Aufgrund Sanierung: U-Bahn-Station „Dom/Römer“ wird zum Geisterbahnhof [mit Video]

Hübsch, freundlich und seiner exponierten Lage gebührend: 

All das soll er werden, der zuletzt etwas angestaubte U-Bahnhof „Dom/Römer“.
Damit die Haltestelle bis zur Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt in neuem Glanz erstrahlen kann, sind erhebliche Sanierungsmaßnahmen notwendig.

Züge fahren durch

Diese machen es erforderlich, dass noch bis zum 22. Juli 2018 keine Züge an der der ansonsten hoch frequentierten Station Halt machen können.

Hatten die Bauarbeiten schon vor der Sperrung überraschenderweise einige Plakate aus den frühen 1970er Jahren hinter den Fassaden freigelegt und Fahrgästen eine kleine Zeitreise zurück in „gute, alte Zeiten“ ermöglicht, ermöglicht die derzeitige Sperrung ein weiteres Erlebnis:

 

Kurz vor der Station bremsen die Züge auf langsame Geschwindigkeit ab und ermöglichen den Blick hinein in einen „Geisterbahnhof“. Erst am Bahnsteigende nehmen sie wieder an Fahrt auf. Der Blick aus dem Fenster eines Zuges der Linie U4 oder U5 erinnert momentan ein wenig an die verlassenen Transitbahnhöfe des geteilten Berlin.

Ein bisschen wie die „Friedstrichstraße“

Ich jedenfalls schaue immer wieder gerne aus dem Fenster – und genieße die eigentümliche und ein wenig gruselige Atmosphäre, die der „Geisterbahnhof“ ins Herz meiner Stadt zaubert:

Habt auch ihr euren Gefallen an der Durchfahrt gefunden?

Sehenswert: Hessenschau zur Eröffnung der U-Bahn 1968. Die „gute, alte Zeit?“

 

Ich schau‘ ja nur selten Fernsehen.

Wenn ich nachts um 2 vom Dienst nach Hause komme, dann klicke ich mich eben lieber durch Youtube – statt mir im Fernsehen Wiederholungen sinnbefreiter Doku-Soaps im Privatfernsehen oder Reportagen über Verschrottungen von Flugzeugträgern auf N24 anzuschauen.

Klar, auch Youtube hält jede Menge Videos fragwürdigen Mehrwerts bereit. Allerdings auch viele, die mein stadtgeschichtlich interessiertes Frankfurter Herz höher schlagen lassen!

Wie zum Beispiel auch mein jüngstes Fundstück:
Die Sonderausgabe der „Hessenschau“ zur Eröffnung der Frankfurter U-Bahn im Jahre 1968.

 

Eine Reise in die „gute, alte Zeit“

Findet ihr es nicht auch herrlich, auf alten, schwarz-weißen Filmaufnahmen ein wenig am Duft der „guten, alten Zeit“ zu schnuppern?

An mich selbst war 1968 noch lange nicht zu denken, und mit großer Sicherheit war unsere Welt auch damals nicht voll Sonnenschein. Dennoch wirkt das damalige Leben auf mich in der Retrospektive immer ein großes Stück weit entspannter. Ein wenig naiver vielleicht, ja -. aber vor allem: Lockerer.

Ein Bürger im Sonntagsanzug, der in breitestem hessisch in das überdimensionale Mikrofon eines akkurat gescheitelten Moderators spricht. Ein Hoch auf die Frisurcreme!

Dichtes Gedränge am frisch eröffneten Tiefbahnsteig. Hostessen mit Schiffchen sollen für Ordnung sorgen, auch eine von ihnen wird vom Moderator interviewt.

„Wir sollten irgendwelche Ordnung schaffen, das ist uns aber nicht gelungen“, sagt die adrette junge Frau. ganz unverblümt. „Dann haben wir Polizeischutz geholt, und anschließend wurden wir eingesetzt, um irgendwie freundliich zu sein“.

Ich möchte sie knuddeln für ihre Hilflosig- und Ehrlichkeit. Was aus ihr heute wohl geworden ist?

 

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: „Pietschmann2“, Wikipedia 

 

U-Bahn? Schon längst nur schnöder Alltag

Wie oft eilen wir heute gestresst durch die unterirdischen Wirrungen der Frankfurter U-Bahn-Stationen? Das Fahren mit der U-Bahn ist für Frankfurter im Jahre 2017 schon längst nichts weiter als Bestandteil des schnöden Alltags.

Ist es nicht umso schöner, einmal zu sehen, dass eine U- Bahn eben NICHT selbstverständlich ist? Dass es mitunter ein langer Kampf war, dass sich aus der Bevölkerung auch viel Widerstand regte?

Längst rollen weitaus modernere Züge durch die Tunnel als jene, die zur Eröffnung feierlich geschmückt wurden. Und längst denkt niemand mehr an das Spektakel, das auf dem Bahnsteig der Hauptwache vor fast 50 Jahren stattfand.

Wenn ich das nächste Mal wieder genervt vom Gedränge der Hauptwache bin, dann werde ich kurz innehalten – und mir die Szenen aus der „Hessenschau“ vor Augen halten.

Ich werde kurz innehalten und schmunzeln. Werde an den Herren im Sonntagsanzug denken, an die überforderte Hostesse unter ihrem Schiffchen.
An Frisiercreme.

Und werde vor allem eines: Einfach mal kurz dankbar sein.

 


Stöbert auch ihr so gern auf Youtube herum? Welche Perlen der Frankfurter Stadtgeschichte konnte ihr dabei schon ausgraben?
Verratet es mir gerne – ich bin schon ganz gespannt!