Spannende Einblicke in vergessene Flecken: Foto-Ausstellung „Verlassene Orte“ in der Naxoshalle

Nimmt man sich ein wenig Zeit, die eingetretenen Pfade zu verlassen und einmal ganz genau hinzuschauen, dann kann man feststellen: Ganz abseits von Pracht, Prunk & Hochglanzfassaden gibt es noch verborgene Orte in Frankfurt, die ihre besten Zeiten längst hinter sich haben. Die bislang selbst von Investoren übersehen wurden, als Zeugnisse einer vergangenen Zeit vorerst ihrem stetigen Verfall preisgegeben sind. Und Stück für Stück von der Natur zurückerobert werden. 

Ich selbst finde sowas ja ziemlich spannend; erst neulich hab‘ ich mich mal auf dem verlassenen Gelände der ehemaligen Stückgutabfertigung am Ostbahnhof umgeschaut und ein paar Fotos gemacht.

Als ich in meinem heißgeliebten JOURNAL FRANKFURT dann auch noch lesen konnte, dass am 21. Mai eine Foto-Ausstellung voll solcher Werke eröffnet werden sollte, wurde meine Neugierde geweckt:

In der Naxoshalle (die selbst ein Zeugnis einer großen Vergangenheit ist) ist nämlich noch bis zum 4. Juni die Ausstellung „Lost Places Rhein-Main“ zu bewundern. Die Fotografen Jörg Kuberek und Jörg Rudolph stellen hier ihre Werke aus, die sie auf ihren Streifzügen durch all die vergessenen Winkel des Rhein-Main-Gebiets angefertigt haben.

Den Tag der Eröffnung habe ich lieber auf dem Fahrrad verbracht, aber nur einen Tag später hab‘ ich mich voll gespannter Erwartung auf den Weg in die ehemalige Fabrikhalle unweit des Zoos gemacht.

Ob sich’s wohl lohnen würde?

 

 

Wahrlich weiter Winkel trifft auf „Quadratisch, praktisch, gut“

Allein die Naxoshalle ist ja an und für sich schon sehenswert. Als ich ankomme,stelle ich zu meiner großen Freude fest, dass auch die beiden Schöpfer der Ausstellung anwesend sind. Beide erweisen sich nicht nur als begabte Fotografen, sondern ebenfalls als äußerst nette Gesprächspartner.

In einem Plausch erzählt mir Jörg Rudolph, dass insgesamt 42 Bilder ihren Weg in die Ausstellung gefunden haben. Interessanterweise sind die beiden Jörgs niemals gemeinsam auf Fototour gegangen, sämtliche Aufnahmen wurden von beiden in „eigener Mission“ angefertigt.

Wer der jeweilige Urheber der zahlreichen Ausstellungsstücke ist, die sich auf zwei Etagen verteilen, ist auch für den Ungeübten schnell ersichtlich:

Während Jörg Rudolph ausschließlich (so erzählt er mir) im quadratischen Format fotografiert und seine Bilder anschließend in schmucken Rahmen präsentiert, schätzt Jörg Kuberek den Umgang mit dem Weitwinkelobjektiv sowie den Leinwanddruck. Seine Aufnahmen begeistern mich: Perspektiven wirken aufgrund des massiven Weitwinkel-Einsatzes ziemlich surrealistisch, fast grotesk an. Und das macht das Betrachten zu einer wirklich spannenden Sache!

 

Vergilbte Poster und verfallene Treppenhäuser

Allen Werken gemein ist dagegen, dass sie auf äußerst spannende Weise zahlreiche vergessene Orte in Frankfurt und Umland portraitieren. Besonders angetan haben es mir die Aufnahmen von vergilbten und sich bereits wellenden Postern, die vor langer Zeit einmal auf Spinde geklebt haben, um die Arbeiter mit dem Anblick leicht bekleideter Damen zu erfreuen.

Und niemals hätte ich gedacht, wie faszinierend der Anblick eines verfallenen Treppenhauses sein kann, von dessen Wänden schon längst nicht mehr nur der Putz bröckelt, wenn es in extremem Weitwinkel fotografiert wird.

