Drinkin‘ like a Local: Durch den Tag mit Getränken aus der Region

Bye, bye, Getränke-Einerlei:
Zunehmend werden die Platzhirsche von Großkonzernen wie Tchibo, Pepsi, Warsteiner, Absolut & Co von jungen Unternehmern herausgefordert, die mit frischen Ideen und lokalem Einschlag um eine urbane Käuferschicht werben.

Auch ich konnte mich selten meiner Neugierde verwehren, wenn ich im Einzelhandel oder auf Veranstaltungen auf mir bislang unbekannte Etiketten stieß. Die Frankfurter „Getränke-Szene“, das muss man sagen, hat längst ein beachtliches Ausmaß erreicht. Vom Kaffee über Limonaden bis hin zum „harten Zeug“ – längst kann der gemeine Konsument auf Erzeugnisse lokaler Produzenten zurückgreifen.

Grund genug für mich, den Selbstversuch zu wagen: Ich möchte einen ganzen Tag lang ausschließlich Getränke von kleineren Herstellern aus meiner Stadt süffeln. Noch weiß ich nicht, ob das eine gute Idee von mir ist – findet ihr es mit mir heraus?

 

Hoppenworth & Ploch: Kaffee vom Deutschen Röstmeister

Wer könnte jemals der Behauptung widersprechen, dass der erste Schluck Kaffee am Morgen der schönste Genuss-Moment des ganzen Tages sei?

Auch in der Stadt des Apfelweins wird seit langer Zeit Kaffee geröstet. Während die Traditionshäuser „Wacker“ und „Wissmüller“ schon seit über 100 Jahren den wunderbaren Duft des schwarzen Goldes verströmen lassen, ist „Hoppenworth & Ploch“ noch recht neu im Geschäft. Davon zeugt auch, dass die Rösterei ihre Produkte im Hipster-Sprech als „Craft Coffee“ vermarktet. Neben einer Filiale am Uni-Campus Westend betreiben die jungen Geschäftsführer auch ein Café in der Friedberger Landstraße, in dem Dienstag für Dienstag die aus aller Welt importierten Bohnen geröstet werden. Bei deren sorgfältiger Auswahl achtet die Rösterei insbesondere auf faire Arbeitsbedingungen auf den Plantagen, exzellente Qualität und nachhaltigen Anbau.

Freilich spiegelt sich dies auch in den Preisen wieder. 8,90 Euro blättere ich für 250 Gramm von Filterkaffeebohnen der Sorte „Hunapu“ aus Guatemala hin. Das auf die Verpackung gedruckte Versprechen von Aromen von Orange, Himbeere und Bourbon weckte meine Neugierde.

Wie gut, dass ich als Kaffee-Fetischist auch eine entsprechende Mühle mein Eigen nennen darf!

Schon nach dem Öffnen des weißen Beutels strömt mir der Duft entgegen, für den ich im Zweifel töten könnte. Mag sein, dass ich die goldene Plakette auf der Packung meine Wahrnehmung trübt, aber: Mein feines Näschen kann gar nicht anders, als das zu erschnüffelnde Aroma als ganz und gar meisterlich zu empfinden!

Niemand geringeres – davon zeugt das goldene Siegel – als der Deutsche Kaffee-Röstmeister (was es nicht alles gibt!) Kilian Seger zeichnet sich für das schwarzbraune Gold verantwortlich, welches morgens um 11 bei mir zu Hause durch den Filter fließt. Vielleicht ist es wie beim Wein, vielleicht schmeckt man nur das, was man zu schmecken glaubt, aber: Als ich die Tasse zum Mund führe, schmecke ich schon Orange, Himbeere und Bourbon, bevor ich überhaupt genippt habe. Kaffeetrinken kann eben so viel mehr sein, als sich hastig am Bahnhof am Vollautomaten ein Heißgetränk zu ziehen oder heißes Wasser durch eine Kapsel „Jacobs Krönung“ laufen zu lassen.

