Es schöner Tag im März: Bunte Vielfalt in Schwarzweiß

Bis heute vermag ich nicht zu sagen, weshalb genau – aber an freien Tagen zieht es mich in schöner Regelmäßigkeit hinaus in den Frankfurter Westen.

So auch vor drei Wochen einmal wieder, als ich neben zwei Äpfeln und der Tageszeitung auch meine Kleinbildkamera samt frischem Film in meinen Rucksack warf und mich auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle machte. Zu ihr ist es nur ein Katzensprung, und wie immer wieder war ich erstaunt darüber, in welch andere Welt mich die Tram der Linie 12 katapultiert, wenn ich nur lange genug in ihr sitzen bleibe.

Wobei „lange“ fast noch übertrieben ist:
Nur etwa eine halbe Stunde lang dauert die Fahrt vom Nordend hinaus nach Schwanheim, ganz unbemerkt und zwischendurch wird aus der Straßen- eine Waldbahn. Aus dem Stau auf der Friedberger Landstraße und dem Anblick endloser Altbau-Fassaden werden Natur und Wald. Die frische Luft tat ihr Übriges: Jawoll, zwar befand ich mich noch im Stadtgebiet – gefühlt aber im Urlaub!

Erst am Abend hatte ich einen Termin in Bockenheim, sodass ich mich in aller Ruhe treiben lassen konnte. Dass ich bis dahin gleich einen ganzen Schwarzweißfilm opfern würde, konnte ich zu Beginn meiner kleinen Reise freilich noch nicht ahnen! Doch hatten sich mir die Motive förmlich aufgedrängt, sodass ich zwei Wochen später einmal wieder um einige Mark erleichtert war und sechsunddreißig Abzüge in meinen Händen hielt.

Sechsunddreißig Aufnahmen, welche einmal wieder einen anschaulichen Beweis dafür erbracht hatten, dass Frankfurt eine Stadt geballter Kontraste ist.

 

Lasst ihr mit mir diesen Tag noch einmal eine schwarzweiße Revue passieren?

 

„Nächster Halt: Waldfriedhof Goldstein“: In diese Straßenbahn bin ich vor meiner Haustür im Nordend eingestiegen. Nach exakt 36 Fahrtminuten spuckt sie mich in einer gänzlich anderen Szenerie aus. Ich atme tief ein und schließe meine Jacke: Jawoll, so fühlt sich Urlaub an!

 

Nur wenige Schritte, und ich tauche ein in den Schwanheimer Wald. Der Schotter knirscht unter meinen Stiefeln, es ist ungewohnt still. Links wie rechts nur Bäume, der Jahreszeit angemessen kahl. Es dauert eine kurze Zeit, bis ich mich daran gewöhne, allein auf weiter Flur zu sein.Nur meine Kamera leistet mir Gesellschaft. Ich lasse auch sie einen Moment lang den Waldweg spüren.

 

Nachdem ich eine Weile durch den Wald marschiert bin, erreiche ich die Schwanheimer Wiesen. Und die sind wirklich groß! Ein laues Lüftchen bringt Farne zum tanzen. Ich treffe auf ein älteres Paar, „Ei Gude!“, – und auf ein bemerkenswertes Gewächs: Der „Struwwelpeter-Baum“ ist nämlich nicht nur schon 68 Jahre alt (da sind Andere schon in Rente!), sondern mit seinen zwei Augen nämlich auch ein Werk des Künstlers F.K. Waechters. Klar, dass ich auch ihm lieb hallo sage!

 

 

Das unbestrittene Highlight des Stadtteil Schwanheims sind natürlich die Schwanheimer Dünen. Auf einem Holzbohlenweg lässt sich hier die Binnendüne überqueren, während man seltenes Gewächs entdecken und verträumt in einen der Seen schauen kann.

 

Kein Wunder, dass diese Idylle schon im Jahr 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde!

 

 

Nachdem ich das Ende des Steges erreicht habe, verabschiede ich mich von der Dünenlandschaft mit einem Knipser in die Mittagssonne. Bis bald mal wieder!

 

 

Noch ein ganzes Stückchen hin ist es bis zum Anleger der Mainfähre „Walter Kolb“. Immer wieder freu‘ ich mich wie ein kleiner Junge, wenn ich mittels der letzten Fährverbindung im Frankfurter Stadtgebiet nach Höchst übersetzen darf. Klar, dass ich auch dem Fährmann einen guten Tag wünsche – schließlich hatte er mir einmal einen tollen Einblick in seinen Arbeitsalltag ermöglicht!

 

 

Während der Überfahrt lasse ich mir einen Blick auf das Panorama der Altstadt natürlich nicht entgehen!

 

 

Der Fluss ist überquert, ich betrete den Stadtteil Höchs und somit Festlandt. Eine Dame füttert Möwen, ein Schwan guckt skeptischi zu. Im Hintergrund zuckelt ein Frachtschiff und bringt irgendetwas irgendwohin. Fernweh.

 

Erste Anlaufstelle im 1928 eingemeindeten Stadtteil ist – natürlich! – das Höchster Schloss. Auch von nahem macht es eine rundum gute Figur! Der Schlossturm überragt die Altstadt und kann sogar bestiegen werden – nur stets ausgerechnet dann nicht, wenn ich zu Besuch bin. Ich gelobe Hartnäckigkeit und bekomme Kaffeedurst.

 

 

Nach meiner Kaffeepause am Schlossplatz schlendere ich durch die engen Gassen der Altstadt Höchst. Wie jedesmal kann ich auch heute kaum glauben, dass ich mich noch in Frankfurt befinde. Inmitten der schnuckeligen Fachwerkhäuser befindet sich auch die Straße mit dem kürzesten Namen der Stadt: Sie heißt ganz einfach „Wed“. Auch ziemlich schnuggelisch. 

 

Recht beschaulich geht es auch in den Höchster Hinterhöfen zu. Ich überlege kurz, nir einen Schluck aus der alten Wasserpumpe zu genehmigen – greife dann aber doch zu meiner mitgebrachten Flasche. Und zur Kamera, versteht sich.

 

Irgendwann dann aber zieht es mich doch zurück gen Innenstadt. Im Bahnhof erwartet mich vor der S-Bahn zunächst einmal das schmucke Empfangsgebäude, in dem ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Auch, wenn es schon bessere Zeiten gesehen hat, kommt es zeitlos schmuck daher!

 

Vom Bahnsteig aus lässt sich der außergewöhnliche Kuppelbau des Empfangsgebäudes noch einmal genauer inspizieren. Nun aber husch-husch zurück gen Innenstadt. „Bitte zurückbleiben!“

 

An der Konstablerwache steige ich aus, denn ich habe Hunger. Weder als schnuckelig noch als schmuck empfinde ich das Bienenkorbhaus. Aufgrund seiner exorbitanten Hässlichkeit muss ich es dennoch fotografieren – irgendwann will ich es schließlich meinen Enkeln zeigen. Bis die geboren sind, wird es nämlich abgerissen sein. Hoffentlich.

 

Ich bin frisch gestärkt, das Curry war lecker. Ich hab‘ noch ein wenig Zeit bis zu meinem Termin – also statte ich dem „Briggegiggel“ noch einen kleinen Besuch ab. Schließlich ist er nach einer längeren Zeit der Abwesenheit auf die Alte Brücke (oder auch „aahl Brigg“?) zurückgekehrt, und macht neben dem Neubau des Henninger-Turms eine recht gute Figur…

 

Nur um wenige Grad brauche ich mich zu drehen, um auch Karl den Großen abzulichten. Gut, dass er nicht in Richtung des Main Plaza in seinem Rücken blickt – der Umstand, dass dieser NOCH größer ist, als er selbst, brächte ihn vermutlich um den Verstand. So aber: Friede, Freude, Eierkuchen auf meiner Lieblingsbrücke.

