Streetwear aus Bornheim: Der neue heiße Scheiß

Frankfurt-Bornheim: Vollkommen zurecht sind die „Bernemer“, wie sich die Einwohner des Stadtteils selbst bezeichnen, stolz auf ihr Viertel. Wenn sie sich nicht gerade in einem der vielen zuckersüßen Cafés treffen sich in einer der rustikalen Apfelweinwirtschaften den Verlockungen der Bembel hingeben, tauschen sie sich in einer eigenen Facebook-Gruppe aus. Angelehnt an die U-Bahn-Haltestelle heißt diese dann auch „Bornheim-Mitte“. Da ich mich im Herzen noch immer als „Bernemer“ fühle, verfolge auch die Gruppe gern und aufmerksam.

Ein ganzes Lebensgefühl in drei Worten

Nun begab es sich, dass ich in ebendieser Gruppe auf eine vielversprechende Geschäftsidee stieß: Ein findiger Jungunternehmer wollte aus dem Lokalpatriotismus der Bornheimer sein Kapital schlagen. Hierfür hatte er eigens eine Bekleidungskollektion entworfen, die ebenso von den Fashion-Größen in Mailand, New York oder Paris hätte stammen können. „Nicht im Handel erhätlich!“, bewarb er die trendige Oberbekleidung. „Begrenztes Angebot!“, zack, war auch für entsprechenden Kaufdruck gesorgt.

Mit „Bornheim du Weisst!!!“ hatte er obendrein einen Slogan erdacht, der das Bornheimer Lebensgefühl nicht besser hätte auf den Punkt bringen können. BÄM! Trotz meines nach zwei Semestern abgebrochenen BWL-Studiums war mir sofort klar: Das hier würde der nächste heiße Scheiß, der letzte Schrei im Szeneviertel, der Beginn einer Bewegung. Die Shirts und Pullover in ihren frechen Farben würden dem Verkäufer nur so aus den Händen gerissen; bald hätte er ausgesorgt.

Doch schaut selbst: 

Auch ich bin jetzt im Business

Mir war klar: Wenn auch ich von diesem Hype profitieren und so richtig Kohle scheffeln, musste ich handeln. Und zwar schnell.

Nicht erst seitdem das Label „Stoffausfrankfurt“ seine Rückkehr angekündigt hat steht fest: Frankfurter Streetwear der derbe Shit ist. Es würde nicht mehr lange dauern, bis der Markt übersättigt worden war. Außerdem müsste meine eigene Kollektion über einen nochmals höheren „Bornheim in your Face!“ – Faktor verfügen. Eine ganze Nacht lang brütete ich über dem Artwork meines eigenen Labels, verbrauchte eine Menge Apfelwein und rauchte gleich schachtelweise Zigaretten.Doch bin ich mir sicher, dass sich all diese Mühen gelohnt haben.

Stolz darf ich verkünden: I’M BACK IN BUSINESS!

KAUFEN! COOL SEIN! KONSUMIEREN!

„MAINRAUSCH“ präsentiert euch ab sofort Mode für Fashion-Victims von 12-99, für Stadtteilpatrioten, Querdenker und Rebellen! Instagram-tauglich, fairtrade und vegan. Von deutschen Seniorinnen in deutschen Altersheimen genäht, macht euch das Tragen meiner Kollektion nicht nur zum Boss in eurer Hood, sondern obendrein zu Weltrettern!



Passend zur Herbstsaison gibt’s natürlich auch einen kuschligen Hoodie. Comic Sans MS als „state of the art“ verbindet Retro-Chic mit einer ordentlichen Portion Freshness. 100 Prozent Polyester sorgen für wohlige Wärme und statische Aufladung.

Natürlich gehen auch die Atzinnen nicht leer aus! Dieses stylishe Girlie-Shirt ist zwecks Aufrechterhaltung eines sexistischen Rollenbildes allerdings ausschließlich in Größe XS und in der Farbe Pink erhältlich:

Das Angebot ist natürlich limitiert! Plündert eure Sparschweine und gönnt euch den Stuff, bevor’s zu spät ist! Bestellungen bitte ausschließlich über matze@mainrausch.de – die Zahlung erfolgt über mein anonymes Nummernkonto in der Schweiz.

Keep it real. And do not tumble-dry! 

