Texte, Trinkhallen & Treten: Mit der „LiterRadTour“ unterwegs

Leidenschaften zu haben ist gut. Leidenschaften miteinander zu verbinden ist besser! Insofern bin ich fast ein wenig verärgert darüber, dass mir eine wahrlich grandiose Idee vorweggenommen wurde….

Aufmerksame Mainrausch-Leser wissen natürlich längst um meine Vorliebe für Fahrradtouren, Literatur und Wasserhäuschen. Was also sollte schon näher liegen, als diese wesentlichen Aspekte meines bescheidenen Daseins zu kombinieren? Eben. 

Ärgerlicherweise – ich habe es erwähnt – kamen mir einige helle Köpfe der Jugendmigrationsdienste im Quartier Gallus kurzerhand zuvor, in dem sie in Zusammenarbeit mit dem Stadtbiotop Offenbach sowie die astreinen Jungs des Wasserhäuschen-Fanclubs Linie 11 eine – Achtung, Wortspiel! – LiteRadTour ersannen.

Texte treffen aufs Trinken, Rhetorik trifft aufs Radfahren, so das Motto der Veranstaltungsreihe für das breite Volk. Nach drei Versuchen, welche vollends an mir vorüberzogen, gelang es den Initiatoren beim vierten Anlauf, mich auf die nächste bevorstehende Radtour mit Zwischenstationen in Form von poetischen Darbietungen aufmerksam zu machen. Die Künstler des Tages: Jan Cönig und Raban Lebemann vom gleichnamigen Duo, außerdem der mir bis dato unbekannte Gax Axl Gundlach. Außerdem, als Krönung des Ganzen: Jey Jey Glünderling, mit Preisen quasi überschütteter Meister des Poetry Slam. Seine Texte hab‘ ich schon immer sehr gefeiert (sagt man heute so!), kurzum: Ich war vom Rahmenprogramm vollends überzeugt.Ein heißer Sonntag im August 2018 soll zum Tage des Spektakels werden. Und dieses Mal -endlich-endlich!- bin auch ich mit von der Partie. Als Otto-Stinknormal-Teilnehmer, wie schön, auf der Bühne habe ich selbst schließlich erst am vergangenen Sonntag gestanden. Einfach mal berieseln lassen: Nice! 

Ziemlich nice auch, dass ich ich eine bezaubernde Begleitung gefunden habe, die sich mit mir auf zwei Rädern auf den Weg mitten hinein ins Herz Frankfurts verzogener, kleiner Schwester macht: Offenbach. Offenbach, das meint man gar nicht, ist -rein räumlich betrachtet- tatsächlich an manchen Stellen lediglich eine nahtlose Fortsetzung des Frankfurter Stadtgebietes. Wir sind schnell da, just-in-time, ja, auch Offenbacher Straßenzüge haben ihre Tücken.

Erster Akt: Ein Marktplatz ohne Markt

Kaum haben wir den Treffpunkt erreicht und unsere Zweiräder verschlossen (in Offenbach weiß man ja nie!), müssen wir uns arg wundern. Einen „Marktplatz“, den hätten wir uns, nun ja, anders vorgestellt: Keine Spur von Marktbuden und freundlich dreinblickenden Damen in grünen Kittelschürzen, welche mit einem herzlichen Lächeln im Gesicht den Bund Möhren überrascht.

Auch von eher halbseidenen Geschäften keine Spur, keine bösen Gesichter hinter Sonnenbrillen, keine Plastiktütchen. Verdammt, wird an Offenbacher Marktplätzen überhaupt irgendwas gehandelt? Stattdessen: Betongraue Tristesse, eine KFC-Filiale, und eben: Die Literaten, umringt von ihrer etwa dreißigköpfigen Zuhörerschaft. Und eben uns.

„Schön, dass ihr da seid!“, oha, es geht los. Eine junge Vertreterin des Offenbacher Stadtbiotops begrüßt die Angereisten, ja, man habe sich bewusst für diesen Ort entschieden. Das durchaus unterstützenswerte Ansinnen der Initiative sei es schließlich ausdrücklich, auch trostlose Orte wie diesen hier zu bespielen, mit Leben zu füllen. Und dann geht’s auch schon los!

Jan Cönig spricht zuerst ins Mikrofon, seine durch einen tragbaren Verstärker potenzierte Stimme lockt erste Schaulustige an. Es folgt ein Text seines Partners Lebemann, er referiert über die Ernährungsgewohnheiten der Generation Instagram. „Gax“ Axel Gundlach gelingt es anschließend, eine Spur Tiefsinn auf dem grauen Pflaster zu versprühen. Bühne frei für Jey Jey Glünderling, ja, selbst an diesem unwirtlichen Ort weiß er sich als Kunstfigur zu inszenieren. „Wie nennt man man ein kiffendes Känguruh?“, versucht er sich zunächst an einem kleinen Kalauer und lässt die Antwort nicht lange auf sich warten: „Grashüpfer!“ Erwartungsgemäß, so soll es bei Kalauern schließlich sein, lacht niemand. Mir entweicht dennoch ein kurzes Kichern, „hat ein bisschen gedauert, was?“, fragt der Poet in meine Richtung. In gewohnter Manier – folglich ziemlich laut, wofür hat der Kerl eigentlich ein Mikrofon?, knüpft er seinen eigentlichen Text an. Nun lachen alle, der Kerl versteht sein Handwerk.

Ein zu uns gestoßener Passant weiß nicht nur jedes Offenbach-Klischee zu erfüllen, sondern scheint dagegen eher weniger von Sinn und Zweck der Veranstaltung zu verstehen. „Poetry? Ey, hab‘ ich nie was von gehört, nee, nich‘ so meins, Bruder!“ Wer schon hätte das gedacht. Zeit für einen Ortswechsel. Ein Becher Kaffee für den Weg, nächster Halt: Dreieichpark. An den Ort, an dem sich Welse ihrer Artgenossen entledigen und Sommerlöcher füllen. Wir sind gespannt und treten in die Pedale.