 

 

 

 

 

… und nochmals einige Grad nach links gedreht: Schwesternwohnheim meets EZB-Zentrale. Am Besten gefallen mir aber nach wie vor die Mainwiesen. Hach, wenn’s doch endlich wärmer wäre…

 

Nun ist’s aber allerhöchste Eisenbahn für mich, oder besser: Allerhöchste U-Bahn, ich muss nach Bockenheim. Bevor ich dalli-dalli hinunter in die „Konsti“ hechte, fange ich noch einen kleinen Leihfahrrad-Haufen ein. Klar, ich könnte auch mit dem Fahrrad fahren – mach‘ ich aber nicht, da zu faul.Bewegung, die hatte ich heute schon genug!

 

Kaum bin ich auf der Leipziger Straße ans Tageslicht gestolpert, begrüßt mich die wohl schönste und altehrwürdigste Fassade aller Apotheken. Fast verspüre ich eine subtile Lust darauf, krank zu werden. „Gibt’s hier auch was von Ratiopharm?“

 

 

Ich hab’s ja nicht so mit Gotteshäusern, aber dieser Bockenheimer Anblick lässt auch diesmal mein Herz regelmäßig höher schlagen…

 

 

Sind diese Rundungen nicht sexy? Das Wohnhaus im tiefsten Bockenheim lässt mich abermals die Kamera zücken.

 

A propos Rundungen….

 

Ebenfalls in recht runder Form thront der Europaturm über den Stadtteil. Mittlerweile annähernd funktionslos geworden, ist er dennoch ein echter Hingucker geblieben – findet ihr nicht auch?


Nachdem ich meinen Termin absolviert habe, kehre ich nach einem langen – aber schönen! – Tag zurück ins Nordend. Dort empfängt mich, na klar: Der „City Ghost“. Gute Nacht.


 

Skyline, zack, aus – fertig?

Alt und neu, Naturschutzgebiet und Beton: Fast unglaublich, welch An- und Ausblicke man an einem einzigen Tag in Frankfurt erleben kann, gelle? Als ich die Bilder jenen Tages in mein Album klebe, bin ich einmal wieder sehr glücklich darüber, hier leben zu dürfen.

Und einmal wieder bleibt mir nur ein leidliches Schmunzeln für diejenigen übrig, die Frankfurt am Main auf die Skyline reduzieren.

Doch nun verratet mir: Wie sieht euer perfekter Tag in Frankfurt aus?

 

Eine Bootsfahrt, die ist lustig… von Frankfurt aus in alle Welt! Oder zumindest nach Aschaffenburg.

Denkt man an Frankfurts Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt und internationale Drehscheibe, dann kommt einem vermutlich zuerst der Flughafen in den Sinn.

Über 600 Flüge am Tag verbinden von hier aus unsere Stadt mit der ganzen Welt, was unseren Airport zum größten und wichtigsten der Republik werden lässt.

Vielleicht denkt man auch an unseren Hauptbahnhof, der seit seiner Eröffnung im Jahre 1888 schnell zum wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt des Landes wurde. Heute sorgen über 340 Züge des Fernverkehrs, 290 Züge des Nahverkehrs sowie über 1.000 S-Bahn-Halte am Tag dafür, dass Reisende vom wichtigsten Eisenbahnknoten Deutschlands aus schnell und bequem mit der Bahn durchs ganze Land verreisen können. Auch Metropolen im benachbarten Ausland werden von hier aus angefahren; sogar nach Marseille existiert eine tägliche Direktverbindung!

Vielleicht, da denkt man auch noch an all die Menschenmassen an der Konstablerwache, die sich – insbesondere zur „Rush Hour“ – von den unterirdischen Bahnsteigen aus ihren Weg durch die heruntergekommene B-Ebene bahnen, dabei Rolltreppen verstopfen. An all die Straßenbahnen und Busse, die sie besteigen, sobald das Tageslicht erreicht ist.

Frankfurt ist eben immer in Bewegung. Ob Flugzeug, Bahn, Tram oder Bus: Zahlreiche Verkehrsmittel sorgen zu jeder Tag- und Nachtzeit dafür, dass man Frankfurt schnell verlassen kann. Zu Lande und in der Luft. 

Ebenso schnell lässt es sich freilich auch wieder ankommen in Frankfurt: Und macht das Ankommen hier nicht ohnehin am meisten Freude? 

Eher selten jedoch denkt man an die Schiffe, mit denen es sich auch zu Wasser von Frankfurt aus ganz hervorragend verreisen lässt!

Auch ich habe den Schiffverkehr der Stadt lange Zeit vollkommen ausgeblendet. Klar, ich hab‘ mich immer sehr des Anblicks erfreut, wenn mal wieder weißes Schiff den Main entlang schipperte. Ich hab‘ mich gefreut, wenn die Fahrgäste an Deck den am Mainufer flanierenden Menschen zugewunken haben. Erhob eifrig beide Hände, um die Grüße zu erwidern.

Nie jedoch habe ich mich gefragt, was wohl die Ziele von den weißen Riesen und ihren Schiffsreisenden sein mögen. Dies änderte sich erst, als ich eines Tages beim Joggen am Mainufer meinen Blick über die Schiffsanleger am Dom streifen ließ.

„Köln-Düsseldorfer“ und „Primus Linie“: Sollte Frankfurt etwa auch Bedeutung für den internationalen Personenschiffsverkehr haben?

Ich kam nicht umhin, ein wenig Online-Recherche zu betreiben.

Zugegeben, es gibt bedeutendere Seehäfen als Frankfurt mit seinen kleinen Anlegestellen am Main. Auf das Einlaufen eines Kreuzfahrschiffes wird man hier vergeblich warten, vom Main aus in die Karibik reisen sollte man dann doch besser vom Flughafen aus.

Dennoch, ich war erstaunt, dass von den Anlegestellen am Römer aus tatsächlich ein planmäßiger Schiffsverkehr stattfindet.

Da das Schiff als Verkehrsmittel zwischenzeitlich leider ein wenig aus der Mode gekommen ist, werden von hier aus zwar überwiegend touristische Ziele angesteuert: Davon aber doch erstaunlich viele!

Sowohl Köln-Düsseldorfer sowie die Primus-Linie bieten planmäßige Linienfahrten an. Ob mainabwärts nach Heidelberg oder Aschaffenburg, mainaufwärts bis nach Rüdesheim zum Spazieren auf der Drosselgasse, am Rhein entlang bis zum deutschen Eck nach Koblenz oder sogar auf ein Kölsch bis Köln. Wird ein Umstieg in Kauf genommen, kann sogar die Mosel auf dem Seewege erreicht werden! Seefahrerherz, was willst du mehr? 

 

Ticket kaufen, Leinen los!

Klar, dass meine Schiffs-Reiselust geweckt war. ‚Ne steife Brise auf dem Main, mit dem Schiff nach irgendwohin, statt auf den Main mal vom Fluss aus auf die Ufer schauen. Das musste ausprobiert werden!

Ich entschied mich für eine Fahrt vom fernen Aschaffenburg nach Frankfurt.
Klar, dass mein Freund Michael nicht fehlen durfte! Die Tickets waren schnell gekauft, und nur wenige Tage später steigen wir am Frankfurter Südbahnhof die Regional-Bimmelbahn, welche uns in einer knappen Stunde in die fränkische Kleinstadt bringen sollte. Noch können wir kaum glauben, dass die Rückfahrt nach Frankfurt mit dem Schiff geschlagene 4,5 Stunden brauchen solle!

Erst einmal freuen wir uns aber darüber, genügend Zeit zu haben, um Aschaffenburg ein wenig zu erkunden. Ob die Kleinstadt wohl noch mehr zu bieten hat als Bier von „Schlappeseppel“ und eine Namen, der sich für eine Vielzahl von Wortspielen missbrauchen lässt?