Ja, Genuss hat seinen Preis – im Falle von „Hoppenworth & Ploch“ bin ich aber gern bereit, für den Genussmoment ein wenig tiefer in die Taschen zu greifen. „‚Made in Frankfurt‘ kann so köstlich sein!“, denke ich mir, während ich noch einen Schluck nehme und mir anschließend die erste Zigarette des Tages anzünde. Heute wird ein guter Tag.

 

Hipster-Brause ohne Zusätze: „Yari Mate“

Auch der beste (All)tag zehrt gelegentlich an den Kräften. Mitunter sehnt sich der junge Großstädter also nach aufputschenden Hilfsmittel. Obendrein ist – vor allem, wenn’s draußen warm ist – eine kalte Erfrischung immer gern gesehen und ganz allgemein ’ne feine Sache.

Nun sind Mate-Getränke schon längst kein alleiniges Stilmittel von Teilnehmern von Hacker-Kongressen und der Jutebeutel-Avantgarde der Hipster in Berlin-Mitte mehr. Längst ist die Flasche „Club Mate“ vom Statement zu dem verkommen, was es ist: Ein Erfrischungsgetränk. Auch ich halte mich zuweilen lieber ganz klassisch an einer Coke Light fest, da mir nach einem Blick auf die Nährwerttabelle der Mate-Brausen meist der hohe Zuckerzusatz sauer (oder besser:süß) aufstößt.

Ein junger Spross auf dem weiten Feld der Mate-Getränke hat in mir somit einen dankbaren Abnehmer gefunden, denn:

Dass die großen Hersteller nicht bei der Verwendung von Extrakten, künstlichen Aromen, Farbstoffen und eben Zucker geizen, war Richard Theilen und seinem späteren Geschäftspartner Florian ein Dorn im Auge.

„Wir waren vom gesundheitlichen Benefit und der aufputschenden Benefit von Mate trotzdem immer überzeugt“, erzählt er mir im Gespräch. Er hat sich gefragt, weshalb niemand einfach natürliche Zutaten in heißem Wasser aufkochen und abschließend abfüllen wollte. „Also haben wir das einfach selbst gemacht“, lacht er und betont die gemahlene Ingwer-Wurzel und den Saft frisch gepresster Zitronen als besonderes Geschmacks-Gimmick. „Yari Mate“ war geboren!

Die Natürlichkeit, die schmecke man, versichert mir Richard. Außerdem – und nun werde ich hellhörig – sei „Yari Mate“ ein kalorienarmes Getränk, obwohl keine synthetischen Süßungsmittel zugesetzt seien. „Das Zusammenspiel von gerösteten Mate-Teeblättern, der Ingwer-Wurzel und dem frischen Hauch der Zitrone ist ein wahres Geschmackserlebnis“, versichert mir Richard Theilen. „‚Yari Mate‘ ist ein ehrliches Getränk und schmeckt am besten nach dem Training – eiskalt, versteht sich!“

Okay, überzeugt, ich wage den Geschmackstest. Auch meine Flasche ist eiskalt angehaucht, als ich sie aus dem Kühlschrank nehme. Am späten Nachmittag hänge ich in kleinem Formtief fest; für ein anstehendes Interview wäre ein kleiner energetischer Push nicht schlecht. Ein kurzer Blick aufs Etikett: Mit 19 kcal und 4,3 Gramm Zucker je 100 Milliliter verfügt auch „Yari Mate“ noch über deutlich mehr Brennstoff als meine Coke Light, zeigt sich aber gegenüber vergleichbaren Produkten deutlich schlanker.

Bereits beim ersten Schluck hebt sich „Yari Mate“ deutlich vom gewohnten Geschmack ab. Im Direktvergleich mit „Club Mate“ fällt vor allem auf, dass hier deutlich weniger Zucker drinsteckt. Da keine Farbstoffe zugesetzt werden, erstrahlt das hessische Gebräu aber statt in goldgelb in bräunlich-trüb. Hier geht’s allerdings um den Geschmack, und der ist tatsächlich voll und ganz von Ingwer und Zitrone geprägt. Zusammen mit dem altbekannten Touch von Mate-Tee ergibt das ein tatsächlich erstaunlich natürlich schmeckendes Getränk, das ganz ohne extreme Nuancen auskommt und genau deswegen einen runden Eindruck macht.