So neugierig ich auch bin, so verständlich ist es auch, dass mir die Fotografen den genauen Aufnahmeort ihrer Werke nicht verraten möchten. Das tun sie prinzipiell niemandem, aus Angst, die verlassenen Orte könnten zum Ziel von Sprayern und Vandalen werden. Find‘ ich gut so!

„Das fotografische Entdecken verlassener Orte ist bei mir auch fester Bestandteil eines jeden Urlaubs!“ Jörg Rudolph

 

Meine Vermutung über einen verlassenen Bahnhof, den ich in einem ihrer Bilderalben entdeckt habe, bestätigen sie mir dann aber doch noch. Da ich den Ort selbst gut kenne und dort bereits ebenfalls fotografiert habe, lieg‘ ich auch direkt goldrichtig.

Bei Kuchen tauschen wir uns noch ein wenig aus, bevor ich mich auf der Gästetafel verewige und den beiden sympathischen Künstlern noch einen größtmöglichen Erfolg für ihre Ausstellung wünsche.

 

 

 

Neugierig geworden?

Wollt auch ihr euch davon überzeugen, welch unbeschreiblich morbiden Charme verlassene Militäranlagen und verrostende Eisenbahnwagen haben können? Wie reizvoll der Blick in alte Bürokorridore sein kann, in denen die Zeit stillgestanden zu sein scheint?

Dann kann ich euch einen Besuch der Ausstellung nur allerwärmstens an die Herzchen legen!

Noch bis zum 04. Juni habt ihr werktags von 18 – 20 Uhr und am Wochenende von 15 – 19 Uhr die Gelegenheit dazu.

Alle weiteren Infos findet ihr unter  www.verlasseneorte.info !

Ich jedenfalls kann’s nur empfehlen!

Wohin schon am Dienstagabend? Zum Beispiel zur Jam-Session im „Spritzehaus“.

Montags- und Dienstagabends ausgehen in Frankfurt, das ist mitunter etwas tricky. Ab dem Mittwoch, da beginnt die Stadt sich auf das Wochenende einzustimmen oder zieht die Feierei gleich vor in die Wochenmitte.

Die ersten beiden Tage einer Woche, die bieten kein allzu buntes Ausgehprogramm. Am Montagabend bleibt da eigentlich nur die Partyreihe „What‘ up Monday“ des Velvet (blöde nur, wenn man nicht gerade Student ist) oder das PubQuiz im O’Dwyers Irish Pub (blöde nur, wenn man kein Ratefuchs ist).

Am Dienstagabend dann kann man zwar im „Orange Peel“ allwöchentlich die Jazz/Blues/Funk – Session von Tommie Harris & Freunden genießen, aber jeden Tag Currywurst schmeckt ja irgendwann auch nicht mehr.

Neulich aber – es war einer jener Dienstage – begab es sich, dass ich wie üblich schlaftrunken zum Briefkasten wankte, um mich der Lektüre meiner Frankfurter Rundschau widmen zu können. Eine ganze Sonderseite war da Alt-Sachsenhausen gewidmet. Alt-Sachs, das sei nämlich mehr als nur Shisha-Bar und Ballermann. Wer sich davon überzeugen wolle, der solle doch gleich heute Abend mal der „Jam-Session“ im Spritzehaus beiwohnen. Ich nahm den Artikel derweil wohlwollend zur Kenntnis.

Im Laufe des Tages dann meldete sich mein Freund Arne. Er habe Besuch und Langeweile, ja ob ich denn verfügbar wäre am Abend. Klar war ich das, hatte schließlich frei – und wir einigten uns auf das „Speak Easy“ als Treffpunkt, schließlich sei sein Besuch ein Freund gepflegter Gitarrenmusik.

Ganz unverhofft landete ich an diesem Dienstag dann also doch in Alt-Sachsenhausen, den Artikel vom Morgen noch im Hinterkopf.

Es lag also nahe, die wenigen Meter hinüber in die alte Sachsenhäuser Feuerwache zu riskieren, um mal vorbeizuschauen bei der „Jam-Session“.

 

Und nun zur Kernaussage

Als wir die Türen öffnen und unter die Feuerwehrschlauch-behangenen Decken treten, sind wir kurz irritiert: Das Publikum scheint „ein wenig“ älter, wirklich viel los ist auch noch nicht.