Sollte man Gott tatsächlich für Alles danken, sogar für ein Unterfranken? 

Als wir bayrischen Boden betreten und den Bahnhof verlassen, sind wir gespannt…

 

Metzgereien! Überall Metzgereien!

Nachdem wir ein wenig durch die angenehm fußläufige Altstadt gestreift sind, da ist uns vor allem eines aufgefallen: Gefühlt jedes zweite Geschäft scheint hier ein Metzger zu sein. Die Aschaffenburger scheinen wohl über eine derart große Gelüste nach toten Tieren zu verspüren, dass diese anderweitig nicht gestillt werden können als durch eine omnipräsente fleischverarbeitende Infrastruktur.

Nun ja, was in Frankfurt wohl unverzüglich ethisch-moralische Aufstände und eingeworfene Schaufensterscheiben zur Folge hätte, scheint hier ganz selbstverständlich zum Straßenbild zu gehören. Dass wir – konsequent, wie die Unterfranken diesbezüglich zu sein scheinen – keinen einzigen Bio-Supermarkt entdecken können, ist für uns zwei Frankfurter eine willkommene Abwechslung.

Zurück zum Thema, dieser Beitrag will euch schließlich von einem Ausflug mit dem Schiff berichten und nicht zum touristischen Leitpfaden für Aschaffenburg ausarten.

Innerhalb vier Stunden können wir uns schlussendlich dann doch noch davon überzeugen, dass Aschaffenburg noch viel mehr zu bieten hat, als Leberkäsebrötchen (die hier allerdings „Weck“ heißen) und einen recht funktionellen Hauptbahnhof.

So fanden wir inmitten einer wunderschönen Grünanlage die Kirchruine vor, welche einen märchenhaften Anblick bot.Schallplattenläden wie aus Oma’s Zeiten ließen insbesondere mein Herz höher schlagen, während mein Freund Michael große Begeisterung für die wirklich schmucke Stiftsbasilika hegen konnte. Die Innenstadt ist recht schnucklig und wirkt insgesamt gleich viel weniger hektisch als ihr nervzehrendes Pedant in Frankfurt: Hach, schön, so ein Kurzurlaub!

Ein imposantes Schloss am Mainufer haben wir genauso vorfinden können wie ein süßes Café, sodass wir mit adäquatem Koffein-Pegel pünktlich an der Anlegestelle eintreffen.

Und nun lass‘ ich einfach noch ein paar Bilder sprechen… 

 

Unterwegs an Bord der „Nautilus“

Ebenso pünktlich legt dann auch die „Natulis“ ab, nimmt ihre Fahrt mainaufwärts auf. Entsprechend Saison, Wochentag & Wetter ist nicht viel los an Bord, was uns sehr gelegen kommt. Wir schauen uns ein wenig auf den beiden Decks um: Erstaunlich, wie viel Platz hier drinnen ist! Hätte ich – als ich das Schiff von Land aus betrachtete – gar nicht gedacht.

Aber einmal drin, da stell‘ ich fest: Hier könnte man ganze Parties feiern!

 

Ein letzter Blick zurück auf das große Schloss – hoffentlich werd‘ ich nicht seekrank! 

Da es nicht regnet, beschließen wir, auf dem Oberdeck Platz zu nehmen. Von dort aus hat man nämlich den besten Rundum-Blick und kann publikumswirksam den Landratten an den Ufern zuwinken. Und tatsächlich, immer wieder entdecke ich links und rechts des Mains Angler, Familien beim Picknick und sogar unerschrockene Badende.

Für echten Nervenkitzel an Deck sorgen dagegen die beim Unterfahren nur wenige handbreit über unseren Köpfen hinwegziehen. Tod auf dem Main durch „Kopf ab“? Ich hab‘ ja schon ein wenig Angst. Immerhin den Tod durch Ertrinken muss ich nicht fürchten, schließlich entdecke ich zwei große Kisten mit insgesamt 600 Schwimmwesten an Deck. Ich bin beruhigt, vorerst jedenfalls. Lasse wieder das Mainufer an mir vorbeiziehen, das hier so viel wilder scheint als in heimischen Gefilden.

 

Hoch und Runter: Die Sache mit den Schleusen.

Es dauert nicht lange, und unsere Fahrt verlangsamt sich. Der Grund, der ist schnell ausgemacht: Eine Schleuse liegt vor uns, die der Kapitän gekonnt ansteuert. So langsam dämmert uns, wieso die Fahrt nach Frankfurt stolze viereinhalb Stunden dauern soll: So ’ne Schleuse, das geht nicht schwuppdiwupps, das dauert. Und bis Frankfurt, so ahnen wir, sollte dies nicht die letzte Schleuse sein.

Gemütlich senkt sich das Schiff Zentimeter um Zentimeter, bis sich dann endlich die Schleusentüre öffnet und die „Nautilus“ wieder mit dröhnendem Motor Kurs gen Frankfurt nehmen kann.

Ich schau‘ derweil mal weiter links und rechts, lasse mir den Fahrtwind ins Gesicht wehen, bis dann eine blecherne Lautsprecherstimme ertönt:

„Wir erreichen in Kürze unsere nächste Anlegestelle: Seligenstadt!“ 

Wie schön, hierher bin ich doch neulich erst mit dem Fahrrad gefahren. Nett, die Stadt einmal vom Main aus anschauen zu dürfen. Ich winke den Rentnern, die zusteigen (wir dürften mit Abstand die Jüngsten an Bord sein), bevor es weiter geht gen Frankfurt.

 

Der Weg ist das Ziel!

Wir legen wieder ab, das nunmehr bekannte Brummen des Schiffsdiesels ist wieder zu vernehmen. Michael sitzt mir gegenüber und liest ein Buch, ich beschließe, es ihm gleich zu tun. Das Kraftwerk „Staudinger“ zieht auf Höhe Großkrotzenburg vorbei. Hin und wieder ein Blick über die Reling, ich entdecke Camper, Seitenarme, Wälder, kleine, namenlose Dörfer. Wie ruhig der Main doch hier ist. 

Wieder einmal verlangsamt sich die Fahrt, die nächste Schleuse naht. Es sollten auf dem Weg bis Frankfurt insgesamt fünf davon zu passieren mal, fünf mal „Rauf und Runter“, fünf mal nur noch horizontale Fortbewegung.

„Eigentlich sind wir ziemlich blöde“, sag‘ ich zu Micha. „Wir fahren von Aschaffenburg bis Frankfurt mit einem Verkehrsmittel, dessen Durchschnitsgeschwindigkeit wir vermutlich locker zu Fuß übertreffen würden. Ich glaube, wären wir gewandert – wir wären schneller wieder in Frankfurt… 

„DU bist vielleicht blöde!“, sagt der Micha. Wir fahren doch nicht Schiff, um von von A nach B zu kommen. Bei einer Bootstour, da gilt: Der Weg ist das Ziel!

Recht hat er, der Michael. Mir gefällt der Gedanke, einfach mal zu reisen. Nicht weil man reisen muss, nicht weil man sich schnell fortbewegen möchte. Zu Reisen um des Reisens Willen.

Mein kreatives Oberstübchen meldet sich zu Wort, ich packe Notizbuch ein und verabschiede mich auf ein Käffchen ins Unterdeck. Ideen für ein Gedicht wollen schließlich zügig festgehalten werden!