Ob ich nach dem Genuss der handlichen 330ml-Flasche tatsächlich den ersehnten Power-Boost erlangt habe, kann ich eine halbe Stunde später noch nicht genau sagen. ‚Ne leckere Erfrischung war die „Yari Mate“ aber auf jeden Fall. Und dass sich die Brause mit mir gemeinsam eine Heimat teilt, macht sie für mich umso sympathischer. Cheers!

 

Feierabend: Darauf ein „Frankfurter Helles“ !

Zum Feierabend gönnt sich Otto-Normaltrinker ja gerne mal ein Bierchen. Ich als Vollblut-Frankfurter dagegen läute den Abend dagegen lieber mit ’nem Schoppen ein. Nur, wenn ich mich hin und wieder jenseits des Apfelwein-Äquators befinde, greife ich notgedrungen auf ein Hopfengetränk zurück. Am liebsten trinke ich dann ein „Helles“, besonders gern eines der süffigen aus Bayern.

Neben den Binding-Klassikern in Form von Pils ist mit dem „FXXXXFXXXXR Helles“ – was sich wohl hipper lesen soll als „Frankfurter Helles“ – nun auch ein helles Bier aus meiner Heimatstadt erhältlich. Nun ja, zumindest ein als Frankfurter gebrandetes: Das Etikett der Flasche im Wurfgranaten-Format verrät, dass das Bier in Hallerndorf gebraut und abgefüllt wird. Da die Macher des „Margarete“ aber in aller Regel über ein gutes Händchen in Sachen Genuss verfügen, bin ich bereit, aus meiner Routine auszubrechen und mir statt ’nem Sauergespritzten ein abendliches Bier einzugießen.

Das gelingt mir erstaunlich gut, die Schaumkrone sitzt, ein Bier wie aus der Fernsehwerbung. „Wir haben ein Helles gebraut, das man jeden Tag und überall trinken kann“, preisen die Macher auf ihrer Homepage an.

Nach einem ersten Schluck befinde ich: Dieses Helle schmeckt nicht halb so süffig wie seine bayrischen Verwandte von Augustiner, Tegernseer & Co. Allerdings auch nicht so herb wie das von mir verhasste Pils.

Am Ende der Flasche fälle ich folgendes Urteil:
Das Etikett gefällt mir super, der stilisierte Adler passt zu einem modernen Bier aus meiner Heimatstadt. Auch schön, bei all dem ganzen Craftbeer-Hype ein einfach gemachtes, grundsolides Getränk in den Händen zu halten. Das Bier selbst schmeckt mir nicht schlecht, aber auch nicht so gut, dass ich deswegen nicht mehr auf die bewährten Bayern zurückgreifen würde. Bei aller Sympathie für das Produkt: Morgen gibt’s für mich zum Feierabend wieder Ebbelwoi. Gut möglich aber, dass passionierte Biertrinker ihre dauerhafte Freude am neuen „Hellen“ aus Frankfurt haben.

 

Nach mir die Gin-Flut: „Bembel Gin“ versüßt den Abend

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs ist es nicht entgangen: Ich bin großer Verfechter des Apfelweins. Meine Vorliebe für Gin dagegen ist eine privatere. So begieße ich besonders schöne Tage am liebsten mit einem Gin Tonic. Nicht, dass das ein Alleinstellungsmerkmal wäre: Der Hype um die Spirituose ist noch immer ungebrochen, immer neue Marken springen auf die Gin-Welle auf. Schwierig, da den Überblick zu behalten.