Zweiter Akt: Barocke Tempel treffen  Freestyle-Skills

Ein knapper Kilometer später, der Kaffee blubbert in meinem Magen. Wir haben den Dreieichpark erreicht, ein Sommertag in Offenbach, Kinder toben und schreien, wir suchen Schutz unter dem Dach des barocken Pavillons. Dieser ist -ganz klar, Offenbach!- natürlich videoüberwacht, vielleicht finden ja hier diejenigen Geschäfte Stadt, welche man auf dem Marktplatz verortet hätte. Wir versammeln uns im Halbkreis um die Literaten, erste Bier- und Wodkaflaschen werden umhergereicht. Scheint in literarischen Freundeskreisen üblich, da kann ich mich als Autor nicht einmal ausklammern. Bleibe aber, so beschließe ich, vorerst dennoch bei ’ner kalten Cola Light.

In bekannter Reihenfolge gibt’s was auf die Ohren und zum Denken, zuletzt betritt Glünderling die Bühne, welche keine ist. Er verliest seinen Text über einen recht unbeliebten Schüler, schnell erkenne ich ihn wieder – ist dieser doch bereits in Jey Jeys Erstlingswerk veröffentlicht. Der Text beginnt recht harmlos, entwickelt sich aber nach recht radikalem Umbruch zu einer wahnwitzigen Werbung für Scientology. Nicht, dass der Autor das ernst meinen würde, doch versteht er es eben auch auf improvisierten Bühnen, so richtig auszurasten: „Werde Teil von Scientology!“, am Ende spricht er nicht, er schreit. So laut, dass auch ein -abermals jegliche Klischees erfüllender- Parkbesucher sich erschreckt umdreht. Etwas verstört mustert er unsere Versammlung und beginnt zu schimpfen. „Entspann‘ dich mal, und komm‘ auch du zu Scientology!“, ruft Glünderling ihm zu. Die Zuhörer lachen, der Offenbacher nicht. Er zieht von dannen.

Bevor wir allerdings von dannen ziehen, gibt’s allerdings noch ein wenig Freestyle-Rap der Künstler. Ich kenn‘ das schon als Einlage von „Wir müssen reden, Frankfurt!“, auch dieses Mal bin ich angetan vom Improvastionstalent der Jungs. Auf vom Publikum ein- beziehungsweise nicht eingeworfene Stichwörter (na gut, nehmen wir halt ‚Stille‘!“) mal eben einen Sprechgesang zu fabrizieren- Chapeaux!

Rucksäcke werden gepackt und Fahrräder bestiegen, denn: Wir ziehen weiter. Zurück nach Frankfurt, home sweet home, nächster Halt: Gallusviertel. Noch ehe wir die Oberräder Wiesen erreichen, hat sich die vormals dreißigköpfige Gruppe verloren, was soll’s, sind ja alle groß. Am Mainufer versuchen wir geflissentlich, Passanten einen tödlichen Ausgang ihres Sonntagsspazierganges zu ersparen, passieren das Heizkraftwerk West, und erreichen: Irgendwann doch unsere nächste Station: Die Trinkhalle Kölner Straße, „hart-klassisch“ gemäß der amtlichen Trinkhallen-Definition meiner Freunde der Linie 11.

Dritter Akt: Von Verlorenen und Kirschlikör

Irgendwann erreichen wir dann doch noch die berüchtigte Trinkhalle. Auch hier die Drahtesel besser mal angekettet. Gundlach ist schon vor uns im Gallus angekommen, zählt aber nicht, statt mittels Velo war er mit Motorroller unterwegs. „Reifen war platt!“, entschuldigt er sich. Wir freuen uns über die Vollzähligkeit der Künstler. Eine Vollzähligkeit, wie man sie von den Zuhörern nicht behaupten kann: Die einst dreißig Teilnehmer haben sich kurzerhand halbiert. Was ihnen innerhalb der letzten Dreiviertelstunde zugestoßen sein mag? Darüber lässt es sich nur mutmaßen.

Doch zuerst gilt es sich zu erfrischen, meine adrette Begleitung und ich mustern die Auslage der Trinkhalle. „Höhö“, sag‘ ich, „schau‘ mal da: Kirschlikör!“. Kurz liebäugeln wir mit Eierlikör, entscheiden uns dann dennoch zum Kauf. Tarnung ist alles, das weiß man auch im Gallus – es gilt nun galant, den Inhalt der kleinen Likörflasche in einer unverdächtig wirkenden Cola-Flasche zu versenken.Nicht namentlich zu nennende Teilnehmer und Künstler geben sich da weitaus unverschämter: Nicht mal sechs Uhr abends, abermals machen Bier-, Club-Mate- und Wodkaflaschen die Runde. Cheers, Gallus – und: Bühne frei!

Cönig berichtet von seinen fingierten Erlebnissen als Treppenlift-Fahrer und Kindergeburtstags-Clown. Glünderling kotzt sich aus über die geschlechtsspezifischen Benachteiligungen der Herrenwelt im Hochsommer, zwischen den Zeilen plädiert er aber für ein frei von Hochglanz-Magazinen geprägtes Schönheitsideal. I like!

Gundlach startet was dadaistisches, was genau, vergesse ich schnell. Dadaismus war noch nie so Meines, dafür aber Trinkhallen – respektive die bunte Vielfalt der Frankfurter Wasserhäuschen-Szene.

„Ey, lest hier mal bloß nix vor!“, ein Kerl im Unterhemd ist offensichtlich kein Freund der lokalen Literatur. Was soll’s, ich nippe an meiner mit Kirschlikör aufgemotzten Cola. Schmeckt gar nicht mal so übel – dass es immer noch erst früher Abend ist, ignoriere ich dabei geflissentlich. Am Sonntag ist das legitim, lasse ich mich von der jungen Frau zu meiner Rechten belehren.

