt die Uhr halb sieben – Männer über 50, stimmen sich mit Zigaretten, Bier und dem obligatorischen Korn auf den kommenden Abend ein. „Für dich?“, fragt mich der Wirt, ehe ich Platz genommen habe. „Äh – einfach ’nen Kaffee?“, sag‘ ich, „ham‘ wer net!“ erfolgt die prompte Antwort.

Postwendend strauchele ich hinaus, meine Koffein-Sucht meldet sich gar schreiend zu Wort. Ich tue etwas, das ich ansonsten nie zu tuen wagte, laufe den Platz hinüber zum „Extrablatt“, der Filiale einer all dieser unsäglichen Ketten, die das Land mit Kampfpreisen, allerdings ohne Herzblut überschütten. „Am 31.12. geöffnet bis 18 Uhr“, ja leckt mich doch – ich greife zum letzten Mittel.

Das letze Mittel, das ist der Versuch, doch endlich einen heißen Kaffee beim „Sausalitos“, dieser mittelprächtigen Billig-Drink und Mexican-Fastood-Kette, deren Frankfurter Filiale in Bockenheim residiert, zu erhalten.
Doch auch hier: „Ab 18 Uhr geschlossen“: 

 

Einfach – nur – ein – Kaffee!

Ich bin nervlich am Ende, während ich erfolglos an der Tür des „Sausalitos“ rüttele. Ich scheiße auf mein Buch, der Schrei nach Koffein übertönt meine Wut. Eine Dreiviertelstunde lang laufe ich auf Entzug durch Bockenheim, da kann ich direkt weiter zur Silvester-Sause gehen – und hoffen, dass mir die Gastgeberin einen Kaffee zubereiten möge. Notfalls auch aus dem Instant-Glas. Auf meinem Weg durch die Kiesstraße bleibt mein Blick am Schild des gegenüberliegenden Wasserhäuschens hängen. Wo einst „Trinkhalle“ stand, ist nun ein Buchstabe weggekratzt und ein Strich ergänzt – „Trinkt alle“ ist nun zu lesen, ich lache und zücke mein Mobiltelefon für Foto.

„Ey, du fotografierst meinen Laden!“, lacht mich prompt jemand an, „wegen dem Schild!“, sag‘ ich. „War ein kleiner Geistesblitz“, sagt mein Gegenüber aus dem Fenster des Büdchens hinaus – „ist mein Laden, schon seit drei Wochen!“.

 

 

Ich wittere meine große Chance. „Ja geil! Gibt’s in deinem neuen Laden denn auch Kaffee?“ Gibt es, sagt der nette Inhaber. Ich bin unendlich erleichtert und trete ein.

 

Gemischte Tüte, Party, Nachbartreff

Ich trete ein, schön warm hier. Schaue mich um und bestell‘ – endlich! – meinen langersehnten Kaffee. Der wird prompt serviert, was der wohl koste? „Äh – da muss ich selbst mal gucken, ist wie gesagt neu hier!“, sagt der nette Inhaber, wir stellen fest, dass wir uns bereits vom Sehen kennen. Macht zwo Euro, ich geb‘ zwofuffchzich, stimmt so.

Neben gemischten Tüten steht ein Mischpult auf dem Tresen, es läuft Techno. „Kommste nachher zur Silvesterparty?“, werd‘ ich gefragt, während ich auf der Sitzgruppe Platz nehme, die gegenüber den reich gefüllten Kühlschränken steht. „Ab 10 gibt’s Hip-Hop, ab Mitternacht Techno!“. Find‘ ich ja ziemlich geil, aber bin ja eingeladen bei einer Freundin. Der Bass dröhnt, ich zücke mein Buch, die Bude füllt sich. Ein Haufen bierdurstiger Jungs macht es sich neben mir bequem, ruhiges Lesen kann ich vergessen.

