Und es gibt sie doch, die Engel: Lieben Dank, Jasmin!

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung!“

An diese Weisheit meines Vaters muss ich denken, als wir auf dem Parkplatz am Fuße des Feldbergs aussteigen. Und ich feststelle, dass sich außer uns nur ein weiteres Auto hier hinauf getraut hat.

Irgendwo ja auch kein Wunder: Es ist Montag, der Otto-Normal-Arbeiter fristet lustlos sein Büro-Dasein am ersten Arbeitstag der Woche. War nicht gestern erst Wochenende?

Egal, unseres ist nun mal heute – und das Wetter für eine kleine Wanderung auf den Feldberg kann man sich schließlich auch nicht im Voraus nach den eigenen Wünschen vorbestellen. Wobei das ja ziemlich praktisch wäre.

Wir beginnen den Aufstieg, und mich ereilen erste Zweifel, ob dieser Ausflug angesichts der Witterung wirklich eine gute Idee gewesen sein mag.

Egal, meine Gesellschaft ist bezaubernd, Stille und Nebel zaubern ein ganz besondere Atmosphäre zwischen die vom Schnee bedeckten Nadelbäume. Der kalte Wind schlägt ins Gesicht, doch eigenartigerweise nicht aufs Gemüt. Und hey, bei blauem Himmel wandern kann ja schließlich jeder!

Wir schlagen uns wacker den vereisten Weg hinauf gen Gipfel. Rutschen hier und da mal aus, staunen über den Nebel, welcher kaum weiter als 20 Meter blicken lässt.

 

Gut, dass ich nicht abergläubig bin. Oder etwa doch?

Langsam wird mir kalt, das Kopfkino springt an – und wird von einem großen Stein befeuert (Feuer! Hach wär‘ das jetzt schön!), welcher den Wegesrand säumt. Ich werde neugierig, wische den Schnee von seiner Inschrift.

Hätte ich vielleicht mal nicht tun sollen, denn:

Der Stein erinnert an einen im Jahr 1957 an dieser Stelle tödlich verunglückten Mann. Schlechtes Omen? Quatsch. Bin ja nicht abergläubig. Glaube ich.

Noch ein paar Kilometer weiter, und es wird richtig eklig. Eisregen beginnt, uns in unsere hübschen Gesichter zu schlagen.

 

Selten so auf einen heißen Kaffee gefreut

Wir sind uns einig, dass wir uns – sobald wir den Gipfel erreicht haben – einen wärmenden Kaffee als Belohnung für unseren Aufstieg so richtig verdient haben.

Meine Gedanken beginnen langsam, sich auf „Kalt!“ und „Kaffee!“ zu reduzieren. Ah-oh. Kurz scherzen wir darüber, dass das Wirtshaus geschlossen habe, wir durch den Eisregen zurück laufen müssten und auf unserem Weg erfrieren würden. Dann wären wir zwar tot – bisschen, doof, aber vielleicht hätte man uns dann auch unseren eigenen Gedenkstein gewidmet. Schwacher Trost, dennoch ein komischer Gedanke.

Ganz und gar nicht komisch finden wir dann aber, dass sich unser Kopfkino in eine Vorstellung des ganz realen Lebens verwandelt: 

„Aufgrund schlechter Witterung geschlossen“. 

Das verkündet das Schild, das an der verschlossenen Tür unserer Einkehr angebracht ist. Verdammt, find ich nun gar nicht mehr so lustig. Vor allem, weil es doch meine Idee war,  den Gipfel zu erklimmen – und ich mich dann doch ein wenig verantwortlich für meine Begleitung fühle.

Ich spähe hinein ins Wirtshaus, und entdecke die Belegschaft, die sich zum Feierabend versammelt hat. Ich klopfe ans Fenster und ernte – zum Glück! – Aufmerksamkeit. Pantomimisch deute ich meinen drohenden Tod durch Erfrieren an, bin erleichtert, als sich eine Kellnerin bequemt, mir die Türe zu öffnen. Ich schildere unser Dilemma.