Aber hey, verdammt: Die Musik ist geil! 

Die drei Musiker auf der Bühne (Schlagzeug, Gitarre, Bass) machen Laune, wir beschließen zu bleiben.

Und siehe da: Kaum haben wir Platz genommen und angestoßen, da füllt sich die alte Feuerwache. Zwei Mädels gesellen sich zu uns, wir versinken im Tratsch.

Und irgendwann, da wird die Bühne freigegeben für jedermann. Ich habe bereits mehrere Besucher beobachtet, die ihre Instrumente mit ihm Gepäck haben – und nun die Bühne entern dürfen.

Hey, für ’nen Dienstag, da ist das ziemlich gut hier. 
Und wieder mal hat es sich gelohnt, einfach mal was Neues auszuprobieren. Gibt eben auch an einem schnöden Frankfurter Dienstag mehr zu erleben, als man meinen möchte, 

Probiert es aus!

Von Dünen, Fachwerk und Palästen – so schön ist’s in Frankfurts Westen!

So traurig es auch sein mag:

Unter dem „Westen der Stadt“ versteht der gemeine zugezogene und irgendwo in den ach-so-angesagten Vierteln der Innenstadt lebende Frankfurter für gewöhnlich das Westend. Allenfalls vielleicht noch Niederrad (da war man schon mal beim Arzt) oder das Gallusviertel (soll ja auch im kommen sein!), dahinter hört’s dann aber für gewöhnlich auch schon auf. 

Um all den Anfeindungen zuvorzukommen, die mich nun ereilen möchten:
Hey, ich darf das schreiben, ich bin ja schließlich selbst nicht besser.

Oder besser gesagt, ich war:

Neulich, da hab‘ ich nämlich einen Ausflug in den wilden Westends ganz fernab des innerstädtischen Epizentrums gewagt. Von der Neugierde getrieben, von Schwanheim und Höchst hatte ja auch ich schon mal gehört. Eben da, wo noch die echten Frankfurter zu Hause sind.

„Der wilde, wilde Westen – er fängt gleich hinter Hamburg an…“:

Dieses furchtbare Stück Liedgut der norddeutschen Möchtegern-Country-Kapelle „Truckstop“ war als Kind eines meiner absoluten Lieblingslieder. Heute weiß ich es besser: Der wilde, wilde Westen: Der beginnt nämlich noch nach Niederrad, um genauer zu sein: In Schwanheim.

Und genau dort beginnt ein kleiner Ausflug, von dem ich euch berichten mag.

 

Folgt mir auf meiner Reise in den „wilden Westen“ – und tut es mir nach!

Als Ausgangspunkt für unsere kleine Tour haben wir die Straßenbahnstation „Rheinlandstraße“ gewählt:

Die Straßenbahnen der Linie 12 halten dort direkt im Herzen Schwanheims. Praktischerweise gibt’s dort am Bahnhof direkt eine Call a Bike-Station, sodass sich meine reizende Begleitung mittels App schnell eine Fietse leihen konnte. Ihr wisst nicht, was ’ne „Fietse“ ist? Keine Sorge, wusste ich bis dato auch nicht – so schimpft sich wohl in den Niederlanden und in Norddeutschland ein handelsübliches Fahrrad, wie ich erfahren durfte.

Nicht einmal ein eigenes Fahrrad braucht ihr also für die Tour – klingt ziemlich gut, oder? Die Tagespauschale beträgt – je nach Tarif – entweder 9 oder 12 Euro. Allemals günstiger als jedes Leihfahrrad!
Ziemlich gut ist auch, dass die Schwanheimer Dünen von der Haltestelle „Rheinlandstraße“ schnell erreicht sind.

Ein Schild markiert den Eingang zur deutschlandweit recht einmaligen Binnendüne, die bereits 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und zahlreichen Tier- wie Pflanzenarten eine Heimat bietet, die im Lande andernorts nur selten anzutreffen sind.

Diese könnt ihr von einem Bohlenweg aus bestaunen, der angelegt wurde, um Vegetation vor den Tritten der Ausflügler zu schützen. So viel Rücksicht nehmen wir natürlich gern – und außerdem sorgt ein solcher schmaler Steg schließlich für echtes Abenteuer-Feeling!