 

„Einfach ein Treffpunkt für die Nachbarn“

Stattdessen quatsche ich ein wenig mit dem stolzen Neu-Inhaber der ehemaligen Trinkhalle, die nun „Trinkt alle!“ heißt. Einfach ein Treffpunkt für die Nachbarschaft soll das hier werden, an Donnerstagen sogar mit Bar-Abenden. Es darf geraucht werden, die Kühlschränke sind gut gefüllt mit einer Menge Bier. „Binding gibt’s hier aber nicht“, werde ich belehrt, „dafür aber Glaabsbräu Hell – ein geiles Bier!“. Soll mir recht sein, auch wenn das alte Schild draußen anderes propagiert.

’ne Toilette gibt’s auch, sodass langen Nächten für die Gäste nichts entgegensteht.

 

Und ich?
Bin derweil froh, einmal wieder eine völlig unverhoffte Entdeckung in meiner Stadt gemacht haben zu dürfen. „Trinkt alle!“ ist nicht nur eine zeitgemäße Adaption einer altgedienten Trinkhalle samt gemischter Tüte und Bierkühlschrank, sondern tatsächlich ein unendlich sympathischer Ort samt Techno, Sitzgelegenheit und Charme. Sondern auch ein Ort, an dem man selbst am Silvesterabend einen feinen Kaffee trinken kann. Oder eben auch nach Feierabend einfach auch ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank mit den Freunden. In jedem Falle aber ein Grund, Bockenheim einmal wieder Besuch abzustatten – auch wenn man selbst nicht dort lebt…

Irgendwann dann mache ich mich auf zur Silvester-Sause – und bin mir ganz sicher: Ich komme wieder!
Wart ihr auch schon dort, auf kaffee oder bier? 



„Trinkt alle!“
Frankfurt, Kiesstrasse 
Ohne Website oder Facebook (verrückte Welt!) 

Wie viele Cafés braucht der (Großstadt-)Mensch?

Eines vorweg: Ich bin süchtig nach liebe Kaffee! Und noch viel mehr, da liebe ich Cafés. Kein Scheiß, ich wüsste nicht, wo ich einen Großteil meinen Freizeit verbringen sollte, wenn nicht nach absolvierter Jogging-Runde im Café.

Mich meiner Lektüre widmen, arbeiten, diesen Blog am Leben halten, Freunde treffen, Menschen kennen lernen, bunten Austausch pflegen, gern auch mal handfest diskutieren, einfach mal die Seele gestresste Großstadtseele baumeln lassen und dabei  im besten Fall noch ein wenig braun werden:

Ich wäre vermutlich ein ziemlich einsamer und unproduktiver Mensch, wäre das Café nicht erfunden worden. Notorisch müde mangels Koffeinversorgung ohnehin.

Warum ich so unendlich gerne und am liebsten alleine ins Café gehe, habe ich bereits in einem meiner bisher meistgelesen Beiträge ausführlich eruiert.

 

Kein Mangel in Frankfurt

Nun lebe ich glücklicherweise in einer Stadt, in der wahrlich kein Mangel an zauberhaften Cafés herrscht. Gott und die Welt strömt in die Kaffeehäuser, sei es um des Kaffees Willen (Craft Coffee ist schließlich schwer im Kommen!), zum W-LAN schnorren mit MacBook oder schlicht zwecks Treffens und Tratschens Und – das wird ja manchmal ein wenig unterschätzt – in den meisten Cafés, da lässt es sich außerdem oftmals auch vorzüglich speisen.

Cafés sind Institution und aus dem Frankfurter Nachtleben nicht mehr wegzudenken. Auch ihre soziokulturelle Aufgabe Funktion meistern sie mit Bravour!

Das Glück, in einer mit Cafés derart gefluteten Stadt Leben zu dürfen, weiß ich insbesondere zu schätzen, da ich hauptberuflich mitunter munter in der gesamten Republik unterwegs bin. Und wisst ihr, wie schwierig es beispielsweise ist, ein handelsübliches Café in klassischem Sinne in Leipzig zu finden?