Demnächst in Bornheim: Einlochen im Neonlicht

Dieser Text handelt vom steten „Auf & Zu“ der Berger Straße und vom Minigolf. Habt ihr etwa anderes erwartet? Ich jedenfalls darf mich nun hoffentlich über nie zuvor gekannte Höhenflüge hinsichtlich der Viralität meiner Artikel freuen – und mit dem Gedanken spielen, mich als Schöpfer reißerischer Aufmachungen bei einer großen Tageszeitung mit vier Buchstaben zu bewerben.

Spaß beiseite:
Neulich verrichtete ich nach getanem Dienst einmal wieder einen Spaziergang auf der, nun ja, Flaniermeile Berger Straße – oder eben dem, was von ihr übrig ist. Kaum hatte ich die „Berger“ mal einige Zeit lang nicht mit wachen Augen passiert, schon hatte sich wieder einmal was getan:

Auf ewig geschlossen

Zwischenzeitlich hatte nämlich nicht nur „Diana’s Baggi“ unweit des Fünffingerplatzes auf ewig geschlossen (schade drum!), sondern auch das Bekleidungsgeschäft „Jeans Tower“, welches ich schon kannte, seitdem ich in Frankfurt leben. Auch das Friseurstudio nebenan hatte es dem Klamottenladen gleichgetan und ward gewichen. Dass sich auch das „Wiesenlust“ in einen vietnamesischen Imbiss verwandelt hatte, war da allenfalls noch Randnotiz. Nun ja, besser als die nächste Burgerbraterei. 

Schnell erreichten düstere Vorahnungen meine Frankfurter Seele: Sollten auch meine Enkelkinder noch vor verlassenen Geschäftsräumen stehen? Oder, schlimmer noch: Sollte nun das Überangebot an Sportwetten weiter ausgebaut werden? Würde man noch günstiger noch weltweiter telefonieren können?

Ich atmete auf, als ich auf den Schaufenstern von „Jeans Tower“ sowie dem ehemaligen Friseursalon ein neonfarbenes Plakat erspähte. Bunt war gut, besser jedenfalls als all die Horrorszenarien, die sich bereits in meinem Kopf abspielten.

 

„Demnächst hier: Das erste Schwarzlicht-Minigolf der Stadt“

Jawoll, Minigolf. Ihr wisst schon, der leicht angestaubte Lieblingsfreizeitsport des Nachkriegsdeutschen ohne Handicap. Ich jedenfalls oute mich an dieser Stelle als echten Fan des Minaturgolfes. Dass mit dem Wegfall der (zugegebenermaßen recht unsäglichen) Zeilgalerie auch das einzige Indoor-Minigolf der Stadt verschwand, ließ mich bislang bei schlechtem Wetter recht blöde aus der Wäsche schauen. Doch als ich, neugierig wie ich war, vor dem neonfarbenen Plakat stand, da flammte Hoffnung in mir auf…

Schwarzlichtminigolf?!

Allzu schnell wurde diese allerdings überschattet von einer naheliegenden Frage: Was zum Henker sollte Schwarzlicht-Minigolf sein? Die „Schwarzlichthelden“ zeichneten sich laut Plakat für das Unterfangen verantwortlich. Zeit also für ein wenig der Recherche – und für Antworten.

Ich mache Tim Schieferstein ausfindig, den Marketing-Chef der „Schwarzlichthelden“, einem Mainzer Unternehmen. Und der klärt mich erstmal auf. Schwarzlichtminigolf, das sei klassischer Minigolf, erweitert um „einzigartige Bahnen mit spektakulären Hindernissen, welche unter Schwarzlicht in bunten Farben leuchten“.

Das klingt schon mal recht spannend. Doch Schieferstein weiß weiter zu überraschen: Mittels spezieller 3D-Brillen, so klärt er mich auf, seien 3D-Effekte sichtbar, welche „das außergewöhnliche Spielerlebnis perfekt machten“. Oha!