 

 

„Endlich wieder Frankfurter Niveau!“ – zurück im Heimathafen

Nachdem ich mein Werk vollendet habe, kehre ich zurück aufs Oberdeck. Wir passieren gerade die letzte Schleuse auf unserer Fahrt, die „Nautilus“ befindet sich bereits auf Höhe Fechenheim. Als die letzte Schleuse passiert ist, rufen zwei Damen neben uns: „Endlich wieder Frankfodder Niveau! Auf Offenbacher Pegel hätt‘ ich’s net mehr lang ausgehalte!“. „Recht haben Sie!“, rufe ich hinüber. Frankfurter sollten sich schließlich jederzeit solidarisch zeigen und offen zu erkennen geben!

Den Einlauf in den Heimathafen, den will ich freilich nicht verpassen. Ich erwarte keinen Empfang mit militärischen Ehren, aber einen für mich unbekannten Anblick meiner Stadt von der Mitte des Mains aus.

Und dieser raubt mit den Atem. 

Obwohl mittlerweile leichter Regen begonnen hat und uns eine echt steife Brise um die Näschen weht, haben wir ganz vorn auf dem Oberdeck Stellung bezogen. Erhaben nähert sich die Stadt am Horizont. Nachdem wir die Honsellbrücke unterquert haben, da fehlen mir die Worte:

Aus dieser Perspektive hab‘ ich meine Stadt noch nie gesehen. Ehrfürchtig erhebt sich die Skyline vor dem Bug, Passanten winken vom Eisernen Steg herab, während ich ihn vom Schiff aus streicheln könnte.

Dies ist für mich unbestreitbar der schöne Moment unserer Schifffahrt, ach was, des Tages, wenn nicht gar der Woche.

Frankfurt, ich liebe dich. Immer wieder schön, wieder bei dir anzukommen! 

Lust bekommen?

Vielleicht konnte ich ja ein wenig Seefahrer-Stimmung in euch wecken! Es lohnt sich definitiv, auch mal mit dem Schiff von Frankfurt aus zu verreisen. Oder auch auf dem Wasserweg wieder dort anzukommen, das ist nämlich ein ganz besonders schönes Gefühl.

„Reisen um des Reisens Willen“ – das macht man heute ja ohnehin viel zu selten, eine Fahrt mit dem Schiff wirkt da ganz wunderbar entschleunigend.

Natürlich muss es nicht Aschaffenburg sein, die PRIMUS-Line steuert auch zahlreiche andere Ausflugsziele an.

Eine Übersicht zu den einzelnen Routen findet ihr hier! 

 

Zum Abschluss ein Gedicht.

Ach; hatte ich nicht erwähnt, dass ich ein kleines Gedicht geschrieben habe?
Falls ihr neugierig geworden seid: Bitteschön!

 

Von Bayern bis zum Eiser’n Steg
reisen auf dem Wasserweg
„Leinen los!“, heißt es zur Mittagszeit
man schippert los, das Ziel noch weit
Macht sich’s am Oberdeck bequem
der Blick zurück aufs Schloss so schön
die Fahrfreude währt jedoch nicht lange
die Schleuse naht, mir wird ganz bange
Man fühlt das Schiff langsam absinken
Zeit, einen Kaffee zu trinkien
Bis man erreicht das Flussniveau
Nix passiert, man zeigt sich froh
Und weiß sich endlich zu verzücken
an den uferseitigen Eindrücken
ein Kirchturm da, ein Kraftwerk dort
wie hieß doch gleich da dieser Ort?
Man winkt den zahlreichen Flaneuren
und lässt sich zunehmend betören
von dieser Art, langsam zu reisen
geht kurz in sich, kann nur verweisen
Auf das Sprichwort, altbekannt
welch ein Jeder kennt in diesem Land
dank Langsamkeit sieht man so wahrlich viel
denn auf dem Schiff ist noch der Weg das Ziel

Last Exit Sossenheim: Auf der Suche nach den echten Frankfurtern

„Und, woher kommst du ursprünglich?“

Es dauert meist nicht lange, bis im Gespräch mit neuen Bekanntschaften fast unweigerlich diese Frage gestellt wird. Dass man woanders aufgewachsen ist, nur aufgrund unglücklicher Umstände (meist war’s der Beruf, seltener die Liebe), gilt unter der innerstädtischen Frankfurter Bevölkerung als fast selbstverständlich.

Im Nordend oder Bornheim einen waschechten Frankfurter kennen zu lernen, das ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein Mittwochmorgen ohne Blechlawine auf der Friedberger Landstraße –  oder eine bezahlbare Zweizimmerwohnung an der Berger Straße zu finden.

Wie schade eigentlich! Und hey, irgendwo müssen sie sich doch verstecken, die Frankfurter Originale. Schon seit langem habe ich die Theorie entwickelt, dass sie irgendwo da draußen in den Stadtteilen weitab der ach so „hippen“ Innenstadt zu finden sind.

Und, ganz ehrlich: Wer von euch war schon mal in Zeilsheim, Schwanheim, Nieder-Eschbach, Hausen? Oder gar in Sossenheim?

Man weiß um diese Stadtteile, nimmt sie wohlwollend als Bestandteil von Frankfurt zur Kenntnis. Stört sich nicht weiter an ihnen, liest ihre Namen oft als Endhaltestellen auf den Zielanzeigen diverser S-Bahn- oder Buslinien. Und gerüchteweise kann man sogar leben dort. Nur wirklich einmal mal dort gewesen: Das sind die wenigsten von uns Zugezogenen. Doch genau da, so vermutete ich, da tummeln sich all die echten Frankfurter. Ganz unter sich, in Ruhe, verschont von jeglichem Pseudo-Schick, Szene-Gehabe und Mietpreis-Wucher.

Das wollte ich ändern. Wollte das „andere Frankfurt“ erkunden, sie endlich finden, die wahren Frankfurter. Wollte Rucksack und Freund Michael packen, mich einfach mal auf den Weg machen und treiben lassen.

 

Wieso also nicht mal nach Sossenheim?

Sossenheim also. Bekannt war mir der Stadtteil bislang vor von der Frankfurter Band „Die Quietschboys“, die ihrem Heimat-Stadtteil eine gleichnamige Hymne widmeten: „Sossenheim – hier leb‘ ich gern, da kauf ich ein!“

Weit weniger lebensfroh dagegen muten die bissigen Karikaturen an, die der Künstler Chlodwig Poth unter dem Namen „Last Exit Sossenheim“ veröffentlichte.

Gibt man „Sossenheim“ bei Google ein, ahnt man schnell, woher der zweifelhafte Ruf des Stadtteils kommt. Wohntürme, mit teuren Autos und Goldkette posenden Gangster-Rapper. ProSieben nutzte Sossenheim einst als Schauplatz einer Reportage über das „Frankfurter Ghetto“.

Gewalt, Drogenhandel, Straßengangs also – muss ich nun Angst um körperliche Unversehrtheit und Wertsachen haben? Meine Neugierde jedenfalls, die ist geweckt. Und selbst wenn: Auch das ist eben Frankfurt. Und auch diese – vielleicht düstere Seite – der Stadt, die möchte ich kennen lernen. Immerhin nennen über 16.000 Frankfurter den Stadtteil ihr Zuhause.

 

Eine Busfahrt, die ist lustig…

Es ist Ostermontag und ziemlich kalt, als ich mich mit meinem Freund Micha an der Konsti treffe. Während ich mich in den Gefilden der zentralen Staddteile äußerst zielsicher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewege, erfordert die Fahrt nach Sossenheim dann doch einen kurzen Blick in die Verbindungsauskunft. Erstmal mit der S-Bahn nach Rödelheim. Jawollja, auch das habe ich schon mal gehört, klingt machbar. Vor Ort wird’s dann ein wenig komplizierter: Einen Bus der Linie 55 gilt es zu finden.

So so, es gibt also noch Busse fernab der Linien 30, 32 und 36: gut zu wissen! Endlich bekomm‘ ich hier mal was geboten für das viele Geld, das ich Monat für Monat für mein RMV-Ticket bleche. 

