Neulich im Yok-Yok.

Neulich hatte ich wieder zwei Stunden am Frankfurter Hauptbahnhof, die es irgendwie totzuschlagen galt. Da Drogeneinkauf in der B-Ebene für mich keine ädaquate Lösung darstellte und sowohl Shopping als auch Essen bloß aus Langeweile ebenfalls keine Alternative waren, hab‘ ich einfach mal beschlossen, im Yok-Yok Platz zu nehmen. Ausgerüstet mit frisch erworbener, eisgekühlter Cola und Frankfurter Rundschau.

Zwischen Kühlschränken und der Sammlung von allerlei Bierflaschen Platz genommen, studierte ich die Zeitung und hob ab und zu meinen Blick, um meine Umgebung zu studieren.

Außer mir im Kult-Kiosk anwesend: Zwei gut gekleidete Herren „mittleren Alters“. 

Man griff sich ein neues Bier aus dem Kühlschrank, unterhielt sich offensichtlich über das politische Tagesgeschehen. Flüchtlingskrise, CSU-Parteitag, Atomausstieg – das Übliche eben.

Das „Yok Yok – Phänomen“

 

Nicht lange hat’s gedauert, und ich wurde von den beiden Herren angesprochen. Ob ich denn bei der Bahn arbeite – huch, hat mich meine Uniform wohl wieder einmal verraten? 

Ich bejahe, prompt entflammt eine hitzige Diskussion über Schuld und Unschuld des Fahrdienstleiters von Bad Aibling, der just an diesem Tage zu einer Freiheitsstrafe veruteilt wurde.

Eine DIskussion über Moral und Reue,über Strafmaß und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der verhängten Freiheitsstrafe. Über der Schwierigkeit eines Urteils, über die deutsche Justiz.

Krass, hatte ich nicht eben noch befürchtet, innerhalb der nächsten beiden Stunden zu sterben vor Langeweile? 

War wohl nix mit dem vorzeitigen Ableben – es wird interessant.
Die beiden Herren, so erzählen sie mir, seien alte Frankfurter Freunde.

Vor langer Zeit gemeinsam aus dem „Omen“ gestolpert, ist der eine in Frankfurt verblieben – sein Freund nach Vancouver in Kanada ausgewandert und nun einmal wieder zu Besuch am Main.

Wir tauschen Anekdoten und Visitenkarten aus, ja verdammt, sind denn die zwei Stunden schon wieder um?

Als meine Zeit eng wird und ich mich verabschieden muss, bedanke ich mich bei den Beiden für das so interessante Gespräch, die gute Zeit, die Bekanntschaft.

„Hat uns doch genauso gefreut!“, entgegnen sie mir – das „Yok-Yok“ sei schließlich ein Schmelztigel, man gehe hier schließlich einfach mal auf ein Bier hin und kann sich sicher sein, immer interessante Gespräche zu führen.

All das in einem Kiosk im Frankfurter Bahnhofsviertel. Mit dem innenarchitektonischen Charmes eines feuchten Kellerraumes voll Sperrmüll.

Doch Recht haben sie, die beiden – ich selbste bezeichne dies als „Yok-Yok – Phänomen“.

Ein weiteres Phänomen, für das sich unserer Stadt zu lieben lohnt.