Die Stadt, so wie sie wirklich ist: Vernissage der Ausstellung „Frankfurt 43“

Den Einen oder Anderen von euch ist es vielleicht schon aufgefallen: 

Auf eurem Lieblings-Blog ist es in den vergangenen drei Wochen etwas ruhig geworden. Doch nicht, dass ich untätig gewesen wäre! Im Gegenteil, vielmehr war ich nämlich ziemlich eingespannt in Organisation und Ausarbeitung meiner ersten eigenen Foto-Ausstellung „Frankfurt, Schwarz & Weiß“ – zu deren Vernissage ihr selbstverständlich ganz herzlich eingeladen seid!

Das Open Urban Institute, genauer die beiden Stadtforscher Christoph Siegl und Dennis Hummel, ist mir da schon einen Schritt voraus: Am 9. Mai konnten die beiden zur großen Vernissage ihrer Ausstellung „Frankfurt 43“ laden.

Über die Aktivitäten des „OUI“ hatte ich ja bereits mehrfach berichtet, insbesondere über deren großartige Stadtspaziergänge. Zwar zeigte sich das Institut nicht immer uneingeschränkt begeistert über mein Schaffen (nein, meine Texte werden auch in Zukunft niemandem zwecks Absegnung vorgelegt), dennoch bin ich nach wie vor ein großer Fan des Kollektivs von Frankfurter Soziologen, Geographen und Stadtentdeckern.

 

Eine Jugendstilvilla als perfekter Ort

Insofern keine Frage also, dass ich der Vernissage der Ausstellung beiwohnen wollte, musste, sollte. Am Abend vor Christi Himmelfahrt war folglich die Villa Vie mein Ziel, in deren Räumlichkeiten die Frankfurter Kreative Vivien van Deventer die Ausstellung beherbergen und betreuen sollte. Schon als ich mein Leihfahrrad vor dem Anwesen parkte, war klar: Die Jugendstil-Villa sollte sich als perfekter Rahmen für die Ausstellung erweisen!

 

 

„Frankfurt 43“ ist dabei nicht in etwa eine Hommage an spanische Liköre, vielmehr steht der Titel des Projekts des Duos Siegl/Hummel stellvertretend für die 43 Stadtteile unserer Heimatstadt am Main. Vielmehr möchte die Ausstellung einen jeden der Stadtteile auf eine gern auch unspektakuläre Art und Weise porträtieren – eben so, wie Frankfurt wirklich ist, fernab von – Zitat – „Bembel, Adler, Galluswarte“.

Ein Ansinnen, welches in gewisser Art und Weise auch dieser Blog verfolgen soll. Frankfurt, das bedeutet schließlich tatsächlich weit mehr als Skyline, Börse, Zeil und Mainufer – wenn auch allzu oft erst auf den zweiten Blick!

 

Der Zufall beschert die Motive

Einen ganzen Sommer lang haben sich die beiden Künstler Zeit genommen, um einen jeden der 43 (!) Stadtteile zu besuchen – und dessen jeweiligen Charakter in einem einzigen Motiv festzuhalten. Dabei bedienten sich die Beiden an einem Gitter an Quadraten, welches sie über den Stadtplan legten. Ein Algorithmus bestimmte anschließend zufällig, wo die einzelnen Fotografien entstehen sollten. „Mal sind wir direkt stehengeblieben und konnten etwas fotografieren“, erzählt Hummel vom ungewöhnlichen Vorgehen. „Manchmal mussten wir aber auch erstmal ein Stückchen laufen, um etwas zu finden“.

So oder so: Eine jeder der entstanden Aufnahmen erweist sich als sehenswert. Noch während ich durch das Erdgeschoss der „Villa Vie“ als ersten Ausstellungsraum schlendere, bleibe ich unweigerlich an jedem Bild und dem dazugehörigen Text kleben. Christoph Siegl hat es sich nicht nehmen lassen, jedem einzelnen der Stadtteile einige Worte zu widmen. Dass er dabei auch mit Kritik nicht spart, freute mich sehr – denn auch Frankfurt ist eben nicht alles Gold, was glänzt.

Ich selbst hatte derweil vor meinem Besuch der Vernissage versucht, aus dem Stand heraus sämtliche 43 Frankfurter Stadtteile zu notieren. Doch so sehr ich meinen Geist auch bemühte – mehr als 41 wollten mir nicht in den Sinn kommen. Hatte ich als ignoranter Nordendler tatsächlich zwei schöne Fleckchen Frankfurts gar nicht auf dem Schirm? Meine Mission war jedenfalls, diesen auf die Schliche zu kommen.