Nur schweren Herzens lösen wir uns aus unseren Trinkhallen-Stühlen, einmal noch aufs Rad, die Endstation für heute ist nicht weit: Die Quäkerwiese, grünes Einod des einstigen Arbeiterviertels.

Vierter Akt: Speed-Dating und schwarze Löcher

Nur einen Katzensprung später, die Räder sind verschlossen, eine Mauer bietet eine Sitzgelegenheit, die wir dankbar annehmen. Schnell haben sich die Autoren eine letzte Bühne für den heutigen Tag herbei-improvisiert. Sind tatsächlich schon vier Stunden vergangen?

Wir wechseln von Kirschcola zum Käffchen und sind noch mal ganz Ohr. Gundlach kündigt einen guten Rat fürs Leben an, beginnt seinen Text aber zunächst mit einem interstellaren Ausflug. Supernova, rote Riesen, Universum weg, Sonne weg, alles weg, schnell gleite ich in Gedanken ab und kann nicht mehr wirklich folgen. Hätte wohl doch Raketenwissenschaftler werden sollen.

Doch, a propos schwarzes Loch: Sind darin etwa die zwei Drittel der einst dreißig Literaturfreunde entschwunden? Wir haben uns deutlich dezimiert, was soll’s, wir hören weiter zu. Gundlach nähert sich der Pointe, dem Rat fürs Leben, der da lauten soll: „Lebt so, dass euer letzter Gedanke sein wird: Scheiße, war das Leben geil!“. Wie recht er doch damit hat.

Lebemann greift zum Mikrofon, lässt sein letztes, fiktives Speed-Dating mit uns Revue passieren. Ganz witzig, wirklich, am Ende wird ein für alle Male klargestellt: Ja, die „Achtzehn“ fährt auch in die Innenstadt.

Welch ein starker Sonntag!

Und wir? Sagen tschüß und fahren statt in die Innenstadt ins schöne Bornheim. Da gibt’s nämlich Lavendel-Minze-Apfelwein und obendrein eine tolle Aussicht hinab vom Hof des Bornheimer Ratskellers (no advertising!).

Wir stoßen an, noch immer ist es hell. Doch schließlich ist es Sonntag. 
Und wir beide sind uns einig: Ein ziemlich starker Sonntag. Auf baldiges Wiedersehen bei der nächsten „LiteRadTour“! 

 

Ein Wort zum Sonntag – und was das mit Sachsenhausen zu tun hat….

Ich hasse Sonntage.

Ja, das muss ich an dieser Stelle so deutlich sagen, da gibt es nichts zu beschönigen, auch wenn ihr Leser mir nun vermutlich einen kollektiven Vogel zeigen werdet.

Schließlich gilt der siebte Wochentag gemeinhin als der gemütlichste, endlich ausschlafen, anschließend das Bett mit den kalten Pommes der Samstagnacht vollkrümeln, dabei binge-watchen bei Netzflix. Was soll man auch draußen?

 

Wegnicken vorm TATORT

Draußen, da verpasst man eh nichts, eine Stadt schläft ihren Rausch aus. Gespenstische Leere sogar auf der Zeil, nein, da bleibt man lieber gleich im Bett liegen und wechselt erst am frühen Abend aufs Sofa, nochmal Tinder checken, anschließend beim TATORT wegnicken. Aber ist ja sowieso schon wieder Schlafenszeit, schließlich gilt es, am Montagmorgen einigermaßen arbeitstauglich im Büro aufzuschlagen.

Für mich dagegen ist der Sonntag meist ein regulärer Dienst-Tag, sodass ich den Sonntag als solchen meist nur daran erkenne, dass mein Briefkasten keine Frankfurter Rundschau beinhaltet und ich stattdessen die BILD am Sonntag lese.

Wenn ich aber – und das kommt selten vor! – dann doch einmal frei habe am heiligen Tage, dann verfluche ich die geschlossenen Geschäfte, die Freunde, mit denen katerbedingt nichts anzufangen ist, die bleierne Schwere, die sich über das Gemüt meiner Stadt gestülpt zu haben scheint. Auch nervt das ewige Warten auf U- oder S-Bahn, schließlich gilt der Sonntagsfahrplan des RMV. Die Busse mancher Linie bleiben gleich ganz im Depot stehen, ist ja eh niemand unterwegs. Irgendwann dann musste ich meine seltenen freien Sonntage zu Großstadtflucht-Tag erklären, an denen ich Wandern gehe oder Radtouren unternehme. Hauptsache raus aus meiner Stadt, die im Koma zu liegen scheint. Anschließend dann schlage ich drei Kreuze, sobald endlich wieder Montag ist, der gewohnte Trubel wieder eingesetzt hat – und komme mir dabei zuweilen recht eigenartig vor, schließlich gilt der Montag schlichtweg als derjenige der Wochentage, an dem sich Otto Normalarbeiter gern sprichwörtlich übergeben möchte.

 

Shisha-Bars und Auf-die-Fresse

Außerdem verfolge ich recht strebsam die lokale Berichterstattung. Beinahe wöchentlich muss ich dabei lesen, dass sich in Sachsenhausen (und insbesondere in Alt-Sachsenhausen) wieder einmal böse Sachen zugetragen haben. Genauso häufig aber ebenso, dass eine Bürgerinitiative dem Treiben im in gewissen Kreises schlicht als „Alt-Sax“ bezeichnete Viertel ein Ende setzen und einen Beitrag zu dessen längst überfälliger Aufwertung leisten mag.

Und tatsächlich ist es so, dass man als Frankfurter herzlich wenig Gründe dazu hat, einen Abend in Alt-Sachsenhausen zu verbringen. Es sei denn, man empfindet zufällig eine große Leidenschaft für orientalische Wasserpfeifen, Wodka-Energy für Einsfuffzich oder schlechte Musik in einem Abklatsch einer bajuwarischen Schankwirtschaft.