Eine Hommage an die hessische Metropole

Im Laufe unserer Unterredung wusste Schieferstein gar noch einen draufzulegen: Die Kulisse der Minigolf-Anlage der besonderen Art würden nämlich Graffiti-Bilder bilden, welche Motive unserer Stadt darstellten. Dass die Standortwahl ausgerechnet auf Frankfurt fiel, begründet Schieferstein wie folgt: „Viele unserer Gäste in Mainz kamen eigens aus Frankfurt angereist. Es war an der Zeit, die Frankfurter aus ihrer Langeweile zu befreien!“

Nun kann ich nur bedingt behaupten, jeweils unter Langeweile zu leiden. Dennoch freue ich mich auf das Minigolf der besonderen Art. Und noch mehr freue ich mich darüber, dass die Berger Straße um eine Location bereichert wird, in der man weder essen noch internationale Telefongespräche führen kann. Ich bin mir sicher, schon bald nach Eröffnung den Schläger unterm Schwarzlicht schwingen zu wollen!

Noch ein bisschen was zu tun

Bis es soweit ist, wird allerdings noch ein wenig Wasser den Main hinunterfließen. Zwar spricht Schieferstein von einer „Eröffnung nach den Sommerferien“, ein Blick durch die Glasfassaden offenbart allerdings noch einigen Bau- und Arbeitsbedarf.

So oder so – ich freu‘ mich auf das neue Vergnügen auf „der Berger“. Ihr genauso?

Krimi im Kaufhaus: Zwei meiner „Helden“ luden zur Lesung

Wann darf sich ein Schreiberling eigentlich einen „Autor nennen“? Sobald er „Verfasser oder geistiger Urheber eines sprachlichen Werks“ ist, sagt Wikipedia.

Gemäß dieser Definition dürfte also auch ich mich guten Gewissens einen „Autor“ schimpfen. Doch auch, wenn ich bei mehreren Publikationen als solcher geführt werde, fühle ich mich mitnichten als „echten“ Autor.

Ein echter Autor, so finde ich, hat nämlich zumindest ein leibhaftiges Buch veröffentlicht. Während ich selbst schon seit über einem Jahr mit meinem – vermutlich niemals erscheinenden – Erstlingswerk kämpfe, sind mir Andrea Habeney und Gerd Fischer (sogar mit eigenem Wikipedia-Eintrag zu seiner Person) schon einen gehörigen Schritt voraus: Sie beide haben nämlich jeweils bereits mehrere Romane veröffentlicht.

Insofern sind die beiden für mich echte Helden – und groß war meine Freude,als ich erfuhr, dass gleich beide Autoren eine gemeinsame Lesung im Kaufhaus Hessen halten würden. Oft schon hatte ich dort (zu) viel Geld gelassen – doch eine Lesung im Shoppingparadies für Frankfurt-Fans, die hatte ich noch nie besucht. Am 22. März 2018 war es an der Zeit, diesen Umstand zu ändern – und ich machte mich auf nach Bornheim…

 

Wenn Autorennamen ein Gesicht bekommen

Obwohl wie üblich etwas spät dran – ja, ich kam als Letzter an – gelang es mir, einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Den gebürtigen Hanauer Gerd Fischer erkannte ich sofort. „Du bist doch dieser Blogger von ‚Mainrausch‘?“, wusste er zu meiner Freude auch meine Person entsprechend zuzuordnen. Zu Andrea Habeney, deren Bücher ich ebenfalls bereits zahlreich verschlungen hatte, fehlte mir bislang ein Gesicht.Wie schön, dieses gleich neben Fischers entdeckt zu haben!

Noch blieb ein wenig Zeit für einen netten Plausch mit Gerd Fischer. Wie lange er wohl für ein Buch brauche? „Mit dem Schreiben selbst werde ich in drei bis vier Monaten fertig“, verriet der gebürtige Hanauer. Viel zeitintensiver sei aber die Recherche. „Von vielen Dingen hat man ja auch als Autor keine Ahnung, oft führe ich auch Interviews“.

Um kurz nach sieben, es geht los.In einem kleinen Raum wie dem des Kaufhaus Hessen bedeutenden 50 Zuschauer bereits: „Ausverkauft!“ Ich und tat es all den Freunden des Lokalkrimi nach und klatschte eifrig, als zunächst Andrea Habeney die improvisierte Bühne betrat. Die Autorin hatte sich mit ihrer Romanfigur, der Kommissarin Jenny Becker, ganz offensichtlich nicht nur in mein Herz geschrieben. Ihre Protagonistin sollte während ihrer Vorlesung jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen; ein ehemaliger Kollege der von Habeney erdachten Kommissarin spielt die Hauptrolle in ihrem neuesten Roman „Abgetaucht“.