Hierbei gilt natürlich: „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“!
In unserem Fall natürlich „Wer seine Fietse liebt…“. Wenn mich meine Begleiterin weiter so beharrlich korrigiert, übernehme ich die „Fietse“ wohl selbst noch in den Wortschatz.

Nachdem ihr den Bohlenweg passiert und dabei die wunderschöne Dünenlandschaft bestaunt, vielleicht auch ein paar wilde Tiere entdeckt habt, könnt ihr wieder artig auf die Fietse (okay, okay, sie hat’s geschafft…) klettern. Über einen Fahrradweg erreicht ihr schnell das Schwanheimer Mainufer.

Und da wartet dann gleich das nächste Highlight!

 

Alles in Butter auf’m Kutter?

Die Altstadt Höchst ist von hier aus bereits zu bewundern. Nur der Main trennt euch noch noch von ihrer Schönheit. Und wie könnte man auch stilechter auf die andere Mainseite übersetzen als mit einer Fähre?

Praktischerweise – ihr hab’s geahnt – pendelt eine solche hier in schöner Regelmäßigkeit und verbindet Schwanheimer- mit Höchster Ufer. Für ’nen schlappen Euro könnt ihr mitsamt Fietsen an Bord gehen, den seichten Wellengang des Mains und die malerische Ansicht von Höchster Schloss und Justinuskirche genießen.

Ich hatte den Mund vor Entzückung noch nicht wieder geschlossen, betätigte noch wild den Auslöser meiner Kamera, da ist das Fahrvergnügen schon vorbei. Die Fähre ankert bereits in Höchst. „Ahoi, Captain, bis bald mal wieder!“.

Nun ja, ’ne Kreuzfahrt kann man für ’nen Euro wohl auch nicht erwarten. 

 

Zuckersüßes Fachwerk

Wir schwingen uns auf die Räd… Fietsen, fahren dann mal los. Direkt an der Anlegestelle der Fähre könnt ihr an der „Alten Schiffsmeldestelle“ bei einem Käffchen oder kalten Apfelwein von der Überfahrt erholen – leider hat diese zum Zeitpunkt unseres Ausflugs noch geschlossen, sodass wir uns auf den steilen Weg zum Marktplatz machen.

Klar, dass ihr keine solchen Kulturbanausen seid wie wir, denn vorher schaut ihr euch selbstverständiglich noch die ein wenig weiter westlich gelegene Justinuskirche anschaut, gelle?

Nach kurzer Zeit erreichen wir dann auch den Marktplatz als Zentrum der quirligen Altstadt. Ein 360 Grad – Blick genügt, und ich bin verliebt. Hey, so viel zuckersüßes Fachwerk habe ich zuletzt im fernen Quedlinburg bewundert!

Die alteingesessen Höchster genießen bereits Schoppen und Mittagsmampf auf den sonnigen Plätzen vor den altehrwürdigen Gasthäusern „Altes Zollhaus“ und „Zum Schwan“.

Hier versteht man offensichtlich noch was vom „Savoir Vivre!“ 

Wir derweil erkunden lieber noch ein wenig die Seitenstraßen. Schnuckelige Fachwerkhäuser reihen sich aneinander, die Bordsteine wurden von den Anwohnern liebevoll dekoriert. So stell‘ ich mir ein kleines Dorf in Spanien vor, hab‘ längst vergessen, dass ich mich in Frankfurt am Main befinde.

 

Herrscher-Prunk am Main

Nachdem wir sicher sind, keine der kleinen Gassen versäumt zu haben, zieht es uns nun zum bereits im sechzehnten Jahrhundert errichteten Höchster Schloss. Dessen altehrwürdiger Turm überragt den gesamten Stadtteil und hat uns schon aus der Ferne neugierig gemacht.

Leider lässt sich der Bergfried nur zu den Öffnungszeiten des Schloss-Museums besteigen (von Freitag bis Sonntag), sodass wir uns mit dem Anfertigen einiger Fotos begnügen müssen.