Zurück zur Ausstellung:

Diesen und Jenen getroffen, vergeblich versucht, eine Cola Light zu bestellen. In Siegls Texten versunken, von den Fotografien begeistert. Auch, wenn deren Gestaltung recht schlicht erschien (HP Deskjet 590C?!), ließen sie neugierig und erstaunt aus völlig neuen Perspektiven auf unsere Stadt schauen.

 

Von geistiger Gesundheit und Ikonen

Interessante Fakten ergänzten die begleitenden Texte zu den einzelnen Bildern:Wer hätte beispielsweise geahnt, dass in Frankfurt-Griesheim kein einziger Psychotherapeut unter 10.000 Einwohnern sein heilendes Werk verrichtet – während im Westend einer gleich großen Menschenmasse gleich 46 Psychotherapeuten zu Diensten stehen? Was mochte all dies über die geistige Gesundheit – oder auch das Wohlbefinden in Proportion mit dem persönlichen Jahreseinkommen – über die Frankfurter verraten? Auch die Frage, warum „Endstationen“ im deutschen Sprachgebrauch gemeinhin eben als „Endstationen“ bezeichnet werden, obwohl sie doch gleichermaßen auch Beginn einer jeden Reise sind, brachten mich zum nachdenken.

Ein jeder Stadtteil wird mit einer „Ikone“ gekrönt, einem Ort oder Gebäude, für welches er eben gemeinhin bekannt ist. Eine stilistische Zeichnung aus der Feder Siegls ergänzt das jeweilige Expose um einen netten Hingucker.

Nachdem ich mich durch das rein architektonisch noch weitaus sehenswertere zweite Stockwerk – nunmehr in Begleitung der wunderbaren „Stadtstreberin“ Amanda Urban – gekämpft hatte (ich liebe ja Stuckdecken!), kam ich auch den beiden Stadtteilen auf die Schliche, welche mir einfach nicht in den Sinn kommen wollten Den Frankfurter Berg und Harheim. Wie töricht von mir!

Unaufgeregt & sehenswert

Als ich der „Villa Vie“ den Rücken kehre, Christoph Siegl zur Ausstellung gratuliert und mich von den üblichen Verdächtigen der „Linie 11“ verabschiedet hatte, schwor ich mir, auch Freunden noch diese wunderbare Ausstellung zu zeigen. Dazu besteht noch ganze neun Wochen lang die Gelegenheit: Erst im Juli wird „Frankfurt 43“ laut Siegl stilecht mit einer Finissage beendet.

Bis dahin solltet auch ihr unbedingt einmal einen Blick auf das Frankfurt werfen, wie es wirklich ist: Eine Summe von 43 Stadtteilen, welche unterschiedlicher kaum sein könnten. Fernab von „Skyline & Bembel“ mitunter auch ziemlich unaufgeregt. In jedem Falle aber sehenswert.

 

Last Exit Sossenheim: Auf der Suche nach den echten Frankfurtern

„Und, woher kommst du ursprünglich?“

Es dauert meist nicht lange, bis im Gespräch mit neuen Bekanntschaften fast unweigerlich diese Frage gestellt wird. Dass man woanders aufgewachsen ist, nur aufgrund unglücklicher Umstände (meist war’s der Beruf, seltener die Liebe), gilt unter der innerstädtischen Frankfurter Bevölkerung als fast selbstverständlich.

Im Nordend oder Bornheim einen waschechten Frankfurter kennen zu lernen, das ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein Mittwochmorgen ohne Blechlawine auf der Friedberger Landstraße –  oder eine bezahlbare Zweizimmerwohnung an der Berger Straße zu finden.

Wie schade eigentlich! Und hey, irgendwo müssen sie sich doch verstecken, die Frankfurter Originale. Schon seit langem habe ich die Theorie entwickelt, dass sie irgendwo da draußen in den Stadtteilen weitab der ach so „hippen“ Innenstadt zu finden sind.

Und, ganz ehrlich: Wer von euch war schon mal in Zeilsheim, Schwanheim, Nieder-Eschbach, Hausen? Oder gar in Sossenheim?

