Noch so’n Stadtmagazin? – Blog „frankfurtdubistsowunderbar“ jetzt auch als Print-Ausgabe

„Boah Matze, wie schaffst du es eigentlich, immer so up-to-date zu bleiben im Frankfurter Stadtgeschehen?“

Diese Frage wird mir oft gestellt. Und zugegeben, es ist nicht immer leicht, am Frankfurter Ball zu bleiben.

Da gilt es beispielsweise täglich, den Lokalteil der Frankfurter Rundschau zu studieren, samt Terminübersicht für den jeweiligen Tag. Alle zwei Wochen, da flattert das JOURNAL FRANKFURT in den Briefkasten, informiert über Neuigkeiten aus Gastronomie, Kultur und Nachtleben. Klar, dass auch hier ein (wirklich empfehlenswerter!) Veranstaltungskalender beiliegt. Nebenbei stöbere ich natürlich auch gern in Frankfurter Online-Magazinen und Blogs. Einmal im Monat, da blättere ich auch schon mal in der aktuellen Ausgabe von „FRIZZ Frankfurt“ herum, und schlussendlich entdecke ich ja auch selbst immer wieder unendlich viel Neues, wenn ich mich in der Stadt umhertreibe.

Eigentlich, da fühle ich mich also bestens informiert. Bis mir dann neulich ein Kumpel, wir waren gerade gemütlich am stoffeln, ganz beiläufig erzählte, dass der Blog „frankfurtdubistsowunderbar“ (den ich im Übrigen sehr mag!) nun den Sprung in die Offline-Welt gewagt hat und jüngst eine erste Print-Ausgabe durch die Druckmaschinen gejagt hat.

 

 

„Nee, noch so’n Stadtmagazin? Was soll ich denn bitte noch alles lesen?“

Das war mein erster Gedanke. Aber dennoch hat meine Neugierde wieder einmal gesiegt, und ich hab mir bei Tia Emma eine druckfrische Ausgabe ergattert.
Etwas skeptisch hab ich’s mir also im Café Sugar Mama gemütlich gemacht, um das im eindrucksvollen Zeitungsformat gedruckte Magazin zu begutachten.

Ich meine, sämtliche Cafés, Kneipen und Hotspots der Stadt sind doch mittlerweile derart bei YELP, Tripadvisor & Co. totrezensiert worden, sodass ich selbst oft gar keine Lust habe, den viertausendachthundertzweiundsiebzigsten Artikel über Café, Kneipe oder schöne Fleckchen Frankfurts zu verfassen.

 

Was also sollte mich da schon Neues erwarten?
Ein erster Blick verrät mir jedenfalls:

Der Verleger, das Frankfurter Kreativbüro „esistfreitag“ hat sich bei Layout und Bildauswahl reichlich Mühe gegeben. Für mich als Rundschau-Leser war der Umgang mit den großformatigen Seiten zwar eine kleine Herausforderung, aber meine netten Sitznachbarn haben mir es nicht weiter verübelt, dass meine Lektüre gleich den ganzen Tisch in Anspruch nahm. Außerdem sorgen die große Seiten dafür, dass die Inhalte weder überladen wirken und die Seiten sehr übersichtlich und leicht zu lesen sind.

 

„Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal erlebt?“ 

Direkt auf der zweiten Seite hat mich das Magazin gepackt.
Fettgedruckt steht dort nämlich genau die Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle und die mein Antrieb dafür ist, immer wieder Neues entdecken und erfahren zu wollen. Gespannt blättere ich weiter, entschuldige mich dabei bei meinen Tischnachbarn. Blättern nimmt hier eben Raum in Anspruch.

Frankfurter werden gefragt, welche Farbe die Stadt für sie habe. Was würde ich wohl darauf antworten? Das muss ich noch fertig denken, blättere lieber erstmal weiter.

 

Entdecke einen kleinen Artikel über das alteingesessene Bürstenhaus in der Töngesgasse – hach, dass das außer mir noch jemand kennt! Schön.

Zwei Bewohner der Altstadt werden zu Hause besucht, ihre Wohnung erhält gleich ’ne ganze Doppelseite. Zumindest mein Voyeurismus ist bedient, und ganz ehrlich: Hey, würd‘ nicht jeder gern mal einen Blick in die Wohnung der Nachbarn werfen?Weiter geht’s, ich ärgere mich ein bisschen.