Ein Spaziergang durch den wunderschönen Schlossgarten entschädigt dann für das verpasste Treppensteigen. Und die Aussicht auf den Main hinunter ist auch von den Befestigungsmauern wahrlich schön genug!

Die Beine sind vertreten, wir schlendern zurück zum Marktplatz, an dem wir unseren „Fietsen“ eine Pause gegönnt hatten.

Das nächste Highlight ruft schließlich bereits! 

 

Barock-Palast und zarte Engel

Es ist mir ein wenig peinlich, als ich zugebe, dass ich keine Ahnung habe, wie weit genau es noch bis zum Bolongaropalast ist. Prompt werden wir von einem netten Herrn angesprochen, der es sich auf einer Bank bequem gemacht hat. „Ai, direkt hinter euch!“.

Der gute Herr ist nicht nur äußerst aufmerksam und hilfsbereit, er erweist sich obendrein als vorzüglicher Fremdenführer, gibt uns einen kleinen Abriss über die Geschichte des barocken Palasts.

So haben sich die Gebrüder Bolongaro bereits im Jahre 1735 hier niedergelassen, um von hier aus den damals größten Tabakhandel Europas aufzubauen. Das Geschäft florierte, und ein Palast sollte dem Unternehmenserfolg Ausdruck verleihen.

Im Jahre 1774 konnte der im barocken Baustil errichtete Palast fertiggestellt werden, ein barocker Garten wurde gleich mit angelegt und beherbergt seitdem zahlreiche Skulpturen sowie einen Brunnen.

Wir bedanken uns artig für die netten Ausführungen, erkunden nun selbst den Palast. Ist dieser schon eine echte Pracht, so haben es mir vor allem die vielen Skulpturen angetan. Diese zeigen meist Engel, die mit verträumten Augen gen Palast starren.

Eine kleine Runde durch den Park ist natürlich Pflicht, ebenso wie das obligatorische Erinnerungsbild vor dem Brunnen.

Wir verabschieden uns mit einigen gehauchten „ooooh, wie schön!“ und „ooooh, wie süß“ als Ausdrücken unserer Verzückung von all dem Barock.Wir schlendern vorbei an alten Männern mit Trommeln, jungen Männern mit Bier aus dem Discounter. Auch die Höchster wissen dieses schöne Fleckchen Frankfurt also zu genießen. Schön!

Nach all den Eindrücken, da haben wir uns einen Kaffee nun redlich verdient. Wir wollen entlang der Nidda zurück gen Innenstadt radeln, uns es dort noch auf einen Kaffee gemütlich machen, den Ausflug Revue passieren lassen.

 

Lektion des Tages: Klappe zu beim Radfahren!

Doch soweit kommt es leider nicht. Ich zeige gerade auf den „Niddastrand“, will vorschlagen, schon dort zu pausieren.

Just in diesem Moment, in dem ich mein Honigmäulchen zum Reden öffne, kracht mir etwas in den Rachen. Ich huste, eine Bienenkönigin wird aus den Untiefen meiner Atemwege emporgeschleudert.

„Das gibt’s doch nicht“, denke ich mir, als sich ein Schmerz in meinem Hals auszubreiten beginnt. Da hat mich das Drecksvieh doch tatsächlich gestochen. Irgendwo tief unten drin in meinem Hals.

So viel Pech hab‘ halt auch nur ich. 

Und so – sad but true! – endete dieser schöne Ausflug für mich nicht im Caféhaus, sondern in der Notaufnahme des Marienkrankenhauses. Statt einer Stärkung gab es für mich eine endoskopische Untersuchung meines Kehlkopfes mittels Sonde (ich erspare euch an dieser Stelle weitere Details…), statt dampfender Tasse Kaffee gab’s nur eine Cortisolinfusion.

Machte irgendwie auch wach, immerhin.

 

Mein Fazit:

Wir zwei Hübschen waren uns einig: Der Frankfurter Westen ist auf jeden Fall einen Ausflug wert! Ob die schöne Dünenlandschaft in Schwandheim, die schnuckeligen Fachwerkhäuser der Altstadt Höchst oder der imposante Palast:

Vor der Kulisse des Mains ein wunderschöner Ort, der wieder einmal zeigt:

Frankfurt ist weit mehr als Beton, Skyline & Trubel auf der Zeil.
Frankfurt ist eine unglaublich vielfältige Stadt, die es in allen Facetten zu erkunden wert ist. Man muss sich nur trauen.