Den brauche ich zum Glück aber gar nicht. Mein absoluter Liebling nämlich ist der Bembel Gin, dessen Macher sich selbst als Apfelwein- und Gin-Liebhaber bezeichnen. Nichts lag ihnen näher, als ihre beiden Leidenschaften zu vereinen. Mit dem „Bembel Gin“ haben sie daraufhin ein Produkt erschaffen, das nicht nur einzigartig schmeckt – sondern auch einzigartig verpackt ist.

Die Flasche, die ich öffne, ist mehr Tonkrug denn Flasche und mit ihren Ornamenten auf grauer Keramik eine Hommage an die hessische Trinkkultur. Ein echter Augenschmaus, der zum Wegwerfen viel zu schade ist!

Doch zurück zum Inhalt: Pur und eisgekühlt lässt sich die ausgeprägte Apfel-Note schon beim Schnuppern nicht verleugnen, ein erster Schluck bestätigt: Donnerwetter, hier ist ’ne Menge Apfel drin! <br><br>Am liebsten genieße ich den „Bembel Gin“ aber im Gin Tonic, wozu ich ihn meist mit dem „Elderflower Tonic Water“ von Fever-Tree auffülle und den ganzen Spaß stilecht mit Gurkenstücke garniere. Kalt auf Eis genossen, ist der „Bembel Gin“-Tonic das Getränk meiner Wahl und lässt den Lokalpatrioten in mir glückselig lächeln. Erstaunlich, wie gut harmonisch die Symbiose zwischen Apfel und Wacholder gestaltet, erstaunlich, wie wohlklingend auch dessen gemeinsame Symphonie mit Tonic Water ist. Hesse zu sein, ist eben manchmal richtig lecker!

 

Ein Absacker mit den Liebsten: Ein Mispelchen auf die gute Zeit!

Guten Freunden schenkt man gern ein Küsschen, besseren ein Mispelchen: Zu fortgerückter Stunde kann, darf und soll sowohl Freundschaft als auch Liebe natürlich auch gern mit Hochprozentigem besiegelt werden.

Der eingefleischte Frankfurter muss sich hierbei gar nicht erst die Frage stellen – für einen Absacker ist freilich ein Mispelchen die erste Wahl!

Wie gut, dass der „Bembel Gin“ auch eine kleine Schwester hat: Das „goldene Mispelchen“ vereint nicht nur geschmacklich alle Vorzüge von Mispelfrucht und Calvados im kleinen Einmachglas, sondern eignet sich auch ganz hervorragend als Mitbringsel, Geschenk oder zuckersüßer Liebesbekundung!

Mit einem Schluck „auf Ex“ und einem Biss in die süße Mispelfrucht ist der perfekte Absacker gefunden.

 

Ein letztes „Auf das Leben!“, dann geht auch dieser Tag zu Ende. Ein Tag, während dem ich entdecken durfte, wie lecker doch Heimat sein kann. Und, ganz klar: Dass es sich lohnt, auch im Supermarkt einmal neue Wege zu beschreiten.

Auf euer Wohl, Freunde!

Vom Apfelwein als Jungbrunnen: Warum sauer nicht nur lustig macht

„Kein Ausweis – kein Apfelwein!“

Die Kassierin des Supermarktes mit den weißen Buchstaben auf rotem Grund ums Eck klingt wenig kompromissbereit, als sie mir den Kauf einer Flasche Apfelwein verwehrt. Das sei nun mal ihr Job, da könne ja schließlich jeder kommen. Ein Konto eröffnen und ein hochwertiges Smartphone in der Tasche tragen, das könne ja außerdem heutzutage jeder Fünftklässler. Auch meinen flehenden Einwurf, ich WÄRE gern noch einmal Achtzehn ignoriert sie mit stoischer Bestimmtheit. Den Rest meiner sorgfältig aufs Kassenband geschichteten Einkäufe, den könne ich freilich gerne mitnehmen – „aber alt genug für Alkohol sehen Sie mir nun einmal nicht aus!“ 

