Wohin schon am Dienstagabend? Zum Beispiel zur Jam-Session im „Spritzehaus“.

Montags- und Dienstagabends ausgehen in Frankfurt, das ist mitunter etwas tricky. Ab dem Mittwoch, da beginnt die Stadt sich auf das Wochenende einzustimmen oder zieht die Feierei gleich vor in die Wochenmitte.

Die ersten beiden Tage einer Woche, die bieten kein allzu buntes Ausgehprogramm. Am Montagabend bleibt da eigentlich nur die Partyreihe „What‘ up Monday“ des Velvet (blöde nur, wenn man nicht gerade Student ist) oder das PubQuiz im O’Dwyers Irish Pub (blöde nur, wenn man kein Ratefuchs ist).

Am Dienstagabend dann kann man zwar im „Orange Peel“ allwöchentlich die Jazz/Blues/Funk – Session von Tommie Harris & Freunden genießen, aber jeden Tag Currywurst schmeckt ja irgendwann auch nicht mehr.

Neulich aber – es war einer jener Dienstage – begab es sich, dass ich wie üblich schlaftrunken zum Briefkasten wankte, um mich der Lektüre meiner Frankfurter Rundschau widmen zu können. Eine ganze Sonderseite war da Alt-Sachsenhausen gewidmet. Alt-Sachs, das sei nämlich mehr als nur Shisha-Bar und Ballermann. Wer sich davon überzeugen wolle, der solle doch gleich heute Abend mal der „Jam-Session“ im Spritzehaus beiwohnen. Ich nahm den Artikel derweil wohlwollend zur Kenntnis.

Im Laufe des Tages dann meldete sich mein Freund Arne. Er habe Besuch und Langeweile, ja ob ich denn verfügbar wäre am Abend. Klar war ich das, hatte schließlich frei – und wir einigten uns auf das „Speak Easy“ als Treffpunkt, schließlich sei sein Besuch ein Freund gepflegter Gitarrenmusik.

Ganz unverhofft landete ich an diesem Dienstag dann also doch in Alt-Sachsenhausen, den Artikel vom Morgen noch im Hinterkopf.

Es lag also nahe, die wenigen Meter hinüber in die alte Sachsenhäuser Feuerwache zu riskieren, um mal vorbeizuschauen bei der „Jam-Session“.

 

Und nun zur Kernaussage

Als wir die Türen öffnen und unter die Feuerwehrschlauch-behangenen Decken treten, sind wir kurz irritiert: Das Publikum scheint „ein wenig“ älter, wirklich viel los ist auch noch nicht.

Aber hey, verdammt: Die Musik ist geil! 

Die drei Musiker auf der Bühne (Schlagzeug, Gitarre, Bass) machen Laune, wir beschließen zu bleiben.

Und siehe da: Kaum haben wir Platz genommen und angestoßen, da füllt sich die alte Feuerwache. Zwei Mädels gesellen sich zu uns, wir versinken im Tratsch.

Und irgendwann, da wird die Bühne freigegeben für jedermann. Ich habe bereits mehrere Besucher beobachtet, die ihre Instrumente mit ihm Gepäck haben – und nun die Bühne entern dürfen.

Hey, für ’nen Dienstag, da ist das ziemlich gut hier. 
Und wieder mal hat es sich gelohnt, einfach mal was Neues auszuprobieren. Gibt eben auch an einem schnöden Frankfurter Dienstag mehr zu erleben, als man meinen möchte, 

Probiert es aus!