„Die perfekte Woche“ – ein Wochenplan mit Tipps für jeden Wochentag und jede Uhrzeit, ansehnlich aufbereit mit Spalten und roten Balken.

 

 

Warum bin ich da noch nicht selbst drauf gekommen? Die Locations, klar, die kenne ich. Doch mit deren Auswahl, da bin ich d’accord. Sehr hipster-lastig, klar, aber eben der Zielgruppe entsprechend. Lediglich ein einziger Besuch des „Café Sugar Mama“ in der Woche, das scheint mir dann doch ein wenig unangebracht, kann man ruhig öfter hin.

Doch gerade diejenigen, die noch nicht sonderlich bewandert sind in Frankfurt, die haben so eine wirklich praktische Entdecker-Hilfe an der Hand. Genial!

Weiter im Programm, Kunst, Mode, Kultur, mal mehr, mal weniger interessant für mich.

Aber eine große Doppelseite, die packt meine Aufmerksamkeit dann wieder vollends am Schopf: „Am Wasser gebaut“, so die Überschrift. 

Ein großer Main, der sich über beide Seiten erstreckt. Versehen mit 9 Orten zwischen Niederrad und Offenbach, an denen es sich im Sommer ganz wunderbar aushalten lässt. Frankfurt liegt zwar nicht am Meer, aber dennoch kann man hier schließlich jede Menge Spaß am Wasser haben!

Auch diese 9 Orte habe ich allesamt bereits besucht; ich muss nicht überall wieder hin. Das „Oosten“ mag ich gar nicht, dafür freue ich mich aber, dass das „Orange Beach“ als einer meiner liebsten Geheim-Tipps hier Empfehlung findet.

 

 

 

 

Kurz darauf schlage ich die Zeitung dann auch wieder zusammen:
Mehr als zwanzig Seiten umfasst die Erstausgabe nämlich nicht.

„Frankfurt & Du, ihr seid so wunderbar!“, lässt mich die letzte Seite wissen.
Lieben Dank, ich nehm‘ das mal als Kompliment!
Ich vergewissere mich, dass meine Sitznachbarn keine bleibenden Schäden davon getragen habe, und denke nach. Wie ist meine Meinung zu diesen zwanzig Seiten?

 

Gerne noch ’ne Ausgabe!

Mein erster Gedanke, da bin ich ganz ehrlich, war:
„Herrje, braucht Frankfurt wirklich noch ein x-tes Stadtmagazin“?

Nun, nachdem ich mich der ausgiebigen Lektüre gewidmet habe, da kann ich aber sagen:

„frankfurtdubistsowunderbar“ hebt sich dann aber doch deutlich genug und in angenehmer Art und Weise von anderen Formaten ab, um eine Daseinsberechtigung zu erlangen.

Das große Zeitungsformat des Magazins ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Doch bieten die großen Seiten eben auch viel Platz für Texte und Bilder, ohne dass diese aneinander gedrängt wirken würden.

Der Preis erscheint mit fünf Euro für zwanzig Seiten natürlich erst mal happig; an der Druckqualität ist dafür aber auch nichts auszusetzen.

All diejenigen, die noch nicht allzu bewandert sind in Frankfurt, die können jedenfalls bedenkenlos zugreifen.

Und auch ich hätte keinesfalls was gegen eine zweite Ausgabe! Dann auch gern ein wenig umfangreicher. Wo ihr eure Ausgabe des Magazins ergattern könnt, das erfahrt ihr übrigens auf www.frankfurtdubistsowunderbar.de !

Barcheck: Der Elephant im Porzellanladen

Es sind bereits einige Wochen vergangen, als mir eine Frankfurter Bloggerin während eines Treffens vom neuesten, heißen Scheiß in Sachsenhausen berichtete. Ein echter „Insider-Tipp“ sei das, ganz neu eröffnet, geöffnet nur von Dienstag bis Donnerstag. Damit sich der gemeine Umlands-Pöbel gar nicht erst zufällig dorthin verirre, wenn am Wochenende wieder ausgeschwärmt wird, um es in der Großstadt mal wieder „so richtig krachen zu lassen“. Ich solle mir mal vorstellen, ’ne Bar mit einem Tonic-speienden Elefanten inmitten eines altehrwürdigen Fachwerkhauses, in der die Gäste ihre Drinks gleich selber mischen. 

