Texte, Trinkhallen & Treten: Mit der „LiterRadTour“ unterwegs

Leidenschaften zu haben ist gut. Leidenschaften miteinander zu verbinden ist besser! Insofern bin ich fast ein wenig verärgert darüber, dass mir eine wahrlich grandiose Idee vorweggenommen wurde….

Aufmerksame Mainrausch-Leser wissen natürlich längst um meine Vorliebe für Fahrradtouren, Literatur und Wasserhäuschen. Was also sollte schon näher liegen, als diese wesentlichen Aspekte meines bescheidenen Daseins zu kombinieren? Eben. 

Ärgerlicherweise – ich habe es erwähnt – kamen mir einige helle Köpfe der Jugendmigrationsdienste im Quartier Gallus kurzerhand zuvor, in dem sie in Zusammenarbeit mit dem Stadtbiotop Offenbach sowie die astreinen Jungs des Wasserhäuschen-Fanclubs Linie 11 eine – Achtung, Wortspiel! – LiteRadTour ersannen.

Texte treffen aufs Trinken, Rhetorik trifft aufs Radfahren, so das Motto der Veranstaltungsreihe für das breite Volk. Nach drei Versuchen, welche vollends an mir vorüberzogen, gelang es den Initiatoren beim vierten Anlauf, mich auf die nächste bevorstehende Radtour mit Zwischenstationen in Form von poetischen Darbietungen aufmerksam zu machen. Die Künstler des Tages: Jan Cönig und Raban Lebemann vom gleichnamigen Duo, außerdem der mir bis dato unbekannte Gax Axl Gundlach. Außerdem, als Krönung des Ganzen: Jey Jey Glünderling, mit Preisen quasi überschütteter Meister des Poetry Slam. Seine Texte hab‘ ich schon immer sehr gefeiert (sagt man heute so!), kurzum: Ich war vom Rahmenprogramm vollends überzeugt.Ein heißer Sonntag im August 2018 soll zum Tage des Spektakels werden. Und dieses Mal -endlich-endlich!- bin auch ich mit von der Partie. Als Otto-Stinknormal-Teilnehmer, wie schön, auf der Bühne habe ich selbst schließlich erst am vergangenen Sonntag gestanden. Einfach mal berieseln lassen: Nice! 

Ziemlich nice auch, dass ich ich eine bezaubernde Begleitung gefunden habe, die sich mit mir auf zwei Rädern auf den Weg mitten hinein ins Herz Frankfurts verzogener, kleiner Schwester macht: Offenbach. Offenbach, das meint man gar nicht, ist -rein räumlich betrachtet- tatsächlich an manchen Stellen lediglich eine nahtlose Fortsetzung des Frankfurter Stadtgebietes. Wir sind schnell da, just-in-time, ja, auch Offenbacher Straßenzüge haben ihre Tücken.

Erster Akt: Ein Marktplatz ohne Markt

Kaum haben wir den Treffpunkt erreicht und unsere Zweiräder verschlossen (in Offenbach weiß man ja nie!), müssen wir uns arg wundern. Einen „Marktplatz“, den hätten wir uns, nun ja, anders vorgestellt: Keine Spur von Marktbuden und freundlich dreinblickenden Damen in grünen Kittelschürzen, welche mit einem herzlichen Lächeln im Gesicht den Bund Möhren überrascht.

Auch von eher halbseidenen Geschäften keine Spur, keine bösen Gesichter hinter Sonnenbrillen, keine Plastiktütchen. Verdammt, wird an Offenbacher Marktplätzen überhaupt irgendwas gehandelt? Stattdessen: Betongraue Tristesse, eine KFC-Filiale, und eben: Die Literaten, umringt von ihrer etwa dreißigköpfigen Zuhörerschaft. Und eben uns.

„Schön, dass ihr da seid!“, oha, es geht los. Eine junge Vertreterin des Offenbacher Stadtbiotops begrüßt die Angereisten, ja, man habe sich bewusst für diesen Ort entschieden. Das durchaus unterstützenswerte Ansinnen der Initiative sei es schließlich ausdrücklich, auch trostlose Orte wie diesen hier zu bespielen, mit Leben zu füllen. Und dann geht’s auch schon los!