 

Von der Kunst, Leichen ansprechend zu verstecken

Neben Habeney: Ein Glas Wasser. Einen echten Krimi habe sie eben erst erlebt, sagt sie – nämlich beim Versuch, in Bornheim einen Parkplatz zu finden. „Anfängerfehler!“, sagte ich, Habeney lachte und griff zum Buch. Obwohl die Sossenheimerin recht wenig Text verlauten ließ, hielt sie das Publikum – und somit auch mich, in der ersten Reihe, ha! – mit unterhaltsamen Zwischenfragen bei Laune. Was sollte man als Polizist bei einem Leichenfund in einer Wohnung niemals tun? Ganz genau, das Fenster zu öffnen, durch den entstehenden Unterdruck würden Verstorbenen nämlich gar „explodieren“ können. Na, vielen Dank auch für die Info!

Überhaupt sei es große Herausforderung, Leichen in Kriminalromanen zu verstecken. Den überdimensionalen Bembel, in dem sie in einer ihrer Erzählungen einen Ehemann den Hungertod sterben ließ, habe sie beispielsweise in einem Hanauer Geschäft entdeckt. „So brutal geht’s bei dir nicht zu?“, fragte sie in Richtung ihres Verlagskollegen Fischer – nicht, ohne vorher noch eine ihrer Kurzgeschichten aus dem Sammelband „Das letzte Date“ verlesen zu haben.

Es folgten noch einige ihrer schönsten Anekdoten von der Buchmesse und Ausführungen über Gerichtsmediziner. „Sehr spezielle Menschen sind das“, befand Habeney. Einer von ihnen habe ihr neulich ungefragt Bilder von seinen „Patienten“ auf seinem Handy präsentiert. „Ich bin als Ärztin ja einiges gewohnt“, brachte die Autorin leider auch mein Kopfkino zum flimmern. „Aber das war mir dann doch ein wenig viel!“

Stöffche & Stimmen

Nach einer kurzen Pause, während der auch ich mich des Konsums nicht erwehren konnte, übernahm dieser das Ruder auf der Bühne. Auszüge des neuesten Abenteuers seines Kommissars Andreas Rauscher, mit dem ich mich nicht zuletzt aufgrund dessen seiner Liebe zum Apfelwein sehr identifizieren kann, wurden vom Autor himself verlesen. Neben Fischer: Ein Glas Apfelwein.

„Was auch sonst“, dachte ich mir, schließlich drehten sich weite Teile von „Ebbelwoijunkie“, dem jüngsten Roman des 47-Jährigen, ums „Stöffche“. Der Roman hatte mich vor einiger Zeit so gut unterhalten, dass ich ihm bereits eine eigene Rezension in meiner Rubrik „Lesestoff“ gewidmet hatte. Zum Werk inspirieren lassen, erzählt Fischer, habe er sich aufgrund einer tatsächlichen Meldung in den Nachrichten. „Da wollte die EU dem Apfelwein doch tatsächlich die Bezeichnung „Wein“ aberkennen!“ Wein hin, Wein her: Ich indes erfreute mich an einer guten Tasse Wissmüller und der Stimme Fischers, dessen Worte mir bereits viele schöne Lesestunden beschert hatten.


Überhaupt, die Stimmen:
Zwar hatte ich auch das vorgelesene Werk bereits gelesen, doch wirken Romanfiguren eben niemals lebendiger als in dem Moment, indem die Stimme ihres Erschaffers von ihnen erzählt. Hach, ich mag ja Lesungen!

Noch Fragen?

Der ultimative Grund aber, eine Lesung zu besuchen, ist für mich die Gelegenheit, im Anschluss den Autoren einige Fragen stellen zu dürfen. Auch Habeney und Fischer stellten sich für solche gerne zur Verfügung.

Ich machte einfach mal den Anfang, entschied mich für einen echten „Klassiker“ unter all den Fragen, welche man einem Autor nur stellen konnte.

„Was ist denn euer liebster Ort zum Schreiben?“, fragte ich die beiden und nippte gespannt an meinem Kaffee.

