„Local Heroes 2018“: Neue Filmreihe für Frankfurt-Freunde

Ein Filmvergnügen abseits des Mainstreams samt anschließender Diskussion verspricht die Filmreihe „Local Heroes 2018“. Gleich zehn vielversprechende Werke kleinerer Filmemacher sollen in monatlichem Wechsel gezeigt werden – mit einem kleinsten gemeinsamen Nenner: Frankfurt am Main.

Ins Kino zu gehen, das ist gewissermaßen der Klassiker unter den Freizeitbeschäftigungen. Doch muss nicht immer ein Blockbuster über die Leinwand flimmern, um für gute gute Abendunterhaltung samt anschließendem Gesprächsstoff zu sorgen.

Oft sind es nämlich insbesondere die Werke kleinerer Filmemacher, die sich durch eine gewisse Experimentierfreudigkeit auszeichnen oder kritische Fragen zum Zeitgeschehen aufwerfen. Nicht zuletzt können Dokumentarfilme auch den eigenen städtischen Lebensraum der Zuschauer ausleuchten sowie dessen Entwicklung begleiteten.

Ein ganz persönliches „Best of“

Genau dies versprechen auch sämtliche der insgesamt zehn Filme zu tun, welche im Rahmen von „Local Heroes 2018“ ab dem 7. März am ersten Mittwoch eines jeden Monats ein interessiertes Publikum vor die Leinwand der „Denkbar“ im Frankfurter Nordend locken sollen.

Wolfgang Voss ist Schöpfer der Filmreihe sammelt bereits seit dem Jahr 2006 Erfahrungen in der Organisation von Filmreihen. So zum Beispiel ist er Mitwirkender der Filmreihe „Frankfurt im Dokumentarfilm, welche im naxos.KINO residert.

Die bei „Local Heroes 2018“ gezeigten Werke seien sein ganz persönliches „Best of“ der bislang im naxos.KINO präsentierten Dokumentarfilme, sagt Voss. „Es wäre doch schade, würden solche Sahnestückchen nur ein einziges Mal gezeigt werden!“.

 

Vom Alltag an Frankfurter Kreuzungen, vergessenen Arbeiterinnen und grotesken Selbstversuchen

Und tatsächlich scheint es Wolfgang Voss gelungen, ein buntes Potpourri an Frankfurter Dokumentarfilmen aus der Schatzkiste geholt zu haben. Vom Alltag an einer der größten Straßenkreuzungen Frankfurts bis hin zum revolutionären städtebaulichen Konzept des Ernst May reicht die Bandbreite der ausgewählten Filme.Es sei ihm auch sehr wichtig, einen Beitrag gegen die Frankfurter Geschichtsvergessenheit zu leisten, bekräftigt Voss. So ist auch eine Dokumentation über die vergessenen jüdischen Zwangsarbeiterinnen zu sehen, die einst unter schwierigsten Bedingenungen die erste Rollbahn am Frankfurter Flughafen errichten mussten. Geradezu nach seichter Abendunterhaltung mutet dagegen der filmische Selbstversuch „Nichts ist besser als gar nichts an“, in dem sich der Filmemacher an einem Leben in Frankfurt ganz ohne EC- und Kreditkarte versucht. Beim Überfliegen des Programms jedenfalls fällt schnell auf: Es ist die thematische Vielfalt der Filme, die „Local Heroes 2018“ auszeichnet.

A propos „Local Heroes“:

Fragt man Voss nach der Namenswahl für die Filmreihe, so wirft er einen Blick zurück auf seine wilden Tage im Hannover der 1990er. Als aus einem besetzten Fabrikgelände nach langem Kampf endlich ein anerkanntes Kulturzentrum wurde, seien nach all der Mühe dort schlussendlich doch bloß internationale Werke ausgestellt und vorgeführt worden. „Und unsere Forderung und Frage war“, erinnert sich Voss, „wo bleiben unsere local heroes“?

In Frankfurt sei man auch heute noch viel zu fokussiert auf das internationale Filmgeschehen und lasse heimische Talente sträflichst außer acht. „Dabei sind diese Leute mitsamt ihren Themen erstklassig!“

 

„Film ab!“ in strategisch günstiger Lage

Immerhin waren für den Organisator in Frankfurt keine illegalen Besetzungen vonnöten, um eine geeinigte Location für sein Projekt zu finden. Um die etablierte kulturelle Begegnungsstätte sei es zwischenzeitlich ziemlich ruhig geworden, erinnert sich Voss. Dann aber sei im Januar 2017 während einer Vernissage gemeinsam mit Filmemacher Aquiles Vilagrasa-Roth die Idee eines Filmprogramms in der „Denkbar“ entstanden, die von Vilagrasa-Roth auch gastronomisch betreut wird. „Außerdem liegt die Denkbar strategisch günstig“, schmunzelt Voss. „Nämlich genau auf dem Weg von meinem Arbeitsort im Frankfurter Westend über meine liebste „Kulturtankstelle“, dem „MAMPF“ – und meinem Wohnort Offenbach“.