Man weiß um diese Stadtteile, nimmt sie wohlwollend als Bestandteil von Frankfurt zur Kenntnis. Stört sich nicht weiter an ihnen, liest ihre Namen oft als Endhaltestellen auf den Zielanzeigen diverser S-Bahn- oder Buslinien. Und gerüchteweise kann man sogar leben dort. Nur wirklich einmal mal dort gewesen: Das sind die wenigsten von uns Zugezogenen. Doch genau da, so vermutete ich, da tummeln sich all die echten Frankfurter. Ganz unter sich, in Ruhe, verschont von jeglichem Pseudo-Schick, Szene-Gehabe und Mietpreis-Wucher.

Das wollte ich ändern. Wollte das „andere Frankfurt“ erkunden, sie endlich finden, die wahren Frankfurter. Wollte Rucksack und Freund Michael packen, mich einfach mal auf den Weg machen und treiben lassen.

 

Wieso also nicht mal nach Sossenheim?

Sossenheim also. Bekannt war mir der Stadtteil bislang vor von der Frankfurter Band „Die Quietschboys“, die ihrem Heimat-Stadtteil eine gleichnamige Hymne widmeten: „Sossenheim – hier leb‘ ich gern, da kauf ich ein!“

Weit weniger lebensfroh dagegen muten die bissigen Karikaturen an, die der Künstler Chlodwig Poth unter dem Namen „Last Exit Sossenheim“ veröffentlichte.

Gibt man „Sossenheim“ bei Google ein, ahnt man schnell, woher der zweifelhafte Ruf des Stadtteils kommt. Wohntürme, mit teuren Autos und Goldkette posenden Gangster-Rapper. ProSieben nutzte Sossenheim einst als Schauplatz einer Reportage über das „Frankfurter Ghetto“.

Gewalt, Drogenhandel, Straßengangs also – muss ich nun Angst um körperliche Unversehrtheit und Wertsachen haben? Meine Neugierde jedenfalls, die ist geweckt. Und selbst wenn: Auch das ist eben Frankfurt. Und auch diese – vielleicht düstere Seite – der Stadt, die möchte ich kennen lernen. Immerhin nennen über 16.000 Frankfurter den Stadtteil ihr Zuhause.

 

Eine Busfahrt, die ist lustig…

Es ist Ostermontag und ziemlich kalt, als ich mich mit meinem Freund Micha an der Konsti treffe. Während ich mich in den Gefilden der zentralen Staddteile äußerst zielsicher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewege, erfordert die Fahrt nach Sossenheim dann doch einen kurzen Blick in die Verbindungsauskunft. Erstmal mit der S-Bahn nach Rödelheim. Jawollja, auch das habe ich schon mal gehört, klingt machbar. Vor Ort wird’s dann ein wenig komplizierter: Einen Bus der Linie 55 gilt es zu finden.

So so, es gibt also noch Busse fernab der Linien 30, 32 und 36: gut zu wissen! Endlich bekomm‘ ich hier mal was geboten für das viele Geld, das ich Monat für Monat für mein RMV-Ticket bleche. 

Wir fahren nochmals zwanzig Minuten durch bislang unbekannte Gefilde der Stadt. Kaum zu glauben: Wir befinden uns in unserer Heimatstadt, dennoch erscheint jede Straßenecke hinter der Fensterscheibe wie eine gänzlich neue Welt. „Nächster Halt: Sossenheim Kirchberg“, so ertönt die wohl vertraute VGF-Computerstimme. Wir sind dann wohl da. Da,wo die Frankfurter wohnen, da, wo Frankfurt noch Frankfurt sein muss.

 

Fachwerk! Kirchen! Dorfidylle!

Der Kirchberg, so analysieren wir messerscharf, heißt Kirchberg, weil auf ihm neben einer – leider geschlossenen – Stadtbibliothek eine Kirche thront. Und die ist schmuck anzuschauen, mindestens genauso wie die schnuckeligen Fachwerk-Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Keine Filialen einschlägiger  Aufback-Ketten weit und breit, stattdessen Bäckereien. Wir sind entzückt. Hübsch haben sie es hier, die echten Frankfurter! Nur, von denen, da ist leider noch niemand zu sehen. Wir schlendern ein wenig durch die Straßenzüge, entdecken hier und da Menschen ihre Autos putzen oder Wäsche auf den Balkonen der Zweifamilienhäuser aufhängen.

