Von Goldbarren und Blüten: Im Geld-Museum der Deutschen Bundesbank

Ich persönliche habe ja schon in frühen Kindertage eine große Vorliebe für Geld entwickelt. Das fing bei den fünfzig Pfennig Taschengeld an, die mir jeden Sonntag feierlich von meinem Vater überreicht wurden – und endete beim Glücksgefühl, nach einer langen Zeit des Sparens endlich den heiß ersehnten Nintendo 64 in den Händen halten zu können. Mal ganz zu schweigen vom unbeschreiblichen Gefühl, als das erste Ausbildungsgehalt auf dem Konto eintrudelte, ich mir unfassbar reich vorkam und einen ganzen Monat lang in Saus und Braus lebte. 

Nun ja, die Beziehung zwischen dem lieben Geld und mir hat sich mit der Zeit ein wenig gewandelt. War der Besitz von Zaster für mich früher allein mit Stolz und Glücksgefühl verbunden, so kamen mit dem Erwachsensein und der eigenen Unabhängigkeit dann auch mehr und mehr all die negativen Aspekte zum Vorschein, die Besitz und Nichtbesitz von Zahlungsmitteln zur Folge haben.

Und viel zu oft hieß es dann auch für mich:

„Was kostet die Welt?!
Äh, ja nee, dann nehm‘ ich ’ne kleine Cola!“

 

Geld kann glücklich machen, in Abgründe stürzen, nerven, Kriege verursachen, Bedürfnisse erfüllen, Bedürfnisse wecken. Geld stinkt angeblich nicht, selbst wenn Blut daran klebt. Vielleicht, weil es oftmals auch gewaschen wird.

Geld bricht Willen, Geld schenkt Sicherheit, Geld ist Mittel zum Zweck. Geld schafft Ruhm und Reichtum ebenso wie Armut und Elend. Gier.

Und zweifelsfrei: Geld ist seit langer Zeit aus nahezu sämtlichen menschlichen Gesellschaften nicht wegzudenken, wenn nicht gar deren Grundlage.

Allemals wichtig genug jedenfalls, ihm ein ganzes Museum zu widmen.

Und genau dies hat die Deutsche Bundesbank in Frankfurt am Main nun getan:

Am 17. Dezember feierte sie die Wiedereröffnung ihres Geld-Museums. 
Untergebracht in einem Neubau für stolze 19 Millionen Euro – hier hat man sich wahrlich nicht lumpen lassen! 

 

Das Geld ruft, ich folge

 

Klar, dass ich dem Ruf des Zasters folge und mich aufmache zum neueröffneten Museum.
Und zwar mit Diddl-Spardose und einem Plan im Gepäck: 

Im peinlichen Behältnis meiner Kindheit in den 90ern befindet sich nämlich meine 5 Mark-Schein – Sammlung, von der ich mich bislang nie trennen konnte.
Und jetzt wittere ich meine Stunde als geschlagen!

Die vierundzwanzig (!) 5 Mark – Scheine dürften ihren ursprünglichen Wert von 120 DM – also rund 60 Euro – aufgrund ihres musealen Erhaltungswertes doch zwischenzeitlich ins Unermessliche gesteigert haben.

Und – ich da bin ich ja nicht so – für einen mindestens fünfstelligen Betrag (in Euro, versteht sich!) bin ich gnädigerweise bereits, dem Museum meine Sammlung zu veräußern. Die Diddl-Spardose lege ich für lau als Stiftung obendrauf. Wenn es darum geht, der Nachwelt eine Erinnerung an die goldenen Zeiten der Bundesrepublik Deutschland zu erhalten, dann zeige ich mich ja gern gönnerhaft. Und verlasse das Museum dann – hoffentlich – als reicher Mann.

 

Rundgang im Prachtbau

 

Als ich nach kurzem Fußmarsch vom Dornbusch aus eintreffe, verschlägt es mir angesichts des Anblicks des Museums-Neubaus dann kurz die Sprache. Die 19 Millionen Euro wurden zumindest ansehnlich investiert!

Nach dem Ablauf des üblichen Museums-Prozederes (nerv!) ist mein Rucksack artig und ordnungsgemäß im Schließfach verstaut. Aber ich will mich mal nicht beschweren, schließlich ist der Eintritt frei.

Am Eingang werde ich sehr herzlich von Museums-Mitarbeiterin Kirsten Roth begrüßt, welche mir eine schnelle Übersicht verschafft:

So befindet sich in den oberen Stockwerken eine Besucherbibliothek. Und diese ist durchaus gut sortiert: Schon beim Anblick der endlosen Reihen von gut bestückten Bücherregalen wird mir ganz schwindelig.

Nee, da bleibe ich dann lieber im Erdgeschoss. Hier wird der Besucher auf einen Rundgang durch 12 Ausstellungs-Räume geschickt. die sich jeweils einem bestimmten Thema widmen.

Im einzelnen sind dies: 

  • Auftakt: „Geld“, was ist das eigentlich?
  • Bargeld
  • Buchgeld
  • Geldkabinett: Hier sind antike Zahlungsmittel ausgestellt
  • Geldpolitik
  • Inflation
  • Deutsche Zentralbank
  • Wirtschafts- und Währungsunion
  • Geld global
  • Aktuelles Fenster (hier werden tagesaktuelle Nachrichten präsentiert)
  • 360 Grad-Kino „Geldwelten“

Läuft, klingt thematisch sinnvoll geordnet – ich bin gespannt und passiere den Eingang zum Rundgang. 

 

Schmerzende Augen und Falschgeld in den Händen

 

Nachdem ich bestens darüber aufgeklärt ist, was Geld eigentlich ist, betrete ich den ersten Ausstellungsraum, welcher sich dem lieben Bargeld widmet.