Klar, Kaffee gibt’s auch hier an jeder Straßenecke, in jedem Restaurant und einem jeden Kiosk. Doch Cafés, die sucht man selbst in den Szenevierteln rund um die „Karli“ oder in Plagwitz vergeblich.

Schön also, in einer Stadt zu leben, die eine solche Fülle und Dichte an Kaffeehäusern bietet. So weit, so schön – so gut?

 

Breite Vielfalt & schneller Wandel

Mitnichten. Denn kann eine solche breite Auswahl an Cafés auch schnell überfordern. Kleines Beispiel gefällig?

Vor anderthalb Jahren bin ich von Bornheim ins Nordend gezogen. Es galt also, ein neues Stammcafé in fußläufiger Erreichbarkeit zu finden. Ich war zu dieser Zeit zwar ziemlich oft im „Place to be“ in der Innenstadt, doch will man sich ja öfters auch lediglich mit möglichst wenig Kraft- und Zeitaufwand von Bett oder Sofa zu einer duftenden Tasse Kaffee und der Tageszeitung schleppen.

Recht schnell war ich also ziemlich oft und gerne im Glauburg-Café, zu dem ich notfalls hätte krabbeln können. Ich fühlte mich pudelwohl dort, es dauerte nicht lange, bis man mich als Gast kannte und meine Bestellung lediglich mit den Worten „Wie immer?“ entgegennahm. Die Vorzüge des Stammgast-Daseins eben.

Irgendwann jedoch, ein Konzertbesuch war Schuld daran, habe ich das „Café AWAKE“ am Nibelungenplatz entdeckt. Und direkt war ich verliebt!

 

Verliebt in den guten Kaffee, all die bequemen Polstermöbel, den riesigen Ohren-Sessel, in den ich so schön versinken konnte. Liebte es, bei Regen aus dem Fenster zu schauen und das hektische Treiben auf der Friedberger Landstraße zu betrachten, mich selbst im warmen wissend. Außerdem sorgten die vielen Studenten von gegenüber, die hier Lernten oder an ihren Arbeiten tüftelten, für eine wohlige Arbeitsatmosphäre, in der ich mich ganz hervorragend konzentrieren konnte.

Tag für Tag hatte ich fortan die Qual der Wahl:

Auf’ne Tasse Wacker und die Rundschau ins Glauburg-Café, oder doch lieber im Ohrensessel des Café AWAKE versinken?

Zu diesem Zeitpunkt ist es mir ja noch gelungen, meine Besuche entsprechend zu variieren. Ich war mal hier, mal dort – und konnte mich darüber freuen, dass ich gleich zwei so wunderschöne Stamm-Cafés vor der Haustür habe.

Dieses Glück währte jedoch nicht lange: Aus der Fensterfront des Glauburg-Café war bereits absehbar, dass der Kiosk gegenüber einem weiteren Café weichen würde.

 

Und tatsächlich, wenig später war’s dann auch soweit: 

In den Räumlichkeiten der ehemaligen Trinkhalle eröffnete das Glückskaffee.
Und ich erstmal so: Uff. 

In den einschlägigen Stadtmagazinen hatte ich nur Gutes über das neu eröffnete Café gelesen; ein Besuch war also Pflicht. Und ja, was soll ich sagen? Vorbeigeschaut, nett bedient worden, begeistert gewesen von den gemütlichen Räumen und der Essens-Karte.

Sollte ich mich also künftig gleich zwischen drei Cafés entscheiden müssen, die  in Spuckweite meiner vier Wände mit Gemütlichkeit und Käffchen lockten?

Erste Anzeichen der Überforderung machten sich breit. Ich besann mich derweil die Vorteile des Stammkunden-Daseins, pendelte weiter munter zwischen Glauburg-Café und AWAKE umher.

Bis dann die Metzgerei gegenüber schloss.
Und nun ratet mal, was in deren Räumlichkeiten bald eröffnen sollte!

Ihr habt es sicher bereits geahnt, statt Fleischtheke sollte das „Lucille“ künftig Kuchenauslage präsentieren, Siebträgermaschine statt Fleischwolf, Kaffee und Kuchen statt Hackfleisch und Salami.