 

Wärme-Asyl und Dankbarkeit

Wir ernten aufrichtiges Mitleid und bekommen angeboten, uns kurz aufzuwärmen. Man sei allerdings gleich weg, aber wir können ja mit dem Bus zurück fahren. Eine kurze Recherche ergibt: Dieser fährt erst in einer Stunde.

Eine Stunde da draußen? In dieser Kälte? Nee, dann lieber gleich sterben. Ich versuche, meine restlichen Kräfte zu sammeln, um ein Maximum ein Mitleid zu erwecken. Frage, ob man uns denn nicht mitnehmen könne, wenn man ohnehin mit dem Auto in den Feierabend fahren. „Nee, sowas können wir nicht machen“, so die ernüchternde Antwort eines Angestellten. Auch mein dezenter Hinweis auf unsere Bargeldvorräte hilft mir nicht weiter. Scheiße. Also doch sterben?

Wir nehmen es mit Galgenhumor, nehmen Platz, so lange es noch geht – bis dann ein echter Engel um die Ecke kommt.

 

Ein Engel namens Jasmin

„Wo parkt ihr denn? An der großen Kurve? Wisst ihr, das ist nicht so weit – ich fahr‘ euch dahin. Bevor ihr mir noch erfriert“.

Ich bin baff. Bleibe skeptisch. „Einfach so?“ – „Einfach so“.
Ich frage, wie unser Engel heißt.

Jasmin, so ihr  Name – und ich gelobe feierlich, angesichts meiner Dankbarkeit all meine Kinder nach ihr zu benennen. Auch meine Söhne.

Sie lacht, meint, das würde sie ganz sicher nicht wollen – man denke an die armen Söhne! – und beordert uns, zu warten. Sie würde zurückkehren.

Und tatsächlich: Einige Zeit später bedeutet sie, uns ihr durch die Katakomben des Lokals hinab in die Tiefgarage zu steigen. Wir nehmen Platz in ihrem Auto, unterhalten uns, bis wir ausgesetzt werden zu unserem Auto. Welches uns zurück ins verregnete und kalte, dafür irgendwie dann doch gefühlt sichere Frankfurt bringt. Bevor wir losfahren, frage ich Jasmin, was wir ihr schuldig sein.

Ihre Antwort: Nichts. Einfach nichts, gern geschehen, passt schon.
Wow. Bin ich gar nicht mehr gewöhnt. Habe in dieser Welt wohl vergessen, dass es so etwas noch gibt: Unentgeltliches Helfen. Ohne Erwartung jeglicher Gegenleistungen.

Es gibt sie also doch noch:

Die Engel des Alltags, die Menschen mit Herz. Es sind Geschichten wie diese, die mich den Glauben an das Gute im Menschen nicht verlieren lassen. Ich bin der guten Frau unendlich dankbar, und verspreche mir selbst, demnächst auch einem Fremden einfach mal zu helfen. Als Revanche und Zeichen meiner Dankbarkeit.

Habt ihr schön ähnliches erlebt? Engel des Alltags, die für ihre Hilfe nicht mal eine Gegenleistung verlangen? Deren Hilfsbereitschaft mit einem „Dankeschön!“ von Herzen abgegolten werden kann? Ich bin gespannt auf eure Geschichten.

 

Und bis dahin: Erfriert mir nicht, Freunde !

 

 

Tipps für kalte Tage: Drei schnell erreichbare Ausflugsziele

Brrrr, ist das kalt da draußen!
Ich weiß ja nicht, wie es euch so ergeht – aber ich bin ja ein echter Kältemuffel.

So unternehmungsfreudig ich auch sonst sein mag:
Beim Blick aus dem Fenster und auf das Thermometer fühle ich mich von der Außenwelt oftmals schlicht angefeindet.