Auch die Produzenten der gezeigten Filme scheinen mit Voss‘ Location-Wahl zufrieden, haben sie doch allesamt ihr Kommen angekündigt.
Ja, sogar diejenigen aus Berlin!

Nach dem Abspann: Im Dialog mit Filmemachern

Statt sich unmittelbar nach dem Abspann Popcornkrümel vom Hintern zu wischen, um sich anschließend selbst zu verkrümeln, wird das Publikum ganz explizit zum Bleiben eingeladen sein. Im Anschluss an die Dokumentationen werden die Gäste nämlich die Möglichkeit haben, sich mit dem Produzenten des eben gesehen Filmes auszutauschen. „Hierbei soll es aber kein enges Korsett geben“, versichert Voss. „Natürlich wäre es schön, würden übliche Benimmregeln eingehalten – ansonsten aber soll sich die Diskussion gänzlich frei entwickeln können!“

Ganz besonders würde sich Voss darüber freuen, würden in den Filmen Beispiele für Maximen einer bewussten Lebensführung erkannt. „Solche sind nämlich nicht allein philosophischen Proseminaren vorbehalten! Ich hoffe, dass einige Erkenntnisse das Publikum förmlich anspringen werden.“

Ferner haben junge Filmemacher noch bis April die Möglichkeit, ihre Werke einzureichen. Zum Ende der Veranstaltungsreihe bliebe nämlich noch ein wenig Platz für junge Talente, ermutigt der Organisator Frankfurter Kreative für eine Bewerbung.

Neugierig geworden?

Den filmischen Auftakt der Reihe bildet am 7. März die Vorführung des Filmes „Stadt statt Auto“ von Samuel Schirmbeck. Obwohl bereits im Jahre 1989 gedreht, dürfte seine Thematik – den Umgang mit dem stetig steigenden innerstädtischen Verkehr – wohl aktueller sein denn je.

Eine Übersicht aller weiteren Termine und gezeigten Filme ist unter http://www.ifpp.info/denkbarfrankfurt/?p=6957 zu finden.
Der Eintritt ist frei, der Zutritt barrierefrei.

 

 

 

 


Logo zur Veranstaltung. Quelle: http://www.ifpp.info

 

Film ab und viel Vergnügen!

Verzückt von einer DVD: Ich hab‘ Frankfurt wiederentdeckt! Schwarzweiß und ohne Skyline.

Wenn es etwas gibt, das ich wirklich NIE mache, dann ist das einen Film zu schauen. Eine Tatsache, die insbesondere dem Umstand geschuldet sein mag, dass sich meine Aufmerksamkeitsspanne in etwa auf dem Niveau eines 2-Jährigen beliegen mag…

Nun allerdings begab es sich, dass ich in den unendlichen Weiten dieses Internet auf eine DVD der Reihe „Edition wiederentdeckt“ gestoßen bin, welche in einer ihrer Ausgaben gleich 9 Kurzfilme aus aus der Frankfurter Vergangenheit zwischen 1909 (konnte man da schon filmen?) und 1959 zu zeigen versprach. Manche davon bislang sogar unveröffentlicht.

Die mir entstehenden Kosten von 20 Euro habe ich mit einem Schlucken und anschließendem Sauergespritzten quittiert, und bereits am nächsten Tage hielt ich besagte Silberscheibe in den Hände.

Entgegen jeglicher meiner üblichen Gewohnheiten habe ich mir es also auf dem Sofa bequem gemacht und mich auf eine Zeitreise durch meine Stadt begeben – zurück in jene Tage, in denen es sich der gemeine Frankfurter niemals hätte erträumen lassen, dass einmal eine Ansammlung von Wolkenkratzern zum weithin sichtbaren Symbol seiner Stadt werden würden….

 

Die „guten, alten Zeiten“

Und, was soll ich sagen? Auf die angepriesene „einzigartige Zeitreise“, auf die konnte ich mich vom Sofa aus tatsächlich begeben.

Ein jeder der Kurzfilme entlockte meinem Gesicht ein entzückendes Staunen darüber, wie die Straßen, durch die ich mich tagtäglich begebe und deren Anblick mir so vertraut ist, früher ausgesehen haben. Eine neue Altstadt, die wird uns Frankfurtern demnächst geschenkt – doch wird sich auch in dieser nicht das Leben vergangener Jahrzehnte abspielen.