Jan Cönig spricht zuerst ins Mikrofon, seine durch einen tragbaren Verstärker potenzierte Stimme lockt erste Schaulustige an. Es folgt ein Text seines Partners Lebemann, er referiert über die Ernährungsgewohnheiten der Generation Instagram. „Gax“ Axel Gundlach gelingt es anschließend, eine Spur Tiefsinn auf dem grauen Pflaster zu versprühen. Bühne frei für Jey Jey Glünderling, ja, selbst an diesem unwirtlichen Ort weiß er sich als Kunstfigur zu inszenieren. „Wie nennt man man ein kiffendes Känguruh?“, versucht er sich zunächst an einem kleinen Kalauer und lässt die Antwort nicht lange auf sich warten: „Grashüpfer!“ Erwartungsgemäß, so soll es bei Kalauern schließlich sein, lacht niemand. Mir entweicht dennoch ein kurzes Kichern, „hat ein bisschen gedauert, was?“, fragt der Poet in meine Richtung. In gewohnter Manier – folglich ziemlich laut, wofür hat der Kerl eigentlich ein Mikrofon?, knüpft er seinen eigentlichen Text an. Nun lachen alle, der Kerl versteht sein Handwerk.

Ein zu uns gestoßener Passant weiß nicht nur jedes Offenbach-Klischee zu erfüllen, sondern scheint dagegen eher weniger von Sinn und Zweck der Veranstaltung zu verstehen. „Poetry? Ey, hab‘ ich nie was von gehört, nee, nich‘ so meins, Bruder!“ Wer schon hätte das gedacht. Zeit für einen Ortswechsel. Ein Becher Kaffee für den Weg, nächster Halt: Dreieichpark. An den Ort, an dem sich Welse ihrer Artgenossen entledigen und Sommerlöcher füllen. Wir sind gespannt und treten in die Pedale.

Zweiter Akt: Barocke Tempel treffen  Freestyle-Skills

Ein knapper Kilometer später, der Kaffee blubbert in meinem Magen. Wir haben den Dreieichpark erreicht, ein Sommertag in Offenbach, Kinder toben und schreien, wir suchen Schutz unter dem Dach des barocken Pavillons. Dieser ist -ganz klar, Offenbach!- natürlich videoüberwacht, vielleicht finden ja hier diejenigen Geschäfte Stadt, welche man auf dem Marktplatz verortet hätte. Wir versammeln uns im Halbkreis um die Literaten, erste Bier- und Wodkaflaschen werden umhergereicht. Scheint in literarischen Freundeskreisen üblich, da kann ich mich als Autor nicht einmal ausklammern. Bleibe aber, so beschließe ich, vorerst dennoch bei ’ner kalten Cola Light.

In bekannter Reihenfolge gibt’s was auf die Ohren und zum Denken, zuletzt betritt Glünderling die Bühne, welche keine ist. Er verliest seinen Text über einen recht unbeliebten Schüler, schnell erkenne ich ihn wieder – ist dieser doch bereits in Jey Jeys Erstlingswerk veröffentlicht. Der Text beginnt recht harmlos, entwickelt sich aber nach recht radikalem Umbruch zu einer wahnwitzigen Werbung für Scientology. Nicht, dass der Autor das ernst meinen würde, doch versteht er es eben auch auf improvisierten Bühnen, so richtig auszurasten: „Werde Teil von Scientology!“, am Ende spricht er nicht, er schreit. So laut, dass auch ein -abermals jegliche Klischees erfüllender- Parkbesucher sich erschreckt umdreht. Etwas verstört mustert er unsere Versammlung und beginnt zu schimpfen. „Entspann‘ dich mal, und komm‘ auch du zu Scientology!“, ruft Glünderling ihm zu. Die Zuhörer lachen, der Offenbacher nicht. Er zieht von dannen.

Bevor wir allerdings von dannen ziehen, gibt’s allerdings noch ein wenig Freestyle-Rap der Künstler. Ich kenn‘ das schon als Einlage von „Wir müssen reden, Frankfurt!“, auch dieses Mal bin ich angetan vom Improvastionstalent der Jungs. Auf vom Publikum ein- beziehungsweise nicht eingeworfene Stichwörter (na gut, nehmen wir halt ‚Stille‘!“) mal eben einen Sprechgesang zu fabrizieren- Chapeaux!