Klar, es gibt sie, kleine Enklaven wie die großartige Klapper 33, das wirklich stilvolle Old Fashioned oder die zwar etwas elitär anmutende, dafür umso bemerkenswertere Bar BoneChina. Dennoch sollte man einen Besuch Alt-Sachsenhausens tatsächlich tunlichst vermeiden, insbesondere Freitag- und Samstagabends.

Dies wurde mir einmal wieder schlagartig bewusst, als ich neulich freitags auf einen Feierabend-Schoppen in der „Klapper“ verabredet war. Kaum hatte ich am Paradiesplatz geparkt und war aus dem Auto gestiegen, fragte mich ein Kerl mit der Statur eines Wandschranks, ob ich Probleme habe, während er eine Flasche „Russian Standard“-Wodka im Mülleimer versenkte. Dieser Umstand bewies zwar Bewusstsein für eine reinliche Umwelt, dass hinter seiner Ansprache jedoch selbstlose Hilfsbereitschaft steckte, wagte ich zu bezweifeln.

Strammen Schrittes marschierte ich also davon, wurde jedoch bald beinahe von einer Horde Polizisten umgerannt, die sich auf eine Gruppe Halbstarker stürzten, die ihre Fäuste hatten fliegen lassen. Nebenan erbrach sich ein Mädchen auf das Kopfsteinpflaster, das ansonsten weniger von Einheimischen als von halbstarken Bauernkindern aus dem Umland und den vielzitierten Junggesellenabschieden aus der Eifel bevölkert war, die es wohl „in der großen Stadt mal so richtig krachen lassen wollten“.

Rühmliche Ausnahme:
Gin Tonic-speiender Elefant in der Bar „Blue China“ 

Nach einem einzigen Sauergespritzten trat ich dann auch wieder meinen Heimweg an, ich fühlte mich nicht wohl und gestresst. Ich wich zerbrochenen Flaschen auf den Straßen aus, starte beim Warten auf den Nachtbus hinüber zum „Dönerstrich“, an dem wahlweise gekübelt oder sich wankend ein Döner ins Gesicht geschmiert wurde – und vermisste die Gemütlichkeit, die dieses Viertel tatsächlich manchmal ausstrahlt. Nämlich unter der Woche. Und dachte daran, dass mir ausgerechnet Samstagabend neulich erst den verhasstesten aller meiner Tage gerettet hatte – den heiligen, verfluchten Sonntag…

 

Von einer Sonntagnacht in – ausgerechnet! – Sachsenhausen

Der Fairness halber muss an dieser Stelle erwähnt hat, dass Frankfurt-Sachsenhausen tatsächlich mehr zu bieten hat außer Absturzkneipen und Auf-die-Fresse. So zum Beispiel die beiden traditionsreichen Apfelweinwirtschaften „Zum gemalten Haus“ und „Apfelwein Wagner“, welche direkt nebeneinander liegen und nicht ausschließlich von Touristen aus Fernost besucht werden, die sich – unfreiwillig komisch wirkend – am Verzehr von Eisbein mit Kraut und Apfelwein versuchen. Auch zahlreiche Frankfurter Originale scheinen hier unverändert seit mehreren Jahrzehnten vor ihrem Schoppen zu sitzen – nur ich, ich war bislang nie dort gewesen. Es war an der Zeit, das zu ändern. Und es war Sonntag.

Gegen 21.30 beendete ich meinen Dienst, war daraufhin mit einer meiner liebsten Frankfurter Bekanntschaften im „gemalten Haus“ verabredet.Ich war zu früh oder sie zu spät, so genau lässt sich das nicht sagen, jedenfalls wurde ich vom Kellner in bester Frankfurter Manier wortlos auf einen freien Platz gedrückt und bekam ohne weiteren Wortwechsel einen Schoppen vorgesetzt.

So also ließ ich meinen Blick streifen, bewunderte all die wunderschönen Wandgemälde, beobachte grinsend einer fernöstlichen Touristenhorde beim Schlachtplattenverzehr.

 

Groß war meine Freude, als ich auch meine liebe Bekannte erblickte, gemeinsam trinken, rauchen und plauschen, mir fehlte es an nichts. Doch schnell ereilte er mich wieder der Sonntag, der Kellner verkündete wortkarg, nun die letzte Bestellung aufzunehmen, es sei ja schließlich Sonntag, da wolle man früh schließen. Ich verfluchte einmal wieder diesen furchtbarsten aller Wochentage, meine liebe Bekannte jedoch zeigte sich zuversichtlich, noch einen Drink in der Nähe einnehmen zu können. Dass dabei sie morgen arbeiten musste, während ich fein ausschlafen konnte, schien ihr dabei egal.

Ich blieb skeptisch, denn erstens war dies ein Sonntag, zweitens war dies hier Sachsenhausen. Doch ehe ich mich versah, nahmen wir nach kurzem Fußweg Platz in der Hopper’s Bar, aufs freundlichste begrüßt von der flinken Bar-Tenderin. Und das keinesfalls alleine, auch in den einzelnen Ecken und Winkeln hatten sich Frankfurter niedergelassen, die in der Nacht von Sonntag auf Montag offensichtlich ebenfalls nichts besseres zu tun hatten. Kaum zu glauben, wie behaglich ich mich ausgerechnet in Sachsenhausen fühlen konnte! Dezente Hintergrundmusik waberte durch den großen Raum mit der wunderbaren Retro-Tapete, Rauchschwaden indes leider nicht. Meine Begleitung bestellt „den Cocktail in dem kleinen Glas mit Zuckerrand“ (gemeint war ein Margarita), ich meinen innig geliebten White Russian. Und der war ziemlich gut, sodass recht bald ein zweiter folgte – bis dann, mittlerweile war es gegen halb drei, auch diese Bar ums Bezahlen und anschließende Verlassen bat.