Alles in allem: Ein schöner, dörflicher, gutbürgerlicher Eindruck, der sich uns hier präsentiert. Und das hier soll sozialer Brennpunkt sein? Können wir kaum glauben. Kaum zu glauben auch, dass wir uns immer noch in Frankfurt befinden. Wie unterschiedlich diese Stadt doch immer wieder sein kann! 

 

Am Sulzbach, wo der Reiher reihert

Micha und ich, wir streunen weiter vollkommen planlos durch Sossenheim. Einen echten Ortskern, den entdecken wir nicht. Dafür aber einige Gasthäuser, und ja, sogar Fremdenzimmer werden hier auf Schildern offeriert! Warum nicht mal übers Wochenende nach Sossenheim?

Wir erreichen einen Spielplatz, ja, hier soll es wohl auch den Kleinen gut gehen. Hinter dem Spielplatz wird es überraschend grün, es muss der Sulzbach sein, der sich hier am Wegesrand durch die Wiesen schlängelt. Wir beschließen, dem Weg zu folgen, genießen die Natur. Auch einem Reiher scheint es hier zu gefallen, er stolziert durch den Bach, schaut einer Entenfamilie beim Schwimmen zu. Er nimmt reißaus, als zwei Hunde angetobt werden.

 

Auch wir schauen uns besser mal um, und tatsächlich: Die beiden Hunde gehören zu zwei Frauen, die ihre Vierbeiner mittels Ballwurf bespaßen.

Das müssen sie sein, die echte Frankfurter! 

Ich packe die Gelegenheit beim Schopf, frage, ob die beiden Hunde-Besitzerinnen denn in Sossenheim lebten. Als sie bejahen, könnte ich jubeln: Wir haben sie endlich gefunden, die Alteingesessenen! Ich frage, wie es sich so lebe, hier im Sossenheim. Man sei zufrieden, erzählen die beiden – es sei schön hier, nicht weit ins Grüne, ruhig. Ich komme auf die Gerüchte über einen sozialen Brennpunkt zu sprechen. „Nun ja“, bekomme ich zu höre, „bei den Hochhäusern ist’s sicherlich nicht ganz so schön. Aber davon bekommen wir nichts mit“.

Ich muss dann einfach doch sicherheitshalber noch danach fragen, ob die beiden denn schon immer hier leben. Und prompt folgt die Ernüchterung:

„Nein, wir sind hier auch nur Zugezogen!“. Ich lasse die Schultern hängen, wünsche den beiden einen schönen Tag. Verdammt noch mal, wo sind sie nur zu finden, die Originale?

 

Ein Café wie aus Omas Zeiten

Wir sind schon eine Weile unterwegs, die Beine schreien nach einer Pause. Wir laufen zurück gen Kirchberg, halten Ausschau nach Einkehr. Und schnell, da werden wir fündig:

„Café Kitzel“ lesen wir an einem Häuschen an der Hauptstraße, jetzt ein Kaffee wäre fein. Wir treten ein – und fühlen uns um mindestens 4 Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückversetzt.

Die Wände voller Bilder, eine Standuhr, klassische Kaffeehausmöbel. Verschiedenste Kuchenstücke in der Auslage, genau so muss es ausgehen haben, als Oma noch ein junges Ding war. Das Café Kitzel ist gut besucht, wir nehmen Platz neben einem Herren nebst Begleitung.

Wie schön und gemütlich hier. Auch ohne Blick in die Karte bin ich mir ganz sicher, dass man hier vermutlich nicht einmal weiß, wie „Latte Machhiato“ überhaupt geschrieben wird. Auch nach Sojamilch brauche ich vermutlich gar nicht erst zu fragen. Gut so!

Ich bestelle also ein Kännchen grundsoliden Filterkaffee, Micha tut es mir gleich und nimmt noch ein Stück des duftenden Apfelstreusel mit dazu.

Hier lässt es sich gut Seelebaumeln:
Rentnerpaare statt bunte Sneaker, Goldrand-Tassen statt Milchschaum. Früher, da war eben doch nicht alles schlechter. 

Ich entschuldige die Störung, frage den netten Herren neben uns, ob er denn öfters hier sei. „Leider viel zu selten“, sagt er. Aber er sei in Sossenheim geboren und schon immer gern hierher gegangen.