Rucksäcke werden gepackt und Fahrräder bestiegen, denn: Wir ziehen weiter. Zurück nach Frankfurt, home sweet home, nächster Halt: Gallusviertel. Noch ehe wir die Oberräder Wiesen erreichen, hat sich die vormals dreißigköpfige Gruppe verloren, was soll’s, sind ja alle groß. Am Mainufer versuchen wir geflissentlich, Passanten einen tödlichen Ausgang ihres Sonntagsspazierganges zu ersparen, passieren das Heizkraftwerk West, und erreichen: Irgendwann doch unsere nächste Station: Die Trinkhalle Kölner Straße, „hart-klassisch“ gemäß der amtlichen Trinkhallen-Definition meiner Freunde der Linie 11.

Dritter Akt: Von Verlorenen und Kirschlikör

Irgendwann erreichen wir dann doch noch die berüchtigte Trinkhalle. Auch hier die Drahtesel besser mal angekettet. Gundlach ist schon vor uns im Gallus angekommen, zählt aber nicht, statt mittels Velo war er mit Motorroller unterwegs. „Reifen war platt!“, entschuldigt er sich. Wir freuen uns über die Vollzähligkeit der Künstler. Eine Vollzähligkeit, wie man sie von den Zuhörern nicht behaupten kann: Die einst dreißig Teilnehmer haben sich kurzerhand halbiert. Was ihnen innerhalb der letzten Dreiviertelstunde zugestoßen sein mag? Darüber lässt es sich nur mutmaßen.

Doch zuerst gilt es sich zu erfrischen, meine adrette Begleitung und ich mustern die Auslage der Trinkhalle. „Höhö“, sag‘ ich, „schau‘ mal da: Kirschlikör!“. Kurz liebäugeln wir mit Eierlikör, entscheiden uns dann dennoch zum Kauf. Tarnung ist alles, das weiß man auch im Gallus – es gilt nun galant, den Inhalt der kleinen Likörflasche in einer unverdächtig wirkenden Cola-Flasche zu versenken.Nicht namentlich zu nennende Teilnehmer und Künstler geben sich da weitaus unverschämter: Nicht mal sechs Uhr abends, abermals machen Bier-, Club-Mate- und Wodkaflaschen die Runde. Cheers, Gallus – und: Bühne frei!

Cönig berichtet von seinen fingierten Erlebnissen als Treppenlift-Fahrer und Kindergeburtstags-Clown. Glünderling kotzt sich aus über die geschlechtsspezifischen Benachteiligungen der Herrenwelt im Hochsommer, zwischen den Zeilen plädiert er aber für ein frei von Hochglanz-Magazinen geprägtes Schönheitsideal. I like!

Gundlach startet was dadaistisches, was genau, vergesse ich schnell. Dadaismus war noch nie so Meines, dafür aber Trinkhallen – respektive die bunte Vielfalt der Frankfurter Wasserhäuschen-Szene.

„Ey, lest hier mal bloß nix vor!“, ein Kerl im Unterhemd ist offensichtlich kein Freund der lokalen Literatur. Was soll’s, ich nippe an meiner mit Kirschlikör aufgemotzten Cola. Schmeckt gar nicht mal so übel – dass es immer noch erst früher Abend ist, ignoriere ich dabei geflissentlich. Am Sonntag ist das legitim, lasse ich mich von der jungen Frau zu meiner Rechten belehren.

Nur schweren Herzens lösen wir uns aus unseren Trinkhallen-Stühlen, einmal noch aufs Rad, die Endstation für heute ist nicht weit: Die Quäkerwiese, grünes Einod des einstigen Arbeiterviertels.

Vierter Akt: Speed-Dating und schwarze Löcher

Nur einen Katzensprung später, die Räder sind verschlossen, eine Mauer bietet eine Sitzgelegenheit, die wir dankbar annehmen. Schnell haben sich die Autoren eine letzte Bühne für den heutigen Tag herbei-improvisiert. Sind tatsächlich schon vier Stunden vergangen?