Wir fahren nochmals zwanzig Minuten durch bislang unbekannte Gefilde der Stadt. Kaum zu glauben: Wir befinden uns in unserer Heimatstadt, dennoch erscheint jede Straßenecke hinter der Fensterscheibe wie eine gänzlich neue Welt. „Nächster Halt: Sossenheim Kirchberg“, so ertönt die wohl vertraute VGF-Computerstimme. Wir sind dann wohl da. Da,wo die Frankfurter wohnen, da, wo Frankfurt noch Frankfurt sein muss.

 

Fachwerk! Kirchen! Dorfidylle!

Der Kirchberg, so analysieren wir messerscharf, heißt Kirchberg, weil auf ihm neben einer – leider geschlossenen – Stadtbibliothek eine Kirche thront. Und die ist schmuck anzuschauen, mindestens genauso wie die schnuckeligen Fachwerk-Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Keine Filialen einschlägiger  Aufback-Ketten weit und breit, stattdessen Bäckereien. Wir sind entzückt. Hübsch haben sie es hier, die echten Frankfurter! Nur, von denen, da ist leider noch niemand zu sehen. Wir schlendern ein wenig durch die Straßenzüge, entdecken hier und da Menschen ihre Autos putzen oder Wäsche auf den Balkonen der Zweifamilienhäuser aufhängen.

Alles in allem: Ein schöner, dörflicher, gutbürgerlicher Eindruck, der sich uns hier präsentiert. Und das hier soll sozialer Brennpunkt sein? Können wir kaum glauben. Kaum zu glauben auch, dass wir uns immer noch in Frankfurt befinden. Wie unterschiedlich diese Stadt doch immer wieder sein kann! 

 

Am Sulzbach, wo der Reiher reihert

Micha und ich, wir streunen weiter vollkommen planlos durch Sossenheim. Einen echten Ortskern, den entdecken wir nicht. Dafür aber einige Gasthäuser, und ja, sogar Fremdenzimmer werden hier auf Schildern offeriert! Warum nicht mal übers Wochenende nach Sossenheim?

Wir erreichen einen Spielplatz, ja, hier soll es wohl auch den Kleinen gut gehen. Hinter dem Spielplatz wird es überraschend grün, es muss der Sulzbach sein, der sich hier am Wegesrand durch die Wiesen schlängelt. Wir beschließen, dem Weg zu folgen, genießen die Natur. Auch einem Reiher scheint es hier zu gefallen, er stolziert durch den Bach, schaut einer Entenfamilie beim Schwimmen zu. Er nimmt reißaus, als zwei Hunde angetobt werden.

 

Auch wir schauen uns besser mal um, und tatsächlich: Die beiden Hunde gehören zu zwei Frauen, die ihre Vierbeiner mittels Ballwurf bespaßen.

Das müssen sie sein, die echte Frankfurter! 

Ich packe die Gelegenheit beim Schopf, frage, ob die beiden Hunde-Besitzerinnen denn in Sossenheim lebten. Als sie bejahen, könnte ich jubeln: Wir haben sie endlich gefunden, die Alteingesessenen! Ich frage, wie es sich so lebe, hier im Sossenheim. Man sei zufrieden, erzählen die beiden – es sei schön hier, nicht weit ins Grüne, ruhig. Ich komme auf die Gerüchte über einen sozialen Brennpunkt zu sprechen. „Nun ja“, bekomme ich zu höre, „bei den Hochhäusern ist’s sicherlich nicht ganz so schön. Aber davon bekommen wir nichts mit“.

Ich muss dann einfach doch sicherheitshalber noch danach fragen, ob die beiden denn schon immer hier leben. Und prompt folgt die Ernüchterung:

„Nein, wir sind hier auch nur Zugezogen!“. Ich lasse die Schultern hängen, wünsche den beiden einen schönen Tag. Verdammt noch mal, wo sind sie nur zu finden, die Originale?

 

Ein Café wie aus Omas Zeiten

Wir sind schon eine Weile unterwegs, die Beine schreien nach einer Pause. Wir laufen zurück gen Kirchberg, halten Ausschau nach Einkehr. Und schnell, da werden wir fündig:

„Café Kitzel“ lesen wir an einem Häuschen an der Hauptstraße, jetzt ein Kaffee wäre fein. Wir treten ein – und fühlen uns um mindestens 4 Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückversetzt.

Die Wände voller Bilder, eine Standuhr, klassische Kaffeehausmöbel. Verschiedenste Kuchenstücke in der Auslage, genau so muss es ausgehen haben, als Oma noch ein junges Ding war. Das Café Kitzel ist gut besucht, wir nehmen Platz neben einem Herren nebst Begleitung.

Wie schön und gemütlich hier. Auch ohne Blick in die Karte bin ich mir ganz sicher, dass man hier vermutlich nicht einmal weiß, wie „Latte Machhiato“ überhaupt geschrieben wird. Auch nach Sojamilch brauche ich vermutlich gar nicht erst zu fragen. Gut so!

Ich bestelle also ein Kännchen grundsoliden Filterkaffee, Micha tut es mir gleich und nimmt noch ein Stück des duftenden Apfelstreusel mit dazu.

Hier lässt es sich gut Seelebaumeln:
Rentnerpaare statt bunte Sneaker, Goldrand-Tassen statt Milchschaum. Früher, da war eben doch nicht alles schlechter. 

Ich entschuldige die Störung, frage den netten Herren neben uns, ob er denn öfters hier sei. „Leider viel zu selten“, sagt er. Aber er sei in Sossenheim geboren und schon immer gern hierher gegangen.

Ich könnte jubeln. Wir haben ein Original gefunden, einen waschechten Frankfurter entdeckt. In Sossenheim, inmitten eines herrlich antiken Cafés. Wusste ich’s doch gleich! Mission completed, ich bin glücklich. Der Kaffee tut sein Übriges.

Wir bleiben, bis das Café schließt. Fragen auch die liebe Dame von Bedienung, ob sie denn von hier sei. Na klar, noch ein Volltreffer. Wir bezahlen, kommen ins Gespräch, geben uns als Touristen aus der Innenstadt zu erkennen.

„Wie schön, dass ihr euch hier wohlfühlt“, sagt sie. Es gebe ja sonst kaum noch Cafés, die Tag für Tag frisch ihre Torten und Kuchen backen. Und der Preis, der spreche doch auch für sich. Einen Besuch im Café Kitzel, den solle sich schließlich jeder leisten können. Wie recht sie doch hat, die nette Frau.

Wir wünschen einen schönen Feierabend, ziehen weiter.

 

Von kleinen, gelben und von hohen, grauen Häusern

Unsere Zeitreise scheint noch nicht zu Ende zu sein. An einer Straßenkreuzung stoßen wir erneut auf ein Relikt aus vergangenen Zeiten: Frankfurts vermutlich letzter Münzfernsprecher in einem gelben Telefonhäuschen. Wann hab‘ ich das zuletzt gesehen?

 

Auch Micha ist begeistert, kramt ein paar Münzen hervor. Noch einmal aus einem gelben Telefonhäuschen die Eltern anrufen, das will er sich nicht nehmen lassen.

Etwas später, der Himmel zieht langsam zu, ist’s dann aber schnell vorbei mit Retro-Charme und Dorfidylle: Es gibt sie nämlich doch, die hässlichen Wohnhochhäuser, die in ihrer grauen Gesamtheit eine bedrohliche Kulisse bilden.

