„Leben im Konjunktiv“: Eine Kurzgeschichte für graue Tage

Wenn sich Äste im Wind biegen und nasskalter Regen gegen die Scheiben klatscht, ist es an der Zeit, der Welt da draußen den Mittelfinger zu zeigen und sich in diejenige der Buchstaben zu flüchten. Findet ihr nicht auch? 

Ich jedenfalls habe die ersten Herbsttage dazu genutzt, Phantasie und Gedanken kreisen ein wenig kreisen zu lassen. Herausgekommen ist eine Kurzgeschichte, die hoffentlich auch euch ein wenig Unterhaltung an tristen Tagen bietet. 

Viel Freude beim Einkuscheln,  Lesen und Sinnieren! 


Der Anblick der weißen Decke über mir hat sich längst in meine Netzhaut eingebrannt, auch das Summen der eigenartigen Maschine zu meiner Linken nehme ich kaum noch wahr. Gedanken lullen mich ein, und ich wünschte, die andere weiße Decke würde es ihnen gleichtun. Stattdessen liegt sie auf mir wie ein Fremdkörper, weigert sich standhaft, sich meinem Körper auch nur einen kleines Bisschen anzuschmiegen. Das kam wohl dabei raus, wenn man Wäsche steifte. Oder sollte etwa Ich der Fremdkörper in diesem Bett sein?

Vielleicht war es tatsächlich so, vielleicht würde sich die Decke tatsächlich einer jeden Pore anpassen, würde sanft verschlucken, bedeckte statt meines einen anderen Körper. Vielleicht, da hab‘ ich einfach Pech gehabt. Schließlich war ich doch nur haarscharf daran vorbeigeschrammt, ein anderer Mensch zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wurde, wer ich bin, war schließlich mikroskopisch klein: Nur eine Einzige von 300 Millionen Spermien konnte das Wettrennen zu einer kleinen Eizelle gewinnen, konnte im Urknall allen menschlichen Daseins meine Genetik beschließen, endlose DNA-Ketten zu meiner Existenz verweben. Dass ich letztlich nicht als eines von 299.999.999 anderen Individuen das Licht der Welt erblickte, war nichts als Zufall. Nach aller Regel der Wahrscheinlichkeit wäre ich jemand völlig anderes geworden.

In einem Anfall innerlicher Unruhe drehe ich mich nach rechts. Ich will die weiße Decke nicht mehr sehen, will die gestärkte, weiße Decke nicht mehr fühlen. Lieber starre ich auf den leeren Besucherstuhl neben meinem Bett. Schmerz durchfährt mich, der Verband um meinen Kopf macht die kleinste Bewegung zur Qual. Ich presse meine Kiefer aufeinander und denke nach. Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wäre aus der Trommel der Fortpflanzungslotterie einer von fast dreihundert Millionen Anderen gezogen worden? Wäre dieser Mensch mir ähnlich, zumindest hier wie dort? Würde er meine Sehnsüchte teilen, dieselben Gedanken denken? Würde genau dann lachen oder an Nichtigkeiten verzweifeln, wenn auch ich es täte? Oder aber wäre er all das, was ich nicht war – ein Negativbild meiner selbst?

Hätte auch er damals im Bett gelegen und an die Decke seines Kinderzimmers gestarrt? Hätte auch er von der großen Freiheit geträumt, während er zum tausendsten Mal die Astlöcher der Holzbalken über ihm zählte? Jener großen Freiheit, die er endlich atmen würde, wenn er erst einmal sein Elternhaus verlassen hätte? Hätte auch dieser jemand Andere sich immer wieder ausgemalt, wie schön erst alles würde, wären seine Fesseln erst gesprengt? Ja, hätte auch er Rebell gespielt, sich grundlos mit seinen Lehrern angelegt und keine Provokation ausgelassen, weil er doch nichts mehr hasste als die Schule? Hätte auch er sich von niemandem verstanden gefühlt, am wenigsten von seinen Eltern? Hätte auch er den Tag herbeigesehnt, an dem er Schule und Elternhaus den Rücken würde, jener Stunde Null, in der sein wahres Leben beginnen würde, in der aus dem „Wollen“ ein „Sollen“ würde? Hätte auch er, bevor er abends einschlief, sich selbst als jungen Adler vorgestellt, der im Horst saß und darauf lauerte, seine Flügel auszubreiten?

Hätte auch er irgendwann sein Abitur gemacht, mehr schlecht als recht? Allein, um dieses Studium zu beginnen, für das er in diese fremde Stadt gezogen wäre? Jenes Studium, für das er sich allein deswegen entschieden hätte, weil der Numerus Clausus ihm keine andere Wahl gelassen hatte? Wäre auch dem Anderen jedes Mittel recht gewesen, um seinem Heimatdorf den Rücken zu kehren – selbst die Lehre der Betriebswirtschaft? Hätte auch er während der vielen Stunden im Auditorium keinerlei Leidenschaft verspürt, hätte einen subtilen Hass auf all die Zahlen, Graphen und Funktionen entwickelt? Hätte er auch er nur mühsam seinen Frust hinunterschlucken können, während er am späten Abend in der Bibliothek an seinen Hausarbeiten schrieb? Und hätte auch er sich dennoch tapfer durchgebissen, sich wieder und wieder vor Augen geführt, dass dieses gottverdammte Studium nun einmal die Basis seiner ersehnten Unabhängigkeit sei? Ein solides Fundament für seinen Glückspalast, gegossen in tiefschwarzem Beton des Fleißes, von Stahlstreben der Hartnäckigkeit durchzogen? „Ohne Fleiß kein Preis“: Hätten auch dem Anderen die Worte seines Vaters in den Ohren gehallt? Hätte auch er tatsächlich geglaubt, alles was ihm fehle, sei ein verfickter metaphorischer Grundstein?

Mein Nacken schmerzt, ich spüre ein Brennen hinter meiner Stirn. Das Jetzt, ich will es nicht, ertrag’ es nicht, nicht jetzt. Lieber drehe ich mich auf meine Seite und denke an das Damals. Schließe meine Augen und stelle Hypothesen auf. Hätte ich auch als jener andere Mensch, der ich doch fast geworden war, diese einsamen Momente zwischen Vorlesungen und biergetränkten Erstsemester-Partys erlebt? Die Stunden, in denen ich auf der Matratze meines Wohnheimzimmers lag und die Geborgenheit meines Elternhauses vermisste, der ich doch immer nur entfliehen wollte? Wäre ich genauso bald den Verheißungen der Nacht erlegen, um meinem Gefühl der Einsamkeit zu entfliehen? Hätte ich endlich den Mut besessen, eines der hübschen Mädchen an der Theke anzusprechen? Oder aber hätte dieser Anderer genauso sehr darunter gelitten, wieder und wieder alleine nach Hause zu gehen? Hätte auch er irgendwann damit begonnen, sich einzureden, dass ihm schlicht ein wenig Rock‘n‘Roll fehle? Dass er seiner Lockerheit nur ein wenig auf die Sprünge helfen müsse, dann würde das schon werden mit den Mädchen? Wäre auch er permanent nah am Wodka gebaut gewesen, hätte auch er sich dieses lächerliche Tribal stechen lassen? Hätte auch seine Nase gekitzelt, als er sich zum ersten Mal in der Toilette eingeschlossen hatte und das weiße Zeug vom Spülkasten zog?