Also:

Traut auch ihr euch, schwingt euch auf die Räder (meinetwegen gern auch auf die „Fietsen“), und gebt dem Westen eine Chance! Ihr werdet’s nicht bereuen! 🙂 

 

Und zum Schluss: Ein Dankeschön

Abschließend möchte ich noch gerne ein fettes „Dankeschön“ loswerden.
Nicht nur dafür, dass du meinen Wortschatz um das Wort „Fietse“ bereichert hast. Nicht nur für die „Zeit“, die du dir für den Ausflug genommen hast, den Entdeckergeist, den du mit mir teilst:

Sondern auch dafür, mich sogar noch ins Krankenhaus begleitet zu haben. Sogar geduldigst im Wartezimmer verharrt zu haben, als es „noch etwas länger dauert“. Das ist nicht (!) selbstverständlich – danke dafür. Ich mach‘ das wieder gut! 😉

Und bis dahin freu‘ ich mich schon auf die nächste Tour! 

 

Room Escape am Kneipentisch

Ich bin ja gemeinhin kein großer Freund von Gesellschaftsspielen. 
Dies ist vermutlich einem Trauma geschuldet, das ich bereits in meiner Kindheit in meinem Elternhaus erleiden musste: 

Auch heute noch erinnere ich mich mit Schrecken an die stundenlangen Monopoly-Orgien an Heiligabend. Die erst dann beendet wurden, wenn die gesamte Familie vollends genervt aufgab. Oder auch vorab einzelne Familienmitglieder eingeschlafen waren.

Das gemeinsame Spielen von „Die Siedler von Catan“ war dann auch nicht viel unterhaltsamer für mich und gipfelte stets in einem Wutausbruch von meinem lieben Vater. Ja, und damit hatte sich das mit den Spielen auch erledigt – von diversen spätere alkoholvernebelten Erfahrungen beim Poker oder „Looping Louie“ in diversen studentischen WG’s einmal abgesehen. 

 

Großen Gefallen dagegen habe ich dagegen an den „Live Escape Games“ gefunden, welche sich auch in Frankfurt großer Beliebtheit erfreuen. Dabei werden die Teilnehmer in einem Raum eingeschlossen und müssen gemeinsam verschiedenste Rätsel lösen, um ihrem Gefängnis zu entkommen. Die tickende Uhr im Nacken. Kein günstiger Spaß, aber jedes Mal aufs Neue ein echtes Abenteuer.

So war ich dann gleichermaßen erstaunt wie erfreut als ich entdeckte (danke, beste Schwester der Welt!), dass diese „Live Escape Rooms“ nun auch in Form von Gesellschaftsspielen existieren.

Der „KOSMOS“-Verlag hat nämlich eine Serie von gleich drei Gesellschaftsspielen auferlegt, welche das Erlebnis eines EXIT ROOMS an den Tisch bringen sollen.

 

Ganz klar, dass ich das ausprobieren muss!

Tja, und welcher Tisch könnte sich auch besser dafür eignen als der meines lieben „Zum Tannenbaum“.

Also: Spiel erworben (ich habe mich für „EXIT – Die verlassene Hütte“ entschieden), Freunde in die Bockenheimer Schankwirtschaft bestellt – und schon kann er losgehen, der Ausbruchsversuch!

Neben den gefüllten Bembel auf dem Tisch geselle ich nun den Spielkarton.

„Nach einer Autopanne sucht ihr eine Unterschlupf für die Nacht. Zum Glück findet ihr eine verlassene Hütte im Wald. Doch am nächsten Morgen ist die Tür versiegelt! Eisenstäbe in den Fenstern hindern euch an der Flucht. Ihr entdeckt ein seltsames Buch und eine rätselhafte Drehscheibe….“ –

so steht es hinten auf der Packung. Klingt ja schon mal ganz spannend.
Und tatsächlich: Im Karton finden wir tatsächlich erwähntes Buch sowie eine Drehscheibe vor. Außerdem noch einen Stapel von drei verschiedenen Karten der Kategorie „Rätsel“, „Lösung“ und „Hilfestellung“. Letztere schwören wir uns natürlich umgehend niemals in Anspruch zu nehmen. Männer haben eben ihren Stolz!