Einen kleinen Streifzug durch die als „sozialer Brennpunkt“ verschrienen Straßenzüge lassen wir uns dennoch nicht nehmen. Kinder spielen auf einem Fußballplatz, ein paar Jugendliche lungern vor den Häusern herum. Nein, hier möchte ich nicht leben. Es muss traurig sein, hier jeden Morgen aufzuwachen und allabendlich wieder zurückzukehren in diese hohen Säulen aus Waschbeton. Wie glücklich ich mich doch über meine Dreizimmerwohnung im Nordend schätzen darf.

Es beginnt zu regnen, wir retten uns in den Bus zurück gen Innenstadt. Sagen Sossenheim auf Wiedersehen, vielleicht schauen wir ja mal wieder vorbei.

 

Auch das ist eben Frankfurt

Wieder einmal hat mich diese Stadt mit ihrer Vielseitigkeit überrascht. Es tut gut, die eigene innerstädtische Komfort-Zone zu verlassen und anzuschauen, wie und wo andere Frankfurter so leben.

Vermutlich lebt ein Großteil der alteingesessenen Frankfurter tatsächlich in den umliegenden Stadtteilen, die ich selbst bislang viel zu selten besucht habe. Vielleicht, weil sie schon immer dort leben. Vielleicht aber auch, weil sie sich die Mietpreise der innerstädtischen Viertel nicht mehr leisten können.

So oder so, ich finde es ein wenig schade. Ein paar mehr Alteingesessene wären ganz sicher eine Bereicherung für das zentrale Frankfurt, sie hätten sicher viel zu erzählen.

Über Frankfurt, wie es früher einmal war. Früher, als man Anrufe noch aus gelben Häuschen getätigt und ein Kännchen Filterkaffee statt Latte Macchiato bestellt hat. Auch die ärmeren Frankfurter hätten sicher spannende Lebensgeschichten zu erzählen – wie schade, dass sie „irgendwo da draußen“ in den hässlichen, hohen Wohntürmen weitgehend unter sich sein dürften. Frankfurt, das ist jedenfalls weit mehr als Sachsenhausen, Nordend, Bornheim und all denjenigen Vierteln, die bei Zugezogenen ganz hoch im Kurs sind. 

Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, meinen ganz persönlichen Horizont in Zukunft noch viel öfter in Richtung der weniger populären Stadtteile zu erweitern. Wer weiß schon, welch Überraschungen Ginnheim, Heddernheim & Co für mich parat haben ?
Bleibt neugierig, Freunde.

Von einer Flucht in die Stadt der Quellen: Ein Kurztrip nach Bad Vilbel

Es ist mein einziger freier Tag der Woche. Ich eile über die Berger Straße, ein paar Termine gilt es noch wahrzunehmen. Man kam ja sonst zu nichts die letzten Tage, ich bin froh, wenn ich’s gepackt habe – und freue mich auf einen Ausflug, den ich für heute mit einem guten Freund geplant habe. Endlich raus aus der Arztpraxis, das Handy vibriert: „Sorry“, heißt es in der Nachricht vom Kumpel, „bin krank.“ Auch das noch. Ich steige aufs Fahrrad, ein rüstiger Rentner ermahnt mich, mein Fahrrad gefälligst zu schieben. „Spießer!“, rufe ich ihm hinterher. Erneuter Blick aufs Telefon, ja, an was ich noch alles denken soll. Und meine Finanzen, ja, die wollen heute auch noch geregelt werden.

Kurzum: Es ist einer dieser Momente, in denen ich kurz vorm Durchdrehen bin.

Und ganz schnell raus muss aus dem Großstadt-Stress, ein paar Stunden für mich durchatmen muss. Genau für diese Momente, da führe ich praktischerweise eine Liste allerlei Dinge, mit denen ich mir selbst schon immer mal eine Freude machen wollte (sollte jeder tun!).
Ein kurzer Blick darauf, Bad Vilbel, da wollte ich schon immer mal hin. Ist auch nicht allzu weit weg, aber immerhin: weg.

Ich springe also mitsamt Fahrrad hinein in die Straßenbahn der Linie 18 – um einen kleinen Ausflug zu beginnen, der mich Stress und Trubel zumindest für einige Stunden lang vergessen lässt.

Und weil’s mir so gut gefallen hat in der Stadt der Mineralquellen, da will ich euch gern dran teilhaben lassen – damit auch ihr euch einen kurzen Tapetenwechsel gönnen könnt, wenn euch mal wieder alles über den Kopf wächst.

 

Auf geht’s in die Quellen-Stadt!

Die 32.000 Einwohner zählende Kleinstadt, die ihren Aufstieg den dortigen Mineralwasserquellen zu verdanken hat, liegt direkt an der Nidda und ist somit hervorragend mittels einer kleinen Radtour am Flussufer entlang zu erreichen.

Als Ausgangspunkt hab‘ ich den „Gravensteiner Platz“ als Endhaltestelle der Straßenbahn-Linie 18 gewählt, da diese vom Nordend ganz bequem mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Alternativ könnt ihr auch mit den U-Bahnen der Linie 5 bis zur Haltestelle „Preungesheim“ fahren, die nicht weit entfernt ist.

Wenn ihr Glück habt, findet am Gravensteiner Platz gerade der Wochenmarkt statt, an dem ihr euch mit ein wenig Proviant eindecken oder für den Ausflug stärken könnt.

Danach könnt ihr euch aufs Fahrrad schwingen und über die Straße „Am Dachsberg“ gen Norden fahren. Dort erreicht ihr das schnuckelige Flecken Frankfurt Berkersheim, wo ihr ein wenig Dorfluft atmen könnt und entlang der Berkersheimer Bahnhofsstraße schlußendlich die Nidda erreicht. Auf dem Weg lassen sich Apfelbäume, Pferde und sogar Traktoren beobachten – wie damals auf dem Dorf, gelle?

 

Kurz anhalten, innehalten und genießen

Ihr habt’s gehabt: Die Großstadt ist hinter euch! Rechts der Nidda entlang verläuft ein Radweg, von dem aus ihr Frischluft, Flora & Fauna der Niddauen genießen könnt.

Nach kurzer Durchquerung der ersten Vilbeler Ausläufer gilt es nun die Nidda auf einem Steg zu überqueren, die nahe Eisenbahnbrücke im Blick.

 

Und dann heißt es auch schon: Willkommen in der Stadt der Mineralbrunnen!

Ihr könnt es machen wie ich, euch einen Kaffee schnappen, auf den Treppen vor der Stadtbibliothek Platz nehmen. Mit Blick auf die Nidda die Großstadtseele baumeln lassen. Oder aber ihr macht es wie die „Locals“, die während meines Besuchs gleich nebenan den Marktplatz säumten und sich mit Eisbechern den Winterfrust herunterschleckten.

Hello, Locals! Nice to be here! 

 

Blütenpracht im Kurpark, Festung im Wasser & putzige Tierchen

Nun ist es – ganz klar – an der Zeit für ein wenig Sightseeing und Kulturprogramm. Eis und Kaffee gibt’s ja schließlich auch in Frankfurt.

Im Kurpark könnt ihr eine Runde drehen und euch an der Blütenpracht erfreuen. Dort findet ihr auch den Tempel, der die seit Urzeiten sprudelnde Hassia-Quelle umschließt und euch vom Etikett der gleichnamigen Mineralwasserflaschen bekannt sein dürfte.

Bad Vilbel, das ist schließlich die Stadt des Mineralwassers. Lange Zeit verdankte die Stadt ihren Reichtum allein seinen zahlreichen Quellen, dessen Abfüllung und Export viele Arbeitsplätze schuf. Davon zeugen auch heute noch die vielen bunten Skulpturen in Form von Wasserflaschen, die das Stadtgebiet schmücken. 

Wenn ihr den Park durchquert habt, stoßt ihr auf die unverfehlbare alte Wasserburg, deren ältesten Teile noch aus dem zwölften Jahrhundert stammen. Schaut euch auch unbedingt den schönen Innenhof der Burg an, den ihr über einen Steg erreichen könnt!