 

Frankfurt ist nicht Berlin. Vor allem sonntags nicht.

Doch wenn man sich gut unterhält, da mag man nicht nach Hause. Auch nicht irgendwann in der Nacht von Sonntag auf Montag, auch nicht in Sachsenhausen. Zielgerichtet wurde also die althergebrachte Kneipe Zum Sternchen am Diesterwegplatz auf einen Absacker angesteuert. Und, was soll ich sagen: Aus einem Absacker (der wohl der günstigste meines bisherigen Lebens war) wurden zwei, die Jukebox tat ihr übriges, und ehe man sich versah, schlug die Uhr fast vier. Zur Wahl blieb nun das Moseleck oder der Heimweg; wir entschieden uns für den Letzteren.

Hinausgetreten auf den Diesterwegplatz erfolgte Verwunderung: Kein Taxi weit und breit. Wir scherzten noch, in Berlin gäbe es das sicher nicht. Aber in Berlin hätten wir wohl auch jetzt noch weiterziehen können, im Zweifel ins Berghain. Ich entschied mich kurzfristig für die Anmietung eines Leihfahrrades (deren Anbieter es mittlerweile mehr als zur Genüge gibt), und fuhr durch die kalte Nacht hinauf ins Nordend.

Als ich ins Bett fiel, da war ich froh: Ausgerechnet im verschrienen Sachsenhausen hatte ich doch glatt vergessen, dass doch eigentlich Sonntag war. Und mit dem Gedanken daran, dass eigentlich schon wieder Montag war und die ersten Aktenkofferträger bereits schlecht gelaunt in der Straßenbahn saßen, schlief ich ein…

Danke, Sachsenhausen! Ausnahmsweise. 

Habt ihr Verständnis für meine abgrundtiefe Abneigung gegenüber dem Sonntag? Oder ist er unbestritten euer Liebster Wochentag? Und: Meidet ihr den Stadtteil Sachsenhausen? Oder hat er auch euch schon freudig überrascht? Ich bin wie immer schon ganz gespannt auf eure Kommentare!

 

Die Stunde der Unschuld

In einem meiner Lieder hatte ich Frankfurt jüngst als „Diva, die nie schläft“ bezeichnet. Dies ist ganz sicher richtig, aber dennoch:

Es gibt da einen einzigen Moment in der Woche, eine einzige Stunde, in dem die Stadt so jungfräulich und verlassen wie sonst nie. In der eine seltsame Ruhe herrscht, die Straßen leergefegt. Eine Stunde, in der selbst Frankfurt ein wenig unschuldig wirkt.

Es ist die Stunde am Sonntagmorgen, 06.30 Uhr.
Der durchschnittliche Frankfurter befindet sich noch irgendwo im Reich der Träume. Endlich einmal ausschlafen. Oder aber, er ist gerade erst ins Bett gefallen, ob ins Eigene oder das einer nächtlichen Bekanntschaft. Schläft seinen Rausch aus nach einer glückseligen, langen Nacht der wilden Feierei.

Ich indes wäre auch lieber im Bett und würde selig schlummern, aber es hilft ja nichts: Dienst ist Dienst, Frühschicht ist Frühschicht – und ein ansehnlicher Sonntagszuschlag (steuerfrei, versteht sich!) entschädigt mich dafür, dass mich mein zur Unzeit klingelnder Wecker aus meinen Träumen gerissen hat.
Und außerdem, da darf ich diesen Moment erleben, der den Allermeisten verwehrt bleibt:

Die Stunde der Unschuld.

Kalte Dusche, notdürftig die Frisur herrichten, zwei schnelle Tassen Kaffee. Rucksack schultern, ein letzter Blick in den Spiegel. Auf geht’s, die Pflicht ruft.
Ich trete aus dem Haus, hey Frankfurt, auch schon wach?

Am Matthias Beltz-Platz zeugen jede Menge leere Bier- und Weinflaschen von den Geschehnissen der letzten Nacht. Einige davon zertrümmert, und auch der Mülleimer schaut nicht mehr ganz gesund aus: Schwarz und deformiert, kaltes Plastik auf dem Asphalt. Hat wohl wieder mal jemand angezündet.

Die Stadt, sie wirkt verwundet, irgendwie. Gleichsam aber endlich einmal in Ruhe gelassen, von all den Menschen, von all der Hektik, die sie ansonsten permanent in ihren Straßen versprühen. Ich steige aufs Rad, auf dem Baum über dem Fahrradständer höre ich Vögel singen.

 

Rolle die Friedberger Straße hinab, werfe einen Blick nach hinten: Kein Auto weit und breit, der Blick nach vorn: Kein Auto bis zum Horizont. Ein ganz und gar surrealer Anblick, weiß man, welch Blechlawine hier ansonsten das Straßenbild bestimmt. Die Ampel indes, die wechselt ungeachtet dieser Tatsache dennoch ganz pflichtgemäß munter zwischen Grün, Gelb und Rot umher.

Die Straßenbahnhaltestelle zieht vorbei, die Anzeige verrät:
Nächste Straßenbahn in 22 Minuten. Was ansonsten sofortige Empörung, zahlreiche Taxi-Bestellungen und Beschwerde-Mails an die VGF nach sich ziehen würde, interessiert in dieser Stunde jedoch keine Sau.

Auch mich nicht, bin ja schließlich mit dem Fahrrad unterwegs. Ich erreiche das Hessendenkmal, biege rechts ab. Auf den Tischen des Phuket Thai-Imbiss kauern diejenigen, die es nicht mehr nach Hause gepackt haben. Wo ansonsten dampfende Teller von Udon-Suppe und Hühnchen-Curry stehen, präsentieren sich grüne Flaschen eines weithin bekannten Kräuterlikörs aus Wolfenbüttel. Ehe ich mir die Frage stellen kann, wo Wolfenbüttel eigentlich liegt, passiere ich die Große Friedberger Straße.