Das vierte Café in meinem engsten Nordend-Radius also, mittlerweile hatte sich mir längst die Frage aufgedrängt, ob der Markt nicht längst gesättigt sei, die vielen Cafés sich nicht bald gegenseitig kannibalisieren würden. Vielleicht sprachen auch einfach nur die zwei Semester BWL aus mir, die ich mal mit überschaubarem Erfolg studiert hatte.

Klar, dass ich mal dort war, Kaffeedurst und Neugierde wollten schließlich gestillt werden. Doch insgeheim da hatte ich die Hoffnung, endlich einmal so richtig enttäuscht zu werden. Pustekuchen, denn das Gegenteil war der Fall:

Die Fliesen der Metzgerei gaben dem LUCILLE ein ganz besonderes Flair, der Schallplattenladen im Nebenraum war ein Grund, hier unbedingt öfters vorbeizuschauen. Lediglich, dass mich die Kellnerin trotz etwa gleichen Alters gesiezt hatte, das nahm ich persönlich.

Die Eröffnung des mittlerweile stets gut besuchten LUCILLE war in etwa der Zeitpunkt, in dem ich mich endgültig ausgeklinkt hatte. So verlockend es auch war, neues Flair auf mich wirken zu lassen und mich immer wieder in kleine Details zu verlieben: So liebenswert jedes einzelne Café in meiner Nachbarschaft auch sein mochte, ich wollte mich nicht ständig entscheiden müssen und wollte mein Café-Dasein lieber auf „MEIN“ Café beschränken.

So kam es schließlich auch:

Das „Café Sugar Mama“ bot mir – mal abgesehen vom WLAN – so ziemlich alles, was mein Herz begehrte. Leckeren Kaffee zum fairen Preis, echten Shabby-Schick zum Wohlfühlen, wechselnde Kunstausstellungen. Immer nette Leute – und vor allem: Ein Team, das charmanter gar nicht sei könnte.

Dass in „meinem Kiez“ zwischenzeitlich noch das Café No.48 eröffnete, es im „Nordlicht“ nebenan angeblich den besten Brunch der Stadt gab und mit dem Casual Café neruerdings ein selbsternanntes Nachbarschafts-Café zu Kaffee und Kuchen lud, das nahm längst nur noch schulterzuckend zur Kenntnis. Auch die Craft Coffee – Bude Hoppenworth & Ploch, die ich von meinem Balkon aus sehen kann, nahm ich lediglich wohlwollend als Teil meiner unmittelbaren Nachbarschaft wahr.

Lediglich dem WIR KOMPLIZEN in der Egenolffstraße erweise ich seit dessen Neueröffnung hin und wieder gern die Ehre; außer mit Kaffee weiß der sympathische Laden nämlich obendrein mit einer beträchtlichen Auswahl an Craft Beer.

 

Wie konnte sich das nur lohnen?

Zurück blieb also ich, meist täglich im Café Sugar Mama, mit Büchern, Zeitung und der Frage: Wie zum Teufel soll sich das für die Betreiber lohnen? Wie sollten all die Cafés wirtschaftlich überlegen, wenn sie geradezu umringt von anderen sind?

Und nicht zuletzt: Wieso mutiert gefühlt jeder leerstehende Geschäftsraum kurzerhand zum Café? Zur Hölle, gibt’s denn sonst nichts mehr in dieser Stadt?
Hat Frankfurt bald mehr Cafés als Einwohner? Und ist es nicht töricht von mir, all diese Vielfalt zu ignorieren und mich weiterhin fast täglich in meinem geliebten Schaukelstuhl des „Sugar Mama“ zu fläzen, weil es mir hier doch an gar nichts mangelt?

Verstehen wir uns nicht falsch:

Jedes inhabergeführte Café ist eine echte Bereicherung und allemals begrüßenswerter als einer der berüchtigten blau-weißen Handyläden.