Wir wechseln von Kirschcola zum Käffchen und sind noch mal ganz Ohr. Gundlach kündigt einen guten Rat fürs Leben an, beginnt seinen Text aber zunächst mit einem interstellaren Ausflug. Supernova, rote Riesen, Universum weg, Sonne weg, alles weg, schnell gleite ich in Gedanken ab und kann nicht mehr wirklich folgen. Hätte wohl doch Raketenwissenschaftler werden sollen.

Doch, a propos schwarzes Loch: Sind darin etwa die zwei Drittel der einst dreißig Literaturfreunde entschwunden? Wir haben uns deutlich dezimiert, was soll’s, wir hören weiter zu. Gundlach nähert sich der Pointe, dem Rat fürs Leben, der da lauten soll: „Lebt so, dass euer letzter Gedanke sein wird: Scheiße, war das Leben geil!“. Wie recht er doch damit hat.

Lebemann greift zum Mikrofon, lässt sein letztes, fiktives Speed-Dating mit uns Revue passieren. Ganz witzig, wirklich, am Ende wird ein für alle Male klargestellt: Ja, die „Achtzehn“ fährt auch in die Innenstadt.

Welch ein starker Sonntag!

Und wir? Sagen tschüß und fahren statt in die Innenstadt ins schöne Bornheim. Da gibt’s nämlich Lavendel-Minze-Apfelwein und obendrein eine tolle Aussicht hinab vom Hof des Bornheimer Ratskellers (no advertising!).

Wir stoßen an, noch immer ist es hell. Doch schließlich ist es Sonntag. 
Und wir beide sind uns einig: Ein ziemlich starker Sonntag. Auf baldiges Wiedersehen bei der nächsten „LiteRadTour“! 

 

Spenden-Überschuss: Wohin mit all der Kohle?

Flugausfall dank Schneechaos, Messerstecher auf der Baustelle und ominöse Maskenmänner: In der Flut all dieser Schreckensmeldungen gehen erfreuliche Nachrichten ja schnell mal unter.

Wie zum Beispiel diese hier:

Die 100.000 Euro-Marke auf dem Spendenkonto für den Wiederaufbau des Goetheturms ist geknackt! 

Außerdem entschieden die Frankfurter online darüber, dass der abgebrannte Turm in bewährter, einfacher Holzkonstruktion wieder errichtet werden soll. Ganz ohne barrierefreien Schnickschnack, ganz ohne sonstiges Brimborium. Zwar deckt die Versicherung die Umsetzung heutiger Bauvorschriften nicht vollständig ab, mit Glück bleibt aber noch eine Menge Kohle auf dem Spendenkonto über.

Was nur anstellen mit dem ganzen Geld? Nun, dies entscheiden unsere lieben Stadtverordneten im Römer. Gerne aber greife ich den werten Damen und Herren ein wenig unter die Arme:

Mit diesen elf Ideen für eine wirklich sinnvolle Verwendung des überschüssigen Spenden-Geldes! 

 

1. Rad-Schnellweg auf der Zeil

Im wilden Zickzack schwerstbepackten Passanten ausweichen, die sich und ihre Primark-Tüten erst im letzten Moment durch einen beherzten Sprung in Sicherheit bringen: Radfahren auf der Zeil gleicht einem Abenteuer mit stets ungewissem Ausgang. An ein zügiges Vorankommen ist aufgrund der permanent notwendigen Ausweichmanöver ohnehin nicht zu denken, sodass man eigentlich gleich absteigen könnte.

Dabei könnte doch alles so einfach sein! Ein Fahrradschnellweg inmitten der Zeil würde für eine saubere Trennung von Radfahrern und Shopaholics sorgen. Freie Fahrt für die Einen, körperliche Unversehrtheit für die Anderen: Happiness für alle! Nach außen hin gesichert würde der Radschnellweg idealerweise mit Panzersperren, von denen nach dem Ende des Weihnachtsmarktes ohnehin einige übrig blieben durfte.

Nicht zuletzt die hässlichen Junkfood-Pavillions in der Straßenmitte –  würde die etwa ernsthaft irgendwer vermissen?