Mein ganz persönliches Highlight jedoch, waren all die putzigen Tierchen, die an den Wassergräben der Burg herumtollten.Von den Enten war ich schnell gelangweilt, kennt man ja schließlich, quak quak. 

Vielmehr waren es die putzigen Nagetierchen, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen.

„Oh wie süüüüüß, ein Biber!“, stieß ich einen Ruf der Entzückung aus. Kniete mich hernieder, staunte über die Zutraulichkeit der Viecher. Umgehend jedoch, da korrigierte mich ein älteres Ehepaar. Nein, keine Bieber seien das, ich solle doch mal auf die Füßchen gucken. Tatsächlich: Flossen.

„Nutrias sind das“, klärt mich die nette Dame auf. „Auch bekannt als Biberratten“. So oder so, ich bin verliebt und spiele Streichelzoo. 

 

Heilbrunnen und Wissensdurst

Folgt ihr der Nidda noch ein Stück weiter, so findet ihr einen Heilbrunnen, an dem ihr euren Durst stillen könnt. Euren Wissensdurst allerdings kann erst gestillt werden, nachdem ihr über eine kleine Brücke die Nidda überquert habt:

Dort befindet sich in einem schmucken Fachwerkhaus nämlich das Mineralbrunnenmuseum.

Ebenso schmuck ist auch das Rathaus, wenn auch nicht ganz so imposant wie der Römer.

Ich schließe meine Großstadtflucht mit einem kleinen Bummel über die Einkaufsstraße ab, bevor ich wieder auf dem Fahrrad sitze und mich entlang der Nidda Frankfurt nähere. Und mich schon deutlich besser fühle.

Wer außer Puste ist, kann natürlich auch bequem mit der S-Bahn fahren, welche euch in nicht einmal zwanzig Minuten zurück nach Frankfurt bringt.

 

Dankeschön, Bad Vilbel!

Wieder einmal habe ich festgestellt, dass manchmal schon ein paar Stunden Wunder wirken. Einfach raus, einfach weg, einfach mal kurz Tapetenwechsel. Als schnell erreichbares Ausflugsziel bietet sich Bad Vilbel dafür ganz hervorragend an, zumal die Anfahrt der Nidda entlang bereits Genuss ist.

Zurück in Frankfurt, da fühl‘ ich mich bedeutend besser, kann wieder klar denken. Dafür ein dickes Dankeschön, Bad Vilbel – war echt schnieke und ich komm‘ gern wieder!

Wenn euch also mal wieder die Decke auf den Kopf fällt, euch alles zuviel wird und ihr kurz vorm Durchdrehen seid – dann schwingt euch rauf aufs Rad und folgt der Nidda!

Dass die Stadt deutlich hübscher anzuschauen ist als die „Geschlossene“ von innen – davon konnte ich euch hoffentlich überzeugen.

Ich mach‘ mich derweil mal schlau,  ob sich ein Nutria als Heimtier eignet.

Von Dünen, Fachwerk und Palästen – so schön ist’s in Frankfurts Westen!

So traurig es auch sein mag:

Unter dem „Westen der Stadt“ versteht der gemeine zugezogene und irgendwo in den ach-so-angesagten Vierteln der Innenstadt lebende Frankfurter für gewöhnlich das Westend. Allenfalls vielleicht noch Niederrad (da war man schon mal beim Arzt) oder das Gallusviertel (soll ja auch im kommen sein!), dahinter hört’s dann aber für gewöhnlich auch schon auf. 

Um all den Anfeindungen zuvorzukommen, die mich nun ereilen möchten:
Hey, ich darf das schreiben, ich bin ja schließlich selbst nicht besser.

Oder besser gesagt, ich war:

Neulich, da hab‘ ich nämlich einen Ausflug in den wilden Westends ganz fernab des innerstädtischen Epizentrums gewagt. Von der Neugierde getrieben, von Schwanheim und Höchst hatte ja auch ich schon mal gehört. Eben da, wo noch die echten Frankfurter zu Hause sind.

„Der wilde, wilde Westen – er fängt gleich hinter Hamburg an…“:

Dieses furchtbare Stück Liedgut der norddeutschen Möchtegern-Country-Kapelle „Truckstop“ war als Kind eines meiner absoluten Lieblingslieder. Heute weiß ich es besser: Der wilde, wilde Westen: Der beginnt nämlich noch nach Niederrad, um genauer zu sein: In Schwanheim.

Und genau dort beginnt ein kleiner Ausflug, von dem ich euch berichten mag.

 

Folgt mir auf meiner Reise in den „wilden Westen“ – und tut es mir nach!

Als Ausgangspunkt für unsere kleine Tour haben wir die Straßenbahnstation „Rheinlandstraße“ gewählt:

Die Straßenbahnen der Linie 12 halten dort direkt im Herzen Schwanheims. Praktischerweise gibt’s dort am Bahnhof direkt eine Call a Bike-Station, sodass sich meine reizende Begleitung mittels App schnell eine Fietse leihen konnte. Ihr wisst nicht, was ’ne „Fietse“ ist? Keine Sorge, wusste ich bis dato auch nicht – so schimpft sich wohl in den Niederlanden und in Norddeutschland ein handelsübliches Fahrrad, wie ich erfahren durfte.

Nicht einmal ein eigenes Fahrrad braucht ihr also für die Tour – klingt ziemlich gut, oder? Die Tagespauschale beträgt – je nach Tarif – entweder 9 oder 12 Euro. Allemals günstiger als jedes Leihfahrrad!
Ziemlich gut ist auch, dass die Schwanheimer Dünen von der Haltestelle „Rheinlandstraße“ schnell erreicht sind.

Ein Schild markiert den Eingang zur deutschlandweit recht einmaligen Binnendüne, die bereits 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und zahlreichen Tier- wie Pflanzenarten eine Heimat bietet, die im Lande andernorts nur selten anzutreffen sind.

Diese könnt ihr von einem Bohlenweg aus bestaunen, der angelegt wurde, um Vegetation vor den Tritten der Ausflügler zu schützen. So viel Rücksicht nehmen wir natürlich gern – und außerdem sorgt ein solcher schmaler Steg schließlich für echtes Abenteuer-Feeling!

Hierbei gilt natürlich: „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“!
In unserem Fall natürlich „Wer seine Fietse liebt…“. Wenn mich meine Begleiterin weiter so beharrlich korrigiert, übernehme ich die „Fietse“ wohl selbst noch in den Wortschatz.

Nachdem ihr den Bohlenweg passiert und dabei die wunderschöne Dünenlandschaft bestaunt, vielleicht auch ein paar wilde Tiere entdeckt habt, könnt ihr wieder artig auf die Fietse (okay, okay, sie hat’s geschafft…) klettern. Über einen Fahrradweg erreicht ihr schnell das Schwanheimer Mainufer.

Und da wartet dann gleich das nächste Highlight!

 

Alles in Butter auf’m Kutter?

Die Altstadt Höchst ist von hier aus bereits zu bewundern. Nur der Main trennt euch noch noch von ihrer Schönheit. Und wie könnte man auch stilechter auf die andere Mainseite übersetzen als mit einer Fähre?

Praktischerweise – ihr hab’s geahnt – pendelt eine solche hier in schöner Regelmäßigkeit und verbindet Schwanheimer- mit Höchster Ufer. Für ’nen schlappen Euro könnt ihr mitsamt Fietsen an Bord gehen, den seichten Wellengang des Mains und die malerische Ansicht von Höchster Schloss und Justinuskirche genießen.

Ich hatte den Mund vor Entzückung noch nicht wieder geschlossen, betätigte noch wild den Auslöser meiner Kamera, da ist das Fahrvergnügen schon vorbei. Die Fähre ankert bereits in Höchst. „Ahoi, Captain, bis bald mal wieder!“.