Auch fühle ich mich umweht von Röstaromen deutlich wohler als vor zugeklebten Scheiben einer Spielhalle (alternativ einem Wettbüro). Gibt’s schließlich schon viel zu viele davon. Wo aber sollte das hinführen, würde die Schwemme der Café-Eröffnungen ewig so weitergehen?

Zur Erinnerung: Ich erzählte bislang ausschließlich vom Frankfurter Nordend.
Doch anderswo in den „angesagten“ Stadtteilen, da schaut es schließlich auch nicht anders aus. So durfte ich heute folgendes erleben…

Ein Blick nach Bornheim

B O R N H E I M   M I T T E !

Der Inbegriff der Frankfurter Urbanität. Hier wollen sie alle hin, bestenfalls hier leben, zumindest aber präsent und Teil des „Savoir-vivre“ sein, das die Bornheimer Bohemian hier zelebriert.

Ich selbst wohne zwar leider nicht mehr hier, doch bin auch ich noch in schöner Regelmäßigkeit hier, um einfach Platz zu nehmen und die Welt ’nen schönen Ort sein zu lassen.

 

Ganz besonders gern natürlich im Café Wacker, einer Filiale der alteingesessenen Frankfurter Rösterei am Uhrtürmchen. Ich mag den klassischen Kaffeehaus-Flair, den betörenden Duft der Kaffeebohnen, die hier am Tresen grammgenau an Mann und Frau gebracht werden.

Die Sojamilch-Fraktion dagegen lässt es sich gleich schräg rechts gegenüber im Café Corners gutgehen, präsentiert bunte Sneakers und nuckelt am laktosefreien Latte-Macchiato. Soweit,so Bornheim. Eben für jeden was dabei hier.

Der heutige Grund meines Aufenthalts in „Bernem“ ist allerdings weit weniger erfreulich: Im Sinne der persönlichen Gesundheitsfürsorge gilt es einmal wieder, den Zahnmediziner meines Vertrauens aufzusuchen. Mit Ach und Krach hab‘ ich die Behandlung allerdings wider Erwarten dennoch überlebt, und so verlangt es mir nach einem Kaffee zur Belohnung meiner Tapferkeit.

Mein lieber Freund Michael ist in der Nähe; dank WhatsApp sind wir schnell auf ’nen Kaffee verabredet. Als ich noch in Bornheim lebte, war ich selbst am liebsten im Café Süden, nun stehen wir aber bereits vor dem Kaffeehaus Wacker. Ich werfe noch einen Blick nach gegenüber, da, wo einst die Frankfurter Filiale des „Veganz“ – Supermarktes war. Ihr ahnt ja sicher bereits, dass dessen Nachfolge – wie könnte es auch anders sein – ein Café angetreten hat.

Neugierde schreit in mir auf, „mal was Neues probieren?“ höre ich mich Michael fragen. Ich deute auf das „Picknick Café„, so der Name der neuen Bornheimer Bereicherung.

Michael ist d’accord, wir schlendern hinüber, ein schöner Platz im Freien ist schnell gefunden. Prompt ist auch die Bedienung da. „Hey Matze, bist du’s?“ – noch nie hier gewesen, und doch erkannt worden. Kurzer Blick in den Innenraum: Wahnsinn, da hat man offensichtlich Mühe gegeben. Daran, dass sich hier noch vor kurzem Tofu-Würstchen und Sojaschnitzel in Regalen türmten, erinnert wahrlich nichts mehr. Stattdessen erspähe ich nun eine echte Wohlfühl-Oase mit fernöstlichem Touch.

Wir bestellen unseren ersehnten Kaffee (nur echt mit einem Schuss Sojamilch und Leitungswasser), der uns prompt mitsamt ein paar netten Worten gebracht wird. Als ich die Tasse sehe, da muss ich lachen: Das mir wohlbekannte Firmenlogo der Rösterei Wacker prangt darauf. Hier gibt’s offensichtlich den gleichen Kaffee wie in der Wacker-Filiale gegenüber, was mir nur recht sein kann.