Guten Morgen Zeil, du sündige Meile des Konsums. 

Leere Flaschen treiben im Brunnen, zeugen von Freuden und Exzessen der letzten Nacht. Einige sind zerschlagen –  ja, auch Aggressionen und Gewalt hat es sicher wieder gegeben in der letzten Nacht. Das übliche Gehabe junger Männer, zu viel Frust, zu viel Energie.

Die Morgensonne streichelt mein Gesicht wie auch das Pflaster der Zeil. In den Eingängen der Geschäfte liegen reglose Gestalten auf Pappkartons. Die Geschäfte, die werden heute einmal nicht öffnen, gönnen sich einen einzigen Tag lang eine Verschnaufpause. Amazon wird’s freuen. Und auch die schlafenden Gestalten, die ihre Eingänge säumen, die scheinen endlich ihren Frieden gefunden zu haben. Wenn auch nur für kurze Zeit.

Cafés und Lokale sind noch verrammelt, Tische und Stühle brav zusammengeklappt und angekettet. Nicht mehr lange wird es dauern, und die beflissentlichen Kellner werden sie wieder aufstellen, damit die Frühaufsteher zum Sonntagsbrunch ausströmen können. „Entspannt in den Sonntag starten“, wie sie so schön zu sagen pflegen. An Entspannung ist bei mir derweil nicht zu denken, ein langer Arbeitstag liegt vor mir. Ich schalte einen Gang hinunter, die Talfahrt ist beendet.

Hallo Hauptwache, ich biege halb links ab, erreiche das Bahnhofsviertel. Passiere das „AMP“, wo wenige Stunden zuvor ganz sicher noch lauter Techno die Stille der Nacht zerrissen hat. Biege ein in die Münchner Straße. In einem Hauseingang entdecke ich Leben in Form eines eng umschlungenen Paares. Leidenschaftliche Küsse, wenn auch beide nicht mehr ganz standfest auf den Beinen scheinen.

Wenige Meter weiter, ich spähe im Vorbeifahren durch die geöffnete Tür einer Kneipe. Am Tresen sitzt jemand, offensichtlich Inhaber, ’ne Menge Scheine in der Hand. Er zählt die Einnahmen der letzten Nacht – ob es sich wohl gelohnt hat für ihn? Bald wird auch er im Bett liegen, vielleicht wird auch er endlich noch ein Bier trinken können nach all dem Trubel der letzten Nacht, all seinen Gästen auf der Suche nach dem Irgendwas. Im Zweifel dem Vergessen.  

Ich weiche Erbrochenem auf der Straße aus. Auch dies ein seltener Anblick, ich weiß genau: Es dauert nicht mehr lange, bis die fleißigen Jungs der FES mit Dampfreinigern dafür sorgen werden, dass selbst die Straßen des Bahnhofsviertels wieder aussehen werden wie geleckt. So, als wäre hier nie etwas passiert, als habe nie etwas stattgefunden auf diesem „heißen Pflaster“.

Ich zucke zusammen, als ich – noch ein wenig schlaftrunken – in eine Gruppe bärtiger Männer fahre, bekleidet im strahlenden Gewand samt Takke, der traditionellen Kopfbedeckung für das muslimische Gebet. Sie sind auf dem Weg zum Frühgebet in die nahe gelegene Moschee.

„Was muss das für ein Glaube sein, der einen bereits zu dieser Unzeit zum Gebet treibt“, denk‘ ich mir. Mein Glaube, der gilt in diesem Moment allerdings allein dem pünktlichen Dienstantritt sowie dem damit verbundenen pünktlichen monatlichen Gehaltseingang. Living for capitalism. 

Mein Ziel ist erreicht, die Hallen des Hauptbahnhofs erstrecken sich  vor meinen Augen und erbieten Ehrfurcht. Ich schließe mein Fahrrad an, eile hinab in die B-Ebene. Die Treppen sind gesäumt von den ärmsten Existenzen unserer Stadt. Ja, selbst die Junkies haben einen kurzen Moment lang Schlaf und Ruhe gefunden. Es wird nicht mehr lange dauern, und ihre Sucht wird sie aufwecken, wird sie dazu bringen, all ihre restliche Kraft aufzuwenden, um an den nächsten Stein, den nächsten Schuss zu bekommen.

Der Moment, in dem selbst Junkies schlafen. Der Moment zwischen dem letzten Drink einer durchgefeierten Nacht und den ersten Anzeichen sonntäglicher Aktivität, den ersten Radfahrern, die mit verschlafenen Augen ihre Touren beginnen,den ersten Joggern, die die Gunst der frühen Stunde nutzen möchten – dieser Moment ist nur von kurzer Dauer. Dieser Moment ist wohl der einzige, in der die Stadt dem Menschen ganz unschuldig zu Füßen liegt. Verletzt, erschöpft und ruhig.

Es ist eine ganz eigene Art der Romantik. Doch sie erleben zu dürfen macht es allemal wett, überhaupt wach sein zu müssen in dieser Stunde. Sonntagmorgens, Sechs Uhr Dreißig.

 

Die Rolltreppe speit mich herauf auf die Bahnsteige des Hauptbahnhofs.

Erstmals bin ich wieder mittendrin im Leben.

„Meine Damen und Herren auf Gleis 9, der InterCityExpress nach Berlin verspätet sich aufgrund eines Böschungsbrandes um voraussichtlich 15 Minuten…“ 

Trolleys schleifen auf dem Bahnsteigpflaster, Reisende starren ungeduldig auf die Uhr. Der Hauptbahnhof, wohl tatsächlich der einzige Ort, an dem gerade alles ist wie immer.