 

2. Anständiger Schobbe für ABC-Schützen

Traurig, aber Alltag an Frankfurter Grundschulen: Selbst mit finanzieller Unterstützung des Sozialamts können sich zahlreiche ABC-Schützen am Schulkiosk gerade mal ’ne nach Autoreifen schmeckende BiFi  leisten, nur mit Glück ist eine Capri-Sonne drin. Ein anständiger Schobben zum Mittagsmahl? Fehlanzeige!

Pädagogen und Ernährungswissenschaftler sind sich einig: Eine vollwertige, gesunde Kost schaut anders aus!

Kinder sind unsere Zukunft, ihr Wohlergehen sollte uns am Herzen liegen. Und was braucht es zum Wohlergehen unserer Kleinen? Richtig: Vitamine! Zahlreiche davon sind in Äpfeln zu finden; aus zahlreichen Äpfeln wiederum besteht Apfelwein.

Was läge also näher, als unserem Nachwuchs ein „Bembelgeld“ für den Sauergespritzten vor der Doppelstunde Deutsch zur Verfügung zu stellen?

A propos Deutsch: Ein gemeinsames Einnehmen des Schobbens stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern macht gleichzeitig Schülern mit Migrationshintergrund vertraut mit den heimischen Gepflogenheiten und ist somit beste Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

 

3. Hobbykeller für Eisenbahn-Rainer

Er ist der berühmteste Obdachlose der Stadt und geriet gar zum Politikum: „Eisenbahn-Rainer“, der ein Stück weit prominent würde, weil er den von ihm angestammten Platz unweit der Zeil verlassen musste.

Nun sitzt er wieder da, diesmal aber mit vom Ordnungsamt ausgestellter Sondergenehmigung. Baut Tag für Tag seine beachtliche Modelleisenbahn auf, wird freudig von Passanten gegrüßt. In diesen kalten Tagen wird ihm auch mal ein wärmender Becher Kaffee in die Hand gedrückt, und dennoch bleibt: Das Leben auf der Straße.

geklaut von hamburgmuseum.de

Ist es nicht allerhöchste Eisenbahn (ha! Wortwitz!), dem Eisenbahn-Rainer einen Hobbyraum zu spendieren, in dem seine Eisenbahn auch nachts ihre Runden drehen kann? In dem Rainer jede Nacht ein warmes Bett hat? Mit viel Platz für Freunde und Besuch?

Ich denke, ja. Es ist Weihnachtszeit. Lassen wir unseren Worten Taten folgen und seien wir barmherzig.

4. Double für Feldmann-Double

Wer aufmerksam die Berichterstattung des Frankfurter Amts für Kommunikation für Stadtmarketing verfolgt, der weiß: Der Tag unseres geschätzten Oberbürgermeister müsste eigentlich 60 Stunden haben. Wie auch anders könnte das Stadtoberhaupt auch derart omnipräsent sein?

Wie kann er am Vormittag den Frühschoppen der Tischkick-Freunde 1872 Oberrad e.V. begießen, während er zeitgleich eine Delegation einer Partnerstadt auf dem Römerberg begrüßt? Wie kann er nachmittags mit der ABG verhandeln, während er im selben Moment öffentlichkeitswirksam eine Kunstausstellung eröffnet und einen Baum im Anlagenring pflanzt? Wie kann er abends in die Kameras beim Eintracht-Spiel winken, während er sich doch im selben Moment vor Ort von den Zuständen im Bahnhofsviertel überzeugt? Dabei stehts im Dialog mit dem Bürger bleiben?

Die Lösung ist so einfach wie naheliegend. Nach dem dritten Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt plauderte Stadtrat und Parteikollege Mike Josef aus dem Nähkästchen: „Dass der Peter längst ein Double hat, das ist im Römer offenes Geheimnis! Wie sollte er ansonsten derart präsent sein?“ 

eiskalt kopiert von skylineatlas.de

Bei der Vielzahl von Feldmanns (echt) und Feldmanns (Double) Terminen und Auftritten in der Frankfurter Öffentlichkeit ist allerdings zu befürchten, dass Feldmanns Doppelgänger bereits am Rande zum Burnout steht, unverzüglich entlastet werden muss.