Nach unserem Besuch, da muss ich sagen: Hey, das war wirklich nett hier. Ein Ort zum Wohlfühlen, bei einer wahrlich guten Tasse braunen Goldes. 

Ein weiteres Mal bin ich verwundert: Wie kann es sich nur rechnen, „face to face“ gleich zwei so wunderbare Kaffeehäuser zu betreiben? In denen obendrein derselbe Kaffee serviert wird?

Klar, der Platz rund ums Uhrtürmchen ist ein viel frequentierter Ort. Doch ist es ja nicht so, dass hier lediglich zwei Cafés um Kundschaft buhlen würden. Im Gegenteil, Cafés dominieren mittlerweile das gesamte Bild des Platzes.

Gleich rechts neben dem Café Wacker, da befindet sich nämlich schon seit Ewigkeiten das Café „Baguette Jeanette„, wo es sich Gerüchten zufolge auch gut aushalten lässt. Wiederum rechts davon befand sich lange Zeit eine Damenboutique. BEFAND. Denn seit geraumer Zeit hat hier… ja, genau, ihr wisst schon. Ein Café eröffnet. Das „Sieben Sinne„, um genau zu sein.

Und ob das nicht genug wäre, ist gleich an der nächsten Kreuzung das „Café Klatsch“ zu finden, welches mir ebenfalls gut gefallen hat und mit einigen Jahren auf dem Buckel schon so gut wie zum Bornheimer Stadtbild gehört. Ein Stückchen weiter gen Norden, das sei nur am Rande erwähnt, ist mit der „Mokkateeria“ übrigens ein orientalisches Café zu suchen, das seinesgleichen sucht – und das ich ganz bestimmt noch öfter aufsuchen würde, müsste ich nicht gelegentlich diversen Verpflichtungen nachkommen. Den dienstlichen zum Beispiel, irgendwie will mein exzessiv praktiziertes Kaffeetrinken schließlich finanziert werden!

All das kommt mir in den Sinn, während ich Michael verabschiede. Darüber sollte ich dringend was schreiben, denke ich mir – allein schon um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, weil ich meistens doch nur im „Sugar Mama“ herumhänge. Um meiner gelegentlichen Überforderung angesichts dieses Überangebots an Cafés Ausdruck zu verleihen, ebenso wie meiner Verwunderung darüber, wie sich das überhaupt rentieren kann. Und in Frankfurt derzeit eigentlich noch andere Geschäftsideen als „Café eröffnen“ existieren.

 

Das Stammgast-Dilemma

Ich jedenfalls, das stelle ich immer wieder fest, stecke im „Stammgast-Dilemma“. Ich könnte täglich ein neues Café ausprobieren, eines besuchen, in dem ich schon lange nicht mehr war.

Am Ende jedoch, da lande ich dann aber meistens einmal wieder in meinem Stammcafé. Da kennt man sich, da weiß man was man hat, da fühlt man sich wohl – und genießt nicht zuletzt auch die ein oder anderen Privilegien.

Das Stammgast-Dasein ist ohne Frage ein schönes, ob im Café oder anderswo. Bei allen Annehmlichkeiten macht es allerdings auch eins: Faul, auch mal etwas Neues auszuprobieren. Und das ist in einer Stadt wie Frankfurt auch irgendwo schade.

 

Café-Flut, quo vadis: Was denkt ihr?

Als ich nach Hause komme und mich an die Tasten setze, da frage ich mich, wie ihr das seht.

  • Freut ihr euch uneingeschränkt über die breite und kaum mehr überschaubare Auswahl an Cafés in unserer Diva am Main? Oder seid auch ihr gelegentlich ein wenig überfordert davon?
  • Bevorzugt ihr es, Stammkunde in eurem Lieblings-Café zu sein – oder seid ihr lieber „mal hier, mal da“, um euch immer wieder überraschen zu lassen? Gehen euch Cafés vielleicht gar total am Arsch vorbei?
  • Sollten freiwerdende Gewerbeflächen weiterhin fast ausschließlich gastronomisch genutzt werden – oder würdet ihr euch eine andere Nutzung wünschen?
  • An was mangelt es euch in der Stadt – Ausstellungsräume, Schallplattenläden, Kneipen…?
  • Fragen über Fragen, die ich mir nicht einmal selbst vollends zu beantworten vermag.