Während Habeney bekräftigte, zum Schreiben stets beiläufigen Input ihrer Katzen sowie ihres Fernsehgerätes zu benötigen, gab sich Fischer bei seiner Antwort recht eindeutig: „In Ruhe am Schreibtisch!“. Innerlich verbrüderte ich mich schnell mit Andrea Habeney, schließlich benötige auch ich einen beiläufigen, sachten Trubel um mich herum, um kreativ zu werden.

 

Marotten im Bekanntenkreis abgeguckt

Auch eine zweite Frage brannte mir unter den Nägeln:
Wieviel Prozent der „Jenny Becker“ steckten eigentlich in Andrea Habeney, wie hoch war der Anteil von Kommissar Andreas Rauscher an Gerd Fischers Persönlichkeit?

Eine verdächtig lange Zeit verstrich.. „Uuuuh“, beendete Habeney dann doch das stille Nachdenken und versuchte sich an einer Antwort: „Also, das kann ich eigentlich so gar nicht sagen“. Verdächtig viele ihrer Bekannter erkannten sich jedoch in ihren Romanfiguren wiederer. „Aber ist dies nicht genau das Erfolgsrezept eines jeden Autors, dass sich möglichst viele Leser in dessen Romanfiguren erkennen können?“, fragte ich. „Das stimmt wohl!“, nickte Habeney. „So hatte ich das noch nie bedacht“.

Gerd Fischer dagegen kann nicht leugnen, dass „sein“ Kommissar Rauscher zumindest einige seiner Charakterzüge innehat. Auch er trinke schließlich unfassbar gern Apfelwein, das Publikum lacht. „Es ist kaum möglich, eine Figur zu erschaffen, die nicht zumindest über einige eigene Eigenschaften verfügt“, stellt er fest. Außerdem habe auch er sich einige Marotten seiner Nebenfiguren im Bekanntenkreis abgeguckt.

 

Widmungen und Sehnsüchte

Zum Abschluss gab’s für mich dann sogar noch Autogramme in meine beiden mitgebrachten Bücher. Beide Autoren wünschten mir in einer Widmung viel Freude beim Lesen – hatten sie etwa ernsthaft geglaubt, ich hätte ihre Werke nicht schon längst verschlungen?

„Bis zur nächsten Lesung!“, verabschiedete ich mich von meinen beiden Helden. „Bis bald!“, schüttelten sie mir die Hand und verrieten: „Für unsere Kommissare gibt’s demnächst auch wieder einiges zu tun!“

Bevor ich nach Hause ging, warf ich noch einen Blick auf die Bücherstapel auf dem Verkaufstresen. Druckfrisch liegen sie da, die Werke der beiden Autoren. Cover in Hochglanz als stiller Vorwurf an mich selbst. „Tja“, dachte ich mir, „die beiden haben es gepackt“. Ob auch ich einmal mein Buch hier liegen sehen werde?

Besucht auch ihr so gerne Lesungen? Und welches sind eigentlich eure „Helden“ des regionalen Mord & Totschlag? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Tierfreunde, aufgepasst: Acht Wochen noch für Katzencafé-Crowdfunding

Dass Großstadtleben, kleine Wohnung und Heimtierliebe oftmals nur schwer vereinbar sind: Dass weiß ich, seitdem ich einen weiteren, vierbeinigen Mitbewohner in Form eines Hundes hatte.

Wer dem eigenen Tier ein gutes Herrchen oder Frauchen sein mag, der hat eine Menge Verantwortung zu tragen. Klar, dass da Hund, Katze & Co nicht ausschließlich Freude bereiten – sondern der eigene Alltag oftmals dem Tier angepasst und untergeordnet sein will.

Die liebe Zeit, sie ist ohnehin meist viel zu knapp: Für Viele bleibt zwischen Arbeit, Haushalt, Freunden und den Pflichten des Erwachsenseins schlicht keine mehr für ein Haustier.

Einen Haustier-Sitter, den kann sich nicht jedermann leisten – und ein Goldfisch im Glas, der wird dann auch recht schnell ein wenig langweilig. Ganz abgesehen davon, dass man ihn nicht streicheln kann.

Und dennoch, da vermissen viele Frankfurter einen vierbeinigen Freund, der nach einem stressigen Arbeitstag ein wenig Gesellschaft und Freude spendet.

So, wie beispielsweise ein handelsübliches, süßes Hauskätzchen es tun kann.