Der Schmerz, den ich fühle, ist nun ein anderer. Vergilbte Erinnerungen legen sich über das Gemetzel hinter meiner Stirn, sepia-farbene Momentaufnahmen. Zwei Semester, verbracht in einem schweißgetränkten Vakuum zwischen Rausch und Kater. Das böse Erwachen, die Frauengeschichten meiner Kommilitonen, die trotz Rock‘n‘Roll und weißen Linien noch immer allein die meiner Kommilitonen waren. Dieser graue Tag im Januar, an dem ich in einem verdreckten Spiegel eines nochmals verdreckteren Gemeinschaftsbadezimmers den Grund all meines Unglücks zu erkennen glaubte. Der Kniff in meine Backen, zwei Digitalziffern auf einer verstaubten Waage als Gradmesser meiner Hässlichkeit. Das straffe Sportprogramm, das ich mir auflegte. Jene fatale Diät, die mir mit jeder verbrannten Körperzelle ein größeres Gefühl der Stärke gab. Hätte ich auch als ein Anderer geglaubt, die Maßeinheit für Glück sei Kilogramm? Dass er, wenn er nur zehn davon verlöre, endlich begehrt sei? Die Gänsehaut auf meinem Rücken, als ich die siebzig Kilo knackte.

Der süße Geschmack des Triumphs. Die ersten Komplimente. Absolute Kontrolle. Nichts als Leere hinter einem ausgemergelten Gesicht. Die Sache schien so klar, dann galt es eben nochmals zehn weitere Kilogramm meines Körpers zu zerstören. Dann aber, ganz sicher, würde der verbliebene Rest begehrt werden, dann flögen mir die Mädchenherzen zu. Als die schwarzen Balken der ersten Ziffer auf der Waage eine Fünf formten, fühlte ich längst nichts mehr. Und dennoch hungerte ich weiter, bis nur noch ein Vorgeschmack des Todes auf meiner Zunge lag.

Die viel zu späte Einsicht, dass ich mich zugrunde richtete. Die plötzliche Überzeugung, allein mein Umfeld trüge die Schuld an meiner Misere. Die Überzeugung, wohl einfach nicht gemacht zu sein für ein Studentenleben. War ich nicht ohnehin für Höheres bestimmt? Ja, wenn ich erst einmal meinen Abschluss in der Tasche hätte, wenn ich diese spätpubertären Spielchen nicht mehr spielte, dann, ja dann, wäre das Glück auf meiner Seite. Ich würde Geld verdienen, Karriere machen, morgens in einer, meiner, Wohnung aufwachen. Ein Loft, vom Sonnenschein geflutet wie auch mein restliches Dasein. Die Welt, sie stünde mir offen und wartete auf mich. Ich würde auf Reisen gehen, würde Frauen in kurzen Kleidern in den besten Bars der Stadt von meinen Abenteuern berichten. Hatte ich nicht bereits in meiner Vorstellung ihre Hände auf meinen Oberschenkeln spüren können? Nein, wir würden nicht getrennt nach Hause fahren.
Noch einen Martini, bitte. Sparen Sie sich die Olive.

Nächste Szene. Ein hässlicher Hut, für ein dämliches Bild in Richtung Himmel geschleudert. Eine letzte Blamage, tapfer ausgestanden, im Gesicht ein falsches Lächeln. Graduation, Gratulation, Absolution. Nun war alles ausgestanden, nun war ich neu geboren und doch schon 23. Meine Welt, sie würde eine andere sein, kaum dass der schwarze Hut den Boden berührte. Wäre auch der Andere, der ich fast geworden wäre, diesem Trugschluss aufgesessen? Hätte auch er fortan zahllose Nächte damit verbracht, Bewerbungen zu schreiben, hätte auch er Umschläge geküsst, bevor sie in gelbe Kästen warf? Hätte auch er sich im Spiegel bewundert, als er sich seinen ersten Anzug kaufte, „ja, der steht Ihnen ganz wirklich ganz ausgezeichnet!“? Hätte auch er tatsächlich geglaubt, die „Stunde Null“ stünde nun kurz bevor?

Das Geräusch einer sich öffnenden Tür schleudert mich unvermittelt zurück ins Jetzt, die Diashow in meinem Kopf weicht leisen Stimmen. „Er schläft“, murmelt eine Stimme, „sieht nicht gut aus“, eine andere. Einen Spalt breit öffne ich meine Augen, hinter den Besucherstühlen fließen weiße Hosen in weiße Wände über. Ich lasse meine Lider fallen, statt Weiß ein helles Rot, bevor ich zurück im Schwarzen bin.

Verhüllt in Dunkelheit die Frage,
was, wenn mein Dasein formatiert
was, hätten einst die Gene
einen andren Mensch kreiert?

Dächte er meine Gedanken
wär vom selben er berührt
teilte er meine Gefühle
wär‘ das Gleiche ihm passiert?

300 Millionen Leben, die ich statt meinem hätte führen können. Hätte ich auch in einem anderen geglaubt, ein Klecks von feuchter Tinte unter dem Arbeitsvertrag sei gleichbedeutend mit dem großen Glück? Wie lange hätte ich mich am Ziel gewähnt, während ich morgens noch einen Spritzer des teuren Parfums auf meinen Hals sprühte und mich auf Budapestern den Weg zur Arbeit machte? Wie lange hätte es gedauert, bis ich begreifen sollte, dass in dieser Firma niemand auf mich gewartet hatte? Dass ich nichts als ein austauschbarer Idiot unter vielen war? Hätte ich als auch ein Anderer all meine Sehnsüchte einem verfickten Job auffressen lassen?

Und hätte ich mir dennoch immer wieder eingeredet, dass sich all die Überstunden, die ich zähneknirschend schob, eines Tages auszahlten? Weil vor dem Begehren doch stets das Bewähren stünde? Säße ich auch so oft noch am Schreibtisch, während draußen die Dunkelheit längst einen schwarzen Schleier über die Häuserschluchten legte? Hätte genauso auf die Lichter der Straßen unter mir gestarrt und mich der Illusion hingegeben, dass sich schon ganz bald alles zum Guten drehen würde? Glaubte ich die süßen Früchte meiner Arbeit nicht schon vor meinen Augen, mit denen ich meinen Lebenshunger endlich stillen würde?

Stattdessen aber war da nur der wässrige Salat in der Kantine, den ich lustlos in mich hineinfraß. Da waren die Magazine, die ich in den kurzen Mittagspausen hastig durchblätterte. Die Bilder dieser Reportage aus Südamerika, die mich in ihren Bann zogen. Der Traum, sie statt auf Hochglanzbildern mit eigenen Augen zu sehen, hätte ich doch erst Zeit und Geld genug. Zeit und Geld: Scheiterte nicht ohnehin immer alles daran? War es da nicht nur logisch, mich mehr denn je in die Arbeit zu stürzen, bis mich eines Tages dann tatsächlich mein Vorgesetzter in sein Büro zitierte?

Sepia-Filter, Champagner aus der Flasche. Den Karrieresprung galt es zu begießen. Nun aber, endlich, da war ich mich dir doch so sicher, würde ich meine Träume leben. Nun gab es keine Astlöcher mehr zu zählen, nun würde ich zum Zuge kommen. Ein kräftiger Händedruck vom Immobilienmakler, ein Bund Schlüssel für die Maisonette-Wohnung in ach so begehrter Lage.