Umso gespannter bin ich auf eure Meinung! Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Von Kaffee, Bier & Schokokuchen: „Wir Komplizen“ feiert Neueröffnung

Den aufmerksamen Lesern unter euch ist vermutlich nicht vergangen, dass ich in der Vergangenheit öfters und gerne mal über den derzeitigen „Craft Beer“-Hype gewettert habe. Man müsse ja nicht jeden Quatsch mitmachen, so dachte ich – und wieso Craft Beer, wenn Helles, Export & Co. nicht auch so schon munden?

Tut mir leid, diese Meinung muss ich hiermit revidieren! Während meiner jüngsten USA-Reise habe ich die dortige Craft Beer – Szene für mich entdeckt und meine Begeisterung für die Vielfalt und Andersartigkeit dieser Biere wurde entfacht.

Zurück in Frankfurt darf ich mich nun glücklich schätzen, eine der vielversprechendsten Neueröffnungen der Stadt gleich in unmittelbarer Nachbarschaft erleben zu dürfen:

WIR KOMPLIZEN“ möchte das Frankfurter Nordend künftig mit Kaffee und Craft-Bier beglücken und feiert gleich an einem ganzen Wochenende (nämlich vom 4.-6. November) seine Neueröffnung.

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Volles Programm

Freitags sollen die Gäste mit Häppchen und Prosecco in die Egenolffstraße gelockt werden, am Samstag dann gibt’s nachmittags beim Nachbarschafts-Café neben der nötigen Wochenend-Dosis Koffein eine Tombola sowie abends eine Blind-Verkostung „Craftbeer vs. Industriebier“.

Wer ein bisschen zu viel Gefallen an der Verkostung finden sollte, braucht den anschließenden Sonntag nicht zu fürchten:

Dann lädt „WIR SIND KOMPLIZEN“ nämlich zum gemeinschaftlichen Kater-Frühstück.

Kaffee & CraftBeer. Zwei meiner größten Leidenschaften. Kredenzt in meiner unmittelbaren Laufweite. Klar, dass ich mir direkt ein dickes Kreuz im Kalender gemacht habe!

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Ich werde zum Komplizen

Die neue Location im Frankfurter Nordend ist im Hinterhof, dank auffälligem Schild mit Farbverlaufs-Beleuchtung (fancy!) aber gut aufzufinden.

Als ich mit meiner allerliebsten Nachbarin (huhu, Nadja!) eintreffe, sind die Räumlichkeiten recht gut gefüllt. Was direkt auffällt, ist die Weitläufigkeit:

Links ein Raum samt ansehnlichem Tresen, hinter dem sich die Zapfanlage mit stolzen 15 Zapfhähnen präsentiert, aus denen das Craft-Bier strömt. Bisher wohl einmalig in Frankfurt! Schade nur, dass sich aufgrund der grellen Beleuchtung und des Gebots des Nichtrauchens kein gemütliches Kneipen-Gefühl einstellen mag. Unmittelbar rechts schließt sich dann ein joch größerer Raum an, in dem es deutlich sesshafter zugeht: Hier soll bei Kaffee, Kuchen & Spielen insbesondere die Nachbarschaft gepflegt werden.

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Für die lauen Sommernächte existiert eine Hinterhof-Terrasse, auf der ich die Gelegenheit nutze, bei einer Zigarette die drei überaus sympathischen Begründer und Inhaber Anita, Astrid und Steffen kennen zu lernen und ihnen ein paar Fragen zu stellen.

„Wir haben einen Ort erschaffen, an dem Kaffee und gutes Bier zu Komplizen werden!“

Hallo, ihr drei! Schön, euch kennen zu lernen – und herzlich willkommen im Nordend!
Verratet mir doch eben: Euer Konzept in zwei Sätzen?