Die Wahl-Frankfurterin Angelique Bauer hat nun eine Idee ersonnen, wie auch dem gemeinen Großstädter ein wenig Tierliebe zuteil werden kann – auch, wenn dieser auf eine eigene Katze verzichten muss oder möchte:

Ein Katzen-Café soll die Begegnung zwischen Stadtmensch und Tier ermöglichen. Das „Café Pfotenreich“, um genau zu sein.Neben Kaffee-Spezialitäten sollen auch Film- und Yoga-Abende in allerfeinster Katzen-Gesellschaft möglich sein.

 

Schnurren bei Cappuccino & Kuchen

Gänzlich neu ist die Idee freilich nicht. So existieren beispielsweise bereits in München und Berlin „Katzen-Cafés“, in denen es Mensch wie Tier gleichermaßen gut geht. Und, ganz ehrlich: Ist es nicht eine schöne Vorstellung, beim Kaffeegenuss hin und wieder von einer schnurrenden Katze gestreift zu werden, die vielleicht sogar auf dem eigenen Schoß Platz nehmen und gestreichelt werden mag.

In Frankfurt hingegen sucht man ein solches Konzept bislang vergebens.

„Zeit, das zu ändern“, dachte sich Angelique Bauer – undsammelt gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Stergios Papagiannis auf der CrowdFunding-Plattform StartNext nun Spenden für eine Realisierung ihres Projekts.

Klingt spannend, wie ich finde – Zeit, für ein paar Fragen! 


„Die Tiere sollen es gut haben bei uns und sich jederzeit wohlfühlen! „

 

Ein KatzenCafé für Frankfurt – wie kamst du auf diese Idee?

Die Idee zum Konzept kam mir ganz beiläufig! Ich hatte miese Laune, war in Köln, lief durch den Regen. Und entdeckte dann ein Katzen-Café, das mir den ganzen Tag gerettet hat! Ich bin fühle mich pudelwohl in Frankfurt, auch wenn es ein wenig gedauert hat, bis ich dem Charme der Stadt erlegen war. Nur ein solches Katzen-Café, das fehlte noch hier. Selbst eines eröffnen zu wollen war dann ganz naheliegend!

Habt ihr denn schon passende Räumlichkeiten gefunden – oder einen bevorzugten Standort im Blick?

Wir sind noch nicht fertig mit unserer Suche. Am liebsten wäre uns natürlich das Nordend, aber auch Bornheim oder das Ostend wären denkbar!

Verfügst du denn schon Erfahrungen im Betreiben eines Cafés – oder betrittst du Neuland?

Ein Café zu betreiben, das entspricht ganz und gar meinem Naturell! Auch privat liebe ich es, Gäste zu haben und diese zu betüddeln. Damit die „Pfotenreich“-Gäste künftig auch allerfeinsten Kaffee genießen können, will ich außerdem noch den ein oder anderen Barrista-Kurs belegen. Ich bin gespannt, ob ich es bald packe, Katzengesichter auf den Milchschaum zaubern zu können!

Die Tierakademie Köln hat mir außerdem bereits Katzensachkunde attestiert. Die Tiere sollen es schließlich gut haben bei uns und sich jederzeit wohlfühlen!

Noch knapp 30.000 Euro innerhalb zwei Monaten zu sammeln – das klingt ehrgeizig….

Ich bleibe optimistisch! Wir werden weiterhin eifrig die Werbetrommeln rühren. Das „Pfotenreich“ ist schließlich mehr als bloße Idee, es ist ein tragfähiges Konzept! Ich bin überzeugt davon und baue auf all diejenigen, die ebenso begeistert vom „KatzenCafé“ sind. Wir packen das!

Ich drück‘ euch alle Daumen! Wie möchtet ihr euch bei euren Unterstützern bedanken?

Wir haben uns einiges einfallen lassen. Je nach Spendenbetrag können unsere Unterstützer zwischen vielen tollen Sachen wählen, die wir ihnen als Dankeschön zukommen lassen. Von Frühstücks-Gutscheinen für Zwei über T-Shirts, Tanktops und handgemalten Gemälden: Wirklich für jeden soll etwas Schönes dabei sein. Außerdem  wird unter all unseren Unterstützern monatlich drei Mal ein ganzer Monat Freikaffee verlost.