Doch zunächst gilt es, die Anleitung zu studieren. Also, Konzentration bitte, noch einen Schluck Apfelwein, und reingeschaut:

Die Regeln erscheinen zunächst recht komplex, sind aber allerdings recht unterhaltsam in einer Story verpackt erklärt. Und viele Regeln sind es eigentlich nicht, wir beginnen das Spiel ausschließlich „ausgestattet“ mit einer Drehscheibe und einem Buch. Die Drehscheibe dient zum „Eingeben“ der einzelnen Codes der unterschiedlichen Schlösser, die Karten zum Überprüfen der Lösungen und anschließendem erhalten von neuen Rätselkarten.

 

Und tatsächlich: Wir tauchen schnell ab ins Spiel

Die Regeln haben wir irgendwie dann doch recht schnell verinnerlicht, und wir tauchen schnell ab in Story und Spielgeschehen.

Tja, zu den eigentlichen Rätseln kann ich nun nicht viel verraten – dies würde euch dann doch die Freude daran nehmen, selbst einmal einen „Room Escape“ am Kneipentisch zu wagen, da ich Lösungen und Bestandteile der Rätsel verraten müsste.

Nur soviel sei gesagt: Kreative Rätsel aller Art erwarten die Spieler, von mathematischen Kopfnüssen über Bastelkunst und Zwischen-den-Zeilen-lesen. Auch außergewöhnliche („das kann doch nie und nimmer sein!“) Lösungsversuche führen zum Erfolg, und diese Erfolgsmomente bringen uns die meiste Freude. Denn nicht selten waren wir nur kurz davor, zu verzweifeln und glaubten jeden Faden verloren zu haben. 

Ganz besonders schön auch, dass wirklich jeder seinen großen Moment erleben darf und uns durch Einfälle und Können einen großen Schritt weiter bringen kann.

 

Unser Fazit

Schade nur, dass wir uns ein einziges Mal dann doch so richtig verrannt hatten und einen großen Patzer geleistet haben. Eine einzige Hilfe-Karte mussten wir dann doch zu Rate ziehen, um weiter zu kommen. Der Knoten war dann aber schnell gelöst, und der Rest ergab sich dann wieder ganz von alleine.

Nur Zeit, die hat’s gekostet: Statt der auf der Packung veranschlagten 45-90 Minuten benötigten wir dann mal eben gut 120, um dem auf unserem Tisch existenten Raum zu entkommen.

Aber was zählt, ist ja der Spaß. Und nach erfolgreicher „Flucht“ sind wir uns dann alle einig: Ja, auch als ein Gesellschaftsspiel ist ein Escape Game ein großer Spaß.

Nur irgendwie schade, dass das Spiel nach einmaligem Gebrauch direkt entsorgt werden kann. Zum einen weil man die Lösung der Rätsel ja nun kennt – zum anderen, weil die Spielmaterialien dann doch etwas – äh, ja – mitgenommen, beschriftet, zerrissen und gefaltet sind. 

Wir sind uns einig: Das machen wir wieder! Es gibt schließlich noch zwei andere Ausgaben der Spiele-Serie zu spielen. Und vielleicht klappt’s dann auch in einer stolzeren Zeit.

Na, neugierig geworden? Dann bestellt euch eines der Spiele, trommelt eure Freunde zusammen – und verbringt ’nen richtig netten Abend! Nervenkitzel, Rätselspaß und zahlreiche „Da hätte man ja gleich drauf kommen können“ – Momente garantiert!

https://www.escape-game.org/escape/frankfurt/

Klar, ein „Room-Escape“ in einem der Räume der mittlerweile doch recht zahlreichen Anbieter ist dann doch das größere Abenteuer. Wenn auch ein wenig teurer. 

Mittlerweile gibt’s in Frankfurt eine stattliche Anzahl von Anbietern. 

Eine praktische Übersicht über diese findet ihr hier: 

https://www.escape-game.org/escape/frankfurt/