„Unser Konzept? Ganz einfach: Wir sind ein Ort der Komplizenschaft. Zwischen Kaffee & Bier!“

Klingt ja erstmal recht nett. Aber wie passt das zusammen? 

„Ganz einfach: Die Gemeinsamkeit ist die Liebe, mit der unsere Kaffee-Spezialitäten sowie ausgesuchte Biere hergestellt werden. Dafür haben wir zum Beispiel eigens einen Kaffee ausgewählt, der in Fulda geröstet wird. Außerdem lässt sich viel mehr zusammen genießen, als man gemeinhin denkt: Wir wollen zeigen, dass zum Schokokuchen auch ein frisch gezapftes Bier ganz hervorragend schmecken kann!“

Das werd‘ ich bei Gelegenheit gerne mal probieren! Zum Schluss: Wieso habt ihr ausgerechnet im Nordend eröffnet – seid ihr einfach anderswo nicht fündig geworden, oder verfügt über ein gewisses Faible für dieses vermeintliche Szene-Viertel? 

„Wir haben auch mit anderen Stadtteilen geliebäugelt. Jedoch sind wir hier auf diese Räumlichkeiten gestoßen, welche uns unser Konzept einfach ganz hervorragend umsetzen lassen: Ein Raum, der als Bar fungieren kann – und etwas abgetrennt einen, der ein nachbarschaftliches Café darstellt. Besser hätten wir unser Konzept einfach nirgends umsetzen können! „Komplizen“, das sind übrigens auch wir: Wir kennen uns bereits seit dem Studium und haben bereits gemeinsam eine offene Küche betrieben.“

Dankesehr für das schnelle Interview – und alles Liebe und Gute für euer neues Projekt sowie eure „Komplizenschaft“! Cheers! 


Mein Fazit

Bereits während meines kleinen „Interviews“ meine ich ein Funkeln in den Augen der drei „Komplizen“ zu entdecken, während sie mir von ihrem neuen „Baby“ erzählen.

Und all die Liebe und all das Herzblut, welches Einrichtung und Aufmachung versprühen, vermag ich tatsächlich fast zu spüren.

Auch das Konzept „Craft-Bier trifft auf Kaffee“ gefällt mir auf Anhieb, auch wenn es mir schwierig fällt, die beiden Räumlichkeiten irgendwie einzuordnen. Im Bereich der Theke will kein rechtes „Kneipen-Feeling“ entstehen; hier würde ich mir eine weniger grelle Beleuchtung wünschen. Tja, und an die zahlreichenden herumwuselnden Kinder muss man sich wohl ebenfalls gewöhnen. Innerhalb geschlossener Räumen, in denen Bier gezapft wird, ein ansonsten eher ungewohnter Anblick.

Nach Herzenslust gequalmt werden darf übrigens lediglich draußen auf der Terrasse, was mir angesichts des nahenden Winters ein wenig widerstrebt. Jaja, liebe Nichtraucher, ich weiß schon… 😉

Den Machern meine besten Wünsche!

Ich drücke all meine Daumen dafür, dass sich „Wir Komplizen“ auf Dauer etablieren und halten kann. Im schnelllebigen Umfeld des Frankfurter Nordends herrscht nun wahrlich kein eklatanter Mangel an Cafés und Kneipen, sodass die Konkurrenz zunächst groß erscheint. Dennoch hebt sich das Konzept der „Komplizenschaft“ deutlich vom üblichen Nordend-Allerlei ab und macht einen Besuch in jedem Fall empfehlenswert. Und das nicht nur für Craft-Bier Fans!

Ich persönlich werde auf jeden Fall schon ganz bald mal wieder vorbeischauen.
Schließlich habe ich den Kaffee aus Fulda noch gar nicht probiert – und ob für die Digital Natives unter den Komplizen auch WLAN zur Verfügung steht, konnte ich ebenfalls noch nicht in Erfahrung bringen.