Dabei habe ich mich besonders über die Vielfalt der Kurzfilme gefreut. Ein Ausblick vom Dom, die Stadt zu Füßen – gänzlich ohne Skyline. Alltag im Volksbildungsheim, das heute das Kino „Metropolis“ beherbergt.

Ein Mädchen fährt im Werbefilm „Unser Frankfurt heute“ von 1954 Dreirad vor Wohnhochhäusern, die später einmal Sinnbild für die „Ghettoisierung“ der Trabanten-Siedlungen werden sollten. Davon lässt die Idylle auf den Super 8-Aufnahmen jedoch noch längst nicht ahnen.

Menschen in grausamen Bademoden stürzen sich ins von Beton umringte Wasser, „man erfreut sich hier vor allem ganz bestimmten Anblicken“, kommentiert der Sprecher eine Szene planschender, junger Frankfurterinnen in den 1960er Jahren. Dürfte man heute wohl nicht mehr so sagen, und a propos heute:

Hättet ihr’s erkannt? Das im Film gezeigte kühle Nass befindet sich im Brentanobad, in dem Frankfurter im Sommer auch heute noch die nötige Abkühlung genießen.

Dass Frankfurter im Sommer auch schon immer gern am Main fläzten, beweisen die schwarzweißen Aufnahmen eines Anderen der Filme. Schwarzweiß auch die Aufnahmen der Frankfurter Messe, die damals noch eher wie eine Ansammlung von Gartenhütten anmutete. „Ein herrlicher Fruchtsaft!“, schmachtet ein Gast die Messe-Hostess an. Unglaublich!

 

Le jardin du palmes

Bremsen kreischen, als eine junge Frau im Frankfurt von vor 60 Jahren ankommt, Dampfloks hüllen den Hauptbahnhof in Rauchschwaden. Die junge Frau ist „Ursula“ und adrett mit kurzem Rock gekleidet an den Main gekommen, um Kunst zu studieren.

Die Protagonistin des Werbefilms (heutzutage wäre es wohl ein „Imagefilm“) von 1959 steht auch damals schon vor denselben Problemen wie junge Studentin es auch heute tun:

Ein günstiges Zimmer gilt es da zu organisieren, sich in der Uni einzufinden, mit adrett mit Hut gekleideten jungen Männern anzubandeln, und natürlich: Geld zu verdienen, damals noch in Form von Deutscher Mark.

Dies gedenkt sie dann, als Stadtführerin zu tun. Und mein allerliebster Moment der DVD ist der, als Kunststudentin und Stadtführerin Ursula mit zwei Damen aus Frankreich vor dem Eschenheimer Tor steht (damals noch ohne Brunnen) und von diesen nach dem „Jardin du palmes“ gefragt wird.

Ursula versteht nicht so recht, ein vorübergehender Passant allerdings schon:
„Ai, die meine de Palmegadde!“, sorgt der Frankfurter für Aufklärung. „Ach, der!“, meint Ursula bedröppelt – und ich muss prusten. Herrlich! 

Ein echtes Muss für Frankfurt-Liebhaber

Herrlich auch all die anderen vielen Einblicke in vergangene Zeiten.
Ungläubig sehe ich überflutete Straßen, wo heute Häuserschluchten von Tüten-schleppenden Menschen durchrannt werden. Man scheint heutzutage tatsächlich weniger Zeit zu haben als früher. Sehe historische Straßenbahnen über die Zeil rollen, sehe Autos auf dem Römerberg.

Irgendwie verspüre ich eine Sehnsucht nach dieser „guten, alten Zeit“ – doch bin ich mir darüber bewusst, dass diese Bilder einer friedfertigen, ruhigen Stadt nicht darüber hinweg täuschen können, dass zeitgleich ihrer Aufnahme wahlweise Welt- oder kalter Krieg herrschte. Nein, früher war vielleicht mitnichten alles besser.

Und dennoch: Ich habe mich gerne entführen lassen in meine frühere Stadt, die zwischenzeitlich ihr Gesicht geändert hat wie kaum eine zweite.

Doch eine Kameraeinstellung, die das frühere Fernmeldehochhaus vor dem Thurn-und-Taxis-Palais zeigt, verrät dann doch: Das Nebeneinander von Alt und Neu, ein stetiger Kontrast: Dies hat Frankfurt wohl schon immer ausgezeichnet. Eine ganz wunderbare Stadt – damals wie heute…. 

 

Wollt auch ihr euch auf eine Zeitreise zurück in alte Frankfurter Tage begeben? Einen Blick vom Dom hinab auf ein Frankfurt noch ganz ohne Skyline werfen?
Die DVD „Frankfurt wiederentdeckt“ könnt ihr online hier bestellen

Viel Freude euch beim Anschauen!