Ich könnte jubeln. Wir haben ein Original gefunden, einen waschechten Frankfurter entdeckt. In Sossenheim, inmitten eines herrlich antiken Cafés. Wusste ich’s doch gleich! Mission completed, ich bin glücklich. Der Kaffee tut sein Übriges.

Wir bleiben, bis das Café schließt. Fragen auch die liebe Dame von Bedienung, ob sie denn von hier sei. Na klar, noch ein Volltreffer. Wir bezahlen, kommen ins Gespräch, geben uns als Touristen aus der Innenstadt zu erkennen.

„Wie schön, dass ihr euch hier wohlfühlt“, sagt sie. Es gebe ja sonst kaum noch Cafés, die Tag für Tag frisch ihre Torten und Kuchen backen. Und der Preis, der spreche doch auch für sich. Einen Besuch im Café Kitzel, den solle sich schließlich jeder leisten können. Wie recht sie doch hat, die nette Frau.

Wir wünschen einen schönen Feierabend, ziehen weiter.

 

Von kleinen, gelben und von hohen, grauen Häusern

Unsere Zeitreise scheint noch nicht zu Ende zu sein. An einer Straßenkreuzung stoßen wir erneut auf ein Relikt aus vergangenen Zeiten: Frankfurts vermutlich letzter Münzfernsprecher in einem gelben Telefonhäuschen. Wann hab‘ ich das zuletzt gesehen?

 

Auch Micha ist begeistert, kramt ein paar Münzen hervor. Noch einmal aus einem gelben Telefonhäuschen die Eltern anrufen, das will er sich nicht nehmen lassen.

Etwas später, der Himmel zieht langsam zu, ist’s dann aber schnell vorbei mit Retro-Charme und Dorfidylle: Es gibt sie nämlich doch, die hässlichen Wohnhochhäuser, die in ihrer grauen Gesamtheit eine bedrohliche Kulisse bilden.

Einen kleinen Streifzug durch die als „sozialer Brennpunkt“ verschrienen Straßenzüge lassen wir uns dennoch nicht nehmen. Kinder spielen auf einem Fußballplatz, ein paar Jugendliche lungern vor den Häusern herum. Nein, hier möchte ich nicht leben. Es muss traurig sein, hier jeden Morgen aufzuwachen und allabendlich wieder zurückzukehren in diese hohen Säulen aus Waschbeton. Wie glücklich ich mich doch über meine Dreizimmerwohnung im Nordend schätzen darf.

Es beginnt zu regnen, wir retten uns in den Bus zurück gen Innenstadt. Sagen Sossenheim auf Wiedersehen, vielleicht schauen wir ja mal wieder vorbei.

 

Auch das ist eben Frankfurt

Wieder einmal hat mich diese Stadt mit ihrer Vielseitigkeit überrascht. Es tut gut, die eigene innerstädtische Komfort-Zone zu verlassen und anzuschauen, wie und wo andere Frankfurter so leben.

Vermutlich lebt ein Großteil der alteingesessenen Frankfurter tatsächlich in den umliegenden Stadtteilen, die ich selbst bislang viel zu selten besucht habe. Vielleicht, weil sie schon immer dort leben. Vielleicht aber auch, weil sie sich die Mietpreise der innerstädtischen Viertel nicht mehr leisten können.

So oder so, ich finde es ein wenig schade. Ein paar mehr Alteingesessene wären ganz sicher eine Bereicherung für das zentrale Frankfurt, sie hätten sicher viel zu erzählen.

Über Frankfurt, wie es früher einmal war. Früher, als man Anrufe noch aus gelben Häuschen getätigt und ein Kännchen Filterkaffee statt Latte Macchiato bestellt hat. Auch die ärmeren Frankfurter hätten sicher spannende Lebensgeschichten zu erzählen – wie schade, dass sie „irgendwo da draußen“ in den hässlichen, hohen Wohntürmen weitgehend unter sich sein dürften. Frankfurt, das ist jedenfalls weit mehr als Sachsenhausen, Nordend, Bornheim und all denjenigen Vierteln, die bei Zugezogenen ganz hoch im Kurs sind. 

Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, meinen ganz persönlichen Horizont in Zukunft noch viel öfter in Richtung der weniger populären Stadtteile zu erweitern. Wer weiß schon, welch Überraschungen Ginnheim, Heddernheim & Co für mich parat haben ?
Bleibt neugierig, Freunde.