Ein Blick auf die ungeduldig mit den Augen rollende Schlange hinter mir an der Kasse mahnt mich, nun besser nicht zu lamentieren. Ich schwöre mir also, beim Joggen das nächste Mal neben EC-Karte und Mobiltelefon auch amtliche Dokumente zwecks Verifizierung meiner Volljährigkeit mitzuführen. „Sehen Sie’s als Kompliment“, muntert mich immerhin die Dame mit offensichtlicher Vorliebe für Stangensellerie hinter mir auf, bevor ich mit Klopapier und roten Zwiebeln, jedoch fluchend sowie ohne „Stöffche“ von dannen ziehe.

Goldes Elixier der ewigen Jugend

Noch auf dem Heimweg beginne ich zu lachen, denn just in diesem Moment kommt mir eine schon einige Jahre zurückliegende Begebenheit in den Sinn. Ich saß – damals noch als Bornheimer – in der altehrwürdigen Apfelweinwirtschaft Solzer und fiel aus allen Wolken, als mir mein Gegenüber sein wahres Alter eröffnete.

Hatte ich ihn bislang für Mitte zwanzig gehalten, erzählte dieser ganz freimütig,dass er schon ganze 34 Lenze auf dem Buckel hatte. Angesichts seiner rosigen, zarten Haut und seinen frischen Augen bestand ich auf die Vorlage seines Bundespersonalausweises – und fiel aus allen Wolken. Ungläubig fragte ich ihn damals also nach dem Geheimnis seiner scheinbar ewigen Jugend, schließlich wünschte auch ich mir schon damals ein spurloses und würdevolles Älterwerden.

Seine Antwort verblüffte mich. „Sauergespritzter“, sagte er er schlicht und schaute mich an, als lebe ich hinterm Mond – oder zumindest jenseits der Stadtgrenze nach Offenbach. „Ich trinke so oft wie möglich sauergespritzten Apfelwein, zwischendurch allein Kaffee und Minerwalwasser. Allein dies ist die Quell meiner ewigen Jugend“, schloss er seine Erklärung.

Ganz begeistert schwor ich prompt, es ihm künftig gleich zu tun. „Ja, wenn das so einfach ist“, sagte ich, „dann werde auch ich künftig möglichst viel des Ebbelwoi meine Kehle hinunterfließen lassen“. Schließlich wünschte ich mir, dass auch meine eigenen Lebensjahre derart spurlos an mir vorüberziehen würden.

„Obacht!“, mahnte mich daraufhin mein Bornheimer Gegenüber. „Nicht IRGENDEIN Apfelwein!“. Allein die sauergespritzte Darreichungsform des flüssigen Goldes sei geeignet zur nachhaltigen Verjüngungskur.

Ich dankte ihm inständig und besiegelte meine Erleuchtung mit einem weiteren Schoppen. Wie der Abend ausging, entschließt sich leider meiner Erinnerung – gut möglich aber, dass es ein wenig später wurde.

 

Der Unterschied macht’s: Von der Typologie des „Sauren“

Nun, da mir just der Apfelweinkauf im Supermarkt untersagt worden war, ging ich äußerlich offenbar wohl immer noch als 17-Jähriger Snapchat-Suchti durch. Der Rat meines Bornheimer Bekannten war also tatsächlich Gold wert gewesen.

Damit auch ihr den eigenen altersbedingten Verfallsprozess nachhaltig stoppen und euch der ewigen Jugend erfreuen könnt, kann ich euch folglich nur ans Herz legen: Trinkt „Sauren“ wann nur immer möglich – denn sauer macht nicht nur lustig, sondern gleichermaßen jung!

Doch wann ist ein Apfelwein eigentlich ein „Saurer“?
Ein „Sauergespritzter“ ist zunächst einmal ein mit Mineralwasser versetzter Apfelwein. Für das genaue Mischungsverhältnis existieren keine exakt definierten Regeln, doch gilt gemeinhin ein Anteil von 70-80 Prozent Apfelwein als üblich. Alles darunter gilt als „Tiefgespritzter“, wobei Mischungsverhältnisse mit einem mehr als 50-prozentigen Mineralwasseranteil gemeinhin als gesellschaftlich nicht akzeptiert gelten.