Hätte einer jener 300 Millionen sich nach der wilden Einweihungsparty endlich glücklich gefühlt? Oder hätte auch er die kurzen Nächte damit verbracht, sich schlaflos im neuen Doppelbett umher zu wälzen? Hätte auch er hinüber zur leeren Hälfte gestarrt, wäre irgendwann, in die Küche gegangen und Whiskey über Eiswürfeln fließen lassen?

Hätte der Andere begriffen, warum sich unter dem glatt gegelten Scheitel noch immer bloß eine Hoffnung auf das Werden statt einer Liebe für das Sein verbarg ? Hätte auch er auf diesen einen Menschen gewartet, mit dem er gemeinsam die Anden erkunden würde – statt drei Mal mit der Maus zu klicken und diesen Flug zu buchen? Hätte auch der Andere den Rauch von mehr als siebzigtausend Zigaretten in seine Lungenflügel strömen lassen, bis er erschrocken feststellte, wie wenig Rock’n’Roll der übervolle Aschenbecher vor ihm doch versprühte? Hätte auch er sich vorgenommen, endlich mit dem Rauchen aufzuhören, jedenfalls bald, wenn all der Stress erst einmal abflaute und einer Brise Sorglosigkeit gewichen wäre? Hätte auch der Andere sich noch einen Whiskey eingegossen, während er durch Feeds und Timelines scrollte und sich fragte, wann auch er in bunte Quadrate verpacktes Lebensglück posten würde? Ja, hätte jener Andere überhaupt gewusst, welch Mensch sich hinter seinen Profilen auf Xing und Instagram verbarg?

Hätte auch dieser andere Mensch weit nach Mitternacht italienische Lederschuhe über die Dielen geschleudert? Würde er sich, kaum dass die Wohnungstür geschlossen war, die gestreifte Krawatte vom Hals reißen und voll Abscheu in die Ecke werfen? Würde er sich genauso oft noch eine Dose Bier auf dem Kühlschrank greifen und sich schwören, dass all das hier bald ein Ende haben würde? Spürte auch er noch immer das Gefühl des 15-jährigen Rebellen in sich, wenn er sich die Kopfhörer aufsetzte und KORN hörte, so wie damals?

All the fucked up feelings again
The hurt inside is fading
This shit’s gone way too far
All this time I’ve been waiting

Warten, warten, warten. Wie oft kam es mir so vor, als hätte ich eine Nummer gezogen, die niemals aufgerufen würde? Wie oft ließ ich mich erschöpft auf dieses Sofa fallen, auf dem ich wenig später einschlief? Wie oft träumte ich dann von dieser Fahrradtour, die ich doch ganz sicher schon bald machen würde, wenn nur endlich dieses wichtige Projekt gestemmt wäre? Einmal den Main entlang, von der Quelle bis zur Mündung. Vorbei an den Ufern, an denen ich nie entspannen konnte. Nichts als der Fluss und ich… Wie oft meinte ich den Fahrtwind im unruhigen Schlaf schon im Gesicht zu spüren, während drei Stockwerke tiefer die Staubschicht auf dem teuren Rennrad beständig wuchs?
Hätte, hätte, Fahrradkette…

Ein bitteres Lächeln umspielt meine Lippen, während ich an mein Fahrrad denke.
Noch immer wage ich es nicht, meine Augen zu öffnen. Ich fühle mich traurig in der Dunkelheit und dennoch wohl, denn immerhin FÜHLE ich etwas. Wann hatte ich das zuletzt eigentlich getan – etwas zu fühlen?

Wieder einmal der Andere. Hätte auch er an meiner Stelle so lange nichts mehr empfunden? Hätten andere überhaupt etwas für IHN empfunden? Hätte es auch in seinem Leben jenes Mädchen gegeben, das ihn mit rotem Kopf um seine Handynummer bat? Hätte auch er sich wieder und wieder mit ihr getroffen, hätte kaum glauben können, dass sie es tatsächlich ganz aufrichtig und gut mit ihm meinte? Hätte er ihre Liebe erwidern können? Oder hätte auch er sie hingehalten und vertröstet, Ein ums andere Mal? Weil da draußen in der weiten Welt, doch ganz sicher irgendwann und irgendwo doch sicher dieser eine Mensch sein musste, der noch viel besser zu ihm passte und ihm noch so viel mehr zu geben hatte?

Hätte auch er sie schlussendlich abserviert und jeden aufblitzenden Moment der Reue im Rausch der Arbeit erstickt? Hätte auch er zentimeterdicke Stapel von Papieren mit seiner teuren Kamera beschwert, mit der er doch eigentlich seine Reisen festhalten wollte?

Ich schlucke. Eine Schlinge aus Stacheldraht in meinem Kehlkopf beendet meine Gedankenspiele. Nein, es gab da keinen Anderen. Die fast dreihundert Millionen Alternativen meiner selbst waren schon wenige Minuten nach einem Samenerguss gestorben, waren Möglichkeiten geblieben. ICH war es, der das Licht der Welt erblickte. Ich allein hatte alles so geschehen lassen. Ich bin es, der doch so gern in einer Partei beigetreten wäre, wenn ich mich nur endlich entschieden hätte. Ich allein bin derjenige, der so gerne einfach mal ein Buch gelesen hätte, wenn ich nur dasjenige gefunden hätte, dessen Lektüre keine Zeitverschwendung darstellte. Ich allein bin es, der seinen Eltern gern gesagt hätte, wie sehr er sie liebe, wenn er sie doch nur einmal wieder besucht hätte. „Es ist wie es ist“, sagt der Resignierte. „Was wird sein?“, fragt der Neugierige. Ich dagegen spiele „Was wäre wenn?“, während ich darauf warte, dass der Schmerz aus meinen Gliedern strömt.

Ich fühle mich sicher in meiner Paraderolle. War ich nicht schon immer ein Meister des Wartens? Warten auf mehr Zeit, warten auf mehr Geld, warten auf das richtige Umfeld, warten auf den perfekten Moment, warten auf den wunderbarsten aller Menschen. Ich wünschte, ich hätte mir einfach einmal die Zeit genommen, statt sie mit dem Warten zu verbringen. Ich wünschte, ich hätte einfach mal gemacht statt lediglich zu überlegen. Ich wünschte, es wäre nicht immer gerade irgendwie schlecht gewesen. „Hier ruht der, der intensiv gelebt hätte – hätte er nur erst einmal…“: Ich wünschte, andere Worte würden meinen Grabstein zieren. Ich wünschte, ich hätte die Liebe dieses Mädchens einfach erwidern können.

Vielleicht, da wachte ich dann längst neben ihr statt neben leeren Weinflaschen auf. Vielleicht lebte ich nicht mehr in dieser teuren Maisonette-Wohnung, in der ich doch eigentlich nicht einmal lebte, in der ich doch eigentlich nur erschöpft war. Vielleicht lägen im Flur auch keine italienischen Lederschuhe mehr verstreut. Vielleicht, da tobten im Flur unsere Kinder. Vielleicht wäre mein Kontostand geringer, vielleicht die Wohnung kleiner. Dafür aber wäre ich vielleicht auf einem Gebrauchtfahrrad den Main hinab gefahren, hätte vielleicht ein Zelt in den Anden aufgeschlagen.

Vielleicht hätte ich längst dem Rauchen aufgehört, vielleicht würde mich gar zumindest gelegentlich vor Mitternacht der Schlaf ereilen. Vielleicht wäre ich dann auch nicht wieder einmal zu spät dran gewesen, heute Morgen auf dem Weg zur Straßenbahn. Vielleicht hätte ich noch einmal nach links geblickt, bevor mich der Kühlergrill ergriff und mein Schädel auf dem Asphalt prallte. Vielleicht, da wäre statt Blut ein zielstrebiger Mann die Straße hinabgelaufen.

