„Sachsenhausen meets London“ : Kann das funktionieren?

Neulich, auf dem Weg zur Tätowiererin meines Vertrauens:

Ich fahre durch Alt-Sachsenhausen (im Hellen! Ein wahnsinniges, ja surreal anmutendes Gefühl!) und muss schmunzeln, als ich den Blick links und rechts des Kopfsteinpflasters streifen lasse.

In vornehmen Blau präsentiert sich dort nämlich seit jüngster Zeit „THE LONDON PUB“, welches laut Beschilderung just an diesem Abend mit  „Beer, Gin & Steak“ sein „GRAND OPENING“ zu zelebrieren gedachte.

Ich bin kurz irritiert.

Hatte ich nicht erst kürzlich gelesen, dass die erwartete Invasion von Bänkern aus Engländ als Folge des „Brexit“ bislang ausgeblieben sei? 

Ist die Neueröffnung gar Teil eines städtisches Werbeprogramms, um die Briten doch noch von einem Umzug von die Themse an den Main zu bewegen? Ihnen auch fernab der Heimat einen ihrer Natur entsprechenden Rückzugsort zu bieten? Mit Guinness statt Apfelwein, Pepper Steak statt Handkäs?

englishpub

Spaß beiseite:

Über das genaue Konzept des „London Pub“ konnte ich nichts weiter in Erfahrung bringen; eine Internetseite oder einen Facebook-Account der Gaststätte sucht man vergeblich.

Ein Blick ins Innere des Pubs verrät aber:
Man hat sich hier große Mühe gegeben. Die zahlreichen Tafeln und Sitzgelegenheiten – auch fernab des Tresens – lassen aber eher einen Schwerpunkt auf die Küche vermuten, statt lediglich einen Ort für ein bis zwei Feierabendbier (zuviel).

Was mich in jedem Fall freut:

Schön, dass in „Alt-Sachs“ zur Abwechslung mal keine Shisha-Bar eröffnet, welche die engen Gassen um weitere penetrante, exotische Gerüche „bereichert“. Ein wenig mehr Kultur kann hier jedenfalls nicht schaden, selbst wenn es sich hierbei um Englische handelt.

Bleibt einmal wieder abzuwarten, inwieweit sich das Pub in etablieren kann. Mit dem recht angenehmen Anglo’s Irish Pub sowie dem O’Dwyers, welches zumindest Montagabends zum PubQuiz ohne drohenden Nervenschaden besuchbar ist, ist die Konkurrenz in unmittelbarer Nähe jedenfalls gut aufgestellt.

Was mich dagegen ein wenig irritiert, ist der Namenszusatz „Brasserie“, welcher laut Wikipedia dann doch sehr französischer Herkunft ist, und hier ausgerechnet von einem Pub in englischer Aufmachung geführt wird. Werd‘ ich irgendwie nicht schlau draus.

Vielleicht ja ein Versuch, neben den Bänkern gleich noch ein paar französische Kulturflüchtlinge anzulocken? Oder eine legasthenische Aufforderung dazu, das hart erarbeitete Geld doch endlich ordentlich zu „verbrassen“?

Vielleicht schau‘ ich ja demnächst mal auf ein Kaltgetränk vorbei.


Solltet ihr, liebe Leser, mir zuvorkommen, dann erstattet mir doch gern Bericht! Vielleicht könnt ihr auch herausfinden, was es mit der „Brasserie“ so auf sich hat. 

Bis dahin: Cheers!