Um ihm ein Klinik-Leben zwischen Psychopharmaka und Achtsamkeitsübungen zu ersparen, sollte dringend Geld für ein Double von Feldmanns Double bereitgestellt werden. Und wir Bürger? Könnten uns auf noch mehr Feldmann freuen. Immer und überall.

5. Eine junge Stute für die „Stute“

Sie hat mal 4.000 Mark auf dem Flohmarkt gekostet und begrüßt schon seit über 30 Jahren durstige Gäste in der Kult-Kneipe „zur guten Stute“ mit einem nimmermüden Wiehern.

Doch so sehr sich Wirt Ivo auch um artgerechte Haltung und Pflege der guten Stute bemüht: 30 Jahre in der Kneipe gingen auch am namensgebenden Pferd nicht spurlos vorüber.

Die Zähne gelb vom ewigen Rauch ringsum, das Fell weist erste Lücken auf und hat auch schon mal mehr geglänzt: Zeit, den alten Gaul in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken!

Würde eine neue gute Stute angeschafft, so könnte die alte ihren Lebensabend endlich in einer ruhigen Umgebung abseits des Kneipentrubels genießen. Vielleicht ja in Opel-Zoo oder dem historischen Museum?

6. Münzfernrohr für Offenbach

Es ist ja ganz nett anzuschauen, das neu gestaltete Becken des Offenbacher Westhafens. Auch die neuen, teuren Blockbau-Wohnungen ringsum sind sicherlich recht schön. Doch wenn die Neu-Offenbacher verträumt aus dem Fenster ihres Apartments starren, während sie auf den Lieferando-Boten warten, dann blicken sie eben doch auf: OFFENBACH.

Seien wir barmherzig und spendieren wir Ihnen ein Münzfernrohr am Becken ihres Hafens. Ermöglichen wir Ihnen einen wirklich schönen Ausblick – den auf Frankfurt nämlich.

Mit den Einnahmen aus dem Münzfernrohr könnten auch mittelfristig die hier vorgeschlagenen Projekte finanziert werden. In Frankfurt, versteht sich.

 

7. Bällchenbad für Fußballfans

Mal ist’s der Triumph über den Sieg, mal der Frust über die Niederlage: Der Besuch eines Bundesligaspiels setzt bei den Anhängern der Mannschaften nur allzu oft überschüssige Energien frei. Da werden gleich nach Abpfiff unflätige Lieder angestimmt, da werden Mütter gegnerischer Fans beleidigt. Manchmal gar nutzt man die Abgeschiedenheit des Stadtwalds, um sich gegenseitig eins auf die Mütze zu geben.

Gelingt es den Fußballfans nicht, noch vor Ort ihre überschüssigen Energien abzubauen, erfolgt meist eine Fahrt in die Frankfurter Innenstadt. Ist diese nach nur einer Stunde Fahrt mit der S-Bahn erreicht (unterwegs wurde gleich dreimal die Notbremse betätigt…), geht das wüste Treiben munter weiter.

Insbesondere Anhänger auswärtiger Fußballmannschaft lassen hier auch gerne mal städtisches Mobiliar zu Bruch gehen.

Schluss damit, das muss nicht sein!

(c) mamainessen.de

Ein Bällchenbad in der Nähe des Waldstadions würde Fußballfans dabei helfen, ihr Zuviel an Energie auch sozialverträglich abzubauen. Bunte Plastikbälle minimierten das Verletzungsrisiko, auch die Beamten der Polizei empfänden eine Schlacht im Bällchenbad sicher als angenehme Abwechslung zu ihrem ansonsten oftmals tristen Dienstalltag.

Ausgepowert und mit sich und der Welt im Reinen, würden selbst auswärtige Fans mit Sicherheit eine echte Bereicherung für unsere Stadt. Bällchenbäder schaffen Frieden, lasst uns eines finanzieren!

 

8. Sofortrente für Sternzeichen-Mann

Er ist der wohl einzige Frankfurter Bedürftige mit eigener Facebook-Fanpage und auch ihr habt sicherlich schon seine Bekanntschaft gemacht:

Der „Sternzeichenmann“ ist – ähnlich wie Peter Feldmann, siehe oben – omnipräsent in der Stadt, man trifft ihn immer und überall.