Laufen wie die Tränen über meine Wangen. Ich reiße meine Augen auf giere nach Luft. Fantasiere ich? Auf einem der Besucherstühle sitzt ein alter Mann, sein Bart reicht ihm bis zur Brust. Sein Gesicht ist eingefallen, er scheint in seinem Leben viel Zeit mit dem Warten verbracht zu haben. Auf eigenartige Weise kommt mein Besucher mir bekannt vor, doch komme ich nicht darauf, woher meine Vertrautheit rührt. Ich starre in ein müdes Augenpaar;  kraftlos erwidert er meinen Blick. Unentschlossen hebt er seine Schultern. „Guten Tag“, flüstert der Greis. „Ich bin der Konjunktiv. Ich habe dich dein ganzes Leben lang begleitet.“ Sekunden vergehen, bis ich verstehe. Er ergreift meine Hand, bevor er seine Stimme hebt: „Was, wäre dies das Ende?“

Dann wird alles dunkel.

Psychiatrie trifft auf Poesie: Vom unverhofften Oft und der Praxis des Dr.H

Hat eigentlich irgendjemand einmal irgendwann behauptet, das ziellose Umherflanieren sei nichts weiter als  Zeitverschwendung? Einer solchen Thesis kann und möchte ich in meiner Funktion als gestandener und leidenschaftlicher  Flaneur an dieser Stelle nachdrücklich widersprechen. Belege, gefällig? 

Es begab sich vor einigen Tagen, dass ich über die Berger Straße wandelte. Dort gibt’s für den gemeinen Frankfurter nämlich immer etwas zu gucken und entdecken. Vorausgesetzt natürlich, er setzt erst einmal seine großstädtischen Scheuklappen ab und hält die Äuglein nur ein wenig offen! So sollte auch ich recht bald eine Entdeckung gemacht haben: Kaum den Merianplatz passiert, lenkte ein farbenfroher Pavillon meine Aufmerksamkeit auf sich. Der passionierte Flaneur weiß natürlich, dass in solchen Momenten gilt: Innehalten, gucken, Hallo sagen!

Von der Poesie und den psychischen Wehwechen

Nur wenig später sollte sich der Pavillon als Info-Stand entpuppt haben. Was ich nämlich noch nicht wusste: In jener Woche fand Psychiatrische Woche Frankfurt , statt, eine Veranstaltungsreihe die Menschen mit psychischen Problemen auf die zahlreichen Hilfs- und Beratungsangebote will.  An dieser beteiligte sich auch die Selbsthilfe Frankfurt e.V., deren freundlichen Mitarbeiterinnen mir am Stand begegneten.

Nicht,dass ich akut hilfsbedürftig gewesen war, in jenem Moment kam ich auf mein Leben halbwegs klar. Doch war auch ich schon durch schlimmere Zeiten gegangen. Noch heute bin ich den Menschen dankbar, die mich damals aus meinem Loch gezogen hatten.

Anlass genug, um in Richtung der Veranstalter zu sagen:
Hey, wiie schön, dass es euch gibt! Wie schön, dass ihr einer noch immer viel zu oft tabuisierten Thematik einen Platz im öffentlichen Raum verschafft! Fantastisch, dass ihr mit der Träumerliga“ anlässlich der „Psychiatrischen Woche“ unter Beweis stellt, dass sich Prosa, Lyrik und Musik sich ganz vorzüglich mit den kleinen und großen Wehwehchen unserer Seelen vereinbaren lassen!

Dass ich zwei Tage später also in einem schattigen Hinterhof sitzen und mich auf einen vom Offenbacher Poeten Finn Holitzka moderierten Nachmittag der musikalischen und lyrischen Unterhaltung freuen durfte, hatte ich folglich allein dem Glück des wachsamen Flaneurs zu verdanken.

Wirkt souverän wie ein alter Hase: Moderator Finn Holitzka 

Eine ebenso glückliche Fügung (die eigentlich eine unglückliche war, schließlich steckte eine der Künstlerinnen im Zug fest…) war es auch, die mich spontan einspringen und einen meiner Texte vor dem Publikum zum Besten geben ließ. Zwar schwor ich mir umgehend, niemals wieder gänzlich unvorbereitet eine Bühne zu betreten – aber hey, das hier war doch für den guten Zweck!

Ein Problem zu haben ist kein Zeichen der Schwäche, das kann man gar nicht oft genug betonen. Schwach ist allein derjenige, den allein der Stolz daran hindert, sich helfen zu lassen.

Noch auf dem Heimweg erinnerte ich mich an eine Kurzgeschichte, die ich einmal schrieb. Eine Geschichte über den überwundenen Stolz, über das Suchen und Finden von Hilfe, über Geschehnisse im Wartezimmer. Über Patienten mit mancherlei Macken, die sie vor allem zum einem werden lässt: Den liebenswürdigsten Menschen dieser Welt. Dachschaden hin, Dachschaden her….

Habt ihr Bock drauf? Dann folgt mir auf meinem Weg zur Praxis des Dr.H !

Crazy Typ

Nie hätte ich gedacht, dass ich einen solch merkwürdigen Ort gleich einen Stadtteil weiter finden würde. Aber sagte man nicht immer, das Abenteuer lauerte an jeder Ecke? Ich musste nicht erst in ferne Kontinente reisen, um jenen Ort zu finden, und auch Lonelyplanet konnte ich links liegen lassen (warum lässt man Dinge eigentlich niemals rechts liegen? Eine Frage, deren Beantwortung ich dem Leser überlasse…),  musste nicht vollkommen unvorbereitet mein Handgepäck dann doch auf dem Rollfeld abgeben und in den Frachtraum des Billigfliegers laden lassen. Musste mir nicht einmal die Sitze des kleinen ICE-Abteils mit einer neunköpfigen Großfamilie und den Gerüchen ihrer in Tupperware düpierten Apfelstücke und Käsebrote teilen. Nein, nicht einmal Kosten waren mir entstanden. Alles, was ich brauchte, war ein Stück Papier: Ein rosafarbener Vordruck war meine Eintrittskarte, denn meinen Ausflug sollte die Kasse zahlen. Kryptische Zeilen, vom Nadeldrucker surrend ausgespuckt, wiesen mir den Weg. Das Einzige, was ich selbst aufbringen musste, war Geduld. Ja, die Wartezeiten auf einen Facharzttermin sind mitunter lang.

Doch gehen auch dreizehn Wochen irgendwann einmal vorüber, und an einem Nachmittag im Spätsommer hatte ich mein Ziel erreicht: Einen so unscheinbaren wie auch schmucklosen Nachkriegsbau im Frankfurter Osten. Hier war ich richtig. Ein Blick auf das Klingelschild hatte auch die letzten Zweifel beiseite geräumt. In behördlicher Präzision war darauf in Schreibmaschinenlettern eingemeißelt: „PRAXIS DR. H.“.