Wenn ich heute Abend meinen Dienst beendet haben werde und nach Hause radeln werde, dann wird der Kaisersack wieder von den üblichen Gestalten bevölkert, werden die Lokale auf der Kaiserstraße wieder gefüllt sein. Die Menschen werden sich sich dann doch irgendwie aus dem Bett gequält, den Sonntag verbracht haben. In Museum oder Kino, auf Fahrrad oder Sofa. Und abends dann noch zum Essen oder Trinken treffen, der Ausklang eines Wochenendes.

Sie alle werden morgen wieder ihrem Alltag nachgehen. Am Montagmorgen, wenn auch die Friedberger Landstraße wieder von Autos verstopft, die Zeil dem Shopping-Rausch erlegen sein wird.

Doch dann, so lächele ich in mich hinein, werde ich noch ’ne ganze Weile lang im Bett liegen. Und endlich einmal selbst ausschlafen. 

 

 

 

Feilschen am Fluss: Der “FlowMarkt” der Sommerwerft

Gemeinhin bin ich kein allzu großer Fan des derzeit stattfindenden Kultur- und Theaterfestivals “Sommerwerft”. Programm und Publikum sind mir ein wenig zu langweilig, alternativ, Bündnis 90 — nun ja, äh, ihr wisst schon.

Am vergangenen Wochenende hat mich dann jedoch der sonntäglich stattfindende “FLOWMARKT” des Festivals zu einem Abstecher an die Weseler Werft bewogen, welchen ich mit meiner sonntäglichen Laufrunde am Main verbunden habe.

 

Und, was soll ich sagen :  WAHNSINN!

Dass ich mit Vorliebe viel Geld auf Flohmärkten lasse und große Freude am Feilschen und Scherzen mit den Stand-Besitzern habe, habe ich ja bereits in diversen Artikeln durchsickern lassen.


Soweit das Auge reicht: Flohmarkt-Treiben an der Weseler Werft

Das Mainufer unweit des EZB-Geländes bietet eine ganz hervorragende Kulisse für den regsamen Trödel, und die nebenan stattfindende Sommerwerft lädt zum gemütlichen Verweilen bei Käffchen oder Apfelwein ein, um auch das letzte noch übrig gebliebene Geld zu verprassen.

Ob Schallplatten, Klamotten, jeder Menge Vintage-Krempel, Bücher, Möbel, Bilder, Accessoires oder Foto-Apparate: An den zahlreichen Ständen werden Dinge jeglicher Couleur angeboten und lassen mein Herz höher schlagen. Die Händler habe ich allesamt als überaus freundlich erlebt, und der sonst auf Frankfurter Flohmärkten leider sehr verbreitete Fernost-Ramsch ist glücklicherweise nirgends zu erspähen.

Eine analoge Panorama-Kamera war übrigens der vorrangige Grund meines Besuchs.
Schließlich’ hab ich da so ein neues, kleines Hobby.

 

Und, was soll ich sagen: Ich bin fündig geworden!

Nach einem Paradebeispiel des erfolgreichen Handelns sowie der Durchführung diverser psychologischer Manipulationsversuche halte ich Stolz mein Schnäppchen des Tages in den Händen: Eine halbwegs ansehnliche, aber noch vollends brauchbare Fuji-Kamera.

Wer ebenfalls vor der tollen Kulisse der Sommerwerft am Main auf Schnäppchen-Jagd gehen möchte, der hat an den nächsten drei Sonntagen (letztmalig am 6. August) noch die Gelegenheit dazu. 

Räumt euer Konto leer und schaut mal vorbei, es lohnt sich — schöner lässt sich ein Sonntag in Frankfurt kaum verbringen!

Wo der Main zu Ende ist: Kleiner Bilderbogen zum Sonntag

Am Sonntag frei zu haben, das ist für mich ja stets ein wenig ungewohnt.
Heute war es jedoch wieder mal soweit, der Himmel zeigte sich von seiner schönsten, blauesten Seite: Was also tun?

Den Main einmal mit dem Rad bis hin zum Ende fahren, ein bisschen durch Mainz streifen: Das hatte ich mir schon lange einmal vorgenommen. 

Schon war also mein Sonntags-Plan geboren. Rucksack gepackt, Zeitung gekauft, auf die Plätze, fertig, los!

Wieder zurück in Frankfurt kann ich sagen: Wow, das hat sich gelohnt!

Ich will euch gar nicht mit einem detaillierten Bericht meiner Tour langweilen – lieber lasse ich die Bilder sprechen.

Und wenn ihr nun auf den Geschmack gekommen seid, auch einmal von Frankfurt aus dem Main folgen wollt, bis er im Rhein aufgeht – dann freu‘ ich mich!


Bis hierhin war’s einfach: Nach Höchst finde ich blind. Dort überquere ich erstmals den Main und genieße die Aussicht auf den Industriepark samt Hafen.

Blick auf Kelsterbach: Die Kleinstadt hat wohl doch mehr zu bieten als nur Fluglärm!

Das „Krifteler Wäldchen“. Bach + grün = glücklich!

Recht glücklich scheint auch dieser Schwan.

In Kriftel selbst empfing mich diese verfallene Industrieruine. Hat irgendwie Charme, oder?

Staufstufe Eddersheim: Hatte ich noch nie von gehört, aber hey, ein Foto ist allemal drin!

Kleiner Abstecher nach Flörsheim: Kirche (die mit Sicherheit auch irgendeinen Namen hat) im Ortskern.

Nun wird’s richtig schön: Ich habe die Weinberge erreicht. Zeit für eine Pause!

Blick über die noch recht nackten Reben. Ob es wohl ein guter Jahrgang wird?

Der Main fließt rechts des Türmchens

Weinbergsidylle samt Schloss: Kinners, ist das nett hier!