Nun ja, ’ne Kreuzfahrt kann man für ’nen Euro wohl auch nicht erwarten. 

 

Zuckersüßes Fachwerk

Wir schwingen uns auf die Räd… Fietsen, fahren dann mal los. Direkt an der Anlegestelle der Fähre könnt ihr an der „Alten Schiffsmeldestelle“ bei einem Käffchen oder kalten Apfelwein von der Überfahrt erholen – leider hat diese zum Zeitpunkt unseres Ausflugs noch geschlossen, sodass wir uns auf den steilen Weg zum Marktplatz machen.

Klar, dass ihr keine solchen Kulturbanausen seid wie wir, denn vorher schaut ihr euch selbstverständiglich noch die ein wenig weiter westlich gelegene Justinuskirche anschaut, gelle?

Nach kurzer Zeit erreichen wir dann auch den Marktplatz als Zentrum der quirligen Altstadt. Ein 360 Grad – Blick genügt, und ich bin verliebt. Hey, so viel zuckersüßes Fachwerk habe ich zuletzt im fernen Quedlinburg bewundert!

Die alteingesessen Höchster genießen bereits Schoppen und Mittagsmampf auf den sonnigen Plätzen vor den altehrwürdigen Gasthäusern „Altes Zollhaus“ und „Zum Schwan“.

Hier versteht man offensichtlich noch was vom „Savoir Vivre!“ 

Wir derweil erkunden lieber noch ein wenig die Seitenstraßen. Schnuckelige Fachwerkhäuser reihen sich aneinander, die Bordsteine wurden von den Anwohnern liebevoll dekoriert. So stell‘ ich mir ein kleines Dorf in Spanien vor, hab‘ längst vergessen, dass ich mich in Frankfurt am Main befinde.

 

Herrscher-Prunk am Main

Nachdem wir sicher sind, keine der kleinen Gassen versäumt zu haben, zieht es uns nun zum bereits im sechzehnten Jahrhundert errichteten Höchster Schloss. Dessen altehrwürdiger Turm überragt den gesamten Stadtteil und hat uns schon aus der Ferne neugierig gemacht.

Leider lässt sich der Bergfried nur zu den Öffnungszeiten des Schloss-Museums besteigen (von Freitag bis Sonntag), sodass wir uns mit dem Anfertigen einiger Fotos begnügen müssen.

Ein Spaziergang durch den wunderschönen Schlossgarten entschädigt dann für das verpasste Treppensteigen. Und die Aussicht auf den Main hinunter ist auch von den Befestigungsmauern wahrlich schön genug!

Die Beine sind vertreten, wir schlendern zurück zum Marktplatz, an dem wir unseren „Fietsen“ eine Pause gegönnt hatten.

Das nächste Highlight ruft schließlich bereits! 

 

Barock-Palast und zarte Engel

Es ist mir ein wenig peinlich, als ich zugebe, dass ich keine Ahnung habe, wie weit genau es noch bis zum Bolongaropalast ist. Prompt werden wir von einem netten Herrn angesprochen, der es sich auf einer Bank bequem gemacht hat. „Ai, direkt hinter euch!“.

Der gute Herr ist nicht nur äußerst aufmerksam und hilfsbereit, er erweist sich obendrein als vorzüglicher Fremdenführer, gibt uns einen kleinen Abriss über die Geschichte des barocken Palasts.

So haben sich die Gebrüder Bolongaro bereits im Jahre 1735 hier niedergelassen, um von hier aus den damals größten Tabakhandel Europas aufzubauen. Das Geschäft florierte, und ein Palast sollte dem Unternehmenserfolg Ausdruck verleihen.

Im Jahre 1774 konnte der im barocken Baustil errichtete Palast fertiggestellt werden, ein barocker Garten wurde gleich mit angelegt und beherbergt seitdem zahlreiche Skulpturen sowie einen Brunnen.

Wir bedanken uns artig für die netten Ausführungen, erkunden nun selbst den Palast. Ist dieser schon eine echte Pracht, so haben es mir vor allem die vielen Skulpturen angetan. Diese zeigen meist Engel, die mit verträumten Augen gen Palast starren.

Eine kleine Runde durch den Park ist natürlich Pflicht, ebenso wie das obligatorische Erinnerungsbild vor dem Brunnen.

Wir verabschieden uns mit einigen gehauchten „ooooh, wie schön!“ und „ooooh, wie süß“ als Ausdrücken unserer Verzückung von all dem Barock.Wir schlendern vorbei an alten Männern mit Trommeln, jungen Männern mit Bier aus dem Discounter. Auch die Höchster wissen dieses schöne Fleckchen Frankfurt also zu genießen. Schön!

Nach all den Eindrücken, da haben wir uns einen Kaffee nun redlich verdient. Wir wollen entlang der Nidda zurück gen Innenstadt radeln, uns es dort noch auf einen Kaffee gemütlich machen, den Ausflug Revue passieren lassen.

 

Lektion des Tages: Klappe zu beim Radfahren!

Doch soweit kommt es leider nicht. Ich zeige gerade auf den „Niddastrand“, will vorschlagen, schon dort zu pausieren.

Just in diesem Moment, in dem ich mein Honigmäulchen zum Reden öffne, kracht mir etwas in den Rachen. Ich huste, eine Bienenkönigin wird aus den Untiefen meiner Atemwege emporgeschleudert.

„Das gibt’s doch nicht“, denke ich mir, als sich ein Schmerz in meinem Hals auszubreiten beginnt. Da hat mich das Drecksvieh doch tatsächlich gestochen. Irgendwo tief unten drin in meinem Hals.

So viel Pech hab‘ halt auch nur ich. 

Und so – sad but true! – endete dieser schöne Ausflug für mich nicht im Caféhaus, sondern in der Notaufnahme des Marienkrankenhauses. Statt einer Stärkung gab es für mich eine endoskopische Untersuchung meines Kehlkopfes mittels Sonde (ich erspare euch an dieser Stelle weitere Details…), statt dampfender Tasse Kaffee gab’s nur eine Cortisolinfusion.

Machte irgendwie auch wach, immerhin.

 

Mein Fazit:

Wir zwei Hübschen waren uns einig: Der Frankfurter Westen ist auf jeden Fall einen Ausflug wert! Ob die schöne Dünenlandschaft in Schwandheim, die schnuckeligen Fachwerkhäuser der Altstadt Höchst oder der imposante Palast:

Vor der Kulisse des Mains ein wunderschöner Ort, der wieder einmal zeigt:

Frankfurt ist weit mehr als Beton, Skyline & Trubel auf der Zeil.
Frankfurt ist eine unglaublich vielfältige Stadt, die es in allen Facetten zu erkunden wert ist. Man muss sich nur trauen.

Also:

Traut auch ihr euch, schwingt euch auf die Räder (meinetwegen gern auch auf die „Fietsen“), und gebt dem Westen eine Chance! Ihr werdet’s nicht bereuen! 🙂 

 

Und zum Schluss: Ein Dankeschön

Abschließend möchte ich noch gerne ein fettes „Dankeschön“ loswerden.
Nicht nur dafür, dass du meinen Wortschatz um das Wort „Fietse“ bereichert hast. Nicht nur für die „Zeit“, die du dir für den Ausflug genommen hast, den Entdeckergeist, den du mit mir teilst:

Sondern auch dafür, mich sogar noch ins Krankenhaus begleitet zu haben. Sogar geduldigst im Wartezimmer verharrt zu haben, als es „noch etwas länger dauert“. Das ist nicht (!) selbstverständlich – danke dafür. Ich mach‘ das wieder gut! 😉

Und bis dahin freu‘ ich mich schon auf die nächste Tour!