Eine Aufschrift, die selbst schon Diagnose war. Dachte der Psychiater etwa tatsächlich, der dezente Schriftzug „PRAXIS DR. H“ wirke auch nur im Ansatz unverdächtig, ließe den Betrachter eher auf einen Fachmann für Fußreflexzonenmassage denn auf einen niedergelassenen Nervenarzt schließen? Wie auch immer: Wer hier klingelte, der hatte es geschafft. Oder, besser: Nicht geschafft.  War nicht mehr ganz knusper im Kopf, kam auf sein Leben nicht mehr ganz so klar, leistete der eigenen mentalen Verfassung den Offenbarungseid. Hier landeten die Unverstandenen, die von sich selbst und der Gesellschaft Überforderten. Die fahrlässig Ausgegrenzten, diejenigen, vor denen Mütter schon immer gewarnt hatten. Menschen wie ich.

Ein letzter Moment des Zögerns, bevor ich auf die Klingel drückte. Ein kurzes Summen, ich betrat das kalte Treppenhaus. Noch auf dem Weg in den zweiten Stock, wo DR. H. praktizierte, entwich jegliche Souveränität durch meine Poren. Dies hier würde eine heikle Mission werden. Dass ich kurz zuvor schon keinen adäquaten Parkplatz für mein Fahrrad hatte finden können, begriff ich dabei als düsteren Vorboten. Ich hatte es zwei Blocks weiter anschließen müssen, denn schon der Innenhof der Praxis des Dr. H. hatte ganz offensichtlich nicht mehr alle Latten am Zaun.

„Ihre Gesundheitskarte, bitte!“ Ein kurzer Moment der Erleichterung. Bis hierhin lief also alles normal, nur dass sich die Stimme der freundlichen medizinischen Fachangestellten – Sprechstundenhilfe darf man ja nicht mehr sagen ein wenig mehr nach einer Schachtel Marlboro am Tag anhörte denn üblich.  Auch die Gemälde irgendwelcher Ostseelandschaften sahen genau aus wie diejenigen, die ich bereits von Augen-, Haut- und Hausarztpraxen kannte. „Nehmen Sie doch noch kurz im Wartezimmer Platz!“ – wenige Worte genügten, um meiner kurzzeitigen Entspannung den Garaus zu machen. Shit. Darauf war ich nicht vorbereitet, dabei hätte ich es ahnen müssen. Geplagt von Selbstvorwürfen dachte ich nach.

Wie verhielt man sich als Neuankömmling im Wartezimmer einer psychiatrischen Praxis? Galten dort andere, hirnverbrannte Regeln? Sollte ich in bester Manier stillschweigend zur Apotheken-Umschau greifen und so tun, als würde ich deren Kreuzworträtsel lösen? “Idiot mir drei Buchstaben: ICH“ ? Die anderen Patienten keines Blickes würdigen? Oder aber wurde hier, unter Meinesgleichen, von Neuankömmlingen ein wenig mehr der Offenbarung erwartet denn das obligatorische knappe Nicken, gefolgt von einem dahingenuschelten „Guten Tag“ ? Welchen kläglichen Rest an Diskretion galt es hier schon zu verlieren? Und, diese Frage drängte sich mir geradezu auf,  wie würde ich eigentlich reagieren, blickte ich hinter der noch verschlossenen Tür in die Gesichter eines Nachbarn, eines Kollegen, des der lieben Kassiererin von Penny? Nachdem ich gedanklich verschiedene Szenarien durchgespielt hatte, entschied ich mich für den Frontalangriff – und drückte die Klinke hinunter.

„Guuuuuude, ihr Leut‘!“, brüllte ich in den Raum hinein, noch ehe ich mich umgesehen hatte. „Ich bin der Matze und ein, nun ja,  echt crazy Typ!“. Noch während ich die Sitzreihen auf einen freien Platz absuchte, bemerkte ich die fehlende Deutlichkeit meiner Worte. Als „crazy Typ“ bezeichnete sich heutzutage schließlich schon ein jeder Mittelständler, wenn er sein Knoppers statt um halb zehn erst `ne halbe Stunde später zu verputzen pflegte. Ich präzisierte also meine Aussage: „Also, crazy im Sinne von ein bisschen balla balla, von ein bisschen Matsch in der Birne, bisschen neben der Spur eben. ICH BIN EINER VON EUCH!“ Ich hielt meine ausgestreckten Handflächen vors Gesicht und simulierte einen Scheibenwischer. Das, dachte ich, sollte deutlich genug gewesen sein.

Nach einem kurzen, peinlichen Moment der Stille erhob sich ein muskulöser Typ und sprang geradewegs auf mich zu. Zu meiner Überraschung ballerte er mir nicht ohne Vorwarnung gleich eine rein, sondern eröffnete, so schien es mir, geradezu erfreut ein kleines Gespräch unter Gestörten.  „Crazy Typ, wie geil ist das denn! Crazy Typ, Alter, du bist ja wirklich gaga!“ Er formte eine Ghetto-Faust, in die ich geringfügig verstört einschlug. „Crazy Typ, ich raste aus! Nicer Shit!“, tatsächlich schien ihn mein Auftauchen zu erfreuen. Er schüttelte den Kopf und tänzelte zurück zu seinem Platz. Eine gute Gelegenheit für mich, einen Blick in die illustre Wartezimmerrunde zu werfen. „Guten Tag“, presste der Mann am Fenster hervor. Nur ganz kurz fragte ich mich, warum er im  spärlichen Licht des Zimmers seine Augen hinter einer Sonnenbrille verbarg. Auch, warum er im Sommer eine Jacke trug, erschloss sich mir zunächst nicht ganz. „Äh ja, schön, hier zu sein“ schloss ich meine Ansprache und setzte mich auf den freien Platz, dem Ghetto-Faust-Typen gegenüber. Dabei gab der Ärztezimmerwartestuhl ein leises Quietschen von sich – da war wohl eine Schraube locker. Abermals kehrte Stille ein. Zumindest solange, bis mein Gegenüber mit nervösen Fingern seine Kopfhörer in seine Gehörgänge gepfriemelt hatte. Nun fluteten dröhnende Bässe den Raum. Die Lippen meines Ghettofaust-Freundes bewegten sich zur Musik, er begann, unaufhörlich mit den Beinen zu wackeln. Statt ihn zu kauen, schien er seinen Kaugummi zu beißen. Ich tippte auf manisch-depressiv. Welche Phase er durchlebte, muss ich an dieser Stelle wohl nicht eigens erwähnen.

Probleme ganz anderer Art schien dagegen seine Sitznachbarin zu haben. Ihr BMI war augenscheinlich minus zwölf, und ein Blick das Titelblatt der Illustrierten, in der sie blätterte, bekräftigte meinen Verdacht: „Blitz-Diät: So verlieren Sie 10 Kilo in nur einer Woche“. Das Mädchen tat mir leid. Am liebsten hätte ich den Pizzalieferdienst direkt ins Wartezimmer bestellt, hätte sie anschließend auf einen Eisbecher eingeladen, von mir aus auch auf fünf. Ich wusste, dass das nichts helfen würde. Anorexie war eine miese Bitch. Ich hoffte, das schmale Mädchen würde bei Dr. H. In guten Händen sein, wenn schon der Pizzabote es nicht mehr richten konnte. Mit scheuem Blick sah sie von ihrer Zeitschrift auf. Ihre Augen waren leer.

Unangenehm berührt sah ich mich weiter um. Ich gebe zu, ich fühlte mich erleichtert: Dieser Raum sah mitnichten aus wie das Vorzimmer zur Synapsenhölle, auch starrte niemand mit wirrem Psychopathenblick umher. Niemand biss einer mitgebrachten Barbie den Kopf ab, niemand lachte diabolisch, während er ein blutverschmiertes Messer in seinen Händen wog. Nein, ich befand mich hier nicht unter Monstern. Ich befand mich unter Menschen. Das zu wissen, tat mir gut. Welche Diagnose mich im Behandlungszimmer wohl erwarten würde?