Sollten wir die anvisierte Summe nicht erreichen, dann wird den Spendern ihr Geld selbstverständlich zurückgezahlt! Während der Crowdfunding-Phase haben wir ohnehin kein Zugriff auf die eingezahlten Gelder; diese werden vollständig von „StartNext“ verwaltet.


 

Wollt auch ihr Unterstützer werden?

Wenn ihr einen kleinen Anteil daran haben wollt, Angeliques Traum wahr werden zu lassen und auch selbst gern verregnete Nachmittage unter kleinen Tigern verbringen möchtet, dann könnt ihr – je nach eurem Budget – auf dem StartNext-Profil des „Café Pfotenreich“ am Crowdfunding teilnehmen.

Auch sämtliche anderen Informationen zum Projekt könnt ihr hier finden:

Startnext: https://www.startnext.com/katzencafe-frankfurt-am-main-1
Facebook: Pfotenreich Café

Ein kurzes Portrait könnt ihr euch ebenfalls hier anschauen:

 

Ich jedenfalls bin Sehr angetan von der Idee, da ich ohnehin einen Großteil meiner Freizeit in den Cafés unserer Stadt verbringe. Und hin und wieder ein bisschen vierbeiniges Leben um mich herum – jawoll, das wäre schön.
Ich drücke alle Pfoten, pardon, Daumen!

Auf ein Käffchen im besetzten Haus: Besuch bei „Project Shelter“

„Flüchtlinge“ und „Armutsmigration“ – keine anderen Schlagwörter dürften im vergangenen Jahr präsenter in den Tageszeitungen gewesen sein. Nun ja, außer „postfaktisch“ vielleicht.

Ganz sicher: Der Zustrom all der Menschen in unser Land hinein hat bis dato unbekannte Probleme geschaffen, die diskutiert werden müssen. Was zuweilen sehr pauschal und emotional getan wird.

Doch für mich selbst muss ich gestehen:

Ich lebe weitgehend unberührt von Armuts-Migranten und Flüchtlingen. Nehme von diesen meist nur in den Nachrichten Notiz. Dabei sollen doch so zahlreiche von ihnen gekommen sein und müssten sich doch mitten unter uns befinden.

Kennen gelernt habe ich trotzdem noch keinen.

Ich vermag auch nicht zu glauben, dass Flüchtlinge und Migranten allesamt wahlweise ISIS-Attentäter oder „Nafris“ im Testosteron-Rausch sind. Oder zumindest kleinkriminell.

Auch wenn das Verfolgen des Tagesgeschehens dies so manchen Populisten annehmen lässt. Ich jedoch bin überzeugt davon, dass die absolute Mehrheit der Migranten Menschen sind, die sich aus einer für uns nicht vorstellbaren Armut oder Gefahrenlage hinaus in unser Land gerettet haben. Wo sie sich Hilfe erhoffen, von einem besseren Dasein träumen.

 

Auf der Suche nach dem „Durchschnitts-Flüchtling“

Wo versteckt er sich also, der „Durchschnitts-Flüchtling“? Kann doch nicht sein, dass diese allesamt eingepfercht in maroden Turnhallen von der Außenwelt abgeschirmt werden.

Meine Suche führt mich ins besetzte Bistro des „Project Shelter“ in der oberen Berger Straße. Nachdem Anfang Dezember ein Anschlag mit Teerflüssigkeit auf dieses verübt wurde, konnte es am 4. Januar seine Wiedereröffnung feiern.

Ich betrete die leerstehende Kneipe und schau‘ mich um. Tatsächlich, recht spartanisch und provisorisch ist hier ein Café entstanden. Gutes Stichwort, ein Käffchen wär‘ nett jetzt, und den gibt’s gegen eine kleine Spende serviert von Marie, die für das Project Shelter nicht nur Kaffee kocht, sondern sich mit viel Herzblut für die Migranten und Flüchtlinge ohne Obdach einsetzt.

„Seit der Gründung des Projekts konnte bereits 80 Menschen in Not ein Dach über dem Kopf vermittelt werden“

 

So erzählt sie mir, dass seit der Gründung des Projekts im Winter 2014 bereits 80 Menschen, die hier in Frankfurt auf der Straße übernachten mussten, ein Dach über dem Kopf vermittelt werden konnte. Selbst in zahlreichen Kirchen hätten die Menschen nämlich nicht mehr übernachten dürfen und wurden aus diesen verwiesen. Ein merkwürdiges Selbstverständnis von „Nächstenliebe“ der Gotteshäuser, so denke ich mir. Aber mit der Kirche habe ich’s ja eh nicht so.