Um nicht endgültig dem Winter-Blues zu erliegen, schleife ich mich mich dann oft – schwer bepackt mit Lektüre – in eines der wunderbaren Cafés unserer Stadt.

Aber manchmal will ich auch einfach mal raus aus der Stadt, kurz durchatmen. Ein bisschen Frischluft atmen und Kraft tanken.

Lange Ausflüge, Radtouren und Wanderungen sind leider nicht drin, wenn es bereits ab nachmittags um 4 schon dämmert.

Zum Glück habe ich jedoch drei Ausflugsziele für eine kurze Stadtflucht für mich entdeckt, welche ich euch gern empfehlen möchte!

Allesamt sind sie schnell erreichbar und lassen ein wenig Aktivität und anschließendes Einkehren und Aufwärmen gut vereinbaren.

Also: Gut aufpassen, dicke Jacke anziehen – und raus mit euch an die frische Winterluft! Soll ja schließlich auch ganz gut sein für den Teint.

 

Jacobiweiher / Stadtwald

Warum hin?

Der Jacobi-Weiher im Frankfurter Stadtwald ist ein echtes Idyll und Zufluchtsort für den stressgeplagten Großstädter. Mitten im Stadtwald gelegen, könnt ihr hier in aller Seelenruhe um den See schlendern, Waldluft atmen und den Vögeln beim Zwitschern zuhören. Mitunter auch den ganz großen „Vögeln“, die gerade ihren Landeanflug auf den Frankfurter-Flughafen begehen.

Nehmt Platz an einer der schönen Bänke am kleinen See, haltet Inne auf einer der Brücken.

Oder auch, gerade jetzt im Winter: Packt euch eure Schlittschuhe ein und dreht ein paar Runden auf dem zugefroren Weiher!

Wenn ihr dann glücklich, frischluftversorgt und durchgefroren seid, könnt ihr im Gasthaus Oberschweinstiege einkehren und euch bei Heißgetränk und Mahlzeit aufwärmen und stärken.

Ein idealer Ort, um für kurze Zeit allem Trubel zu entfliehen – und einfach mal durchzuatmen! Muss ja schließlich auch mal sein.

Wie hinkommen?

Kaum zu glauben, aber in nicht einmal 20 Minuten gelangt ihr von der Innenstadt aus mitten hinein ins Idyll. Vom Hauptbahnhof aus könnt ihr direkt in die Straßenbahn-Linie 17 einsteigen. Diese könnt ihr auch von Konstablerwache aus erwischen, wenn ihr von der Konstablerwache aus mit der S-Bahn bis zur Haltestelle „Stresemannallee“ düst.

Und schon die Anfahrt ist ein echtes Highlight:

Nach einem letzten Halt in Sachsenhausen-Süd verlässt die Tram die Zivilisation, beschleunigt auf rekordverdächtige 50 km/h und fährt auf der alten Trasse der Eisenbahnstrecke Frankfurt – Neu Isenburg mitten durch den Stadtwald. Bereits der Blick über die Schulter über des Straßenbahnfahrers ist ein echtes Vergnügen! Die Bahn erreicht praktischerweise schnell die Haltestelle „Oberschweinstiege“ hält.

Von hier aus seid ihr dann bereits mitten drin in Wald, Frischluft und Spaziergangs-Freuden !

 

Der große Feldberg

Warum hin?

Hättet ihr gedacht, dass man in nicht einmal einer halben Fahrtstunde von Frankfurt aus Ski-Fahren kann? Im Schnee wandern, rodeln, einen wahren Winter-Traum erleben kann?

Nein? Dann solltet ihr euch dringend einmal auf zu Hessens höchster Erhebung machen: Dem großen Feldberg im Taunus. Dank dem Höhenunterschied zwischen Stadt und Naturpark liegt hier selbst dann Schnee, wenn Frankfurt noch vollkommen befreit von aller weißer Pracht ist.