In Apfelweinwirtschaften lässt sich ein „Saurer“ derweil nicht im Bembel bestellen; es gilt also stets, zusätzlich eine Flasche Mineralwasser zum Apfelweinkrug zu bestellen und die finale Mischung der Getränke selbst vorzunehmen.

Weitaus bequemer ist die Bestellung am Tresen der nächstbesten Kneipe. Hier wird auf die Bestellung eines „Sauren“ nämlich wahlweise ein großes (0,5 Liter) oder kleines (0,3 Liter) Glas serviert – während in Apfelweinwirtschaften ausschließlich kleine „Gerippte“ auf dem Tisch landen. Tunlichst vermeiden sollte man allerdings, wortwörtlich einen „Sauergespritzten“ zu bestellen.Schnell outet man sich so nämlich als Einwohner eines der umliegenden Landkreise oder schlimmstenfalls sogar Tourist.

Merke: Der Eingeplackte bestellt schlicht „Sauren“. Für echte Cracks gibt es ferner sauren Apfelwein fertig gemischt in der Dose. Als Pendant zum Berliner Wegbier versüßt (oder besser: versauert?) der „Schoppen to go“ den Marsch zu Freunden oder auch nur zum Briefkasten. Besonders praktisch: Das Trinkbehältnis ist pfandfrei!

Dabei ist Apfelwein natürlich nicht gleich Apfelwein: In verschiedensten Goldtönen kommen die „Stöffche“ aus der Flasche, bestenfalls auch aus dem Hahn. Neben dem „klassischen“ Apfelwein existieren mittlerweile auch diverse sortenreine Weine – unbedingt einmal probieren! Nun ist jedoch auch Apfelwein eine Sache des Geschmacks – viele Kenner schwören jedoch auf die naturtrübe Variante. Im Zweifel also ganz explizit einen „naturtrüben Sauren“ bestellen – und schon steht der Verjüngungskur nichts mehr im Wege…

 

Strahlendes Lächeln & Strandfigur: Weitere gute Gründe für den „Sauren“

All das klingt zu schön und einfach, um wahr zu sein? Dann haltet euch nun besser gut fest: Denn es gibt noch viele weitere Gründe, den Sauergespritzten zum elementaren Bestandteil eures Alltags werden zu lassen!

Vitamine, Vitamine!

Jedes Kleinkind weiß: „An apple a day keeps the doctor away“. Ein einziger Apfel enthält bereits Unmengen an Vitamin C. Könnt ihr euch nur ansatzweise vorstellen, wie viele Äpfel in einem einzigen Liter Apfelwein verarbeitet sind? Ein einziges Glas des sauren Goldes deckt euren Vitaminbedarf folglich um ein Zehnfaches – und lässt in Kombination mit dem Mineralwasser eure Haut gar säuglingsgleich erstrahlen. Vitamine und Wasser – mehr braucht’s nicht für ein langes Leben. Zu eurem hundertstem Geburtstag bin ich doch hoffentlich eingeladen?

Support your locals!

Auch wenn Ernte an heimischem Streuobst längst nicht mehr ausreicht, um genug Apfelwein für all die durstigen Kehlen zu keltern, befindet sich neben aus Osteuropa importiertem Konzentrat meist immer noch ein erheblicher Anteil an heimischem Kernobst im Gerippten.

 

 

Somit unterstützt ihr beim Trinkprozess nicht nur heimische Obstbauern, sondern sichert auch nachhaltig die vielen Arbeitsplätze in den Keltereien im Frankfurter Umland. Wer die Wirtschaft unserer Region ankurbelt, kann guten Gewissens in der Wirtschaft sitzen! Echte Experten unternehmen auch gerne einmal einen Fahrradausflug in die nahe Wetterau (oder zumindest zum Wochenmarkt auf der Konstablerwache), um ihr Flüssiggold direkt beim Erzeuger zu erstehen. Einen netten Plausch gibt’s meist gratis mit dazu! Apfelwein bedeutet Heimat.