Doch nicht nur zeitweise leerstehende Wohnungen konnten als Schlafplatz vermittelt werden, mit dem Bistro auf der Berger Straße ist es auch endlich gelungen, eine dauerhafte Bleibe für das Projekt zu finden. Es soll Begegnungsstätte sein, eine Anlaufstelle für Menschen in Not. Jeden Donnerstag geöffnet, um einen Austausch von Frankfurtern und Geflohenen stattfinden zu lassen. Man spielt ,lernt gemeinsam Deutsch, kocht – und hilft sich, wo man eben kann. Und so, erzählt Marie weiter, tummeln sich teilweise 60 Menschen – Einheimische wie Gestrandete – an den alten Holztischen des Bistros. Und die meisten davon kennt sie sogar persönlich.

 

Einer davon ist Noah, den ich hier kennen lernen darf.

Er ist aus Ghana und über Italien nach Deutschland gereist, um Arbeit zu finden und eine würdige Existenz aufbauen zu können.

Doch Hilfe von der Stadt – die konnte er sich nicht erhoffen. Sie verweist auf die Zuständigkeit der italienischen Behörden. Statt öffentliche, nicht genutzten Wohnraum zur Verfügung zu stellen – es geht ja tatsächlich nur um ein Dach über den Kopf – wurde vielen Menschen ohne Visa lediglich ein Zugticket zurück nach Italien angeboten.

Dies von jemandem erzählt zu bekommen, der selbst zunächst keine Hilfe fand und schließlich auf der Straße schlafen musste, stimmt mich nachdenklich.

 

Und wo bitte bleibt die Menschlichkeit?

Klar, es mögen Tatsachen sein:
Kein Visum, eingereist aus Italien, Staat und Stadt nicht zuständig.

Aber:

Zunächst einmal handelt es sich um Menschen in Not. Die einer Armut entflohen sind, die für uns Deutsche nur schwer vorzustellen ist.

Ein Dach über dem Kopf ist das Mindeste, was ein Mensch zu einem würdigen Dasein (ich rede hier bewusst nicht von „Leben“) zur Verfügung gestellt werden.

Natürlich kann nicht erwartet werden, dass die Haushaltskasse der Stadt geplündert wird, um einen Wolkenkratzer für Menschen in Not zu errichten. Es geht nicht darum, ihnen ein Leben in Saus und Braus zu finanzieren, ein luxuriöses Apartment zur Verfügung gestellt wird. Diesen Anspruch hat niemand, auch Marie und Noah nicht.

Ungenutzter, überdachter Stadtraum ist vorhanden. Und sollte Menschen in Not zur Verfügung gestellt werden, um sie nicht auf der Straße frieren zu lassen.

Um Visa, Zuständigkeiten oder Rückführungen kann man auch noch streiten, nachdem diesen Menschen ein klitzekleines Mindestmaß an bloßer Existenz ermöglicht ist. Finde ich.

 

Meine Welt, mein Luxus, meine Probleme

Und als ich mich wieder aufs Fahrrad schwinge und die Rückfahrt in meine Welt der Luxusprobleme zurück antrete, bin ich froh.

Froh, dass die Menschen aus den Nachrichten für mich ein Gesicht bekommen haben. Froh darüber, dass mir selbst meine eigenen Probleme in ein Verhältnis gerückt wurden. Ich daran erinnert wurde, dass mein Leben und Wohlstand gar nicht mal so selbstverständlich sind.

Und unendlich froh darüber, dass es Menschen wie Marie gibt. Menschen, welche die Augen nicht verschließen vor den Menschen auf der Straße mitten unter uns, den Tücken der Bürokratie, den Sorgen und Nöten.

Kurzum:
Menschen, für die Menschlichkeit und Nächstenliebe nicht bloß Wörter sind. Lasst euch nicht unterkriegen!

Wenn auch ihr auf der Suche nach Begegnung seid, so schaut doch mal im Bistro vorbei. Öffnungszeiten und Veranstaltungen findet ihr auf der Facebook-Seite des Project Shelter.