Und dank Ski-Verleih in Oberschmitten am Fuße des Feldbergs könnt ihr euch sogar euren ganz eigenen Ski-Kurzurlaub quasi vor eurer Haustür ermöglichen.

Egal, ob ihr euch dazu entschließt, die Kufen zu schwingen – oder ob ihr an einem der Parkplätze auf der den Berg hinaufführenden Straße parkt und den Gipfel dann zu Fuß erklimmt:

Nachdem ihr weiße Pracht und Natur genossen habt, solltet ihr dringend einkehren im Restaurant „Feldbergblick“. Diese hat etwas von einer alpinen Berghütte und beschert euch einen traumhaften Ausblick über Umland und auf die Stadt.
Wie hinkommen?

Wenn auch ihr mal echte Gipfelstürmer werden wollt, dann könnt ihr sogar mit den „Öffentlichen“ bis direkt auf den Gipfel fahren: Von der U-Bahn-Endhaltestelle „Oberursel-Hohemark“ verkehrt ein Bus bis zur Haltestelle „Großer Feldberg“. Leider nur alle zwei Stunden.

Besser dran seid ihr mit dem Auto:
Dies lässt sich bspw. bei Flinkster sogar recht günstig für euren  Kurzausflug mieten.

Ich empfehle euch, am Parkplatz „Große Kurve“ zu parken (A661 bis Ausfahrt Oberursel-Hohemark, dann der Beschilderung gen Feldberg folgen) und dann den Aufstieg auf den Gipfel zu wagen. Dieser nimmt – je nach eurem Tempo – ca. 60-90 Minuten in Anspruch und belohnt euch mit traumhafter Stille, unschuldig weißem Schnee und einem Ausblick, der seinesgleichen sucht.

Nach einer wohlverdienten Pause (Tipp dafür: Siehe oben) geht’s dann kräfteschonend wieder bergab zum Parkplatz – und zack, ’ne halbe Stunde später seid ihr wieder daheim.

Fühlt sich an wie ein echter Kurzurlaub!

 

Erst Treppensteigen, dann Staunen: Der Goetheturm

Warum hin?

Der Goethe-Turm ist nicht nur höchster Holzturm der Republik, sondern auch lohnenswertes Ausflugsziel: Einmal bestiegen, habt ihr auf stolzen 43 Metern Höhe einen atemberaubenden Ausblick über Baumwipfel hinweg auf die Skyline.

Um euch diesen Ausblick zu verdienen, könnt ihr vorher einen gemütlichen Spaziergang durch den den Turm umgebenden Stadtwald wagen. Hier gibt es unter anderem zahlreiche historische Brunnen zu entdecken.

Und wenn ihr vom Spazierengehen und Treppensteigen so richtig außer Puste seid, dann kehrt ein im Gasthaus am Fuße des Turmes, und lasst euch Apfelwein, Kaffee oder eine heiße Suppe schmecken. Bevor ihr euch wieder aufmacht in den Frankfurter Alltag.

Wie hinkommen?

Auch am Goetheturm seid ihr schneller, als ihr vermutlich denkt:

Entweder ihr fahrt von der Innenstadt aus mit der Buslinie 36 zur Endhaltestelle „Sachsenhäuser Warte“ und gönnt euch einen ca. 20-minütigen Spaziergang. Oder ihr macht’s auf die faule Art und Weise und nutzt den Bus der Linie 48, welcher euch halbstündlich direkt von der Innenstadt (Lokalbahnhof) aus an den Turm bringt.

Na, überzeugt? Raus aus der Bude mit euch, trotzt der Kälte – Bewegung und frische Luft tun gut, durchatmen sowieso – und Frühling wird’s wieder früh genug. Da bin ich mir ganz sicher!


Haben euch meine Tipps gefallen – oder habt ihr noch weitere für einen winterlichen Ausflug? Ich freue mich auf eure Kommentare!