Nach Hause kommen.

Weihnachten, das ist keine Geburtstagsfeier.
Jedenfalls habe ich die heutige Reise nicht aufgenommen, um die Niederkunft eines Romanhelden zu feiern.
Nein, Weihnachten, das ist für mich ein Gefühl.

 

 

Das wird mir einmal mehr klar, als ich die Schwelle überschreite.
Die Schwelle der Eingangstür meines Elternhauses meines Heimatdorfes, irgendwo in der hessischen Prärie.

Die Schwelle, über die ich bereits als Säugling getragen wurde.
Ich umarme meine Liebsten.

Und als ich so am Küchenfenster stehe, den Blick schleifen lasse hinüber zur Kirche – diesen Ausblick, der mich meine gesamte Kindheit und Jugend über begleitete – und meine Mutter nebenan am Herd rotiert, da fühle ich es:

Weihnachten.

Das Gefühl, nur ein einziges Mal im Jahr mit den den Menschen zusammen zu sein, die mir am meisten bedeuten. Die mich einst in die Welt gesetzt haben, die mich kennen wie niemand sonst – und diejenigen, die mich schon mein Leben lang begleiten. Familie eben.

 

Familie, das bedeutet „zu Hause sein“:

Sich geborgen fühlen, keine Rolle spielen zu müssen. Ein einziges Mal im Jahr die Nachrichten die Nachrichten sein zu lassen. Unsere grausame Welt, Aleppo, 12 Tote auf einem Berliner Weihnachtsmarkt, Hass, Krisen und Gewalt ganz kurz zu vergessen.

 

 

Und sich auf das zu besinnen, was wichtig ist im Leben:

Zu wissen, wo man herkommt. Vielleicht nicht mehr hingehört, aber jederzeit zurückkehren kann, um durchzuatmen.

Und wenn es nur für zwei Tage ist. Bevor wir uns alle wieder bewähren müssen in einem Leben, das viel zu oft mit „leben“ nicht mehr viel gemein hat .

Es duftet nicht nur mehr nach meiner Kindheit, es duftet nach Tannennadeln, Mamas Essen und Papas Parfum. Zeit, den Deckel meines Laptops herunterzuklappen.

 

Zu genießen, worauf es doch eigentlich nur ankommt:

Die Liebe zur Familie, die Liebe zum Nächsten.
Ein friedvolles Miteinander in einer manchmal verdammt rauen Welt. 

Und dabei all Diejenigen nicht zu vergessen, denen das Glück eines Zuhauses und einer Familie nicht vergönnt ist. Die sich – gerade in diesen Tagen – in ihrer Einsamkeit nach Liebe sehnen.

 

Wie schade, dass uns dies nur ein einziges Mal im Jahr gelingen mag.
Und genau dieses einzige Mal: Das ist für mich Weihnachten.

 

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