Tonlos lief auf einem Beistelltisch ein kleiner Flachbildfernseher. Das Programm flackerte; ich vermutete einen Sprung in der Schüssel. Doch was war das dort unter dem Tisch? Konnte das wirklich sein? Ich rieb mir die Augen, doch tatsächlich: Zusammengekauert lag dort eine Frau mittleren Alters, sie hatte sich gegen die Wand gepresst und ihr Gesicht unter einem Pullover verborgen. Wenn ich ganz genau hinsah, erkannte ich, wie sich ihr Brustkorb hub. Immerhin, sie atmete. „Ganz klarer Fall“, hörte ich mich denken. „Generalisierte Angststörung“. Auch sie wünschte ich bei Dr. H. in guten Händen.

Das Geräusch der sich öffnenden Tür riss mich aus meinen Genesungswünschen. Ein hochgewachsener Bursche in den späten Zwanzigern trat ein. Nachdem er sich zum zwölften Mal versichert hatte, die Tür auch wieder ordnungsgemäß verschlossen zu haben, kam er mir mit meiner Diagnose zuvor. „Sorry“, sprach er und guckte drein wie ein kleiner Junge, der sein Bäuerchen ein wenig zu früh verrichtet hatte. „Kontrollzwang“. Sprach’s und nahm neben einer weiteren jungen Frau mit feuerrotem Haar Platz, welche sich gerade im Inbegriff befand, eine Gummibärchentüte aus ihrer Handtasche zu fischen. Gerade, als sie sich die erste Ladung der pappigen Tierchen in den Mund geschoben hatte, öffnete sich erneut die Türe. „Herr Stadler, bitte!“. Keine Reaktion. „HERR STADLER, BITTE!“. Erst jetzt schaute der höchstwahrscheinlich Manisch-Depressive auf, zog sich erschrocken die Kopfhörer aus den Ohren. „Schon dran oder was?!“, er schien sich geradezu zu freuen auf seinen Termin bei Dr.H. Er verabschiedete sich von jedem einzelnen der Wartenden mit High Fives. „Immer schön meschugge bleiben!“. Allein die Soziophobikerin unter dem Beistelltisch klatschte er nicht ab.

Noch im Gehen prallte er mit einem gepflegten Mittvierziger zusammen. Mit seinem Maßanzug und seiner Designerbrille hielt ich ihn zunächst für Dr.H., doch auch er nahm auf einem der Stühle Platz und öffnete seinen Aktenkoffer. Nur wenig später flitzten seine Finger über das Notebook auf seinen Knien, während er zeitgleich ein Telefonat führte, in welchem er ohne Unterlass irgendwelche Fonds erwähnte. Dabei irrten seiner Augen im Scannerblick über Artikel in der Financial Times, die er zwischen Tastatur und Oberbauch ausgebreitet hatte. Auch hier war der Fall ganz klar: Burnout, vermutlich im Endstadium. Kurz überlegte ich, ihm meine Playstation auszuleihen. Auch überlegte ich, selbst eine Karriere als Psychiater anzustreben: Das Stellen von Diagnosen durch bloßes Beobachten hatte begonnen, mir Spaß zu machen.

Die junge Frau mit dem roten Schopf war zwischenzeitlich von Gummibärchen auf Schokoriegel umgestiegen; es raschelte, als sie den mittlerweile beträchtlichen Verpackungsberg vor sich um eine SNICKERS-Folie  wachsen ließ. Noch wurde ich nicht recht schlau aus ihr. Genüsslich begann sie zu kauen, die Zeitschriftenleserin schaute mit einer seltenen Mischung von Sehnsucht und Ekel zu. Auch der Mann im Fenster blieb mir weiterhin ein Rätsel; abgesehen von seiner Sonnenbrille sah er aus wie jemand, dessen Geist nur so in sich ruhte.

Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr. Wie lange ich wohl noch hier sitzen bleiben musste? Als ich aufsah, war Mr. Kontrollzwang damit beschäftigt, die Sitzfläche seines Stuhls mit Desinfektionsspray in kreisender Weise zu bearbeiten. Vielleicht, dachte ich, sollte ich ihn einmal zu mir nach Hause einladen, so ganz selbstlos. Ich grinste in mich hinein. Das gertenschlanke Mädchen war an der Reihe und verabschiedete sich mit einem bösen Blick von der Rothaarigen, die sich gerade über eine Tafel Schokolade und ein Stück mitgebrachten Kuchen hermachte. Herr Burnout indes telefonierte immer noch, ich spürte Tropfen auf meiner Stirn. Ich starrte hinauf zur Decke. War etwa ein Dachschaden aufgetreten? Dem kurzen Geschmackstest folgte die Erleichterung: Allein Schweiß war es, der meine Stirn bedeckte. Kein Wunder, bedachte man, dass ich in Bälde erstmals mein Oberstübchen mustern lassen würde. Mr. Kontrollzwang besprühte statt seiner Sitzfläche nunmehr großflächig seine Arme. Unsere Blicke streiften sich. „Kann ich nix für“, sagte er entschuldigend. „Ich bin nicht mehr ganz sauber.“

Nun schien auch der Mann in Sonnenbrille zu erwachen. „Da hilft nur Hochprozentiges!“, rief er hinüber, während er einen Flachmann aus der Innenseite seiner Jacke zog. „Auch `n Schluck“? Mr. Kontrollzwang lehnte dankend ab; er schwöre weiterhin auf Sagrotan. Da hatten wir es also: Suchtprobleme. Das, musste ich mir eingestehen, war auch ein vertrackter Fall gewesen. Sucht war nun mal selten offensichtlich, und fast war ich froh, dass sich der Sonnenbrillenträger Hilfe bei Dr. H. Suchen würde. Gerade noch rechtzeitig hatte er den Schnaps wieder in der Jackentasche versteckt, als er von der verrauchten Stimme aufgerufen würde. Er verzog den Mund, im Vorbeigehen zwinkerte er mir zu. Lange konnte es nun auch für mich nicht mehr dauern.

Auch ich würde all den Menschen in diesem Raum zuzwinkern, wenn ich ihnen einmal über den Weg liefe. Irgendwo da draußen, irgendwo in meiner Stadt. Psychisch krank, was hieß das schon? Dr. H.`s Patienten mochten sich zwar in ihrer Gedankenwelt ein wenig abseits der Norm bewegen, auf ihre ganz spezielle Weise. Doch hatten sie alle jenen Punkt erkannt, an dem sie ihrem Glück nur selbst im Wege standen. Vor allem aber hatten sie Eier, von mir aus auch Eierstöcke: Sie brachten den Mut auf, sich helfen zu lassen. Selbst, wenn das bedeutete, sich auf den Weg zu Dr. H. Zu machen. Selbst, wenn das bedeutete, erst einmal Platz in einem Raum wie diesem zu nehmen. Wer hier saß, war über einen Schatten gesprungen. Wie viele der aalglatten, ewiggrinsenden und Facebook-Timelines mit glücklichen Urlaubsbildern überflutenden, beruflich immer und ausschließlich erfolgreichen, marathonlaufenden Hochglanzvisagen da draußen hätten diesen nicht? Einmal abgesehen davon, dass sich auch bei all den Vorzeigemenschen in unseren Straßen hinter ihren geleckten Fassaden wohl manches Übel verbarg. Waren die wahren Depressiven nicht ohnehin diejenigen, die nichts taten als zu arbeiten und ihre freie Zeit mit Netflix und Spiegel Online auf dem Sofa vergeudeten, um sich vom Büroalltag zu erholen? Die all ihre Träume ihren austauschbaren Karrieren geopfert hatten, die zwischen Flipcharts und Konsum ganz vergessen hatten, was es hieß zu – leben?