Der „Sternzeichenmann“ wird so genannt, weil er nicht einfach um Geld bittet, sondern gegen eine kleine Spende kleine Zeichnungen mit den verschiedenen Sternzeichen unters gönnerhafte Volk bringt.

Wer keine Verwendung für ein solches Bild sieht und das Geschäft dankend ablehnt, bekommt ungefragt ein rührendes Gesicht vorgetragen.

Eigentlich gar kein Problem, insbesondere weil der gute Mann stets freundlich und respektvoll agiert. Dennoch bleibt anzumerken: Da der „Sternzeichenmann“ immer und überall im Stadtbild präsent ist und man somit gern auch mehrmals am Tage in seine (wenn auch netten!) Geschäftsgebahren verwickelt wird, kann‘s ein mit der Zeit ein wenig anstrengend werden.

Irgendwann hat auch der letzte Frankfurter sein Heim mit Sternzeichenbildern tapeziert, irgendwann sollte auch der nette „Sternzeichenmann“ einmal schlafen und zur Ruhe kommen dürfen.

Spendieren wir ihm eine monatliche Sofort-Rente, damit er nicht mehr rastlos umherstreifen muss – und wir Frankfurter auch mal anderen Geschäften nachgehen können…

 

9. Urlaub für empfindliche Anwohner

Das Kultur-Festival „STOFFEL“ im Günthersburgpark und der weltbekannte Frankfurter Weihnachtsmarkt auf dem schönen Römerberg: Zwei Veranstaltungs-Highlights, wie sie schöner nicht sein könnten. Eigentlich.

Denn Jahr für Jahr schmälern  jeweils einzelne Anwohner die Freude der Besucher. Das Recht des Einzelnen auf gesittete Nachtruhe und einen mitteleuropäischen Lernpegel wiegt schwerer als das Recht auf Konzertfreuden und den siebten Glühwein – was leere Bühnen auf dem STOFFEL und ein Ende des Weiznachtsmarkts um 21 Uhr zur Folge hat. NOCH!

Schicken wir die beiden lärmempfindlichen Anwohner doch einfach während des Festivals und Weihnachtsmarktes in den Urlaub!

Bezahlen wir Ihnen eine Auszeit an einem ruhigen Ort! Im Ural beispielsweise soll es ziemlich still sein; wird frühzeitig gebucht, ist vielleicht sogar All inclusive drin.

Das restliche Frankfurt kann dann weiterfeiern. Tanz und Glühwein inklusive.

 

10. Eine Henne für den „Brickegickel“

Nach jahrelanger Abwesendheit (vielleicht war er in Afrika?) ist in diesem Jahr endlich unser „Brickegickel“ an seinen angestammten Platz an der alten Brücke zurückgekehrt.

Bild geklaut bei Wikipedia

Groß und Klein scheinen über diesen Umstand gleichermaßen erfreut, werfen liebevolle Blicke auf den Vogel. Nur eine Frage, die stellt sich niemand:

Fühlt er sich nicht ein wenig einsam, unser „Brickegickel“? Auch Vögel sind soziale Wesen, haben Bedürfnisse. Besorgen wir dem Gickel also eine adrette Henne, damit er nicht mehr alleine auf den Main starren muss. Mit Glück gibt‘s irgendwann auch Nachwuchs – und bei der Vorstellung an all die kleinen „Gickelchen“ schmilzt mein Herz schon jetzt dahin…

 

11. Winterboots für diese Dame

Wie bitte, immer noch Geld übrig? Wie schön! Dann nämlich können wir obendrein dieser unbekannten jungen Dame ein paar Winterstiefel spendieren:

Ich jedenfalls empfand eine gehörige Portion Mitleid, als sie neulich am Stoltze-Platz an mir vorüberstiefelte… pardon: tütete.


„Frage nicht, was deine Stadt für dich tun kann – frage dich selbst, was du für deine Stadt tun kannst!“ – Getreu diesem Crédo habe ich nun gleich elf (meiner meinung nach) hervorragende vorschläge gemacht, den spenden-überschuss zu verprassen möglichst sinnvoll und zum wohl aller zu investieren.
Habt ihr bessere Ideen? Dann lasst sie mich gern wissen!
Ich warte derweil auf eine zügige Umsetzung durch das Frankfurter Stadtparlament….