Besonders angetan bin ich von den ausgestellten gefälschten Banknoten. Hab‘ ich in echt – zumindest wissentlich, höhö – noch nie gesehen. Schön auch die Möglichkeit, mittels Lupen das Falschgeld einen Direktvergleich mit einer echten Banknote auszusetzen.

Ich bin tatsächlich erschrocken darüber, wie hochwertig die Blüten sind! Manchmal ist es gar nicht so einfach, Unterschiede zu den echten Noten zu entdecken.Krass!

Krass sind auch die Entwürfe der Euro-Noten, die im Rahmen des Entwurfs der neuen Währung ab 1996 von den verschiedensten europäischen Designagenturen eingereicht wurden.

Und manche dieser Entwürfe für die neuen Euro-Scheine sind wahrlich grausig anzusehen und verursachen mir schmerzende Augen. Hier hat die Europäische Zentralbank tatsächlich guten Geschmack bewiesen und sich für den schönsten aller Entwürfe entschieden, dessen Motive wir heute alltäglich im Portemonnaie bewundern dürfen. Ich verspüre eine gewisse Dankbarkeit!

 

Geldpolitik im Supermarkt

 

Weiter im Programm, mein Interesse ist geweckt. Geldpolitik – dieser Begriff weckt Ängste vor Überforderung und Erinnerungen an die zwei Semester meines abgebrochenen BWL-Studiums bei mir hervor.

Umso erstaunter bin ich dann, als ich einen Supermarkt betrete.
Anhand diesem wird hier erklärt, wie sich Angebot, Nachfrage, Besteuerung und Wirtschaftslage wechselseitig beeinflussen. Wenn ich bei REWE für 1,99 Euro weniger Äpfel erhalte als noch letzte Woche – dann hat mein Geld an Kaufkraft verloren.

Hey, das verstehe sogar ich – und wahrscheinlich sogar jeder Grundschüler! 

Sehr interessant und aufschlussreich auch ein Einblick in die Arbeit des Statistischen Bundesamtes:

Anhand von Milchtüten im Marktregal wird hier veranschaulicht, wie viel Geld die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen im Vergleich in diverse Güter investieren.

Manches Klischee wird hier sogar statistisch belegt: 

So geben Arbeitslose im Schnitt am meisten ihres vorhandenen Geldes für Alkohol und Tabakwaren aus. Klischee also bestätigt – soll ich darüber schmunzeln oder nachdenklich werden? Ich weiß nicht recht.

 

Wie schön und schwer doch Gold so ist

 

Ich streife weiter durch die Themenwelten, bestaune Geldscheine aus aller Herren Länder, Münzen aus vergangenen Jahrhunderten, die Entwicklung des deutschen Bankenwesens – und befriedige meinen Spieltrieb an einem Lenkrad, mit dem ich eine Euromünze durch Wirtschaftskrisen steuere. Mit mäßigem Erfolg.

Die nächste Überraschung folgt dann prompt:

Das 360 Grad-Kino bietet Platz für zahlreiche Besucher, die sich hier Filme abspielen lassen können – und mutet ziemlich futuristisch an!

Und als ich dann mein persönliches Highlight meines heutigen Besuches entdecke, funkeln meine Augen: 

Ein echter Goldbarren verbirgt sich unter Plexiglas und strahlt mich gülden an.
Mitnehmen kann ich ihn leider nicht, dafür jedoch anheben. Wahnsinnsgefühl, so einen ganzen Barren Gold in der Hand zu halten, dessen Wert mir vermutlich ein Leben in Saus und Braus bis ins Rentenalter hinein ermöglichen würde.

Und wie schwer Gold doch ist! Stolze 12,3 Kilo wiegt das Teil
Workout für heute: Check!

 

Mein Resumé

 

Fast bin ich ein wenig traurig, als ich die Caféteria erreiche. Dieses bedeutet nämlich das Ende der Ausstellung und versorgt die nun bestens informierten Besucher mit Käffchen. Geldhunger kann hier zwar nicht gestillt werden, Kuchenhunger dagegen schon.

Ich trage mich ins Besucher-Buch ein.

„Geld“, das war für mich ja immer schön zu haben – im Gesamtkontext aber immer etwas schwer verständliches, aber doch alltägliches.

Und dennoch ist es dem Museum gelungen, dass ich mich keine Sekunde gelangweilt habe. Wie auch, bei so kreativen und verständlichen Beispielen wie dem Supermarkt?

Auch hatte ich mir bislang nie Gedanken darüber gemacht, was ein einzelner Geldschein an einem Tag so alles erlebt. Wohin er reist, in welcher Kasse er liegt, in welche Geschäfte er verwickelt ist. In einer Woche, einem Monat, einem Jahr – Wahnsinn! Geldscheine sollten Bücher schreiben, wenn sie es könnten.

Einen Besuch kann ich jedenfalls nur wärmstens empfehlen! 

Alle Infos zum Museum erhaltet ihr auf dessen Website. 

Nur meine 5-Mark-Schein-Sammlung, die bleibt vorerst in meinem Besitz.

Als ich Frau Roth in selbstbewusster Verhandlungsposition zu einem Erwerb der Scheine und einem Preisvorschlag auffordere – natürlich, nachdem ich die Wichtigkeit eines musealen Erhaltes der Sammlung für die Nachwelt als wertvolles Zeugnis der Menschheitsgeschichte betont habe – erhalte ich ein Lachen statt einen Geldsegen.

 

Verdammt aber auch. Da werd‘ ich wohl noch ein paar Jahre warten müssen.