In diesem Raum aber verleugnete sich niemand, nur damit der Instagram-Kanal keinen Kratzer bekam. Sie waren aufrichtig, wo es am wehsten tat: Sich selbst gegenüber. Hey, was war das eigentlich für `ne verkackte Gesellschaft, die Menschen wie diese hier als „Psychos“ abstrafte, statt ihrem Mut Tribut zu zollen? Warum, fragte ich mich, wurde diese Form der Aufrichtigkeit dort draußen nicht wertgeschätzt? Nein lieber war auch ich obenrum nicht mehr ganz so taccobello, statt ein sich selbst belügender, aktenkoffertragender Hüllenmensch mit Reihenhaus und Schäferhund. Ich fühlte, wie sich eine diffuse Wut von meiner Magengegend aus in mir breitmachte. Niemand vermochte zu wissen, welche Schicksalsschläge meine Mitpatienten hatten ertragen müssen. Niemand konnte wissen, welche Verluste sie erlitten hatten, welche Krisen sie durchlebten. Niemand hatte das Recht, sich über sie zu stellen. Basta, aus, Ende. Ich lächelte, hoffte, meine Wut würde durch meine Mundwinkel entweichen. Hatte ich mir nur eingebildet, dass in diesem Moment sogar Mr. Burnout eine circa zweisekündige Tipppause eingelegt und mein Lächeln erwidert hatte?

Anstelle des Klackerns der Tastatur konnte ich während dieser beiden Sekunden ein herzhaftes Seufzen vernehmen. Ein Blick nach links ließ mich dessen Urheber schnell ausmachen: Die Rothaarige hatte gerade ihren Löffel in eine Literpackung Eiscreme sinken lassen, seufzte erneut und schickte sich an, den Raum zu verlassen. Ihre Handtasche und den mittlerweile weiter angewachsenen Verpackungsberg ließ sie zurück. Als sie eine knappe halbe Stunde später zurückkam, schien sie seltsam befreit. Just, als sie wieder Platz genommen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bulimie nervosa, noch so eine miese Bitch. Da hätte ich drauf kommen können. Bis zur Eröffnung einer Praxis Dr.G. galt es anscheinend noch einige Hürden zu überwinden. „Kann ich mal dein Desinfektionsspray haben?“, fragt sie Mr. Kontrollzwang. „Da ging wohl ein bisschen was daneben.“ Er lächelte wissend, wirft ihr die Sagrotan-Dose hinüber. „Boah das wär‘ ja nix für mich“, sagt er in ihre Richtung. Lieber verzweifle er an Türklinken. Beide fingen an zu lachen. Ich hätte sie knutschen können.

Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Zwanzig Minuten später hatte auch mein Stündlein geschlagen, geteerte Stimmbänder riefen meinen Namen. „Bis bald“, verabschiedete ich mich von meiner Schicksalsgemeinschaft. Ich tat es dem Sonnenbrillenträger gleich und zwinkerte. „Also, hoffentlich, also… egal. Passt auf euch auf!“ Meine Worte wurden nicht erwidert. Dieser Umstand mochte unter anderem darin begründet sein, dass Mr. Burnout sich über drei Stühle hinweg hingelegt hatte, seine Wangen an den Bildschirm seines Laptops presste und leise vor sich hin wimmerte. Zum anderen, dass die Süßigkeite-Liebhaberin ihren Sitzplatz gegen den Schoß des Sagrotan-Fans eingetauscht hatte. Ihre Gesichter ineinander vergraben, hielten sie es wie Bacardi: Sie machten Rum. War es möglich, dass sich die Patienten allesamt allein nach Liebe sehnten? Auch auf die arme Dame mit Sozialphobie, die noch immer zusammengekauert unter dem Beistelltisch lag, warf ich einen letzten Blick. Hatte man sie etwa vergessen? Ich zuckte mit den Achseln. Alles würde seine Richtigkeit haben. Wenn nicht in der Praxis des Dr.H. – ja, wo dann?

Nur wenig später saß ich jenem ganz leibhaftig gegenüber. Noch immer schmerzte sein Händedruck in meinen Fingern. „Nun erzählen Sie mal!“, munterte er mich auf und lehnte sich behäbig in seinem Psychiatersessel zurück. Neunzig Minuten später – ich hatte ihn zwischenzeitlich nur ganz wenige Male am Arm rütteln müssen, um ihn aufzuwecken! – hatte ich meine Leidensgeschichte erzählt. Der Blick des Seelen-Balsamierers bohrte sich in meine Augen. Ich fühlte mich nackt. Fühlte, dass DR.H nun Bescheid wusste. Wenn ich mich selbst schon nicht mehr verstand, dann tat das fortan DR.H. für mich.

„Mein lieber Herr“, sprach mein Messias. „Sie wollen sicher wissen, was mit Ihnen los ist.“ Ich nickte stumm.
„Sie verfügen über eine lebhafte Phantasie“, beschied mir der Bringer meines Seelenheils. Ich war verdutzt. Seit wann verteilten Mediziner Komplimente? Selbst mein Zahnarzt hatte doch ständig was zu meckern. „Um nicht zu sagen“, fuhr er fort, „eine krankhafte.“ Zack, aus, das saß. Das war also die Diagnose. „In Ihrer Wahrnehmung geht die Fiktion nahtlos in die Wirklichkeit über.“ Das war harter Tobak. „Und jetzt machen Sie mal wieder Ihren Mund zu.“ Ich gehorchte. Würde ich je geheilt werden können? Was konnte ich gegen mein Leiden tun?

„Schreiben Sie auf, was Sie erleben“, riet mir Dr.H. „Das kann Ihnen dabei helfen, Ihre Einbildungen von der Wirklichkeit zu trennen.“  Erst, wenn allein das nicht helfe, sollte ich zu Tabletten greifen. Er würde mir da mal was aufschreiben. „Sicher ist sicher“, er lächelte ein Medizinerlächeln. „Und nun: Gute Besserung!“

Ungläubig und rückwärts verließ ich sein Behandlungszimmer. Das Rezept für das Medikament, dessen Namen ich nicht aussprechen konnte, steckte ich gefaltet in meine Hosentasche. Noch immer benommen von den Worten des Mediziners, stolperte ich und streifte eine Schulter. Reflexartig drehte ich mich um. Mein Atem stockte. Auch mein Vorgesetzter schien erschrocken. Nur mit Mühe gelang es ihm, meinen Namen nicht laut auszurufen. Während des mikroskopischen Moments, in dem wir uns in die Augen sahen, hatten wir einen Pakt geschlossen. Stillschweigend, versteht sich, zum Sprechen waren wir schließlich beide noch nicht fähig.