Mainz-Kastel gehört eigentlich zu Wiesbaden. Verrückt, oder? Kleines Portrait des Radelnden. Dankeschön an das freundliche Rentnerpaar!

Ein letzter Seitenarm, bevor der Main im Rhein verschwindet

Sonntag! Blümchen! Flieder! Auch die Wiesbadener wissen dies offensichtlich zu schätzen und nutzen.

Ein letztes Mal gilt es den Main zu überqueren, dann erreiche ich Mainz.

Geschafft! Ich erblicke Fachwerk, bin glücklich.

Ich erblicke noch mehr Fachwerk, bin gleich noch glücklicher.

Klar, ein Bild vom Dom darf auch nicht fehlen.

Zeit für einen Kaffee! Der mundet auch in Mugunzia recht vorzüglich. Vor allem im süßen Café „Annabatterie“. Lieben Dank an Michael für den Tip!

Sollte euch also sonntags einmal nicht der Sinn nach Binge-Watching bei Netflix stehen: Dann macht euch doch mal auf nach Mainz. Es lohnt sich! 

 

TATORT Frankfurt: Euer Plan für Sonntagabend!

Ich persönlich hasse ja Sonntage. Sonntage sind tote Tage, an dem die Stadt schläft, sich erholt von sechs Wochentagen des „Zuviel“. Ein Spaziergang über eine menschenleere Zeil, eine Fahrt in einer gänzlich leeren U-Bahn genügen, um erste Anzeichen einer depressiven Verstimmung zu verursachen. Und Dank nicht vorhandener Empfänglichkeit für Überirdisches ist auch ein Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes wahrlich keine Alternative für mich. 

 

 

Eines meiner liebsten Rituale

 

Ein echter Lichtblick dagegen ereignet sich dann abends um 20.15 im „Ersten Deutschen Fernsehen“, wenn der „TATORT“ wieder die halbe Bundesrepublik zur Fernbedienung greifen lässt. Klar, den „Tatort“ zu schauen kann man lieben – oder auch als spießig empfinden.

Ich selbst habe mich für Ersteres entschieden. Ein liebgewordenes Ritual, das ich hege und pflege, wann immer es mein Dienstplan auch zulässt.

Klar, dass für mich vor allem der Frankfurter TATORT einen echten Pflicht-Termin in meinem Kalender darstellt.

 

Am kommenden Sonntag, den 18. Dezember ist es wieder soweit:

Pünktlich ab 20.15 Uhr schickt der Hessische Rundfunk wieder seine Ermittler Anna Janneke und Paul Brix in der Folge „Wendehammer“ auf Verbrecherjagd am Main. Ich freu‘ mich schon jetzt tierisch darauf – nicht zuletzt, weil Brix ’ne echt coole Sau ist.

Was gibt es schließlich Schöneres, bei vielen der Szenen festzustellen:
„Hey, da saß ich doch letzte Woche auch noch!“ 

 

Um die Vorfreude noch zu steigern, hat der Hessische Rundfunk eigens einen Vorschau-Trailer auf die neue Folge „Wendehammer“ veröffentlicht: 

 

Auch ihr solltet euch also dringend ein dickes Kreuz im Kalender machen.
Und weil alleine gucken öde ist, hier noch ein paar Tipps für euch:

 

Rudelgucken:

TATORT – Public Viewing in Frankfurt

Seit einiger Zeit haben diverse Kneipen erkannt, dass der gemeine Zuschauer auch gern gemeinsam auf kollektive Verbrecherjagd geht. In Folge dessen wird ein „Public Viewing“ angeboten, bei dem gemeinsam „TATORT“ geschaut werden und im anschließenden Gespräch hochgelobt oder verrissen werden kann.

Meine liebsten Locations für das Rudelgucken hier im schnellen Überblick für euch: 

 

„Zum Tannenbaum“, Bockenheim

Beim wohl besten aller Apfelweine lässt sich’s sowieso immer gut aushalten, Sonntagabends umso mehr: Dann ist die Kneipe in Frankfurt stets gut gefüllt, und zwischen Flipperautomat sitzt gespannt das Publikum und verfolgt das kriminelle Geschehen auf Leinwand. Und auch nach Sendeschluss wird gern noch einmal auf das Ein oder Andere Mispelchen geblieben.

 

„New Backstage“, Nordend

Im New Backstage regieren laut Eigenwerbung vorrangig Schnitzel & Rock ’n‘ Roll. Nicht jedoch Sonntag abends, wenn zwei große Leinwände für ein immer wieder unterhaltsames, gemeinschaftliches TATORT-Erlebnis sorgen.

Es gibt Raucher- wie Nichtraucherbereich, nettes Personal sowie eine Straßenbahn-Haltestelle direkt vor der Haustür. Und natürlich ordentliche Schnitzel für all die Hobby-Ermittler, die noch der abendliche Hunger überkommt.

 

„Alte Liebe“, Sachsenhausen

Auch am Frankfurter Lokalbahnhof gibt’s Krimi-Spannung:
Die „alte Liebe“ überzeugt mich mit ihrer so liebevollen Einrichtung, welches kein heimisches Wohnzimmer dieser Welt je toppen könnte.

Bier gibt’s vom Fass, Plätze meist zu wenige – doch wenn man einen ergattert, kann man mit etwas Glück auf gut gepolstertem Platz versinken und sich ganz dem Geschehen auf der Leinwand hingehen. Und heimgehen will man dann nach dem Abspann irgendwie auch noch nicht.


Auch schon gespannt?

Seid ihr auch schon gespannt auf „unseren“ nächsten TATORT?
Dann schaut am Sonntag doch einmal im Kollektiv. Macht gleich doppelt Freude!

Mich persönlich werdet ihr übrigens im „Tannenbaum“ antreffen. Und ich freue mich bereits jetzt auf das nächste Abenteuer meiner liebsten Ermittler und anschließende gemeinsame Diskussion mit all den anderen TATORT-Freunden.