Nun: Mittlerweile, da dürfte das „Bonechina“ in Alt-Sachsenhausen längst kein Insider-Tipp mehr sein. Groß und breit wurde über die Eröffnung der Bar berichtet, auch die Mädels vom „Frankfurt Bar Blog“ kamen mir zuvor und statteten dem „Bonechina“ bereits Besuch ab.

Zwar hatte ich mich gleich mehrfach mit einem Kumpel auf einen Gin Tonic aus dem Elefanten verabredet; blöderweise wurde ich ebenso mehrfach versetzt. Auch eine spontane Verabredung mit einer Bekannten scheiterte, sodass ich mein Glück selbst in die Hand nahm. Hey, immerhin endlich wieder einmal ein Grund, Alt-Sachsenhausen Besuch abzustatten!

Als ich mich auf den Weg mache, auf dem Fahrrad vom Nordend herab gen „Dribbdebach“ rollen lasse, da bin ich gespannt: Droht Alt-Sachs endgültig die „Hipsterisierung“, wie das JOURNAL FRANKFURT unlängst befürchtete?

 

Einlass und Begrüßung

Von außen gibt man sich dezent; die alte Holzfassade des Hauses in der großen Rittergasse ist in wohlfeinem Grau gestrichen. Nur auf der Eingangstür, da findet sich ein kleiner Namenszug, ergänzt um den Hinweis: „Strictly no Elephants!“

Ich drücke die Klinke, ja huch, verschlossen? Entdecke aber schnell die unscheinbare Klingel neben der Tür und drücke mal drauf. „Speak Easy“, jaja, kennt man ja mittlerweile zuhauf in Frankfurt.

Die Tür öffnet sich, ich werde begrüßt von Björn. Ehe ich über die Schwelle getreten bin und mich umsehen kann, wird mir meine Jacke abgenommen. Bisschen überrumpelt bin ich, aber auch ein wenig gerührt von so viel Aufmerksamkeit mitten in „Alt-Sachs“.

„Ich bin gleich bei dir“, sagt Björn, „schau‘ dich gern schon mal um und such dir einen Platz“. Mache ich doch glatt!

 

Das Ambiente

Ganz dem Namen entsprechend, ist Porzellan hier das Programm. Die Wände sind auf das hübscheste getäfelt mit dreidimensionalen Rauten, die an Porzellan erinnern. Ansonsten, da komme ich mir vor wie auf einer WG-Party:

Der Großteil der Gäste tummelt sich nämlich in der dominierenden Einbauküche, rundherum sitzen Pärchen, trinken und quatschen. Wahrlich keine typische Bar, auch einen Tresen suche ich nämlich vergebens. Den gibt’s auch gar nicht, genau das ist schließlich das Konzept der Bar: Barkeeper und Gäste vermischen sich ebenso wie Spirituosen mit Tonic Water aus dem Elefantenbrunnen.

Ich nehme Platz, Björn reicht mir die Karte. Mal ’nen Blick drüber geworfen, doch ich weiß ja längst, wonach mir dürstet: Ein Gin Tonic zum Feierabend. Im Hintergrund, da berieseln mich der Klassiker der 1980er. Und, ganz ehrlich: Nichts würde hier besser passen! Ich fühle mich wohl.

Nur mein Geruchssinn, der ist ein wenig verstört: Es riecht nach – nichts. Schnell finde ich den Grund dafür heraus: Hier darf nicht geraucht werden. Ungewohnt, ich stelle mir die Frage, ob Gin Tonic auch in steriler Atemluft schmecken kann.

Ich blicke aus dem Fenster, und ja, es ist ein Genuss:
Einfach hier zu sitzen, durch das alte Fachwerkfenster das Treiben auf dem Kopfsteinpflaster des berühmt-berüchtigten, verkommenen Ausgehviertels zu beobachten – das ist ganz ehrlich schön.

 

Die Drinks – oder die „geschulten vier Zentiliter“

Björn kehrt zurück, fragt mich nach meinen Wünschen. „Einen Gin Tonic aus dem Elefanten, das wär‘ jetzt schön!“, sage ich – „na denn komm‘ mal mit“, sagt Björn.