Nie wieder Bierbauch: Der Kaloriengehalt

Hey, der nächste Sommer kommt bestimmt – doch der Strandfigur steht der Bierbauch noch im Wege? Apfelwein schafft Abhilfe: Mit nur 26 kcal auf 100 ml sorgt das „Stöffche“ für einen figurbewussten Rausch.

 

 

Die sauergespritzte Variante weist durch die Mischung mit kalorienfreiem Wasser sogar eine weitaus geringere Energiebilanz auf – während ein Radler durch die gezuckerte Limonade gleich doppelt auf die Hüften schlägt. Der geneigte Schoppepetzer blickt den Tagen im Freiband derweil entspannt entgegen, denn er weiß: Apfelwein zu trinken ist Sport.

 

Fahne? Nein, Danke!

Nun stellt euch einmal vor: Es ist Samstagabend, ihr habt in Kneipe oder Club diesen wunderbaren Menschen kennengelernt. Du hast ihm verheißungsvolle Blicke zugeworfen, dann und wann gezwinkert – du hast Lust auf „Sexytimes“. Du hast dich vorgestellt, „Lust auf ’nen Drink?“, hast du gefragt – und sitzt deinem Schwarm nun an der Bar gegenüber. Alles könnte so perfekt sein, du setzt zum Kuss an – doch der Mensch deiner Begierde wendet sich ab. „Du riechst ja wie ’ne ganze Kneipe!“. Tja, hättest du mal bloß kein Bier getrunken. Apfelwein dagegen verursacht keine Fahne – und einer leidenschaftlichen Nacht steht rein olfaktorisch nichts im Wege… Liebe für alle!

Allerbeste Zahngesundheit

Lasst euch von Begriffen wie „Feinherb“ oder „Naturmild“ nicht täuschen: Der „Saure“ heißt nun einmal nicht umsonst so. Ja, Apfelwein enthält eine Menge Säure. Glaubt ihr nicht?

Dann schaut doch mal in die Gesichter der Touristen im „Gemalten Haus“, wenn sie anlässlich ihres Frankfurt-Besuchs pflichtgemäß zu ihrem ersten Schoppen greifen.

Es dauert seine Zeit, bis Mund- und Magenschleimhaut immun gegen den Schoppen geworden sind und das Trinken zum Genuss wird. Doch ist dies erst einmal gelungen, kann man sich über eine blendende Zahngesundheit freuen – putzt die enthaltene Säure doch ratzfatz auch hartnäckigste Zahnbeläge weg und bereitet jeglichen Bakterien im Mundraum ratzfatz den Garaus. Euer Zahnarzt wird sich freuen, „Zahnfleischentzündung“ oder „Karies“ werden fortan Fremdwörter für euch. Merke: Was für Kalkablagerungen im Bad der Essigreiniger, ist für eure Beißerchen der tägliche Schoppen. Experten gurgeln zwei Mal täglich – und lassen damit selbst Dr.Best ganz neidisch dreinblicken.

Überzeugt?

Ich hoffe sehr, euch von der Vielzahl der Vorteile des Sauergespritzten überzeugt zu haben. Worauf wartet ihr also noch? Spart euch den Yoga-Lehrer, spart euch das viele Geld für teuren Kosmetikquatsch und all die leeren Versprechungen der Werbeindustrie – und lasst den Apfelwein mitsamt seinem prickelnden Schuss an wertvollem Mineralwasser auch zu eurem ewigen Jungbrunnen werden. Apfelwein: Discover the healthy way of lifestyle!

Ich jedenfalls geh‘ jetzt noch mal runter zum Wasserhäuschen, um Stöffche zu holen. Diesmal nehm‘ ich den Perso aber besser mit.