Fortan hatten wir uns in der Hand. Fortan saßen wir in einem Boot, ruderten den Strom des Wahns entlang. Jeder von uns konnte das Boot zum Kentern bringen. Doch ertrinken würden wir beide. Unsere Lächeln im Büroflur würden nie wieder unverfänglich sein und nichts weiter als „Guten Morgen!“ oder auch „Montags könnt‘ ich kotzen!“ bedeuten. So sah es aus. Mein Chef fand als erster zur Sprache zurück. „Entschuldigung“, er räusperte sich nochmals. „War keine Absicht!“. Ob er mir denn wehgetan habe?  „Nein, nein, außerdem war ich es doch, der rückwärts lief. Guten Tag!“, ich zog meinen imaginären Hut zum Gruße. Noch hatte ich die Tragweite des soeben Geschehen nicht wirklich realisiert, jedenfalls: Wie immer in Momenten der Überforderung lechzte meine Lunge nach einer Zigarette.

Ein „Auf Wiedersehen!“ in Richtung der medizinischen Fachangestellten, mit letzter Kraft öffnete ich die Praxistür. Während ich im Trab die Stufen hinab nahm, prallte ich fast mit drei stiernackigen Hünen in schwarzen Hemden zusammen. In ihren Gürteln steckten Schusswaffen, ich stoppte abrupt und sog die Luft ein. Auch sie schienen nicht mit mir gerechnet zu haben, das Stakkato ihrer schweren Stiefel verstummte. „‘Tschuldigung“, ich überholte rechts. Hinter ihnen schlich in gekrümmter Haltung eine Frau im azurblauen Kostüm, die mir doch nur allzu bekannt vorkam… war das etwa… ja, konnte das denn wirklich sein? Kugelrunde Tränen kullerten über ihre Wangen, ich musterte ihr Gesicht. Das sah mir ganz nach dem Anflug einer Depression aus. „Alle hassen mich! Der Seehofer, die Wagenknecht, der Söder – und der Höcke sowieso!“ Zwar formten ihre Hände längst keine Raute mehr; allenfalls noch eine Ellipse. Doch bestand kein Zweifel mehr: Es war die Kanzlerin, die unter Geleitschutz ihren Weg zu Dr.H. antrat. „Ich werd‘ bekloppt“, dachte ich mir noch, während mir einfiel, dass ich genau das ja nun quasi ganz offiziell war. Schon immer hätte ich lieber nackt auf dem Runden über den Offenbacher Marktplatz gedreht und mir anschließend eine Tube Senf ins Gesicht tätowieren lassen, als mein Kreuz bei der Union zu machen. Frau Merkels zerbrochener Anblick aber ließ mich nun Mitleid empfinden. „SIE SCHAFFEN DAS!“, fand ich aufmunternde Worte und tätschelte der Kanzlerin die Schulter. Die also auch noch.

Die frische Luft tat mir gut. Die Sonne brannte noch immer vom Himmel, ich steckte mir eine Gauloises zwischen die Lippen. Ich würde den Rat des Dr.H. befolgen und das soeben Erlebte irgendwann aufschreiben. Doch schon nach wenigen Schritten in Richtung meines Fahrrades überkamen mich erste Zweifel. Sollte das Schreiben wirklich als Therapie empfohlen worden, wäre dann Charles Bukowski dann je verlegt worden? „Sicher ist sicher“, ich erinnerte mich an die Worte meines seelischen Heilsbringers. Auf dem Heimweg würde ich einen Halt an der Apotheke einlegen und sein Rezept gegen die verschriebene Arznei eintauschen. Ich tastete an meinen Hosentaschen, tastete und tastete – ein Feuerzeug, eine Zigarettenschachtel, Kopfhörer. Sonst aber: Nichts. Dabei war ich mir doch so sicher, das dünne Stück Papier gefaltet und in genau diesen verstaut zu haben!

Oder hatte mich die unverhoffte Zusammenkunft mit meinem sich ebenfalls nicht mehr ganz im Besitz seiner geistigen Kräfte befindlichen Vorgesetzten den Wisch tatsächlich in der Praxis liegen lassen? Noch war ich nicht allzu weit gelaufen; ich kehrte also um. Zurück am unscheinbaren Betonblock, irgendwo im Frankfurter Ostend, suchten meine Augen zum zweiten Mal an diesem Tage den Eingangsbereich nach dem Klingelschild des Psychiaters ab.

Von oben nach unten, von unten nach oben, immer wieder bewegte sich mein Blick über die grauen Schilder aus Plexiglas. Eines mit der Aufschrift „Praxis Dr.H.“ war nicht dabei. Da war nur noch die Nachmittagssonne, die sich in der Fensterfront eines trostlosen Gebäudes im Frankfurter  Ostend spiegelte. Ich kehrte um, zündete mir noch eine Zigarette an und ging strammen Schrittes die Straße hinab. Nein, mich wunderte langsam gar nichts mehr.

Ich war wohl wirklich ein echt Crazy Typ.

Wenn auch ihr einmal in einer Krise steckt und euch selbst ein Dr. H nicht mehr zu helfen vermag – dann wendet euch vertrauensvoll an die Selbsthilfe Frankfurt e.v. ! Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen. Niemals. Im Gegenteil. Passt auf euch auf. 

Heimat: Ein Gewinnspiel

Meine lieben Leser, 

ich weiß ja nicht, wie es euch ergeht – aber ich ganz persönlich liebe ja Gewinnspiele! Seit mittlerweile über einem Jahr folgt ihr mir beim Leben, Lieben & Untergehen in Frankfurt am Main; Zeit also, euch einmal wieder einen kleinen Gewinn in Aussicht zu stellen!

Und zwar ein Exemplar der DVD „Frankfurt wiederentdeckt“, welche meine helle Begeisterung erweckt und über die ich bereits berichtet hatte.

Was ihr hierfür tun müsst?

Nun, vielleicht ganz einfach – vermutlich dann aber doch wieder nicht so ganz.
Nämlich: Erzählt mir eine kurze Geschichte jenes Momentes, in dem ihr erstmalig gespürt habt, dass Frankfurt am Main zu eurer Heimat geworden ist.

Stellt man mir diese Frage, bin ich zunächst ein wenig ratlos; zu viel ist passiert und geschehen, seitdem ich mich vor fast acht Jahren dazu entschieden habe, hier heimisch werden zu wollen.

Ganz sicher aber bin ich mir, dass es ein unendliches Glück ist, jederzeit durch die mir so vertrauten Straßen meiner Stadt schlendern zu kennen – in der fast sicheren Gewissheit, sowieso irgendjemanden zu treffen, den man kennt, mit dem es sich recht fein ein paar Worte wechseln lässt. Sei es nur auch der Briefträger, ganz egal: Diese Stadt ist längst nicht mehr anonymes Gefüge für mich; mittlerweile freue ich mich auf viele vertraute Gesichter, die mir tags wie nachts begegnen. Diese Gesichter sind es, die in mir ein Gefühl der Heimat erwecken.

Ganz sicher bin ich mir auch, dass ich jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut bekomme, wenn ich vom Lohrberg hinab ins Großstadttal blicke. Doch welches der allererste Moment war, in dem ich hier das wohlige Gefühl der Heimat gespürt habe? Da bin ich mir gar nicht mal so sicher.

Nur gut, dass ich mich nun bequem zurücklehnen und euch diese Frage stellen kann. Bis zum 20. Februar 2018 habt ihr noch Zeit, um mir eure ganz persönliche Heimat-Geschichte zu erzählen – per Kommentar unter diesem Artikel oder bequem bei Facebook. Den glücklichen Gewinner unter euch kürt dann gänzlich unbestechlich das Los.

Ich bin unendlich gespannt auf eure Heimat-Story – und drücke euch schon jetzt alle Daumen fürs Gewinnen!