Ich folge ihm, er nimmt sich alle Zeit und erklärt mir das gastronomische Konzept. Der Besucher hat die Wahl zwischen vorab in Flaschen abgefüllten Cocktails, die er nach Gutdünken um aromatisierte Eiswürfel bereichern kann. Heute, da stehen Rosmarin, Minze und Brombeere zur Auswahl. Wahnsinn! Und ich dachte, Eiswürfel sei Eiswürfel.

Oder aber, man macht es so wie ich: Lässt sich ein Glas samt Eis kredenzen, empfängt den Hinweis: Such‘ dir den Gin aus, vier geschulte Zentiliter!“. Das erheitert mich, ich frage kurz, wie das so geht, vier Zentiliter ohne Eichstrich. Bin schließlich meist vor- statt hinter der Bar anzutreffen.

 „Bis über den ersten Würfel!“, Björn ist Gottseidank zur Stelle. Und nun ab zu „Daisy“, so der Name des Tonic-speienden Elefanten. Auffüllen mit dem hausgemachten Tonic Water, das mir erstaunlich gut schmeckt, wenn es auch nicht besonders spritzig ist.

Ich nehme wieder Platz, nicht allzu viel los heute. Würd‘ jetzt gerne eine rauchen, aber is‘ ja nicht. Beobachte stattdessen das übliche Klientel, das an einem durchschnittlichen toten Donnerstag das Kopfsteinpflaster draußen belagert. Überlege mir, ob das hier Alt-Sachs gut tut.

Bin mir schnell sicher: Ja, das tut es.

 

Mein Fazit

Ob Alt-Sachsenhausen nun die „Hipsterisierung“ bevorsteht? Ich glaube nicht. Nein, Alt-Sachs hält das aus, alles Neues hier bereichert das Viertel definitiv um mehr als die drölfte Shisha-Bar oder die nächste Ballermann-Bumsbude.

Schade aber, dass ich hier keinen Tresen vorfinde – ich mag es einfach, an der Bar zu sitzen, meine Gedanken kreisen zu lassen, ein Buch zu lesen, ganz ohne anderweitige Bespaßung. Mangels Tresen hier nicht möglich, ebenso wie das Rauchen. Was den gemeinen Nichtraucher erfreut, trübt meine Freude: Auf ’ne Kippe vor die Tür, das ist hier schwierig, es droht erneutes Klingeln und das Einlass-Prozedere.

Der Tonic-spuckende Elefant im Porzellan-Laden jedoch, der ist ebenso fancy wie einzigartig. Auch wenn der Genuss der Getränke hier durchaus seinen Preis hat: 9 Euro für ’nen schnöden Gin Tonic, ganze 5 Euro für ’nen – wenn auch exquisiten –  Apfelwein: Jaja, wir sind in Frankfurt, wir verdienen gut. Aber muss das wirklich sein?

Wenn man so dasitzt, die Kneipe „Harmonie“ gegenüber betrachtet, da stellt man einmal wieder fest:

Einfach „durchschnittlich“ in Frankfurt, das geht wohl nicht.
Unteriridisch oder extravagant, exorbitant teuer und günstig, Treffpunkt für arme Seelen und neureiche Großstädter: Irgendwas dazwischen, das scheint es nicht zu geben. Ein weiteres Beispiel des grotesken Nebeneinanders, diesem krassen Kontrast – für den ich Frankfurt gleichzeitig so liebe und hasse.

Dennoch bin ich froh um diese Neueröffnung, diesen fancy Elefanten: Man ist hier mit Leidenschaft am Werk, nicht selbstverständlich angesichts all des „Altsachs“-Einerleis, der das eigentliche Potential des Viertels mit sinnentleerter Nichtig- und Einfallslosigkeit torpediert. Nur einen Tresen samt Aschenbecher, den vermisse ich schmerzlich. Alleine komme ich mir schnell verloren vor hier.

Dieser Meinung ist auch der nette Barkeeper, der trotz fehlender Bar wahrlich vom Fach scheint. Mit dem ich dann auch prompt noch ein paar nette Worte zum Abschied wechsle.

„Altsachs“,  sagt er, „das wird“. „Die Mietverträge der Ballermann-Schuppen und Shisha-Bars, die laufen alle bald aus. Und danach, da zieht da was Ordentliches ein. Ein Café, ein Bistro, eine anspruchsvolle Bar – es kann nur besser werden“.

Ich hoffe, er behält recht mit seiner Prognose – und wünsche ihm Durchhaltevermögen wie gutes Gelingen.